Inhaltsverzeichnis:
1. Einführung
1.1 Carl Schmitt und die RAF 3
1.2 Carl Schmitt in den 68ern 4
1.3 Staatsansichten 5
2. Schmitts Theorien
2.1 Theorie des Partisanen - Entstehung und Hintergrund 6
2.2 Der Partisan 6
2.3 Was ist Dezisionismus? 7
3. Wolfgang Kraushaar - von der antiautoritären Bewegung zum
bewaffneten Kampf
3.1 Vom Dezisionismus zum Linksfaschismus 8
3.2 Dutschke: Stadtguerilla nach Ché Guevara zur Restitution 9
des deutschen Klassenbewusstseins
4. Die Rote Armee Fraktion (RAF)
4.1 Das Konzept der Stadtguerilla 11
4.2 Fazit 12
5. Literaturverzeichnis 13
2
1. Einführung
1.1 Carl Schmitt und die RAF
Während meiner Recherche für das Referat über den bekanntesten, aber auch umstrittensten deutschen Staats- und Völkerrechtler des 20. Jahrhunderts Carl Schmitt, stieß ich immer wieder auf Artikel, in denen die Frage behandelt wurde, ob und wenn ja in wie weit Carl Schmitts Theorien der RAF zum Vorbild oder gar zur Legitimation für den bewaffneten Kampf gedient haben könnten. Zunächst hat mich diese Annahme verwundert, da mir Carl Schmitt bisher nur durch seinen
ideologischen Beitrag zur Nazi-Diktatur und seiner antisemitischen Äußerungen während der Nürnberger Prozesse bekannt war. Aus diesem Grund schien es mir abwegig, ihn mit der RAF, die aus der 68er Revolte, welche sich besonders kritisch mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzte, hervorgegangen war, in Verbindung zu bringen oder gar in einen Topf zu werfen. Das Thema weckte mein Interesse also habe ich mich entschlossen, es für die Ausarbeitung des Referats genauer zu untersuchen. Dabei habe ich jedoch schnell gemerkt, dass dieses Thema
Hinblick auf das politische und moralische Selbstverständnis Deutschlands und des Rechtsstaates an sich stets eine gewisse kritische Vorsicht zu waren ist. Von daher möchte ich zunächst einmal darstellen, aus welcher Intention heraus sich sowohl Carl Schmitt als auch die RAF gegen den Rechtsstaat und die liberale Demokratie verschworen haben und mit welchen Mitteln sie hofften, diesen zu überwinden. Anhand dessen werden schnell einige Gemeinsamkeiten im Denken beider deutlich. Ob diese jedoch ausreichen, um Rückschlüsse über eine Einflussnahme zu belegen, möchte ich aufzeigen, indem ich Carl Schmitts Theorie des Partisanen mit dem Konzept der Stadtguerilla, welches die RAF 1971 veröffentlicht hat, vergleiche. Außerdem schien es mir ebenfalls notwendig, kurz auf die teils doch sehr fragwürdige Darstellung von Wolfgang Kraushaar einzugehen, der sich in seinem Buch „Die RAF und der linke Terrorismus“ mit diesem Thema befasst hat. Denn besonders in der Kritik an seinem Werk bzw. an den darin von ihm gezogenen ideologisch problematischen Schlussfolgerungen lässt sich darstellen, wie polarisierend und noch immer nicht vollständig aufgearbeitet der Verlauf der deutschen Geschichte zur Zeit der 68er Revolte bis heute noch ist.
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1.2 Carl Schmitt in den 68ern
Obwohl Carl Schmitt erst 1985 im Alter von 97 Jahren gestorben ist, macht es den Anschein, dass er abgeschieden in sozialer und akademischer Isolation lebend, bereits in den 68ern in Vergessenheit geriet - oder zumindest sollte man annehmen, dass seine Theorien vor dem Hintergrund, der moralisch doch sehr verwerflichen Tatsache, dass er sich bis zuletzt nicht von seinem Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus distanzierte, wohl kaum Gehör gefunden hätten. Insbesondere nicht bei der Generation der Jugendlichen, die nun endlich mit dem Verhalten ihrer Elterngeneration während und nach dem Nationalsozialismus abrechnen wollten.
Wenngleich Carl Schmitts Lehre zwar von den Nationalsozialisten für ihre Zwecke in Anspruch genommen wurde, so finden sich doch unter seinen Schülern auch solche, die „bei den Linken Autorität genießen“. 1 Für Schmitt schien dies selbstverständlich gewesen zu sein, denn links und rechts waren für ihn bloß “Begriffe der politischen Vulgärsprache“.
Dies gab schon früh den Anstoß für die Diskussion über einen möglichen Einfluss Schmitts auf die 68er Bewegung. Es lassen sich zwar vereinzelt Parallelen wie z.B.
in der Parlamentarismuskritik feststellen, jedoch scheint es nie einen direkten Kontakt zwischen ihm und den Vertretern der 68er gegeben zu haben. Jedoch scheint Carl Schmitt der Studentenrevolte gegenüber durchaus aufgeschlossen gewesen zu sein. Er beobachtete die Unruhen mit Zuversicht weil er sah, dass die radikale Linke drauf und dran war "einen Umschwung" herbeizuführen. Und hoffte insgeheim der Terror der RAF könne bei den Regierenden in Bonn Interesse am Ausnahmezustand erwecken, welcher nach seiner politischen Idee endlich die Unzulänglichkeit des liberalen Rechtsstaates ans Tageslicht bringen würde. Da auch seine Auffassung zu Antiliberalismus, Etatismus, Antiimperialismus und Antiamerikanismus auf besonderes Interesse bei den Linken stieß, wird dies häufig als das stärkste Argument für die These gesehen, dass die Ursprünge des Staats-und Gesellschaftsverständnisses der Studentenbewegung bei Carl Schmitt gesucht werden müssten.
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2 Leonard Landois, Konterrevolution von links: Das Staats- und Gesellschaftsverständnis der '68er' und dessen Quellen bei Carl Schmitt, Nomos 2008
Seite | 4
Arbeit zitieren:
Sarah Schlitt, 2009, Carl Schmitt und die RAF, München, GRIN Verlag GmbH
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