Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Abbildungsverzeichnis. III
Einleitung. 1
1 Sport und Integration. 5
1.1 Sport als gesellschaftliches Teilsystem 5
1.2 Begriffsdefinitionen. 6
1.2.1 Integration 6
1.2.2 Akkulturation und Assimilation 9
1.3 Interpretation der Begriffe. 10
1.4 Theorien der Integration 12
1.4.1 Theorien der Integration nach Shmuel Eisenstadt 12
1.4.2 Theorien der Integration nach Hartmut Esser 15
1.4.3 Schlussfolgerung und Interpretation. 16
2 Arbeitsmigration und Integration 18
2.1 Arbeitsmigration in Europa 18
2.2 Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschland. 20
2.3 Integration der Türken in Deutschland 23
2.3.1 Türken in Deutschland: Forschungsstand. 23
2.3.2 Situation der Deutschtürken in der Literatur 28
2.3.3 Eindrücke zur Situation der Türken in Deutschland 33
2.4 Schlussfolgerungen. 34
3 Integration durch Sport 36
3.1 Integrative Elemente des Sports 36
3.2 Phänomen Fußball. 40
3.3 Sport-Projekte als sozial-integratives Instrument der Politik. 42
3.3.1 „Sport - durch - Integration“ 42
3.3.2 „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“ 44
3.3.3 ,,Sport ohne Grenzen" 46
3.4 Fazit 48
I
4 Methodik 49
4.1 Definitionen und Ziele der Befragung. 49
4.2 Formen und Verfahren der Befragung 50
4.3 Das persönlich-mündliche „face to face“ Interview. 52
4.3.1 Vorteile der persönlich-mündlichen Befragung. 55
4.3.2 Nachteile der persönlich-mündlichen Befragung. 56
4.4 Fazit 57
5 Untersuchungsdesign 58
5.1 Organisatorischer Rahmen der Untersuchung 58
5.2 Ziel der Befragung. 61
5.3 Untersuchungsablauf 64
6 Auswertung der Ergebnisse. 65
6.1 Vorgehensweise. 65
6.2 Eisbrecherfrage und Gründe für die Vereinswahl. 66
6.3 Sprache. 68
6.4 Privates Umfeld. 72
6.5 Bildung 78
6.6 Diskriminierung und Religiosität 80
6.7 Soziodemographische Merkmale 83
7 Fazit. 86
7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse. 86
7.2 Ausblick. 90
Anhang IV
Literaturverzeichnis. VII
Internetverzeichnis XIII
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Gründe für Vereinswahl
Abb. 2: Sprache, Platz
Abb. 3: Sprache, zuhause.
Abb. 4: Sprachvermögen
Abb. 5: Herkunft, Mannschaft.
Abb. 6: Herkunft, Freunde.
Abb. 7: Staatsbürgerschaft des Partners
Abb. 8: Herkunft des Partners.
Abb. 9: Herkunft der Eltern/Großeltern
Abb. 10: Schulabschluss.
Abb. 11: Diskriminierung durch Gegner und Zuschauer
Abb. 12: Grad der Religiosität
Abb. 13: Staatszugehörigkeit, Spieler
III
Einleitung
Einleitung
Am 09.06.2007 wird in der Kreisliga A in Bremen kurz vor dem Schlusspfiff ein Spiel zwischen dem SV Mardin und dem 1. FC Mahndorf abgebrochen. Ein Spielabbruch an sich ist im Fußball keine Besonderheit. Immer wieder kommt
es unabhängig von Land und Liga zu vorzeitigen Beendigungen von Fußballspielen. Diese werden meist durch den Schiedsrichter beschlossen, sobald er der Annahme ist, dass die Sicherheit für die Teilnehmenden nicht mehr gewährleistet ist. Im negativen Sinne ist dieser Spielabbruch jedoch etwas Besonderes, da der Schiedsrichter kurz zuvor durch einen Faustschlag niedergestreckt und dann, am Boden liegend, mit Tritten traktiert wurde. Politische Brisanz erhält dieser Fall dadurch, dass nicht etwa ein Spieler die Nerven verlor, sondern ein Trainer mutmaßlicher Haupttäter war. Dazu kommt, dass der Trainer des SV Mardin diplomierter Sozialpädagoge und
Integrationsbeauftragter beim Deutschen Sportbund und in seinem Stadtbezirk ist. Seine Mannschaft, der SV Mardin, besteht fast ausschließlich aus Kurden aus dem Südosten der Türkei. Vereine wie den SV Mardin gibt es überall in Deutschland. Die Idee, dass sich ethnische Minderheiten wie beispielsweise Türken, Kurden oder Kroaten zu Vereinen zusammenschließen, um gemeinsam am Wettbewerb des jeweiligen Fußballverbandes teilzunehmen, spricht für die Emanzipation jener Gruppen in der deutschen Gesellschaft. Dennoch bleibt offen, ob diese Zusammenschlüsse ethnischer Minderheiten auf Vereins- und Verbandsebene einem Zusammenleben mit den Deutschen und den in der Bundesrepublik lebenden Ausländern förderlich sind. Weist eine solche Eigenständigkeit, wie zum Beispiel die Gründung von eigenen Vereinen, nicht eine durchaus positive Tendenz auf? Ist sie nicht ein Zeichen für eine erfolgreiche Integration und für eine gesellschaftliche Gleichstellung, zumindest im Bereich des Sports?
