Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Hauptquelle: MartPol 5
2.1. Bezeugung 5
2.2. Datierung 5
2.3. Aufbau 6
2.4. Gattung 7
2.5. Kurze Paraphrase 8
3. Religiöse Konstruktion des Raumes 9
3.1. Heiliger Ort 9
3.2. Unbenannte Orte 10
3.3. Gottes Ruf 11
3.4. „Einmal heilig, immer heilig“ 11
3.5. Qualität des Ortes 13
4. Dauerhafte Sakralität durch Ritual und Tradition 14
4.1. Tradition als dauerhafte Sakralität 15
4.2. Beispiel für sakrale Topografie 16
5. Diskontinuität und Kontinuität paganer Tradition im MartPol 17
6. Schlussbetrachtung 19
Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Die Texte, die zur „materiellen Hinterlassenschaft der Antike“ 1 gehören, können als Primärquellen angenommen werden und haben Mehrbedeutung, wie die archäologischen Funde. Einer von diesen ist das Martyrium Polykarps. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der religiösen Konstruktion des Raumes im Martyrium Polykarps. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob neben den archäologischen Funden auch die Texte, die sich mit räumlichen Problemen beschäftigen, einen Ort religiös konstruieren können. Auf welche Weise wurde Smyrna im Martyrium Polykarps als religiöser Ort konstruiert?
Der Fokus dieser Arbeit richtet sich auf Gottes Ruf während der Hinrichtung des Polykarp. Zuerst wird die Bedeutung des Rufes herausgefunden. Ein anderes Forschungsobjekt ist das Ritual, das am Grab Polykarps durchgeführt wurde. Die Quelle zeigt auf der einen Seite ein heidnisches religiöses Ritual, wo Polykarp als Opfer hingerichtet wurde, andererseits wurde die Opferbereitschaft der Christen für ihren Glauben abgebildet. Aus dieser Parallele ergibt sich ein Bild vom heidnischen Ritual, das als barbarisch gelten könnte, und von christlicher Liebe zu Gott, die im Glauben monotheistische Züge stärkt und das Christentum als richtige Wahl darstellt. Es wird in dieser Arbeit ein Versuch unternommen, die Rolle dieser Abbildung und das Ritual bei der Sakralisierung des Raumes herauszufinden.
Die Forscher haben sich geeinigt (Dehandschutter, Saxer, Buschmann), dass die redaktionelle Einheit des Martyriums nicht mehr in Zweifel gezogen werden kann. 2 MartPol ist eine Neuigkeit im Genre des Martyriums. Obwohl es einige Motive des Martyriums behalten hat, schafft es auch seinen eigenen Stil. Nach Meinung Van Hentens „ist für das Genre des Martyriums die Briefform zu wenig typisch“. 3 Gerd Buschmann, der MartPol als „Tendenzliteratur“ erkannte, 4 versucht es „in seiner deutlichen Tendenz zu erfassen“. 5
1 Christian Hänger: Die Welt im Kopf. Raumbilder und Strategie im Römischen Kaiserreich. Göttingen 2001. S. 15.
2 Gerhard Krause, Gerhard Müller: Theologische Realenzyklopädie, Politik/Politologie-Publizistik/Presse, Band 27, Berlin 1997. S. 27.
3 Van Henten: S. 221.
4 Gerd Buschmann: Gerd Buschmann: Martyrium Polycarpi-Eine formkritische Studie, Berlin 1994, S. 9.
5 Ebd. S. 9.
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H. Surkau versucht in seinem Werk „Martyrien in jüdischer und frühchristlicher Zeit“ die Aufgabe von Polykarps Martyrium herauszufinden: „Das Polykarp-Martyrium sieht seine Aufgabe darin, am Leiden eines der ihren den Gläubigen zu zeigen, dass die Märtyrer besonders erwählte Werkzeuge Gottes sind, da sie ihn gleich dem Herrn durchs Leiden preisen, und dass es nun das der Gemeinde gesteckte Ziel ist, den Märtyrern nachzueifern.“ 6 Das prophetische Bild des Bischofs bestätigt das Martyrium als überzeugend, und „die Nachahmung des Sterbens Christi im MartPol dient der Stärkung im Glauben und der Erbauung sowie der Abwehr montanistischer Martyriumssucht“. 7 Das Vorbild Christus ermöglicht den Eintritt Polykarps ins Bewusstsein der Gläubigen als Heiliger. Gleichzeitig ist der Vergleich mit Christus ein aussergewöhnlicher Akt für den Märtyrer, der seine Autorität stärkt.
Obwohl im MartPol die Elemente der religiösen Konstruktion des Raumes genügend sind, wurde in dieser Richtung keine Untersuchung durchgeführt. Die Werke über Polykarps Martyrium, welche Polykarps Lebens und die Tradition erforscht haben, schweigen über die Bedeutung des Raumes, welche er durch das Martyrium erhalten hat. Die vorliegende Arbeit wird diese Bedeutung und die Weisen der Sakralisierung herausfinden. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Quelleninterpretation, indem Gattung, Genre, Aufbau der Quellen und eine kurze Paraphrase des Martyriums beleuchtet werden. Im zweiten Kapitel wird die religiöse Konstruktion des Raumes untersucht, wobei Bedeutung und Qualität des Ortes abgeklärt werden. Der Fokus des letzten Kapitels liegt auf der Sakralisierung des Raumes durch Ritual und Tradition.
