Zusammenfassung
Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Bewertung und der Analyse von
Content -Management-Systemen für deren Eignung im Bereich des Webpublishing.
Untersucht wurden die Content-Management-Systeme TYPO3, Microsoft Office SharePoint
Server 2007, Joomla und Drupal. In Anlehnung an den in dieser Arbeit beschriebenen
Content -Life-Cycle wurden 36 Kriterien entwickelt und zu einem Kriterienkatalog
zusammengefasst. Um ermitteln zu können, welche Anforderungen Unternehmen
heutzutage an ein Content-Management-System stellen, wurde eine Online-Umfrage
durchgef ührt, in der 54 Personen aus unterschiedlichen Unternehmensgrössen und Arten
gebeten wurden, die einzelnen Kriterien mit einer Gewichtung zu versehen. In einer
detaillierten Analyse wurden dann die definierten Content-Management-Systeme den
einzelnen Kriterien gegenübergestellt, bzw. der Grad der Erfüllung der einzelnen Kriterien
überprüft. Abschliessend wurde für jedes Content-Management-System eine SWOT-Analyse
erstellt , welche aus den Erkenntnissen der durchgeführten Analyse und der Online-Umfrage
die wichtigsten Stärken, Schwächen, Risiken und Chancen prägnant zusammenfasst. Das
abschliessende Fazit beinhaltet für jedes analysierte Content-Management-System eine
Empfehlung für dessen Einsatztauglichkeit in verschiedenen Betriebsgrössen im Bereich des
Webpublishing.
Abstract
This Bachelor’s thesis concerns respectively an evaluation and analysis of the pertinence of
Content Management Systems to web publishing. The following Content Management
Systems were researched: TYPO3, Microsoft Office SharePoint Server 2007, Joomla and
Drupal. As an allusion to the content life cycles described in this paper, 36 criteria were
deduced and summarised in a list of criteria. In order to identify the current CMS
requirements of companies, an online survey was conducted, in which 54 people from
companies of different sizes and types were invited to award a weighting to the individual
criteria. Next, the defined Content Management Systems were compared with the individual
criteria in a detailed analysis, before the degree to which they fulfilled these individual criteria
was examined. Finally, a SWOT analysis was performed for each Content Management
System. This concisely summarised the most important strengths, weaknesses, risks and
opportunities based on the information gleaned from the conducted online survey and
analysis. In the final conclusion, a recommendation is provided regarding the pertinence of
each analysed Content Management System for different enterprise sizes in relation to web
publishing.
II
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung. II
Abstract II
Abk ürzungsverzeichnis V
1 Einleitung 1
1.1 Ausgangslage 1
1.2 Motivation und Zielsetzung 1
1.3 Aufbau der Arbeit 2
2 Das Content-Management-Umfeld 4
2.1 Hintergrund und heutiger Stand der Content-Management-Systeme 5
2.2 Content-Management-Systeme in verschiedenen Anwendungsfeldern 6
2.3 Gestaltungsprinzipien des Content-Managements 7
2.4 Prozess des Content-Managements 9
2.4.1 Content-Life-Cycle 10
2.5 Zentrale Funktionen von Content-Management-Systemen 12
2.6 Arten von Content-Management-Systemen 14
2.7 Web-Content-Management-Systeme 16
2.7.1 Aufbau von Web-Content-Management-Systemen 16
2.7.2 Vorteile von Web-Content-Management-Systemen 19
2.7.3 Nachteile von Web-Content-Management-Systemen 20
3 Gewichteter Kriterienkatalog nach Fokusgruppen 21
3.1 Mögliche Einsatzszenarien 21
3.2 Bereichskriterien 21
3.2.1 Erstellung 21
3.2.2 Kontrolle 22
3.2.3 Freigabe 23
3.2.4 Publikation 23
3.2.5 Terminierung und Archivierung 23
3.3 Aufbau und Inhalt des Fragebogens 24
3.4 Zielsetzung der Umfrage 26
3.5 Definition und Klassifikation der Fokusgruppen 26
3.6 Ergebnisse der Online Umfrage 27
3.7 Gewichtete Kriterien und Analyse 30
3.7.1 Erstellung 31
3.7.2 Kontrolle 37
3.7.3 Freigabe 41
III
3.7.4 Publikation 43
3.7.5 Terminierung und Archivierung 49
3.8 Gegenüberstellungsmatrix 50
4 Analysierte Content-Management-Systeme 51
4.1 Abgrenzung 51
4.2 Open Source CMS 51
4.2.1 Definition und Begriffsabgrenzung 51
4.2.2 Allgemeine Vor- und Nachteile 52
4.3 Closed Source CMS 53
4.3.1 Definition und Begriffsabgrenzung 53
4.3.2 Allgemeine Vor- und Nachteile 54
4.4 Das CMS-System TYPO3 55
4.4.1 Vorstellung des Systems 55
4.4.2 Technologie-Architektur TYPO3 55
4.4.3 Eignung für den Webpublishing Einsatz 58
4.5 Das CMS-System Microsoft Office SharePoint Server 2007 60
4.5.1 Vorstellung des Systems 60
4.5.2 Technologie-Architektur Microsoft Office SharePoint Server 2007 60
4.5.3 Eignung für den Webpublishing Einsatz 62
4.6 Das CMS-System Joomla 64
4.6.1 Vorstellung des Systems 64
4.6.2 Technologie-Architektur Joomla 65
4.6.3 Eignung für den Webpublishing Einsatz 67
4.7 Das CMS-System Drupal 69
4.7.1 Vorstellung des Systems 69
4.7.2 Technologie-Architektur Drupal 70
4.7.3 Eignung für den Webpublishing Einsatz 72
4.8 Positionierungs-Übersicht am Markt 74
5 Fazit und Ausblick 75
5.1 Fazit 75
5.2 Ausblick 78
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Literaturverzeichnis VIII
Anhang XV
IV
Abkürzungsverzeichnis
AD AJAX API ASP bzw. CMS CSS13 CSV DAM DHTML FTP GPL General Public License
HTML i. d. R. JSP LAMP LDAP MOSS 2007
PDA’s PHP resp. RSS SMS SQL TER usw. URL Uniform Resource Locator v. Chr. vor Christus
uvm. WAP WCMS WYSIWIG XML z.B.
