Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Jugendalter und seine Besonderheiten 3
2.1 Die zentralen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters 3
2.2 Alkoholkonsum im Zusammenhang mit den Entwicklungsaufgaben 6
3. Die Substanz Alkohol 7
3.1 Alkohol und seine Wirkung 7
3.2 Von Missbrauch, Rausch und Binge Drinking 10
3.3 Alkoholkonsum von Jugendlichen 13
3.3.1 Einflussfaktoren auf vermehrten Alkoholkonsum bei Jugendlichen 14
3.3.2 Auswirkungen und Folgen exzessiven Alkoholkonsums 17
3.3.3 Die Gefahr einer Abhängigkeitserkrankung 19
3.4 Alkoholprävention 20
4. Fragestellung und Design der empirischen Untersuchung 24
4.1 Forschungsgegenstand und Forschungsfragen 24
4.2 Untersuchungsansatz und Methode 24
4.2.1 Auswahl der Stichprobe 25
4.2.2 Das schülerV’Z 25
4.2.3 Erhebungsinstrument 26
4.3 Durchführung der Untersuchung 29
4.3.1 Stichprobenbeschreibung 29
4.3.2 Auswertung und Datenanalyse 30
4.4 Methodische Probleme der Untersuchung 30
5. Darstellung und Diskussion der Ergebnisse der Untersuchung 32
5.1 Trinkverhalten und Trinkgelegenheiten Jugendlicher 32
5.2 Jugendliche Trinkmotive 38
5.3 Auswirkungen exzessiven jugendlichen Alkoholkonsums 43
5.4 Auffälligkeiten im Umfeld jugendlicher Alkoholkonsumenten 45
5.5 Präventionsmöglichkeiten 47
Inhaltsverzeichnis
5.5.1 Beurteilung von Präventionsmöglichkeiten 47
5.5.2 Präventionsverbesserungsvorschläge aus der Sicht der Jugendlichen 50
5.6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse 51
6. Schlussbemerkungen 54
Tabellenverzeichnis 56
Abbildungsverzeichnis 57
Abk ürzungsverzeichnis 58
Anhang 59
Literaturverzeichnis 88
1. Einleitung
Christine ist erst 15. Polizisten haben sie an einer Landstraße gefunden. Ihr Zustand ist bedrohlich. Die Diagnose: Alkoholvergiftung. Der Rettungswagen bringt Christine ins Krankenhaus. Sie wird in der Notaufnahme untersucht. Sie ist nicht ansprechbar; niemand weiß, wie viel sie getrunken hat.
Thomas wurde an einer S-Bahn-Haltestelle gefunden. Er ist bewusstlos. Der Rettungswagen bringt ihn in die Notaufnahme des Krankenhauses. Die Diagnose lautet Alkoholvergiftung. Er hat 2,2 ‰ im Blut. Thomas droht völlig das Bewusstsein zu verlieren, seine Atmung verschlechtert sich. Er wird auf die Intensivstation verlegt. Am nächsten Morgen sagt Thomas, er habe nicht im Krankenhaus landen wollen. Es sei halt so gekommen. Er habe es einfach übertrieben und seine Grenzen nicht gekannt.
Diese Ausschnitte einer Fernsehreportage 1 machen deutlich, wie aktuell und gefährlich der exzessive Alkoholkonsum von Jugendlichen ist. In der letzten Zeit häufen sich derartige Berichte über jugendliche Alkoholexzesse, die nicht selten im Krankenhaus enden. Die Anzahl von Jugendlichen mit exzessiven Trinkmustern wächst und es zeichnet sich eine immer frühere und häufigere Alkoholmissbrauchsproblematik im Jugendalter ab. Früher konsumierten vorwiegend Jungen derart exzessiv Alkohol. Seit einigen Jahren nehmen aber auch solche Trinkmuster bei Mädchen stark zu. Welche Motivationen, Ziele und Wünsche verstecken sich hinter einem solchen Verhalten? Dieser Frage soll u. a. in dieser Arbeit nachgegangen werden. Hierzu wurde eine eigens für diese Arbeit erstellte empirische Untersuchung durchgeführt.
Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird zunächst ein Blick auf die Besonderheiten der Jugendphase mit ihren typischen Entwicklungsaufgaben geworfen. Im Kapitel 3 folgt die Darstellung der Substanz Alkohol: seine Wirkungsweise und seine Konsumformen Missbrauch und ‚Binge Drinking’. Zudem werden Einflussfaktoren und Auswirkungen jugendlichen Alkoholkonsums beschrieben sowie die Gefahr einer
Abhängigkeitserkrankung erläutert. Im Weiteren wird über die Alkoholprävention informiert. Das Kapitel 4 beinhaltet die Vorstellung und die Beschreibung der empirischen Untersuchung, welche im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurde. Im
1 ARD-Reportage ‚Saufen bis der Arzt kommt - Kinder im Vollrausch’ vom 03.07.2008. Anzusehen ist die Reportage unter www.dokumentarfilm24.de/2008/07/03/komasaufen-jugendliche-und-alkohol-konsum/
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fünften Kapitel werden die gewonnen Ergebnisse der Studie dargestellt und interpretiert.
Aus Gründen der Lesbarkeit wird in der folgenden Arbeit die männliche Form in der Bezeichnung von Personen verwendet. In der Regel sind hiermit beide Geschlechter gemeint. Wenn geschlechtsspezifische Unterschiede gemeint sind, werden diese im Text eigens betont.
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2. Das Jugendalter und seine Besonderheiten
Das Jugendalter ist das Übergangsstadium in der Entwicklung des Menschen vom Kind hin zum vollen Erwachsensein. Es beinhaltet die Pubertät, welche direkt an die Kindheit anschließt, und die Adoleszenz. Die Pubertät beginnt bei Mädchen etwa ab dem 10. Lebensjahr, bei Jungen etwa ab dem 12. Lebensjahr. „Charakteristisch für diese Phase ist eine Hormonumstellung des Körpers, die zur Ausreifung der sekundären Geschlechtsorgane führt“ (Schrader 2007, 283). An die Geschlechtsreife schließt sich die Entwicklungsphase der Adoleszenz an. In der Adoleszenz finden diverse psychische, emotionale, kognitive und soziale Veränderungen statt. Sie stellt eine Art der Vorbereitung auf Lebensformen, Rechte und Pflichten des Erwachsenseins dar (vgl. King 2007, 5).
2.1 Die zentralen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters
Im Jugendalter sehen sich Mädchen und Jungen einer Vielzahl altersspezifischer Aufgaben der Selbst- und Beziehungsregulation, so genannte Entwicklungsaufgaben, gegenüber. Die zentralen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz sind die Integration von Körper und Sexualität, die Entwicklung eines tragfähigen Selbstkonzeptes und einer persönlichen Identität und die beginnende Ablösung von den Eltern sowie die Einordnung in soziale Gruppen (vgl. Hülshoff 2006, 228).
Die körperlichen Veränderungen müssen verarbeitet und ins Leben integriert werden. Die Frage, ob man ‚ok’ ist, beschäftigt alle Jugendlichen mehr oder weniger. Der vermeintlichen oder tatsächlichen Reaktion der Umwelt auf das Äußere eines Jugendlichen kommt eine außerordentlich große Bedeutung bei. Das eigene Körperbild und damit auch das Selbstbild und Selbstwertgefühl ist noch nicht gefestigt und somit verletzlicher als in anderen Entwicklungsphasen (vgl. Hülshoff 2006, 217 f). Die Akzeptanz des Körpers hängt eng mit der Entwicklung einer geschlechtsspezifischen Rolle zusammen. Diese Entwicklung orientiert sich nicht nur an biologischen Grundmustern. Wie ein Mann oder eine Frau idealtypisch zu sein hat, wird sehr stark kulturell definiert. Gesellschaftliche Erwartungen spielen daher eine große Rolle. Besonders bedeutsam sind allerdings geschlechtsbezogene Rollenmuster, Erwartungen und Prägungen, die einen Menschen bereits in seiner frühsten Kindheit
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beeinflussen. Mit zunehmendem Alter orientieren sich Jugendliche, was ihre geschlechtsspezifischen Rollen angeht, vermehrt an Idolen und Vorbildern aus der Umwelt (vgl. ebd., 222 f).
Viele Bedürfnisse, wie das Bedürfnis nach Sexualität, entstehen in der Jugendphase neu oder in anderer Ausprägung als in der Kindheit. Vor allem das Verlangen nach körperlicher und sexueller Betätigung kann gegebenenfalls mit Misserfolgserlebnissen und starken Selbstwertkrisen einhergehen (vgl. ebd., 218).
