Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
I. About John Locke 4
II. Begriffe 4
II.1. Ideen, Identität und Substanzen 5
II.2. „Ein gemeinsames Leben “ 6
II.3. „Mensch“, „Person“, „Substanz“ 6
III. Kontroversen 8
III.1. Stillingfleet und Leibniz 8
III.2. Sergeant, Butler, Reid 9
III.3. Selbstzuschreibung - Fremdzuschreibung 10
IV. Folgen im Bereich der praktischen Sozialethik 10
IV.1. Unsere Gesellschaft - Moralische Anerkennung 10
IV.2. Lohn und Strafe 12
V. Fazit und Ausblick 13
Bibliografie 14
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Einleitung
Bereits seit einigen Jahrhunderten beschäftigen sich Philosophen mit dem Problem, das Immanuel Kant scheinbar so einfach in dem Satz: „Was soll ich tun?“ zusammenfasst. Doch muss nicht zuvor eine andere Frage gestellt werden, welche lautet: „Was kann ich tun“? Der englische Philosoph John Locke hat die Betonung nochmals anderweitig gelegt, nämlich auf das „Ich“.
Das dieses Thema lange nicht so umfassend behandelt ist, wie es erscheint und somit immer noch von großer Aktualität ist, zeigt z. B. der Erfolg einer Nachmittagsserie in der ARD. 1 Eine Frau kann sich nach einem Sturz an nichts erinnern. Ihr Retter macht sie glauben, sie wäre seine verstorbene Ehefrau, woraufhin sie unter anderem Namen unbewusst ihr früheres Umfeld davon überzeugt, trotz ihrem physischem Erscheinungsbild nicht die alte Barbara zu sein. Als ihr nach und nach einige ihrer früheren Taten - sie ist eine Mörderin - bewusst werden, stellt sich allen die Frage, ob sie dafür noch haften muss. Ist sie jetzt nicht ein neuer Mensch? Eine neue Person mit einer neuen Identität? So nimmt die Frage nach der Identität der Person also im gesellschaftlichen Leben und im Strafwesen einen ganz wichtigen Platz ein. J. Locke erkannte dies schon im 17. Jahrhundert und wurde auch gewahr, dass im umgangssprachlichen Miteinander oftmals sehr ungenau mit den diesbezüglichen Begriffen hantiert wird. Nachdem ich also zunächst - um den historisch-philosophischen Kontext nicht ganz außer Acht zu lassen - einiges zum Leben Lockes berichten werde, folgt die Analyse von wichtigen Begrifflichkeiten, wie „Mensch“, „Person“, „Substanz“, „Identität“, etc., die der englische Philosoph im 27. Kapitel des zweiten Buches seines „Essay Concerning Human Understanding“ 2 gibt. Es folgt ein Blick auf seine Kritiker sowie eine Ausschau auf die Folgen, die Lockes Thesen für Gesellschaft und Strafwesen haben. Neben Lockes Essay waren die Arbeiten von Udo Thiel 3 , Walter Euchner 4 , Martina Herrmann 5 und Sandra Ausborn-Brinker 6 sehr hilfreich zum Verständnis der Thematik. Gleichzeitig wurde klar, dass der Anspruch der Arbeit auf die Einführung und Vorstellung der Problemstellung beschränkt ist.
1 Vgl. http://32068.dynamicboard.de/t5917f35-Folgen.html (10.10.2009, 9:28 Uhr).
2 Locke, J.: Versuch über den menschlichen Verstand. 2 Bde. Hamburg 4 1981, Buch II, Kap. XXVII.
(Kurztitel: EHU)
3 Thiel, U.: Lockes Theorie der personalen Identität. Bonn 1983.
4 Euchner, W.: John Locke zur Einführung. 2., überarb. Aufl., Hamburg 2004.
5 Herrmann, M.: Identität und Moral. Zur Zuständigkeit von Personen für ihre Vergangenheit. Berlin
1995.