V
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
Die Auswahl an Content-Management-Systemen ist breit gefächert. Vorerhebungen
zu dieser Bachelorthesis ergaben eine Zahl von über 1200 1 Content-Management-System-
L ösungen, welche allein im Europäischen Raum zur Verfügung stehen.
Dass für den Einsatz resp. die Auswahl von Content-Management-Systemen im Bereich des
Webpublishing bisher keine verbindlichen Richtlinien existieren, macht die Auswahl einer
sinnvollen Lösung nicht leichter.
Erschwerend kommt hinzu, dass selbst die Hersteller der Content-Management-Systeme
den Auswahlprozess unnötig verkomplizieren. Denn aufgrund der hart umkämpften
Marktsituation im Bereich des Webpublishing werden oft reine Differenzierungsstrategien zur
weiteren , besseren Produktabgrenzung verfolgt.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass Entscheidungsträger unterschiedlicher
Unternehmensgr össen anhand der herrschenden Vielfalt und Komplexität bei
Entscheidungen schlichtweg überfordert sind, welches Content-Management-System 2 am
ehesten ihren Bedürfnissen entspricht.
1.2 Motivation und Zielsetzung
Zu Beginn des Internetbooms waren Webseiten ein Medium für die Präsentation statischer
Inhalte zur Informationsgewinnung. Heute verlangen die verschiedenen Anspruchsgruppen
innerhalb und ausserhalb von Unternehmen dynamische Intra-, Extra- und Internet-Auftritte
mit einem hohen Aktualitätsgrad der angebotenen Informationen.
Vor diesem Hintergrund sind Webmaster 3 ohne entsprechende Hilfsmittel zunehmend
überlastet. Um dem entgegenzuwirken, setzen viele Unternehmen vermehrt Content-
Management -Systeme ein.
1 Quelle: www.contentmanager.de, Stand: 28.12.2009
2 Content-Management-System wird im Folgenden auch als CMS bezeichnet.
3 „Webmaster befassen sich mit der Planung, grafischen Gestaltung, Entwicklung, Wartung,
Vermarktung und Administration von Websites und -anwendungen im Internet oder im Intranet einer
Organisation “ Wik098
1
Mit ihrer Hilfe kann die Administration und Verwaltung von zu publizierenden Inhalten
automatisiert , besser gestaltet und mit mehr Aktualität versehen werden. In den meisten
mittelst ändigen und grossen Unternehmen, ist die wirtschaftliche Nutzung und Bereitstellung
von Informationen mit Hilfe von Content-Management-Systemen bereits heute ein wichtiger
Bestandteil ihrer E-Business-Strategie.
Ziel der hier vorliegenden Bachelorthesis ist es, zunächst einen allgemein gültigen
Anforderungskatalog für die Auswahl und Bewertung von Content-Management-Systemen
herzuleiten. Die Gewichtung der einzelnen Kriterien in Form von MUSS und KANN wird über
eine durchgeführte Online-Umfrage ermöglicht.
Vier bekannte Content-Management-Systeme - namentlich TYPO3, Microsoft Office
Sharepoint Server 2007 4 , Joomla und Drupal - werden anhand der zuvor definierten und
gewichteten Kriterien unter Verwendung der vergleichenden Methode detailliert analysiert
und mittels einer SWOT-Analyse auf deren Einsatztauglichkeit im Bereich Webpublishing
bewertet. Abschliessend wird eine Empfehlung abgegeben, für welche - in dieser Arbeit
definierte - Unternehmensgrösse, sich welches der analysierten Content-Management-
Systeme am ehesten eignet.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Bachelorthesis gliedert sich in vier wesentliche Hauptabschnitte.
Im ersten Abschnitt, in Kapitel 2, werden die Grundlagen geschaffen um im weiteren Verlauf
der Arbeit die Kriterien für die Bewertung von Content-Management-Systemen ableiten zu
k önnen. Zunächst wird näher auf das Umfeld des Content-Managements und die damit
verbundenen Gestaltungsprinzipien und Prozesse eingegangen. Des weiteren werden
allgemein die möglichen Arten von Content-Management-Systemen vorgestellt und im Detail
auf Web-Content-Management-Systeme eingegangen.
Im zweiten Abschnitt, in Kapitel 3, werden die in Anlehnung an den Content-Life-Cycle
hergeleiteten Kriterien zur Bewertung der in dieser Arbeit analysierten Content-Management-
Systeme herangezogen. Mittels einer durchgeführten Online-Umfrage wurden die definierten
Kriterien gewichtet. Auf den hierfür verwendeten Fragebogen und die daraus resultierenden
Ergebnisse wird im Detail eingegangen. Den Abschluss des Kapitels bildet die
4 Microsoft Office SharePoint Server 2007 wird im Folgenden auch als MOSS 2007 bezeichnet.
2
Gegenüberstellung der gewichteten Kriterien in tabellarischer Form für jedes Content-
Management -System.
Im dritten Abschnitt, in Kapitel 4, werden die einzelnen Content-Management-Systeme -
namentlich TYPO3, Microsoft Office SharePoint Server 2007, Joomla und Drupal - im
Einzelnen detailliert vorgestellt. Pro Content-Management-System wird eine SWOT-Analyse
durchgef ührt, welche sich auf die Analyse des vorhergehenden Kapitels stützt und die
Eignung des jeweiligen Systems im Bereich des Webpublishing wiedergibt. Eine Übersicht,
wie die Systeme aktuell am Markt positioniert sind, bildet den Abschluss des Kapitels.
