Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Inhalt:
A. Der Umfang von Hausarbeit 3
1. Was ist - grundsätzlich - Hausarbeit? 3
2. Konkrete Hausarbeitsaktivitäten 6
2.1. Einkauf (Beschaffung) 9
2.2. Bevorratung 10
2.3. Nahrungszubereitung 11
2.4. Geschirr-Reinigung 13
2.5. Wohnungsreinigung 14
2.6. Wäsche- und Kleiderreinigung 16
2.7. Kinderbetreuung 17
2.8. Krankenpflege, Altenpflege 19
2.9. Gartenarbeit 20
2.10. Reparaturarbeiten 21
2.11. Besorgungen 22
2.12. Sonstige Hausarbeit 23
2.13. Haushaltsführung 23
2.14. Arbeiten für andere Haushalte 25
3. Andere, nicht-hauswirtschaftliche Aktivitäten im Haushalt 27
3.1. Persönliche Zeit 27
3.2. (Gemeinsame) Essenszeiten 30
3.3. Weiterbildung 31
B. Anforderungen durch Hausarbeit 34
1. Belastungen durch Hausarbeit 34
2. Analytische Beschreibung einiger einzelner Arbeitsaufgaben 39
2.1. Arbeitsablauf 1: 39
2.2. Arbeitsablauf 2: 40
2.3. Arbeitsablauf 3: 41
3. Belastung bei den einzelnen Arbeitsschritten - Beispiel 44
4. Summarische Beschreibung einiger Tätigkeiten in der Hauswirtschaft 47
Wien 2010
Korrespondenzanschrift :
Univ. Prof. Ing. Mag. Dr. Karl Kollmann,
Institut für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement
Wirtschaftsuniversit ät Wien, Augasse 2-6, 1090 Wien, Österreich
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A. Der Umfang von Hausarbeit
1. Was ist - grundsätzlich - Hausarbeit?
Hausarbeit ist in erster Linie haushaltsbezogene, also auf die Mitglieder des Haushalts abgestellte, damit personenorientierte und meist persönliche, produktive (innerhalb des Haushalts, autonom von Außenbeziehungen, wertschaffende) Arbeit. Diese wohlfahrtssteigernde Leistung läßt sich ganz gut durch das Kriterium der Dritten Person sichtbar machen. 1
Dazu gehören alle Aktivitäten innerhalb des Haushalts, die einen Mehrwert schaffen, ohne jedoch familiäre Beziehungen zur notwendigen Grundlage zu haben.
Also etwa die Herstellung (das unmittelbare Konsumfähigmachen) von Nahrungsmitteln, genauso wie die Instandhaltung von (meist gekaufter, heute meist seltener selbst erzeugter) Bekleidung, das Sauberhalten der (gekauften, gemieteten oder selbst errichteten) Wohnung, die Selbstausführung von Reparaturen bei der Haus(halts)technik oder in der Wohnung, das notwendige (sozial 'vorgeschriebene' oder subjektiv gewollte) Betreuen von Kindern, oder eines erkrankten Familienmitglieds, die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln (z.B. das Ernten von Obst im Frühherbst aus dem Hausgarten, oder das Herstellen von Marmelade aus selbstgezogenem Obst) usw. Differenzierungsprobleme
Hausarbeit überlappt sich allerdings recht nachhaltig mit anderen Aktivitätsbereichen im Haushalt, wie bspw. der Freizeitgestaltung innerhalb der Familie, persönlichen Aktivitäten und mitunter auch erwerbswirtschaftlichen Zeitaufwendungen. Darüberhinaus werden bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten oft mehrere verschiedene Arbeiten gleichzeitig durchgeführt bzw.
1 Im wirtschaftlichen Sinn produktiv ist all jene Arbeit, deren Ergebnisse die Haushaltsmitglieder benötigen, da ein Bedarf danach vorhanden ist, die aber prinzipiell auch von einer bezahlten dritten Person erbracht werden könnten. Vgl. dazu auch Barbara Seel: Hausarbeit und Wertschöpfung, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik Vol 205/2, Stuttgart 1988.
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überwacht, etwa die Betreuung der Kinder bei den Hausaufgaben und gleichzeitiges Kochen, dabei Planung des Speisezettels für die nächste Woche.
Dies hat Auswirkungen insbes. auch für eine analytisch saubere Erfassung dieser eigenwirtschaftlichen Aktivitäten. Nicht nur für eine großflächige, gesamtwirtschaftliche Bewertung, sondern auch z.B. für eine konkrete Haushaltsanalyse ergeben sich hier eine Reihe von Schwierigkeiten.
Wieviel ist z.B. in einem bestimmten Hausarbeitsbereich von an sich uneffizientem (bezogen jetzt nur auf den unmittelbaren hauswirtschaftlichen, den ökonomischen Aspekt), jedoch vielleicht subjektiv (für die soziale Einheit Familie bzw. die soziale Haushaltsgruppe) wichtigen, auch von der betroffenen Person für wichtig erachtetem, zeitlichem Mehraufwand enthalten? Mit aanderen Worten: Wenn eine Frau vergleichsweise hohe Zeitaufwendungen für Arbeitsbereiche wie Nahrungszubereitung benötigt, da Kochen für sie auch den Charakter eines Hobbies oder einer erfüllenden Tätigkeit hat ("mit Liebe kochen"), - wo sollten oder könnten da sinnvolle Abgrenzungen gezogen werden, denn bei einer weniger zeitaufwendigen, weniger kulinarischen Nahrungszubereitung wäre die hauswirtschaftliche Zeiterfordernis bei weitem geringer?
Diese Abgrenzungsschwierigkeiten betreffen in besonderem Maß auch den Bereich der Kinderbetreuung und den der persönlichen Identität, bspw. den Bereich der "Gartenarbeit" oder von DIY-(Do-It-Yourself) Aktivitäten. Wo ist hier etwa eine Trennlinie zwischen Subsistenzaktivitäten und persönlicher Vorliebe, einem Hobby zu ziehen ?
Zweifellos ergeben sich hier etliche methodisch/analytische Probleme - insbesondere für globale Analysen. Also für umfassende, großflächige Erhebungen, Befragungen usw., die das Ziel haben, soziale oder gesamtwirtschaftliche Strukturen besser herauszuarbeiten (bspw. die Frage der Wertschöpfung in den Haushalten).
Bei individuellen Haushaltsanalysen, wie sie im Rahmen der Haushaltsberatung vorgenommen werden, lassen sich hier natürlich meist wesentlich bessere Abgrenzungen treffen.
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Nicht so problematisch ist die Abgrenzung hauswirtschaftlicher Aktivitäten bei den Sozialbeziehungen nach aussen, oder bei Freizeitaktivitäten, insbesondere bei örtlich ausserhalb des Haushalts stattfindenden.
Wenn jemand in einer Erwachsenenbildungseinrichtung "Malen" oder "Französisch" lernt, ist das natürlich genausowenig Hausarbeit (sondern persönliche Zeit bzw. Freizeit oder möglicherweise berufsbezogene Bildung), als wenn man bspw. das Auto des Nachbarn für einen bestimmte Gegenleistung repariert (zusätzliche Erwerbsarbeit, Graue Arbeit).
In der folgenden Übersicht soll der Versuch unternommen werden, für haushaltsanalytische Zwecke (sowohl für Makro- wie Mikroanalysen) brauchbare Arbeitsbereichs-Kategorien zu skizzieren. Dabei wird es sinnvoll sein, nicht aus der Perspektive des tatsächlichen Hausarbeitsablaufs (also hausarbeitsablauffunktionell) vorzugehen, sondern in Hinblick auf strukturelle Funktionen für den Haushalt die Abgrenzungen vorzunehmen.
Soweit nähere Daten für die österreichischen Haushalte, bzw. für Haushalte in vergleichbaren Ländern bekannt oder relevant sind, werden sie mit angegeben.
Darüberhinaus sollen arbeitswissenschaftliche Beschreibungen und Analysen die Bedeutung der Arbeitsaufgaben in diesen Bereichen ergänzen.
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2. Konkrete Hausarbeitsaktivitäten
Wie differenziert die Erscheinungsformen hauswirtschaftlicher Leistungen zu untersuchen sind, hängt klarerweise vom zugrundeliegenden Forschungsinteresse ab. Für die Beurteilung von Arbeitsverfahren bzw. Arbeitsmethoden gibt es mittlerweile ein umfassendes und wohl auch hochdifferenziertes System der Bewertung 2 , das sich natürlich auch für Analyse- und Bewertungszwecke nicht nur im Bereich der industriellen Arbeitsverfahren (für das entwickelt wurde), sondern im Bereich der Hausarbeit verwenden läßt.
Um derartige fein differenzierende Analysen geht es hier jedoch nicht, sondern um eine grundsätzliche Übersicht zu den verschiedenen Arbeitsbereichen in der Hauswirtschaft. Festzuhalten ist, daß in Österreich - im Vergleich zur BRD - der private Haushalt und die Arbeiten, die in ihm geleistet werden, bislang nur geringe Aufmerksamkeit erhalten haben. Ein Grund dafür ist sicherlich darin zu sehen, daß die Arbeiten im Rahmen der Hauswirtschaft im Regelfall zwar das Funktionieren einer Lebensgemeinschaft sicherstellen, jedoch üblicherweise nicht in rechenbaren, meßbaren Größen ausgedrückt werden. 3
Der Arbeitsaufwand in einem konkreten (individuellen) privaten Haushalt, d.i. die mikrosozial für den betroffenen Einzelnen mit Rechten und Pflichten verbundene Lebensgemeinschaft mit anderen Personen und ihre Wirtschaftseinheit, hängt in erster Linie von den sozialen und rechtlich relevierbaren Grundsätzen dieser Lebensform, dieser Lebensgemeinschaft ab. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Interessen, diesen Arbeitsaufwand näher zu bestimmen, auch wenn sie bislang in unserem Land keine besonders bedeutende Rolle spielen. 4
2 Vgl. REFA Methodenlehre des Arbeitsstudiums (Bände 1-6), München 1978.
3 Vgl. dazu Karl Kollmann: Arbeit in privaten Haushalten, in: SWS-Rundschau 2/1990, Wien 1990.
4 Im wesentlichen sind es vier Gründe, die ein Interesse an der Verteilung und am Aufwand für Hausarbeit kenntlich machen: 1. Die individuelle Lebensplanung, insbes. für haushaltliche Beratungszwecke.
2. Das grundsätzliche Interesse an Lebenssituationen, dies insbes. aus Forschungsabsichten heraus.
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In der Mehrzahl tragen Frauen die wirtschaftlichen Arbeiten im Haushalt. Dies übrigens auch dann, wenn sie berufstätig sind. Der Umfang der Arbeiten im Haushalt ist in erster Linie vom (bei Lebensgemeinschaften, Ehen etc. natürlich gemeinsamen) Anspruchsniveau der Lebenshaltung abhängig. Dann vorallem von Ort (Infrastruktur), materieller Struktur (bspw. Ausstattung) usw., des Haushalts.
Prinzipiell ist für die verschiedenen Hausarbeiten nicht nur ein bestimmter Zeitaufwand notwendig, sondern es sind auch Kenntnisse bzw. Fertigkeiten erforderlich.
Die Zubereitung einer Mahlzeit läßt sich durch Übung, Geschick und gute Organisation wesentlich zeitunaufwendiger durchführen, das liegt auf der Hand. Das bedeutet aber auch, daß für die Bewertung wirtschaftlicher Leistungen beide Dimensionen berücksichtigt werden müssen.
Eine derartige Bewertungsstruktur gibt es ansatzweise in der Bundesrepublik Deutschland 5 , - dies aufgrund einer dort recht gut entwickelten haushaltswissenschaftlichen Forschung.
