Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 7
1.1 Grundlegende Gedanken zur Stadtplanung 8
1.2 Das Schachbrettmuster: F unf Voraussetzungen nach Stanis-
lawski 9
1.3 Methodik 10
1.4 Motivation 11
2 Das Vorspiel 12
2.1 Kahun 12
2.2 Mohenjo-daro 13
2.3 Babylon 15
3 Stadtplanung im antiken Griechenland 17
3.1 Stadttypen des antiken Griechenlands 18
3.2 Die Anf ange griechischer Stadtplanung: Megara Hyblaea 18
3.3 Stadtplanung im klassischen Zeitalter: Milet 20
3.3.1 Hippodamus von Milet 21
4 Stadtplanung im Alten Rom 23
4.1 Stadttypen des r omischen Reiches 24
4.2 Stadtplanung der Etrusker: Marzabotto 25
4.3 Polybius und Machiavelli 26
4.4 Centuriation 28
4.5 Milit arcamps als Vorbild: Timgad 29
4.6 Griechische und r omische Stadtplanung im Vergleich 30
4.7 Vor- und Nachteile des Schachbrettmusters 31
1
INHALTSVERZEICHNIS
2
5 Die ideale Stadt in der Antike 33
5.1 Platon 33
5.1.1 Atlantis 35
5.2 Marcus Vitruvius Pollio gen. Vitruv 36
5.3 Aristophanes 37
6 Stadtplanung im Mittelalter 39
6.1 Stadttypen des Mittelalters 40
6.2 Das Kreuz als Leitmotiv: Chichester 41
6.3 Die Gr undungsstadt: Merkmale nach Humpert und Schenk 42
6.4 Muster einer Bastidenstadt: Montpazier 42
6.5 Die Ostkolonisation 44
6.5.1 Stadtplanung zur Zeit der Ostkolonisation: Kulm 44
7 Die Vorgeschichte 46
7.1 West Jersey 46
7.2 Royal Charter des Jahres 1682 47
7.3 Holy Experiment 48
7.3.1 Conventicle Act 48
7.3.2 The Great Case of Liberty of Conscience 49
7.3.3 The Great Treaty 49
7.4 Werbung f ur die zu planende Stadt 51
7.4.1 Some Account 51
7.4.2 Certain Conditions 52
7.5 Die Suche nach einem geeigneten Gebiet 53
7.5.1 Penns Instruktionen 53
7.5.2 Vor- und Nachteile des ausgew ahlten Gebietes 53
7.5.3 Die Namensgebung 54
8 Pl ane f ur Philadelphia 55
8.1 Green Country Town 55
8.2 A Portraiture of Philadelphia 57
8.2.1 Ein Vergleich 58
8.3 Gr unde f ur Holmes
Anderungen 59
8.4 Liberty Lands 59
8.5 Das Schachbrettmuster und Philadelphia 61
INHALTSVERZEICHNIS
3
9 Die ideale Stadt in der Renaissance 62
9.1 Leon Battista Alberti 62
9.2 Antonio di Pietro Averlino gen. Filarete 64
9.3 Francesco di Giorgio Martini 65
9.4 Pietro Cataneo 67
9.5 Thomas Morus 68
9.6 Albrecht D urer 69
9.7 Simon Stevin 71
9.8 Jacques Perret 72
10 Stadtplanung in der Renaissance 74
10.1 Virty-le-Fran cois 74
10.2 Palmanova 76
10.3 Freudenstadt 77
10.3.1 Heinrich Schickhardt 77
10.4 Mannheim 79
10.5 Stadtplanung im Ostseereich 80
10.5.1 Kristianstad 81
10.5.2 Kalmar 82
10.6 William Penn 84
10.7 Thomas Holme 85
10.8 Das große Feuer von 1666 86
10.8.1 Marcus Willemsz Doornicks Plan 87
10.8.2 Richard Newcourts Plan 88
10.8.3 London und Philadelphia 89
10.9 Die Provinz Ulster 90
10.9.1 Pacata Hibernia 91
10.9.2 Londonderry 91
10.10Willemstad 92
11 Anspruch und Wirklichkeit 94
11.1 Philadelphia im Jahre 1762 95
11.2 Philadelphia im Jahre 1794 97
11.2.1 Benjamin Eastburn und der Plan von 1774 98
11.3 Philadelphia im Jahre 2003 100
INHALTSVERZEICHNIS
4
12 Das Vorbild Philadelphia 101
12.1 Savannah 102
12.2 Jefferson 103
13 Philadelphia in der Tradition der idealen Stadt 105
13.1 Die Vorstellungen Platons 105
13.2 Die ideale Stadt in der Renaissance und Philadelphia 106
13.2.1 Utopia 107
14 Schlussbetrachtung 108
Abbildungsverzeichnis
2.1 Plan von Kahun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 2.2 Plan von Mohenjo-daro . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 2.3 Plan von Babylon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
3.1 Plan von Megara Hyblae . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 3.2 Plan von Milet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
4.1 Plan von Mazabotto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 4.2 R¨ omisches Milit¨ arlager nach Machiavalli . . . . . . . . . . . . 27 4.3 Centuriation und Groma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 4.4 Plan von Timgad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
5.1 Die Idealstadt Atlantis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 5.2 Diagramm der Winde nach Vitruv . . . . . . . . . . . . . . . 37
6.1 Plan von Chichester: R¨ omische und s¨ achsische Anlage . . . . 41 6.2 Plan von Montpazier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 6.3 Plan von Kulm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
7.1 The Great Treaty . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 7.2 Die topographische Lage Philadelphias . . . . . . . . . . . . . 54
8.1 William Penns Plan f¨ ur Philadelphia . . . . . . . . . . . . . 56 8.2 A Portraiture of Philadelphia . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 8.3 Liberty Lands . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
