Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 0
2 Frauenbild und -bildung in Preußen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts 0
3 Helene Lange - Kurzbiographie 2
4 3Prinzipien der Frauenbildung nach Helene Lange 4
4.1 Die Gelbe Broschüre 4
4.2 Die weitere Entwicklung. 7
5 Wirkung. 8
6 Lange aus heutiger Sicht 8
7 Fazit. 10
8 Literaturverzeichnis: 11
1
1 Einleitung
Im Jahre 1887 verfasste die Frauenrechtlerin Helene Lange eine Petition an das preußische Unterrichtsministerium und das preußische Abgeordnetenhaus, der eine Begleitschrift beilag, die gemeinhin als die Gelbe Broschüre bekannt ist. 1 Diese Begleitschrift, die eine Reform des Mädchenschulwesens forderte, löste in der Öffentlichkeit große Debatten aus und wird heute als „der entscheidende Anstoß zur Reform des Mädchenschulwesens“ 2 betrachtet. Trotz mancher moderner Gedanken Langes, die bereits in diesem Dokument Einlass finden, wurde es dennoch in einer stark männer-dominierten Zeit verfasst, einer Zeit, in der Argumente wie Gleichberechtigung von Mann und Frau wenig Anklang finden konnten. 3 Lange beschreitet einen, aus heutiger Sicht, etwas ungewöhnlichen Argumentationsweg, der gerade die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hervorhebt. Auch in ihrem späteren Werk hält sie an der „durchgängige[n] geistige[n] Differenz“ 4 der Geschlechter fest, wenn sie ihre Theorien auch abändert.
Diese Arbeit wird untersuchen, welche Punkte oder Gedanken in Helene Langes Werk damals große Wirkung erzielten, was an ihr kritisiert wurde und was an ihr modern war. Außerdem werden ihre Theorien unter heutigen Gesichtspunkten untersucht, sodass zum Schluss der Arbeit Resümee gezogen wird über die veralteten und aufgeklärten Gedanken ihres Werkes.
Um das zu bewerkstelligen wird zunächst ein Blick in die Vergangenheit geworfen, die damaligen Zustände der Frauenbildung und des Frauenbildes dargestellt, sowie kurz Helene Langes Lebensweg beleuchtet. Anschließend werden Teile ihres Werkes im geschichtlichen und daraufhin im heutigen Kontext analysiert, sodass die Arbeit mit einem differenzierten Bild ihres Werkes in Bezug auf ihre Vorstellungen von Frauenbildung abschließen kann.
2 Frauenbild und -bildung in Preußen Mitte bis Ende des 19.
Jahrhunderts
Die beiden Teilaspekte „Frauenbild“ und „Frauenbildung“ der Überschrift sind eng mitein-ander verwoben. Das Frauenbild der Gesellschaft bedingte die schlechten Bildungsmöglich-
1 Vgl.Schaser, 2006, S.29.
2 Schaser, 2006, S.30.
3 Vgl. Frandsen, 1999, S.29.
4 Lange, H.: Intellektuelle Grenzlinien, S.204, in: Jakobi, 2003, S.206.
keiten, während die fehlende Bildung ihrerseits das Frauenbild prägte und weiter verfestigte. 5 Durch diese Verzahnung scheint es wenig angebracht, beide Bereiche getrennt zu behandeln, was allerdings ein Trugschluss ist; Gerade die Unterschiedlichkeit beider Themen muss betont werden, um zu Ergebnissen zu gelangen, mit denen es sich arbeiten lässt. So folgt an erster Stelle ein Überblick über das Bild der Frau, das vorherrschend im 19. Jahrhundert in Preußen war, um anschließend die Bedeutung dieses Bildes für die Bildungschancen von Frauen dieser Zeit zu erläutern. Da jedoch beide Themen nur knapp behandelt werden können, werden keine Unterpunkte eröffnet.
Das Bild der Frau in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wurde stark durch die Verstädterung der Bevölkerung und des Aufkommens des Bürgertums in vorigen Jahrhunderten geprägt. 6 Durch die zunehmende Rollenverteilung in der Mittelschicht im 18. Jahrhundert 7 , kam innerhalb der Familie dem Mann die Rolle des Ernährers und der Frau die Rolle des Haus-haltsvorstandes zu. 8 Dabei wurde die Geschlechtsvormundschaft 9 verschärft und die Frau als selbstständiges Wesen weiter abgewertet, sodass sich ihr Aufgabenbereich letztendlich auch rechtlich nur noch auf das Haus beschränkte. Die Frau wurde nur noch im verheirateten Zu-stand als vollständige Frau anerkannt. 10 Das führte dazu, dass auch das Bild der Frau sich an ihrem Aufgabenbereich orientierte und das Prinzip der „Geistigen Mütterlichkeit“ Mitte des 19. Jahrhunderts entstand, welches Frauen nicht nur im biologischen, sondern auch mentalen Sinn die Mütterlichkeit und Fürsorglichkeit als angeboren zusprach. 11 Für die Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten der Frau hatte das gesellschaftlich anerkannte Rollenverständnis und Frauenbild logische Konsequenzen. Da die „Ehe als Lebensziel“ 12 der Frau angesehen wurde, bestand folglich keine Notwendigkeit, Frauen eine berufliche Ausbildung oder höhere Bildung zukommen zu lassen. Zwar bestand in Preußen die allgemeine Schulpflicht seit 1736, diese beschränkte sich jedoch auf die Elementarschule. 13 Frauen blieben, im Gegensatz zu Jungen, denen der Besuch höherer Schulen und Universitäten gestattet war, nur das Selbststudium oder der Besuch einer höheren Töchterschule, um
