Adam Sitko Seite I
Inhaltsverzeichnis…………………………………………………………………….…….…..I
Abk ürzungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit 2
2 Der deutsche Mittelstand 4
2.1 Definition und Bedeutung 4
2.2 Aktuelle Eigenkapital- und Finanzierungssituation. 6
2.2.1 Bedeutung einzelner Finanzierungsinstrumente 6
2.2.2 Eigenkapitalproblematik im Mittelstand. 7
2.2.3 Basel II - Überblick und Auswirkungen. 10
2.2.4 Mittelstandsfinanzierung im Lichte der aktuellen Finanzkrise. 14
3 Private Equity als Finanzierungsform 16
3.1 Definition und Merkmale. 16
3.2 Geschichte und volkswirtschaftliche Relevanz 18
3.3 Unternehmensfinanzierung mittels Private Equity. 20
3.3.1 Finanzierungsphasen 20
3.3.1.1 Early Stage 22
3.3.1.2 Medium Stage. 22
3.3.1.3 Late Stage 23
3.3.2 Beteiligungsprozess 26
3.3.2.1 Kapitalakquisition. 27
3.3.2.2 Beteiligungsakqusition 28
3.3.2.3 Beteiligungsprüfung 30
3.3.2.4 Beteiligungsverhandlung. 32
3.3.2.5 Betreuung 34
3.3.2.6 Desinvestition 35
3.4 Beschaffungsmöglichkeiten und Voraussetzungen. 36
3.5 Vor- und Nachteile von Private Equity aus Unternehmersicht. 40
4 Deutscher Markt für Beteiligungskapital im internationalen Vergleich. 46
4.1 Private Equity in Europa 2008 46
4.2 Analyse der länderspezifischen Rahmenbedingungen 49
4.2.1 Deutschland 49
4.2.2 USA. 56
4.2.3 Großbritannien 60
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4.2.4 Frankreich 64
4.3 Stärken und Schwächen des Standorts Deutschland 67
5 Fazit und Ausblick. 70
Literaturverzeichnis 73
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Abkürzungsverzeichnis
Abb. = Abbildung AR&D = American Research & Development BaFin = Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BDW = Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Wirtschaft BIHK = Bayerische Industrie- und Handelskammer BIP = Bruttoinlandsprodukt BVCA = British Venture Capital Association BVK = Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften CEFS = Center for Entrepreneurial and Financial Studies DBG = Deutsche Beteiligungsgesellschaft DEC = Digital Equipment Corporation EBO = Employee-Buy-out EBITDA = earnings before interest, taxes, depreciation and amortization ECB = European Central Bank EIS = Enterprise Investment Scheme ERP = European Recovery Program EU = Europäische Union EVCA = European Private Equity an Venture Capital Association EWR = Europäische Wirtschaftsgemeinschaft F&E = Forschung & Entwicklung FCPR = Fonds Communs de Placement a Risques FTSE = Financial Times Stock Exchange GmbH = Gesellschaft mit beschränkter Haftung IBO = Institutional-Buy-out ICFC = Industrial and Commercial Finance Corporation IfM = Institut für Mittelstandsforschung Bonn IHK = Industrie und Handelskammer InvG = Investmentgesetz IPO = Initial Public Offering (Börsengang) KAG = Kapitalanlagegesellschaft KFW = Kreditanstalt für Wiederaufbau KG = Kommanditgesellschaft
Adam Sitko Seite IV
KKR = Kohlberg, Kravis & Roberts KMU = Kleine und mittlere Unternehmen LBO = Leveraged-Buy-out LOI = Letter of Intent LP = Limited Partnership M&A = Merger and Acquisition MBG = Mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBI = Management-Buy-in MBO = Management-Buy-out NASDAQ = National Association of Securities Dealers Automated Quotation System PE = Private Equity PEG = Private Equity Gesellschaften Plc = Public limited company PwC = PricewaterhouseCoopers AG SBIC = Small Business Investment Companies SMAX = Small Cap Exchange SME = Small an medium sized enterprises UBG = Unternehmensbeteiligungsgesellschaft UK = United Kingdom USP = Unique selling proposition VC = Venture Capital VCT = Venture Capital Trust WFG = Wagnisfinanzierungsgesellschaft
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Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Definition Mittelstand (Quantitativ)
Abbildung 2: Bedeutung der Finanzierungsquellen für Unternehmen
Abbildung 3: Eigenkapitalquoten im internationalen Vergleich
Abbildung 4: Das Drei-Säulen-Konzept des Baseler Bankenausschusses.