Für approximative Bewertungen wird allerdings vorderhand die Ermittlung des "Wertes" der Hausarbeit durch den Zeitbedarf und die Fortrechnung dieses Bedarfs in Lohnkosten genügen (müssen). 67
3. Rechtsansprüche etwa aus einem Schadenersatztatbestand, wenn z.B. eine Person, die im Haushalt tätig ist, verletzt wird und dadurch diese Tätigkeit nicht mehr, oder zeitweise nicht ausführen kann; Rechtsansprüche gegenüber einem Sozialversicherungsträger, bspw. aus Gründen der Hilflosigkeit der betroffenen Person. 4. Planungsmöglichkeiten und Bedarfserhebungen für Sozialhilfeeinrichtungen, die Hilfen bspw. für die Pflege zuhause anbieten.
5 Bspw. Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft e.V. (Hrsg): Deist, Böhner: Arbeitsbewertung in der Hauswirtschaft, München 1977. 6 Der Zeitbedarf für die Tätigkeiten im Bereich der Hauswirtschaft kann auf unterschiedliche Weise ermittelt werden.
a) Durch Selbsteinschätzung des Haushaltes a) aufgrund von ex-post Zeitschätzungen, b) aufgrund von Arbeitsaufzeichnungen, - diese Verfahren liefern nur statistisch brauchbare Werte, für den Einzelfall sind sie durch ihren subjektiven Charakter nicht gut geeignet (zwischen objektiv notwendigem Aufwand und subjektiv {durch persönliche Vorliebe etc.} geleistetem Aufwand ist dabei schwer zu unterscheiden).
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Eine effiziente Ausführung bzw. Effizienzsteigerung bei den vielfältigen Verrichtungen im Rahmen der Hausarbeit ist wohl in vielen Einzelfällen eine sinnvolle und notwendige Angelegenheit, dennoch ist sie heute weder von individuellem noch gesellschaftlich vorrangigem Interesse, - Haushaltsberatungseinrichtungen existieren in Österreich keine.
Darüberhinaus werden heute Hausarbeitskenntnisse, übrigens auch Konsumfertigkeiten, nicht institutionalisiert vermittelt. In den meisten Fällen werden derartige Kenntnisse und Fertigkeiten 'beiläufig' oder von den Eltern her erworben. Dies betrifft übrigens auch soziale Kenntnisse und Fertigkeiten: sie sind - etwas sarkastisch gesprochen - bestenfalls pragmatischer Lehrstoff der Pausen im Schulunterricht.
Eine Herausarbeitung und Abgrenzung hauswirtschaftlicher Arbeitsbereiche und Aktivitäten muß auch auf die übrigen haushaltsrelevanten Aktivitätsbereiche Bedacht nehmen. Etwa auf die teilweise mit den wirtschaftlich produktiven Aktivititäten sich überlappenden, bzw. ihnen mitunter angrenzenden Bereiche der Freizeit(formen) in den modernen Haushalten z.B. Golfspielen in der Freizeit aus beruflichen Motiven usw.
b) Durch die Anwendung von Arbeitsstudium-Methoden im Haushalt (REFA-Technik) auf den konkreten Haushalt. c) Durch Bewertung der Arbeitszeitaufwendungen aufgrund gesammelter, objektiver Datensätze und einer Bewertung (das ist also: Berücksichtigung) der konkreten Haushaltssituation.
7 In der Sozialdemographie werden insbesondere die Verfahren der retrospektiven Einschätzung (aktivitätsorientierte Verfahren) und des retrospektiv geführten Tagebuches in verschiedenen Formen angewandt, in den Haushaltswissenschaften insbes. die der Ex-post Einschätzung und der Zeitaufschreibung (aktuelles Tagebuch, bspw. geführt zu gewissen Zeiten); vgl. Dieter Schäfer: Haushaltsproduktion in gesamtwirtschaftlicher Betrachtung, in: Wirtschaft und Statistik, 5/1988 . Zur genaueren Bewertung von Arbeitszeitbedarfen vgl.: Karl Kollmann: Leitlinien für die Bewertung des Arbeitszeitbedarfs in Haushalten, Arbeitspapiere Haushalts- und Ernährungswissenschaften, Wien 1990.
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2.1. Einkauf (Beschaffung)
Einkäufe, also Beschaffungshandlungen der Haushalte könnten prinzipiell teilweise auch der Nahrungszubereitung zugerechnet werden. Dies ist aber nur dann vertretbar, wenn die Zeitaufwendungen für das Einkaufen von Lebensmitteln unterschieden werden von den Zeitaufwendungen für die Beschaffung anderer Verbrauchsgüter und dauerhafter Konsumgüter. Insbesondere die indirekten Beschaffungsaufwendungen für dauerhafte Konsumgüter werden häufig unterschätzt. Dem Erwerb eines Autos oder einer Wohnung können oft recht zeitaufwendige Informationsphasen vorausgehen. Diese sind - insbes. auch aus erhebungstechnischen Gründen und Schwierigkeiten kaum erforscht. Eine analytische Bedeutung mag die Zurechnung von Beschaffungsaufwendung von Lebensmitteln zur Essenszubereitung bspw. bei der Analyse ländlicher (genauer: landwirtschaftlicher) Haushalte (mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Betriebsentnahmeanteil für den privaten Konsum) haben.
Zum Zeitaufwand für Einkaufen der Verbrauchsgüter müßten sinnvollerweise auch die Informationsbeschaffungsaktivitäten bei geplanten Einkäufen gezählt werden, - also alle jene Zeiten, die im Zusammenhang mit der getroffenen Bedarfsdeckungsentscheidung stehen.
Zeitaufwendungen:
Einkäufe des regelmäßigen Bedarfs werden zu rund 2 Dritteln von Frauen allein durchgeführt, zu rund einem Drittel von Mann und Frau bzw. der Familie gemeinsam.
Trotz der guten Ausstattung der Haushalte mit Kühlgeräten wird heute überraschend oft eingekauft. Etwa die Hälfte der Haushalte macht bspw. tatsächlich tägliche Einkäufe. Die Zeitaufwendungen betragen im Schnitt in Österreich 35 Minuten per Tag, in der BRD rd 30 Minuten (- sie sind seit den 60er Jahren relativ gleich geblieben). 8 9
8 hier und im Folgenden, falls nicht anderes angegeben: Daten für Österreich nach: Karl Kollmann: Wie wirtschaften Haushalte?, in SWS Rundschau 1/1989, Wien 1989
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Alle auch im folgenden genannten Zeiten per Tag beziehen sich auf den Kalendertag. Personale Belastungen:
Es wird im Regelfall rd 3 mal in der Woche für den laufenden Bedarf und mehrmals monatlich für den darüber hinausgehenden Grundbedarf eingekauft.
Der sog. "tägliche Einkauf" verursacht Zeitaufwendungen von rund einer halben Stunde täglich bei mittleren körperlichen Beanspruchungen, bzw. Trageaufwendungen von mehr als 3 kg; bei größeren Einkäufen sind die Belastungen entsprechend höher. Zu dieser körperlichen Belastung kommen psychische Belastungen. Einerseits durch Zeitdruck (insbes. bei den Einkäufen Berufstätiger), andererseits durch die Einkaufssituation selbst: es muß der Einkauf vorbereitet werden, es muß nach Liste bzw. Planung gekauft werden, Preise und Qualitäten müssen verglichen werden.
2.2. Bevorratung
Zeitaufwendungen für die Vorratshaltung im Haushalt werden, außer in sehr detaillierten haushaltsanalytischen Fallstudien wohl eher nicht getrennt von der Beschaffung bzw. von der Nahrungszubereitung geführt werden. Dies insbes. da die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln in den modernen Haushalten nur marginalen Charakter hat.
Daten für die BRD nach: Ulrich Lakemann: Veränderungen der Haushaltsproduktion seit 1950, in: Hauswirtschaft und Wissenschaft, 3/1989, Baltmannsweiler 1989. 9 Vgl. zum Einkaufsverhalten auch:
Kurt Vollmann: Einkaufsgewohnheiten der Haushalte, in: Statistische Nachrichten 10/1985, Wien 1985, Norbert Pühringer: Kenntnis, Verständnis und Nutzung der Warenkennzeichnung, unveröffentlichte Diplomarabeit WU-Wien, Wien 1990. Im Rahmen einer empirischen Erhebung zur Nutzung der Warenkennzeichnung wurde hier auch das Einkaufsverhalten untersucht.
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Zeitaufwendungen
Sind in erster Linie von der Haushaltssituation (Nutzgarten, landwirtschaftlicher Haushalt, auf Bevorratung ausgerichteter städtischer Haushalt) abhängig. Sinnvoll ist eine Trennung der Einkaufs- und Bevorratungsaufwendungen nur bei ausgeprägter Vorratshaltung. Personale Belastungen:
Die körperlichen Belastungen sind höher als bei der Nahrungszubereitung und beim Einkaufen; das Ernten von Gemüse und Obst ist durch Steigen, Bücken, Heben, Tragen, Sammeln in gebückter Haltung sehr beanspruchend, das Konservieren der geernteten Nahrungsmittel wesentlich anstrengender als die Nahrungszubereitung, da im Regelfall größere Mengen verarbeitet werden.
2.3. Nahrungszubereitung
Die Zubereitung von Mahlzeiten (Essenszubereitung, Kochen) umfaßt an sich alle Arbeiten zur Vorbereitung (also letztlich auch zum Bevorraten) von Einkäufen (und Bevorraten von selbstgezogenen oder vor- bzw. zubereiteten Nahrungsmitteln), also bspw. das Entnehmen aus Vorratseinrichtungen, Wegräumen von nicht benötigten Teilen, dann das Reinigen von gekauften bzw. geernteten Nahrungsmitteln (Gemüse, Obst etc). Vorbereitung, Konservierung und Bevorratung ersparen spätere Zubereitungsaufwendungen - darum lassen sich plausibel Bevorratungsaufwendungen zur Nahrungszubereitung rechnen. Die Nahrungszubereitung im privaten Haushalt umfaßt selbstverständlich alle Kosten und Zeitaufwendungen, die in der unmittelbar genußfertigen Speise "stecken". Also auch das Anrichten der Mahlzeiten (Speisen, Getränke) bei Tisch, bspw. das "Aufdecken" von Geschirr und das Servieren der Speisen (und das Abräumen des benutzen Geschirrs vom Tisch) gehört hierher. Mit gutem Grund (nämlich der umfassenden Erfassung der für die Nahrungszubereitung erforderlichen Arbeitsaufgaben) kann die nach dem Essen kommende Nachbereitung, also vorallem die Geschirr-Reinigung (Koch- und Speisegeschirr) und das Aufräumen der Küche
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und des Eßplatzes zu diesen Ernährungsaufwendungen gerechnet werden.
Traditionell wird hier jedoch differenziert. Insbesondere mag das sinnvoll sein in Hinblick bspw. auf die Erfassung von Unterschieden bei händischer oder maschineller Geschirr-Reinigung (etwa in Hinblick auf unterschiedliche arbeitsorganisationale Abläufe in den Haushalten).
Aus der Sicht der die Hausarbeit verrichtenden Person ist eine Unterscheidung jedoch auch plausibel, da das Reinigen des Geschirrs im Arbeitsablauf meist in Zusammenhang mit den Aufräumarbeiten in der Küche steht und nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Nahrungszubereitung selbst.
Insbesondere bei Haushalten mit berufstätigen Frauen wird bspw. das Frühstücksgeschirr oft erst abends, mit dem Geschirr der Abendmahlzeit, gereinigt.
Essenszeiten sind naturgemäß keine Zeitaufwendungen, die der Hauswirtschaft zurechenbar wären, sondern sie gehören zu den persönlichen Zeitverwendungen (ausserhalb der Hausarbeit), oderwenn das haushaltsanalytisch sinnvoller ist 10 - zu gemeinsamen bzw. persönlichen Essenszeiten.