1
Einleitung
Dennoch führen solche Fälle, wie der des SV Mardin, immer wieder zu kontroversen, öffentlichen Diskussionen. Denn die Meinung, dass es bei Fußballspielen mit Beteiligung „ausländischer“ Vereine, vermehrt zu Provokationen und Ausschreitungen kommt, ist weit verbreitet und leider nicht ganz unbegründet.
Laut einer Studie von Gunther A. Pilz (2006), werden zwei Drittel aller Spielabbrüche in deutschen Ligen durch nicht-deutsche Spieler verursacht. Dabei handelt es sich überwiegend um Spieler türkischer beziehungsweise kurdischer Herkunft. Ist diese Tatsache eine Konsequenz auf die, ebenfalls in
der Studie von Pilz dargestellten, häufigen Provokationen und das allgemeine fremdenfeindliche Verhalten gegenüber ausländischen Sportlern? Sehen
ethnische Minderheiten den Fußballplatz, stellvertretend für gesellschaftliche Missstände und Ungerechtigkeiten, als Chance, für soziale Gleichbehandlung zu kämpfen und treten daher mit einem Ehrgeiz auf, der dem sportlichen Niveau des Amateurfußballs unangemessen ist?
In der Studie von Pilz wird außer Acht gelassen, ob es sich bei den ausländischen Verursachern dieser Konflikte um Mitglieder deutscher oder eigenethnischer Vereine handelt. Und genau auf diese Frage soll im Verlauf dieser Arbeit eingegangen werden. Wozu führt die in den letzten Jahren stark ansteigende Tendenz zur Gründung „eigenethnischer Vereine“ (vgl. Pilz, 2006, S.3). Wirkt sie sich positiv auf das Verhalten auf dem Platz aus, da sich die ethnischen Minderheiten in ihren eigenen Vereinen nicht mehr ungleich behandelt fühlen? Stärkt der eigene Verein das Selbstbewusstsein und gibt den Spielern die Möglichkeit, durch die sozial zufriedenstellende Situation in der Mannschaft, ausgeglichener und weniger aggressiv aufzutreten? Oder führt ein gesteigertes Selbstbewusstsein zum Gegenteil? Verleitet eine solche
„verschworene“ Gemeinschaft nicht dazu, sich erst recht profilieren zu wollen? Wird der Fußballplatz dann doch, wie oben erwähnt, in Stellvertreterfunktion für Gesellschaft und Privatleben gesehen? Kommt durch den Zusammenschluss einer ethnischen Gruppe nicht auch schnell ein zwanghafter Nationalstolz auf sowie das Gefühl für ein ganzes Land oder eine Nationalität einzutreten?
2
Einleitung
Die Summe dieser Fragen beziehungsweise die Schlussfolgerung daraus, führt zu der zentralen Fragestellung, die anhand der hier vorliegenden Studie zumindest teilweise beantwortet werden soll: Unterstützt die Gründung eigenethnischer Vereine die Integration von ethnischen Minderheiten in die Aufnahmegesellschaft oder wirkt sie dieser entgegen? Genauer: Trägt die Gründung türkischer Vereine in Deutschland zur Integration der in Deutschland lebenden Türken bei oder verstärkt sie eher den jetzigen Zustand der Parallelgesellschaften?
Die Gründung eines solchen eigenethnischen Vereins kann sowohl positive als auch negative Konsequenzen mit sich führen. Beide Extreme existieren, müssen sich jedoch nicht zwingend auf gesellschaftlicher Ebene äußern. Der Fokus dieser Arbeit soll sich ausschließlich auf türkischstämmige Spieler deutscher und türkischer Vereine richten. Mit der Befragung soll ein Vergleich gezogen werden, zwischen Türken beziehungsweise Deutschtürken, die sich für einen türkischen Verein entschieden haben und denen, die in einem deutschen Verein Fußball spielen. Im Anschluss an die Auswertung der erhobenen Daten wird die Diskussion geführt, ob die Gründung eigenethnischer Vereine eher eine anti-integrative Wirkung hat oder ob sie für die Mitglieder eines solchen Vereins, in Bezug auf deren soziale Integration, förderlich sein kann. Daher soll die Hypothese als Ausgangspunkt dieser Studie folgendermaßen formuliert werden:
„Deutschtürken, die in türkischen Vereinen Fußball spielen, sind schlechter integriert als Deutschtürken, die in deutschen Vereinen Fußball spielen.“
Die genaue Bedeutung des Wortes Integration, soll im Verlauf dieser Arbeit näher definiert und eingegrenzt werden. Es sollen anhand der bestehenden Literatur Indikatoren für eine erfolgreiche Integration bestimmt werden. Diese werden dann im Zuge der Auswertung der erhobenen Daten untersucht und Bezug nehmend auf die zentralen und konkreten Fragestellungen bestätigt oder verworfen. Da für die befragte Stichprobe keine konkrete Definition der Gesamtpopulation existiert, werden anhand des Fragebogens lediglich Tendenzen untersucht, die den Indikatoren für eine erfolgreiche Integration entsprechen.