Abbildung 5: Auswirkungen von Basel II auf die Finanzierung von KMU
Abbildung 6: Ifo Kredithürde
Abbildung 7: Beteiligungsphasen im Unternehmenslebenszyklus
Abbildung 8: Beteiligungsinvestitionen nach Finanzierungsphasen
Abbildung 9: Der Private Equity Wertschöpfungsprozess
Abbildung 10: Investoren in Private Equity
Abbildung 11: Quellen des Dealflows
Abbildung 12: Die Due Diligence Arten
Abbildung 13: Exitkanäle 2008
Abbildung 14: Hindernisse für Beteiligungskapital
Abbildung 15: Bedeutung von PE-Kapital für das Unternehmenswachstum
Abbildung 16: PE-Investitionen im europäischen Vergleich
Abbildung 17: Private Equity-Portfolio Europas und den USA
Abbildung 18: Jährliche Veränderungen wichtiger Kennziffern in UK
Abbildung 19: Benchmarking European Tax and Legal Environments
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1 Einleitung
1.1 Problemstellung
In der politischen und akademischen Diskussion wird dem Mittelstand stets ein besonders hoher Stellenwert in Bezug auf Innovation und Beschäftigung beigemessen. 1 Entsprechend gilt die Gestaltung der ökonomischen
Rahmenbedingungen für den Mittelstand als ein wichtiges Instrument zur Lösung aktueller volkswirtschaftlicher Herausforderungen wie Wachstums- und Beschäftigungsförderung. 2
Ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg auf einzelwirtschaftlicher Ebene ist die Kapitalbeschaffung. Die Verfügbarkeit angemessener
Finanzierungsinstrumente ist dabei von existenzieller Bedeutung. 3 Bislang stand bei mittelständischen Unternehmen in Deutschland die langfristige Fremdfinanzierung in Form des Bankkredits im Vordergrund. 4 Die aktuelle Eintrübung der Konjunktur und eine zunehmend risiko- und margenorientierte Ausrichtung der Geschäftspolitik der Banken machen es dem Mittelstand zunehmend schwerer, das benötigte Kapital zu akquirieren. Immer häufiger stehen die Unternehmen vor Aufgaben, die nicht mehr über klassische Kredite finanziert werden können. 5
Die traditionell geringe Eigenkapitalausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie das veränderte Kapitalvergabeverhalten der Kreditinstitute verlangen von vielen Unternehmern den Blick von herkömmlichen Finanzierungsformen abzuwenden und sich nach neuen Möglichkeiten und alternativen Kapitalgebern umzusuchen. 6 Vor dem Hintergrund der überwiegenden Fremdfinanzierung und der sich daraus ableitenden niedrigen Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstands wird sich die strategische Bedeutung des Eigenkapitals
1 Vgl. Güntherberg/Kayser 2004, S.5 f.
2 Vgl. Schefczyk 2000, S.95.
3 Vgl. Koop/Maurer 2006, S.5.
4 Vgl. Kienbaum/Börner 2003, S.5.
5 Vgl. Werner 2007, S.11.
6 Vgl. Schneck 2006, S.19.
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somit weiter verstärken. Eine ausreichende Eigenkapitaldecke gilt als wichtige Kenngröße von Robustheit und Risikotragfähigkeit und ermöglicht erst den ökonomischen Erfolg des Unternehmens. 7 Eine Option, die Eigenmittelausstattung zu verbessern, ist die Aufnahme von Beteiligungskapital. Diese Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung gewinnt in der Praxis zunehmend an Bedeutung 8 und wird auch vermehrt nachgefragt, stellt aber gleichzeitig einige zusätzliche Anforderungen an die Kapital suchenden Firmen. 9 Eine weitere Herausforderung für den deutschen Mittelstand stellen die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen dar, die in ihrer Anwendungen eher restriktiver und sehr komplex geworden sind.
Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Auswirkungen veränderte Umstände auf die Unternehmensfinanzierung im Mittelstand haben und welche Anpassungsprozesse sich hierbei für die mittelständischen Unternehmen ergeben. Ausgehend von den bereits genannten Gründen soll diese Arbeit u. a. aufzeigen, inwieweit Beteiligungskapital zur Lösung der zahlreichen Aufgaben und Problemen der deutschen KMU von Nutzen sein kann. Im Übrigen soll die Analyse der Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich helfen, die Beweggründe für eine höhere Verbreitung und Akzeptanz der PE Finanzierung in bestimmten Märkten besser zu begreifen und somit evtl. nationale Unzulänglichkeiten leichter zu identifizieren.
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
Zielsetzung dieser Arbeit ist es zunächst, die Auswirkungen der veränderten konjunkturellen Gegebenheiten auf deutsche mittelständische Unternehmen, insbesondere im Hinblick auf deren Finanzierung zu betrachten. Hierbei soll primär die Beteiligungsfinanzierung als alternative Form der Kapitalbeschaffung aufgezeigt und auf ihre Eignung für den Mittelstand untersucht werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Rahmenbedingungen für Private Equity in Deutschland analysiert und mit der Situation in Konkurrenzländern verglichen. Ziel ist es, die verbleibenden Schwächen zu identifizieren und ggf. Anregungen für wirtschaftspolitische Maßnahmen zu formulieren. Die Untersuchung gliedert sich in mehrere
7 Vgl. Topf 2008, S.6.
8 Vgl. Jänisch/Moran 2005, S.78.
9 Vgl. Hofelich 2005, S.3 f.
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Arbeitsschritte, die in fünf Kapiteln berichtet werden. Im Folgenden wird ein Kurzüberblick über die wesentlichen Inhalte der einzelnen Abschnitte gegeben.
Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Begriff „Mittelstand“ sowie der Darstellung der aktuellen Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen. In diesem Zusammenhang werden die klassischen Wege der Kapitalbeschaffung charakterisiert und die Ursachen der traditionell niedrigen Eigenkapitalquote ergründet. Nachfolgend werden die Gründzüge der neuen Baseler Eigenkapitalrichtlinien dargelegt und die Auswirkungen auf den Mittelstand skizziert. Zum Abschluss des Kapitels wird die Mittelstandsfinanzierung unter dem Aspekt der aktuellen internationalen Finanzkrise näher untersucht.
Den Schwerpunkt der Arbeit stellen die Abschnitte 3 und 4. Im dritten Kapitel werden die Grundlagen der Private Equity Finanzierung aufgezeigt. Hierfür wird zuerst der Begriff „Private Equity“ definiert, der historische Hintergrund erörtert und die volkswirtschaftliche Relevanz der Beteiligungsfinanzierung beschrieben. Im weiteren Verlauf wird eine Einteilung der verschiedenen Finanzierungsphasen im Unternehmenslebenszyklus vorgenommen. Daraufhin wird der Beteiligungsprozess in seine einzelnen Etappen aufgeteilt und einer näheren Prüfung unterzogen. Nach einer Analyse der Voraussetzungen einer Private Equity Finanzierung werden Vor-und Nachteile dieser Kapitalbeschaffungsform aus Unternehmersicht
veranschaulicht. In Kapitel 4 wird der deutsche Markt für Beteiligungskapital hinsichtlich seiner Struktur untersucht und mit internationalen Rahmenbedingungen der führenden Konkurrenzländer der Private Equity Branche verglichen. Das Fazit im letzten Kapitel dient der Zusammenfassung der Ergebnisse und liefert einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen.