„Weitere vor allem sozial relevante Aufgaben in der Adoleszenz bestehen darin, eine Reihe von Werten und Überzeugungen als Richtschnur für das eigene Verhalten zu erwerben, also eine eigene tragfähige Weltanschauung zu entwickeln sowie verantwortliches Verhalten in der Sozietät anzustreben und zu übernehmen“ (Hülshoff 2006, 224). Da die pluralisierte und individualisierte Gesellschaft keine einheitlichen Werte, Normen und Ziele vorgibt bzw. vermittelt, wird der Weg zur eigenen Lebensgestaltung erschwert. Das breite Spektrum an Möglichkeiten und Freiräumen führt gerade in dem labilen Zeitraum des Jugendalters zu Unsicherheiten und kann eine Überforderung in der Lebensplanung mit sich bringen (vgl. Voßmann 2008, 9 f). Mit zunehmender emotionaler und sozialer Reife gelingt es dem Jugendlichen, gesellschaftliche Normen und Werte kritisch zu überprüfen und sie zu einem stimmigen Weltbild, der Richtschnur eigenen Handelns, zu integrieren. „Letztlich geht es also darum, Werte, Überzeugungen und Verhaltensweisen zu entwickeln, die vor sich selbst und vor anderen verantwortet werden“ (Hülshoff 2006, 225).
Eine weitere wichtige Entwicklungsaufgabe besteht darin, eine Unabhängigkeit von den Eltern und anderen Erwachsenen zu erreichen, sowohl in finanzieller, weltanschaulicher und kognitiver Hinsicht als auch im Lebensalltag. Darüber hinaus gilt es, eine emotionale Distanz zu erreichen (vgl. Hülshoff 2006, 226). Die Familiendynamik in der Pubertät ist geprägt von der Bewältigung des beginnenden familiären Ablösungsprozesses. Sowohl der Jugendliche als auch die Eltern stehen vor dem Widerspruch, einerseits einander zu brauchen und andererseits die Ablösung vorzubereiten. „Dieser Ablösungsprozess steht im Spannungsfeld von zentripitalen Bindungskräften, die den Jugendlichen in der Familie halten und ihm Halt geben, sowie zentrifugalen Ausstoßungskräften, die ihn aus der Familie in die Eigenständigkeit schicken“ (Hülshoff 2006, 226 f). „In den heftigen Aggressionen eines
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Autoritätsprotestes gelingt es dem Jugendlichen, sich abzulösen und eigenständig zu werden. Depression, Rückzug und infantile Regression schützen ihn mitunter davor, sich vorschnell auf neue und ihn überfordernde Wagnisse einzulassen“ (ebd., 220). Die Ablösung vom Elternhaus trägt somit zur Identitätsbildung, Unabhängigkeit und Selbständigkeit bei. Dieser Prozess ist unumgänglich, sogleich er auch schmerzhaft sein kann.
Im Ablösungsprozess von der Herkunftsfamilie orientieren sich Jugendliche zunehmend an Gleichaltrigen. Die so genannten Peer-Groups haben einen enormen Einfluss auf die Entwicklung und Sozialisation der Jugendlichen. Im Sozialverband werden Rollen ausprobiert, es können Konkurrenz erfahren sowie Positionen angestrebt oder verteidigt werden. Zudem entstehen Beziehungen und Freundschaften sowie erste Partnerschaften. „Die Gruppe Gleichaltriger […] spielt eine wichtige Rolle zur Stabilisierung des eigenen emotionalen und kognitiven Erlebens“ (Hülshoff 2006, 224). Peers bieten Orientierungspunkte für den Entwicklungsprozess und Maßstäbe zur subjektiven Selbsteinschätzung. Sie sind hoch bedeutsam für die Übernahme von Verhaltensweisen und leisten wichtige Hilfestellungen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben (vgl. Bellutti 2006, 20). „Zeitweilen kann die Gruppe so wichtig werden, dass ihre Ziele und Ideale mitunter unkritisch übernommen werden“ (Hülshoff 2006, 224).
Die Bewältigung der anforderungsreichen Jugendphase ist „sowohl von der Anzahl der zu bewältigenden Aufgaben, als auch von den sozialen und den persönlichen Ressourcen, über die ein jeder verfügt abhängig“ (Friedrich 2005, 11). Dem überwiegenden Teil der Jugendlichen gelingt es, die einzelnen Entwicklungsschritte zu bewältigen, auch wenn im Verlauf Spannungen, Widersprüche oder Konflikte und Krisen auftreten können (vgl. Voßmann 2008, 10). In der Pubertät auftretende emotionale Krisen sind normal. Sie sprechen für Kraft und Vitalität, für Entwicklung und eine sich zunehmend konsolidierende Identität des Jugendlichen (vgl. Hülshoff 2006, 220). Eine an sich für die Pubertät ‚normale’ und typische Entwicklungskrise kann jedoch auch zu einer ‚pathologischen’ Krise werden, indem die Symptomatik eine Eigendynamik entfaltet und wichtige phasenspezifische Entwicklungsschritte verhindert (vgl. ebd., 230).
