Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Von der Unverzichtbarkeit des Erkennens eigener Wurzeln 3
3. Hobbes’ Staatskonstruktion als aristotelische Nachahmung? 4
4. Von der Notwendigkeit des Staates. 8
5. Resümee 11
6. Literaturverzeichnis. 14
1. Einleitung
Thomas Hobbes kann mit recht als Begründer der englischsprachigen Philosophie genannt werden. Fasziniert von wissenschaftlicher Exaktheit der mathematischen Methode, suchte Hobbes in der Geometrie und Mathematik Antworten auf philosophische Fragen. Eine innere Ordnung seiner Philosophie stellt sich in einem Fortschreiten seiner Werke, angefangen bei der Physik (De corpore), über die Anthropologie (De homine), bis hin zu seiner Staatslehre (De cive; Leviathan) dar. Auch in Leviathan kann diese innere Ordnung festgestellt werden. Hobbes konstruiert seine Theorie auf Basis persönlicher Erfahrungen und Reflektionen dieser. Er stellt gesetzesartige Prinzipien auf, die ihre Grundlage auf wissenschaftlichen Erkenntnissen bilden. Sinnliche Erfahrungen werden bei Hobbes als Reaktion auf äußere Reize angesehen und Hobbes’ Menschenbild spiegelt sein Interesse an der Naturwissenschaft wieder. In seinem Werk Leviathan thematisiert Hobbes Gebiete wie Philosophie, Ethik, Physik und Metaphysik. Was wir heute als Selbstverständlichkeit deuten könnten, war zu seiner Zeit eine bemerkenswerte Leistung und zeugt davon, dass Hobbes damals eine enorme Partizipation an wissenschaftlichen Prozessen haben musste. Dieses mechanische oder naturwissenschaftliche Menschenbild überträgt er auf seine Staats- und Gesellschaftslehre. Im Folgenden möchte ich der Frage nachgehen, ob die im Leviathan dargelegte Staatsphilosophie von der des Aristoteles zu unterscheiden ist, oder ob es sich hierbei um eine bloße Kopie antiken Gedankenguts handelt, mit Beschränkung auf einige wenige Merkmale. Anschließend wird hinterfragt, ob der Staat als notwendig angesehen werden muss. Zuvor möchte ich jedoch kurz darlegen, wieso Hobbes es als so wichtig empfindet, dass der Mensch zuerst seine eigene Natur begreifen muss, bevor er so etwas Komplexes verstehen kann, wie eine Staatstheorie.
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2. Von der Unverzichtbarkeit des Erkennens eigener Wurzeln
In der Philosophie von Thomas Hobbes spielt vor allem die Anthropologie eine immanent wichtige Rolle. Als Ahnenherr des neuzeitlichen Rechtspositivismus vertritt er - mag dies auch widersprüchlich klingen, zumal beide Theorien in Konkurrenz zueinander stehen - das Naturrecht. 1 Seine Lehre ist materialistisch konnotiert, was besonders deutlich wird in der Darstellung des Menschen und des Lebens, das „nichts anderes [ist,] als das Bewegen der Glieder; daher haben auch Automaten ein künstliches Leben.“ 2 Hobbes unterscheidet die von Natur geschaffenen Körper von den künstlich geschaffenen. Diese Differenzierung muss laut Hobbes erfolgen, weil Gegenstand der Philosophie als rationale Wissenschaft, der Körper ist. Bevor über Rechte und Pflichten in Ethik und Politik gesprochen werden kann oder ein so komplexes Thema wie die Staatsbildung, muss jeder Bürger die Erkenntnis bezüglich seiner Anlagen, Neigungen und Sitten 3 erkennen. Erst nachdem die „Erkenntnis der ingenia, affestus und mores“ 4 erfolgt ist, kann der Mensch die komplexe Staatstheorie Hobbes’ mit dem Konstrukt Leviathans verstehen. Somit erscheint die Zweiteilung seiner Schrift zur Staatstheorie durchaus sinnvoll.