6 Hans-Werner Surkau: Martyrien in jüdischer und frühchristlicher Zeit, Göttingen 1938, S. 134.
7 Gerd Buschmann: Das Martyrium des Polykarp, Göttingen 1998, S. 84.
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2. Die Hauptquelle: MartPol
2.1. Bezeugung
Der als Martyrium Polykarps von Smyrna bezeichnete Brief der Gemeinde Smyrna an die Nachbargemeinde Philomelion gilt als das erste schriftliche Zeugnis der frühchristlichen Märtyrerverehrung. Der Brief, der durch die Sammlung des Pseudo-Pionius und Eusebius überliefert wurde (über diesen Brief berichtet Eusebius in seiner Kirchengeschichte recht ausführlich, indem ein Teil des Martyriums, das 1. bis 7. Kapitel, gekürzt wurde. H. von Campenhausen nennt diese Verkürzung „Bearbeitungen“ und „Interpolationen“, die Eusebius unternommen hatte. - E.G) beschreibt sein Leben, von der Verfolgung bis zum Todesurteil und charakterisiert ihn wie einen Märtyrer, der trotz Verfolgung und Folter auf seinen Glauben nicht verzichtete.
Der Verfasser berichtet wie ein Augenzeuge oder beruft sich auf Augenzeugen. Ausgangspunkt des Briefes waren Augenzeugenberichte, die kurz nach dem Tode, jedoch vor dem ersten Todestag Polykarps zu diesem Sendschreiben zusammengefasst wurden. Verfasst wurde der Brief von Euaristos, der jedoch in Wir-Form im Auftrag der gesamten Gemeinde von Smyrna schreibt. 8
2.2. Datierung
„[…] er war noch in unseren Zeiten ein apostolischer und prophetischer
9 Lehrer und Bischof der katholischen Kirche in Smyrna.“
Um die Daten Polykarps Geburt und besonders seines Todes herrscht eine angeregte Kontroverse. 10 Die andauernde Diskussion um die Datierung des Martyriums, welche die Forscher geteilt hat, bildete die drei wichtigsten Vorschläge zur Datierung heraus. Diese
8 MartPol, 9.1; 15.1; 20.1. Online: www.unifr.ch/bkv/kapitel1680-14.htm. 10.09. 09 9 MartPol, 16.2.
10 Jochen A. Fischer: Schriften des Urchristentums, in: Die Apostolischen Väter. 10. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, S. 230-233.
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Vorschläge zeigen, dass die Forscher sich über die Datierung des Martyriums nicht einig waren. Forscher wie Waddington, Turner, Corssen, Schwartz, Schoedel, Barnes, Dehandschutter, die sich „auf die Kenntnis des Prokonsuln Kleinasiens und die chronologischen Angaben in MartPol 21“ 11 beziehen, nehmen als Polykarps Todesdatum ca. 155/156 n. Chr. an - jedenfalls bis spätestens 160 n. Chr. Im Hinblick auf die aus der Quelle stammenden Informationen 12 erscheint der 23. Februar 155 oder der 22. Februar 156 n. Chr. als Todestag. Aber Telfer, Marrou, Campenhausen, Brind'Amour und andere Forscher meinen, dass 167 n. Chr. als Todesdatum gelten kann, weil „Eusebius das MartPol in das 7. Jahr der Regierung Marc Aurels datiert“. 13 Der letzte Vorschlag konzentriert sich auf das Jahr 177 n. Chr. Nach Meinung H. Gregoir und P. Orgels, hat Eusebius in seiner Chronik einen Fehler begangen: „...ist die Angabe „7. Jahr“ in Eusebs Chronik ein Schreibfehler und meint das 17. Jahr des Marc Aurel“. 14
Die aus der Quelle stammende Information, dass Polykarp 86-jährig hingerichtet wurde, 15 setzt das Geburtsjahr um 70 n. Chr. an. Die Wichtigkeit des Todesjahres für die Datierung findet sich im Martpol 18.3, indem berichtet wird, dass der Jahrestag noch nicht bejubelt wurde. Das heisst, der Brief wurde im Laufe eines Jahres nach dem Tod Polykarps geschickt. Die Datierung hängt davon ab, wann Polykarp als Märtyrer starb. Diese Frage ist bis heute nicht endgültig geklärt.
2.3. Aufbau
Die Aufbauanalyse gehört mit zu den wichtigsten Methoden der Literarkritik. Nach Meinung Gerd Buschmanns bietet MartPol „einen sinnvollen und in sich geschlossenen Aufbau“. 16 Der Bericht besteht aus 22 Kapiteln. Aufbau und Inhalt des Briefes verfügen über fünf Teile. 17 Das Briefthema ist Polykarps Verhalten, das „als Vorbild eines „evangeliumsgemässen
11 Gerd Buschmann: Martyrium des Polykarp, Göttingen 1998, S. 39.
12 MartPol, 21; es wird jedoch angenommen, dass Kapitel 21 ein ergänzender späterer Zusatz ist.
13 Gerd Buschmann: Martyrium des Polykarp, S. 39.
14 Ebd. S. 39.
15 MartPol, 9,3.
16 Gerd Buschmann: Martyrium des Polykarp, S. 41.
17 ebd. S. 41.
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Arbeit zitieren:
Elchan Gassanow, 2010, Religiöse Konstruktion des Raumes im Martyrium Polykarps, München, GRIN Verlag GmbH
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