Problematisch ist jedenfalls, wenn die Nachbereitungsarbeiten des Essens, also die Geschirrreinigung und das Aufräumen der Küche, in andere Aufräumarbeiten (insbes. das tägliche Zusammenräumen von Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer) miteinbezogen werden, da es sich hier ja jedenfalls um zwei verschiedene Objektbereiche handelt. Zeitaufwendungen:
Nahrungszubereitung ist nach wie vor eine Domäne der Frauen in den Haushalten. In 90 % der Fälle kochen in Österreich Frauen, in 4 % wird von Männern, in 4 % von bezahlten Dritten (Haushaltshilfen) und in 2 % von Verwandten gekocht. Mehrheitlich wird heute einmal am Tag "warm" gegessen. Der tägliche Zeitaufwand beträgt für die Nahrungszubereitung insgesamt rd 90 Minuten pro Tag - ist aber sehr stark von den beruflich bedingten Gewohnheiten abhängig.
10 eine Unterscheidung kann bspw. in familiensoziologischer Hinsicht interessant sein, da Haushalte ja unterschiedliche "Essenskulturen" haben und entwickeln (können).
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In der BRD - hier gibt es Zeitreihen - beträgt der tägliche Zeitaufwand 83 Minuten und ist damit seit Ende der 60er Jahre konstant geblieben. Von Anfang der 50er Jahre bis in die späten 60er Jahre hat sich dieser Zeitaufwand massiv reduziert (von 128 auf 83 Minuten). Personale Belastungen:
Für die Zubereitung warmer Mahlzeiten sind insbes. Konzentrationsfähigkeit über längere Zeitabschnitte (bspw 40 min) und auch mittlere Kraftaufwendungen (bspw. Heben von Kochgeschirr mit Inhalt; ständiges Umrühren, Wenden mit Bratenwender,) notwendig.
Für das Frühstück und kalte bzw. aufzuwärmende Mahlzeiten (nach einer zubereiteten warmen Mahlzeit) sind geringere Konzentrationsaufwendungen und körperliche Aufwendungen notwendig. Die Belastungen und Zeitaufwendungen insgesamt hängen stark von der Küchenanordnung und der individuellen Form der Nahrungszubereitung ab.
2.4. Geschirr-Reinigung
Dies umfaßt, wenn als eigener Arbeitsbereich geführt, die Reinigung des Speisegeschirrs und des Kochgeschirrs, sowie sonstiger Werkzeuge und Geräte, sowie der Arbeitsflächen in der Küche. Zeitaufwendungen:
Sie hängen einerseits von der Personenzahl im Haushalt, dann von der Anordnung der Küche - auch dann, wenn ein Geschirrspüler eingesetzt wird - ab. Zander weist (einschließlich Aufräumen) im Schnitt 57 min täglich aus, neuere Untersuchungen weisen rd 30 min täglich aus. 11 Personale Belastungen:
Höhere körperliche Belastungen beim Transport des benützten Geschirrs, dann insbes. Belastungen des Arbeitsarms beim Reinigen
11 Hans Günter Krüsselberg et. al.: Verhaltenshypothesen und Familienzeitbudgets - Die Anhaltspunkte der "Neuen Haushaltsökonomik" für Familienpolitik, Stuttgart, Berlin, Köln,
Mainz 1986, S 165 (Der Studie liegt eine Erhebung mit Zeitaufschreibungen zugrunde).
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des Kochgeschirrs, durch reibende, scheuernde Bewegungen (komplizierte Drehbewegungen des Arbeitsarms über mehrere Minuten), sowie beim Verräumen des Geschirrs. Konzentriertes Arbeiten ist auch bei der Reinigung des Speisegeschirrs notwendig (heißes Wasser, zerbrechliches Geschirr, Gläser, Messer usw.). Das Beschicken einer Geschirrspülmaschine erfordert mehrfaches Bücken. Als Energiebedarf beim Geschirrspülen werden bspw. 6 bis 15 kJ/min genannt 12 . Der Arbeitsaufwand selbst ist im wesentlichen von der Anordnung der Küche abhängig.
2.5. Wohnungsreinigung
Wohnungsreinigung umfasst grundsätzlich nicht nur die gelegentliche bzw. in größeren Zeitabständen regelmässige Grundreinigung der Wohn- und Nebenräume sondern auch die in Umfang und Intensität kleinere, tägliche, wöchentliche usw. bzw. auch unregelmässigen Unterhaltsreinigung, bzw. die Aufräumarbeiten (bspw. das Wegräumen von Spielsachen, Büchern, Entleeren von Aschenbechern etc). Alle diese Arbeiten sind einerseits von der Wohnnutzung abhängig (ähnlich wie ja das Aufräumen bzw. Reinigen der Küche von ihrer Nutzung zur Essenszubereitung abhängig ist), andererseits von den individuellen Gewohnheiten und drittens von den (Sauberkeits-) Ansprüchen des Haushalts.
Zeitaufwendungen:
Die für die Raumreinigung hauptsächlich (zu 77 % von Frauen und von zu rund 7 % von bezahlten Hilfen) aufgewandten Zeiten betragen in Österreich rund 45 Minuten pro Tag, in der BRD heute rund 118 Minuten (vor ca 30 Jahren waren es noch 153 Minuten). Dies war in der Vergangenheit auch von einem höheren Eigenheimanteil und größeren Wohnungen in der BRD bedingt, derartige Unterschiede gibt es heute kaum mehr - die großen Unterschiede rühren vermutlich von verschiedenen "Sauberkeitsvorstellungen" in der BRD und Österreich her.
12 Vgl. dazu insbes. Helmut Spitzer et al: Tafeln für den Energieumsatz bei körperlicher Arbeit, 6. Auflage Köln 1982
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Personale Belastungen:
Die Arbeitsaufwendungen für Hausarbeit insgesamt sind im Sinn körperlicher, muskelmäßiger Beanspruchung global "mittel", über dem Leistungsniveau bspw. eines eine gefüllte Posttasche schleppenden Briefträgers liegend. 13
Als Energiebedarf werden damit insgesamt mindestens 3000 kCal [nach alter Energiebedarfsangabe] bzw. 12.500 Joule [nach neuer Energiebedarfsangabe] über einen durchschnittlichen Arbeitstag anzunehmen sein.
Der Energiebedarf bei den verschiedenen Reinigungsarbeiten ist insgesamt jedoch hoch. Er beträgt etwa für Tätigkeiten im "gebückten Stehen" rd 10 kJ/min, beim "Bücken" etwa 25 kJ/min. 14 Beim Bodenwischen oder beim Bettenmachen beträgt die Belastung rd. 18 kJ/min, beim Staub saugen 13 kJ/min, beim Teppich klopfen und bürsten 25 kJ/min, beim Waschbecken säubern 10 kJ/min, beim Badewanne scheuern 30 kJ/min. 15
Insgesamt sind die Reinigungsarbeiten (und Vorbereitungsarbeiten dazu), einerlei nun, ob es sich um Staubsaugen (Herräumen und Verräumen des Geräts (Bücken, Greifen, Ziehen, Heben bspw. eines z. B. vier kg schweren Handstaubsaugers), Zusammenstecken der Geräteteile bzw. des Zubehörs, dann beim Reinigen selbst: Bücken, Drehen, Ziehen des Geräts, Andrücken und Abziehen des Saugkörpers an die zu reinigende Oberfläche), oder um feuchtes Wischen (z. B. bei der Reinigung der Einrichtung, Heben eines Kübels mit Wasser, Tragen, Ausdrücken des Reinigungstuches, Abwischen durch Abreiben der Möbeloberfläche, Ausdrücken, Auswaschen etc.) handelt, "mittelschwer" bis schwer beanspruchend. Notwendig bei all diesen Arbeiten ist freie, vielfach wiederholbare Bewegungsfähigkeit des Arbeitsarms, des Oberkörpers, und freie Bewegungsmöglichkeit des gesamten Körpers.
13 Vgl. dazu bspw. E. Grandjean: Physiologische Arbeitsgestaltung, München 1967.
14 Vgl. Gerd Hennenhofer, Jörgen Kamm: Unternehmen Haushalt, Stuttgart 1974 [alles auf KiloJoule umgerechnet]
15 Vgl. Helmut Spitzer et al a.a.O.
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2.6. Wäsche- und Kleiderreinigung
Zu den Aufwendungen für Wäschereinigung und Kleiderreinigung gehören - wenn beides zusammengefasst wird - auch die Arbeiten zur Instandhaltung der Wäsche (Körperwäsche, Bettwäsche, Tischwäsche) z. B. das Ausbessern ('Flicken') von durchgescheuerten Stellen, das Annähen eines Knopfs an einem Kopfpolster, oder an bspw. einem Herren-Sakko (dies wäre allerdings bei einer feineren Differenzierung dann als Instandhalten von Bekleidung zu sehen) etc.
Die früher übliche und auch heute noch durchaus geläufige Unterscheidung im Objektbereich, nämlich zwischen Ober- und Unterbekleidung, ist in vielen Fällen wohl nicht notwendig. So kann ein T-Shirt bspw. als Unterwäsche wie als Freizeithemd (Oberbekleidung) verwendet werden.
Oberbekleidung wird heute meist selbst gewaschen (gereinigt), ggf. zur Reinigung in Chemisch-Putzereien gebracht, was in erster Linie vom Bekleidungsmaterial und auch vom Reinigungsverhalten des Haushalts abhängt.
Werden Textilien instandgesetzt (z.B. Knöpfe annähen), so ist es im Regelfall sekundär, ob das an der Bettwäsche oder an einem Sakko geschieht, da derartige Arbeiten in der Praxis der Haushalte oft ohnedies zusammengefasst werden.
Sinnvoll ist daher, alle Arbeitsaufwendungen im Zusammenhang mit der Instandhaltung von Bekleidung und Wäsche ebenfalls zusammenzufassen. Gegebenenfalls wird die Herstellung von Wäsche und Bekleidung - deren Bedeutung sicherlich insgesamt abgenommen 16 hat - soweit sie nicht in größerem Umfang oder nur zu Hobby- und Freizeitzwecken erfolgt, hier zu subsummieren sein.
Zeitaufwand:
Dieser Hausarbeitsbereich wird zu 86 % von Frauen, zu 10 % von (verwandten) Dritten und zu rd 4 % von bezahlten Hilfen durchgeführt.
16 Vgl.. dazu bspw. die IMAS Studie: ÖVA 90 (Österreichische Verbraucheranalyse '90, Linz 1990.
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Im Schnitt wird rd 2.5 mal in der Woche gewaschen. Die Zeitaufwendungen dafür betragen rd 43 Minuten pro Tag. In der BRD sind es heute rd 42 Minuten gegenüber 53 Minuten vor rund 30 Jahren. Personale Belastungen:
Die immer wiederkehrende Unterscheidung zwischen einer "kleinen" und einer "großen" Wäsche ist längst obsolet geworden. Mit dem Aufkommen der elektrischen Waschmaschine wird Wäsche nach Waschprogrammen gewaschen, d.h. die im Haushalt anfallende Wäsche wird nach Waschprogramm (bspw. "Kochwäsche", "60 Grad Wäsche", "Feinwäsche") geordnet und bei einem zureichend vorhandenen Volumen gereinigt. Hier hat die Waschmaschine die früheren Verfahren ("Waschtag") völlig verändert. 17
Durch das Beschicken, Steuern und Entladen der Waschmaschine fallen einerseits höhere körperliche Belastungen (Tragen von rd 5 kg schweren Wäschekörben, Einfüllen in gebückter Haltung usf., (das Befüllen der Waschmaschine erfordert bspw. einen Energiebedarf von ca 16 bis 17 kJ/min), Entnehmen naßer Wäschestücke, Tragen von 5 bis 7 kg schweren Körben [bei voller Entladung], Aufhängen der nassen Wäschestücke über Kopf [wenn ein Wäschetrockner fehlt], Umhängen und Abnehmen der getrockneten Wäsche) an. Erschwert wird die Wäschereinigung [bei Fehlen eines Wäschetrockners] durch oft große Wege zu einem geeigneten Trockenraum.
2.7. Kinderbetreuung
Mit Kinderbetreuung werden alle jene Zeitaufwendungen für Kinder gemeint, die nicht den Charakter gemeinsam verbrachter Freizeit haben. Dies ist nun eine unscharfe Unterscheidung, da - gerade bei modernen Haushalten mit kleineren Kindern - Freizeit und Kinderbetreuung vielfach ineinander übergehen.