9.1 Die Idealstadt Sforzinda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 9.2 Radialstadt nach Martini . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 9.3 Bergstadt nach Martini . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 9.4 Stadt im Schachbrettmuster nach Martini . . . . . . . . . . . 66
5
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 6
9.5 Idealstadt nach Cataneo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 9.6 Die utopische Stadt Amaurotum . . . . . . . . . . . . . . . . 69 9.7 Idealstadt nach D¨ urer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 9.8 Idealstadt nach Stevin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 9.9 Idealstadt nach Perret . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
10.1 Plan von Vitry - le - Fran¸ cois . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 10.2 Plan von Palmanova . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 10.3 Erster Vorschlag f¨ ur Freudenstadt . . . . . . . . . . . . . . . 78 10.4 Endg¨ ultiger Plan f¨ ur Freudenstadt . . . . . . . . . . . . . . . 78 10.5 Plan von Mannheim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 10.6 Plan von Kristianstad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81 10.7 Plan von Kalmar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 10.8 William Penn: Der Gr¨ under Philadelphias . . . . . . . . . . . 84 10.9 London vor dem Feuer von 1666 . . . . . . . . . . . . . . . . 86 10.10Doornicks Plan f¨ ur den Wiederaufbau Londons . . . . . . . . 87 10.11Newcourts Plan f¨ ur den Wiederaufbau Londons . . . . . . . . 88 10.12Regionalplan f¨ ur die Provinz Ulster . . . . . . . . . . . . . . . 90 10.13Plan von Londonderry . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 10.14Plan von Willemstad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
11.1 Philadelphia im Jahre 1762 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 11.2 Philadelphia im Jahre 1794 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 11.3 Philadelphia im Jahre 1774 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 11.4 Philadelphia im Jahre 2003 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
12.1 Plan von Savannah . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 12.2 Plan von Jefferson . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
14.1 Modell f¨ ur die Umgestaltung Philadelphias . . . . . . . . . . 109
Kapitel 1
Einleitung
Als Stadtgrundriss wird die r¨ aumliche Organisation der Stadt bezeichnet. Er ist die Aufteilung in den ¨ offentlichen Erschliessungsraum und in die mit unterschiedlicher Nutzung belegten Baufelder. Da dieser Grundriss, wenn er einmal festgelegt wurde, von extremer Langlebigkeit ist, stellt er eine Art gezeichnetes Geschichtsbuch dar. In ihm sind alle Informationen zur Gr¨ undung, zum Wachstum und Wandel in einer Stadt enthalten. Im Stadtgrundriss l¨ asst sich die Gr¨ undungsidee einer Stadt ablesen. (Humpert, 1997, S. 66)
Mit diesen Worten verdeutlicht Klaus Humpert in seinem Werk Einf¨ uhrung in den St¨ adtebau die Bedeutung des Stadtgrundrisses als historische Quelle. Im Falle der vorliegenden Arbeit ist diese historische Quelle die von William Penn im Jahre 1683 gegr¨ undete Stadt Philadelphia, die nach dem Wunsch ihres Gr¨ undungsvaters als Verk¨ orperung von Menschlichkeit und Toleranz, vor allem in religi¨ osen Dingen, als strahlendes Beispiel in die Geschichte eingehen sollte.
Ziel meiner Arbeit ist es, den Gr¨ undungsplan Philadelphias, in die Geschichte der Stadtplanung einzuordnen und die von Philadelphia ausgehende Bedeutung f¨ ur die weitere Entwicklung des St¨ adtebaus auf dem nordamerikanischen Kontinent zu verdeutlichen. Das besondere Augenmerk soll hierbei der schachbrettartigen Anlage des Philadelphia-Plans gelten, um aufzuzeigen, wo die Wurzeln dieses Elementes in der Geschichte der Stadtplanung zu finden sind und inwiefern dieses Element im Laufe der Zeit von verschiedenen Zivilisationen bei der Errichtung neuer St¨ adte, in den meisten F¨ allen
7
KAPITEL 1. EINLEITUNG 8
Kolonialst¨ adte, adaptiert wurde. Des Weiteren soll aufgezeigt werden, inwiefern sich der Plan f¨ ur Philadelphia im Laufe der Zeit ver¨ andert hat bzw. aktiv modifiziert wurde. Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht aber die Frage, wieso der finale Plan f¨ ur Philadelphia die in Abschnitt 8.2 aufgef¨ uhrten Merkmale hat. Oder in anderen Worten: Welche st¨ adteplanerischen Vorbilder haben William Penn und Thomas Holme dazu bewogen, Philadelphia auf die Art und Weise zu planen, die so vorbildlich f¨ ur die weitere Entwicklung der Stadtplanung auf dem nordamerikanischen Kontinent sein sollte? An dieser Stelle sei nur soviel erw¨ ahnt: Die Garnisonsst¨ adte Irlands stellen eine wichtige Quelle dar. Dies wiederum ist paradox, da William Penn ein ausgewiesener Pazifist war, der diese Grundhaltung auch in seiner Konzeption f¨ ur die Gr¨ undung der Kolonie Pennsylvania verankerte (vgl. Abschnitt 7.3).
