Abstract
Taylor wird als post-Ingenieur und prä-Informatiker interpretiert, und seine "Grundsätze" als Arbeitsprogramm für Informatiker. Unterstellt wird, daß Taylor in seinen Grundsätzen - obwohl er von "Schmidt und anderen Menschen" spricht - nicht an Menschen, sondern an Automaten gedacht hatte. Diese Interpretation drängt sich auf, wenn "jemanden verstehen" heißt, einen Kontext zu finden, in welchem seine Argumentation sinnvoll ist. Die taylorsche Argumentation ergibt bezüglich Automaten großen Sinn.
Die Taylorsche Verwechslung von Menschen und Maschinen beruht auf einer nahtlosen Tradition, in welcher auch viele der heutigen Ingenieure und Humanisierer hemmungslos verweilen, was nicht nur in der ganzen KI-Diskussion, sondern vor allem auch dort oft drastischen Ausdruck findet, wo von der sogenannten Mensch-Maschine-Kommunikation die Rede ist, wie wenn Maschinen kommunizieren könnten. Ich glaube, es lohnt sich nochmals über Taylor nachzudenken, damit er nicht länger als Strohpuppe für etwas geschlagen wird, was sich dem Geschlagenwerden unerkannterweise entzieht: nämlich daß wir immer noch häufig "taylorsche Schmidts" anstelle von Maschinen einsetzen.
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Inhaltsverzeichnis
Abstract. 2
Inhaltsverzeichnis 3
Einleitung 4
Der böse Taylor 4
Taylor als post-konventioneller Ingenieur 4
Der "gute" Taylor. 6
Taylor als "prä"-Informatiker. 7
Taylor als Repräsentant der technischen Intelligenz. 9
Literatur. 10
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Einleitung
"Taylorismus" ist im Laufe der sogenannten Humanisierung der Arbeit zu einem vernichtenden Vorwurf geworden, den nicht einmal diejenigen gerne auf sich sitzen lassen, die wirklich motivationstötend rationell produzieren. Und Taylor selbst? Wie würde er dem nach ihm benannten Vorwurf wohl begegnen? Er, der seine wissenschaftliche Theorie zum Wohle aller entwickelt haben wollte. Dem Ingenieur Taylor, der anfänglich selbst Arbeiter war, stand jedenfalls nichts Schlechtes gegen die Arbeiter im Sinn. Das beteuerte er sogar im Zusammenhang mit seiner wohl berühmtberüchtigsten Geschichte, in welcher er die Tätigkeit seines "geistig unbeholfenen Arbeiters Schmidt" wie folgt charakterisiert: "Einen intelligenten Gorilla könnte man so abrichten, daß er ein mindestens ebenso tüchtiger und praktischer Verlader würde (...)" (Taylor, 1977, S. 43).
Der böse Taylor
Der "böse Taylor" ist derjenige, der Arbeitsplätze von primitiv(gehalten)en Arbeitern beschreibt. Wer Arbeitsplätze so einrichtet, daß dort auch Gorillas arbeiten könnten, verdient es, verwünscht zu werden. Taylor aber hat nicht nur die Arbeit der andern beschrieben, er beschrieb vor allem auch sich selbst. Was tut ein Ingenieur, der zum Wohle aller und sicher nicht willentlich gegen seine Schmidts arbeitet?
Taylor als post-konventioneller Ingenieur
Psychologisierend könnte man sagen, der Ingenieur plane, erfinde, organisiere, konzipiere, analysiere, usw. Der sichtbare, empirisch zugängliche Teil der Tätigkeit des Ingenieurs besteht darin, daß er seinen Arbeitern Anweisungen gibt. Taylor befiehlt, Schmidt arbeitet. Konventionelle Ingenieure geben ihre Anweisungen in Form von Konstruktions- oder Bauplänen. Damit beschreiben sie offensichtlich - herzustellende -Produkte. Natürlich impliziert eine sehr detaillierte Konstruktionszeichnung immer auch den Produktionsprozeß. Den Arbeitern, die nach Konstruktionszeichnungen arbeiten, ist weitgehend vorgegeben, was sie wann und wie zu tun haben. Gleichwohl haben konventionelle Ingenieure in ihren Anweisungen das Produkt, nicht dessen Herstellung, im Auge. Sie werden deshalb auch in produktbezogene Unterkategorien, wie Maschinen-, Elektro- und Bauingenieure eingeteilt.
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Arbeit zitieren:
Rolf Todesco, 1994, Der rationale Kern im Taylorismus, München, GRIN Verlag GmbH
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