Die Arbeit basiert sowohl auf theoretischen Betrachtungen und Überlegungen, welche aus Lehrbüchern, Studien und aktuellen Pressemitteilungen resultieren, als auch auf Umfragen und empirischen Erhebungen, welche den aktuellen Stand darstellen und Tendenzen der Entwicklung erkennen lassen.
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2 Der deutsche Mittelstand
2.1 Definition und Bedeutung
Für das Verständnis der übergeordneten Thematik ist eine klare Abgrenzung des Begriffs „Mittelstand“ notwendig. Obwohl der Mittelstand in der deutschen Wirtschaft eine bedeutende Rolle spielt und der Begriff im täglichen Sprachgebrauch häufig verwendet wird, gibt es immer noch keine einheitliche Definition. Die gebräuchliche Bezeichnung „Mittelstand“ steht für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU bzw. SME für engl. small and medium sized enterprises). Hinsichtlich der Zuordnung zum wirtschaftlichen Mittelstand gibt es unterschiedliche quantitative und qualitative Unterscheidungsmerkmale.
Die oberste Instanz zur Definition des Mittelstandes nimmt in Deutschland das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) ein. 10 Als mittelständisch gelten Unternehmen, die bestimmte Größenschwellen, gemessen am Umsatz und/oder Zahl der Beschäftigten, nicht überschreiten. Das IfM Bonn zählt Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und einem Umsatz unter 50 Mio. Euro dem Mittelstand zu. 11 (Vgl. Abb.1)
10 Vgl. Hofelich 2006, S.12 f.
11 Vgl. Icks 2006, S.1 f.
12 Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn
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Im Interesse einer europaweiten Vergleichbarkeit beschränkt sich die Europäische Kommission auf eine statistisch fundierte Definition, nämlich die Zahl der Beschäftigten und den Jahresumsatz bzw. die Bilanzsumme. Demnach beschäftigen „Mittlere Unternehmen“ weniger als 250 Mitarbeiter, erwirtschaften einen Umsatz bis 50 Mio. Euro oder weisen eine Bilanzsumme bis 43 Mio. Euro aus. Darüber hinaus wird eine weitgehende Unabhängigkeit der Unternehmen verlangt. Entsprechend der Kommissionsempfehlung bedeutet Unabhängigkeit, dass kein anderes Unternehmen einen Anteil von mehr als 25% des betreffenden Unternehmens besitzen darf. Unternehmen, die zu Unternehmensgruppen gehören, zählen somit nicht zu den KMU. 13 (Vgl. Abb.1)
Neben quantitativen Kenngrößen gibt es in der Literatur auch noch qualitative Merkmale zur Abgrenzung von mittelständischen Unternehmen. Dabei wird deutlich, dass sich diese Unternehmen nicht nur hinsichtlich der Größe, sondern auch hinsichtlich der Eigentümerverhältnisse, Unternehmensstruktur und Finanzierungsmöglichkeiten typischerweise von großen Unternehmen
unterscheiden. 14 Entscheidendes qualitatives Merkmal mittelständischer Betriebe ist die Einheit von Führung und Eigentum. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Identität zwischen Unternehmen und Unternehmer gelten als zentrale Entscheidungsinstanz. 15 Das Engagement ist langfristiger Natur und das Interesse an der Nachhaltigkeit des Unternehmens größer als bei Publikumsgesellschaften. Darüber hinaus können strategische Entscheidungen wesentlich schneller beschlossen werden, was in einer höheren Flexibilität mündet. 16
Die Datenbasis zur Ermittlung der wirtschaftlichen Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen innerhalb der deutschen Volkswirtschaft bildet das vom Statistischen Bundesamt geführte Unternehmensregister. Die besondere Relevanz lässt sich leicht an Kennzahlen des Jahres 2008 verdeutlichen, als der deutsche Mittelstand