17 Vgl. Ingo Braun: Stoff Wechsel Technik; UT: Zur Soziologie und Ökologie der Waschmaschinen, Berlin 1988. Hier erfolgt eine umfassende konsumsoziologische und techniksoziologische Analyse des Haushaltsgeräts Waschmaschine, dazu eine Geschichte der Haushaltstechnik (der Waschmaschine und des Waschens bzw. der Wäschepflege im privaten Haushalt).
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Unter Kinderbetreuung wären in erster Linie jene Aktivitäten zu verstehen, die bspw. mit dem Aufarbeiten und Lösen von kindlichen Problemen (z.B. Schulkonflikte) zu tun haben, dem Betreuen bei Hausaufgaben schulischer Natur, der besonderen Förderung von kindlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie natürlich die Betreuung bei haushaltlichen Aufgaben, zu denen Kinder herangezogen werden.
Die Pflege bei kleineren Unpässlichkeiten oder größeren häuslich gepflegten Krankheiten gehört ebenso hierher. Auch soziales, innerwie ausserfamiliäres Lernen und Verstehen, das Erfüllen von Kinderwünschen (z.B. Besuch eines Kindertheaters etc). Klarerweise die Transportverrichtungen für Kinder (etwa das Zur-Schule-Bringen) usf, oder bei kleinen Kindern die Beaufsichtigung dieser Kinder.
Zeitaufwendungen:
Einigermaßen exakte Zeitangaben fehlen. Aus dem Mikrozensus zum Tagesablauf der Österreicher zeigen sich im gesamten Durchschnitt tägliche Zeitaufwendungen für Kinderbetreuung von 18 Minuten. Für die BRD wurden tägliche Zeitaufwendungen für Kinderbetreuung bei im Haushalt vorhandenen Klein- und Schulkindern von 2.1 Stunden (Männer) und 4.4 Stunden (Frauen) berichtet. 18 Neben dem Zubettbringen von Kindern und Schulkontakten werden insbes. auch eher freizeitbezogene Aktivitäten wie Spielen stärker von Männern übernommen, etwa ein Drittel der Männer spielt regelmäßig mit Kindern (Österreich).
Personale Belastungen:
Die körperlichen Belastungen der Kinderbetreuung sind bei Kindern von 0 Jahren bis zum Alter von 6 bis 8 Jahren hoch, da Säuglinge getragen, Kleinkinder gehoben und auch jüngere Schulkinder noch beim Bekleiden unterstützt werden müssen. Danach sind die körperlichen Belastungen der Kinderbetreuung gering, die psychischen Belastungen werden jedoch bei älteren Kindern (ab
18 Bei erwerbstätigen Müttern mit Klein- und Schulkindern beträgt der tägliche Kinderbetreuungsaufwand dieser Mütter rund 3.7 Stunden, der Väter 2.2 Stunden; bei nichterwerbstätigen Müttern mit Klein- und Schulkindern rund 4.8 Stunden (Mütter) und 2.0 Stunden (Väter).
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Schulbeginn) wesentlich höher als bei jüngeren sein. Dies inbes. durch die Betreuung bei Hausaufgaben (Schule) und die notwendige, begleitende Sozialisationsfunktion.
2.8. Krankenpflege, Altenpflege
Die häusliche Kranken- und Altenpflege hat sich in den modernen Haushalten von Einzelfällen (insbesondere in ländlichen und kleinstädtischen Gebieten) geandelt, Krankenpflege hat heute eine geringere Bedeutung, die Pflege von alten Verwandten (Elterngeneration) in deren eignen Haushalten, lastet nach wie vor mehrheitlich auf den privaten Haushalten. Krankenpflege- und Altenpflegeaufwendungen sind Arbeiten zur und für die Betreuung kranker, behinderter, bzw pflege- und hilfebedürftiger Haushaltsangehöriger.
Genauer: sie sind durch die Krankheit oder Eingeschränktheit des betroffenen Haushaltsangehörigen bedingte, zusätzliche Aufwendungen an Arbeit, wie etwa das Zubereiten von Arzneien (respektive Heilmitteln), das Waschen, Helfen bei der Toilette und anderen persönlichen Verrichtungen, die Unterstützung bei einer notwendigen Gymnastik, oder aber auch bspw. eine halbe Stunde unterstützendes Gespräch mit einem verzagten kranken Menschen. Bei gehbehinderten Menschen gehört bspw. auch die Begleitung bei Spaziergängen, die zur Erhaltung der physischen und psychischen Konstitution notwendig sind, ebenfalls hierher. Diese Aufgabe (oder haushaltliche Funktion) ist in Mitteleuropa (und bspw. auch in den USA) teilweise aus den Haushalten heraus an institutionalisierte Pflegeinrichtungen verlagert worden. Diese sind übrigens (im Regelfall) Anstaltshaushalte.
Zeitaufwendungen
Die Bereiche Kranken- und Altenpflege scheinen heute in den entsprechenden Erhebungen insgesamt nur marginal auf. Die Zeitaufwendungen in einem Haushalt mit Pflegefall sind allerdings hoch, in Größenordnungen von mehreren Stunden täglich bei entsprechender Pflege.
19
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Personale Belastungen:
Die Belastungen durch Pflege alter und/oder kranker Haushaltsmitglieder sind physisch (sicherlich abhängig von der Art der Pflegebedürftigkeit) hoch und psychisch meist ebenfalls recht belastend, sie können insbesondere bei langanhaltender Krankheit bzw. Pflegebedürfigkeit extrem belastend werden. Im allgemeinen handelt es sich bei den körperlichen Beanspruchungen um intensivierte Reinigungsleistungen, um verstärktes Säubern von Wäsche, Bekleidung etc., dann um Hilfeleistungen bei den persönlichen Verrichtungen (Notdurft, Körperreinigung, Umbetten usf), die teilweise mit hohem physischen Aufwand (Heben der Person, Stützen, Ankleiden usw.) verbunden sind.
2.9. Gartenarbeit
Bei diesem Arbeitsbereich gibt es große methodische Probleme, was eine saubere Unterscheidung zwischen Hausarbeit und Freizeit/Hobby-Aktivitäten betrifft.
Daß Gartenarbeit als eigener hauswirtschaftlicher Arbeitsbereich geführt wird, hat auch traditionelle Gründe. Die im Gefolge der bürgerlichen Reformbewegung aufgekommene Nutzung von Kleingärten hatte ja neben dem rekreativen Charakter auch handfeste wirtschaftliche Motive gehabt. 19
Die Eigenproduktion von Gemüse und Obst (und die Vorratshaltung dieser eigenen kleinen Ernte) stellte in vielen Fällen recht kräftige geldwerte Zuschüsse zum Erwerbseinkommen dar. Gärten waren also früher vorallem Nutzgärten (mit einem entsprechenden Subsistenzcharakter), während sie heute oft Ziergärten (mit überwiegendem Hobbycharakter) darstellen. Der Nutzgartenanteil beträgt nach Schätzungen für die BRD rund ein Viertel bis knapp ein Drittel der Gärten. In der BRD verfügen rund 60 % der Haushalte über einen Garten. 20
19 Vgl. dazu bspw. Janos Frecot et al: Fidus - Zur ästhetischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegungen, München 1972;
20 Vgl. Ulrich Lakemann a.a.O.
20
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Überall dort, wo Arbeit im eigenen Garten für den Haushalt relevanten "Wert" schafft, also bei vorwiegenden Nutzgärten (Gemüse- und Obstanbau), ist sie zweifellos der Hausarbeit zuzurechnen. Wenn der Hobby-Charakter überwiegt (Ziergarten), wären diese Arbeiten als Freizeit-Aktivität zu werten. Diese Differenzierung stößt mitunter auf erhebliche praktische Schwierigkeiten. Überspitz formuliert: ist etwa das Züchten von Rosen (und die dazu notwendigen gärtnerischen Pflegearbeiten) wertschaffend für den Haushalt?
Klar z.B. ist dies dann, wenn es sich um Gartengemüse handelt, das im Hausgarten gezogen wird, hier wird zweifellos 'Hausarbeit', produktive Arbeit geleistet. Dabei gibt es einen (wahrscheinlich nicht besonders großen, jedoch prinzipiellen) Beitrag zur eigenen Wertschöpfung.21 Zeitaufwendungen:
In österreich im Schnitt rd 20 Minuten am Tag; Frauen und Männer sind etwa gleich mit Gartenarbeiten beschäftigt. Etwa rund 40 % der Haushalte verfügen über einen Garten. Personale Belastungen:
Die körperlichen Leistungen bei regelmäßiger und umfangreicherer Gartenarbeit sind hoch. Es wird vielfach in gebückter Stellung gearbeitet, höhere Trageleistungen sind ebenso wie eine umfassende Beweglichkeit des Körpers notwendig (Pflanzen, Jäten, Gießen, Ernten).
2.10. Reparaturarbeiten
Einfache Reparaturarbeiten im Haushalt werden oft deshalb selbst durchgeführt, um relativ teure Handwerkerkosten (bei Vergabe der Arbeit an den Dienstleistungsmarkt) "zu sparen". Die DIY·(Do It Yourself)-Aktivitäten, also selbst durchgeführte Reparatur-, Verbesserungs- und Verschönerungsarbeiten der 21 Sollten jedoch Arbeitsaufwendungen für Blumen, die zwar regelmäßig als Blumenschmuck in der Wohnung verwendet werden und sonst als Tischschmuck gekauft werden, komplett der Hausarbeit zugeordnet werden?
21
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Verbraucher haben in den letzten Jahren relativ kräftig zugenommen. Für ländliche Haushalte ist das keine neue Erscheinung (da wurden immer nur besonders spezialisierte Arbeiten nach aussen vergeben), wohl aber für städtische Haushalte. Zeitaufwendungen:
Vorallem kleinere Reparaturen werden heute vielfach von den Haushalten selbst durchgeführt, diese sind im wesentlichen eine Domäne der Männer; größere Reparaturen werden meist an (bezahlte) Dritte vergeben.
Rund 22 Minuten werden pro Tag für (eigene und wohl auch fremd beauftragte, "Graue") Arbeiten dieser Art in Österreich aufgewandt. 22 Personale Belastungen:
Im wesentlichen abhängig von der durchgeführten Arbeit. Sicherlich im Schnitt mittel, teilweise schwer (bspw. Befestigen über Kopf an der Decke, Bohren in Beton etc) beanspruchend, da vielfach Werkzeuge bzw. Elektrohandwerkzeuge geführt werden müssen (Bohren, Schrauben, Einpassen, Abschleifen, Auftragen etc.); ausserdem muß konzentriert gearbeitet werden (Verletzungsgefahr bei Arbeiten mit Maschinen). Die Belastung ist mit den professionellen Arbeiten vergleichbar, hiezu gibt es eine Fülle von Materialien.23
2.11. Besorgungen
Zu den Besorgungen müßen alle Zeitaufwendungen die bspw. im Zusammenhang mit Behördenwegen (soweit sie nicht durch die Erwerbsarbeit oder nebenberufliche Arbeiten bedingt sind) für den Haushalt bzw. Haushaltsmitglieder anfallen, gerechnet werden. Wege zur Bank, zum Postamt, zum Tierarzt (bspw. mit einem Haustier) oder zu Gericht (bei einem [auf den Haushalt sich beziehenden] Gerichtsverfahren), oder bspw. das Ausstellenlassen eines Reisepasses, die Teilnahme an einer Bauverhandlung, das Organisieren auch gemeinsamer Leistungen (wie etwa eine verteilte,
22 Vgl. Gerhard Simhandl: Der Tagesablauf der österreicher, in: Jiri Skolka: Die andere Wirtschaft, Wien o. J. 23 Vgl. Helmut Spitzer et al a.a.O.
22
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
also mit Nachbarn bzw. Bekannten geteilte Kinderbetreuung), sind als derartige Besorgungen für den Haushalt zu verstehen. Zeitaufwendungen:
Knapp 10 Minuten täglich werden für Besorgungen aufgewandt, sie werden offenbar aufgeteilt und auch teilweise von Dritten (Verwandten) übernommen. Personale Belastungen:
Von der physischen Seite eher gering, da häufig nur Gehwege, Warten usf. notwendig sind, von der psychischen Seite tw. hoch.
