Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. THEORIE. 4
2.1 FACHSPRACHEN 4
2.2 FACHWORTSCHATZ 6
3. REDEANALYSE WALTER ULBRICHT. 8
4. REDEANALYSE ERICH HONECKER 15
5. EXKURS: POLITOLINGUISTIK 18
6. FORSCHUNGSRÜCKBLICK UND DISKUSSION 20
7. LITERATUR. 23
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Sprache in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Dabei steht jedoch nicht die parteiinterne Kommunikation der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), sondern der öffentliche Sprachgebrauch der Politiker im Fokus. Dieser Bereich der Sprache soll unter dem Aspekt der Fachsprachlichkeit untersucht werden, wobei die Frage, ob es sich beim öffentlichen Sprachgebrauch der DDR-Politiker um fachsprachliche Äußerungen handelte, zentral ist.
Somit lässt sich das Thema einerseits in der Varietätenlinguistik verorten, da eine Fachsprache als Varietät zur Alltagssprache gesehen werden kann. Andererseits fällt der Untersu-chungsgegenstand in den Bereich der Politolinguistik, die sich speziell mit der Sprache der Politik beschäftigt. Eine soziolinguistische Annäherung an die Thematik dürfte sich nicht als gewinnbringend herausstellen, weshalb von einer solchen Betrachtung abgesehen wird. Zunächst soll jedoch die Politolinguistik ausgeklammert werden, sodass es die Aufgabe des theoretischen Teils ist, den Komplex Fachsprachen greifbar zu machen und die generellen Merkmale eines fachsprachlichen Wortschatzes herauszuarbeiten. Anhand dessen sollen daraufhin zwei Reden exemplarisch analysiert werden, da der Umfang der Arbeit keine quantitative Untersuchung mit einer repräsentativen Stichprobe zulässt. Es sollen die verwendeten Wörter in der Fernsehansprache Walter Ulbrichts zum Bau der Mauer und der Rede Erich Honeckers zum 40. Jahrestag der DDR betrachtet werden. Beiden ist gemeinsam, dass sich die Politiker mit ihren Äußerungen nicht nur an Parteigenossen, sondern auch an das Volk der DDR wendeten, weshalb sich die beiden Texte für die Untersuchung eignen. Daraufhin wird geprüft, ob die Konzepte der Politolinguistik zur Beantwortung der zentralen Frage nach einer politischen Fachsprache beitragen können. Mithilfe des daran anschließenden Forschungsrückblicks und den bereits gewonnen Ergebnissen, wird in einer abschließenden Diskussion versucht, die Frage nach der Fachsprachlichkeit der Politikersprache zu beantworten. Neben der Entscheidung, ob es sich um eine Fachsprache handelte oder nicht, schließen sich auch andere Fragen daran an. So muss auch diskutiert werden in welcher Beziehung die Begriffe Ideologiesprache und Fachsprache stehen und ob die politische Fachsprache - sofern es eine gibt - sich von anderen Fachsprachen unterscheidet oder es sich vielmehr um ein Konglomerat an Fachsprachen handelt.
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2. Theorie
2.1 Fachsprachen
Das Hauptproblem, das sich bei der Definition von Fachsprache ergibt, ist die Abgrenzbarkeit von den Begriffen Alltagssprache oder Gemeinsprache, die wiederum nicht klar festgelegt sind. Zwar soll mit den Begriffen ein Gegensatzpaar gebildet werden, aber aufgrund der häufigen Überschneidungen stellt sich das als unmöglich heraus. Auch kann wegen der unterschiedlichen Merkmale einzelner Fachsprachen nicht von einer Fachsprache, sondern lediglich von Fachsprachen die Rede sein. 1
Trotz aller Probleme versucht das Lexikon der Sprachwissenschaft den Begriff Fachsprache wie folgt zu bestimmen: „Sprachliche Varietät mit der Funktion einer präzisen, effektiven Kommunikation über meist berufsspezifische Sachbereiche und Tätigkeitsfelder. Wichtigstes Merkmal ist der differenziert ausgebaute, z.T. terminologisch normierte Fachwortschatz […], dessen Wortbedeutungen frei sind von alltagssprachlichen Konnotationen und dessen Umfang in einzelnen Fachsprachen den der Standardsprache […] übersteigt. […]“ 2 Hieran werden bereits drei Merkmale deutlich, die für die Perspektive dieser Arbeit wichtig sind: 1. Fachsprache hat die Funktion eine präzise und effektive Kommunikation - hier zwischen Politkern und Volk - zu ermöglichen. 2. Fachsprache wird notwendig, wenn über spezifische Sachbereiche und Tätigkeitsfelder gesprochen wird. 3. Der Fachwortschatz ist das wichtigste Merkmal, das eine Abgrenzung zur Alltagssprache und zu anderen Fachsprachen möglich macht.