• 99,7% aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen ausmachte,
13 Vgl. Europäische Kommission 2006, S.11 ff.
14 Vgl. Albani 2004, S.15 f.
15 Vgl. Hofelich 2006, S.14.
16 Vgl. Wallau/Haunschild 2007, S.53.
Adam Sitko Seite 6
• 37,5% aller steuerpflichtigen Umsätze erzielte,
• 70,5% aller Arbeitnehmer beschäftigte,
• 83,1% aller Auszubildenden und Lehrlinge ausbildete. 17
Vor dem Hintergrund dieser herausragenden volkswirtschaftlichen Bedeutung ist ein möglichst optimales Finanzierungsumfeld für die KMU von großer Relevanz.
2.2 Aktuelle Eigenkapital- und Finanzierungssituation
2.2.1 Bedeutung einzelner Finanzierungsinstrumente
Im folgenden Abschnitt wird die Frage untersucht, welche Bedeutung die Unternehmen den unterschiedlichen Finanzierungsinstrumenten beimessen.
In der aktuellen Studie der KFW Bankengruppe sollten die Unternehmer den Stellenwert der einzelnen Finanzierungsquellen nach ihrer Wichtigkeit von 1 (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig) bewerten. Der Innenfinanzierung (1,7) kommt die mit Abstand größte Bedeutung als Finanzierungsquelle zu. Wichtigster Aspekt ist dabei die Selbstfinanzierung, d.h. die Gewinnthesaurierung. Dahinter folgen kurz- und langfristige Bankkredite, sowie Leasing und Lieferantenkredite. Alternative Investments wie z.B. Private Equity werden dagegen bisher nur zögerlich angenommen. 18 (Vgl. Abb.2)
Abbildung 2: Bedeutung der Finanzierungsquellen für Unternehmen. 19
17 Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn
18 Vgl. KFW Bankengruppe 2009, S.40 ff.
19 Quelle: KFW Bankengruppe: Unternehmensbefragung 2009
Adam Sitko Seite 7
In Bezug auf die Finanzierungsstruktur des deutschen Mittelstands besteht somit eine deutliche Präferenz der Innen-und Kreditfinanzierung vor
Beteiligungsfinanzierung. Die Innenfinanzierung ist bei mittelständischen Unternehmen weit verbreitet und sehr geschätzt, da aus ihr weder Änderungen der Eigentümerverhältnisse noch Zinszahlungsverpflichtungen entstehen. Im Gegensatz dazu wird jedoch die Höhe der Selbstfinanzierung durch die Ertragskraft eines Unternehmens begrenzt. Bei der Außenfinanzierung stellt die Kreditfinanzierung die wichtigste Kapitalbeschaffungsquelle dar. Weit verbreitet ist das sog. Hausbankprinzip. 20 Bei den KMU besitzen ca. 40% nur eine Bankverbindung. 21
Aufgrund der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise und eines dadurch angespannten Kreditzugangs ist davon auszugehen, dass sich mittelständische Unternehmen verstärkt nach alternativen Formen der Kapitalbeschaffung umschauen, um ihre Eigenkapitalbasis zu verbessern und damit ihre Unternehmensfinanzierung auf ein breites Fundament zu stellen. 22
2.2.2 Eigenkapitalproblematik im Mittelstand
Eigenkapital ist eine elementare Grundlage für unternehmerische Aktivität. 23 Eine gesunde Eigenkapitalausstattung ist vor allem aus zwei Gründen wichtig. Zum einen sichert Eigenkapital die Existenz des Unternehmens, zum anderen erleichtert hohes Eigenkapital indirekt die Finanzierung von Investitionen und Innovationen, da es signalisiert, dass ein Unternehmen finanziell stabil aufgestellt ist. 24
Eine angemessene Eigenkapitalquote trägt maßgelblich dazu bei, dass viele aussichtsreiche Ideen verwirklicht werden und zahlreiche Zukunftsprojekte eine tragfähige Basis erhalten. Der Einsatz von Eigenkapital erfüllt insbesondere aus Sicht von Finanzinstituten eine Sicherungs- und Vertrauensfunktion im Sinne der
20 Eine sehr enge Bindung der einzelnen Unternehmen an jeweils wenige Banken wird häufig als „Hausbankprinzip“ bezeichnet.