2.12. Sonstige Hausarbeit
Dies ist methodisch eine der üblichen Hilfskategorien für anders nicht sauber einordenbare Bereiche.
Alle individuellen Zeitaufwendungen im Haushalt, die zwar produktiv (für diesen Haushalt), aber eben nicht eindeutig in das angeführte Kategorienschema zuordenbar sind, würden hierher gerechnet werden können. Sozialkontakte, politische Aktivitäten etc. könnten hierher nur dann gerechnet werden, wenn sie haushaltlich produktiv relevant wären.
Zeitaufwendungen und Personale Belastungen dieser Hilfskategorie sind in erster Linie von methodischen Abgrenzungen abhängig.
2.13. Haushaltsführung
Die Entscheidungsfindung zu wichtigen auch längerfristigen Fragen im Haushalt, aber auch die Diskussion (Bewertung und künftige Planung) zu allein getroffenen oder an eine Person delegierten Entscheidungen, bspw. Käufen, gehört zur Haushaltsführung. Ebenso natürlich die Einkaufsplanung, die Entscheidung, ob generell oder im Einzelfall bestimmte Leistungen vergeben oder selbst erbracht werden, die Zeitplanung für den Haushalt (Essenszeiten bspw.), Vorausplanungen für nicht regelmäßige Ereignisse (Urlaub, Reisen,
23
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Krankheitsfälle), die Planung von Ausbildungswegen für Kinder usw. gehören ebenfalls hierher.
Vorallem - dies ist langfristig bedeutsam - betrifft die Haushaltsführung jedoch das gemeinsame (oder an einen Einzelnen delegierte bzw. ihm überlassene) Planen und Entscheiden wesentlicher struktureller Fragen des Haushalts. Neben der (gemeinsamen) Zielfestlegung gehört auch die laufenden Begleitung (Bewertung, Kontrolle) budgetärer Planung, sowie der Zeitverwendung zu diesen Managementaktivitäten. Es dreht sich dabei also um planende, leitende und administrative Aufgaben der Kleinstruktur "privater Haushalt", die sowohl in der Praxis der Haushalte, wie in der haushaltswissenschaftlichen Analyse wohl oft noch etwas zu kurz kommen. Gerade im Alltagsleben hat diese Haushaltsführung häufig den Charakter von "common sense" - Entscheidungen, die sozusagen 'nebenbei' getroffen werden und in Anbetracht der Kleinheit des Betriebs "Haushalt" keines sonderlichen Aufwands bedürfen. In Wirklichkeit haben diese von den Menschen mehr oder weniger wahrgenommenen Aktivitäten tatsächlich "Managementcharakter". Wobei dieses 'Management' sich auf alle mikrosozial (im familiären System) entscheidungsrelevanten Personen, also bspw. auch auf Kinder im Haushalt, die Mitsprache eingeräumt bekommen haben oder beanspruchen, bezieht.
Die Haushaltsführung moderner Haushalte ist in vielen Aspekten ein [oft uneffizientes] interpersonales, soziales und ökonomisches Konflikt-Management, was die unterschiedlichen subkjektiven Ziele und die gemeinsam verfügbaren Mittel im Haushalt anbetrifft. 24
24 In Wirklichkeit ist die "Haushaltsführung" moderner, z. B. mitteleuropäischer Haushalte ja eine hochkomplexe, sozial anspruchsvolle Angelegenheit, die gerade durch die Kleinheit der Einheit und durch die zeitgenössischen kulturellen Veränderungen (z.B. im familiären Rollenverständnis von Männern und Frauen) wesentlich "aufwendiger" geworden ist, als sie früher meist war. Andererseits wird dieses zeitaufwendigere Entscheidungs- und Führungsverhalten - so eine bspw. aus dem betriebsökonomischen Qualitätsmanagement und der Kleingruppenforschung herleitbare Annahme, durch die extensiveren gemeinsamen Entscheidungsprozesse in Summe befriedigender für die Beteiligten/Betroffenen.
24
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Bedingt durch ein stärker pädagogisch-kinderpsychologisch beeinflußtes Verständnis, werden heute übrigens zunehmend Kinder in derartige haushälterisch/familiäre Entscheidungen miteinbezogen. 25 Folgt man einer Modellerhebung 26 werden für derartige mehr oder weniger gemeinsame Führungsaufgaben im Haushalt insgesamt rd 30 Minuten täglich (teilweise auch von beiden erwachsenen Partnern gemeinsam) aufgewandt.
Personale Belastungen:
Die physischen Belastungen sind vernachlässigbar gering, die psychischen Anforderungen jedoch insbes. in Hinblick auf gestalterisches und planerisches Denken hoch.
2.14. Arbeiten für andere Haushalte
Haushalte, Lebensgemeinschaften arbeiten nicht nur für sich, sondern mitunter auch ‚für Andere’, also für haushaltsexterne Personen, andere Haushalte oder Gruppen. Dies hat einerseits mit sozialen Verpflichtungen des betroffenen Haushalts (bzw. seiner Mitglieder) zu tun, andererseits jedoch auch mit einer durchaus vorhandenen Netzwerk-Hilfe-Struktur, die aus privater Initiative individuelle oder öffentliche Versorgungsdefizite behebt. Breitbandige Erhebungen erschließen diese externen Aktivitäten relativ schlecht, wobei meist nicht zureichend sauber zwischen entgeltlichen Arbeiten und solchen im sozialen Netzwerk unterschieden werden kann.
Die kostenlose Beteuung der Katze der Nachbarn während ihres Urlaubs gehört ebenso zu den Aktivitäten im nachbarschaftlichen Netzwerk, wie das regelmäßige 'Mitnachhause-Nehmen' eines Nachbarkindes von der Schule, Beförderungsleistungen (im eigenen PKW) für Bekannte usw.
25 Für diesen Umstand sprechen einerseits die tatsächlichen familiären Kaufentscheidungsprozesse sowie die modernen familienrechtlichen Veränderungen, die eine umfassendere Mitsprache des Kindes bei [gerichtlichen] familiären Konfliktlösungen, bspw. auch Ehescheidungen vorsehen.
26 Vgl. Karl Kollmann: Wie wirtschaften Haushalte? a.a.O.
25
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Alle diese Aktivitäten sind offenbar einerseits auf Solidarität, wie andererseits auf Reziprozität gerichtet. Nach österreichischen Erhebungen sind derartige Netzwerk-Hilfen auf den ersten Blick eher nicht so ausgeprägt, nach deutschen Erfahrungen jedoch nicht unbeachtlich. 27 In der Befragung von Haushalten in Zusammenhang mit haushaltlichen Aktivitäten ergeben sich in Österreich Zeitaufwendungen von 3 Minuten im gesamten Durchschnitt pro Tag. Bei expliziteren Befragungen in Hinblick auf derartige "Freiwilligenarbeit" ergibt sich eine Größenordnung, die jedoch rund 17 Prozent gemessen am Ausmaß der Berufsarbeit ausmacht. 28
27 Vgl. Gerhard Simhandl a.a.O. ; für die BRD vgl. Martin Diewald: Sozialkontakte und Hilfeleistungen in sozialen Netzwerken, in: Wolfgang Glatzer, Regina Berger-Schmitt a.a.O.
28 Vgl. Christoph Badelt: Politische Ökonomie der Freiwilligenarbeit, Frankfurt/New York 1985.
26
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
3. Andere, nicht-hauswirtschaftliche Aktivitäten im Haushalt
Zur Abrundung des Bildes der hauswirtschaftlichen Aktivitäten ist es sinnvoll, auch einen Blick auf die 'nichtproduktive 'Zeitverwendung der Menschen zu machen. Leider gibt es kaum umfassende haushaltsbezogene Daten zur Zeitverwendung in Österreich, insofern ist die Kategorisierung auch prospektiv zu verstehen.
3.1. Persönliche Zeit
Persönliche Zeitverwendung macht den größten Anteil am persönlichen Zeitbudget aus und beinhaltet im wesentlichen die individuellen Zeiten für Schlaf, Ruhe, Hygiene (Körperpflege) und persönliche Gesundheitsvorsorge. Es sind das also Zeiten für die persönliche Reproduktion und Regeneration (Rekreation). Zeitaufwendungen:
Folgt man dem erwähnten "Tagesablauf"-Mikrozensus, so fallen im Schnitt 11 Stunden und 22 Minuten per Tag unter die Kategorie "Persönliche Zeit".
Freizeit
Die Bedeutung der Freizeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dieser Wertewandel dürfte noch weitergehen, Freizeit also eine immer wichtigere Bedeutung im Leben der Menschen bekommen.
"Freizeit" kann unterschiedlich verbracht werden; sinnvoll erscheint für haushaltsanlytische Zwecke eine Unterscheidung in persönliche und gemeinsam mit anderen Haushaltsmitgliedern verbrachte Freizeit. Persönliche Freizeit
Die mit individuellen Hobbies, mit Lesen, Fernsehen usf. verbrachte Zeit, wird sinnvollerweise von den reinen Reproduktionszeiten wie Schlafen etc. zu trennen sein.
27
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Gemeinsame Freizeit
Charakteristisch dafür ist, daß sie für haushalts- oder familienbezogene, in erster Linie soziale Zielsetzungen 'steht', im wesentlichen also mit den anderen Haushaltsmitgliedern gemeinsam verbrachte, meist auch gemeinsam gestaltete, freie Zeit ist. Das wären also z.B. gemeinsame Kinobesuche, gemeinsames Fernsehen, gemeinsames Wandern, gemeinsame ausgeübte Sporttätigkeiten usw. Schwierig beim Vorhandensein kleinerer Kinder im Haushalt, ist im Einzelfall sicherlich die Unterscheidung zwischen Kinderbetreuung und gemeinsamer Freizeit.
Daneben gibt es auch Freizeittätigkeiten, die eine Person gemeinsam mit nichthaushaltszugehörigen Personen ausführt, Sportaktivitäten etwa. Andererseits gibt es in einem kernfamiliären Vierpersonenhaushalt bspw. auch Zeiten, wo zwei oder drei Haushaltsmitglieder gemeinsam Freizeitaktivitäten ausführen, - auch z. B. mit anderen nicht dem Haushalt zugehörigen Personen. Die Abgrenzung von Freizeit und haushaltsproduktiven Arbeiten ist, wie schon mehrfach erwähnt, mitunter schwierig. Gartenarbeit kann vom angestrebten Ergebnis her Freizeit, wie Hausarbeit sein (Zier- oder Nutzgarten), und zusätzlich von den Haushaltsmitgliedern unterschiedlich empfunden werden (für ein Kind ist die Pflege des Ziergartens ungeliebte Beschäftigung, für ein Elternteil bspw. essentielle Verschönerungsarbeit für das Haus). Zu einer besseren Abgrenzung wurde für derartige Tätigkeiten der Begriff der "Halbfreizeit" (semi loisir) 29 eingeführt. Gerade diese "von einem selbst angeschaffte" Tätigkeiten haben in den letzten Jahren zugenommen. Zeitaufwendungen:
In österreichischen Erhebungen wurde, wie in vielen anderen Erhebungen zu Zeitbudgets, hier nicht näher differenziert. Für Freizeit - egal wie persönlich, vereinzelt, oder gemeinsam sie gestaltet ist, bzw. wie sie gegen Arbeiten im Haushalt abgegrenzt ist - fallen einschließlich der freizeitbezogenen Wegezeiten rd 5 Stunden und 23 Minuten per Tag an.
