Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Die Arbeiterbewegung 5
2.1. Die Geschichte der Arbeiterbewegung 5
2.2. Die Ideologie: Lassalle, Marx und Engels 7
3. Die Spaltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion 9
3.1. Der 4. August 1914 9
3.2. Das Ende der Einheit 12
3.2.1. Die radikale Linke 12
3.2.2. Die linke Mitte 15
4. Die Spaltung der Partei - die Gründung der USPD 19
5. Schlusswort 23
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 25
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1. Einführung
„(…) Seit langem schon ist die Parteispaltung vorbereitet. Meinungsverschiedenheiten von rechts und links haben tiefe Gegensätze geschaffen und die Partei in zwei Lager geschieden. (…) Die alte (Minderheit) mit den alten Parteigrundsätzen mit dem Ziele der Überwindung des Kapitalismus, die neue (Mehrheit) mit dem opportunistischen Prinzip des Reformismus und der Anpassung an den Kapitalismus. (…).“ 1
Am 12. Januar 1916 wurde Otto Rühles Artikel „Zur Parteispaltung“ im „Vorwärts“ veröffentlicht, in welchem er zu dem Schluss kam, dass eine Spaltung der SPD unvermeidlich sei. Die Partei habe eine völlige Kehrtwende vollzogen und verfolgt nun eine andere Richtung mit neuen Grundsätzen, die dem bisherigen Weg entgegenstehen. Jedoch versuchte eine kleine Minderheit dem neuen Kurs der Partei entgegenzuwirken.
Der 4. August 1914 gilt hier als Stichtag, der den Beginn zur Spaltung der Arbeiterbewegung initiierte. In der Reichstagssitzung an diesem Tag, wurde zur Abstimmung über die Bewilligung der Kriegskredite, für den heraufziehenden Krieg aufgerufen. Sämtliche Fraktionen gaben ihre Zustimmung, auch die SPD. Jedoch sollte diese die Partei in die bis dahin schwerste Krise ihrer Geschichte führen und letztendlich in ihrer Spaltung enden. Ziel dieser Arbeit ist es, die Spaltung der politischen Arbeiterbewegung während des Ersten Weltkrieges zu untersuchen. Zunächst soll ein kurzer Überblick über die Arbeiterbewegung generell gegeben werden. Es soll geklärt werden, was Arbeiterbewegung eigentlich ist, ihre Absichten und ein kurzer Abriss ihrer Geschichte bis 1914. Weiter wird ihre Ideologie bis zum Ersten Weltkrieg kurz erläutert, da das Handeln der politischen Arbeiterbewegung ab 1914 im Gegensatz zu dieser stand. Schließlich steht der Spaltungsprozess im Mittelpunkt der Betrachtung. Beginnend mit dem 4. August 1914, soll die Spaltung erläutert werden. Es sind die Gründe zu klären, die einzelnen Fraktionen innerhalb der Arbeiterbewegung werden näher betrachtet, sowie ihre Ziele und Gegensätze. Am Ende des Spaltungsprozesses stand die Gründung der USPD 1917. Hier werden ihre Ideologie und ihre Zusammensetzung untersucht. Gleichzeitig wird ihr Programm betrachtet und ihr Gegensatz zur SPD. Die Geschichte der Arbeiterbewegung war schon in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen Gegenstand des Interesses. So gab Arno Klönne in seinem Werk „Die deutsche Arbeiterbewegung“ einen Gesamtüberblick über die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung im Vergleich zu anderen, westeuropäischen Bewegungen. Helga Grebing gab mit ihrer „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ ebenfalls einen Gesamtüberblick. Gleichzeitig bildet ihr Werk eine Materialsammlung, da sie ihren Text mit Quellen, Zitaten
1 Dokumente und Materialien zur Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung Reihe II, Bd. 1, S. 301f.
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und Statistiken unterlegt hat. Susanne Miller „Burgfrieden und Klassenkampf“, Manfred Scharrer „Die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung“ und Carl E. Schorske „Die große Spaltung“ legten speziell zur Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung Monographien vor. Während Manfred Heidegger sich in seinem Werk „Die deutsche Sozialdemokratie und der nationale Staat 1870-1920“ mit dem nationalen Standpunkt der Sozialdemokratie beschäftigte, was für den Spaltungsprozess eine wichtige Rolle spielte.