1.1 Grundlegende Gedanken zur Stadtplanung
Da es sich bei Philadelphia, wie bereits erw¨ ahnt, um eine neu gegr¨ undete Stadt handelte, sollen zun¨ achst grundlegende Aspekte der Stadtplanung gekl¨ art werden. Die Anlage eines durchdachten Plans f¨ ur die Neugr¨ undung einer Stadt muss als hohe Kunst und gleichzeitig als enorme Herausforderung angesehen werden. Der Planer muss n¨ amlich bei der Verwirklichung seines Konzepts auf viele verschiedene Dinge R¨ ucksicht nehmen. Zum einen ist es wichtig, dass die Stadt ein durchdachtes Netz von Straßen und Verkehrswegen aller Art aufweist, um innerhalb der Stadt effizient kommunizieren zu k¨ onnen. Weiterhin sollte der Planer eine freundliche Wohnumgebung schaffen, indem er z. B. ausreichend Raum zur Erholung in Form von ¨ offentlichen Parks bereitstellt, eine zu hohe Geb¨ audedichte vermeidet und schließlich Hygieneeinrichtungen bereit stellt. Durch eine durchdachte Zonierung, die Handel und Wohnbezirke trennt und durch die F¨ orderung kultureller Zentren, kann sich eine Stadt in gesunden Bahnen entwickeln und seinen Bewohnern zu einem Ort der Geborgenheit werden. (Adams, 1998, S. 25-26) Allen geplanten St¨ adten der Geschichte, einschließlich Philadelphia, ist ein Element gemeinsam, n¨ amlich geometrische Formen, meistens in Form der geraden Linie. Eine Gerade ist gleichsam der Ausdruck f¨ ur zivilisiertes Leben, ganz im Gegensatz zur Unf¨ ahigkeit des Barbaren, eine Ordnung in der Anlage seiner Siedlungen zu erreichen. (Haverfield, 1913, S. 14) Eine planm¨ aßige
KAPITEL 1. EINLEITUNG 9
Stadt ist also immer auch Manifest einer gesamten Zivilisation und soll dadurch die Fortschrittlichkeit eines Volkes in der t¨ aglichen Umgebung, der Stadt, aufzeigen. Der Architekt Edmund N. Bacon dr¨ uckt sich diesbez¨ uglich folgendermaßen aus:
The building of cities is one of man’s greatest achievements. The form of his city always has been and always will be a pitiless indicator of the state of his civilization. This form is determined by the people who live in the city . In certain circumstances these decisions have interacted to produce a force of such clarity and form that a noble city has been born. (Bacon, 1974, S. 13)
1.2 Das Schachbrettmuster: F¨ unf Voraussetzungen
nach Stanislawski
Da im Folgenden immer wieder das Stichwort ” Schachbrettmuster“ fallen
wird, erscheint es mir angebracht an dieser Stelle die von Dan Stanislawski erarbeiteten Voraussetzungen f¨ ur dieses Planungselement darzulegen. Stanislawski nennt f¨ unf Voraussetzungen: Erstens ist das Schachbrettmuster nur m¨ oglich, wenn es sich entweder um eine Stadtneugr¨ undung oder um eine Stadterweiterung in einem vorher unbesiedelten Gebiet handelt. Der Planer geht dabei von einem geordneten Gesamtkonzept f¨ ur die Stadt aus. Zweitens ist eine zentrale Gewalt vonn¨ oten, die in der Lage ist, das Schachbrettmuster durchsetzen. Drittens handelt es sich bei Stadtneugr¨ undungen im Schachbrettmuster oftmals um Kolonien, die auf Betreiben der Muttermacht ins Leben gerufen wurden. Als vierte Voraussetzung nennt Stanislawski den Wunsch der zuk¨ unftigen Bewohner der Stadt, die Grundst¨ ucke der Gr¨ oße nach genau einzuteilen. Die letzte Voraussetzung ist ebenso wichtig wie trivial: Der Planer muss das Schachbrettmuster als Ausdrucksform der Stadtplanung kennen. (Stanislawski, 1946, S. 108)
Inwiefern diese Voraussetzungen im Fall von Philadelphia gegeben waren, wird sich zum einen in dem Kapitel kl¨ aren, dass sich mit den geschichtlichen Hintergr¨ unden der Zeit befasst und zum andern in Abschnitt 8.5 explizit gekl¨ art werden.
KAPITEL 1. EINLEITUNG 10
1.3 Methodik
Der in dieser Arbeit verfolgten Darstellungsweise der Stadtplanungsgeschichte kann man sicherlich vorwerfen, auf den europ¨ aischen Kontinent fixiert zu sein. Ein Widerspruch meinerseits bleibt in diesem Punkt aus, da mir durchaus bewusst ist, dass die geplante Stadt und das Schachbrettmuster der Straßen auch in anderen Teilen der Welt anzutreffen sind und in der
Vergangenheit anzutreffen waren. 1 Meine Arbeit befasst sich aber mit der ¨ Ubertragung europ¨ aischer Stadtformen auf den nordamerikanischen Kontinent bzw. geht der Frage nach, inwiefern die Gr¨ underv¨ ater Philadelphias von den stadtplanerischen Modellen Europas beeinflusst wurden. Im Rahmen dieser Arbeit sollen also vor allem diejenigen St¨ adte n¨ aher beleuchtet werden, die aufgrund ihrer Anlage als besonders gelungen gelten k¨ onnen und f¨ ur die Entwicklung des Schachbrettmusters wichtig waren, weshalb sie in der Stadtplanungsgeschichte eine exponierte Stellung einnehmen.
Zu Beginn meiner Arbeit steht eine Untersuchung der ersten geplanten St¨ adte der Menschheit. Dies erschein mir deshalb sinnvoll, um zu zeigen, dass das Schachbrettmuster seit der Zeit, in der sich Menschen in gr¨ oßeren Siedlungen niederließen, ein wichtiges Planungselement war. Im Anschluss wird der Versuch unternommen, die Stadtplanung in Europa seit dem Antiken Griechenland bis zum Ende des Mittelalters darzulegen (vgl. Kapitel 3 -6), ehe ab dem 7. Kapitel die Frage nach den geschichtlichen Hintergr¨ unden im Zusammenhang mit der geplanten Stadt Philadelphia (inklusive einer Darlegung des finalen Plans) im Mittelpunkt stehen.