29 Vgl. Klaus Hesse: Bedeutung und Wandlung von Verbrauch und Verbrauchsstruktur in privaten Haushalten, in: Hauswirtschaft und Wissenschaft, 5/1975
28
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Ausserhaushaltliche soziale Leistungen
Es gibt eine Reihe von Aktivitäten, die Haushaltsmitglieder allein oder auch gemeinsam ausführen, die weder haushaltsbezogene produktive Tätigkeiten, noch entgeltliche Erwerbsarbeit sind und eigentlich auch nicht als reine Freizeitaktivitäten aufgefasst werden können. Etwa die Mitarbeit in einer Bürgerinitiative, die ehrenamtliche Tätigkeit in einer politischen Partei, kirchlichen Organisation, bei der Freiwilligen Feuerwehr, oder auch ausserordentliche Hilfeleistungen für Bekannte bzw. Nachbarn. 30 Diesen ausserhalb des Haushalts erbrachten Leistungen der Menschen (bzw. dieser Personen als Haushaltsmitglieder) liegen natürlich unterschiedliche Motive zugrunde und sie haben auch oft recht unterschiedlichen Charakter, Abgrenzung sind schwierig. Gegebenenfalls könnte auch hier der Begriff der "Halbfreizeit", der bereits erwähnt wurde, zur Anwendung kommen. Allerdings nicht als innerhaushaltliche, sondern als ausserhaltliche 'Halbfreizeit' verstanden, da hier in erster Linie soziale Umweltverpflichtungen des Haushalts angesprochen sind.
Einerseits kann es sich persönliche oder familiär gemeinsame Freizeitaktivitäten handeln, etwa bei kulturellen oder politischen Aktivitäten, bspw. der Mithilfe bei der Organisation eines "Gasselfestes".
Oder um indirekt beruflich motivierte Aktivitäten, wenn z.B. bei politischen Aktivitäten mitgearbeitet wird, von denen mittelfristig Laufbahnverbesserungen o. ä. Rückwirkeffekte erwartet werden. Zum dritten kann es sich bei der Mitarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr bspw. tatsächlich um authentische altruistische Motive handeln, jedoch auch um subjektive Nutzenkalküle, wie bspw. bei den Formen unentgeltlicher Nachbarschaftshilfe (in der Art von: 'wenn man den Nachbarn gefällig ist, werden sie einem auch einen Gefallen tun, wenn man einmal darauf angewiesen ist'). Es handelt sich bei diesen ausserhaushaltlichen sozialen Leistungen insbes. um unentgeltliche Leistungen bzw. Zeitaufwendungen für: - Soziale Dienste (Betreuung von Kranken, Alten, fremden Kindern, Jugendarbeit, Bewährungshilfe etc),
30 Vgl. Christoph Badelt: Politische Ökonomie der Freiwilligenarbeit, Frankfurt, New York 1985
29
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
- Kulturelle Aktivitäten (Beteiligung an Musik-, Theatergruppen etc, Mithilfe bei einem Fest usw.),
- Umwelt- und Erholungsaktivitäten (Mitarbeit in Sportvereinen, bei der Ortsbildverschönerung, bei Ferienlagerorganisation usw.), - Katastrophenhilfsdienste (Freiwillige Feuerwehr, Rettung, Bergrettung usw.),
- Religiöse Aktivitäten (Kirchenchor, Pfarrgemeinderat, Mitarbeit beim Gottesdienst usw),
- Politische Arbeit (in Parteien und/oder Interessensvertretungen als Funktionär, in Bürgerinitiativen, bei Amnesty International, bei der Entwicklungshilfe usw.),
- Nachbarschaftshilfe (bei Besorgungen {Ämter, Schriftsachen}, für Reparaturen, Handarbeiten, Garten, Landwirtschaft, Hausbau, für Haareschneiden usw.) 31
Diese "Tätigkeiten, die man freiwillig und unbezahlt für andere tun kann" (Fragestellung bei der Erhebung) überlappen sich mit den traditionellen haushaltsökonomischen und den auf familäre Zeitverwendung bezogenen Kategorien. Zeitaufwendungen:
Die Aufwendungen für derartige Aktivitäten, die jedoch aus einer anderen Untersuchungsperspektive stammen (und deshalb etwas inkompatibel, da überlappend mit den übrigen Kategorien sind, können mit rund 33 Minuten täglich pro erwachsener Person angesetzt werden. 32
3.2. (Gemeinsame) Essenszeiten
Gemeinsame Mahlzeiten können mit gutem Grund dann speziell herausgehoben und gesondert betrachtet werden, wenn mit dem gemeinsamen Essen auch eine besondere Form der gemeinsam verbrachten (Frei-) Zeit verbunden wird.
Sinnvollerweise wird in derartigen Fällen die Zeit für persönliches Essen (also Essen allein, in einer Kantine bspw.) als eigene Kategorie oder als persönliche Zeit registriert.
31 Vgl. Christoph Badelt a.a.O. S 249 f
32 Rund 53 % der österreichischen Bevölkerung leisten derartige Freiwilligenarbeiten im Ausmaß von rd 7,3 Stunden wöchentlich; die Daten wurden durch Befragung gewonnen, Vgl. Christoph Badelt a.a.O. S 168.
30
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Zeitaufwendungen:
Zu diesem Zeitbereich gibt es noch kaum Daten. Greift man behelfsweise auf Fallstudien 33 zurück, dann wird für Essen rd 1,15 Stunden am Tag verwendet - diese Zeit ist jedoch auf die einzelne Personen und damit natürlich auch nicht auf gemeinsame Essenszeiten bezogen.
3.3. Weiterbildung
Bildungsaktivitäten sind in erster Linie als persönliche, für berufliche oder sonstige individuelle Weiterbildungszwecke verwandte Zeit zu sehen. Der angestrebte, nutzbare (also vorallem erwerbswirtschaftlich oder sozial verwertbare) Bildungseffekt steht dabei im Mittelpunkt des Interesses.
Nicht als Weiterbildung zu werten wären wohl jene Zeiten, wo es um allgemeine Information und Bildung geht, etwa das Sehen und Hören von Nachrichten, das Lesen einer Tageszeitung usw. Diese Tätigkeiten wären mit gutem Grund als persönliche Freizeit zu verstehen.
Gmeinsame (mit anderen Haushaltsmitgliedern realisierte) allgemeine Weiterbildung wäre jedoch in erster Linie als "gemeinsame Freizeit" zu verstehen. Zeitaufwendungen:
Die Zeiten für Lernen und Ausbildung betragen, auf die einzelne Person bezogen, im Schnitt rund 6 Minuten im Tag. Berufsarbeit
Zeitaufwendungen für Berufsarbeit umfassen alle Zeiten für erwerbswirtschaftliche Arbeit (Arbeitsaufwendungen, für die Entgelt bezahlt (Arbeitnehmer) oder erwartet (Unternehmer, Freie Berufe) wird. Wegzeiten im Zusammenhang mit berufsbezogenen Aktivitäten sind sinnvollerweise mit hierher zu rechnen. Für haushaltsanalytische Zwecke empfiehlt sich jedoch eine
33 Karl Kollmann: Modellanalyse der Zeit- und Geldverwendung eines Vierpersonenhaushalts, (Lehrveranstaltungsmaterial).
31
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Differenzierung zwischen Berufsarbeitszeit und berufsbezogener Wegezeit.
Eine an sich attraktive Teilzeitbeschäftigung kann bspw. durch hohe individuelle Wegezeitaufwendungen (und Wegekosten) nicht nur einen Großteil ihrer Attraktivität einbüßen, sondern sich letztlich auch als "Verlustgeschäft" für den Haushalt erweisen. Die Kenntnis berufsbezogener Wegezeiten ermöglicht eine bessere und umfassendere Beurteilung der Netto-Erträge von Berufsarbeit, sowohl in zeitlicher wie in finanzieller Hinsicht.
Zeitaufwendungen:
Die Zeitaufwendungen für Berufsarbeit betrugen im Schnitt (und einschließlich der Wegezeiten) über alle Österreicher im Jahr 1981 3 Stunden und 30 Minuten per Kalendertag (auf sieben Tage gerechnet), im Jahr 1992 3 Stunden und 43 Minuten. Übrigens hat auch die Zeit für Hausarbeit zugenommen, von 3 Stunden 46 Minuten (1981) auf 3 Stunden 56 Minuten (1992). Freizeit hat damit naturgemäß abgenommen, nämlich von 5 Stunden 23 Minuten (1981) auf 5 Stunden (1992). Jüngere Daten gibt es in Österreich nicht, die nächste Zeitbudgetstudie ist 2010 geplant.
32
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Zeitverwendung , Österreich, kalendertäglich
12
10
Stunden
8
1981
6
1992
4
2
0
T ätigkeiten im Tagesablauf 1992 (Quelle ÖSTAT)
100
90
80
Anteil der Bevölkerung i
70
60
50
40
30
20
10
0
Uhrzeit (kalendertäglich)
Schlafen Essen u pers Tätigkeiten Berufsarbeit Hausarbeit Soziale Kontakte Lesen Fernsehen Andere Tätigkeiten
(Quelle: Zeitbudgeterhebungen des ÖSTAT 1981, 1992)
33
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
B. Anforderungen durch Hausarbeit
Arbeiten im Rahmen der Hauswirtschaft, also Hausarbeit, umfassen ein sehr breites Spektrum an Aktivitäten. In keinem der Berufsbilder der Erwerbsarbeit gibt es eine derartige Fülle an unterschiedlichen Tätigkeiten und Aufgaben. Im folgenden Abschnitt soll erstens eine kurzgefaßte Übersicht zu den insbes. körperlichen Belastungen durch Arbeiten im Rahmen der Hausarbeit gegeben werden, zweitens dann der Arbeitsablauf derartiger Arbeiten anhand einiger Beispiele beschrieben werden.
1. Belastungen durch Hausarbeit
Ein gutes Maß für die körperliche Belastung durch Arbeit ist der Arbeitsenergieumsatz bei dieser Tätigkeit, also der Energieverbrauch des Körpers. In der Arbeitsphysiologie wird heute die Belastung durch eine bestimmte auszuführende Tätigkeit häufiger nach der Methode des Arbeitspulses gemessen als nach der des Arbeitsenergieumsatzes (die Pulsfrequenz steigt mit der Belastung durch Tätigkeit und den Umweltfaktoren, bspw. Hitze, stressöse Situationen bspw. Straßenverkehr usf.). Im haushaltswissenschaftlichen Bereich gibt es umfassendere (publizierte und zugängliche) Bewertungen bislang nur nach der Methode des Arbeits-Energieumsatzes.
Es gibt übrigens eine bewährte Faustformel, die beide Methoden vergleichbar macht - nach dieser nimmt pro 1 Arbeits-kCal/min (entsprechend 4.2 kJ/min) der Arbeitspuls um 10/min zu. Die Belastungsgrenze für berufstätige Frauen (Dauerleistung über einen 8 stündigen Arbeitstag) wird mit ca 11 - 12 kJ/min angegeben, für Männer mit 17 - 18 kJ/min. 34
Wird diese Belastungsgrenze überschritten, müssen zusätzliche Erholungszeiten (Arbeitspausen) vorgesehen werden.
34 Vgl. Elfriede Stübler: Einführung in das Arbeitsstudium in der Hauswirtschaft, Berlin, Köln 1986.
34
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Überdies gibt es, was die Muskelkraft anlangt, im statistischen Durchschnitt einerseits lebensaltersabhängige und dann erhebliche geschlechtspezifische Unterschiede.
Im Schnitt beträgt die Muskelkraft von Frauen nur rd 0.67 der Kraft der Männer, - dies korreliert mit der unterschiedlichen Belastungsgrenze von Frauen und Männern. Zum besseren Vergleich und Verständnis der Arbeiten im Rahmen der Hauswirtschaft werden die Arbeits-Energieumsätze bzw. Belastungen in bestimmten Berufen angeführt: 35
35 Vgl. Theodor Hettinger: Angewandte Ergonomie, Frechen 1970
35
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Arbeits-Energiebedarf(-umsatz)
Tätigkeit/Beruf (in kJ/min)
--------------------------------------------Rangierer (Eisenbahn) 15.5 Schmied 13.4 Betriebsschlosser 11.3 Modellschreiner 10.5 Rohrschlosser 10.0 Maschinenschlosser 9.6 Ofenmaurer 7.9 Werkzeugmacher 5.9 Schwachstromelektriker 5.0 Lokführer 4.2
--------------------------------------------Zur weiteren Illustration soll der Arbeitsenergieumsatz für einzelne Aktivitäten beispielhaft beschrieben werden: 36 Dabei wird die Belastung durch Aktivitäten sowohl nach Zeit wie auch nach Wegstrecken und Leistung (Tragen von 10 kg 10 m, Heben von 10 kg 1 m hoch usw) erhoben und ausgewertet. Das wird benötigt, um im industriellen Bereich rechnerisch leichter die Belastung durch bestimmte Arbeiten ermitteln zu können (wichtig bspw. für Ruhepausen, für die Planung von industriellen Arbeitsabläufen usw.).