Wesentlich differenzierter macht Roelcke den Versuch Fachsprache zu definieren. Um der Komplexität der Thematik gerecht zu werden, betrachtet er die Fachsprache aus drei unterschiedlichen Perspektiven. Der pragmalinguistische Ansatz analysiert die Fachsprache vor allem im Hinblick auf die „Äußerungen von Texten im Rahmen einer fachlichen Kommunikation“ 3 und schließt dabei auch die Kotexte von Produzenten und Rezipienten ein. Eine weitere Herangehensweise stellt das kognitionslinguistische Funktionsmodell dar. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der psychologischen Komponente fachsprachlicher Kommunikation. 4 Den ältesten Zweig der Fachsprachenforschung stellt die systemlinguistische Perspektive dar, die im Folgenden die meiste Berücksichtigung finden soll. Dieser varietätenlinguistische Ansatz,
1 Fluck, Hans-Rüdiger, Fachsprachen. Einführung und Bibliographie, Tübingen 1996, S. 11 f.
2 Lauffer, Hartmut, s.v. Fachsprache, Lexikon der Sprachwissenschaft 2002, S. 211.
3 Roelcke, Thorsten, Fachsprachen, Berlin 2005, S. 21.
4 Ebd. S. 26.
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den Roelcke als „systemlinguistisches Inventarmodell“ 5 bezeichnet, versteht „Fachsprachen als Varietäten einer Einzelsprache“ 6 . Im Fokus stehen dabei der Wortschatz und die Grammatik sowie die Funktion der sprachlichen Varietät. Zwar spielen auch regionale, soziale und historische Aspekte eine Rolle, diese sind der Funktionalität jedoch untergeordnet. 7 Aus diesem Ansatz ist auch das Verständnis erwachsen, dass es sich bei Fachsprachen um die Subsprache einer Einzelsprache handelt. Dabei wird von vorneherein ausgeklammert, dass Fachsprachen nationalsprachlich-übergreifende Merkmale besitzen. 8 Als Definition schlägt Lothar Hoffmann dem systemlinguistischen Ansatz entsprechend Folgendes vor: „Fachsprache - das ist die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten.“ 9 Diese Bestimmung von Fachsprache stammt aus den 1970er Jahren und wurde umfangreich kritisiert. Als Hauptkritikpunkt wurde angeführt, dass die Definition nicht spezifisch genug sei, da Fach lediglich durch das Wort fachlich und Sprache nur durch die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel charakterisiert wurde. 10
Doch gerade hierin ist der Vorteil der Definition für die vorliegende Arbeit zu sehen. Dadurch, dass Fach nicht mit Beruf, Technik oder Wissenschaft gleichgesetzt wird, entfällt nicht im Vorhinein die Untersuchung der Politik. Außerdem beinhaltet die Definition einen kom-munikationstheoretischen Aspekt, wenn von der Verständigung zwischen Personen die Rede, was für den politischen Bereich besonders wichtig erscheint, da es darum geht, Herrschaft gegenüber dem Volk transparent zu machen und zu legitimieren. Somit soll von folgenden Merkmalen von Fachsprache ausgegangen werden: 1. Fachsprachen sind Varietäten einer Einzelsprache, 2. Ihre Funktion ist die effektive und präzise Kommunikation, 3.Fachsprache ist die Sprache in und über einen fachlich begrenzten, also spezifischen Sachbereich, 4. Fachsprache umfasst die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, wobei der (Fach)wortschatz das wichtigste Merkmal darstellt, 5. Fachsprache soll die Verständigung zwischen den Akteuren eines Sachbereichs ermöglichen.