Im verbleibenden Teil der Arbeit schließlich wird der finale Plan in den geschichtlichen Rahmen eingeordnet (vgl. Kapitel 7 und 8). Im Fall von Philadelphia war dieser Rahmen die Renaissance - die aus der Sicht der Stadtplanung wohl fruchtbarsten Epoche ¨ uberhaupt. Dabei sollen aber nicht nur
die tats¨ achlich erbauten St¨ adte des 10. Kapitels Erw¨ ahnung finden, sondern auch die wichtigsten Theoretiker (vgl. Kapitel 9), da diese durch ihr Schaffen einen immensen Beitrag zur Entwicklung der Stadtplanung leisteten.
Zum Schluss wird gekl¨ art werden, in welchen Bahnen sich Philadelphia nach der Gr¨ undung (1683) in den folgenden Jahrhunderten bis zur Gegenwart entwickelt hat und welche stadtplanerischen Impulse dadurch auf den
1 In diesem Zusammenhang sei zum Beispiel auf die geplanten St¨ adte im alten China verwiesen.
KAPITEL 1. EINLEITUNG 11
nordamerikanischen Kontinent ausgesandt wurden.
1.4 Motivation
Bleibt noch die Frage zu kl¨ aren, weshalb ich gerade Philadelphia zum Ge-genstand meiner Zulassungsarbeit erkoren habe. Neben der Tatsache, dass Philadelphia eine der ersten St¨ adte im strikten Schachbrettmuster auf dem nordamerikanischen Kontinent war und zudem noch enorme Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Stadtplanungsgeschichte hatte, ist vor allem mein einj¨ ahriges Studium in den Staaten zu nennen. Da es mir verg¨ onnt war, zahlreiche St¨ adte in den USA kennen zu lernen, und ich die grunds¨ atzlichen Unterschiede zwischen europ¨ aischen und amerikanischen St¨ adten sehr signifikant fand, wuchs in mir das Bestreben, mich eingehender mit den geplanten St¨ adten des Landes, im besonderen Philadelphia aufgrund seiner quasi-Vorreiterrolle, auseinander zu setzen.
Kapitel 2
Das Vorspiel
Es wird oftmals der falsche Eindruck vermittelt, das antike Griechenland und die Figur des Hippodamus von Milet (vgl. Abschnitt 3.3.1) seien gewissermaßen die Erfinder der schachbrettartigen, planm¨ aßigen Anlage von Stadtgr¨ undungen. Ganz abgesehen davon, dass dies nicht den Tatsachen entspricht, w¨ are es vermessen zu behaupten, dass irgendeine Zivilisation als der Erfinder des Schachbrettmusters gelten kann: Daf¨ ur ist dieses Straßenmuster einfach zu nahe liegend, wenn die genaue Einteilung von Baubl¨ ocken und Grundst¨ ucken im Vordergrund steht. Der Beitrag der Griechen f¨ ur die Geschichte der Stadtplanung war trotzdem enorm und wird dementsprechend im n¨ achsten Kapitel ausgiebig behandelt werden. Nichtsdestotrotz gab es bereits vor den Griechen Beispiele f¨ ur die planm¨ aßige Anlage von St¨ adten. Einige dieser St¨ adte sollen in den folgenden Abschnitten n¨ aher erl¨ autert werden.
2.1 Kahun
Die Siedlung Kahun, im heutigen ¨ Agypten gelegen, wurde ca. 2500 v. Chr.
gegr¨ undet und diente dazu, die an der Pyramide in Illahun arbeitenden Sklaven zu beherbergen. Die gesamte Siedlung wies eine Grundfl¨ ache von nur 20 Ackern auf. (Korn, 1953, S. 18) Von der urspr¨ unglichen Siedlung ist nur der Teil im Norden erhalten, der Rest ist durch einen Hangrutsch zerst¨ ort worden. (Hofrichter, 1995, S. 25) Gerade die geringe Gr¨ oße der Siedlung hat einige Autoren, unter ihnen F. Haverfield, zu der ¨ Uberzeugung
gebracht, Kahun nicht als echte geplante Stadt anzusehen. (Haverfield, 1913, S. 19)
12
KAPITEL 2. DAS VORSPIEL 13
Nichtsdestotrotz l¨ asst der Plan von Kahun (Abbildung 2.1) 2 ganz klar
eine regelm¨ aßige Anlage der Straßen erkennen. Die Straßen waren mit einer Breite von bis zu sechs Metern relativ großz¨ ugig geplant. Deutlich ist auch die zweiteilige Struktur der Siedlung zu erkennen: Im Osten waren die Unterk¨ unfte der Verwaltungsbeamten und reicheren Personen zu finden, w¨ ahrend im Westen, sichtbar durch eine Mauer getrennt, die Behausungen der Sklaven angelegt waren. (Zucker, 1959, S. 24) In diesem Bereich weisen die Geb¨ aude eine Nord-S¨ ud Orientierung auf. Auf diese Weise entstehen Straßen, die von Osten nach Westen verlaufen. Im Osten der Stadt allerdings verlaufen die Straßen aufgrund der besseren Durchl¨ uftung von Norden nach S¨ uden. (Hofrichter, 1995, S. 26) Am Ende der Hauptverkehrsstraße l¨ asst sich ein offener Platz identifizieren. Es ist jedoch nicht m¨ oglich, diesem Platz eine Bedeutung im Gesamtkonzept zuzuweisen, da er keinerlei Aufgabe zu erf¨ ullen hatte. (Zucker, 1959, S. 24)
2.2 Mohenjo-daro
Die im heutigen Indien gelegene Stadt Mohenjo-daro gilt als eine der ¨ altesten geplanten St¨ adte der Menschheit. Ausgrabungen haben bewiesen, dass die Stadt bereits 2500 Jahre v. Christus, also in etwa zur selben Zeit wie Kahun,
