Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Voraussetzung für den Existenzbeweis in der ersten Meditation. 1
3 Die Argumentation zum Existenzbeweis. 3
3.1 Gott der dem Ich Vorstellungen einflößt. 4
3.2 Das Ich redet sich etwas ein 5
3.3 Der böse Geist der das Ich täuscht 6
4 Existenzbeweis 8
5 Literaturverzeichnis 10
1 Einleitung
Auf der Suche nach der Grundfeste aller Wissenschaft stürzt René Descartes in den Meditationen über die Grundlage der Philosophie alles das uns Bekannte in tiefen Zweifel, um in dieser Leere den ersten unbezweifelbaren festen Punkt zu suchen. Von diesem Punkt aus, so Descartes, lässt sich überhaupt erst jede Form von Wissenschaft sicher entwickeln. Dies ist in meinen Augen eine der interessantesten Stellen in den Meditationen über die Grundlage der Philosophie, da es einige problematische Stellen gibt, die zu scheinbaren Widersprüchen führen können. Dies ergibt sich sowohl aus der Textgrundlage - als einer nicht zwingend systematischen Meditation - als auch aus den Gedanken selbst in ihrer Radikalität (methodischer Zweifel). Letzteres erweist sich auch für Descartes als problematisch und stellt somit, meiner Meinung nach, eine besondere Herausforderung für die Interpretation dieses Auszugs dar.
Mich dieser Problematik widmend, wird meine Auseinandersetzung mit Descartes hier ansetzen. Dies geschieht, in dem ich seine Argumentation Satz für Satz nachvollziehe, um Klarheit über die bis zu diesem Punkt gemachten Annahmen zu erhalten. Ich beginne mit der ersten Meditation und den darin gesetzten Voraussetzungen. Anschließend komme ich zum Existenzbeweis (zweite Meditation), indem ich in Descartes’ Argumentation überprüfe, ob sein Existenzbeweis in dieser Form überhaupt durchführbar ist. Kann Descartes Gott und einen bösen Geist als Prüfstein einsetzen und warum hat er diesen Weg gewählt? Als Ergebnis seiner Argumentation und Fundament für seine Meditationen trifft er die Aussage, dass das Ich ist und existiert, solang es dies denkt oder ausspricht 1 . Diesen Punkt nachzuvollziehen, bedarf es, die möglichen Widersprüche zu erkennen und zu lösen, worin ich den Anspruch meiner Arbeit sehe.
2 Voraussetzung für den Existenzbeweis in der ersten Meditation
Descartes schreibt in seiner ersten Meditation, „daß an allem, was ich früher für wahr hielt, zu zweifeln möglich ist“ 2 . Dabei handelt es sich um seine Methode des radikalen Zweifelns. Mit dieser Vorgehensweise sucht er nach unerschütterlichen Fundamenten in der Welt, und um diese zu finden, stürzt er alles, was er früher für wahr hielt in Zweifel. Doch er erkennt
1 „Und so komme ich, nachdem ich nun alles mehr als genug hin und her erwogen habe, schließlich zu der Feststellung, daß dieser Satz: ‚Ich bin, ich existiere‘, sooft ich ihn ausspreche oder in Gedanken fasse, notwendig wahr ist.“ S. 45 2. Meditation, 3. Absatz.