36 nach Th. Hettinger: Kalorienverbrauch und Erholungszeitberechnung, Frechen 1968.
36
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Aktivitäten nach Zeitdauer:
-----------------------------------------Sitzen
Stehen Stehen gebückt 3.4 kJ/min leichte Einarmarbeit stehend 5.5 kJ/min Aktivitäten nach Wegstrecke: ----------------------------Tragen 0 kg
Tragen 5 kg Tragen 10 kg Heben
Heben Heben 10 kg 2.4 kJ/m Zur Beurteilung der "Schwere" von Aktivitäten:
37 Leichte Arbeiten: bis 8.75 kJ/min Mittelschwere Arbeiten: bis 13.00 kJ/min Schwere Arbeiten: bis 18.00 kJ/min (Belastungsgrenze Frauen: max 12 kJ/min Männer: max 18 kJ/min)
Bei der notwendigen Kraftausübung für Aktivitäten wird bspw. unterschieden:38) kleine Kräfte bis 2 kp mittlere Kräfte bis 5 kp große Kräfte bis 25 kp
Zu unterscheiden ist ferner: Unter dynamischer Arbeit werden alle bewegten Aktivitäten bzw. Aktivitäten mit und bei körperlicher Bewegung verstanden (wiederholtes Heben und Abstellen, Drehen, Bewegen usf.).
37 Vgl. W. Rohmert, Th Hettinger: Körperkräfte im Bewegungsraum, Berlin 1963
37
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Statische Arbeit ist hingegen eine Muskelarbeit ohne Bewegung (Stehen, Halten, Umgreifen), die wesentlich schneller zu Ermüdung führt. Die Dauerleistung bei statischer Beanspruchung beträgt nur 15 % der maximalen Kraft der Muskulatur.
38
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
2. Analytische Beschreibung einiger einzelner Arbeitsaufgaben
Die Bandbreite hauswirtschaftlicher Arbeitsabläufe soll im Folgenden anhand dreier typischer Aufgaben beschrieben werden. Dazu werden die verschiedenen Schritte zur Erreichung der Arbeitsaufgabe dargestellt.
Allein schon daraus wird der Belastungscharakter und die Vielgestaltigkeit dieser Arbeiten absehbar.
2.1. Arbeitsablauf 1:
Waschen von Schmutzwäsche in Waschmaschine, Trocknen auf aufklappbarem Trockengestell in einem Wohnraum; teilweise Bügeln. ARBEITSSCHRITTE: Waschen: Breitstellen von Wäschekörben Sammeln der Schmutzwäsche
Sortieren der Wäsche nach Waschtemperatur (bzw. Programm) Befördern der Wäsche zur Maschine Beschicken der Maschine mit zusammengehörigem Waschgut (= Schmutzwäsche) Beschicken der Maschine mit Waschmittel
Betriebsbereitstellen der Maschine (Herstellen bzw. Aufdrehen des Wasseranschlusses, Programmwahl, Herstellen bzw. Kontrolle des Abwasserlaufs) Überwachen des Reinigungsvorgangs (Wartezeit) Entnahme der Wäsche Transport des Trockengestells Aufstellen des Trockengestells Bereitstellen von Wäscheklammern Befördern der Wäsche zum Trockengestell Aufhängen der nassen Wäschestücke
Überwachen (= Überprüfen ob die zum Trocknen aufgehängte Wäsche bereits getrocknet ist) Abnehmen der getrockneten Wäschestücke Zusammenklappen des Trockengestells
39
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Wegräumen des Trockengestells
Sortieren (für Bügeln) Zusammenlegen nicht zu bügelnder Wäsche Sortieren Einräumen in Kasten Bügeln:
Holen und Transport des Bügelladens Aufstellen des Bügelladens Bereitstellen und Befüllen eines Wassersprengers Holen und Transport des Bügeleisens Sortieren der Wäschestücke nach Bügeltemperatur Bügeln der Wäschestücke Zusammenlegen der gebügelten Wäsche Sortieren Einräumen in Kasten Auskühlenlassen des Bügeleisens Entleeren und Verräumen des Wassersprengers Wegräumen des Bügeleisens Wegräumen des Bügelladens Wegräumen der Wäschekörbe
2.2. Arbeitsablauf 2:
Reinigen des Badezimmers, Unterhaltsreinigung ARBEITSSCHRITTE: Aufräumen des Badezimmers
Verräumen von Seifenschalen, Handbürste, benutzten Handtüchern, Shampoopackung etc.
Sammeln der benutzten Badewäsche (Handtücher, Waschlappen etc) für Wäschereinigung
Herräumen der Reinigungsmittel und der Reinigungsgeräte Reinigen Waschbecken mit Reinigungsmittel und Reinigungsschwamm Reinigen Armatur Spülen und Trockenwischen Reinigen Badezimmerschrank mit feuchtem Wischtuch Trockenwischen (zumindest des Spiegels im Schrank) Reinigen Badewanne mit Reinigungsmittel und Reinigungsschwamm Reinigen Armaturen
Reinigen Wandfliesen mit Reinigungsmittel und feuchtem Wischtuch
40
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Spülen und Trockenwischen (zumindest der Badewanne) Reinigen Bodenfliesen mit Reinigungsmittel und Bodenwischer Verräumen der Reinigungsmittel und der Reinigungsgeräte Neuanordnen von Seifenschalen, Shampoopackung, etc. Herräumen frischer handtücher (Waschlappen etc.) Aufhängen frischer Handtücher etc.
2.3. Arbeitsablauf 3:
Zubereitung einer Mahlzeit, Reinigen von Koch- und Speisegeschirr Beispiel: einfache Mahlzeit, ein Gang [Rindfleisch gedünstet, mit Reis und Mischgemüse, Getränk Mineralwasser; einfachstes Servieren (kein Anrichten in Schüsseln); zeitsparende Geschirrreinigung, Abtrocknen im wesentlichen nur von Gläsern]. ARBEITSSCHRITTE: Rindfleisch aus dem Kühlschrank nehmen Reis aus Vorratsschrank nehmen Mischgemüse aus Tiefkühltruhe bzw. Tiefkühlfach nehmen Gewürze vorbereiten Druckkochtopf aus Geschirrschrank nehmen Topf und Deckel trennen Wasser in Topf einfüllen Druckkochtopf auf Herdplatte setzen
Küchengeräte (Küchenmesser, Schneidbrett etc.) aus Lade nehmen Rindfleisch auspacken ggf. portionieren, in Topf einlegen Kochtopfdeckel verriegeln Herdplatte einschalten Kochbeginnzeit merken Kasserolle aus Geschirrschrank nehmen passenden Deckel aus Geschirrschrank nehmen Wasser abmessen, in Kasserolle geben Deckel aufsetzen Herdplatte einschalten Reis abmessen
warten bis Wasser auf richtiger Temperatur, dann Reis in Kasserolle geben
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Kasserolle aus Geschirrschrank nehmen
passenden Deckel aus Geschirrschrank nehmen Mischgemüse-Packung öffnen Wasser in Kasserolle einmessen warten bis Wasser auf richtiger Temperatur, dann Mischgemüse in Kasserolle geben Abfälle (Verpackungen) in Abfallkorb geben Mehrmals prüfen ob Kochvorgänge zureichend sind (= wunschgemäße Temperatur haben usf.) Mischgemüse mehrmals umrühren ev. Würzen (Warten)
Speisegeschirr aus Geschirrschrank nehmen Gläser aus Geschirrschrank nehmen Mineralwasserflasche aus dem Kühlschrank nehmen Eßbesteck aus Bestecklade nehmen
Speisetisch decken (Geschirr, Gläser, Mineralwasserflasche, Besteck zum Eßtisch tragen) Überprüfen ob Kochvorgänge zureichend sind Kochvorgänge beenden Kasserollen ggf warmhalten
Druckkochtopf abkühlen (unter Wasserstrahl halten), Deckel entriegeln, abheben und abstellen (je nach Anrichtart - hier einfaches Portionieren aus Kochgeschirr am Eßtisch) Topf zum Tisch tragen Fleisch auf Speiseteller anrichten Topf zum Herd bzw. Abstellfläche zurücktragen Deckel der Kasserollen abstellen Kasserolle mit Reis zum Tisch tragen Reis auf Speiseteller anrichten Kasserolle zum Herd bzw. Abstellfläche zurücktragen Kasserolle mit Mischgemüse zum Tisch tragen Mischgemüse auf Speiseteller anrichten Kasserolle zum Herd bzw. Abstellfläche zurücktragen Mineralwasserflasche öffnen, Gläser befüllen nach dem Essen
Speisegeschirr am Eßtisch zusammenstellen Speisegeschirr zur Abwäsche tragen
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
ev. Speiseabfälle in den Abfallkorb (Mülltrennung) geben Mineralwasserflasche zum Kühlschrank tragen Gewürze verräumen Vorratsbehälter aus Geschirrschrank nehmen noch vorhandene Speisen in Vorratsbehälter füllen Vorratsbehälter in Kühlschrank stellen Geschirrreinigung, bspw. unter Annahme einer Einbeckenspüle In die Abwäsche warmes Wasser einlassen Reinigungsmittel (Bürste, Wischtuch) aus Schrank nehmen Geschirrspülmittel aus Schrank nehmen, in Abwaschwasser dosieren und wieder verräumen Gläser vorwaschen Gläser abstellen Besteck vorwaschen Besteck ablegen Speisegeschirr vorwaschen Spiesegeschirr stapeln Küchengeräte vorwaschen Küchengeräte ablegen Kochgeschirr vorwaschen, mit Bürste reinigen Spülwasser ablassen, Speisereste aus Abwäsche entfernen Gläser, Besteck, Küchengeräte, Speisegeschirr, dann Kochgeschirr spülen
Speisegeschirr, Kochgeschirr zum Trocknen stapeln Geschirrtuch aus Schrank nehmen Gläser mit Geschirrtuch trocknen Besteck mit Geschirrtuch trocknen Geschirrtuch zum Trocknen aufhängen Besteck in Bestecklade räumen Gläser in Schrank räumen nach Trockenzeit: Schneidbrett verräumen (ev. Nachtrocknen) Eßgeschirr verräumen Kochgeschirr verräumen Küchengeräte verräumen Abwäsche reinigen
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3. Belastung bei den einzelnen Arbeitsschritten - Beispiel
Beispiel Wäschereinigung
Vor dem Arbeitsablauf:
Planung - Beachten des rechtzeitigen Reinigungszeitpunktes - es darf keine Versorgungslücke eintreten, dabei kann der gesamte Ablauf (Waschen, Trocknen, Bügeln) eine Zeitspanne von mehreren Tagen umfassen.
