Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 1
1.1 Fragestellung und Quellen 1
2. Veränderungen des Landschaftsbilds 2
3. Wasser 4
3.1 Eingriffe in den Wasserhaushalt 4
3.2 Wasserverschmutzung: Das Beispiel der Erft und ihrer Nebenflüsse 4
4. Luftverunreiningung 6
5. Waldrodung und Holznot 7
6. Schwermetalle im Boden 9
Schlussbetrachtungen 9
Quellenverzeichnis 11
Literaturverzeichnis 11
1. Einleitung
Bergbau und Hüttenwesen haben in den letzten Jahrzehnten gewaltigen Einfluss auf Natur und Umwelt genommen, wie etwa durch den großflächigen Tagebau in den Braunkohlerevieren am Niederrhein und im Raum Halle / Leipzig oder durch die Versalzung von Werra und Weser als Folge der Kalisalzgewinnung in Thüringen und Hessen. Doch bereits das Montanwesen in vorindustrieller Zeit brachte nicht unerhebliche Umweltbelastungen mit sich, deren Folgen z.T. bis in unsere Zeit hinein reichen. Damals wie heute waren Streitschriften und Beschwerden der umliegenden Bevölkerung die Indikatoren dieser Belastungen durch das Montanwesen. So entstanden bereits im 15. und 16. Jahrhundert Schriften, die das Verhältnis zwischen Nutzen des Bergbaus und den Umweltschädigungen in seinem Gefolge diskutieren. 1 Die in dieser Zeit entstandenen Umweltschäden können dabei keineswegs als flächendeckend betrachtet werden. Vielmehr lagen Belastungen nur in kleinen Bergbauregionen vor, meist in Mittelgebirgen wie Schwarzwald, Harz oder Erzgebirge.
1.1 Fragestellung und Quellen
In welcher Form belasteten nun die Berg- und Hüttenwerke ihre umliegende Natur? Dieser Frage wird in dieser Hausarbeit nachzugehen sein, wobei vor allem Georg Agricolas (1494 - 1555) berühmte Darstellung des Bergbaus und der Hüttenkunde 2 als Quellen herangezogen werden soll. Sein 1556 erschienenes Werk „De re metallica libri XII“ war die erste systematische Abhandlung über das Montanwesen und zugleich eines der ersten technologischen Bücher der Neuzeit. Agricola, dessen Werk in Chemnitz erschien, beschrieb vor allem die Bergbau- und Verhüttungsmethoden des Erzgebirges, die jedoch auch im übrigen Miteleuropa angewandt wurden. Die Quelle liefert somit einen wertvollen Gesamtüberblick über das Montanwesen jener Zeit. Neben hauptsächlich technischen Beschreibungen werden Probleme und Gefahren des Bergbaus nur beiläufig oder indirekt gennannt. Der fortschrittsgläubige Agricola
1 Vgl. Bayerl, Günther, Quellentexte zur Geschichte der Umwelt von der Antike bis heute, Göttingen /
Zürich 1998. S. 119.
2 Agricola, Georg, Zwölf Bücher von Berg- und Hüttenwesen sowie das Buch von den den Lebewesen
unter Tage. Vollst. Ausgabe nach dem lateinischen Original von 1556, München 1977.
1
versucht gar die Bergbaugegner mit einer Vielzahl von Argumenten und Beispielen zu widerlegen 3 . Er nennt jedoch keine Lösungsansätze zu bestehenden Problemen, da vorindustrielle Umweltprobleme herkömmlicherweise durch städtische und landesherrliche Verordnungen sowie einzelne Rechtsinstitute wie Nachbarschaftsrecht, Fluss- oder Holzordnungen geregelt wurden. Mit der Intensivierung des Bergbaus wurden jedoch zunhemend nur noch die Symptome von Umweltverschmutzung und nicht die Ursachen bekämpft. Ziel dieser Hausarbeit soll aber nicht die Diskussion um Formen der Bekämpfung der Umweltverschmutzung sein, sondern vielmehr die Darstellung einzelner, vom Montanwesen belasteter Teile der Natur in vorindustrieller Zeit. Im Kapitel „Wasser“ sollen dabei die Belastungen am Beispiel der Erft 4 gezeigt sowie im Teil „Bodenbelastungen“ auf Ergebnisse der Archäometallurgie 5 zurückgegriffen werden.
