Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Was ist ein Partizip ?II 4
3. Die Partizipien des deutschen Passivs. 6
3.1 Das Vorgangspassiv: werden Partizip II 6
3.2 Das Zustandspassiv: sein Partizip II. 7
3.3 Das Rezipientenpassiv: bekommen Partizip II. 11
4. Die Kategorisierung der deutschen Partizipien 14
5. Schlussbemerkung 14
6. Literaturverzeichnis 16
2
1. Einleitung
Die deutsche Sprache verfügt über eine vielfältige Verwendung der Partizipien II, wie die Beispiele (1) darstellen. In der Dudengrammatik wird das Partizip II auch als „Mittelwort der Vergangenheit “ bezeichnet; diese Bezeichnung deutet genau auf die Problematik bzw. Charakteristik hin, welcher Wortart (Verben oder Adjektive) das Partizip II zuzuordnen ist. Es hat sowohl verbale als auch adjektivische Eigenschaften. „Probleme der Wortklassifikation des Deutschen werden nach wie vor diskutiert […]. Unklarheiten tauchen in den Peripheriebereichen auf. […] Zu den Peripherieerscheinungen gehören zweifellos die Partizipien.“ (Sommerfeldt 1988: 221)
(1) Von Niemand wird gearbeitet. Die Suppe hat gekocht. Das Glas ist zerbrochen.
(…) einen Zusammenhang, der aber relativ konturiert bleibt (…). Karl bekommt von Paula das Auto geliehen. In Frankfurt angekommen, suchte Hans sofort einen Arzt auf. Die wenigen Ausnahmen nicht gerechnet, erfasst die Regelung fast 100 Prozent.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit der Kategorisierung der Partizipien II in deutschen Passiv-Konstruktionen. Die anderen Konstruktionen, in denen das Partizip II vorkommt, werden nur bei Bedarf zum Vergleichen mitbetrachtet. Zunächst lässt sich das Partizip II in verschiedener Art und Weise unterscheiden; dabei ist festzustellen, was ein Partizip II ist. Im dritten Kapitel wird detailliert auf diejenigen Eigenschaften vom Partizip II in jeweiligen Passiv-Konstruktionen (das Vorgangspassiv, Zustandspassiv und Rezipientenpassiv) eingegangen, die als verbal oder adjektivisch angesehen werden. Das vierte Kapitel ist der Kategorisierung der Partizipien II anhand des Prototypen-Modells (Verb-Adjektiv-Kontinuum) gewidmet. Das fünfte Kapitel liefert abschließende Bemerkungen.
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2. Was ist ein Partizip II?
Im heutigen Deutsch wird das Partizip II gebildet nach der allgemeinen Regel (ge) + Ve r b s t a m m + (e)n/(e)t. Hinsichtlich dieser identischen Formbildung lässt sich das Partizip II von denen bereits als Adjektive, Substative, Präposition oder Konjunktion lexikalisierten Partizipien II unterscheiden. Nach Lenz (1993: 44) gilt: Wenn ein Partizip II sich (i) prädikativ verwenden und (ii) mit un- präfigieren lässt (wie in den Beispielen (2)), dann handelt es sich um eine als Adjektive lexikalisierte Form, z.B. angemessen, begabt, bekannt. Solche lexikalisierten Formen werden in Eisenberg (1994: 71) nicht als Partizip II, sondern als Adjektive, und zwar als partizipiale Adjektive, behandelt.
(2) (i) Die Hose ist kariert / gestreift. (ii) Annas Verhalten war ungeniert/ unangemessen.
Ohne Zweifel weist die Formbildung der Partizipien II eine verbale Herkunft auf; allerdings kann das Partizip II wie ein Adjektiv dekliniert werden, z.B. die vergangenen Jahre. Lenz (1993) und Eisenberg (1994) ordnen das Partizip II nicht in einer bestimmten Wortart sondern im Spannungsfeld zwischen Verb und Adjektiv ein. Abgesehen von adverbialer Verwendung (3) hat Eisenberg (1994) das Partizip II sowie Infinitiv und zu-Infinitiv in infiniten Verben subkategorisiert; sie sind unflektiert und kommen in periphrastischen Verbformen vor. Aus dieser Kategorisierung ergeben sich verschiedene Arten von Partizipien (transitive und intransitive Verben) in unterschiedlichen Konstruktionen (Aktiv und Passiv), die mehr oder weniger verbale Eigenschaften aufweisen: Beispiele (4) stellt einen Prototyp vom Partizip II der transitiven Verben vor.
(3) Von außen gesehen versteht man das sofort. Die Hände ausgestreckt eilte er ihr entgegen.
(4) Sie
hat
ihm die Urkunde
überreicht.
Die Urkunde wird ihm von ihr überreicht. Die Urkunde ist ihm übergeben. die ihm von ihr übergebene Urkunde
4
Er bekommt von ihr die Urkunde überreicht. [Rezipientenpassiv]
Lenz (1993: 44) vertritt die These, dass „Partizipia II sowohl adjektivisch als auch verbal verwendet werden können, wobei die jeweilige kategoriale Einordnung häufig nicht so unproblematisch ist, wie es intuitiv zunächst erscheinen mag“. Um die adjektivischen von den verbalen Partizipien abgrenzen zu können, hat Lenz (1993: 40/41) zwei Testverfahren eingeführt: Kombinierbarkeit mit un-Präfix und mit Argumenten (Agens- oder Instrumentalangaben). Das Präfix un- deutet auf ein adjektivisches Partizip II hin, das Argument auf ein verbales. In den Beispielen (5) ist das Negationsmorphem un- nur mit Adjektiven kombinierbar; im Gegensatz dazu tritt das von-Argument typischerweise bei Verben auf. Zu beachten ist, sind die beiden Indizien in einem syntaktischen Kontext nicht kompatibel (5c).
(5) a. Die Suppe ist gewürzt. / die gewürzte Suppe b. Die Suppe ist ungewürzt. / die ungewürzte Suppe c. Die Suppe ist von Maja gewürzt. * Die Suppe ist von Maja ungewürzt.
Weiterhin unterscheidet Lenz (1993) Partizipien II anhand ihres Auxiliars in aktivisch und passivisch, wie die Tabelle 1 anschaulich illustriert. Es lässt kurz zusammenfassen (vgl. Lenz 1993: 48): Aktiv-Partizipien sind ausschließlich verbale Formen und lassen deshalb keine un-Präfigierung zu; nur Passiv-Partizipien können adjektivisch verwendet und mit un- präfigiert werden. Obwohl nicht alle Passiv-Konstruktionen miteinbezogen sind, z.B. das bekommen-Passiv, ist diese Tabelle aufschlussreich für das weitere Erörtern im kommenden Kapitel über Konstruktionen mit Partizip II.
1 Die Tabelle sind bei Bedarf vereinfacht worden: die entsprechende Zuordnung von Partizipia I wurde gelöscht,
weil sie nicht der Gegenstand dieser Arbeit ist. Das Original verweist auf Lenz (1993: 47).
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Arbeit zitieren:
Jie Huang, 2008, Die Kategorisierung der Partizipien II des deutschen Passivs, München, GRIN Verlag GmbH
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