Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Die badische Idee einer Nord-Süd-Bahn 2
2. Militärischer Eisenbahnbau unter Moltke bis 1890 4
3. Der Bau der strategischen Wutachtalbahn 8
4. Schlieffens neue Pläne 10
Schlussbetrachtungen 11
Anhang 13
Abbildungen 13
Quellenverzeichnis 15
Literaturverzeichnis 15
1
Einleitung
Beim Blick auf eine topographische Karte des Gebiets zwischen Waldshut, Schaffhausen, Immendingen und Donaueschingen fällt recht schnell die Eisenbahnlinie zwischen Hintschingen und Oberlauchringen aufgrund ihrer eigenwilligen Linienführung mit vielen Schleifen auf geringem Raum auf. 1 Nicht umsonst bezeichnet sie der Volksmund auch als „Sauschwänzlebahn“. Auch die parallel verlaufende Grenze zur Schweiz und nicht zuletzt das relativ späte Eröffnungsdatum vom 20. Mai 1890 sind auffällig. Die angrenzenden Eisenbahnlinien wurden 27 Jahre (Hochrheinbahn Waldshut - Konstanz) bzw. 17 Jahre früher (Schwarzwaldbahn Offenburg - Konstanz) eröffnet. Die Idee einer strategischen Eisenbahn liegt nahe, nicht zuletzt weil die Bahn nur dünn besiedeltes Gebiet berührt und ein verkehrsgeographischer Nutzen somit anzuzweifeln ist. Der Begriff der „strategischen Eisenbahnlinie“, der mit dem Bau der Wutachtalbahn erstmals Verwendung fand, soll aber keineswegs verleugnen, dass diese Linie auch vom zivilen Personen- und Güterverkehr benutzt wurde. Die Wutachtalbahn ist jedoch eine der wenigen Linien die, entgegen der bis dato üblichen Planung neuer Eisenbahnstrecken, aus rein militärischen Gründen gebaut wurde. In der wohl bekanntesten Darstellung der Badischen Eisenbahnlinien von Albert Kuntzemüller wird die Entstehung der Strategiebahnen in Baden lediglich auf Druck seitens des Deutschen Reichs zurückgeführt. 2 Auch in Ullrich Müllers Beschreibung der Wutachtalbahn fehlt der Bezug zu den verschiedenen Aufmarschplänen des Großen Generalstabs; 3 ausschließlich Uwe Sieg geht näher darauf ein. 4 Ziel dieser Hausarbeit soll deshalb sein, die Entstehung der Wutachtalbahn besonders in Verbindung mit den Plänen des Generalstabs zu veranschaulichen. Dabei sollen ebenfalls die ursprünglichen Absichten der Badischen Staatsbahn berücksichtigt werden. Um eine Einschätzung des militärischen Nutzens möglich zu machen, ist dabei auch ein Blick auf die Veränderungen der Aufmarschpläne des Generalstabs nach Fertigstellung der Bahn nötig, also besonders auf die Zeit Alfred Schlieffens als Generalstabschef. Dessen sogenannter „Schlieffenplan“ soll hier, wie auch die Pläne Moltkes, keineswegs
1 Siehe Anhang.
2 Kuntzemüller, Albert, Die Badischen Eisenbahnen, Karlsruhe ²1953.
3 Müller, Ullrich, Die Wutachtalbahn. Strategische Umgehungsbahn (Sauschwänzlebahn), Inzlingen 1978.
4 Sieg, Uwe, Eisenbahnen an Hochrhein und Donau. Militärisch-politische Intentionen und Eisenbahnbau im deutschen Südwesten, St. Katharinen 1996 (Beiträge zur südwestdeutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 21).
2
bewertet, sondern lediglich zum Verständnis des tatsächlichen Nutzens der Wutachtalbahn angeführt werden.
Die technischen Einzelheiten dieser Eisenbahnlinie, sowie die besonderen geologischen Verhältnisse im Wutachtalgebiet sollen lediglich kurz erwähnt werden. Zur genaueren Betrachtung sei dabei auf Würthenaus Denkschrift verwiesen. 5
Insgesamt darf die Wutachtalbahn dabei keinesfalls isoliert betrachtet werden, denn nur zusammen mit ihren gleichzeitig erbauten strategischen Schwesterlinien Leopoldshöhe - Lörrach, Schopfheim - Säckingen sowie der Rheinbrücke bei Hüningen und der Donautalbahn auf württembergischem Gebiet bilden sie ein Ganzes und damit einen Mosaikstein im Aufmarschplan Moltkes gegen Frankreich.
1. Die badische Idee einer Nord-Süd-Bahn
Um die ursprünglichen Eisenbahnpläne des Großherzogtums Baden im Wutachtalgebiet zu verstehen und um die Entwicklung der Eisenbahnlinien am Hochrhein bis 1876 aufzuzeigen, ist ein Rückblick ins Jahr 1852 notwendig. Der in diesem Jahr geschlossene Staatsvertrag zwischen dem Großherzogtum Baden und der Schweizer Eidgenossenschaft erlaubte der Badischen Staatsbahn den Eisenbahnbau durch die Kantone Basel-Stadt und Schaffhausen sowie deren Betrieb. 6 Des Weiteren wurden auch Truppentransporte beider Seiten durch das jeweilige ausländische Territorium geregelt. Ein Eisenbahntransport von Militäreinheiten war zwar grundsätzlich möglich, jedoch konnten beide Regierungen den Transport verbieten, wenn die Neutralität der Schweiz oder Badens in Gefahr schien. 7 Die gesamte Hochrheinlinie von Konstanz bis Basel war somit im Kriegsfall (z.B. gegen Frankreich) nicht als Aufmarsch- oder Nachschublinie zu gebrauchen. Ein Hauptgrund für den Bau der Strategiebahnen 1887 wurde also bereits 35 Jahre zuvor festgemacht.