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2. Arbeiterbewegung 2.1. Geschichte der Arbeiterbewegung
Seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts findet der Begriff „Arbeiterbewegung“ Anwendung. 2 Er steht für die Klasse der Arbeiter, die sich gemeinsam für die Verbesserung ihrer sozialen Lage und die Erlangung politischer Rechte einsetzten. Ausdruck fanden diese Bemühungen in der Bildung von Gewerkschaften und politischen Parteien. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollzogen sich enorme gesellschaftliche Veränderungen, die vor allem die Unterschichten in Mitleidenschaft zogen. Die Industrialisierung löste alte, ständische Strukturen auf, die Agrargesellschaft wurde von der Industriegesellschaft abgelöst. Es kam zur Verelendung großer Teile der Bevölkerung, wozu unter anderem Heimarbeiter, die sich langsam herausbildenden Fabrikarbeiter, sowie Handwerker gehörten. Gleichzeitig kam es zu einem ungehemmten Bevölkerungswachstum, überschüssige Arbeitskräfte drängten vom Land in die Stadt, die Folge war ein Überangebot an Arbeitskräften in den frühen Industriezentren und somit Massenarmut.
Allmählich begannen sich die Arbeiter zu organisieren. Wie Hans Mommsen feststellte, ist die Arbeiterbewegung aus der „Arbeiteraristokratie“ hervorgegangen, Arbeiter, die an der Spitze der Lohnpyramide standen. 3 Erste gewerkschaftliche Strukturen fanden sich in Berufen, die weniger von der Industriellen Revolution betroffen waren. Allen voran Berufe, die aus dem Handwerk kamen, bildeten früh gewerkschaftliche Strukturen aus. Sie konnten auf eine lange Zunfttradition zurückblicken, die nun von Vorteil war. Mit der Gewerbefreiheit, die in Deutschland nach und nach eingeführt wurde, wurden die Zünfte aufgelöst. Man konnte sich an diesen orientieren und nun zeitgemäße Interessenvertretungen ausbilden. 4 Weitere, wichtige Rollen bei der Ausbildung politischer und gewerkschaftlicher Strukturen spielten die Tabakarbeiter und die Buchdrucker. Diese beiden Berufsgruppen hatten unter den Arbeitern den höchsten Bildungsstand vorzuweisen. Sie arbeiteten in manufakturähnlichen Betrieben und so fiel ihnen die Verständigung untereinander leichter, als es in den lärmerfüllten Fabriken der Fall war. So gründeten sie während der Revolution 1848 die Verbände der Zigarrenarbeiter und Buchdrucker, erste Interessenvertretungen der Arbeiter, die auf feste Arbeits- und Lohnvereinbarungen abzielten. Im selben Jahr wurde in Berlin das „Zentralkomitee für Arbeiter“ gegründet, das sich dieselben Ziele zur Aufgabe machte. Unter der Leitung Stephan Borns hielten Arbeitervereine aus verschiedenen Regionen und Städten Deutschlands von August bis September 1848 in Berlin einen „Allgemeinen deutschen
2 Vgl. Mommsen, Arbeiterbewegung und nationale Frage, S. 221.
3 Mommsen, Arbeiterbewegung und nationale Frage, S. 224.
4 Vgl. Ritter, Arbeiter, Arbeiterbewegung und soziale Ideen in Deutschland, S. 70.
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Arbeiter-Kongreß“ ab. Dieser kann als Gründungskongress der „Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verbrüderung“ gesehen werden, die als erste politische Organisation der Arbeiterbewegung in Deutschland gilt.
Mitte 1849 jedoch brach die Revolution zusammen. Die alte Ordnung konnte sich konsolidieren, die Erfolge der Revolution wurden rückgängig gemacht, die ersten Interessenvertretungen der Arbeiter aufgelöst.