3
Einleitung
Um dem Rahmen einer Diplomarbeit gerecht zu werden, wurde als Untersuchungsbereich der Großraum München des Bayrischen
Fußballverbandes ausgewählt. Dieser Bereich besteht aus 256 Vereinen, von denen über ein Fünftel eigenethnische Vereine sind. Die anfängliche Idee, deutsche mit nicht-deutschen Vereinen zu vergleichen, wurde aufgrund dieser großen Anzahl verworfen. Die türkischen Vereine und die Türken beziehungsweise Deutschtürken in deutschen Vereinen als Objekt dieser Untersuchung heranzuziehen, liegt nahe, da diese mit knapp zwei Millionen die größte Gruppe der in Deutschland lebenden ethnischen Minderheiten ausmachen. Diese, bis auf wenige Ausnahmen, sehr festgefahrene Parallelgesellschaft ist nach wie vor von aktueller politischer Brisanz, und es bedarf weiterer Diskussionen und politischer Handlung, um diesen Zustand zu verbessern. Das ist nur möglich, wenn sich beide Seiten größte Mühe geben, die Kultur der Anderen zu respektieren und deren Lebensgewohnheiten und Wertvorstellungen zumindest nachvollziehen zu können. Das Thema Integration wurde in den achtziger Jahren umfangreich behandelt und ist nach wie vor ein viel diskutiertes Thema in der Politik. Die Beziehung der Deutschen und Deutschtürken weist immer noch starke Tendenzen der bereits erwähnten Parallelgesellschaft auf und ist weit von einem interagierenden Zusammenleben entfernt.
In Kapitel 1 sollen die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft sowie die Begrifflichkeiten und Theorien der Integration geklärt und in Bezug auf in Deutschland lebende Ausländer definiert beziehungsweise interpretiert werden. Kapitel 2 befasst sich mit der Geschichte der Arbeitsmigration in Europa und in Deutschland und deren Auswirkungen auf die deutsch-türkischen Beziehungen in der Bundesrepublik. In Kapitel 3 werden die sozialen Funktionen und integrativen Möglichkeiten des Sports erläutert. Im 4. Kapitel soll die Methodik der Datenerhebung vorgestellt und begründet werden. Anhand der darauf folgenden Analyse der Ergebnisse des empirischen Teils dieser Arbeit, Kapitel 5 und 6, soll die Situation der Deutschtürken im bayrischen Fußballverband beschrieben und auf Unterschiede zwischen den türkischstämmigen Spielern in deutschen und türkischen Vereine untersucht werden. Im abschließenden Kapitel 7 folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
4
1 Sport und Integration
1 Sport und Integration
1.1 Sport als gesellschaftliches Teilsystem
Der Sport ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Schon immer war er gleichsam für alle Bevölkerungsschichten Mittel zum Zweck: Unterhaltung, Ertüchtigung, Ruhm und Geld, Gesundheit und Schönheit. Das Potential, welches der Sport birgt, ist offensichtlich. Er ist ein mehr oder weniger emotionaler Wettbewerb, wird im kleinen oder großen Rahmen gemeinsam von Sportlern und Zuschauern ausgetragen, und spiegelt so die Gesellschaft in all ihren Facetten wider. Langjährige Freundschaften, tiefgehende Rivalitäten oder einfach nur den Reiz der Gemeinschaft mit Fremden und Bekannten kann der Sport auf einer ernstzunehmenden, nicht aber existentiellen Ebene, bieten. So stellt Klaus Cachay (2000, S. 11) fest:
„...dass sich der Sport heute als außerordentlich komplexer und facettenreicher Bereich der
modernen Gesellschaft etabliert hat. So werden unterschiedlichste Variationen von Bewegung
und Spiel als Sport bezeichnet. Verschiedene Organisationen bieten alle erdenklichen
Bewegungsformen an und bezeichnen sich selbst als Sportanbieter.“ Wobei in diesem Zusammenhang vernachlässigt werden kann, ob es sich bei allen sportbezogenen Angeboten auch wirklich um Sport im eigentlichen Sinne handelt. Vielmehr steht die Tatsache im Vordergrund, dass sich der Sport im allgemeinen als Teilsystem in der modernen Gesellschaft etabliert hat. Nach Schulze (2005, S. 20) hat sich die Bewegung:
„...in einem historischen Prozess seit dem späten Mittelalter allmählich aus verschiedenen
gesellschaftlichen Bereichen herausgelöst. Bewegung, Spiel und Sport differenzierten sich zu
einem eigenständigen gesellschaftlichen Teilsystem aus. Dieser Prozess ist von systeminternen
Differenzierungsprozessen begleitet worden. Dabei hat das Sportsystem durch Leistungen, die
es gegenüber anderen Teilsystemen erbringt, gesellschaftliche Bedeutung erlangt und
gleichzeitig an Komplexität gewonnen.“
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1 Sport und Integration
Die Frage, inwieweit Sport als eigenständiges System von der Gesellschaft akzeptiert und angenommen wird soll diskutiert werden, wobei es primär darum geht, welche Möglichkeiten der Sport den Menschen in Deutschland in ihrem Zusammenleben eröffnet. Was hat der Einzelne davon, Teil des „Systems“ Sport zu sein? Geht es den Menschen, die Sport treiben, nur um Bewegung oder ist das Gemeinsame am Sport, die soziale Interaktion, die der Sport unweigerlich mit sich bringt, nicht viel wichtiger? Diese Qualität des Sports, die soziale Zugehörigkeit und die Herkunft zu relativieren, soll im Verlauf dieser Arbeit mehrfach angesprochen werden. Im Folgenden wird etwas genauer auf die Bedeutung des Begriffes Integration eingegangen.