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2.2 Alkoholkonsum im Zusammenhang mit den Entwicklungsaufgaben
Alkohol ist ein fester Bestandteil unserer Alltagskultur. Der Erwerb eines verantwortlichen Umgangs mit Alkohol gehört daher ebenfalls zu den entwicklungsspezifischen Aufgaben der jungen Heranwachsenden. Im Rahmen der Entwicklungsaufgaben gibt es diverse Funktionen, die der Alkoholkonsum für Jugendliche ausüben kann. Zum einen kann er Ausdruck eines persönlichen Stils oder der Suche nach grenzüberschreitenden Erfahrungen sein. Zum anderen erleichtert Alkohol den Zugang zu gleich- oder gegengeschlechtlichen Gleichaltrigen. Alkoholkonsum kann auch als exzessiv-ritualisiertes Verhalten fungieren. Des Weiteren kann durch das Trinken von Alkohol die Unabhängigkeit von den Eltern demonstrieren oder die elterliche Kontrolle bewusst verletzten. ‚Spaß haben’ und das ‚Leben genießen’ sind weitere Funktionen im Rahmen eines subkulturellen Lebensstils. Alkoholkonsum kann aber auch Ausdruck sozialen Protests bzw. eine gewollte Normverletzung sein. Nicht zuletzt kann Alkohol eine spannungs- und stressregulierende Funktion einnehmen sowie als Ausdruck des Erwachsenseins oder als Form der Selbstdarstellung im Kreise Gleichaltriger dienen (vgl. Bellutti 2006, 52 f; Riedinger 2007, 27 f).
Das reine Probier- und Neugierverhalten ist entwicklungsgemäß und normal. Der Missbrauch von Alkohol kann aber Ausdruck einer fortdauernden Pubertätskrise sein. Subjektiv nicht lösbar erscheinende Probleme, seelische oder soziale Konflikte und unerträglich erscheinende Emotionen können betäubt werden. Die besondere Jugendkultur, in der dies geschieht, trägt weiter zur Verfestigung des Suchtverhaltens bei. Schließlich kann es zur Abhängigkeit von der als Unterstützung empfundenen Droge kommen, sodass eine Veränderung ohne (professionelle) Hilfe nicht mehr möglich ist (vgl. Hülshoff 2006, 232).
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3. Die Substanz Alkohol
„Das sozialmedizinische Problem in Deutschland und auch in Europa ist […] die Alkoholabhängigkeit“ (Trost 2004, 279 f). Laut der Drogenaffinitätsstudie 2008 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) konsumieren 9,5 Millionen Menschen in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Etwa 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig. Jedes Jahr sterben ca. 73.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums (vgl. Bätzing 2009, 38). Besonders im Jugendalter zeichnet sich eine frühere und häufigere Alkoholmissbrauchsproblematik ab. Immer häufiger trinken Jugendliche vor dem vierzehnten Lebensjahr. 75,8 % der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland haben Erfahrungen mit Alkohol. 21,8 % der Jungen und 12,8 % der Mädchen dieser Altersgruppe konsumieren wöchentlich Alkohol. 20,4 % der Jugendlichen haben Erfahrungen mit Rauschtrinken (vgl. Bätzing 2009, 38 f). Obwohl die Zahlen von 2007 auf 2008 wieder leicht gesunken sind, ist der Alkoholkonsum Jugendlicher nach wie vor ein Problem in Deutschland.
3.1 Alkohol und seine Wirkung
Das Wort ‚Alkohol’ stammt aus dem Arabischen. Al cohol (al-Kuhl) bedeutet ‚das feine Puder’ bzw. ‚die Augenschminke’ (vgl. Schmidt 1986, 109). Die chemische Bezeichnung ist Äthylalkohol bzw. Äthanol (C 2 H 5 OH). Äthanol ist eine farblose, brennend schmeckende Flüssigkeit. Durch die Gärung von Zuckerarten, die durch Hefe in Alkohol und Kohlensäure gespalten werden, entsteht Alkohol. Trinkalkohol darf nur durch die Hefegärung von Pflanzenteilen, Melasse, Stärke oder Zucker gewonnen werden (vgl. Feuerlein 1989, 19).