Zu Beginn der 1860er Jahre begannen sich die Arbeiter neu zu organisieren, „(…) die Zeit zwischen 1863 und 1875 wurde zur Gründungsperiode einer in sich geschlossenen, allen bürgerlichen politischen Richtungen klar entgegengesetzten Partei der Arbeiter in Deutschland in Gestalt der Sozialdemokratie.“ 5 Die Sozialdemokratie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, „durch die Eroberung des Staatsapparates und durch politischen Kampf die gesellschaftliche Umgestaltung herbeizuführen“ 6 . Ihr Ziel war also weiterhin die Verbesserung der Lage der Arbeiter, welche besonders unter der fortschreitenden Industrialisierung zu leiden hatten. Kennzeichen der Sozialdemokratie waren eine Tendenz zu straffer, zentralistischer Ordnung und das Primat der politischen Partei der Arbeiter gegenüber den Gewerkschaften. 7
Im Mai 1863 wurde der „Allgemeine deutsche Arbeiterverein“ (ADAV) unter Ferdinand Lassalle gegründet. Die erste politische Partei in Deutschland, die sich für die Interessen der Arbeiter einsetzte. 1869 gründete sich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht. 1875 vereinigten sich beide Parteien in Gotha zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), eine Folge der Gründung des deutschen Kaiserreichs. Das Ziel der neu gegründeten Partei war es, eine Gleichberechtigung der Arbeiter, sowohl in sozialen als auch in politischen Belangen zu schaffen. Gleichzeitig forderte man sozialistische Produktionsgenossenschaften mit Staatshilfe. Man wollte einen freien Staat mit einer sozialistischen Gesellschaft formen. 8
Die SPD sollte eine der größten und einflussreichsten Parteien im Kaiserreich werden, jedoch erst nachdem das Sozialistengesetz im Reichstag keine Mehrheit mehr fand. 1878 wurde dieses verabschiedet und bis 1890 regelmäßig verlängert. Es richtete sich gegen sämtliche Organisationen der Arbeiterbewegung, verbot ihre Publikationen, Versammlungen und Vereine. Es urteilte über die Arbeiter als Verräter am Vaterland, ihre Ziele und ihr Kampf richteten sich angeblich gegen das obrigkeitsstaatliche Deutschland. 9 Eine Ausnahme des
5 Klönne, Die deutsche Arbeiterbewegung, S. 35.
6 Mommsen, Arbeiterbewegung und nationale Frage, S. 242.
7 Ebenda.
8 Vgl. Grebing, Geschichte der deutschem Arbeiterbewegung, S. 91.
9 Vgl. Grebing, Geschichte der deutschem Arbeiterbewegung, S. 93.
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Gesetzes waren jedoch die Kandidatur und die Arbeit von Sozialdemokraten im Reichstag. Trotz ihrer strikten Verfolgung gelang es der Arbeiterbewegung sich im Untergrund zu organisieren und zu überleben. Den Gewerkschaften, während des Sozialistengesetzes getarnt als Vereine, gelang eine Versechsfachung ihres Mitgliederanteils, der Sozialdemokratie eine Verdopplung ihres Wähleranteils. 10 1890 fiel das Sozialistengesetz und 1891 gab sich die SPD in Erfurt ein neues Programm, das sich strikt an die Lehren von Karl Marx hielt. Schließlich wurde die SPD in den folgenden Jahren eine der mitglieder- und wählerstärksten Parteien im Kaiserreich, was die folgenden Zahlen sehr gut wieder spiegeln:
1906 hatte die SPD 384327 Mitglieder, im Jahre 1914 bereits 1085905. 12 Was sagt uns das über die SPD? Mit dem Ende des Sozialistengesetzes, sahen die Arbeiter in der Partei die einzige Alternative, ihre Wünsche und Vorstellungen politisch durchzusetzen. Nicht ihre „Ideologie und Programmatik“ 13 zog die Arbeiter zur Partei, wie Arno Klönne feststellte, sondern ihre bloße Existenz, jemand der im Reichstag für ihre Rechte eintrat.
2.2. Ideologie: Lassalle, Marx und Engels
Die Ideologie der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung hing stark mit der Auffassung des Staates zusammen. 14 Es standen sich in der Gründungsphase der Arbeiterbewegung, den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, zwei Theorien gegenüber, „der den nationalen Staat bejahende sozial-demokratische Reformismus Lassalles und der internationale, revolutionäre Sozialismus von Marx und Engels.“ 15
In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte Ferdinand Lassalle, der erste Vorsitzende des ADAV, seine eigene Staats- und Gesellschaftstheorie. Genau wie Karl Marx und Friedrich Engels sprach Lassalle von Klassenherrschaft, der Unterdrückung von Arbeitern durch die
10 Ritter, Arbeiter, Arbeiterbewegung und soziale Ideen in Deutschland, S. 74.
11 Quelle: Sautter, Deutsche Geschichte seit 1815, S. 108-111.
12 Vgl. Klönne, Die deutsche Arbeiterbewegung, S. 114.
13 Klönne, Die deutsche Arbeiterbewegung, S. 116.
14 Vgl. Ritter, Arbeiter, Arbeiterbewegung und soziale Ideen in Deutschland, S. 80.
15 Grebing, Geschichte der deutschem Arbeiterbewegung, S. 57.
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Arbeit zitieren:
Marcel Fidelak, 2009, Die Spaltung der sozialistischen Arbeiterbewegung (1914-1918), München, GRIN Verlag GmbH
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