1.2 Begriffsdefinitionen
1.2.1 Integration
Eine einheitliche Definition des Begriffes Integration zu finden, ist aufgrund der unterschiedlichen Verwendung des Wortes, abhängig von Kontext und Autor, nicht möglich. So werden in Psychologie, Soziologie, Pädagogik oder Ökonomie nicht nur verschiedene Interpretationen, sondern auch unterschiedliche Bedeutungen des Wortes verwendet. In der Soziologie wird Integration meistens im Zusammenhang mit entweder ethnischen Minderheiten oder Menschen mit Behinderung, als Objekte der Integration genannt. 1996 beschließt Rheker, dass verschiedene Behinderungsbegriffe für die betroffenen Personen hinsichtlich ihrer Integration unterschiedliche Folgen haben. Dieser Schluss fasst das Problem der Integration knapp und treffend zusammen, da nicht nur die Art und Weise der Integration, sondern vor allem die Voraussetzungen der zu integrierenden Personen im Vordergrund stehen sollten. So können die „verschiedenen Behinderungsbegriffe“, im Bezug auf die Integration von Ausländern durch Sport, mit unterschiedlicher Herkunft oder Religion verglichen werden. Daher gibt es auch bei der Integration ethnischer Minderheiten keine einheitliche Vorgehensweise, da auf die unterschiedlichen Voraussetzungen, Herkunft oder Religion, der einzelnen Personen Rücksicht genommen werden sollte.
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1 Sport und Integration
Bei der Integration durch Sport sind diese Unterschiede der zu integrierenden Personen allerdings zu vernachlässigen, da bei gemeinsamer sportlicher Betätigung als integrativem Mittel, weitgehend die körperlichen
Voraussetzungen eine Rolle spielen und weniger die Herkunft oder die Religionszugehörigkeit. Nur in einzelnen Fällen, wie zum Beispiel bei muslimischen Mädchen im Schwimmunterricht, sollte auf individuelle Voraussetzungen geachtet werden.
In der Soziologie wird die Integration als eine Wiederherstellung des Ganzen durch Prozesse, die das Verhalten und Bewusstsein nachhaltig verändern, bezeichnet. Integration kann sowohl zwischen einzelnen Individuen gegenüber Gruppen als auch zwischen Gruppen, Schichten, Kulturen und Klassen innerhalb einer Gesellschaft untereinander sowie zwischen verschiedenen Gesellschaften stattfinden. Das Wort Integration hat seinen Ursprung im Lateinischen beziehungsweise Griechischen. Integer oder entagros bedeutet wörtlich übersetzt, „unberührt, unversehrt, ganz.“ Davon abgeleitet wird das Subjekt im Deutschen als „Wiederherstellung eines Ganzen“, bezeichnet (vgl. DUDEN, 1997, S. 368). Laut Brockhaus wird die Integration im soziologischen Sinn als "Prozess der bewusstseinsmäßigen oder erzieherischen Eingliederung [...] oder ihre Anpassung an allgemein verbindliche Wert- und Handlungsmuster" definiert (vgl. BROCKHAUS, 2001, S. 435)."
„Es handelt sich dabei nicht nur um eine reine Anpassung an ein bereits bestehendes Ganzes,
sondern um die kombinatorische Schaffung eines neuen Ganzen unter Einbringung der Werte
und Kultur, der außen stehenden Gruppe in die neue Gesellschaft, bei Erhalt einer eigenen
Identität“ (Speck, 1991, S.294).
