Inhalt
1. Einleitung 03
2. Ansätze der soziologischen Handlungstheorie Max Webers 03
2.1. Die Bestimmungsgründe sozialen Handelns: Traditionales Handeln 05
2.2. Die Bestimmungsgründe sozialen Handelns: Affektuelles Handeln 05
2.3. Die Bestimmungsgründe sozialen Handelns: Wertrationales Handeln 06
2.4. Die Bestimmungsgründe sozialen Handelns: Zweckrationales Handeln 07
2.5. Die Bestimmungsgründe sozialen Handelns: Auftreten der Handlungstypen 07
3. Anwendungsbeispiel aus dem Alltag: Der Erwerb einer Tageszeitung 08
4. Anwendungsbeispiel Politik: Rolle der NATO nach Ende des Kalten Krieges 09
5. Anwendungsbeispiel Politik: Europäische Einheit - wirtschaftlich und politisch 12
6. Schlußbetrachtung 13
Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
„Warum liefern sich viele Jugendliche mit der Polizei zum Teil aus nichtigen Anlässen Straßenschlachten? Warum werden terroristische Handlungen begangen?“ 1 Diese und andere Fragen stellen sich viele Menschen jeden Tag, wenn sie ihren Blick auf die Fernsehnachrichten oder die Titelschlagzeilen der großen Tageszeitungen richten. Gerade in diesen Tagen, in denen NATO-Kampfjets militärische Ziele im von Serben bedrohten Kosovo ins Visier nehmen, stellt sich auch mir täglich die Frage nach dem Warum. Welche Motive hinter den sichtbaren Handlungen stecken, ist für den Außenstehenden meist nur vage zu erahnen. Es ist kaum zu erkennen, welche Umstände uns in Europa die gemeinsame Währungseinheit gegeben haben, die im kommenden Jahrtausend die D-Mark in ihrer Funktion ablösen wird? Oder was veranlaßte Europa, die nach Beendigung des Kalten Krieges zur Nutzlosigkeit degradierte NATO weiter zu erhalten?
Schon lange beschäftigt mich die Frage, was Menschen zu ihren Handlungen treibt. Und nicht erst seit der Handlungstheorie Max Webers, die dies angeblich erklären kann, beschäftigt dieses Faktum die Menschheit. Bei näherer Betrachtung dieser Theorie wird mir zwar bewußt, daß eine Analyse der Handlungsentscheidungen in den angesprochenen Fällen möglich ist, doch bin ich mir nicht sicher, ob sich Alltagshandlungen wie der Erwerb einer Tageszeitung und weitreichende politische Entscheidungen wie die Einführung des Euro oder die Erhaltung der NATO auf die Bestimmungsgründe der Handlungstheorie Max Webers zurückführen lassen. „Immer wieder hat man die Kategorien [...] als Theorien ver-standen, die die Wirklichkeit erfassen sollen.“ 2
In dieser Arbeit soll nun die Überprüfung der Möglichkeit dieser Zurückführung der Wirklichkeit auf die Theorie erfolgen. Zunächst wird die Handlungstheorie in den betreffenden Ansätzen dargelegt. Dann soll die Analyse der angesprochenen Anwendungsbeispiele ein Ergebnis bringen.
2. Ansätze der soziologischen Handlungstheorie Max Webers
Um die einzelnen Elemente der Handlungstheorie Max Webers auf die praktische Umsetzung hin zu untersuchen, müssen an dieser Stelle Vorbereitungen stehen, um zu erfassen, von welchen Voraussetzungen er selbst ausgeht. Seine Handlungstheorie bezieht sich auf menschliches Verhalten, daß sich durch aktive Anteilnahme als Handeln gestaltet, statt ein-
1 RalfTwenhöfel: Handeln, Verhalten und Verstehen. Entwicklungsschritte zum Motivverstehen, München 1982, S. 229.
2 Friedrich H. Tenbruck: Methodologie und Sozialwissenschaften, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsycho-
logie, 1986, 38. Jahrgang, S. 28.
