6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung 25
7. Literaturverzeichnis 27
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1. Einleitung: Thematik und Aufbau der Arbeit
Die Bindungstheorie befasst sich mit der Neigung des Menschen, enge, von intensiven Gefühlen getragene Beziehungen zu anderen zu entwickeln. Gegenstand der Bindungsforschung sind Aufbau und Veränderung enger Beziehungen im Lebenslauf, ihre Manifestation im Verhalten und ihre Repräsentation in Gedächtnis und Sprache. Bindung wird neben Nahrungsaufnahme und Sexualität als eigenständiges, primäres menschliches Bedürfnis gesehen. Lange Jahre befasste sich die Bindungsforschung schwerpunktmäßig mit Bindung im Kleinkinderalter. In den letzten Jahren beeinflusste die Bindungstheorie zunehmend wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Partnerschaftsforschung. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Paarkonflikten aus bindungstheoretischer Sicht. Die Bindungstheorie stellt diesbezüglich einige interessante Vorhersagen und Hypothesen auf, die hier zusammengefasst werde. Darüber hinaus werden Paarinterventionen und Beratungsansätze vorgestellt, die auf bindungstheoretischen Überlegungen gründen und deren Ziel es ist Paarkonflikte, die aus unsicheren Bindungsrepräsentationen entstehen, aufzulösen und damit die Beziehungszufriedenheit zu erhöhen.
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2. Konflikte
Unter Konflikten versteht man im Allgemeinen den Zusammenstoß von mindestens zwei unterschiedlichen, polarisierenden Handlungstendenzen, die einen reibungslosen Handlungsablauf unterbrechen. Treten miteinander unvereinbare Handlungstendenzen innerhalb einer Person auf, so spricht man von intraindividuellen Konflikten. Besteht eine Unvereinbarkeit von Handlungenabsichten zwischen verschiedenen Akteuren (z.B. einzelne Personen oder Gruppen) handelt es sich um interindividuelle bzw. soziale Konflikte.
2.1 Soziale Konflikte
Obwohl soziale Konflikte demnach Störungen des gewohnten Handlungsablaufes darstellen, sind sie doch auch ein fester Bestandteil des menschlichen Zusammenlebens. Im Allgemeinen überwiegt ein negatives Konfliktverständnis, das stark vom menschlichen Wunsch nach Einigkeit und Ordnung beeinflusst wird und Konflikte grundsätzlich dysfunktional erscheinen lässt. Diese Sichtweise unterscheidet jedoch nicht zwischen dem Konflikt und seiner Austragungsform, die u.U. tatsächlich dysfunktional sein kann. Der negativen Sichtweise steht die durchaus positive Erkenntnis des Soziologen Balla (1989) gegenüber, wonach soziale Konflikte Antriebskräfte des sozialen Wandels sind, da sie an der Konstruktion neuer Normen und Institutionen beteiligt sind sowie den wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt anregen. Somit sind sie für den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess unentbehrlich.
Das Konfliktdreieck von Galtung (2001) verdeutlicht die Mechanismen sozialer Konflikte.
Abbildung 1: Das Konfliktdreieck nach Galtung (2001)
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Es zeigt den unauflöslichen Zusammenhang zwischen den drei Konflikt-Komponenten Widerspruch, Einstellungen und Verhalten. Widerspruch und rechtfertigende Einstellungen bleiben bei einem Konflikt zunächst im Dunkeln. Erst das Verhalten der Parteien zeigt den Konflikt an. Es wird deutlich, dass ein objektiver Widerspruch allein nicht ausreicht, um einen Konflikt zu begründen; vielmehr muss sich mindestens eine Partei dieses Konflikts auch subjektiv bewusst sein und mit ihrem Verhalten auf eine Veränderung der unbefriedigenden Situation drängen.
2.2 Die Besonderheiten des Paarkonflikts
Paarkonflikte sind spezifische soziale Konflikte, die innerhalb einer Paarbeziehung auftreten. Aus den allgemeinen Ausführungen über soziale Konflikte ergibt sich, dass Paarkonflikte ubiquitäre Störungen des normalen Handlungsablaufes innerhalb von Paarbeziehung sind, die aus der sozialen Situation der Partner, den Unterschieden in ihren Interessenskonstellationen oder der charakteristischen Wechselbeziehung ihrer Personen- und Situationsmerkmale entstehen. Mindestens einer der beiden Partner muss sich dieser Störung subjektiv bewusst sein und auf eine Lösung der unbefriedigenden Situation drängen. Paarkonflikte sind jedoch keinesfalls als dysfunktional zu betrachten, da sie im Falle konstruktiver Austragungsformen durchaus zur Weiterentwicklung der Beziehung beitragen können. Nach Lewin (1940) bergen Paarbeziehungen aufgrund besonderer Anforderungen ein erhöhtes Konfliktpotential. Auf der Ebene der Bedürfnissituation haben beide Partner unterschiedliche Rollenanforderungen an den jeweils anderen, die Ausdruck ihrer vielfältigen und widersprüchlichen Bedürfnisse sind. Oft führt dies dazu, dass Fremd- und Selbstbilder in einer Beziehung nicht übereinstimmen. Auf der Ebene des Raums der freien Bewegung resultiert aufgrund der Verbundenheit der Paargruppe eine besondere Enge, die es erschwert, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Getrenntheit und Verbundenheit zu finden. Zudem müssen die Partner die Mitgliedschaft in der Ehegruppe in Relation zur Mitgliedschaft in
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anderen Gruppen setzen und entscheiden, wie viel Bedeutung ihr im Vergleich zu diesen zukommt. Auf jeder der drei Ebenen kann es aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse oder Meinungen zu Konflikten kommen.