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1 Sport und Integration
So können beispielsweise Menschen mit Behinderung in das Regelschul- und Arbeitssystem integriert werden, genauso wie ethnische Minderheiten in die Kultur der im selben Land lebenden Mehrheit. Allein die Umsetzung dessen macht die Problematik des Integrationsprozesses aus. Denn wie soll die zu integrierende Person die eigene Identität erhalten oder besser behalten, wenn für einen erfolgreichen Anpassungsprozess in die Aufnahmegesellschaft erwartet wird, die eigene Identität zumindest teilweise einzubüßen. Auf den Erwerb einer neuen, beziehungsweise den Erhalt der alten, kulturellen Identität, wird im Verlauf dieses Kapitels mit Bezugnahme auf den Prozess der Akkulturation, noch näher eingegangen. Bingemer, Meistermann-Seeger und Neubert unterscheiden drei Formen der Integration, anhand derer sich die Facetten der Integration abzeichnen, welche diesen Prozess so problematisch machen (vgl. 1970, S. 37):
1. Monistische Integration - „damit ist gemeint eine Integration durch Assimilation, durch Unterwerfung...“
2. Pluralistische Integration - „die Partner behalten ihre Eigenart und leben im Sinne einer Koexistenz mit Notlösungen zusammen...“
3. Interaktionistische Integration - „Minderheit und Mehrheit stehen in einem Prozess ständiger und gegenseitiger Interaktionen...“ Auf die monistische Integration muss sicherlich nicht mehr eingegangen werden, da diese nicht in einem, das Thema der Türken in Deutschland betreffenden, sozialen Kontext aufgefasst und interpretiert werden kann. Die in Deutschland lebenden Minderheiten befinden sich, abhängig von Herkunft und Dauer ihres Aufenthalts, in einem Zustand zwischen der pluralistischen und der interaktionistischen Integration. Wobei die Gruppe, die in dieser Arbeit untersucht wird, die Türken bzw. Deutschtürken, abgesehen von wenigen Ausnahmen, eindeutig in Richtung der pluralistischen Integration tendieren. Diese anfängliche Mutmaßung hat sich im Verlauf dieser Arbeit und durch die vielen Gespräche, die während der Befragung mit Deutschtürken geführt wurden, manifestiert. Darauf soll in Kapitel 3.3 noch genauer eingegangen werden. Die verschiedenen Begriffe und Theorien der Integration werden im Verlauf dieses Kapitels noch genauer behandelt.
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1 Sport und Integration
1.2.2 Akkulturation und Assimilation
Ein weiterer Begriff, der einhergehend mit der Lektüre der Literatur zum Thema Integration noch zu nennen wäre, ist der Begriff der Akkulturation. Die Akkulturation wird beschrieben als ein Prozess der Einführung von einer ethnischen Minderheit angehörigen Einwanderern in die Kultur der dominanten Mehrheit des Aufnahmelandes. Die allgemeinen Wertvorstellungen und Symbole der Herkunftskultur werden allmählich in die Verhaltensnormen und Wertvorstellungen der Mehrheitskultur adaptiert. Dieser Prozess vollzieht sich im Rahmen einer externen und einer internen Akkulturation (vgl. Han, 2000, S. 195 ff).
Der externe Akkulturationsprozess findet auf einer äußeren Verhaltensebene statt, die eine Annahme der, von der dominanten Kultur als typisch angesehene, Umgangsformen und Verhaltenweisen beinhaltet. Gleichzeitig wird die Alltagssprache erlernt und schrittweise findet ein vertrauter Umgang mit der materiellen Kultur statt. Verbleibt der Prozess der Akkulturation auf dieser äußeren Verhaltensebene, so bleiben auch ethnische Orientierungen im privaten, persönlichen Lebensbereich unverändert. Die interne Akkulturation kann nur in Kraft treten, wenn die Bereitschaft und der Wille der jeweiligen Person vorhanden ist, die dominante Kultur anzunehmen und sie in den täglichen privaten Gebrauch zu übernehmen. So kann nur dann von einer erfolgten internen Akkulturation gesprochen werden, wenn die
Wertvorstellungen so übernommen werden, dass die daraus resultierenden typischen Verhaltensweisen als selbstverständlich angesehen und umgesetzt werden (vgl. Han, 2000, S. 195 ff.). In Bezug auf den Akkulturationsprozess können auch Assimilation und Integration verschiedenartig interpretiert werden. Die Assimilation führt als Resultat der Akkulturation zu einer kulturellen Absorbierung durch die Mehrheitsgesellschaft. Letztendlich wird die eigene kulturelle Identität preisgegeben und geht restlos in der dominanten Mehrheitskultur auf. Die kulturelle Identität wird in der Integration, als Folge des Akkulturationsprozesses, zwar erhalten, jedoch wird sie zu einem integralen Teil der Mehrheitsgesellschaft.
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1 Sport und Integration
So entstehen innerhalb dieser Gesellschaft ethnische Gruppen, die miteinander kooperieren und existieren. Die Folge ist eine pluralisierte Gesellschaft (vgl. Berry, 1992). Weitere Folgen des Akkulturationsprozesses sind laut Berry, die Marginalisierung oder die Segregation bzw. Separation, die aber in Bezug auf die Situation der in Deutschland lebenden Türken zu vernachlässigen ist. Auch Hartmut Esser (1980) sieht Integration und Assimilation als Zustände, die als Resultate des Prozesses der Akkulturation angesehen werden können. Er beschreibt die Akkulturation auf individueller Ebene als Prozess, der einen Erwerb kulturell üblicher Eigenschaften nach sich zieht. Individuell gesehen ist für ihn eine kognitive und identifikative Assimilation eine Ähnlichkeit in Fertigkeiten, Orientierungen und Bewertungen. Die Integration definiert er auf individueller Ebene als Gleichgewicht und Spannungsfreiheit des personalen Systems. Auf das Kollektiv bezogen ist die Akkulturation als Prozess der kulturellen Homogenisierung anzusehen, während die Assimilation eine kulturelle Einheitlichkeit eines Kollektivs, in dem institutionalisierte Differenzierungen zur Geltung kommen, darstellt. Die Integration auf kollektiver Ebene definiert sich durch eine latente Gleichgewichtigkeit eines Makrosystems (vgl. Esser, 1980, S. 24-26).