Die Anthropologie kann als Voraussetzung der Staatsphilosophie verstanden werden, „aber so, dass ihre Isolierung, also der Mensch in einem vorstaatlichen Naturzustand gesehen, eine methodische Abstraktion [darstellt],“ 5 was ihre entscheidende Rolle in der Philosophie Hobbes’ ausmacht. Nachdem der Mensch sich selbst als natürlichen Körper begriffen hat, ist er auch im Stande einen unnatürlichen, künstlichen oder konstruierten Körper zu begreifen. Hobbes konstruiert den Staat (in Form des Leviathan) als künstlichen Körper, damit sich Menschen mit dem Staat identifizieren können. Dies führt dazu, dass etwas Künstliches als etwas Natürliches angesehen wird und somit auch Akzeptanz erfährt. Diese Tatsache führt wiederum dazu, dass der Staat vom Menschen nicht nur respektiert und akzeptiert wird, sondern sich auch
1 Vgl. Höffe, Otfried: Widersprüche in Leviathan. Zum gelingen und Versagen der Hobbesschen Staatsbegründung, S.114.
2 Russell, Bertrand: Philosophie des Abendlandes. Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwicklung, S.557.
3 Hobbes formuliert in der Einleitung des Leviathan hierzu den prägnanten Satz: „Lerne dich selbst kennen.“ Vgl. Leviathan, Einleitung S.6.
4 Bartuschat, Wolfgang: Anthropologie und Politik bei Thomas Hobbes, S.19; Hervorhebungen nicht im Original.
5 Ebd., S.20.
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als unabdingbar für den Menschen erweist, da der Mensch selbst ein Teil des Leviathans darstellt. Antworten auf die Frage warum es eigentlich notwendig ist, sich mit dem Staat zu identifizieren und worin eine angemessene Grundstruktur des Staates besteht, liefert Hobbes nur unzufriedenstellend. Höffe vertritt die These, dass in Hobbes’ Staatsbegründung zwei Teilfragen auftreten: 1) Wie lässt sich der Staat überhaupt begründen und 2) wie die absolute und ungeteilte Staatssouveränität begründet wird. 6 Die erste Frage beantwortet Hobbes damit, dass politische Herrschaft etwas sehr wichtiges ist und der Mensch schon von Natur aus die Veranlagung hat, politisch zu wirken, um durch den Staat in Form des Leviathan „geschützt und glücklich gemacht [zu] werden.“ 7 Die Staatsbegründung wird nicht mehr als Voraussetzung menschlichen Handelns angesehen, sondern aus der menschlichen Natur heraus begründet. Somit basiert die hobbes’sche Philosophie auf anthropologischen Bestimmungen mit einer Dependenz zwischen Anthropologie und Politik. Damit der Staat in seiner Wirkungsweise als Beschützer der Bürger aufgehen kann und akzeptiert wird, müssen alle Elemente bekannt sein.
3. Hobbes’ Staatskonstruktion als aristotelische Nachahmung?
Hobbes versucht, wie auch Platon oder Aristoteles, den „wahren“ Staat mit Hilfe der natürlichen Vernunft zu erklären. Die aristotelische Lehre geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus ein Zusammenleben mit seinesgleichen anstrebt. Denn erst in einem institutionalisierten Zusammenleben von Freien und Gleichen kann der Mensch sich selbst verwirklichen und strebt daher nach einem erfüllten Leben - als Mitglied einer Polis. Aufgrund verschiedener psychologischer und biologischer Voraussetzungen und Impulse der sozialen Gesellschaft erfährt der Mensch durch ein Miteinander innerhalb der Polis ein glückliches und erfülltes Leben. Nach Aristoteles ist der Staat notwendig, weil der Mensch ein Sozialwesen ist, das „seine Sozialnatur in verschiedenen Primärbeziehungen realisiert.“ 8 Ausschlaggebende Sektoren die zur Bindung anstiften sind z. B. Sexualität, Hilfsbedürftigkeit und Persönlichkeitsbildung (Aufbau der Ich-Identität) durch unterschiedliche Sozialbeziehungen. Es ist kaum vorstellbar, dass der Mensch für sich selbst sorgen soll, zumal jeder unterschiedliche Begabungen, Stärken und
6 Höffe, S.113.
7 Hobbes, Thomas: Leviathan. Erster und zweiter Teil, Einleitung; im Folgenden zitiert: Leviathan.
8 Höffe, S.115.
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Arbeit zitieren:
Martin Rybarski, 2009, Anthropologie als Grundpfeiler in der Staatstheorie von Thomas Hobbes im Kontrast zur aristotelischen, München, GRIN Verlag GmbH
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