2 Petrie, W. M., Illahun, Kahun and Gurob, London (1891), aus: Castagnoli, F., S. 58.
KAPITEL 2. DAS VORSPIEL 14
gegr¨ undet worden ist (Zucker, 1959, S. 20) und ein Gebiet von ca. zwei Quadratkilometern umfasste. Ausgrabungen haben eine sehr gut erhaltene Stadt zu Tage treten lassen, die h¨ ochstwahrscheinlich aufgrund periodisch auftretender ¨ Uberschwemmungen des Indus von den damaligen Bewohnern aufgegeben werden musste. (Mackay, 1938, S. 12-17)
Der vorliegende Ausschnitt (Abbildung 2.2) 3 aus dem Stadtinneren, der
aus Ausgrabungen gewonnen wurde, l¨ asst deutlich die geradlinige Ausrichtung der Straßen, die sich im rechten Winkel schneiden, erkennen. Auch wenn die Anlage der Geb¨ aude nicht ganz planm¨ aßig ist, so ist die Geradlinigkeit der Straßen f¨ ur die damalige Zeit sehr erstaunlich und l¨ asst bei einer Gesamtbetrachtung der Stadt aus der Vogelperspektive eine schachbrettartige Anlage der Straße erahnen. Die Planung der Stadt wurde ¨ ubrigens
dadurch erleichtert, dass die Siedlung auf einer unbewachsenen Schwemmfl¨ ache gegr¨ undet wurde. Eine Tatsache, die sich f¨ ur die weitere Entwicklung der Stadt noch als fatal herausstellen sollte. In der Stadt selbst haben wahrscheinlich strenge Bauvorschriften geherrscht, da keines der H¨ auser in die Straßen hineinragte. Das gesamte Straßennetz ist zum einen von Norden nach S¨ uden und zum anderen von Osten nach Westen ausgerichtet worden. Dies hatte den Vorteil, dass der von Norden nach S¨ uden wehende Wind entlang der Hauptstraßen, die zum Teil 800m lang waren, die Stickluft aus den kleineren Seitengassen heraussaugen konnte. Ob dieser Effekt dabei von den Erbauern vorgesehen wurde, ist unklar. (Mackay, 1938, S. 22-24)
3 Mackay, E., Further Excavations at Mohenjo-daro, Being an official account of Archaeological Excavations at Mohenjo-daro carried out by the Government of India between the years 1927 and 1931, Indological Book Corporation, Neu-Dehli (1978), Plate XIII, C.
KAPITEL 2. DAS VORSPIEL 15
2.3 Babylon
Zu einer der wichtigsten St¨ adte Mesopotamiens entwickelte sich Babylon unter der Herrschaft von Nebukadnezar II. (605-562 v. Chr.). Das wichtigste literarische Zeugnis ¨ uber diese Stadt ist uns von Herodot ¨ uberliefert worden.
Einer sehr detaillierten Beschreibung des Geschichtsschreibers zufolge, sei Babylon als exaktes Quadrat angelegt worden, wobei die Stadt einen Umfang von 55 Meilen gehabt haben und von einer kr¨ aftigen Stadtmauer, mit 100 eingelassenen Toren, umschlossen gewesen sein soll. (Korn, 1953, S. 22) Zur Anlage der Straßen hat Herodot das Folgende zu sagen:
The city itself is full of houses, three or four storeys high; and the ways which traverse it - and those that run crosswise towards the river, and the rest - are all straight. Further, at the end of each road there was a gate in the riverside fence, one gate for each alley; these gates also were of bronzem and these too opened on the river. (Herodotus, 1921, S. 180)
Ob alle Angaben Herodots allerdings der Richtigkeit entsprechen bleibt zweifelhaft. So h¨ atte die Stadt ein Gebiet von fast 200 Quadratmeilen eingenommen. Wenn man sich vor Augen h¨ alt, dass London zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Gebiet von nur 130 Quadratmeilen eingenommen hat, ist Skepsis geboten. Diese und andere Ungereimtheiten ergeben sich aber vor allem dadurch, dass Herodot, der Babylon zwar besucht hat, sich vor allem auf sein Ged¨ achtnis und die Beschreibungen anderer Reisender verlassen musste. (Haverfield, 1913, S.22) Aufschluss ¨ uber das tats¨ achliche Aussehen der Stadt k¨ onnen in diesem Zusammenhang nur die ¨ Uberreste aus der Vergangenheit geben.
