Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Nikolaus II. 5
3. Die Revolution 1905 7
3.1. Ursachen und Verlauf 7
3.2. Das Oktobermanifest, das „Staatsgrundgesetz“ und die Duma 10
4. Die Februarrevolution 1917 und das Ende der Herrschaft der Romanows 13
5. Schlusswort 16
Anhang 17
1. Abbildungen 17
2. Literaturverzeichnis 19
3. Abbildungsverzeichnis 20
2
1. Einführung
Nikolaus II. (Abb. 1) wurde im Jahre 1849 Zar des Russischen Reiches. Kurz nach seiner Thronbesteigung hielt er eine Rede vor Zemstwovertretern, in der er folgendes sagte: „Ich bin sehr glücklich, Vertreter aller Stände zu sehen, die gekommen sind, um mir ihre untertänigen Gefühle auszudrücken. Aber ich habe gehört, dass in letzter Zeit in einigen Zemstvo-Versammlungen Stimmen laut geworden sind, die sinnlosen Träumereien über eine Beteiligung von Zemstvo-Vertretern an der Staatslenkung nachhingen. Alle sollen wissen, dass ich mit allen meinen Kräften dem Wohl des Volkes dienen werde, aber deshalb das Prinzip der Autokratie ebenso fest und beständig hochhalten werde wie mein unvergesslicher Vater.“ 1
Diese Rede gibt seinen höchsten Anspruch an seiner Herrschaft wieder, den Erhalt der Autokratie. Nach der restriktiven Regierungszeit Alexanders III. ächzte das Land nach politischer Veränderung. Liberale Kräfte setzten große Hoffnungen auf Nikolaus II. als Nachfolger Alexanders, die er mit dem Festhalten an der Autokratie enttäuschte. Leider sollte es Nikolaus nicht gelingen, sein Ziel in die Tat umzusetzen. Das Russische Reich ließ sich mit den alten Strukturen nicht mehr regieren, gleichzeitig sollte sich Nikolaus als schwacher und zögerlicher Monarch erweisen, der nach und nach seine Herrschaft teilen musste und zum Schluss sogar ganz verlor.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, dass Verhalten Nikolaus II. auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917 zu untersuchen. Zunächst soll etwas über Zar Nikolaus gesagt werden: Seine Lebensdaten, wichtige Ereignisse die ihn prägten und auf seine späteren Entscheidungen Einfluss nahmen. Anschließend steht die Revolution von 1905 im Zentrum des Interesses. Danach wird das vorrevolutionäre Russland untersucht. Die Probleme und Ursachen des riesigen Reiches, die zur Revolution führten. Anschließend die Revolution selbst, ihr Verlauf, die entscheidendsten Ereignisse und damit die Reaktionen Nikolaus II. auf diese. Die Februarrevolution von 1917 wird im vorletzten Kapitel das bedeutende Ereignis sein, dass es zu betrachten gilt. Ursachen und Verlauf werden geschildert, sowie schließlich die Reaktion Nikolaus II., die in seiner Abdankung mündete.
Nikolaus II. und die Russischen Revolutionen sind bereits in zahlreichen Publikationen bearbeitet worden. Hélène Carrèrre d’Encausse hat mit ihrem Werk „Nikolaus II -Das Drama des letzten Zaren“ speziell zu Nikolaus II. eine Biografie vorgelegt. Für einen kurzen Überblick über das Leben Nikolaus II. eignet sich hervorragend der Aufsatz von Heinz-Dietrich Löwe „Nikolaus II 1894-1917“. Überblickswerke bieten Horst Günther Linke mit
1 Zitiert nach: Linke, Geschichte Russlands Von den Anfängen bis heute, Darmstadt, 2006, S. 147.
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seinem Werk „Geschichte Russlands Von den Anfängen bis heute“ und Hans-Joachim Torke mit seiner „Einführung in die Geschichte Russlands“. Als Standardwerk zur russischen Geschichte sollte unbedingt das „Handbuch der Geschichte Russlands“ zu Rate gezogen werden, dessen dritter Band einen sehr guten Überblick über die Epoche der russischen Revolutionen bietet.
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2. Nikolaus II.