Im letzten Abschnitt, in Kapitel 5, wird pro analysiertem Content-Management-System eine
Empfehlung abgegeben, für welche der in dieser Arbeit untersuchten Unternehmensgrösse
(klein, mittel und gross), sich dessen Einsatz eignet.
3
2 Das Content-Management-Umfeld
In der einschlägigen Literatur finden sich zahlreiche, unterschiedliche Betrachtungsweisen
und Definitionen, die den Begriff des „Content-Managements“ zu erklären versuchen.
Rothfuss und Ried definieren Content-Management als „systematische und strukturierte
Beschaffung , Erzeugung, Aufbereitung, Verwaltung, Präsentation, Verarbeitung, Publikation
und Wiederverwendung“ Eis02 von Informationsinhalten (Content 5 )
Historisch betrachtet wurden Inhalte schon lange vor Christi Geburt verarbeitet, erzeugt,
verwaltet, aufbereitet, publiziert und wiederverwendet. Beispielsweise setzten die Ägypter
bereits 1866 v. Chr. Papyrusrollen für die Erzeugung, Präsentation und Publikation von
„Inhalten“ ein. Die Verwaltung und Wiederverwendung erfolgte bereits damals in Form von
Sammlungen - den ersten Bibliotheken der Welt, deren berühmteste sich in Alexandria
befand Vgl. Wik1
Im Jahr 1990, als das 1969 entstandene und zur Vernetzung von Universitäten und
Forschungseinrichtungen genutzte ARPANet abgeschaltet wurde, begann der Siegeszug
des uns heute bekannten Internets Vgl. Wik099 Heute - 20 Jahre später - ist das Internet
nicht mehr aus unserer Welt wegzudenken. Neueste Schätzungen gehen davon aus, dass
die Zahl der Internet-Anwender bei über 500 Millionen weltweit liegt und die Zahl der
registrierten Domains schätzungsweise 45 Millionen beträgt Vgl. Dom09
Ähnlich wie bei den registrierten Domains und den Anwendern verhält es sich auch mit den
Inhalten. Täglich steigt die Menge an Inhalten und Informationen im Internet. Damals, in den
90iger Jahren, wurden Lösungen gesucht, Inhalte schneller, effizienter und kostensparender
zu managen - man fand sie in Content-Management-Systemen.
5 "Unter Content ist der Inhalt zu verstehen, der aus Sicht des Anwenders auf einer Webseite
verfügbar ist. Dabei kann es sich um verschiedene Arten von Informationen handeln." Gad05
4
2.1 Hintergrund und heutiger Stand der Content-Management-Systeme
Betrachtet man die Geschichte von Content-Management-Systemen, so lässt sich diese
vereinfacht in drei Generationen unterteilen. Die Menge der zu verwaltenden Informationen
auf der Anwenderseite wuchs über die Jahre zunächst kontinuierlich, dann aber
explosionsartig an. Mit neuen Lösungen und Wegen sollte die vorherrschende
Informationsflut bewältigt werden. Die uns heute bekannten Formen von Content-
Management -Systemen entstanden aus praktischen Bedürfnissen der Anwender und haben
ihren Ursprung meist in individuellen Projektlösungen Vgl. Zsc02 Durch neue
Anforderungen seitens der Anwender, aber auch den stetigen Ausbau und die
Weiterentwicklung seitens der Hersteller, gelangten über die Jahre immer neue und
innovativere Systeme auf den Markt. So entstanden aus anfänglichen "Behelfslösungen"
ausgereifte Content-Management-Systeme.
Die erste Generation
Die erste Generation von CMS speicherte Inhalte bereits in Datenbanken um sie persistent 6
zu machen. Aus den Datenbank-Inhalten wurden in einem zweiten Schritt dann dynamisch
HTML -Dokumente generiert. Ebenfalls vertreten waren bereits Systeme, die HTML-
Dokumente über eine Art Dokumentenmanagement für Webseiten verwalten konnten. Somit
war es erstmalig auch für Nicht-Informatiker möglich, Inhalte zu bearbeiten, zu erstellen und
zu pflegen. Workflows 7 kamen bei den Systemen der ersten Generation noch nicht zum
Einsatz , resp. waren noch nicht in diese integriert. Dem Zugriffsschutz der erfassten Inhalte
wurde aber damals noch keine Aufmerksamkeit gewidmet. Dieser wurde meist mit den,
durch den Webserver bereitgestellten Funktionalitäten, verwirklicht Vgl. Zsc02
Die zweite Generation
In der zweiten Generation von CMS fand bereits eine konsequente Trennung von
Darstellung und Inhalten statt. Inhaltsobjekte konnten mit Metadaten versehen,
Publikationszeitr äume definiert und Navigationen automatisiert werden. Die angebotenen
Workflow -Funktionalitäten waren noch unausgereift und unflexibel, jedoch konnten bereits
Publishingprozesse auf inhaltsreicheren Webseiten überwacht und gesteuert werden. Für die
Suche nach den mittels CMS erstellten Inhalten war weiterhin die Volltextsuche dominierend.
Die Dynamisierung und Personalisierung von Inhalten gewinnt an Bedeutung, jedoch stehen
zu diesem Zeitpunkt nur rudimentäre Lösungen zur Verfügung Vgl. Zsc02
6 dauerhafte Speicherung von Daten über die Ausführungszeit von Programmen hinaus.