21 Vgl. Striebel 2009, S.47 f.
22 Vgl. KFW Bankengruppe 2009, S.44.
23 Vgl. Initiative Finanzstandort Deutschland 2007, S.16.
24 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband 2009, S.40.
Adam Sitko Seite 8
Risikominimierung, Voraushaftung und Identifizierung. 25 Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der unzureichenden Eigenkapitalausstattung der Unternehmen und ihren Schwierigkeiten bei der Refinanzierung am Bankenmarkt. Die Eigenkapitalquote bestimmt maßgeblich die Bonitätsbewertung oder Rating Einstufung. Die weltweit angesehene Rating Agentur Moody´s gewichtet in ihrem eigens für nicht börsennotierte Unternehmen entwickelten Bewertungssystem, das ausschließlich auf Jahresabschlussdaten basiert, den Verschuldungsgrad (Verhältnis von Fremdkapital zu Bilanzsumme) mit 38% an erster Stelle. Die Rentabilität steht mit 25% auf Platz zwei gefolgt von der Produktivität, die mit 11% einfließt. 26
Die Finanzierungsstruktur in Deutschland ist fremdkapitalgeprägt. Die Eigenkapitalquote (das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme) deutscher Mittelstandsunternehmen liegt unter dem weltweiten Durchschnitt. 27 Mit ca. 20% durchschnittlicher Eigenkapitalquote zeichnet sich der deutsche Mittelstand im Jahr 2008 aus. Im internationalen Vergleich hingegen lag die Eigenkapitalquote wesentlich höher, wie zum Beispiel in Frankreich bei ca. 34%, in England 40% und in den USA sogar bei 45%. (Vgl. Abb.3)
Abbildung 3: Eigenkapitalquoten im internationalen Vergleich. 28
25 Vgl. Adenäuer/Haunschild 2008, S.18.
26 Vgl. Rödl 2004, S.6 f.
27 Vgl. Rajan/Zingales 1995, S.1428.
28 Quelle: S-Kap Unternehmensbeteiligung
Adam Sitko Seite 9
Die verhältnismäßig niedrige Eigenkapitalquote, als Ergebnis einer langjährigen Untergewichtung von Eigenkapitalinstrumenten gegenüber klassischen Bank- und Lieferantenkrediten, ist das Zusammenspiel der in Deutschland herrschenden Systeme zu erklären und weniger durch Wirtschaftssektoren oder Rentabilität. 29 Die Eigenkapitalschwäche der deutschen KMU hat viele Ursachen. Eine wesentliche Ursache ist die deutsche Steuergesetzgebung. Die in Deutschland rechtlich anerkannte Regelung, thesaurierte Gewinne höher als ausgeschüttete Gewinne zu besteuern, galt als Hinderungsgrund für den Aufbau einer starken Eigenkapitalposition. 30 Als weitere steuerrelevante Hemmung der
Eigenkapitalbildung gilt die Benachteilung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital. Die Abzugsfähigkeit der Sollzinsen begünstigt die
Fremdkapitalaufnahme. Die Dividende, der Preis für das Eigenkapital, muss hingegen aus dem versteuerten Gewinn finanziert werden. 31
Neben diesen genannten Aspekten ist zu bedenken, dass die
Fremdkapitalaufnahme in der Vergangenheit vergleichsweise leicht war. Durch das vorherrschende Hausbankensystem sind enge Beziehungen zwischen den Banken und den Unternehmern entstanden. Das gute Vertrauensverhältnis und die geringen Transparenz- und Reportingverpflichtungen hatten zur Folge, dass sich der Mittelstand auf die Kreditwirtschaft als Kapitalgeber konzentrierte. 32 Die fehlenden Anreize zur Stärkung der Eigenkapitalbasis führten zwangsläufig zu einer höheren Fremdfinanzierung und wachsender Abhängigkeit des Mittelstands von Bankkrediten. Die Ursachen für die geringe Akzeptanz alternativer Finanzierungsquellen resultieren aus einem ausgeprägten Unabhängigkeitsstreben und Angst vor Einschränkung der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit. Viele Eigentümer betrachten ihr Unternehmen als ihr Lebenswerk und definieren den Einstieg eines neuen Gesellschafters als Eingeständnis eigener Unzulänglichkeit. 33
Weitere Gründe für die ablehnende Haltung liegen in dem bis Mitte der 90er Jahre noch unzureichenden Angebot an alternativen Finanzierungsinstrumenten und nach