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3. Integratives Modell des Paarkonflikts
Im Folgenden werden diejenigen Variablen und Zusammenhänge, die in der Trennungs- bzw. Konfliktforschung in Bezug auf Partnerschaften empirisch untersucht wurden, in einem Integrativen Modell (Abb. 2), das austauschtheoretische, lern- und verhaltenstheoretische sowie weitere relevante Ansätze vereint, vorgestellt.
Abbildung 2: Der Paarkonflikt, seine Ursachen, Folgen & Moderatoren (Grau & Bierhoff, 2003)
3.1 Modellabschnitt 1 (Blaue Pfeile): Konflikte als Beziehungskosten
Konflikte und Streitereien können im Sinne des austauschtheoretischen Investitionsmodells von Rusbult (1983) als Beziehungskosten betrachtet werden und haben Einfluss auf die Unzufriedenheit der Partner, welche in manchen Fällen zur Trennung führt. Allerdings gibt es eine bedeutende Anzahl konfliktbelasteter Ehen und Partnerschaften, in denen ein oder beide Partner über einen längeren Zeitraum hochgradig unzufrieden sind, die sich aber dennoch als „stabil“ erweisen. Der Zusammenhang zwischen Beziehungszufriedenheit und Trennung ist demzufolge differenzierter zu betrachten. Er wird von weiteren Variablen moderiert, die im Modell als Trennungsbarrieren bzw. Alternativen zur Partnerschaft bezeichnet werden und die den Grad der Verpflichtung (Commitment) gegenüber der Partnerschaft bestimmen.
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Wenn die Beziehungsinvestitionen eines Partners hoch sind (z.B. gemeinsame Kinder) und gleichzeitig keine Beziehungsalternativen wahrgenommen werden, so wird dieser Partner laut Rusbult (1983) auch bei hoher Konfliktbelastung und daraus resultierender Unzufriedenheit mit großer Wahrscheinlichkeit in der Beziehung verbleiben.
Rusbult (1983) überprüfte seine Theorie in einer Längsschnittstudie an 30 Paaren. Dabei zeigte sich, dass mit einer Ausnahme alle Variablen in den postulierten Zusammenhängen standen. Lediglich die Beziehungskosten, zu denen auch Paarkonflikte gezählt werden, wiesen weder mit der Beziehungszufriedenheit, noch mit den Trennungsbarrieren systematische Zusammenhänge auf.
Dies könnte daran liegen, dass austauschtheoretische Ansätze ausschließlich kognitive Vorgänge berücksichtigen, während Emotionen nicht einbezogen werden. Zudem mangelt es austauschtheoretischen Ansätzen an interindividuellen Überlegungen. So bietet das Investitionsmodell keine Erklärung dafür, wie und warum sich die grundlegenden Bewertungsstandards und Vergleichsmaßstäbe im Lauf des Lebens entwickeln, welche Trennungsbarrieren und Verpflichtungen wichtiger als andere sind und warum sich Menschen in dieser Hinsicht unterscheiden.
3.2 Modellabschnitt 2 (Gelbe Pfeile): Umgang mit Konflikten
Im Rahmen lern- und verhaltenstheoretischer Ansätze liegt das Interesse nicht beim Streitthema sondern beim Verhalten der Streitenden. Grundannahme dieser Ansätze ist, dass Probleme und Konfliktsituationen in einer Partnerschaft unvermeidlich sind, der Umgang damit jedoch entscheidend für den Beziehungserfolg ist. Der postulierte Zusammenhang zwischen Konflikt und Trennung wird moderiert durch Konfliktlösefertigkeiten, die wiederum durch Lernprozesse beeinflusst werden. Insbesondere die Art der Kommunikation entscheidet darüber, ob ein Konflikt gelöst werden kann oder zu einer späteren Trennung
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Arbeit zitieren:
MA Jasmin Rödig, 2009, Konflikte in Partnerschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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Der Umgang mit Ersatzgefühlen in Beratungssituationen
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