ABLAUFSCHRITT - ANFORDERUNGEN Bereitstellen von Wäschekörben - Heben, Bücken, Tragen (geringe Last) Sammeln der Schmutzwäsche - oftmaliges Bücken (geringe Last) Sortieren der Wäsche nach Waschtemperatur (bzw. Programm)
Befördern der Wäsche zur Maschine
Beschicken der Maschine mit zusammengehörigem Waschgut (= Schmutzwäsche)
Beschicken der Maschine mit Waschmittel
Betriebsbereitstellen der Maschine (Herstellen bzw. Aufdrehen des Wasseranschlusses, Programmwahl, Herstellen bzw. Kontrolle des Abwasserlaufs)
Überwachen des Reinigungsvorgangs
Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Wartezeit
Entnahme der Wäsche - Ziehen, Heben (nasse Wäsche), Ablegen Transport des Trockengestells - Entnahme, Heben, Tragen (ca 3 kg) Aufstellen des Trockengestells
Bereitstellen von Wäscheklammern
- Entnehmen, Tragen (geringe Last) Befördern der Wäsche zum Trockengestell - Tragen (schwere Last ca 6 kg) Aufhängen der nassen Wäschestücke
Überwachen (= Überprüfen ob die zum Trocknen aufgehängte Wäsche bereits getrocknet ist) - Planen, Beachten der Zeit Abnehmen der getrockneten Wäschestücke
Zusammenklappen des Trockengestells
Wegräumen des Trockengestells
Sortieren (für Bügeln)
- mehrmaliges Bücken, Heben, Zuordnen Zusammenlegen nicht zu bügelnder Wäsche - Sortieren, Falten, Umschlagen, Schlichten Einräumen in Kasten
Bügeln:
Holen und Transport des Bügelladens Aufstellen des Bügelladens
Bereitstellen und Befüllen eines Wassersprengers
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
- Öffnen, Eingießen, Schließen
Holen und Transport des Bügeleisens - Bücken, Heben, Tragen Sortieren der Wäschestücke nach Bügeltemperatur - mehrmaliges Bücken, Heben, Zuordnen Bügeln der Wäschestücke
Zusammenlegen der gebügelten Wäsche
- Feinmotorik der Hände, Glattstreichen Sortieren - Systematisierendes Ordnen Einräumen in Kasten
Auskühlenlassen des Bügeleisens
- Tragen, Abstellen Entleeren und Verräumen des Wassersprengers - Öffnen, Ausgießen, Verräumen Wegräumen des Bügeleisens
Wegräumen des Bügelladens
Wegräumen der Wäschekörbe
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4. Summarische Beschreibung einiger Tätigkeiten in der
Hauswirtschaft
1. Haushaltsführung
Erforderlich sind:
aktuelle und längerfristige Planungsfähigkeit (bspw. Zusammenstellung eines zu tätigenden Einkaufs, Kaufentscheidungen dauerhafter Konsumgüter), Rechnen, Schreiben, Lesen, Verstehen von Warenbeschreibungen, Kaufverträgen etc., Beurteilung von Alternativen. Bedienen des Telefons, Gehen zu Bank bzw. Postamt. Diese Tätigkeiten sind insgesamt körperlich wenig, geistig jedoch besonders beanspruchend.
Für diesen Aufgabenbereich gibt es keine zuverläßige Arbeits-Energieumsatz-Angabe.
2. Beschaffung (Einkauf)
Wege zu den verschiedenen Einkaufsstellen, Auswahl der Güter; Transport der Güter Erforderlich sind:
Verstehen von Warenbeschreibungen, Kaufverträgen etc., Beurteilung von Alternativen, Kaufentscheidung. Heben und Tragen der Waren im Geschäft, Einräumen, Tragen von Einkäufen (mind 3 kg über bspw. 20 min für sog. 'tägliche Einkäufe', mind 6 kg über bspw. 30 min für größere wöchentliche Einkäufe), Ausräumen aus Tasche und Bevorraten (Einordnen in Regal zuhause), Hantieren mit Geld, Kontrollieren von Waren und Geld (entsprechende Sehfähigkeit). Hohe statische Belastung beim Tragen von Einkäufen.
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Wege sind von der vorhandenen Infrastruktur abhängig, natürlich auch von den Einkaufsgewohnheiten
Für diesen Aufgabenbereich gibt es keine zuverläßige Arbeits-Energieumsatz-Angabe, dies insbesondere durch die weit streuende subjektive Form des Einkaufens, die auch von infrastrukturellen Gegebenheiten und haushaltlichen Erfordernissen abhängig ist.
3. Ernährung und Nahrungszubereitung
Erforderlich sind:
Planungsfähigkeit, Konzentration (über rd eine Stunde zum Kontrollieren der Zubereitungsvorgänge). Beidseitige Feinmotorik der Hände (Zerkleinern der Lebensmittel) mit der Fähigkeit, dabei Geräte (Messer) kräftig zu führen (Zerteilen von Fleisch, Gemüse, Schneiden von Brot mit einer Hand, Halten des Schneidgutes mit der anderen Hand); mehrmaliges kurzzeitiges Heben und kleinflächiges Transportieren von Lasten bis 3 kg (Kochgeschirre mit Kochgut), längeres freies Stehen vor Arbeitsfläche bzw. Herd (20 min) (statische Belastung); zureichende Geschmacksempfindung (Würzen von Speisen, Verkosten), zureichendes Sehen und Hören (Schalterstellungen, Überkochen); beidhändiges, sicheres Tragen von Geschirr (Speisegeschirr, tw. mit Inhalt), Bücken zum Ausräumen mit Heben (von Geschirrteilen, von Lebensmittelvorräten).
Dabei ist mit einem Arbeits-Energieumsatz von 4.2 bis 8.8 kJ/min zu rechnen. 38
4. Reinigung von Küchen-, Tafelgeschirr und Haushaltsgeräten
38 alle hier angeführten Arbeits-Energieumsätze nach H. Spitzer, Th. Hettinger: Tafeln für den Kalorienumsatz bei körperlicher Arbeit, Berlin 1982.
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Erforderlich sind (im folgenden ist auf händische Abwäsche abgestellt):
Beidhändiges, sicheres Tragen von Geschirr, auch kräftigere Armbewegungen mit Reinigungsgeräten (Bürste, Schwamm) müssen über wiederholt mehrere Minuten möglich sein (insbes. Kochgeschirr), freies Stehen mit Oberkörper- und Armbeweglichkeit über rd 20 min; bei Empfindlichkeit der Haut gegenüber Reinigungsmittel muß das Überziehen von Arbeitshandschuhen möglich sein; beidhändiges Arbeiten mit ausgeprägter Feinmotorik insbes. beim Trocknen von Gläsern und Geschirr; Bücken mit Heben zum Einräumen des Geschirrs. Statische Belastung durch Stehen, mittlere Kräfte bei den Reinigungsbewegungen. Dabei ist mit einem Arbeits-Energieumsatz von 5.5 bis 15.1 kJ/min zu rechnen (insbesondere auch von Anordnung und Kenntnissen [Methode] abhängig.
5. Reinigung, Pflege und Instandhaltung der Wohnung (Räume)
Erforderlich sind:
Herräumen, Tragen und Führen von Geräten (Staubsauger, Heben rd 4 bis 5 kg abhängig vom verwendeten Gerät), beidhändiges Arbeiten (Ziehen des Staubsaugers) über Boden, Andrücken und Ziehen über Polstermöbel, Führen mit Druck (Kanten, Ecken), Zugbewegungen, (dies durchgehend mindestens rd. 20 min), Öffnen und Schließen des Geräts zum Entleeren des Staubbeutels; beidhändiges Führen von Besen bzw. Bodenwischer, mehrmaliges Bücken (Kehrschaufel), Befüllen, Heben, Tragen von Wasserkübel (ca 6 bis 8 kg), freie Oberkörperbeweglichkeit, sowie Bücken, Strecken und ungehinderte Arm- bzw. Handbeweglichkeit für Arbeiten wie: Abstauben, Abwischen (ausgenommen kleinere Aufräum- und Reinigungsarbeiten an Tischen, Ablagen, Stellflächen usw.), dabei gestrecktes Arbeiten und Steigen auf Steighilfen für Oberschränke (schwindelfreies Arbeiten über Boden). Kräftige, kreisende und reibende Handbewegung beim Reinigen von Arbeitsflächen, bei Regalen, Wandflächen etc. auch immer wieder Arbeiten in gebückter
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Stellung, Arbeiten im Knien bei der Reinigung von Unterschränken, der Bade- oder Duschwanne, des WC's. Die durchgehende Dauer derartiger Reinigungsarbeiten ist von der Raumgröße und Beschaffenheit abhängig (mind. durchgehend 30 min sollten möglich sein). Bei Empfindlichkeit der Haut gegenüber Reinigungsmitteln muß das Überziehen von Arbeitshandschuhen möglich sein. ¶ Das Überziehen und Ordnen von Betten ist regelmäßig ein umfassendes beidhändiges Arbeiten in gebückter Haltung mit intensiver Oberkörperbewegung.
Dabei ist mit einem Arbeits-Energieumsatz zu rechnen, bei Fegen, Moppen, Staub wischen etc. 10.9 bis 18.1 kJ/min Staub saugen 12.2 bis 14.3 Treppen putzen 14.3 bis 15.5 Boden aufwischen, Knien, gebückt 20.6 bis 24.8
6. Reinigung und Pflege waschbarer Textilien (Wäsche)
Erforderlich sind:
Fühlen (Erkennen des textilen Materials) sowie Lesen von Etiketten zum Sortieren.
Oftmaliges Bücken (zum Sortieren, Beschicken der Maschine, Entladen der Maschine), Heben, Tragen von Lasten (5 bis 6 kg) zur Maschine, von der Maschine zur Trockeneinrichtung, Tragen bzw. Betätigen von Trockengestellen; Auf- und Zuschrauben von Anschlußstücken oder Wasserhähnen, Ziehen und Drücken von Verriegelungseinrichtungen (Maschine); oftmaliges Bücken, Heben, dann Strecken des Oberkörpers und der Arme (beidhändiges flächiges Arbeiten) beim Aufhängen größerer nasser Wäschestücke (insbes. bei Bettwäsche, bei Wohntextilien), oftmaliges Drücken mit den Fingern (Wäscheklammern). Längeres freies Stehen (40 min) und vielfach wiederholte Armbewegungen bei festem Umgreifen des Bügeleisens beim Bügeln (einseitige Belastung) ist nötig, dabei vielfach wiederholtes sicheres Heben und sicheres Abstellen des Bügeleisens (ca 0.7 bis ca 1.5 kg Gewicht des Bügeleisens), oftmaliges beidhändiges Ziehen der Wäschestücke am Bügelbrett. Beidhändiges Zusammenlegen auch großflächiger Wäschestücke. Einräumen der gereinigten Wäsche
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
beidhändig oft mit Bücken oder Strecken (Schränke) verbunden. Statische Belastungen beim Aufhängen, beim Bügeln (hier auch besonders einseitige Belastungen) Dabei ist mit einem Arbeits-Energieumsatz zu rechnen, bei Bügeln, Wäsche zusammenlegen, ordnen 6.7 bis 9.7 kJ/min Wäsche einsprengen 8.8 bis 9.7 Wäsche aufhängen und abnehmen 12.2 bis 16.6 Waschmaschine einfüllen 16.8 bis 18.1 allfälliges Waschen kleiner Teile von Hand 8.0
7. Reinigung und Pflege von Oberbekleidung
Erforderlich sind:
Konzentriertes Arbeiten ohne Sehbehinderung beim Entfernen von Flecken, sonst tw. Arbeiten wie 6.(Bügeln) oder 2. (Transport zu einer Chemisch-Reinigung);
die Reinigung von Schuhen erfordert mehrmaliges Bücken, beidhändiges Arbeiten, Reiben mit Bürste unter entsprechendem Druck der Arbeitshand auf die Haltehand (Säubern, Cremen, Polieren), intensivere statische Belastung der zweiten Hand (Haltehand).
Beim Schuhe putzen ist mit einem Arbeits-Energieumsatz zu rechnen von 6.3 bis 11.3 kJ/min.
8. Ausbessern von Wäsche und Oberbekleidung
Erforderlich sind:
Konzentriertes Arbeiten ohne Sehbehinderung mit ausgeprägter Feinmotorik der Arbeitshand, statische Belastung der Haltehand. Der Arbeits-Energiebedarf ist hingegen vglw. gering, nämlich bei
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Karl Kollmann: Hausarbeit - Umfang und Anforderungen
Nähen und Flicken 2.5 bis 5.5 kJ/min.
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Prof. Dr. Karl Kollmann, 2010, Hausarbeit - Umfang und Anforderungen, München, GRIN Verlag GmbH
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