1 Einleitung
Im Folgenden möchte ich kurz erläutern mit welchen Inhalten im Allgemeinen und mit welcher Fragestellung im Besonderen sich diese Arbeit beschäftigen wird. Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Real Academia Española und der Asociación de la Lengua Española im Hinblick auf die spanische Sprachkultur und Sprachpflege. Hierbei wird es von Bedeutung sein zu klären, welche Rolle der RAE innerhalb der Asociación zukommt und mit welcher Zielsetzung Sprachpflege in den Institutionen betrieben wird. Abschließend soll anhand der im Verlauf der Arbeit erlangten Erkenntnisse die Kernfrage dieser Arbeit, ob es sich um eine monozentrische oder plurizentrische spanische Sprachkultur handelt, geklärt werden. Um die Einleitung abzuschließen, möchte ich kurz die von mir geplante Gliederung genauer erläutern.
In Abschnitt 2 werde ich mich mit dem Thema Sprachkultur, Sprachplanung und Sprachpflege auseinandersetzen. Hierbei wird es von Bedeutung sein zunächst eine kurze Einführung in die Begrifflichkeiten vorzunehmen, weil sie von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der Arbeit sind. Nachfolgend wird in Abschnitt 2.1 die Real Academia Española behandelt. Hierbei werde ich zunächst auf die Gründungsgeschichte der RAE eingehen und erläutern aus welchem Grund mit welchen Zielsetzungen diese Institution in Leben gerufen wurde( 2.1.1), um daraufhin in Abschnitt 2.1.2 die Aufgaben der RAE zu erläutern. In Abschnitt 2.1.3 soll noch einmal gesondert auf die heutigen Sprachpflegeaktivitäten der RAE eingegangen werden, um daraufhin in Abschnitt 2.1.4 die Sprachpflegeinstrumente der RAE vorzustellen. Im weiteren Verlauf wird in Abschnitt 2.2 die Asociaión de Academias de la Lengua Española behandelt. Hierbei beschäftigt sich Abschnitt 2.2.1 mit der Geschichte und der Gründung der Asociación, Abschnitt 2.2.2 mit den Sprachpflegeaktivitäten. Um den Hauptteil der Analyse abzuschließen werde ich mich zuletzt mit der Frage beschäftigen, ob unterschiedliche Machtverhältnisse zwischen der RAE und der Asociación bestehen und wie diese zu werten sind. In Abschnitt 3 soll schlussendlich die Frage geklärt werden ob es sich beim Spanischen um eine monozentrische oder plurizentrische Sprachkultur handelt.
3
2 Spanische Sprachkultur und Sprachpflege
Im Folgenden möchte ich kurz die Begriffe Sprachkultur, Sprachplanung und Sprachpflege definieren und erläutern. Im Zusammenhang mit Aktivitäten hinsichtlich der Sprache gibt es im Spanischen eine Reihe von Begrifflichkeiten, die oft nicht klar voneinander abgegrenzt werden und somit zu Unstimmigkeiten und Verwirrungen führen. Obwohl die spanische Sprachwissenschaft sich aus Tradition heraus seit langer Zeit mit den Themen Sprachplanung, Sprachkultur, Sprachpflege auseinandersetzt lässt sich keine verbindliche Terminologie ausmachen. 1 Trotzdem erscheint es mir wichtig, die Begriffe Sprachkultur, Sprachplanung und Sprachpflege voneinander und von anderen Begrifflichkeiten in diesem Kontext abzugrenzen. Lebsanft definiert Sprachkultur ausgehend von den Überlegungen der Prager Linguisten als das Ergebnis einer nachschulischen Tätigkeit der Sprachkultivierung, welche sich sowohl auf die Sprache als System (langue), als auch auf die Rede, den tatsächlichen Sprachakt (parole) bezieht. 