Der Raum
Wir hatten wahrscheinlich alle schon einmal das Gefühl zuwenig Platz zu haben. Grund für dieses Gefühl kann tatsächlich ein Mangel an Platz sein, muss es aber nicht. Oft ist es nur das Bauch-Gefühl, das uns vermittelt, eingeengt zu sein. Besonders gut lässt sich dieses Phänomenen des „gefühlte Platzmangels“ beim Gespräch zwischen Leuten und dem Vergleich der verschiedenen Völker beobachten. Wir Deutsche achten zum Beispiel beim Gespräch immer auf den Sicherheitsabstand. In Westdeutschland beträgt der Sicherheitsabstand 70 Zentimeter, im Deutschen Osten dagegen „nur“ 60 Zentimeter. Je weiter wir uns nach Osten bewegen, desto geringer wird der Abstand zwischen den Gesprächspartnern. Umgekehrtes kann man im Westen beobachten. Je weiter westlich wir uns von Deutschland entfernen, desto größer wird der Sicherheitsabstand.
Abschließend kann man sagen, dass der Sicherheitsabstand einer Blase ähnelt, mit der wir uns umgeben. Wenn uns jemand zu nahe kommt, weichen wir automatisch zurück. Wie groß diese Blase ist, hängt nach der Kultur, der Herkunft und von der Erziehung der Gesprächspartner ab. Andere Kulturen haben bekanntlich andere Sitten.
Orientierung im Raum
Wir kennen das alle: Wir verreisen und begegnen einer ganz anderen Kultur. Dabei reicht es aus, wenn wir Freunde im Nachbarort (oder in einem uns unbekannten Stadtteil) besuchen. Bei der Suche nach der angegebenen Adresse stellt sich schnell Orientierungslosigkeit ein. Es ist, als träten wir durch eine Tür und befänden uns in einer ganz anderen Welt. Neben den üblichen Schwierigkeiten im „Ausland“ wie
Verständigungsproblemen, bedingt durch oft fehlende Sprachkenntnisse (dazu zählen auch Schwäbisch und Bayrisch); und den falsch 2|7
interpretierten Sitten der Bevölkerung kommt oft noch ein weiteres gravierendes Problem hinzu: Die Orientierung in der „Fremde“. Um uns dennoch einigermaßen zurecht zu finden kaufen wir daher schon oft vor Beginn der Reise Karten und lesen eifrig Reiseführer und Reiseberichte. Solange wir uns in einem Land befinden, dass das lateinische Alphabet nutzt, können wir fern der Heimat immerhin noch die Straßennamen entziffern. Befinden wir uns dagegen in China, kommen wir an unsere Grenzen. Ohne grundlegende Kenntnisse des chinesischen Schriftsystems bleibt uns nur noch die Interpretation der Straßenschilder offen. Doch Karten und Straßennamen sind bei der Orientierung nicht das einzige Problem. Um sich zu orientieren hat der Mensch vier verschiedene Himmelsrichtungen kreiert. Norden, Süden, Westen und Osten. Doch wo befindet sich der Westen überhaupt? Wo Osten? Wenn wir im Westen sind, dann fühlt es sich oft gar nicht danach an. Mit dem Westen verbinden wir Reichtum und Glemmer, der Osten dagegen steht oft für eine hohe Arbeitslosigkeit und korrupte Regierungen. Doch dieses einfache Denkschema gerät schon bei der Trennung Deutschlands in Ost und West aus den Fugen, denken wir nur einmal an die hohe Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet. Letztlich kann man nur eines sagen: Was westlich oder östlich ist, hängt immer davon ab, wo man sich im Moment der Orientierung befindet.
Immerhin: Was die Genauigkeit von Karten angeht, können wir glücklich sein, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Mittlerweile hat auch die katholische Kirche akzeptiert, dass die Erde keine Scheibe ist. Auch wissen wir, dass sich die anderen Planeten nicht um die Erde drehen, sondern dass wir uns um die Sonne drehen. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern nur ein „unbedeutender“ Planet in einem „unbedeutenden“ Sonnensystem in einer „unbedeutenden“ Galaxie (sinngemäß nach Prof. Wilms).
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Zum Glück müssen wir uns in heutigen Tagen noch nicht einmal mehr auf Karten verlassen, da es technische Produkte (Navis) gibt, die uns das Kartenlesen abnehmen und uns an unser gewünschtes Ziel navigieren.
Räumliche uns soziale Trennung
Wie wir wissen, ist unsere Welt eine „geteilte“ Welt. Neben kulturellen und sprachlichen Barrieren trennen wir uns durch staatliche Grenzen von einander ab. Bei uns Europäern liegen die Ursachen dieser Trennung in unserer kriegerischen Vergangenheit. Andere Ursachen hat dagegen die räumliche Trennung bei den Arabern. Staatsgrenzen wurden erst gezogen, als die Europäer mit der Kolonialisierung begannen. Der Grund für diese späte Bildung von Staaten lag an daran, dass für die Nomaden Ländergrenzen irrelevant waren. Um zu überleben zogen sie von einem Ort zum anderen. Persönlicher Besitz von Land und damit eben auch die Trennung von Land im Sinne von Eigentum war unnötig. Ähnlich hat es sich mit den Abos in Australien abgespielt. Als die Briten bei ihren Entdeckungsreisen auf den Kontinent stießen, eroberten sie ihn und steckten das stark dezimierte Volk in Reservate, also Gebiete, die für die Eroberer ohnehin wertlos waren. Man isolierte sie dadurch von den Einwohnern. Eine Praxis, die auch heute wieder vermehrt Anwendung findet.
Als bedeutsamste Trennung in räumlicher und sozialer Hinsicht des letzten Jahrhunderts war sicherlich der Bau der „Berliner Mauer“. Dadurch wurden Deutsche erfolgreich von anderen Deutschen räumlich, aber vor allem sozial, getrennt. Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall gibt es bei uns noch immer ein starkes Ost-West-Gefälle. So werden immer noch die Ostdeutschen geringer bezahlt, als die Westdeutschen. Die Folgen der Trennung sind auch heute noch nicht überwunden.
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Arbeit zitieren:
Malte Thießen, 2010, Spatial Locations - Kultur im Raum, München, GRIN Verlag GmbH
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Bei dem Verfasser der Arbeit "Spatial Locations. Kultur im Raum" handelt es sich nicht um den Zeithistoriker Malte Thießen, Jahrgang 1974, der seit November 2010 an der Universität Oldenburg als Juniorprofessor für Zeitgeschichte lehrt (womit über die Qualität dieser Arbeit zu "Spatial Locations" selbstverständlich nichts gesagt sein soll).
am Wednesday, June 29, 2011-