1.3 Interpretation der Begriffe
Kobi (1994) charakterisiert die Assimilation als ein allgemeines Ähnlichwerden und Verschmelzen, dem ein Angleichungs- oder Anpassungsprozess zu Grunde liegt. Somit wäre zumindest eine ansatzweise Assimilation Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration. Eine ethnische Minderheit kann nicht als integriert gelten, wenn sich im Laufe der Zeit keine Gemeinsamkeiten beziehungsweise Ähnlichkeiten entwickelt haben. Die bereits mehrfach erwähnte kulturelle Identität sollte erhalten bleiben, die Wertvorstellungen und Verhaltensweisen aber müssen sich von denen des Herkunftslandes distanzieren und denen des Aufenthaltsortes weichen. So kann ein erfolgreich integrierter Ausländer seine Traditionen und Bräuche weiter pflegen und sie
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1 Sport und Integration
seinen Nachkommen weitervermitteln, ohne darauf zu bestehen, sie nach außen demonstrieren zu müssen. Die kulturelle Identität kann somit auch über Generationen erhalten bleiben, sofern sie nicht als Zwang verstanden wird eine Abgrenzung gegen die Kultur des Aufnahmelandes aufrechterhalten zu müssen.
Daher ist der, in dieser Arbeit oft verwendete Begriff, des Deutschtürken als ein Indiz für eine erfolgreiche Integration anzusehen. Ein Deutschtürke lebt in Deutschland, hat türkische und deutsche Freunde, pflegt türkische Traditionen innerhalb der Familie und lebt und arbeitet als Teil der deutschen Gesellschaft. Allerdings trifft diese Bezeichnung nur auf diejenigen zu, die sich in ständiger Interaktion mit der deutschen Kultur und der deutschen Bevölkerung weiterentwickeln. Aber gerade in der ersten Generation der nach Deutschland übergesiedelten Türken besteht eine weit verbreitete Einstellung (dazu mehr im Kapitel 3.3), Deutschland ausschließlich als Wohn- und Arbeitsplatz anzusehen, ohne sich mit Land und Leuten zu identifizieren, obwohl die Absicht in die Türkei zurückzukehren nicht mehr besteht.
Daran ist auch der fehlende Akkulturationsprozess zu erkennen, der allerdings meistens erst in der zweiten Generation wirklich zur Geltung kommen kann und zu einer Verschmelzung der kulturellen Identitäten führt. Diese Einstellung hat sich teilweise negativ auf das Zusammenleben der nachfolgenden Generationen mit den Deutschen ausgewirkt, da auf die Meinung eines Familien-Ältesten in einer türkischen Familie weitaus mehr Wert gelegt als in einer deutschen. Die zweite und dritte Generation sollten jedoch die Notwendigkeit der partiellen Assimilation, bei gleichzeitiger Beibehaltung einiger Traditionen und Umgangsformen, erkennen und als Teil der Entwicklung zu gesellschaftlich integrierten Deutschtürken akzeptiert haben.
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1 Sport und Integration
1.4 Theorien der Integration
Im vergangenen Kapitel wurde versucht, den Begriff der Integration anhand schon bestehender Definitionen und verschiedener Interpretation einzugrenzen. Zusätzlich wurden die damit zusammenhängenden Assimilations- und Akkulturationsprozesse in Bezug auf die Bundesrepublik Deutschland erläutert. Im folgenden Kapitel sollen nun verschiedene Theorien zum Thema Integration miteinander verglichen und diese bezüglich des in Deutschland bestehenden Problems der Integration von Asylsuchenden, Aussiedlern und
Arbeitsmigranten analysiert werden.
Die Integrationspolitik der Bundesrepublik Deutschland verfolgt bei diesen drei Migrantengruppen unterschiedliche Ziele. Während die Asylsuchenden der restriktiven Asylpolitik unterliegen, werden bei den Aussiedlern eindeutig Eingliederungziele verfolgt. Bei den Arbeitsmigranten werden zwei Ziele angestrebt, die miteinander im Widerspruch stehen und deswegen die Situation der ehemals als „Gastarbeiter“ nach Deutschland geholten Ausländer verkomplizieren. Einerseits werden die Arbeitsmigranten durch staatliche Subventionen motiviert in die Heimat zurückzukehren, andererseits wird durch das, ebenfalls vom Staat unterstützte, Recht auf Familienzusammenführung eine Eingliederung derselben forciert (vgl. Han, 2000, S. 300-303).