5 Vgl. Lange, 1887, S.3.
6 Vgl. Schaser, 2006, S.10-11.
7 Mit dem Aufkommen der Industrialisierung und des Arbeiterstandes änderte sich an diesem Rollenbild wenig.
Selbst in Familien, in denen beide Ehepartner arbeiteten, wurde die Aufgabe der Frau weiterhin im Haushalt
gesehen und die bürgerliche Rollenverteilung Idealbild betrachtet.
8 Vgl. Schaser, 2006, S.10.
9 Geschlechtsvormundschaft bezeichnet die rechtliche Unselbstständigkeit von Frauen. Für rechtskräftige Hand-
lungen bedurften sie eines männlichen Vormunds - Gewöhnlich des Ehemannes oder Vaters. (Vgl. Schaser,
2006, S.11.)
10 Vgl. Schaser, 2006, S.12-13.
11 Vgl. Schaser, 2006, S.28-29.
12 Schaser, 2006, S.12.
13 Vgl. Frandsen, 1999, S.40.
1
sich weiterzubilden. 14 Selbststudium wurde ungern gesehen und die höheren Töchterschulen waren, meist private, Bildungseinrichtungen für höher gestellte Frauen, deren Abschluss lediglich zu einem Lehrerinnenseminar berechtigte. Die Lehrpläne enthielten im Vergleich zum Gymnasium für Jungen wesentlich mehr Religion, Deutsch und Sprachen, im Gegensatz dazu wesentlich weniger Mathematik und Naturwissenschaften und alte Sprachen. Die Schulleitung und Lehrer höherer Klassen wurden von Männern gestellt, was nichts daran änderte, dass die Qualität des Unterrichts an höheren Mädchenschulen deutlich unter denen für Jungen lag und keinen Standards folgte, was daran lag, dass Jungen auf den Beruf vorbereitet werden, Mädchen lediglich leichte Bildung und Kenntnisse für ihre Frau- und Mutterrolle erlernen sollten. 15
Doch selbst die Lehrerinnenausbildung, die nach dem Besuch einer höheren Töchterschule absolviert werden konnte, berechtigte nur eingeschränkt zum Unterrichten, nämlich an den unteren Stufen von Volksschulen und besagter höherer Töchterschulen. 16 Außer dem beruflichen Weg der Lehrerin standen unverheirateten Frauen zwei weitere Möglichkeiten zur Arbeit offen. Sie konnten Gouvernante oder Gesellschafterin werden - beides schwere, schlecht angesehen und bezahlte Arbeit. 17 Sobald die Frau jedoch in den Ehestand einging, wurde allgemein erwartet, dass sie ihre berufliche Tätigkeit einstellt und sich von nun an um den Haushalt und die Kinder kümmert. 18
Zusammenfassend wurde die Frau wurde als Haushälterin und Mutter gesehen, deren Veranlagung zur Mütterlichkeit und Erziehung es vollkommen unnötig machten, höhere Bildungsgrade als die, die sie für seichte Konversation mit ihrem Mann brauchte, zu erlangen. Die Frau war ein unselbstständiges Anhängsel des Mannes. Dies war die Situation, in die Helene Lange hineingeboren wurde.
3 Helene Lange - Kurzbiographie
Am 09.04.1848 wurde Helene Lange in Oldenburg als Tochter eines Kaufmanns geboren. Ihre Mutter verstarb 1855, ihr Vater 1864, sodass sie, nachdem sie Elementar-, sowie höhere Mädchenschule 19 bereits absolviert hatte, Pensionstochter 20 und bald darauf Haustochter ihres
14 Vgl. Matthes/Hopf, 2001, S.9.
15 Vgl. Schaser, 2006, S.25-27.
16 Vgl. Matthes/Hopf, 2001, S.37.
17 Vgl. Schaser, 2006, S.25.
18 So wurden Lehrerinnen beispielsweise nach ihrer Hochzeit „unter Verlust der Pensionsberechtigung entlas-
sen“ (Schaser, 2006, S.28.).
19 Die Mädchengrundschule, die Helene Lange besuchte, wurde während ihres Aufenthalts zur höheren Töchter-
schule erweitert. (Vgl.Matthes/Hopf, 2001, S.9.)
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Arbeit zitieren:
Nils Marheinecke, 2008, Prinzipien der Frauenbildung nach Helene Lange - Heute kontroverser als vor über 100 Jahren?, München, GRIN Verlag GmbH
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