7 übersetzt: Arbeitsablauf - eine vordefinierte Abfolge von Aktivitäten
5
Die dritte Generation
Heutige CMS sind der dritten Generation zuzuordnen. Sie verfügen nun über Schnittstellen,
welche es ermöglichen, sie in vorhandene IT-Strukturen zu integrieren. Auch bereits
bestehende , programmierte Komponenten lassen sich nunmehr in das Content-
Management -System integrieren. Alle erstellten Inhalte können nun individuell berechtigt und
f ür einzelne Benutzer oder festgelegte Benutzergruppen personalisiert werden. Die in der
zweiten Generation noch unausgereiften Workflow-Funktionalitäten sind durch frei
definierbare , auf die Bedürfnisse des Kunden anpassbare Workflow-Prozess-Engines ersetzt
worden Vgl. Zsc02
2.2 Content-Management-Systeme in verschiedenen
Anwendungsfeldern
Das Internet als schier unerschöpfliche Quelle von Information, Wissen, angebotenen
Services und Dienstleistungen aller Art, ist zu einem festen Bestandteil unserer heutigen
8 geworden. Ein Internet-Auftritt lebt von seinen Inhalten und
Informationsgesellschaft
definiert sich über den Grad von deren Aktualität. Für die Erschliessung neuer Märkte, die
Generierung neuer Aufträge, oder die Bewerbung neuer Dienstleistungen und Produkte sind
Webseiten nunmehr ein wichtiges, strategisches Kommunikations- und Marketingmittel
geworden.
Die Unternehmen sind sich der Wichtigkeit und Bedeutung von qualitativ hochwertigen und
aktuellen Informationen in der Zusammenarbeit mit ihren Kunden, Händlern und Partnern
bewusst geworden. Durch den Einsatz eines CMS sind die Unternehmen in der Lage,
Änderungen an bestehenden Inhalten flexibel, schnell und kontrolliert durchzuführen oder
den bestehenden Webauftritt inhaltlich zu erweitern.
CMS sind aber auch in anderen Anwendungsgebieten nutzbringend einsetzbar.
Beispielsweise im Bereich des Wissensmanagements helfen CMS den Unternehmen bei der
Sammlung , Bewertung und Aufbereitung von Wissen, welches „ungenutzt“ vorliegt. Die
Auffindung und Wiederverwendung von Information steht hier im Vordergrund.
8 auf Informations- und Kommunikationstechnologien basierende Gesellschaft - Informations- und
Kommunikationstechnologien in diesem Zusammenhang sind z.B. Email, Internet, Mobiltelefone, usw.
6
2.3 Gestaltungsprinzipien des Content-Managements
In diesem Kapitel werden die in Abbildung 1 dargestellten Gestaltungsprinzipien des
Content -Managements nun detaillierter beschrieben und gezeigt.
Abbildung 1: Gestaltungsprinzipien des Content-Managements
Quelle : Dissertation, Wilhelm, Stephan Vgl. Wil06
Contentorientierung
Stephan Wilhelm, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft
und Organisation IAO, definiert Content-Management wie folgt: „Content Management ist
Handling digitaler Informationen in allen Prozessen bzw. Prozessschritten von der
Entstehung bis zur Distribution und Verwendung. Planung, Steuerung und Produktion von
digitalen Inhalten und Inhaltselementen erfolgt dabei in der Form, dass eine bedarfs- und
benutzergerechte Aufbereitung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen für
unterschiedliche Medien erfolgen kann“ Con01
In seiner Definition schlägt sich die wichtige Erkenntnis nieder, dass zur erfolgreichen
Content 9 -Erstellung, Bearbeitung und Wiederverwendung ein Umdenken seitens des
Content -Bereitstellers (z.B. Redakteur, Mitarbeiter, Verfasser eines Dokuments / Artikels)
9 "Unter Content ist der Inhalt zu verstehen, der aus Sicht des Anwenders auf einer Webseite
verfügbar ist. Dabei kann es sich um verschiedene Arten von Informationen handeln" Gad05
7
erfolgen muss. Selbst das technisch ausgereifteste System kann Inhalte nicht sinnvoll
weiterverarbeiten, wenn diese nicht contentorientiert erstellt worden sind [Vgl. Ber02].
Content kann als Summe von drei erforderlichen Einzelinformationen angesehen werden
Vgl. Ber02 Diese sind: Struktur, Darstellungsform und Inhalt. Die getrennte Verarbeitung
und Speicherung dieser Einzelinformationen wird als Contentorientierung angesehen. Sie
wiederum bildet die Grundlage für eine erfolgreiche, formatneutrale Datenhaltung.
Formatneutrale Datenhaltung
Die Grundidee der formatneutralen Datenhaltung besteht darin, Inhalte so abzuspeichern,
dass diese ohne nochmalige Anpassungen in verschiedenen Ausgabemedien dargestellt
werden können Vgl. Wir03 Dies geschieht, wie in der Contentorientierung bereits
ausgef ührt, durch die Trennung der Inhalte von ihrer Darstellungsform. In heutigen Systemen
wird die Trennung von Inhalt und Layout weitestgehend durch den Einsatz der eXtensible
Markup Language 10 bewerkstelligt. Die eXtensible Markup Language 11 liefert semantische
Inhaltsinformationen, die für unterschiedliche Medien aufbereitet werden können. Im
Unterschied zu HTML enthält XML keine Darstellungsangaben in Form von CSS 13 , sondern
lediglich den Inhalt.
Templating
Im Sinne der Gestaltungsprinzipien bietet Templating die Möglichkeit, gespeicherte Inhalte
pr äsentationsneutral, somit getrennt von Layout und Design, zu verwalten und auf
verschiedenen Ausgabemedien wiederzugeben Vgl. Chr03 Über sogenannte Templates 12
werden die Anordnung und Darstellung der Inhaltselemente auf der Webseite definiert Vgl.
Bae04 Durch den zusätzlichen Einsatz von Formatvorlagen, den sogenannten CSS 13 ,
k önnen fixe Vorgaben wie z.B. Schriftgösse, Schriftfarben usw. definiert werden Vgl.