2 Er unterscheidet hierbei die Kultivierung der Sprache, der langue und die Kultivierung der Rede, der parole. Als Sprachkultivierung bezeichnet er die „ Selektion der exemplarisch bewerteten Ausdrucksmittel, die einer Gemeinschaft zur Verfügung stehen“, während die Kultivierung der Rede die „ Verwendung dieser Mittel im konkreten Kommunikationsakt“ betrifft. 3 Im Fall des Spanischen bezog sich die Frage darauf, auf welche Varietät des Spanischen sich die Kultivierung beziehen soll. Schlussendlich fiel die Entscheidung auf das Kastilische, was aus diatopischer Sicht verständlich zu sein scheint. 4 Um den Begriff der Sprachplanung zu erläutern ist es sinnvoll sich zunächst mit der Definition von Moser auseinanderzusetzen. Dieser greift auf Erläuterungen mit spezifisch deutschen Konnotationen zurück, wird hier jedoch angeführt, da es wie bereits erwähnt im Spanischen keine allgemein anerkannten Begriffe zur Verfügung stehen. Moser definiert Sprachplanung, sowie Sprachpflege als Unterfälle der Sprachlenkung. Sprachlenkung wird definiert, als
1 Vgl. Lebsanft, F., Spanische Sprachkultur. Studien zur Bewertung und Pflege des öffentlichen
Sprachgebrauchs im heutigen Spanien, Niemeyer Verlag, Tübingen, 1997: 100.
2 Vgl. hierzu Lebsanft, „Spanische Sprachkultur: Monozentrisch oder plurizentrisch?“, in: Greule/Lebsanft
(Hrsg.), Europäische Sprachkultur und Sprachpflege, Tübingen, Gunter Narr Verlag, 1998: 256.
3 ebenda
4 Siehe hierzu auch die Ausführungen über die Entstehung einer Hochsprache in Abschnitt 2.1.2
4
„Vorgang systematischen Eingreifens in das sprachliche Geschehen mit der Absicht, in einem bestimmten Teil oder im ganzen Bereich der Geltung der Sprache, in gestaltlicher oder inhaltlicher Beziehung oder beiderlei Hinsicht, systematische Veränderungen durchzusetzen und eine neue Norm zu schaffen. Der Terminus Sprachlenkung beinhaltet demnach ein bewusstes Eingreifen in die Sprache mit dem Ziel eine neue, veränderte Norm zu bilden“, (Lebsanft 1997: 81).
Die fachsprachliche Normierung sowie die autoritäre Sprachregelung sind mit sprachplanerischen Aktivitäten verbunden. Die Sprachpflege als zweiter Unterfall der Sprachlenkung hat als Aufgabe der „ Erhaltung der Kontinuität der sprachlichen Norm“, (Lebsanft: 1997: 81). Hierbei ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, dass nicht nur das Traditionelle der Sprache bewahrt wird, sondern auch neue Formulierungen oder Schreibweisen berücksichtigt und bei Eignung und weitläufiger Verbreitung unter den Sprechern als Norm anerkannt werden. In diesem Zusammenhang spricht Moser von einer doppelten Blickrichtung der Sprachpflege, die sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft der Sprache Rechnung tragen soll. 5 Der Begriff der Sprachplanung unterscheidet sich dementsprechend entscheidend von dem der Sprachpflege. Während Sprachplanung die Aufgabe hat in die aktuelle Sprachsituation einzugreifen und sie neu zu definieren, besteht die Aufgabe der Sprachpflege darin bereits Existierendes aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls zu verbessern respektive den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Ausgehend von dieser kurzen Definition der Begrifflichkeiten Sprachplanung und Sprachpflege soll im Folgenden die Rolle der Sprachakademien in Zusammenhang mit der Sprachplanung und Sprachpflege des Spanischen analysiert werden.