1.4.1 Theorien der Integration nach Shmuel Eisenstadt
Der Prozess der Integration wie auch der Akkulturation findet im Rahmen der strukturellen Bedingungen der Aufnahmegesellschaft statt. Eisenstadt unterscheidet vier verschiedene Integrationsprozesse, die während des Prozesses der Integration in der Aufnahmegesellschaft, stattfinden (vgl. Eisenstadt, 1952, S.304 ff.):
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1 Sport und Integration
1. Adaptive Integration (integration within the adaptive sphere) Mit der adaptiven Integration ist die Anerkennung der grundlegenden Hauptinstitutionen, wie Familie, Erziehung und Politik gemeint. Die neuen Rollen in der Aufnahmegesellschaft und ihre Ausführung werden erlernt. Eine ansatzweise Identifikation mit den Werten und Strukturen der Aufnahmegesellschaft wird aufgebaut, sowie erste Kontakte mit den Einheimischen. Dabei wird von Seiten der Immigranten die Bereitschaft zur Integration vorausgesetzt und von Seiten der Aufnahmegesellschaft die Bereitschaft, diesem Wunsch entgegenzukommen. Eine wichtige Funktion kommt den Trägern von Führungsrollen in beiden Gruppen zu, da ohne solche Vermittler die Kommunikation zwischen Immigranten und der
Aufnahmegesellschaft nicht funktionieren kann (vgl. Eisenstadt, 1952, S.304 ff.).
2. Instrumentale Integration (integration within the instrumental sphere) Die Instrumentale Integration setzt die Übernahme von Rollen voraus, die für das Wirtschaftsleben der Aufnahmegesellschaft existentiell sind. Denn in der ersten Phase müssen die Immigranten im Bereich der Wirtschaft aktiv werden, um grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Diese Aktivitäten sind erst einmal rein zweckorientiert und dienen dazu, über persönliche Ressourcen zu verfügen und diese zum wirtschaftlichen Vorteil oder dem beruflichen Interesse zu nutzen. Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass mit diesen Rollen verbundene Wertvorstellungen ebenfalls übernommen werden (vgl. Eisenstadt, 1952, S.304 ff.).
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1 Sport und Integration
3. Solidarische Integration (integration within the solidary sphere) Bei der solidarischen Integration werden die zentralen Wertvorstellungen der Aufnahmegesellschaft übernommen. Es kommt zu einer aktiven Partizipation am sozialen Leben der Aufnahmegesellschaft, und ein Gefühl der Zugehörigkeit entsteht. So werden die zu Beginn der Integrationsphase aufkommenden Unsicherheiten geringer und die adaptierten Wertvorstellungen dienen den Immigranten als Orientierungshilfen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit unterstützt die Orientierung an diesen vorgegebenen Wertvorstellungen den Prozess des assimilativen Lernens (vgl. Eisenstadt, 1952, S.304 ff.). 4. Kulturelle Integration (integration within the cultural sphere) Als Hauptmerkmal der kulturellen Integration wird die Übernahme von emotionalen Ausdrucksformen und Symbolen der Aufnahmegesellschaft bezeichnet. Diese Phase erfolgt erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Eingliederung, da vorher im privaten Lebensbereich noch Symbole und Verhaltensmuster Bedeutungen haben, die sich von denen der Aufnahmegesellschaft unterscheiden (vgl. Eisenstadt, 1952, S.304 ff.). Ohne eine parallel laufende oder schon abgeschlossene solidarische Integration ist dies allerdings nicht möglich, da die kulturelle Integration die Annahme gewisser Symbole und Verhaltensmuster voraussetzt. Allerdings müssen nicht alle genannten bereichsbezogenen Integrationsprozesse durchlaufen werden, da die Immigranten zwar vor unzulänglichen Lebensbedingungen geflohen sind, nicht aber in allen Bereichen ihres Lebens unzufrieden gewesen sein müssen. Daher ist die Notwendigkeit, bestimmte Verhaltensmuster oder
Wertvorstellungen im Sinne der Aufnahmegesellschaft zu ändern, nicht in allen Bereichen gegeben (vgl. Eisenstadt, 1954).
