übertroffen werden. Die entscheidenden Impulse für eine suffiziente Schmerzbehandlung erfolgten durch die moderne Galenik als Retardtabletten, als Sublingualtabletten, als transdermale therapeutische Systeme, als transmucosale, transnasale oder als oral applizierte osmotisch-aktive Systeme. Weiterhin gewinnt die Kombination von systemisch wirksamen Opioid-Rezeptor-Agonisten mit lokal wirksamen Antagonisten an Bedeutung, z. B. Tilidin + Naloxon oder Oxycodon + Naloxon. Bei den anderen Medikamenten zur Schmerzlinderung sind die neueren Substanzen aus der Gruppe der Antikonvulsiva (z. B. Pregabalin) ebenso wie an Neurotransmittersystemen selektiv und nicht -selektiv wirksame Antidepressiva (z. B. Duloxetin) zu nennen. Ihr Einsatz erfolgt vor allem bei der Therapie neuropathischer Schmerzsyndrome, z. B. bei Polyneuropathien oder Nervenläsionen. Durch die Erforschung des Endocannabinoid-Systems ergeben sich vermehrt Therapieansätze für
die Anwendung von Δ-9-Tetrahydrocannabinol, dem reinen Alkaloid der Hanfpflanze. Dies ist jedoch eher dem Einzeleinsatz vorbehalten, da einerseits die nachgewiesenen antiemetischen, analgetischen, spasmolytischen als auch appetitanregenden Eigenschaften überzeugend, jedoch einzeln den jeweiligen Standardsubstanzen nicht
deutlich überlegen und die Nebenwirkungen beachtenswert sind. 1 2 Mit Ziconotid, dem Giftstoff aus der marinen Kegelschnecke Conus magus, steht ein Wirkstoff mit völlig neuem Wirkprinzip zur Verfügung. Allerdings ist der Einsatz immer an eine kontinuierliche intrathekale Applikation gebunden, die Kosten für Medikament und Applikation entsprechend hoch. Die topische Applikation von Opioiden, z. B. Morphin
oder Buprenorphin, zeigt widersprüchliche Behandlungsergebnisse. 3 Es wird aber als Morphin-Gel 1% für extrem schmerzhafte Ulzerationen empfohlen. 4 Für die Therapie vor allem neuropathischer Schmerzzustände wird wieder die systemische Applikation von Lokalanästhetika, z. B. von Lidocain, genutzt, wie es bereits mit Procain zur Behandlung der Pankreatitis erfolgte. Perspektivisch wird mit dem Wirkstoff Tapentadol eine neue Substanz in der medikamentösen Schmerztherapie eingesetzt werden. Der neue Behandlungsansatz besteht in einer Kombination von µ-Rezeptor-Agonismus und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung. Von den bereits bei anderen Indikationen bewährten Substanzen werden zukünftig Somatostatin als auch Butylscopolamid aufgrund der nachgewiesenen analgetischen Wirkung vermehrt zur
Schmerzbehandlung eingesetzt. 5 Zur Supplementierung einer bereits umfangreichen Schmerzmedikation, bei Opioid-induzierter Hyperalgesie sowie bei unzureichendem Erfolg einer konventionellen Schmerzbehandlung werden der NMDA- Rezeptorantagonist Ketamin bzw. das Enantiomer S-Ketamin parenteral angewandt. Für
Arbeit zitieren:
Dr. Eric Hempel, 2009, Neue Strategien in der Schmerztherapie, München, GRIN Verlag GmbH
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