Ubersichtsplan (Abbildung 2.3) 4 zu erkennen ist, wurde Wie aus dem ¨
die schachbrettartige Anlage der Straßen nicht auf das gesamte Stadtgebiet angewandt und ebenso wenig ist ein zentraler Platz anzutreffen, weder im Mittelpunkt der Stadt noch sonst irgendwo im Stadtbezirk. Auch im Bezug auf die Komposition der Stadt muss man konstatieren, dass diese schlichtweg nicht vorhanden war. Die ¨ offentlichen Geb¨ aude wurden in keiner Weise aufeinander abgestimmt, so dass es schwer fallen d¨ urfte, Babylon als eine geplante Stadt im eigentlichen Sinn anzusehen. (Kostof, 1992, S. 104)
4 Unger, E., Babylon: The Holy City, Walter de Gruyter and Company, Berlin & Leipzig (1931), aus: Adams, Thomas, S. 39
KAPITEL 2. DAS VORSPIEL 16
Man muss trotzdem festhalten, dass Babylon vor allem deshalb f¨ ur die Stadtgeschichte von Bedeutung ist, da etliche Errungenschaften einer zivilisierten Gesellschaft in die Stadtgr¨ undung eingeflossen sind: Von der F¨ ahigkeit die Stadt durch eine Mauer zu sch¨ utzen, den Raum im Innern zu bemessen und einzuteilen, hin zur geradlinigen Ausrichtung der wichtigsten Straßen. (Delfante, 1999, S. 30)
Was allen bis hierhin erw¨ ahnten St¨ adten oder Siedlungen gemeinsam ist, oder besser gesagt, was ihnen fehlt, ist ein f¨ ur die Gemeinschaft Bedeutung tragender zentraler, ¨ offentlicher Platz. Dies l¨ asst sich dadurch erkl¨ aren, dass keine der erw¨ ahnten Zivilisationen ein wie auch immer geartetes Mitspracherecht seinen Bewohnern gew¨ ahrte. Aus diesem Grund war ein ¨ offentlicher Versammlungsraum im Freien nicht notwendig. Die Notwendigkeit eines zentralen Platzes sollte sich erst in der Wiege der Demokratie, im antiken Grie- chenland, entwickeln. (Zucker, 1959, S. 19)
Kapitel 3
Stadtplanung im antiken
Griechenland
Die Stadtplanung im antiken Griechenland ist nicht im luftleeren Raum ent-standen, sondern hat sich an Vorbildern orientiert, die aufgrund des Kontakts mit anderen Kulturen bekannt waren. Der Nahe Osten war dabei einer der wichtigsten und einflussreichsten Quellen, derer sich die Griechen bedienten konnten. Zwischen den beiden Kulturkreisen herrschten rege Handelskontakte, was zwangsl¨ aufig zum Austausch von neuen Erkenntnissen, z.B. in der Stadtplanung, f¨ uhren musste. (Ownes, 1991, S. 31) Allerdings war es den griechischen Architekten nicht ver¨ onnt, die neuen Impulse f¨ ur die Stadtplanung in die Tat umzusetzen und weiterzuentwickeln, da es ungeschickt gewesen w¨ are und auch nicht notwendig war, auf dem griechischen Fest-land neue St¨ adte zu gr¨ unden. Erst durch wachsenden Bev¨ olkerungsdruck sahen sich die Griechen gezwungen, ihr angestammtes Gebiet zu verlassen, um eigene Kolonien zu gr¨ unden. Diese Kolonien boten dann den erhofften Spielraum f¨ ur die St¨ adteplaner, ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Dass es den Griechen ¨ uberhaupt m¨ oglich war, eigene Kolonien zu gr¨ unden, lag vor allem daran, dass sie hervorragende Kenntnisse in der Seefahrt besaßen und außerdem sehr erfolgreiche H¨ andler waren. (Ward-Perkins, 1974, S. 11)
17
KAPITEL 3. STADTPLANUNG IM ANTIKEN GRIECHENLAND 18
3.1 Stadttypen des antiken Griechenlands
Die St¨ adte im antiken Griechenland k¨ onnen aufgrund ihres Ursprungs in die folgenden drei Stadttypen eingeteilt werden: Mutterst¨ adte; St¨ adte, die f¨ ur spezielle Zwecke gegr¨ undet wurden und Kolonialst¨ adte. Die Mutterst¨ adte, z.B. Athen, k¨ onnen als ungeplante bzw. gewachsene St¨ adte bezeichnet werden. Zwar waren die ¨ offentlichen Geb¨ aude im Zentrum der Stadt anzutreffen, der Marktplatz allerdings war der Form nach, genau wie das Straßennetz, unregelm¨ aßig. Die Straßen orientierten sich vielmehr an der jeweiligen Topographie in den verschiedenen Bezirken, weswegen keine Hierarchie des Straßennetzes nachgewiesen werden kann. Die zweite Gruppe von griechischen St¨ adten (z.B. Olympia) waren diejenigen, die f¨ ur spezielle Zwecke gegr¨ undet wurden: Zum einen, um den religi¨ osen Bed¨ urfnissen der Menschen gerecht zu werden, zum anderen, um in periodischen Abst¨ anden Einheit stiftende Feierlichkeiten abhalten zu k¨ onnen. Die Straßen und Geb¨ aude dieser St¨ adte lassen ebenso keine regelm¨ aßige und geplante Anordnung erkennen. Dabei ist unklar, ob die mangelnde Planung am fehlenden Elan der Stadterbauer gelegen hat, oder ob die religi¨ osen F¨ uhrer auf eine phantasievolle Planung keinen Wert legten. Die letzte und f¨ ur die Stadtplanungsgeschichte wichtigste Gruppe von griechischen St¨ adten waren die sog. Kolonialst¨ adte, deren Anfang im Zeitraum vom f¨ unften bis vierten Jahrhundert v. Chr. zu finden ist. Diese Stadtgr¨ undungen, z.B. Priene, zeichneten sich vor allem durch die regelm¨ aßige Anlage der Straßen und Geb¨ aude aus und k¨ onnen damit als geplante St¨ adte angesehen werden. Das Schachbrettmuster war dabei das wichtigste Gestaltungselement, das diese St¨ adte auszeichnete. (Cavaglieri, 1949a, S. 45-52)