Der Vertrag erlaubte der badischen Staatsbahn den zügigen Weiterbau Richtung Konstanz, so dass bereits 1856 Waldshut erreicht war. Hier wurde im Hinblick auf die
5 Würthenau, A. von, Denkschrift über die Erbauung der Bahnen im badischen Oberland Leopoldshöhe -Lörrach, Schopfheim - Säckingen, Weizen - Immendingen zur Umgehung des Schweizergebiets, Karlsruhe 1890, verkürzt wiedergegeben in: Müller, Ullrich, Die Wutachtalbahn. Strategische Umgehungsbahn (Sauschwänzlebahn), Inzlingen 1978. S. 25-61.
6 Der Vertrag gilt mit Ausnahmen nach wie vor bis heute. Vgl. Kuntzemüller, Badische Eisenbahnen. S. 24.
7 Vgl. Sieg, Eisenbahnen am Hochrhein. S. 34f.
3
geplante Gotthardbahn der erste Eisenbahnanschluss an das Schweizer Eisenbahnnetz durch eine Brücke über den Rhein hergestellt. Warum gerade Waldshut ausgewählt wurde ist aufgrund der Lage der Stadt am Südrand des Schwarzwaldes ohne eine Verbindungsmöglichkeit nach Norden aus heutiger Sicht unverständlich. Baden erhoffte sich jedoch den deutschen Transitverkehr Richtung Italien so lange wie möglich auf eigenen Schienen zu halten und Basel über Waldshut umgehen zu können. 8 Beim Weiterbau der Hochrheinstrecke nach Konstanz wurde eine Umfahrung des Kantons Schaffhausen aus wirtschaftlichen Gründen und aufgrund des Vertrags von 1852 verworfen. Die Bahn wurde durch Schaffhausen gebaut und konnte am 13. Juni 1863 eröffnet werden. 9
Um neben der Hauptbahn Mannheim - Basel eine weitere Nord-Süd-Bahn mit Anschluss zum Gotthard zu erhalten, plante die badische Staatsbahn eine Verbindung zwischen der im Bau befindlichen Schwarzwaldbahn und Waldshut. Am 16. April 1870 wurde das entsprechende Gesetz zum Bau einer 44 km langen Strecke zwischen Donaueschingen an der Schwarzwaldbahn und Oberlauchringen an der Hochrheinbahn mit einem Kostenvoranschlag von 7.160.000 Gulden erlassen. 10 Gleichzeitig bemühte sich auf Schweizer Seite das Randenbahnkomitee 11 um den Bau einer Eisenbahn zwischen Schaffhausen und Donaueschingen. Da diese Bahn eine Konkurrenzlinie um den Verkehr zum Gotthard gewesen wäre, lehnte die badische Regierung jegliche Unterstützung ab, ließ sich aber die Möglichkeit einer Verbindung von Stühlingen (Wutachtalbahn) nach Schaffhausen offen. 12
In diesem Zusammenhang muss auch auf den Gotthardvertrag von 1869 13 hingewiesen werden, in dem sich die Schweiz und ihre nördlichen und südlichen Anrainerstaaten u.a. über die Zufahrtslinien zur geplanten Gotthardbahn verständigten. Demnach sollten alle diese Zufahrtslinien so kurz wie möglich gehalten und entsprechend korrigiert werden, was allerdings gegen die badischen Linien mit dem Übergangspunkt Waldshut
8 Erst 1873 wurde in Basel eine Eisenbahnbrücke über den Rhein eröffnet. Vgl. Müller, Wutachtalbahn. S.6f.
9 29 km dieser Strecke verlaufen durch die Schweiz. Vgl. Kuntzemüller, Badische Eisenbahnen. S. 55.
10 Ebda. S. 38 u. 96.
11 Die Landschaft zwischen Schaffhausen und Blumberg wird als Randengebirge bezeichnet.
12 Auch dieses Projekt kam niemals zur Ausführung. 1905 wurde lediglich eine Straßenbahnlinie von Schaffhausen über Schleitheim nach Oberwiesen an der Landesgrenze gebaut, die Verlängerung bis Stühlingen wurde aus wirtschaftlichen Gründen nicht erstellt. Vgl. dazu Bernhardt, Robert, Das Eisenbahnprojekt Donaueschingen - Schaffhausen (Randenbahn), Bern 1908. S. 5.
13 Das Großherzogtum Baden beteiligte sich am Bau der Gotthardbahn mit 2.717.000 Franken. Vgl. Kuntzemüller, Badische Eisenbahnen. S. 236ff.
Arbeit zitieren:
Simon Gonser, 2002, Eisenbahnbau im Wutachtal - Zivile und militärische Intentionen am Ende des 19. Jahrhunderts im Großherzogtum Baden und dem Deutschen Reich, München, GRIN Verlag GmbH
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