Universität Potsdam Alexandra Stöhr
WS 2001/2002
Christian Heilers
Belegarbeit zum Seminar
„Geographie europäischer Metropolen“
im Fachbereich der Humangeographie
1 Einleitung 4
2 Definitionen und Fakten 6
2 Migration 6
2 Immigration und die ökonomische Bedeutung von Zuwanderung allgemein 6
3 Hochqualifizierte Immigranten 8
3 Statushohe Immigranten in Großstädten 10
3.1 Aufenthaltsdauer 10
3.2 Green Card 11
4 Aussiedler 12
5 Türkische Selbständigkeit in der Bundesrepublik 13
5.1 Überblick 13
5.2 Arbeitslosigkeit und der Weg zur Selbständigkeit 13
5 3 Welches sind die Wirtschaftsbereiche und welche Bedeutung haben die
selbständigen Unternehmen für das Gastland oder für eine Metropole 15
6 Städtebeispiele 18
6.1 New York 18
6.2 München 19
6.3 Wien 20
6.4 Zusammenfassung 22
7 Schlusswort 23
8 Literaturnachweis 26
1. Einleitung
Wie viele Zuwanderer braucht unsere Stadt? Wer heute diese Frage stellt, bekommt alles Mögliche zu hören, nur keine positive Antwort, denn in den Metropolen unseres Kontinents ist eine Mehrheit der stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger gegen weitere Zuwanderung. Manche würden am liebsten auch jene wieder heimschicken, die in den letzten Jahrzehnten zu uns kamen, oder die wir selbst hierher geholt haben. Migranten erscheinen einem Teil der Einheimischen als Bedrohung. Sie sind Auslöser von Zukunftsängsten. Sie sind zugleich eine Manövriermasse der Politik, und sie werden für eine Reihe von Defiziten unserer Gesellschaft verantwortlich gemacht. Manchmal geschieht dies zu Recht, aber viel häufiger müssen sie als Sündenböcke herhalten. Gewaltbereite Jugendliche, steigende Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Wohnungsnot gäbe es in den Metropolen auch dann, wenn in den letzten zehn Jahren niemand eingewandert wäre. Trotzdem können sich all jene, die vor weiterer Zuwanderung warnen und nach einer dichten Grenze rufen, der Zustimmung der schweigenden Mehrheit und einer lautstarken Minderheit sicher
Der Stand der Dinge macht es schwer, über Einwanderung nüchtern zu diskutieren. Das liegt offenbar schon am Wort. Es ist emotional „besetzt“, denn Einwanderung suggeriert sowohl eine Einbahnstraße, die auf uns zuläuft, als auch etwas Endgültiges. Eines unserer Hauptprobleme ist dabei der Gegensatz zwischen unserem Selbstverständnis und der Realität, denn ohne die Zuwanderer von gestern wären die Metropolen keine Metropolen geworden.
Hauptziele jeder verantwortungsvollen Migrationspolitik müssen die Steuerung der Zuwanderung (statt ihrer Verhinderung) und die Integration der Migranten sein. Letzteres wurde bei vielen in den Metropolen lebenden Arbeitsmigranten aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Türkei und Ost-Mitteleuropa verabsäumt.
Bei der Bewertung der Zuwanderung für die Städte beziehen sich viele Forscher auf den Soziologen Georg Simmel. „Stadt wird als der Ort bezeichnet, wo Fremde wohnen. Ohne Fremde - das heißt ohne Zuwanderung - gibt es keine großen Städte.“ Und Walter Siebel ergänzte: "Fremde waren immer das Ferment einer produktiven Stadtkultur. Wer in die Fremde aufbricht, tut dies meist gezwungen durch Hunger oder Krieg oder blanke Aussichtslosigkeit eines Lebens am angestammten Ort.
Aber die sich zur Wanderung entschließen, sind meist die Beweglicheren, Intelligenteren und die Aufstiegsorientierten. Sie bringen vor allem Differenz, auf der die Produktivität der Stadt beruht.“ Die Ursachen für eine Immigration liegen überwiegend in politischer Verfolgung, Krieg, Naturkatastrophen, ökologischen Dauerschäden, wirtschaftlicher Not sowie ethnischen Konflikten und dem Bevölkerungsanstieg. Die Zielgebiete dieser Menschen sind die wohlhabenden Länder mit modernen (offenen) Gesellschaften, sowie die Regionen mit ökonomischem Aufstieg.
In Deutschland gibt es Zuwanderung seit mehr als 40 Jahren. Über sieben Millionen ausländische Einwohner leben dauerhaft im Land. Die Zuwanderung hat für die Bundesrepublik in der Vergangenheit eine große wirtschaftliche Bedeutung gehabt und langfristig erhebliche Wachstumswirkungen mit sich gebracht. Die Zuwanderer haben zum wirtschaftlichen Erfolg in den fünfziger und sechziger Jahren wesentlich beigetragen.