5 Vgl. Lebsanft, Spanische Sprachkultur. Studien zur Bewertung und Pflege des öffentlichen
Sprachgebrauchs im heutigen Spanien, Tübingen, Niemeyer Verlag, 1997: 81
5
2.1 Die Real Academia Española (RAE)
2.1.1 Die Geschichte der RAE
Die Real Academia Española wurde 1713 von Juan Manuel Fernández Pacheco, Marquis von Villena, in Madrid gegründet. Die RAE war die erste Sprachakademie im spanischsprachigen Raum. Vorbilder der RAE waren die italienische Academia della Crusca und die Académie Francaise. Sie wurde unter dem Leitsatz „Limpia, fija y dar esplendor“ gegründet und sollte demnach die spanische Sprache reinigen, festigen und ihr Ruhm uns Anerkennung verleihen. Diese Devise wurde in der heutigen Zeit teilweise abgeändert, worauf ich später noch eingehen werde, um mich mit der Frage nach der Monozentrizität respektive Plurizentrizität der spanischen Sprachkultur auseinanderzusetzen. 1714 erlangte die RAE die offizielle Anerkennung durch König Philipp V, der sie unter königlichen Schutz stellte. Die Gründe für die Entstehung der RAE werden bei Dagmar Fries sehr ausführlich dargestellt 6 . So lassen sich in ihrem Werk verschiedene Gründe für die Errichtung einer Sprachakademie finden. Zum einen wollte man mit der Gründung einer Sprachakademie dem Verfall und Niedergang der spanischen Sprache entgegenwirken. Das Spanische habe seine Kraft verloren und sei entartet worden. 7 Zudem drängen vermehrt Gallizismen in die spanische Sprache ein und verunreinigten diese. 8 Desweiteren war die Gründung einer Sprachakademie ein Ausdruck literarischer Tradition. Als Ideal der spanischen Sprache wurde das Spanische des Siglo de Oro angesehen, eine Zeit in der die literarische Produktion und Qualität an ihrem Höhepunkt angelangt war. Dieses Sprachideal in seiner Vollkommenheit galt es nun zu schützen und zu stabilisieren. Durch Kodifizierung sollte die Sprache über den Niedergang hinweg verewigt werden. 9
“Se trataba de una creencia antigua (arranca de los gramáticos alejandrinos, y había dejado huellas en Nebrija), según la cual los idiomas evolucionarían hasta un momento de plenitud, tras el cual, si no se había logrado fijarlos, les sobrevendrían inexorables la ruina y la extinción. El español (…) ha llegado a su apogeo en los
6 Dagmar Fries, Das Sprachpflegeprogramm in der Real Academia Española, Hochschulschrift, Aachen,
1984
7 ebenda
8 ebenda
9 ebenda
6
siglos XVI y XVII, y había que consagrarlo en un diccionario comparable a los de
Italia y Francia (luego, sería mejor)”, (Lázaro Carreter 2001: 692-695). 10
Als weiteren Grund für die Errichtung der RAE wird bei Fries der internationale Sprachenwettstreit angeführt. Sprachenwettstreit bedeutet in diesem
Zusammenhang das Streben eines Landes nach der Vervollkommnung seiner Sprache um damit die Überlegenheit und Qualität der eigenen gegenüber anderen Sprachen auszudrücken. Hauptrivalen Spaniens, Italien und Frankreich, hatten bereits eine Akademie gegründet, sodass sich Spanien dazu genötigt sah eine ebensolche Akademie zu gründen. 11