3
fach passives Reagieren zu beinhalten. Tätigkeiten wie Husten, Gähnen, Atmen, und Stimmungen wie Erregung oder Mißtrauen werden nicht zu aktiven Handlungen gezählt. 3 Das „Handeln [...ist für Weber...] menschliches Verhalten [...], wenn und insofern der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden.“ 4 D. h., hinter der Handlung muß ein individuelles Motiv stecken, um eine Handlung durchzuführen. Der „Versuch, den Begriff Sinn durch mögliche Bedeutungsinhalte zu umschreiben, zeigt gleichzeitig, daß es beim sozialen Handeln immer um ein intentionales, also absichtsvolles Handeln geht“ 5 . Doch „nicht jede Art von Handeln [...] ist ,soziales‘ Handeln“ 6 . Nur, wenn das Handlungsmotiv sich auf Handlungen von Mitindividuen bezieht und sich an ihnen orientiert, spricht Weber von sozialem Handeln. „Soziales Handeln [...bezieht den...] gemeinten Sinn [...] auf das Verhalten anderer“ 7 . Wobei Weber in seinem Werk darauf verweist, daß diese Anderen keine bekannten Größen sein müssen, wie z. B. im Geldverkehr, in welchem sich das Tauschmittel zwischen unbekannten Handelnden bewegt. 8 Demgegenüber bilden einfache Ereignismomente im eigentlichen Sinne keine Handlungen, auch wenn sie durch Menschen zustande kommen. Allein das Zusammenstoßen zweier Verkehrsteilnehmer reicht nicht, diese Voraussetzungen zu erfüllen. 9 Und auch gleichzeitige Handlungen wie das Winken von Angehörigen bei der Verabschiedung am Bahnhof oder massenbedingtes Handeln aufgrund größerer gleichgestimmter Menschengruppen, wie z.B. bei einem Popkonzert, halten den Weberschen Anforderungen des sozialen Handelns nicht stand. 10 Dabei gibt er allerdings zu, daß „die Grenze sinnhaften Handelns gegen ein bloßes reaktives [...] Sichverhalten [...] durchaus flüssig“ 11 ist. Eine objektive Analyse des menschlichen sozialen Handelns macht Weber möglich, indem er sich einen Idealtypus schafft, anhand dessen er die jeweilige Handlung mit der sich unter Idealumständen und ohne Fehleranfälligkeiten vollziehenden Idealhandlung vergleicht. So kann er typische Verhaltensweisen aufspüren und die „subjektiven Sinnzusammenhänge menschlichen Handelns [...] als Motive und Bewußtseinsinhalte diesem Handeln zugrundelegen.“ 12 Nun kann man nach Weber, um die Handlungsweisen der Menschen individuell zu untersuchen und zu erklären, das soziale Handeln in Unterkategorien - die Bestimmungsgründe - einteilen, die sich durch die Motivstrukturen bzw. Intentionsstränge, die das
3 Vgl. Helmut Seiffert: Einführung in die Wissenschaftstheorie, Bd. 3, München 1992, S. 16.
4 Max Weber: Soziologische Grundbegriffe, Tübingen 1984. (Sonderausgabe aus: Max Weber: Wirtschaft und Gesell-
schaft, Tübingen 1921), S. 19.
5 Anton Amann: Soziologie. Ein Leitfaden zu Theorien, Geschichte und Denkweisen, Wien-Köln-Weimar 1991, S. 199.
6 Max Weber 1984, S. 41.
7 Max Weber 1984, S. 19.
8 Vgl. Max Weber 1984, S. 41.
9 Vgl. Max Weber 1984, S. 41.
10 Vgl. Max Weber 1984, S. 42.
11 Max Weber 1984, S. 19.
12 Anton Amann 1991, S. 51.
4
Arbeit zitieren:
Björn-Christian Schüßler, 1999, Anwendung der Handlungstheorie Max Webers auf Handlungsentscheidungen der EU und der NATO. Lassen sich Alltagshandlungen und weitreichende politische Entscheidungen in ihren Ursprüngen auf die Bestimmungsgründe zurückführen?, München, GRIN Verlag GmbH
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