5 Ebd., S. 17.
6 Ebd., S. 18.
7 Vgl. Ebd. S. 17 ff. Vgl. auch Möhn, Dieter, Roland Pelka, Fachsprachen. Eine Einführung, Tübingen 1984, S. 26.
8 Roelcke, Fachsprachen, S. 20.
9 Zit. nach ebd., S. 17. Vgl. auch Hoffmann, Lothar, Kommunikationsmittel Fachsprache. Eine Einführung, Berlin 1976, S. 193.
10 Zur Kritik an der Definition von Hoffmann vgl. Roelcke, Fachsprachen, S. 17 f.
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2.2 Fachwortschatz
Nachdem erläutert wurde, was unter Fachsprache verstanden werden soll, muss nun geklärt werden, welche Eigenschaften der Fachwortschatz besitzt. Auf diese Merkmale sollen die in den Reden verwendeten Wörter überprüft werden, um zu beurteilen, ob sich aus dem Inventar eines Fachwortschatzes bedient wurde.
Zunächst sei zur Bestimmung des Fachwortschatzes Roelckes systematisch-pragmatische Definition des Fachwortes angeführt: „Ein Fachwort ist […] die kleinste bedeutungstragende und zugleich frei verwendbare sprachliche Einheit eines fachlichen Sprachsystems, die innerhalb der Kommunikation eines bestimmten menschlichen Tätigkeitsbereichs im Rahmen geäußerter Texte gebraucht wird.“ 11 Wobei der Fachwortschatz nichts anderes als die Menge der Fachworte ist.
Diese Definition beinhaltet wiederum verschiedene Merkmale, die auch für die Fachsprache gelten sollen. So finden sich hier der kommunikative Aspekt und die räumliche Begrenzung wieder. Allerdings ist damit das Fachwort für die Redeanalyse nicht hinreichend operationalisiert.
Um die „Fachbesonderheiten“ 12 herauszufiltern muss festgestellt werden, inwiefern sich Fachwörter von Nichtfachwörtern unterscheiden. Nach Fluck sind Fachworte „präziser“ 13 und „kontextautonomer“ 14 als Nichtfachwörter. Außerdem kann das Signifikans in der Fachsprache ein anderes Signifikat als in der Alltagssprache haben. So wird beispielsweise sozial gemeinhin mit solidarisch gleichgesetzt, wohingegen es in der Soziologie lediglich darauf hinweist, dass eine Interaktion zwischen Individuen vorliegt. In solchen Fällen kann es sich bei einem Fachwort um einen Terminus handeln, der semantisch konkret festgelegt und in der Verwendung innerhalb eines Faches an bestimmte Konventionen gebunden ist. 15 In der Terminologie zeigt sich somit das erworbene Wissen eines Fachs. 16 Als Folge der konkreten Zu-ordnung eines Begriffs zu einem Sachverhalt müsste die Verwendung von Synonymen aus stilistischen Gründen wegfallen. 17
11 Ebd., S. 51 f.
12 Ebd. S. 53.
13 Fluck, Fachsprachen, S. 47. Vgl. auch Roelcke, Fachsprachen, S. 61 f., der es als Exaktheit bezeichnet. Vgl. auch Ickler, Theodor, Die Disziplinierung der Sprache. Fachsprachen in unserer Zeit, Tübingen 1997, S. 37, der feststellt, dass Fachwörter nicht abstrakt sind.
14 Fluck, Fachsprachen, S. 47. Vgl. Auch Roelcke, Fachsprachen, S. 67.
15 Fluck, S. 47 ff. Vgl. Auch Roelcke, S. 63 ff. Hier auch Kritik: Roelcke macht auf die systematische Mehrmehrdeutigkeit aufmerksam, die aber trotzdem eine kontextuelle Eineindeutigkeit nach sich zieht. Da hier nur eine Fachsprache betrachtet wird, genügt es von der kontextuellen Eineindeutigkeit auszugehen.
16 Ammon, Ulrich, s.v. Fachsprache, in: Metzler Lexikon Sprache (2005), S. 187.
17 Ickler, Disziplinierung, S. 63.
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Arbeit zitieren:
Bachelor Daniel Hitzing, 2009, Politische Sprache als Fachsprache, München, GRIN Verlag GmbH
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