Nikolaus II. wurde am 6. Mai 1869 geboren. Erst kurz vor seiner Geburt wurde offensichtlich, dass er einmal den russischen Thron erben würde, der älteste Sohn Alexander II. war 1865 verstorben. Trotz dieser Tatsache, erhielt Nikolaus nicht die bestmögliche Ausbildung für sein späteres Amt. 2
Er war das älteste der fünf Kinder Alexanders III. Nikolaus erlebte eine glückliche Kindheit und Jugend, in einer harmonischen und liebevollen Familie. Gleichzeitig wurde sein Leben durch äußerste Bescheidenheit gekennzeichnet, was Wohnstil, Kleidung sowie Essen betraf. 3 Er führte dieses harmonische Leben in seiner Familie fort, intensivierte es sogar, was schließlich in einer Loslösung von allen gesellschaftlichen Schichten des Reiches führte. Nikolaus war intelligent, beherrschte bereits mit 16 Jahren vier Sprachen und entwickelte früh Fähigkeiten zur Ruhe und Selbstkontrolle. Er war pflichtbewusst, diszipliniert und aufmerksam, zeigte aber wenig Interesse im Unterricht und an den Tätigkeiten eines zukünftigen Herrschers. Gleichzeitig bildete die Wahl seiner Erzieher eine Fehlentscheidung, die sich auf sein ganzes Leben auswirken sollte. Den größten Einfluss auf die Sichtweise Nikolaus hatte der Jurist Konstantin Petrovic Pobedonoscev. Er vermittelte Nikolaus ein konservatives Bild der Politik: „Sie war für ihn nicht das Ergebnis eines komplizierten Geflechts von Interessenkonflikten oder Ausdruck einer Staatsräson, sondern eine Frage der Wahrheit oder der Lüge (…)“ 4 Dies bestimmte Nikolaus Denken in späteren Jahren. Politik wurde für ihn zu einer Sache des Gehorsams, abweichende Meinungen waren nicht akzeptabel. Gleichzeitig beeinflusste Pobedonoscev Nikolaus Verständnis vom Status Russlands 5 , der von der Autokratie und einer dem Zaren unterworfenen orthodoxen Kirche abhängig sei. Von seinen Erziehern ein überaltertes Weltbild vermittelt bekommen, vernachlässigte sein Vater ebenso Nikolaus Erziehung in Regierungsangelegenheiten. Mit 18 Jahren wurde er im Reichsrat assoziiert, wo ihm allerdings keine politische Verantwortung zukam.
Besonders verheerend für seine Erziehung war die Tatsache, dass Nikolaus vom Kontakt mit Gleichaltrigen abgehalten wurde, sodass die Ausbildung seiner sozialen Kompetenzen litt. Sein Kontakt zu Mitmenschen beschränkte sich auf die Zarenfamilie, sowie deren Bedienstete und Bewacher. Jedoch bildete sich auch in diesem Verhältnis eine wichtige Sichtweise Nikolaus heraus. Bei den letzten beiden Gruppen handelte es sich zumeist um einfache
2 Vgl. Carrèrre d`Encausse, Nikolaus II. Das Drama des letzten Zaren, S. 69.
3 Ebenda.
4 Löwe, Nikolaus II. 1894-1917, S. 356.
5 Vgl. Carrèrre d`Encausse, Nikolaus II. Das Drama des letzten Zaren, S. 73.
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Bauern und Soldaten: „Nikolaus liebte diese Menschen aufrichtig und mag durch sie zu dem Urteil gelangt sein, daß die einfachen Menschen Rußlands so etwas wie sein eigentlicher Kern seien.“ 6 Durch seine tiefe Religiosität glaubte sich Nikolaus auf mystische Weise mit dem einfachen Volk verbunden. Diese Verbindung suchte sich Nikolaus in späteren Jahren politisch zu Eigen zu machen.
Das wohl prägendste Ereignis seines frühen Lebens erlebte Nikolaus 1881, als sein Großvater Alexander II. Opfer eines Bombenanschlages wurde. Alexander war der „Reformzar“, der gegen den Widerstand breiter Volksschichten Reformen durchgesetzt hatte. Den Preis, den er dafür zahlen musste, waren zahlreiche Attentatsversuche und schließlich der qualvolle Tod. Alexander III., sein Sohn, schlussfolgerte daraus, dass eine Stärkung der Autokratie dringend nötig sei. 7 Nikolaus war bedingungslos bereit, ihm in diesem Urteil zu folgen. In dieser Entscheidung bündelte sich seine gesamte Erziehung, die ihn auf eine uneingeschränkte, autokratische Herrschaft vorbereitet hatte.
6 Löwe, Nikolaus II. 1894-1917, S. 357.
7 Carrèrre d`Encausse, Nikolaus II. Das Drama des letzten Zaren, S. 70.
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Arbeit zitieren:
Marcel Fidelak, 2009, Zar Nikolaus II. und seine Reaktionen auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917, München, GRIN Verlag GmbH
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