3.2 Die Anf¨ ange griechischer Stadtplanung: Me-
gara Hyblaea
Die ersten griechischen Kolonien, deren Mutterst¨ adte in Kleinasien zu finden waren, entstanden bereits im achten Jahrhundert v. Chr. und siedelten sich zum einen an der K¨ uste Siziliens und zum anderen im S¨ uden Italiens an. (Stambaugh, 1988, S. 243) Dort fanden die Stadtplaner weitaus bessere Bedingungen vor, als dies im heimatlichen Griechenland der Fall war: In Sizilien gab es Sandstr¨ ande und große Freifl¨ achen, die direkt an die K¨ uste
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anschlossen - ideale Bedingungen, um neue Kolonien anzulegen. (Kostof, 1992, S. 105) Diese Kolonien sind unter dem Namen Magna Graecia in die Geschichte eingegangen. (Stambaugh, 1988, S. 243) Eine dieser Kolonien wurde unter dem Namen Megara Hyblaea bekannt. Diese Stadt wurde im Jahre 753 v. Chr. im S¨ udosten Siziliens gegr¨ undet. Die Lage der Stadt bot neben der Tatsache, dass sie von einem kleinen Tal umgeben war und auf einer kleinen Landzunge situiert war, vor allem den Vorteil, dass im Hinterland fruchtbare B¨ oden f¨ ur die Bewirtschaftung existierten. (Ward- Perkins, 1974,S. 23)
Wie aus dem Plan (Abbildung 3.1) 5 ersichtlich wird, sind die Straßen ge-
radlinig angelegt und schneiden sich, wenn auch nur im westlichen Teil, im rechten Winkel. Der Marktplatz, die Agora, l¨ asst sich im relativen Zentrum finden und ¨ ahnelt durch die ihn umgebenden Straßen einem Trapez. Um den Marktplatz gruppiert sind Geb¨ aude der Verwaltung und die Tempelanlage. Die durch das Straßennetz entstehenden Grundst¨ ucke sind nicht blockartig, sondern streifenf¨ ormig. Auf den Streifen ist eine relativ unregelm¨ aßige Bebauung zu erkennen. Diese Tatsache und die nicht ganz identische Anlage der Straßen kann vor allem dadurch erkl¨ art werden, dass das Straßennetz erst nachtr¨ aglich in den bestehenden Siedlungsk¨ orper eingef¨ ugt worden ist.
5 Annales (1970), aus: Ward-Perkins, J. B., Abb. 35.
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Die geschah h¨ ochstwahrscheinlich in der zweiten H¨ alfte des siebten Jahrhunderts. (Ward-Perkins, 1974, S. 23) Die eigentliche Bedeutung von Megara Hyblaea besteht darin, dass ¨ offentliche, religi¨ ose und private Bereiche zu einem eine Einheit stiftenden Ganzem zusammengef¨ uhrt wurden. Des weiteren weist der Stadtplan eine Hierarchie der Straßen auf und l¨ asst durch die Anordnung die bereits erw¨ ahnte streifenartige Grundst¨ ucksform erkennen. (Ownes, 1991, S. 39-40) Allerdings sollte klar sein, dass es sich bei der Anlage der Stadt um kein Schachbrettmuster im eigentlichen Sinne gehandelt hat. Dieses Ausdruckselement der Stadtplanung sollte erst w¨ ahrend der klassischen Periode seinen Durchbruch erlangen.
3.3 Stadtplanung im klassischen Zeitalter: Milet
Milet wurde im persischen Krieg des Jahres 494 v. Chr. fast vollkommen zerst¨ ort und ab dem Jahre 479 v. Chr. unter der Mitarbeit von Hippodamus wieder aufgebaut. (von Gerkan, 1924, S. 11)
Aus der vorliegenden Abbildung (Abbildung 3.2) 6 soll nicht der Ein-
6 von Gerkan, A., Abb. 6.
KAPITEL 3. STADTPLANUNG IM ANTIKEN GRIECHENLAND 21
druck entstehen, dass alle Straßen dieselbe Gr¨ oße hatten. Stattdessen gab es in Milet einige wenige Hauptstraßen, die zwischen 5m und 10m breit waren, w¨ ahrend die Seitenstraßen nur zwischen 3m und 5m breit waren. Die Hauptstraßen dienten dazu, die Stadt in parallele Streifen von 50 bis 300m zu unterteilen. Auf diesen Streifen entstanden die eigentlichen Baubl¨ ocke, die wiederum von den im rechten Winkel verlaufenden Querstraßen in einem Abstand von 30 bis 35m durchbrochen wurden. (Lichtenberger, 2002, S. 15) Anhand des Plans f¨ ur Milet lassen sich die Charakteristika der Stadtplanung, mit der Hippodamus in Verbindung gebracht werden, verdeutlichen. Erstens zielte der Plan darauf ab, die unterschiedlichen Bezirke der Stadt in einer kompakten Stadt zu verbinden, damit kein Bereich der Stadt einen anderen an Bedeutung ¨ ubertreffen konnte. Weiterhin geht die Planung von Milet von mathematischen Prinzipien aus, die gleich große Bl¨ ocke entstehen l¨ asst, die dann wiederum untergliedert werden konnten. Genau hier ist die entscheidende Neuerung im Vergleich zur fr¨ uheren Stadtplanung in den Kolonien zu sehen. In diesen Kolonien war in der Regel eine streifenf¨ ormige Grundst¨ ucksanlage zu beobachten. Diese Streifen wurden dann von privaten Unternehmungen nach deren Vorstellungen gestaltet. Von einer uniformen Entwicklung konnte also keine Rede sein. In der klassischen Periode stand aber gerade eine uniforme Entwicklung im Mittelpunkt: Es ging darum, gleich große Grundst¨ ucke zu verteilen. Dadurch sollte ein gewisses Maß an Gleichheit und Fairness erreicht werden. Diese Ziele konnten aber nur erreicht werden, wenn die Straßen so exakt wie m¨ oglich verliefen und gleich große Bl¨ ocke entstehen ließen. Als weiteres Merkmal der hippodamischen Bauweise ist die Anordnung der ¨ offentlichen Geb¨ aude zu nennen, wobei die wichtigen Bauwerke in das System der Straßen eingebunden worden sind. (Ownes, 1991, S. 48-61) Besonders wichtig ist dabei, dass eine funktionale Trennung zwischen Geb¨ auden f¨ ur religi¨ ose, kommerzielle und verwaltungstechnische Zwecke gegeben war. All diese Bauten stehen aber auch in direkter Beziehung zum Hafen. (Ward-Perkins, 1974, S. 14)