Wik091
10 "Standard zur Erstellung maschinen- und menschenlesbarer Dokumente in Form einer
Baumstruktur. XML definiert dabei die Regeln für den Aufbau solcher Dokumente" Pix09
11 im Folgenden als XML bezeichnet
12 zu Deutsch Vorlagen, Schablonen
13 Cascading Style Sheets stellt eine Formatierungssprache für Webseiten dar
8
2.4 Prozess des Content-Managements
Der Prozess des Content-Managements kann als systematische, rechnergestützte
Erstellung , Aufbereitung und Aktualisierung, Speicherung, Archivierung und
Wiederverwendung sowie Publikation von Web-Inhalten verstanden werden Vgl. Geb04
Der traditionelle Content-Prozess besteht gesamthaft aus sechs aufeinander aufbauenden
Phasen. Diese sind: die Erzeugung des Contents (Contentgenerierung), das Formen der
erzeugten Contents (Contentorganisation), die Bearbeitung des Contents
(Contentaufbereitung), die Publikation des Contents (Contentdistribution), die Darstellung
des Contents beim Endanwender (Contentnutzung) und die abschliessende Löschung /
Archivierung des Contents (Contentreduzierung) Vgl. Gün09
Abbildung 2: Prozess des Content-Managements
Quelle : Eigene Darstellung in Anlehnung an Lohr Deppe Vgl. Loh01
Moderne CMS orientieren sich an dem hier aufgezeigten Prozess und versuchen, ihn
weitestgehend in ihrer Architektur abzubilden. Als Orientierungshilfe dient ihnen das Modell
des sogenannten Content-Life-Cycle, welches im nächsten Abschnitt näher beschrieben
wird.
9
2.4.1 Content-Life-Cycle
Der Content-Life-Cycle stellt ein stark vereinfachtes Prozessmodell dar. Seine einzelnen
Phasen zeigen die wiederkehrenden Schritte, die ein Inhalt - welcher auf einer Webseite
publiziert wird - während seiner Lebenszeit durchlaufen muss.
Die einzelnen Prozess-Schritte erstrecken sich von der Erstellung des Inhaltes über dessen
Kontrolle und Freigabe bis hin zur Publikation auf dem gewählten, webbasierten
Publikations -Medium (Internet, Intranet, Extranet) samt abschliessender Archivierung Vgl.
Win04 Hip041 Zsc00 Abt08
Auf die einzelnen Phasen des Prozesses wird im Anschluss noch genauer eingegangen.
Im Gegensatz zum Content-Prozess, welcher im Kapitel 2.4 erläutert wurde, wird die Phase
der Contentnutzung durch den Endanwender im Prozessmodell des Content-Life-Cycle nicht
ber ücksichtigt. Das Prozessmodell des Content-Life-Cycle wird heute als Referenzmodell für
das gesamte Content-Management angesehen Vgl. Keu03
Abbildung 3: Der Content-Life-Cycle
Quelle : Eigene Darstellung in Anlehnung an Zschau Vgl. Zsc00
10
Erstellung
In dieser Phase des Content-Life-Cycle erstellen Autoren oder Benutzer die Inhalte aus
verschiedenen Medienformaten - beispielsweise Texte, Bilder, Musik, Videos, usw. - aus
denen die zukünftig im Web publizierte Seite bestehen soll Vgl. Zsc00 Content, in diesem
Zusammenhang , bezeichnet die Gesamtheit aller verwendeten Medienformate, welche in
einer weiteren Phase des Prozesses - der Publizierung - eine Einheit bilden.
Kontrolle
In der zweiten Phase folgt die Qualitätssicherung der erstellten Inhalte (Contents) mittels
einer Kontrolle, durch gegebenenfalls einen zweiten Autor oder Mitarbeiter der betroffenen
Fachabteilung. Die heute eingesetzten CMS bieten für diese Aufgabe bereits eine integrierte
Workflow -Komponente an in Form von z.B. Genehmigungsworkflows Vgl. Chr031
W ährend des gesamten Kontroll- und Freigabeprozesses liegt es in der Verantwortung des
eingesetzten CMS, dass die für den Internet-Auftritt bestimmten Inhalte, nicht durch Dritte
verfälscht oder irrtümlich geändert werden können. Zudem muss sichergestellt sein, dass die
erfassten Inhalte (Contents) erst zum Zeitpunkt der Freigabe öffentlich erreichbar und
einsehbar sind und nicht schon vorgängig, beispielsweise über die Suche, gefunden werden
k önnen.
Freigabe
Werden in der zweiten Phase keine inhaltlichen Verstösse, formmässige Mängel oder
Fehler , welche zur Minderung der Qualität führen, festgestellt, erfolgt die Freigabe des
gepr üften Inhalts (Content) durch einen berechtigen Autor oder Benutzer Vgl. Chr031
Erf üllt der Content die gewünschten Anforderungen nicht, wird er an den zuständigen Autor
oder Benutzer zurückgewiesen und der Zyklus beginnt wieder von vorne.
Publikation
Die Publikation stellt den Übergang von der internen Verarbeitung zur externen
Veröffentlichung dar. Durch die Freigabe in der vorhergehenden Phase, werden die Inhalte
(Contents) auf dem, für die Publikation vorgesehenen Web-Medium (Internet, Extranet oder
Intranet) publiziert und somit für alle Nutzer der Information sichtbar gemacht Vgl. Zsc00
Terminierung und Archivierung
Die erstellten Inhalte (Contents) können je nach Informationstyp (aktuelle Meldungen,
Dokumente , usw.) veralten. CMS bieten in diesem Bereich einen zusätzlichen Nutzen in
Form der terminierten Veröffentlichung. Der Autor oder Benutzer kann festlegen, ob seine
Inhalte (Contents) somit erst zu einen bestimmten Datum veröffentlicht, entfernt oder
11
archiviert werden sollen. Die Terminierung des Inhalts (Contents) geschieht bereits in der
ersten Phase durch den Autor oder Benutzer selbst.