29 Vgl. Frommann/Dahmann 2005, S.65 f.
30 Vgl. Kussmaul 2003, S.317.
31 Vgl. Schneck 2006, S.20.
32 Vgl. Goebel 2005, S.10.
33 Vgl. Paffenholz 2006, S.112.
Adam Sitko Seite 10
wie vor bestehenden Informationsdefiziten der mittelständischen Unternehmen. Die Wichtigkeit des Eigenkapitals für die Entwicklung ihres Unternehmens war vielen Mittelständlern nicht bewusst. Mangelnde Orientierung und knappe zeitliche Reserven führten dazu, dass die Eigenkapitalplanung häufig vernachlässigt wurde. 34
Dass der Wandel am Finanzmarkt auch im Bewusstsein der mittelständischen Unternehmen langsam angekommen ist, zeigt jedoch die Tatsache, dass knapp die Hälfte der KMU Maßnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalquote plant. 35 Für wachsende mittelständische Unternehmen wird eine starke
Fremdkapitalorientierung zu einem limitierenden Faktor. Daher ist ein echtes Risikokapital notwendig, um internationale Expansionsstrategien oder
Unternehmensnachfolgen zu bewältigen. 36 Denn langfristig ermöglicht nur die Erweiterung der Eigenkapitalbasis und damit eine Stabilisierung der Liquidität ein fundiertes Wachstum. 37
2.2.3 Basel II - Überblick und Auswirkungen
Im Zusammenhang mit Finanzierungsfragen für den Mittelstand werden seit Jahren mit dem Oberbegriff „Basel II“ oftmals negative Auswirkungen suggeriert. 38 Weil Basel II in der Tat Neuerungen für viele Unternehmen mit sich bringt, wird in diesem Abschnitt die Problematik von Basel II näher erläutert.
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1974 von den Zentralbanken der wichtigsten Industrieländer gegründet. Die Aufgabe des Ausschusses war die Erarbeitung von einheitlichen Richtlinien und verbindlichen Regelungen, die anschließend auf nationaler Ebene eigenverantwortlich durch die einzelnen Staaten umgesetzt wurden. 39 Die erste Baseler Eigenkapitalvereinbarung wurde 1988 durch den Ausschuss für Bankenaufsicht eingeführt. Grund für die Einführung war die mangelnde Stabilität des Bankensystems in den 80er Jahren und die potenzielle