2 S. 39 1. Meditation, 10. Absatz.
1
schnell, dass es ihm schwerfällt, die Konsequenzen 3 seiner Überlegungen zu akzeptieren. Er verfällt immer wieder seinem alten Trott, und vertraut seinen früheren Überzeugungen, da sie doch wahrscheinlicher sind. Um aus diesem Zustand heraus zu kommen, will er sich selber in diesen alt bekannten Annahmen täuschen und ihnen die „entgegengesetzte Richtung“ 4 geben. Er will zum Beispiel nicht mehr annehmen, dass es einen allgütigen Gott gibt, sondern einen bösen Geist, der ihn in all seinen Annahmen über die Welt täuscht („Himmel, Luft, Erde, Farben, Gestalten, Töne und alle Außendinge seien nichts als das täuschende Spiel von Träumen“ 5 ). Er sieht also seine früheren Ansichten als ein Extrem und er möchte sich jetzt so lang dem entgegengesetzten Extrem zuwenden, bis er schließlich beide Extreme ins Gleichgewicht gebracht hat. Descartes möchte somit die Mitte zwischen diesen beiden Extremen finden und von diesem zentralen Standpunkt seine Meditationen fortsetzen. Es heißt an diesem Punkt also nicht, dass es die Dinge, die zweifelhaft sind, gar nicht gibt, sondern dass es bezweifelbar ist, dass sie existieren. Descartes behauptet folglich durch den Zweifel an einem Ding nicht seine Nichtexistens, sondern nur die Möglichkeit, dass dieses Ding ist oder eben nicht ist. Des Weiteren ließe sich vermuten, dass Descartes hier auch ein Anderssein der Dinge mit in Betracht zieht, d. h., dass die Dinge nicht so sind wie wir sie wahrnehmen oder erkennen, sondern eine ganz andere Gestalt, Form oder Charakter haben können, wir sie also falsch erkennen.
Interessant bei dieser Vorgehensweise ist, dass das gegenteilige Extrem von Gott, nicht ein nicht existierender Gott ist. Descartes sieht als Gegenteil Gottes den bösen Geist. Als entgegengesetzte Richtung zum Glauben an Gott sieht er die Existenz eines bösen Geistes. In seiner Argumentation lässt er die Möglichkeit, dass es keine geistige Instanz gibt, vollständig aus.
Descartes befindet sich an einem Punkt, an dem nichts mehr sicher ist. Dies bietet die beste Voraussetzung für eine Suche nach dem ersten zweifelsfreien und unerschütterlichen Fundament. Auf die Argumentation zum folgenden Existenzbeweis wird nun näher eingegangen.
3 Wenn Descartes so radikal zweifelt, gibt es keine Grundfesten mehr, auf die er vertrauen kann. Doch er setzt immer wieder auf Altbekanntes und ihm Vertrautes. Es fällt ihm demnach schwer, die Zweifelhaftigkeit der Dinge, die ihm doch so vertraut sind, in voller Konsequenz einzusehen. Denn in dieser Situation des Zweifelns, kann er auf nichts vertrauen und das macht ihn unsicher und aus dieser Unsicherheit heraus, sucht er Halt in der Gewohnheit.
4 S. 39 1. Meditation, 11. Absatz.
5 S. 41 1. Meditation, 12. Absatz.
2
Arbeit zitieren:
Maria Jeß, 2007, Descartes Fundament, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Vergleichen Sie die Entstehungsgeschichte des Kapitalismus bei Karl Ma...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 16 Seiten
Platons Eros - Über die platonische Liebe
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Ökonomik der Medienfinanzierung: Ballungsraumfernsehen
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 18 Seiten
Begründung der Willensmetaphysik in den §§ 17 bis 21 und des Kapitels ...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Seminararbeit, 14 Seiten
Risikokommunikation - Darstellung von Risiken
Verschiedenen Möglichkeiten de...
Psychologie - Kognitive Psychologie
Seminararbeit, 26 Seiten
Die Theorie der Schweigespirale - Grundlagen und Kritische Betrachtung...
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Theorie der Schweigespirale nach Elisabeth Noelle-Neumann
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 16 Seiten
Das Böse bei Johann Gottlieb Fichte und Immanuel Kant
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
F. W. Taylor und sein Konzept der Betriebsführung
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 10 Seiten
Der Personenbegriff in der Praktischen Philosophie
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Zwischenprüfungsarbeit, 20 Seiten
Emotionen und Denken - Geschlechtsspezifische Emotionen in Erleben und...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
M J hat einen neuen Text hochgeladen
The Essential Bill of Rights: Original Arguments and Fundamental Docum...
Margien Lloyd, Gordon Lloyd
0 Kommentare