Im Content-Life-Cycle-Modell kann die Archivierung intern oder extern bzw. öffentlich
stattfinden Vgl. Zsc00 Bei einer internen Nutzung können die erstellten Content-Inhalte bei
Bedarf erneut wiederverwendet, oder in überarbeiteter Form neu publiziert werden. Die
externe Archivierung (z.B. digitales Zeitungsarchiv) kann einen zusätzlichen Nutzwert für die
Besucher der Webseite darstellen. Gleichgültig, welche Variante schlussendlich eingesetzt
wird , entscheidend ist, dass publizierte Inhalte (Contents) nach Ablauf ihrer Lebensdauer
archiviert werden sollen. Um zu vermeiden, dass bei der Archivierung von Content-Inhalten
tote Links innerhalb des Webauftritts entstehen, verfügen die heutigen CMS meist über
interne Kontrollmechanismen. Diese prüfen nach erfolgter Archivierung (oder auch
L öschung) ob die internen Verlinkungen noch konsistent sind. Falls Inkonsistenzen entdeckt
werden , führen sie die notwendigen Korrekturen am Content-Bestand selbständig durch oder
informieren die betroffenen Autoren oder Benutzer, welche dann die Korrekturen durchführen
k önnen.
2.5 Zentrale Funktionen von Content-Management-Systemen
Bei eingehender Beschäftigung mit der Literatur zu Content-Management-Systemen
kristallisieren sich die zwei wohl zentralsten Funktionen eines fast jeden CMS heraus. Dies
sind die Trennung von Inhalt, Struktur und Layout sowie die zentralisierte Speicherung der
Inhalte.
Trennung von Inhalt, Struktur und Layout
Die Trennung von Inhalt, Struktur und Layout wird folgerichtig als zentrale Funktion
angesehen , da durch sie erst eine contentorientierte Arbeitsweise (siehe 2.3
Contentorientierung) ermöglicht wird. Zudem bildet sie die Grundlage zur Wiederverwendung
und Aufbereitung der erfassten Inhalte, für unterschiedliche Ausgabemedien unter
Vermeidung redundanter Nachbearbeitung. Anordnung und Darstellung der erfassten Inhalte
werden über Vorlagen - die Templates - definiert und gesteuert.
Die Funktionsweise von Templates soll anhand einer Grafik kurz veranschaulicht werden.
12
Der Einsatz von Templates schränkt den Anwender zwar in seinen individuellen Freiheiten zur Veränderung der Inhaltspräsentation ein, jedoch wird damit eine einheitliche Informations- und Darstellungsstruktur garantiert, welche unerlässlich ist, wenn mehr als eine Person an einem Internet-Auftritt mitwirkt.
Zentralisierte Datenhaltung
Für die zentralisierte Speicherung der Inhalte stehen hauptsächlich zwei Methoden zur Verfügung: die Ablage der einzelnen Inhalte auf dem File-System des Webservers in Form von Ordnerstrukturen und Dateien oder die Nutzung von Datenbanken. Der grösste Unterschied zwischen beiden Methoden liegt in der Art, wie die gespeicherten Inhalte verarbeitet und wiederverwendet werden. Inhalte, welche auf dem File-System abgelegt werden, liegen meist in unstrukturierter Form vor, während Inhalte in einer Datenbank in strukturierter Form vorliegen.
Ein weiterer Vorteil, der sich durch den Einsatz einer zentralisierten Datenhaltung ergibt, ist die Vermeidung von Redundanzen in der Datenhaltung und die schnellere Wiederauffindbarkeit bereits erfasster Inhalte. Zudem bieten datenbankbasierte CMS die Möglichkeit, nebst der verfügbaren Volltextsuche auch über zusätzlich erfasste und dem Inhalt zugeordnete Metadaten 14 zu suchen. In der Praxis existieren noch weitere Mischformen der oben genannten Ausprägungen, wie z.B. XML-basierte oder
14 Daten, die Informationen über andere Daten enthalten - z.B. Autorname, Erstellungsdatum, Schlüsselwörter, usw.
13
objektorientierte Datenbanken. Objektorientierte Datenbanken konnten sich bisher jedoch
noch nicht richtig auf dem Markt etablieren.
2.6 Arten von Content-Management-Systemen
Allgemein können CMS funktionell in zwei Arten oder Ausprägungen unterschieden werden,
auf die anschliessend näher eingegangen wird Vgl. Böh081
Serverseitige Content-Management-Systeme
Serverseitige CMS ermöglichen eine vom Standort unabhängige Verwaltung der Inhalte über
das Internet unter Verwendung eines Browsers. Der Vorteil: mehrere Autoren oder Benutzer
k önnen somit orts- und zeitungebunden die Webseite und deren Contents verwalten. Für die
hier beschriebenen Funktionalitäten setzen serverseitige CMS jedoch zwingend eine
serverseitige Programmiersprache (z.B. ASP.NET / PHP / usw.) in Verbindung mit einer
Datenbank (z.B. MS-SQL, MySQL, Access) voraus. Ihr Einsatzspektrum erstreckt sich von
kleinen bis sehr umfangreichen Webauftritten Vgl. Wik094 Beispiele für dynamische
serverseitige CMS sind TYPO3 und Joomla
Clientseitige Content-Management-Systeme
Clientseitige CMS werden meist mit Hilfe einer lokal auf dem Rechner des Autors oder
Benutzers installierten Software verwaltet und gesteuert. Der bidirektionale Abgleich der
lokal geänderten Inhalte (Contents) und der Webseite, geschieht meist durch den Einsatz
eines integrierten FTP-Programms. Eine flexible, dezentralisierte, unabhängige Verwaltung -
wie bei den serverseitigen CMS - ist nicht möglich, da alle Dateien, die im Zusammenhang
mit der Webseite stehen, lokal auf dem Rechner verwaltet werden. Vorteile von clientseitigen
CMS sind z.B. die deutlich schnellere Bearbeitung von grossen Medienformaten (z.B. Video,
Audio) - da diese beim Autor oder Benutzer lokal bearbeitet werden - und die zumeist
umfangreicheren Layout- und Designfunktionen in Form eigener Seitentypen und Vorlagen
Vgl. Wik094 Beispiele für statische Clientseitige CMS sind Adobe Creative Suite 15 und
Namo WebEditor 8 16
Nat ürlich finden sich in der Praxis auch Mischformen der beiden soeben genannten CMS-
Auspr ägungen, auf die an dieser Stelle aber nicht weiter eingegangen wird, da es den
Umfang der Arbeit sprengen würde.