6 Ausborn-Brinker, S.: Person und Personalität. Versuch einer Begriffsklärung. Tübingen 1999.
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I. About John Locke
John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington bei Bristol in England geboren. Seine Eltern waren Puritaner, er selbst bekannte sich später jedoch zur anglikanischen Staatskirche. So konnte er etwaigen Schwierigkeiten ausweichen, welche die Mitgliedschaft in einer religiösen Sekte durchaus hätte bringen können. Nach dem Besuch der Schule bekam er mit 20 Jahren ein Stipendium am Christ Church College in Oxford und studierte erfolgreich „klassische Wissenschaften“, Philosophie, Medizin und Chemie. Dabei setzte er sich auch früh mit den antiken erkenntnistheoretischen Autoren, wie Aristoteles, auseinander. Nachdem er sein Studium früher als geplant beenden konnte, wurde er ab 1658 Dozent am College. Er lehrte dort klassische Sprachen und Philosophie. Locke begeisterte sich jedoch in der weiteren Zeit eher für den Weg eines Universalgelehrten und konzentrierte sich auch auf den Bereich der Medizin. So war er von 1667 bis 1675 als Berater und Arzt in den Diensten des Earls of Shaftesbury tätig. Locke lebte in einer Zeit von vielen wissenschaftlichen Entdeckungen durch beispielsweise Galileo Galilei und trat auch in Kontakt mit einigen Naturwissenschaftlern, wie dem Chemiker und Physiker Robert Boyle. Seine Hinwendung zum Empirismus ist daher kein Wunder.
1675 bis 1679 hielt sich Locke in Frankreich auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Arbeit an seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk „An Essay Concerning Human Understanding“ 7 längst begonnen, allerdings wurde das Werk erst 1689 publiziert und das hier behandelte Kapitel über „Identität und Verschiedenheit“ befand sich erst in der 2. Auflage von 1694.
Obwohl sich Locke mit dem ganzen Spektrum der gesellschaftlichen Themen befasste, wird sein Name heute vorwiegend im Zusammenhang mit seiner politischen Theorie genannt. Hier ist vor allem sein Werk „Two Treatises of Government“ zu nennen. Locke spricht sich z. B. für Gewaltenteilung und eine Trennung von Kirche und Staat aus.
Am 28. Oktober 1704 starb der englische Philosoph in Oates. 8
II. Begriffe
Bevor man konstruktiv debattieren kann, braucht es gemeinsame Begrifflichkeiten. Darum gilt es vorerst, Locke´s Definitionen zu analysieren.
7 Locke: EHU.
8 Vgl. Euchner: John Locke zur Einführung.
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II.1. Ideen, Identität und Substanzen
Zunächst einmal soll hier untersucht werden, was nach Lockes Sichtweise die Identität ausmacht. Wie geschieht also die Unterscheidung jedweden Dinges von anderem und was sind somit die Faktoren für eine Individuation? Locke zu Folge ist die bloße Existenz in Raum und Zeit völlig ausreichend, um die „Ideen“ von „Identität“ und „Verschiedenheit“ zu rechtfertigen. Mit der Aussage: „[…] zwei Dinge derselben Art können unmöglich in demselben Zeitpunkt an demselben Ort vorhanden sein oder existieren. Ebensowenig kann ein und dasselbe Ding zur selben Zeit an verschiedenen Orten sein.“ 9 bringt Locke seine Meinung klar zum Ausdruck. Seine Redeweise von „Ideen“ zielt schon auf die Tatsache hin, dass er in diesem Fall kein Anhänger der Methode ist, bei der einer bestimmten Gruppe diese und jene Akzidenzien fest zugeschrieben und als naturgegeben dargestellt werden. So bildet er z. B. die Artidee, bei der die Einteilung aus einer Verstandesleistung besteht, die aus den abstrakten Ideen gleiche Eigenschaftskomplexe sortiert und Arten definiert. Auf diese Weise lässt sich Locke einen guten Spielraum bei etwaigen Veränderungen der Dinge zu verschiedenen Zeitpunkten. 10 Die Ideen sind also Grundlagen für die menschlichen Denkprozesse.
Wenn hier von „Identität“ die Rede ist, dann im diachronen Sinne, also über die Zeit hinweg. Auf Kritik an Lockes Begriff von Identität gehe ich später noch ein. Nun ist es aber nicht möglich den gleichen Begriff auf so offensichtlich verschiedene Dinge, wie z. B. eine Zahnbürste und einen Menschen anzuwenden. Locke unterteilt also in 3 Arten von Substanzen. Demnach können wir über Gott, endliche vernunftbegabte Lebewesen und Körper nachdenken. 11 Gott ist ewig, und seine Identität somit außer Frage, die geistigen Wesen unterscheiden sich schon im Zeitpunkt des Anfangs ihrer Existenz, und Körper bleiben gleich, wenn ihnen keinerlei Partikel abgezogen oder hinzugefügt werden. 12 Das „principium individuationis“ ist nach Locke also die bloße Existenz. 13
II.2. „Ein gemeinsames Leben…“
9 Locke: EHU, § 1, Z. 30ff.
10 Vgl. Thiel: Lockes Theorie der personalen Identität. S. 26.
11 Vgl. Locke: EHU. § 2, Z. 1ff.
12 Vgl. ebd.: § 2, Z. 12ff.
13 Vgl. ebd.: § 3, Z. 2f.
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Arbeit zitieren:
Martin Gerasch, 2009, John Locke´s Konzepte von Mensch, Substanz, Person und ihrer Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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