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1 Sport und Integration
1.4.2 Theorien der Integration nach Hartmut Esser
Hartmut Esser beschreibt die Theorien Eisenstadts als die bis heute am besten entwickelten und systematischsten Fassungen des Problems der Eingliederung. Diese migrationssoziologischen Fragen werden von Esser im
deutschsprachigen Raum am ausführlichsten behandelt. Für Esser bedeutet Integration „ein Zustand des personalen Gleichgewichts“ (vgl. Esser, 1980, S,23). Diesen Zustand unterteilt Esser in drei Dimensionen: in personale, soziale und systemische Integration (vgl. Han, 2000, S. 70 ff.): 1. Personale Integration
Die personale Integration versteht er als Spannungsfreiheit und Zufriedenheit, die als Veränderung des gesamten Wahrnehmungs- und Beurteilungssystem in Erscheinung tritt. Sie wird als ein Gleichgewicht zwischen empfundenen Bedürfnissen und erfüllten Ansprüche erlebt, die als psychische Stabilität im Sinne einer stabilen personalen Identität zum Ausdruck kommt. Wenn keine Spannungen, Widersprüche oder Dissonanzen innerhalb der verschiedenen Orientierungen bestehen, liegt eine personale Integration vor. 2. Soziale Integration
Die soziale Integration bedeutet, dass die Person in Interaktionen mit den Einheimischen involviert ist. Der Immigrant spielt innerhalb der institutionellen Normen und Erwartungen seine soziale Rolle. Die soziale Integration liegt somit vor, wenn sich die sozialen Beziehungen zwischen Einwanderer und Einheimischen im Gleichgewicht befinden. 3. Systemische Integration
Die systemische Integration äußert sich, wie bereits im vergangenen Kapitel bezüglich der Akkulturation erwähnt, als ein im Gleichgewicht stehendes Makrosystem. Hier befinden sich unterschiedliche Gruppen in einem gleichgewichtigen Interdependenzverhältnis zueinander (vgl. Han, 2000, S. 70 ff.).
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1 Sport und Integration
Esser weist ebenfalls darauf hin, dass ein solcher Ablauf der verschiedenen Integrationsphasen nur erfolgt, wenn ein Zustand des psychischen Gleichgewichts und eine Stabilität in der Orientierung vorhanden ist. Diese seien als Folge des vor der Integration stattfindenden Akkulturationsprozesses notwendig, um die Phasen der Integration durchlaufen zu können. Die eben beschriebenen drei Phasen der Integration sind wiederum Voraussetzung für eine erfolgreiche Assimilation. Esser definiert somit eine feste Abfolge der Eingliederung eines Einwanderers in die Aufnahmegesellschaft. Auf die Akkulturation folgt die Integration, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Assimilation schafft. Dann durchlaufen die um Integration bemühten Immigranten diverse Phasen einer identifikativen Assimilation, dem eine Herausbildung einer ethnischen Identifikation folgt (vgl. Esser, 1990, S. 73-77). Eine detailliertere Analyse dieser Prozesse würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
1.4.3 Schlussfolgerung und Interpretation
Petrus Han zieht aus dem Vergleich dieser beiden Theorien folgende Schlüsse (vgl. Han, 2000, S. 312/313): Die Eingliederung der Immigranten besteht aus einer prozesshaften und stufenweisen Adaption der unterschiedlichen strukturellen Bereiche der Aufnahmegesellschaft. Er stimmt mit Esser überein, dass der Integration die Akkulturation vorausgeht, da ohne sie die strukturelle Eingliederung nicht möglich wäre. Die Einwanderer müssen zwar nicht zwingend alle Wertvorstellungen und Normen der jeweiligen strukturellen Bereiche übernehmen, müssen sich jedoch zweckorientiert und instrumental anpassen können.
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1 Sport und Integration
Zu einem erfolgreichen Integrationsprozess gehören demnach ein persönlicher Lernprozess und die institutionelle Bereitstellung von Opportunitäten. Da von individuellen Lern- und Anpassungsfähigkeiten auszugehen ist, erfolgt die Eingliederung auf unterschiedliche Art und Weise. Das heißt, dass einzelne Immigranten unterschiedliche Probleme mit unterschiedlichem Erfolg überwinden müssen. So geht Esser davon aus, dass dem Integrationsprozess nicht zwingend eine Assimilation folgen muss, sondern dass es auch zu Komplikationen und einer Pluralisierung der Aufnahmegesellschaft führen kann, die sowohl positive als auch negative Konsequenzen nach sich ziehen (vgl. Han, 2000, S.312/313).
Jede Art der Eingliederung von Einwanderern führt zwangsläufig zu einer Pluralisierung der Gesellschaft. Eine vollständige Assimilation der Personen käme einer kompletten Adaption der vorhandenen Normen gleich, wobei nur wenige Menschen fähig beziehungsweise bereit sind, diese einzugehen. Eine solche Übernahme aller Umgangsformen und Wertvorstellungen würde zu einem vollständigen Verlust der eigenen kulturellen Identität führen und ist somit nicht im Sinne einer erfolgreichen Integration. Die in Kapitel 1.2.1 kurz beschriebene Unterteilung der Integration in drei Zustände von Bingemer, Meistermann-Seeger (vgl. 1970), kann auf das Zusammenleben der Deutschen, Türken und Deutschtürken in der Bundesrepublik bezogen werden. Auch wenn diese Gemeinschaft eher durch pluralistische Merkmale geprägt ist, so sind gewisse interaktionistische Tendenzen nicht zu übersehen. Wenn also eine ethnische Minderheit mit der Aufnahmegesellschaft in einem Status der pluralistischen Integration leben kann, die zudem noch gewisse interaktionistische Elemente in sich trägt, so ist eine der bestmöglichen Formen eines interkulturellen Zusammenlebens erreicht.
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Moritz Kaup, 2007, Integration durch Sport!?, München, GRIN Verlag GmbH
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