15 Webseite-Produkt: http://www.adobe.com/products/creativesuite/
16 Webseite-Produkt: http://www.namo.com
14
Um diese simple Artenunterscheidung noch etwas zu verfeinern, wird eine zusätzliche
Kategorisierung vorgenommen und zwar nach der Form, wie die gespeicherten Content-
Inhalte an den Besucher der Webseite ausgegeben werden.
Volldynamische CMS
Die publizierten Inhalte (Contents) werden in Form von Webseiten bei jedem
browserbasierten Aufruf, neu aus einer Datenbank generiert und dann an den Browser
ausgeliefert. Sie zeichnen sich durch eine höhere Flexibilität in der Interaktion mit den
Inhalten auf der Webseite aus. Beim Einsatz volldynamischer CMS ist darauf zu achten,
dass eine leistungsstarke Infrastruktur bereitgestellt werden muss, um diese performant
betreiben zu können.
Statische CMS
Die publizierten Inhalte (Contents) werden in festgelegten Abständen automatisiert
(Workflow) oder durch menschliche Interaktion (Autor oder Benutzer startet Generierungs-
prozess) aus einer Datenbank ausgelesen und in statische Webseiten umgewandelt. Nach
der Umwandlung, werden die statischen Webseiten auf ein festgelegtes Zielsystem (Intranet,
Extranet , Internet) publiziert. Statische CMS zeichnen sich vor allem durch eine höhere
Performance und Verfügbarkeit aus. Die Flexibilität in der Interaktion mit bereits
bestehenden Inhalten auf der Webseite ist jedoch beeinträchtigt, da Korrekturen und
Erweiterungen erst nach einem Generierungsprozess freigegeben werden können und damit
das zeitnahe Aufschalten der Inhalte beeinträchtigt würde.
15
2.7 Web-Content-Management-Systeme
Derzeit wird in der Fachliteratur zunehmend der Begriff des Content-Managements
gleichgesetzt mit den Begriffen Portal-System, Enterprise-Content-Management-System
oder Web-Content-Management-System. Dabei handelt es sich zunächst um einen
Oberbegriff. In Wirklichkeit kann das Web-Content-Management als eine Untergruppe des
Content -Managements oder als eine Komponente im Enterprise-Content-Management
verstanden werden.
Winland und Schellhase definieren Web-Content-Management wie folgt: „Content
Management , das sich primär auf Web Content beschränkt, d.h. auf Daten, Informationen,
Dokumente , die direkt oder indirekt zur Erzeugung von HTML-Seiten dienen bzw. durch
HTML -Seiten referenziert oder eingebunden werden, wird auch als Web Content
Management bezeichnet“ Win00
In Anlehnung an die Definition von Winland und Schellhase wird in dieser Arbeit im
Folgenden der Begriff des Content-Managements-Systems dem Begriff des Web-Content-
Management -Systems 17 gleichgesetzt.
2.7.1 Aufbau von Web-Content-Management-Systemen
Wie schon im Kapitel 2.4 dieser Arbeit erläutert, versuchen die heutigen WCMS den
Content -Life-Cycle mit ihrem Funktionsumfang weitestgehend in ihrer Architektur abzubilden.
Das Ziel jedes modernen WCMS ist es, durch seine bereitgestellten Komponenten den
Content -Life-Cycle weitestgehend zu automatisieren und zu unterstützen.
Ein Zusammenzug aus mehreren Fachbüchern zum Thema Web-Content-Management-
Systeme ergab folgende Auflistung von Basiskomponenten, welche als zentraler Bestandteil
eines WCMS angesehen werden können: Vgl. Jab02 Zsc03 Bäc07
Assetmanagement
Das Assetmanagement wird als zentrale Komponente eines WCMS angesehen Vgl. Sch07
Es umfasst alle Funktionen, die benötigt werden, um Inhalte auf einer Webseite publizieren,
strukturieren und veröffentlichen zu können. Das Assetmanagement speichert die erstellten
17 im Folgenden auch als WCMS bezeichnet.
16
Inhalte 18 verschiedener Medienformate - Texte, Bilder, Audio, Video - und die für den Inhalt
vorgesehenen Darstellungsinformationen (in Form von Templates) getrennt voneinander ab.
Durch die Zusammenführung mehrerer Inhalte mit deren Darstellungsinformation entsteht
die Webseite, welche für den Besucher abrufbar ist. Die Speicherung der Inhalte erfolgt, wie
bereits im Kapitel 2.5 beschrieben, zentral in einer Datenbank oder im File-System des
Webservers.