34 Vgl. Schneck 2006, S.22 f.
35 Vgl. Plattner 2006, S.170.
36 Vgl. Striebel 2009, S.50 f.
37 Vgl. Rödl 2007, S.6.
38 Vgl. Hess 2007, S.59 f.
39 Vgl. Werthschulte 2005, S.25.
Adam Sitko Seite 11
Gefahr des Zusammenbruchs einzelner Bankengruppen mit unvorhersehbaren Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte. 40
Die Richtlinie Basel I beinhaltet die Harmonisierung der Rechtsgrundlagen für die Bankenaufsicht. Darüber hinaus regelt diese Vereinbarung die Definition der Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute, die international Gültigkeit haben. Das Ziel sollte zum einen durch eine Eigenkapitalhinterlegung von 8% des ausgegebenen Kreditvolumens und zum anderen durch eine Begrenzung des Kreditvolumens auf maximal das 12,5-fache des Haftungskapitals erreicht werden. Diese festgelegte Regelung, häufig als größte Unzulänglichkeit von Basel I bezeichnet, hat dazu geführt, dass bonitätsschwache und bonitätsstarke Kunden kreditkostenmäßig gleich behandelt wurden. 41
Seit 1988 haben sich das Bankgeschäft sowie die internationalen Finanzmärkte grundlegend verändert. Durch diese rasante Entwicklung stieß Basel I in den 90er Jahren schnell an ihre Grenzen. 42 Es bestand daher Bedarf, die alte Eigenkapitalvereinbarung durch eine zeitgemäße und zieladäquatere Neuregelung zu ersetzen. 43 Am 11.Oktober 2005 hat der Rat der Wirtschafts- und Finanzminister der EU die Richtlinien zur Umsetzung von Basel II gebilligt. Zum Jahresbeginn 2007 ist Basel II offiziell in Kraft getreten. Wesentliches Ziel der neuen Eigenkapitalregelung ist es, die Kapitalanforderungen der Banken stärker als bisher vom eingegangenen Risiko abhängig zu machen sowie neuere Entwicklungen und Tendenzen an den internationalen Finanzmärkten und im Risikomanagement der Institute zu berücksichtigen. Weitere Prioritäten liegen in der Vorgabe von Grundprinzipien für die qualitative Bankenaufsicht und einer Erweiterung der Offenlegungspflichten zur Stärkung der Marktdisziplin. 44 Um die genannten Ziele zu erreichen, wurde Basel II auf folgende drei sich ergänzende Säulen, Mindestkapitalanforderungen, Bankaufsichtlicher Überprüfungsprozess und
Erweiterte Offenlegungspflichten gestellt. (Vgl. Abb.4)
40 Vgl. Deloitte 2005, S.19.
41 Vgl. Hess 2007, S.61 f.
42 Vgl. Ehlers 2003, S.7.
43 Vgl. Pfahler 2009, S.25 f.
44 Vgl. Deutsche Bundesbank 2007.
Adam Sitko Seite 12
Abbildung 4: Das Drei-Säulen-Konzept des Baseler Bankenausschusses. 45
Säule 1 steht für Mindestkapitalanforderungen, die eine Eigenkapitalunterlegung für Kreditrisiken, Marktrisiken und operationale Risiken beinhalten. Die geltende Eigenkapitalvereinbarung (8% Eigenkapitalunterlegung) bleibt, wird aber mit einer Risikogewichtung unterlegt. Die Risikoeinstufung muss anhand einer Bonitätsprüfung (Rating) erfolgen. 46 Bonitätsmäßig schwache Unternehmen werden somit nicht mehr durch finanziell solide aufgestellte Unternehmen subventioniert. 47 Säule 2 regelt die qualitative Überwachung der in Säule 1 geschilderten Risikomanagementsysteme sowie die Beurteilung der Qualität der Verfahren zur Begutachtung der individuellen Risikosituation eines Kreditportfolios bei einem konkreten Kreditinstitut. Während Säule 1 vor allem die systematischen Bankenrisiken berücksichtigt, beschäftigt sich Säule 2 schwerpunktmäßig mit den institutsspezifischen Risiken. 48 Die dritte Säule des neuen Baseler Akkords hat die Aufgabe, die Offenlegungsanforderungen der Kreditinstitute zu erweitern. Eine Erhöhung der Markttransparenz soll durch deutlich erweiterte Publizitätspflichten für die Kreditinstitute, insbesondere bezüglich ihrer Risikosituation, sichergestellt werden. 49
45 Quelle: In Anlehnung an die Deutsche Bundesbank
46 Vgl. Pfahler 2009, S.25 f.
47 Vgl. Werthschulte 2005, S.29 f.
48 Vgl. Hess 2007, S.64.
49 Vgl. Behr/Fischer/ 2005, S.41.
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Adam Sitko, 2010, Private Equity als alternative Finanzierungsform für den deutschen Mittelstand, München, GRIN Verlag GmbH
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