Inhaltsverzeichnis
1.) EINLEITUNG. 3
2.) EIGENGESETZLICHKEIT IN BRECHTS LEHRSTÜCK 3
2.1. DAS KONZEPT DES LEHRSTÜCKS. 3
2.2. EINE EINFÜHRUNG IN DIE BEDEUTUNG DES KOLLEKTIVS IM LEHRSTÜCKE. 5
2.3. DAS FOERSTER'SCHE MODELL DER „KYBERNETIK DER KYBERNETIK“ 6
2.4. EIGENGESETZLICHKEIT IM LEHRSTÜCK. 8
3.) ZUSAMMENFASSUNG 11
QUELLVERZEICHNIS. 12
2
1.) Einleitung
Brechts Lehrstücke stellen neben ihrer schauspielerisch-pädagogischen Komponente einen Versuch dar, jedem Teilnehmer für soziale Kompetenz und kritische Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Prozessen auf eine spielerische Art und Weise zu aktivieren. Dabei war jeder Protagonist Teil des Stückes und für dessen Verlauf mitverantwortlich. Das Produkt war nicht Ergebnis eines Einzelnen sondern von allen. Diese Arbeit möchte sich nun die Frage stellen, welche Bedeutung und welchen Wert das Eigene im Kollektiv des Lehrstückensembles hat und wie jeder Protagonist als eigenständige Persönlichkeit in diesem Zusammenhang sozial relevant handeln kann, wenn doch Brecht selbst zum Ziel hatte, die breite Bevölkerung für kritische und aktive Auseinandersetzung zu mobilisieren und autonomes Handeln ablehnte.
Diese Arbeit wendet sich dazu erstmal dem Lehrstück an sich zu, versucht seine Konzeption zu erklären um von dort dann das Augenmerk auf die Bedeutung des Kollektivs im Sinne Brechts zu legen. Schließlich wird der Einzelne innerhalb dieses Kollektivs genauer betrachtet und versucht zu verstehen, in welchem Sinne er für die Gemeinschaft handelt. Als Instrument wird dabei ein sozial-kybernetisches Modell von Heinz von Foerster verwendet um daran festzustellen, dass der eigentliche Schlüssel zur Beantwortung der Frage in der Eigengesetzlichkeit eines Jeden innerhalb des Kollektivs liegen kann.
2.) Eigengesetzlichkeit in Brechts Lehrstück
2.1. Das Konzept des Lehrstücks
„Das Lehrstück lehrt dadurch, dass es gespielt, nicht dadurch, dass es gesehen wird“ B. Brecht
Das Lehrstück wurde von Bertolt Brecht in den späten Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts als eine Weiterentwicklung des epischen Theaters konzipiert. Zu den bekanntesten Lehrstücken zählen „Das Lehrstück“ (1929) und „Die Maßnahme“ (1930). Das epische Theater wird als ein Bruch mit der traditionellen dramatischen Spielform begriffen: So stellt die Bühne einen Vorgang nicht mehr einfach dar, sondern verkörpert und erzählt ihn. Der Zuschauer wird nicht mehr in diesen Vorgang verwickelt, um Gefühle in ihm zu wecken und Erlebnisse und Geschehnisse zu vermitteln, sondern eine Entscheidung zu
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erzwingen und Erkenntnisprozesse anzutreiben. Der Mensch wird nicht als etwas gegebenes vorausgesetzt, sondern ist erforschter Gegenstand des Spiels und wird in seinem gesellschaftlichem Sein bestimmt.
Das Lehrstück wiederum bricht im Wesentlichen mit der epischen Konzeption von Theater dadurch, dass es kein Publikum vorsieht, sondern ausschließlich ein Kollektiv von Darstellern. Für den Darsteller selbst also wird das Lehrstück als belehrend begriffen, nicht für einen Zuschauer. Brecht beschrieb die Idee der Lehrstücke als eine „Kette von Versuchen, die sich zwar theatralischer Mittel bedienen, aber die eigentlichen Theater nicht benötigen (...) Es handelt sich um pädagogische Versuche“. 1
Als 1956 der schwedische Regisseur Paul Patera Brecht um eine Aufführungsgenehmigung für „Die Maßnahme“ bat, knapp 35 Jahre nach Entwicklung des epischen Theaters, antwortete dieser ablehnend: „Die Maßnahme ist nicht für Zuschauer geschrieben worden, sondern nur für die Belehrung der Aufführenden. Aufführungen vor Publikum rufen erfahrungsgemäß nichts als moralische Affekte für gewöhnlich minderer Art beim Publikum hervor“. 2 Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Brecht selbst seine Lehrstücke durchaus aufführen ließ, jedoch später, wie die Worte auch deutlich machen, davon endgültig abrückte. Die Idee des lehrenden Elementes äußert sich in der Entwicklung einer Methode, die unrichtiges Verhalten aufzeigt und dadurch richtiges Verhalten lehrt: „Es liegt dem Lehrstück die Erwartung zu Grunde, dass der Spielende durch die Durchführung bestimmter Handlungsweisen, Einnahme bestimmter Handlungen, Wiedergabe bestimmter Reden und so weiter gesellschaftlich beeinflusst werden kann. Die Nachahmung hoch qualifizierter Muster spielt dabei eine große Rolle, ebenso die Kritik, die an solchen Mustern durch ein überlegtes Andersspielen ausgeübt wird“. 3 So kommt hier also auch die Bedeutung des Verfremdungseffektes zu trage, die wesentlicher Bestandteil des epischen Modells ist. Zwar ist der Darsteller Teil des Stückes, soll gleichzeitig aber immer kritischen Abstand zu seiner eigenen Figur bewahren, um eben nicht nur erleben, sondern auch erkennen zu können. Die Figuren an sich wurden im Lehrstück im Übrigen nicht sonderlich charakteristisch gestaltet. Da es keine Zuschauer brauchte, mussten die Figuren auch keine besonderen ästhetischen Merkmale besitzen, nach denen sie wahrnehmbar wurden. Schließlich wurde der Rahmen eines Lehrstückes immer so offen gehalten, dass eigene Ideen der Protagonisten spontan einfließen konnten, um jeden auch tatsächlich die Möglichkeit zu
1 Brecht, B., in: Taekwan, Kim 2000, hier S. 45
2 Brecht, B., in: ebenda, hier S. 210
3 Brecht, B., in: ebenda, hier S. 49
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Arbeit zitieren:
Thomas Schaupp, 2010, Der Wert des Eigenen im Brecht'schen Kollektiv, München, GRIN Verlag GmbH
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