2. Definitionen und Fakten 2.1. Migration
Mit Migration (Wanderung) beschäftigen sich viele Wissenschaften. Genauso vielfältig sind auch die Versuche zur Definition dieses Begriffes. Eine allgemein verbindliche Definition gibt es bislang nicht.
Migration ist ein Begriff aus dem Lateinischen – migratio, und bedeutet Wanderung. Vor über 40 Jahren begann die Geschichte der Migration mit der Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland. Die anfängliche Annahme von Deutschen wie Ausländern, die "Gastarbeiter" würden nach einer gewissen Zeit wieder in ihre Heimatländer zurückkehren, erwies sich bald für beide Seiten als Illusion. Spätestens seit dem Familiennachzug ausländischer Arbeitnehmer steht fest, dass ein großer Teil der ausländischen Mitbürger dauerhaft hier bleibt. Inzwischen lebt in Deutschland deren zweite und dritte Generation. (Bundesministerium des Innern) Jede längerfristige, räumliche Verlagerung des Lebensschwerpunktes über eine größere Distanz, die ein Verlassen des sozialen Aktionsraumes zur Folge hat, wird als Migration bezeichnet. ( Wenning, N., 1996, S.13)
Lebensgestaltung, in dem sich Weltoffenheit und Freiheit ebenso manifestieren können wie Repressionen und Lebensangst, Zukunftsvorsorge ebenso wie Abenteuerlust, Rückzug aus dem Arbeitsleben ebenso wie Bildungs- und Arbeitsstättensuche. (Grohmann, H., 1996; Beger, K.-U., 2000, S.7)
2.2. Immigration und die ökonomische Bedeutung von Zuwanderung
Die Immigration ist die Zuwanderung bzw. Einwanderung von Ausländern in ein fremdes Staatsgebiet zur dauernden Wohnsitznahme. In den meisten Ländern ist die Einwanderung gesetzlich geregelt und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. (Diercke Wörterbuch 1997) Die ökonomische Bedeutung von Zuwanderung für die Zielländer liegt verstärkt im Zuwachs von Verbrauchern sowie im Zuwachs in Investoren und Arbeitskräften und in der daraus resultierenden zusätzlichen Wirtschaftsleistung. Bei hoch
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit sich dadurch steigert.
Im günstigsten Verlauf vermeidet die Zuwanderung eine Verdrängung einheimischer Arbeitskräfte, Arbeitskräftelücken werden geschlossen, die
Beschäftigungseffekte erzielt. Zuwanderung kann aber Interessenkonflikte zwischen Unternehmen und einheimischen Arbeitnehmern auslösen. Erstere profitieren von der Arbeitsimmigration, letztere müssen unter bestimmten Bedingungen einen erhöhten Wettbewerb hinnehmen. Die Wirkung der Zuwanderung hängt von ihrem Umfang und ihrer Zusammensetzung ab. Qualifizierte Zuwanderung kann die Nachfrage nach gering qualifizierter Arbeit erhöhen und zur Senkung der Arbeitslosigkeit beitragen. Zuwanderer bringen häufig Fähigkeiten und Erfahrungen mit, die nicht direkt mit denen der Einheimischen konkurrieren. Zuwanderung kann dann zur vermehrten Nachfrage sowohl nach gering als auch nach gut qualifizierten Arbeitskräften führen. In einer derartigen Situation profitieren alle Arbeitnehmer von der Zuwanderung, weil sie höhere Einkommenszuwächse erzielen können, und weil die Arbeitslosigkeit reduziert wird. Zuwanderung kann Engpässe am Arbeitsmarkt beseitigen, ohne dass es zu steigenden Löhnen kommt (Gutachten IZA, S. 48).
Immigranten können grob in zwei Kategorien untergliedert werden. So ist eine Unterscheidung zwischen „einheimischen“ und „ausländischen“ Immigranten möglich. Der entscheidende Unterschied liegt hier in der Begründung der Zuwanderung. Ausländische Immigranten ziehen vorzugsweise in die Citybereiche, um dort eine bessere Ausgangssituation bei der Suche nach einem Job zu haben. Einheimische Immigranten ziehen dem Job hinterher. Das heißt, sie wechseln ihren Wohnort aufgrund eines Jobangebotes oder zur Verkürzung des Anfahrweges. Diese Immigranten wohnen vermehrt am Stadtrand.
Die Zuwanderung dient aber auch als wichtiger Gegenpol zur abnehmenden Erwerbstätigkeit der Bevölkerung. Nach einer Hochrechnung vom Statistischen Bundesamt wird der Rückgang der Erwerbspersonen trotz steigender Erwerbsbeteiligung erst bei einer jährlichen Zuwanderung von 300.000 Personen bis 2020 kompensiert.
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Alexandra Stöhr, 2002, Immigration, neue soziale Morphologie und Arbeitsmarktpolarisierung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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