3.3.1 Hippodamus von Milet
Der w¨ ahrend der perikleischen Zeit lebende und in Milet um das Jahr 500 v. Chr. geborene Hippodamus wird als Vater der planm¨ aßigen Anlage von St¨ adten im Schachbrettmuster angesehen. Auch wenn es als gesichert gel- ten kann, dass er die Planung von Turin (443 v. Chr.) und Pir¨ aus (479
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v. Chr.) leitete (Martienssen, 1964, S. 25), und an dem Wiederaufbau von Milet beteiligt war, kann Hippodamus nicht als Erfinder der schachbrettartigen Anlage von St¨ adten angesehenen werden, wie anhand des 2. Kapitels deutlich geworden sein sollte. Obwohl Hippodamus in Milet geboren wurde, verbrachte er wohl die meiste Zeit seines Lebens in Athen, wo ihm auch das B¨ urgerrecht erteilt wurde. (Fabricius, 1913, S. 1731) Die besondere Bedeutung dieses Architekten ergibt sich vor allem dadurch, dass Hippodamus seine Pl¨ ane gewissermaßen auf dem Reißbrett nach einer geometrischen Formel plante und erst sp¨ ater den eigentlichen topographischen Bedingungen anpasste, w¨ ahrend die meisten Architekten seiner Zeit erst die Rahmenbedingungen betrachten, ehe sie mit der eigentlichen Planung begannen. (Kostof, 1992, S. 127) Die Nachwelt wurde vor allem durch die Schriften des Aristoteles auf die Figur des Hippodamus aufmerksam. Die erste namentliche Erw¨ ahnung erfolgt in Aristoteles Politik :
Hippodamus aber, der Sohn des Euryphon, aus Milet -- der die Abteilung der St¨ adte erfand und den Pir¨ aus durchschnitt [...] -- dieser Hippodamus also war der erste, der, ohne praktischer Staatsmann zu sein, es unternahm, etwas ¨ uber die beste Staatsverfassung zu sagen. (Aristoteles, 1995, S. 54)
Neben seiner Arbeit als Architekt bet¨ atigte sich Hippodamus also auch als politischer Theoretiker. F¨ ur den idealen Staat sah er eine Gr¨ oße von 10.000 B¨ urgern vor und teilte seine B¨ urgerschaft in die folgenden drei Gruppen ein: Handwerker, Bauern und Krieger. Eine Dreiteilung fordert er auch f¨ ur die Verteilung des Bodens, der nach seinen Vorstellungen in heiligen, ¨ offentlichen und privaten Besitz untergliedert werden sollte. (Aristoteles, 1995, S. 54) Zwar haben seine Gedanken zum idealen Staat nie viel Aufmerksamkeit erhalten, seine Ideen f¨ ur die Stadtplanung fanden aber umso mehr Interesse.
Die Anlage der Privath¨ auser gilt als geschmackvoller und den sonstigen praktischen R¨ ucksichten entsprechender, wenn sie geradlinig ist und der neueren, hippodamischen Bauart folgt. (Aristoteles, 1995, S. 261)
Was die ” hippodamische Bauart“ im Einzelnem auszeichnet, sollte aus dem Abschnitt, der sich mit Milet befasst hat, deutlich geworden sein.
Kapitel 4
Stadtplanung im Alten Rom
Es ist unbestritten, dass die Stadtplanung im alten Rom sowohl von den Griechen als auch von den Etruskern beeinflusst worden ist. So kamen die drei Zivilisationen zum Teil zur selben Zeit in direkten Kontakt, wodurch es teilweise schwierig ist, die tats¨ achliche Bedeutung r¨ omischer Planung in die Stadtgeschichte einzuordnen. (Ownes, 1991, S. 95-96) Wie schon im antiken Griechenland boten erst die Kolonien die M¨ oglichkeit, neue St¨ adte zu gr¨ unden. Erstaunlicherweise spielten dabei auch religi¨ ose Rituale, die h¨ ochstwahrscheinlich aus dem Kontakt mit den Etruskern ¨ ubernommen wurden, eine wichtige Rolle. So mussten zum Beispiel die Instrumente der Landvermesser durch einen Priester geweiht worden sein, bevor die eigentliche Vermessung beginnen konnte. Bei der Anlage der neuen Siedlung wurde eine als Umriss dienende symbolische Furche, die sog. sulcus primigenius, gezogen. Dort, wo sp¨ ater die Tore der Siedlung vorgesehen waren, wurde der Pflug angehoben. Dieser Pflug musste dabei aus Bronze sein und von je einem m¨ annlichen und einem weiblichen Ochsen gezogen werden - genau so, wie dies aus der ¨ Uberlieferung von Romulus, einem der beiden Gr¨ under Roms, gesagt wird. Allerdings sollte klar sein, dass dieses Ritual keinerlei Einfluss auf den eigentlichen Plan der Stadt hatte oder auf die Wahl des Gebietes, auf dem die Siedlung entstehen sollte. Dies war n¨ amlich schon im Voraus festgelegt worden. Nichtsdestotrotz wurde die symbolische Absteckung der Stadtgrenze als wichtig erachtet, da das Innere gleichsam geheiligt wurde, weswegen es auch nicht gestattet war, in der Stadt die Toten zu begraben. (Ward-Perkins, 1974, S. 39)
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Stephan Göttlicher, 2005, Die Idee Philadelphia, München, GRIN Verlag GmbH
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