Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Luhmanns Systemtheoretischer Ansatz 3
2.1 Funktionale Differenzierung der Gesellschaft 3
2.2 Operative Geschlossenheit und die Autopoiesis sozialer Systeme 4
2.3 Mechanismus der strukturellen Kopplung 5
3. Strukturelle Kopplungen des politischen Systems 6
3.1 Fallbeispiel I: Funktionssystem Recht 6
3.2 Fallbeispiel II: Funktionssystem Wissenschaft 7
4. Schlussbetrachtung 8
5. Literaturverzeichnis 10
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1. Einleitung
Der vorliegende Essay befasst sich mit dem Thema der strukturellen Kopplung nach dem systemtheoretischen Ansatz des Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann, nach welchem die Herstellung und Darstellung kollektiver Entscheidungen im politischen System im Kontext der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft betrachtet und analysiert werden. Der Mehrwert dieses systemtheoretischen Ansatzes liegt vor allem darin, dass ihm kein Handlungsbegriff zu Grunde liegt, der lediglich an der Durchsetzung individueller oder kollektiver (Akteurs-) Präferenzen orientiert ist, sondern die These der Autopoiesis und der operativen Schließung sozialer Systeme, die jegliche Form von Fremdsteuerung obsolet werden lässt. Zu Beginn werde ich in kompakter Form einen Abriss über Luhmanns systemtheoretischen Ansatz geben, soweit es für diese Arbeit von Belangen ist. Dazu werde ich gleichsam in kurzer Form Luhmanns Konzept der funktionalen Ausdifferenzierung der modernen Gesellschaft vorstellen. Anschließend folgt ein Kapitel über die operative Geschlossenheit und Autopoiesis sozialer Systeme, da diese beiden Gegenstände untrennbar zusammengehen und in Luhmanns eigenen Worten auch als „twin concept“ (Brodocz 2003: 83, dort zitiert n. Luhmann 1991: 1432) bezeichnet werden. Sodann wird der eigentliche Gegenstand dieser Arbeit behandelt werden: Der Mechanismus der Strukturellen Kopplung. Da Luhmanns Konzeptionen im Großen und Ganzen sehr abstrakt und theoretisch ausgelegt sind, werde ich versuchen sein Konzept am praktischen Beispiel der strukturellen Kopplung des politischen Systems mit dem Funktionssystem Recht und Wissenschaft zu veranschaulichen. Die Arbeit schließt schlussendlich mit einer zusammenfassenden Schlussbetrachtung ab.
2. Luhmanns Systemtheoretischer Ansatz
2.1 Funktionale Differenzierung der Gesellschaft
Als Ergebnis der sozialen Revolution haben sich moderne und entwickelte Gesellschaften in Funktionssysteme 1 ausdifferenziert (vgl. Schneider 2002: 352). Luhmann definiert den Begriff der modernen Gesellschaft durch ihre Differenzierungsform, nämlich die funktionale Differenzierung. Diese funktionale Ausdifferenzierung der Teilsysteme der Gesellschaft
1 Luhmanns Konzeption umfasst gleichsam auch psychische Systeme. Aus Platzgründen beschränken wir uns an dieser Stelle nur auf soziale Systeme.
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„beruht auf einer operativen Schließung der Funktionssysteme unter Einschluß von Selbstreferenz“ (Luhmann 1997: 745). Dabei übernimmt jedes einzelne Teilsystem eine für sich bestimmte Funktion, die im Bezug auf ein Problem der Gesellschaft liegt und nicht im Selbstbezug (vgl. Luhmann 1997: 746). Das bedeutet im engeren Sinne, dass jedes Funktionssystem seine Funktion für sich monopolisiert und mit einer Umwelt rechnet, die in dieser Hinsicht unzuständig und inkompetent ist. Für das Funktionssystem Wissenschaft ist ihre Umwelt beispielsweise wissenschaftlich inkompetent, aber gerade nicht politisch oder wirtschaftlich inkompetent, weil dafür die Zuständigkeiten im engeren Sinne beim Funktionssystem Politik und Wirtschaft liegen. Hieran wird wiederholt deutlich, dass „jedes Funktionssystem für eine je besondere Funktion ausdifferenziert ist“ (Luhmann 1997: 746).
2.2 Operative Geschlossenheit und die Autopoiesis sozialer Systeme
Um nachvollziehen zu können, was Luhmann unter Struktureller Kopplung bezeichnet, ist es zunächst notwendig sich deutlich zu machen, was unter der operativen Geschlossenheit und der Autopoiesis 2 sozialer Systeme zu verstehen ist. Nach Luhmann arbeitet jedes ausdifferenzierte Funktionssystem nach einem eigenen, binären Code (z.B. Politik: Macht/Nicht-Macht; Wissenschaft: Wahr/Unwahr etc.). Alle Operationen im System können den einen oder anderen Code-Wert utilisieren (positiv oder negativ). Die Rekursivität auf den systemeigenen Code beim kommunikativen Selbsterhalt und der Reproduktion des Systems, ferner die „Reproduktion aus eigenen Produkten“ (Luhmann 1997: 833), markieren des weiteren den Aspekt der Autopoiesis des sozialen Systems 3 . Autopoiesis ist eine unerlässliche Bedingung für die Existenz eines jeden Funktionssystems und durch systeminterne, rekursive und fortlaufende Operationen wird der Selbsterhalt und die Anpassung an äußere Umweltbedingungen gesichert. Diese auf der Ebene der Operation selbstreferentielle Schließung des Systems bedeutet keinesfalls, dass das soziale System für externe Einflüsse aus der Umwelt geschlossen ist. Im Gegenteil: Die Umweltoffenheit operativ geschlossener Systeme wird
2 Der Begriff wurde ursprünglich von Humberto R. Maturana (siehe Maturana, Varela 1980) in Bezug auf biologische Zellen eingeführt und von Niklas Luhmann in die soziologische Systemtheorie überführt.
3 Die Vorstellung einer binären Codierung harmoniert mit der Theorie der autopoietischen Systeme insofern, als kein Ende vorgesehen ist [im Hinblick auf die Operationen im System, die den Selbsterhalt und die Reproduktion sichern] (vgl. Luhmann 2005: 264)
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Arbeit zitieren:
2010, Zum Mechanismus der strukturellen Kopplung nach N. Luhmann, München, GRIN Verlag GmbH
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