2. Veränderungen des Landschaftsbilds
Beim Abbau von Erzen und Metallen wurde keineswegs nur das Erdinnere verändert. Auch auf der Erdoberfläche waren eine Vielzahl von Auswirkungen des Bergbaus zu erkennen. Im unmittelbaren Umfeld der Bergwerke und Hütten wurde die Landschaft tiefgehend und großräumig durch Schächte, Halden, Tagebaue und Gruben verändert, die die Oberfläche z.T. bis heute noch kennzeichnen, besonders durch eingestürzte Gruben und Stollen. Vereinzelt sackten auch ganze Berge infolge völliger Durchwühlung zusammen. 6 In besonders fruchtbaren Gebieten wurde deshalb auch der Tagebau von Erzen verboten, denn „durch das Schürfen nach Erz [sind] die Felder verwüstet [worden]; deshalb ist einst in Italien durch ein Gesetz dafür gesorgt worden, dass niemand um der Erze willen die Erde aufgrabe und jene überaus fruchtbaren Gefilde und die Wein- und Obstbaumpflanzungen verderbe.“ 7 Der wohl auffälligste Umweltschaden war jedoch die großflächige Abholzung der Wälder. Durch diesen massiven Kahlschlag, mangelnde Wiederaufforstung sowie
3 Agricola, Zwölf Bücher. S. 4 - 17.
4 Paul, Johann, Die Erft im Spannungsfeld von Bergbau und Landwirtschaft. Einwirkungen auf ein
rheinisches Flußgebiet vom 17. bis ins 20. Jahrhundert (Ortstermine Bd. 10), Siegburg 1999.
5 Goldenberg, Gert, Archäometallurgische Untersuchungen zum Metallhüttenwesen im Schwarzwald
(Archäologie und Geschichte Bd. 8), Sigmaringen 1996.
6 Vgl. Agricola, Zwölf Bücher. S. 187.
7 Vgl. Agricola, Zwölf Bücher. S. 6. Vgl. dazu auch ebda. S. 97.
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Erzförderung in Form von Tagebauen wurden die Vegetations- und Bodendecke aufgeschlossen und somit Angriffsflächen für Erosion durch Wasser und Wind geschaffen. Besonders an steilen Hängen in Mittelgebirgen führte dies zu starker fluvialer Abtragung sowie vereinzelt zu Talbodenaufhöhungen. 8 An manchen Stellen hat sich die Umwelt bis heute nicht davon erholt. 9 Des weiteren wurden auch die natürlichen Ökosysteme im Umfeld des Bergbaus beträchtlich verändert. Agricola berichtet von der Ausrottung bestimmter Vögel und anderer Tiere als Folge der Waldabholzungen sowie der Tötung oder Vertreibung von Fischen durch vergiftete Bäche und Flüsse. 10
Die mit der beginnenden Frühen Neuzeit aufkommende Intensivierung und Rationalisierung der Produktionsmethoden durch auf Wind- und Wasserkraft basierender Maschinerie fanden schnell auch im Montanwesen Anwendung. Bereits anfangs des 17. Jahrhunderts wurden die Bergbaulandschaften durch Wasserkraftmaschinen geprägt, die meist zum Antrieb von Pumpen zur Entwässerung der Stollen gebraucht wurden. 11 Zu diesem Zeitpunkt waren die natürlichen Fließgewässer meist nicht mehr ausreichend, so dass etwa im Oberharz eine Vielzahl kleiner Stauseen, Aquädukte und Wassertunnel zu deren Versorgung angelegt werden mussten. 12 Damit wurden die Strömungsgeschwindigkeit und die Menge des abfließenden Wassers erheblich beeinflusst, was häufig Konflikte mit der Bevölkerung verursachte.
Auch Wege und Straßen wurden vielerorts durch das Montanwesen beschädigt, etwa durch die Zulieferung von Holz und Erzen. So macht 1673 ein Amtsbericht das Hüttenwerk Blumberg für den katastrophalen Zustand der Zufahrtswege zur Stadt verantwortlich, deren Begehung geradezu lebensgefährlich sein könne. 13
8 Vgl. Goldenberg, Gert, Umweltbeeinflussungen durch das frühe Montanwesen. Beispiele aus dem
Schwarzwald, in: Jockenhövel, Albrecht (Hrsg.), Bergbau, Verhüttung und Waldnutzung im Mittelalter.
Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, Stuttgart 1996. S. 233.
9 Vgl. Weisgerber, Gerd, Mittelalterliches Montanwesen und seine Wirkung auf Landschaft und Umwelt,
in: Jockenhövel, Albrecht (Hrsg.), Bergbau, Verhüttung und Waldnutzung im Mittelalter. Auswirkungen
auf Mensch und Umwelt, Stuttgart 1996. S. 132.
10 Vgl. Agricola, Zwölf Bücher. S. 6.
11 Im südbadischen Blumberg führte dies zu einer regelrechten Wassernot. Vgl. dazu Bader, Karl
Siegfried, Zur Geschichte des Eisenerzabbaues und des Hüttenwerks zu Blumberg (Veröffentlichungen
aus dem Fürstlich Fürstenbergischen Archiv Bd. 1), Donaueschingen 1938. S. 13ff.
12 Vgl. Bartels, Christoph, Montani und Silber im Harz, Mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Bergbau
und seine Einflüsse auf die Umwelt, in: Jockenhövel, Albrecht (Hrsg.), Bergbau, Verhüttung und
Waldnutzung im Mittelalter. Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, Stuttgart 1996. S. 125.
13 Vgl. Bader, Hüttenwerk Blumberg. S.19.
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Simon Gonser, 2002, Umweltbelastungen durch Bergbau und Hüttenwesen in vorindustrieller Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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