Workflowkomponente für den gesamten Content-Life-Cycle
Die Aufgabe der Workflow-Komponente ist es, die Arbeitsschritte - welche im Content-Life-
Circle 19 definiert worden sind - zu automatisieren und zu steuern. Durch den Einsatz von
Workflows wird eine dezentrale und aufgabenbezogene Zusammenarbeit, überhaupt erst
erm öglicht und die inhaltliche Qualität einer Webseite gesichert. Hierfür wird ein
Rollenkonzept eingesetzt, welches die Zugriffe auf das System und die darin enthaltenen
Inhalte steuert. Die Workflow-Komponente überwacht stetig die laufenden Tätigkeiten und
schickt - wenn erforderlich - Benachrichtigungen an die im Rollenkonzept festgelegten,
zust ändigen Stellen. Je nach Art des eingesetzten WCMS kann die Ausprägung der
Komponente mehr oder weniger umfangreich sein Vgl. Zsc01
Benutzer - und Zugriffsverwaltung
Die Benutzer- und Zugriffsverwaltung arbeitet mit Gruppen- und Rollenkonzepten wobei über
diese die Zugriffs- und Bearbeitungsrechte der einzelnen Benutzer gesteuert und festgelegt
werden Vgl. Zsc001 Die Komponente ist verantwortlich für die Sicherheit der im WCMS
abgelegten Inhalte und Informationen. Durch eine granulare Rechteverwaltung wird
sichergestellt , dass jeder Anwender nur auf die Funktionen zugreifen kann, die er wirklich für
seine Arbeit benötigt. Darüber hinaus stellt die Komponente sicher, dass Inhalte nicht von
mehreren Personen gleichzeitig bearbeitet werden können, sondern ein Inhalt während der
Dauer seiner Bearbeitung exklusiv dem Bearbeitenden zur Verfügung steht. Viele heutige
WCMS bieten Möglichkeiten an, bestehende Benutzerdaten aus einer bereits bestehenden
Benutzerverwaltung (LDAP, AD) zu importieren, bzw. diese zu integrieren. Somit kann die
Integration des WCMS in die bestehende Infrastruktur vereinfacht und erleichtert werden.
18 in Verbindung mit Assetmanagement wird in der Literatur auch der Begriff Asset für Inhalte
verschiedener Medienformate verwendet.
19 siehe Kapitel 2.4.1 Content-Life-Cycle
17
Import- und Exportschnittstellen
Nicht alle Inhalte, die mit einem WCMS publiziert werden, müssen anfänglich mit einem WCMS erstellt worden sein. Aus diesem Grund bietet eine Vielzahl von WCMS Importschnittstellen an, um Inhalte von externen Datenquellen (z.B. anderen Datenbanken, RSS 20 -Feeds, Webseiten, usw.) in ihren Datenbestand integrieren zu können. Dabei gilt, dass Inhalte, welche contentorientiert - somit strukturiert - erstellt worden sind, sich besser zum Import eignen als unstrukturierte [Vgl. Jab021]. Exportschnittstellen erfüllen den gleichen Zweck wie Importschnittstellen, nur in entgegengesetzter Richtung. Inhalte aus dem bestehenden Datenbestand werden anderen Systemen und Webseiten zum Import angeboten.
Schnittstellen für funktionale Erweiterungen
Um bestehende Applikationen an ein WCMS anbinden oder bereits vorhandene interaktive Web-Anwendungen nutzen zu können, werden sogenannte Programmierschnittstellen benötigt. Der einfachste Weg, solche funktionale Erweiterungen zu ermöglichen, ist der Einsatz von serverseitigen Skriptsprachen, welche die gewünschte Funktionalität zur Laufzeit ermöglichen. Beispiele für serverseitigen Skriptsprachen sind: Perl, ASP, JSP, uvm. Skriptsprachen gelangen jedoch häufig schnell an ihre Grenzen, wenn die Anwendungen zu komplex werden.
Die leistungsfähigere Lösung bilden sogenannte Application Programming Interfaces (APIs). Diese stellen Objekte und Routinen zur Verfügung, die durch den Einsatz einer höheren Programmiersprache genutzt werden können und somit eine Kommunikation zwischen den beiden Anwendungen ermöglichen [Vgl. Jab022].
20 stellt ein XML-Format für Nachrichten und andere Informationen dar, die häufig aktualisiert werden
18
2.7.2 Vorteile von Web-Content-Management-Systemen
Gegen über dem traditionellen Webpublishing, bei dem sämtliche Webseiten noch manuell
erstellt , gepflegt und publiziert werden müssen, bietet das Webpublishing mit einem WCMS
entscheidende Vorteile.
Keine technischen Vorkenntnisse nötig
Die Autoren oder Benutzer müssen über keine speziellen Kenntnisse von z.B.
Programmierung , HTML 21 , CSS oder XML verfügen, um den bestehenden Web-Auftritt
warten zu können.
Einhaltung von Design-Vorgaben / Schnelles Re-Design
Durch die Trennung von Inhalt und Layout wird ein einheitliches Design des Web-Auftritts
sichergestellt. Das WCMS übernimmt die korrekte Darstellung und Formatierung der
erfassten Inhalte. Durch die darstellungsunabhängige Speicherung der Inhalte kann bei
Bedarf das Aussehen des gesamten Web-Auftritts schnell und flexibel geändert werden,
ohne dass Inhalte hiervon betroffen wären.
Geringer Aktualisierungszeitraum / dezentrale Pflege
Alle Autoren oder Benutzer, welche mit der Pflege des Web-Auftritts beauftragt sind, können
ihre Inhalte zeit- und standortunabhängig direkt in das WCMS einpflegen. Hierfür benötigen
sie lediglich einen Internet-Anschluss und einen Web-Browser. Der Zeitraum von der
Erfassung bis zur Publizierung wird somit erheblich verkürzt, da Zwischenstellen in Form von
Webmastern 22 oder Agenturen wegfallen.
Umfang der Webseiten / Laufende Betriebskosten
Beim herkömmlichen Webpublishing steigen die Kosten proportional mit den zu erstellenden
Inhalten an. Die Anzahl der zu erstellenden Seiten ist durch die manuelle Administration
begrenzt. Durch den Einsatz eines WCMS können mehr Seiten mit einem geringeren
Kostenaufwand betreut werden.
21 HTML - Abkürzung für Hypertext Markup Language - stellt eine Beschreibungssprache für
Webseiten dar.
22 „Webmaster befassen sich mit der Planung, grafischen Gestaltung, Entwicklung, Wartung,
Vermarktung und Administration von Websites und -anwendungen im Internet oder im Intranet einer
Organisation “ Wik098
19
Arbeit zitieren:
Andreas Ritter, 2010, SWOT-Analyse zu Content-Management-Systemen, München, GRIN Verlag GmbH
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