Wie aus den Ausführungen ersichtlich, waren die Gründe für die Erschaffung einer Sprachakademie diverse, bezogen sich jedoch alle auf den Status Spaniens und seiner Sprache, dem Kastilischen, gegenüber dem Rest der Welt. Die RAE, zu deren Mitgliedern bekannte Schriftsteller und Sprachwissenschaftler gehören, ist eine der insgesamt acht königlichen Akademien, zu denen z.B. auch die Real Academia de la Historia zählt. Diese acht Akademien sind im Instituto de España zusammengefasst und unterstehen dem Ministerio de Educación y Ciencia. 12 Die RAE ist sich ihres Dienstes für den spanischen Staat durchaus bewusst, sieht sich jedoch als unabhängige Institution an, die nicht im Auftrag der Regierung arbeitet sondern dieser Ihre Dienste als „Anwalt“ des Spanischen anbietet. 13 Nach Torrent-Lenzen war und ist die RAE eine Institution, die integrativ ausgerichtet ist. Dafür spricht auch, dass die Gründungsmitglieder der RAE aus unterschiedlichen Gebieten des iberischen Raumes kamen, der Direktor selbst war kein Madrilene. 14
Für ihre Aufgaben muss sie mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Die Gelder, die sie vom Ministerio de Ciencia y Educación erhält deckten jedoch nicht den wahren finanziellen Bedarf der RAE, sodass diese sich nach anderweitigen Quellen umsehen musste. Seit 1984 existiert die Asociación de Amigos de la Real Academia Española, welche die RAE finanziell unterstützt. Zu ihren Mitgliedern
10 zitiert nach:
http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/r/RAE%20%20%20Spanische%
20Sprachakademie.htm
11 Vgl. hierzu Fries 1984
12 Vgl. hierzu Lebsanft, Studien 1997: 132.
13 ebenda
14 Vgl. hierzu Torrent-Lenzen, Unidad y pluricentrismo en la comunidad Hispanohablante, Axel Lenzen
Verlag, Titz, 2006, 144.
7
zählen einflussreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aber auch spanische Banken und Großunternehmen. 1993 wurde außerdem die Fundación Pro Real Academia Española gegründet, eine aus Spenden finanzierte Stiftung zu deren Gründungsmitgliedern unter anderem auch König Juan Carlos I. Gehörte. Die RAE arbeitet in Ausschüssen zu verschiedenen Themenbereichen zusammen. Diese sind unter anderem das Instituto de Lexicografía, in welchem an der Ausarbeitung und Änderung des Wörterbuchs gearbeitet wird.
2.1.2 Aufgaben der RAE - die Kodifikation
Als sprachliche Norm der Hispanophonie wurde seit dem 18. Jahrhundert das Kastilische angesehen, welches die Hochsprache (habla culta) ausbildet. Diese habla culta bildet die exemplarische Sprache oder präskriptive Norm. Dass gerade das Kastilische zur Hochsprache und somit zur Norm wurde, erklärt sich sprachhistorisch. 15 Nach Coserius entstand seit der Spätantike und dem Mittelalter aus dem Lateinischen der primäre Dialekt des Kastilischen, der als Gemeinsprache angesehen wird. Dieser primäre Dialekt grenzt sich von sekundären Dialekten, wie denen in Amerika und Andalusien ab, welche als Dialekte der kastilischen Gemeinsprache bezeichnet werden. Seit dem 18. Jahrhundert bildet dieser primäre Dialekt die habla culta, die präskriptive Norm. Diese präskriptive Norm unterscheidet sich in weiten Gebieten der Hispanophonie, sodass tertiäre Dialekte, oder auch Regionalsprachen gebildet werden. 16 Aufgabe der RAE war und ist bis heute die Überführung des Spanischen in ein einheitliches Format, also die Normierung. Die Kodifikation bezieht sich auf alle Bereiche der Sprache; die Orthografie, die Lexik und die Grammatik.
„La constante normalisación del español; de ahí su lema de limpiar fijar y dar esplendor, que en términos dieciochescos significa ofrecer pautas normativas de nuestra lengua respecto a su vocabulario, a su gramática y su ortografía“, ( Torrent-Lenzen 2007: 145).
15 Vgl. Lebsanft, Spanische Sprachkultur 1998: 256-257
16 Vgl. hierzu Lebsanft, Spanische Sprachkultur 1998: 256-257
8
Arbeit zitieren:
Christina Guggi, 2008, Spanische Sprachkultur, Sprachplanung und Sprachpflege, München, GRIN Verlag GmbH
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