Alkohol hat in vielerlei Hinsicht Relevanz. Er ist ein Energieträger mit erheblichem Joulegehalt und somit ein Nahrungsmittel. Als Genussmittel ist er Bestandteil in zahlreichen Getränken. Die meisten alkoholischen Getränke enthalten neben Alkohol aber noch eine Reihe von Begleitstoffen, die dem jeweiligen Getränk die spezifische Geschmacks- bzw. Duftqualität verleihen. Alkohol hat zudem eine berauschende und deutlich toxische Wirkung (vgl. ebd., 3, 14 f). Er kann aber auch als Heilmittel bzw. Pharmakon eingesetzt werden. Alkohol hat somit kulturhistorische,
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gesellschaftspolitische, volkswirtschaftliche und fiskalische Bedeutungen (vgl. Bergler et al. 2000, 7).
Alkohol zählt in Deutschland zu den Suchtmitteln, deren Erwerb, Besitz und Handel legal sind (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. 2008, 1). Die Verfügbarkeit von Alkohol ist sehr hoch. Im internationalen Vergleich ist er in Deutschland für einen geringen Preis erhältlich. Dies bedingt, dass die Konsumraten für Alkohol sehr hoch sind.
„Alkohol diffundiert nach der Aufnahme durch die Schleimhäute des oberen Verdauungstraktes in die Blutbahn. Durch die Mundhöhle und Speiseröhre werden nur geringe Mengen, durch den Magen ca. 20 % und durch den oberen Dünndarm der Rest aufgenommen“ (Schmidt 1986, 110). Die Diffusion ist abhängig von der Alkoholkonzentration bzw. den Begleitstoffen. Bereits wenige Minuten nach der oralen Aufnahme ist Alkohol bereits im Blut nachweisbar. Nach etwa 30-60 Minuten ist die höchste Konzentration des Alkohols im Blut erreicht. Die Verteilung geschieht relativ rasch und gleichmäßig in alle Organe und Gewebe. Etwa 60-90 Minuten nach Trinkende ist die Verteilung im Körper abgeschlossen und die Blutalkoholkonzentration (BAK) entspricht nun weitgehend der des Gewebes. Sie ist abhängig von der Alkoholmenge, von der Resorptionsgeschwindigkeit, vom Körpergewicht bzw. der Menge des Körperwassers und von der Geschwindigkeit der Alkoholelimination (vgl. Feuerlein 1989, 20 f).
Alkohol wird im Körper durch Oxidation abgebaut. Auf diese Weise werden etwa 90-95 %, vorwiegend in der Leber, eliminiert. Der Rest wird durch die Nieren (0,5-2 %, maximal 5g/l Urin), durch die Lungen (1,6-6 %) und durch die Haut (Schweiß, maximal 0,5 %) ausgeschieden. Nur geringfügige Mengen werden durch den Speichel ausgeschieden (vgl. Feuerlein 1989, 21).
Pro Stunde werden unter normalen Bedingungen etwa 120-150mg Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht verstoffwechselt. Dies entspricht einer Alkoholmenge von ca. 10g pro Stunde bzw. maximal ca. 240g Alkohol in 24 Stunden für einen normalgewichtigen, gesunden Erwachsenen (vgl. Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hautstelle für Suchtfragen e.V. 2003, 22).
„Die Wirkung von Alkohol ist in erster Linie abhängig von der konsumierten Menge und vom Alkoholgehalt des Getränkes. Aber auch die individuelle körperliche und
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seelische Verfassung spielen eine Rolle“ (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. 2007, 2).
Der Körper reagiert auf Alkohol mit Schwindelgefühlen, einem erhöhten Puls und erweiterten Blutgefäßen. Der Alkohol führt zu vermehrtem Schwitzen, beeinträchtigt die Fähigkeit des Gehirns, die Körpertemperatur zu regulieren und beeinflusst die Absonderung von Magensäure. Zudem wird das Bedürfnis zu urinieren erhöht. Es können auch Störungen des Gedächtnisses und der Orientierung auftreten. Die Koordinations- und die Wahrnehmungsfähigkeit werden beeinträchtigt, es kommt zu undeutlicher Aussprache und Vergiftungserscheinungen, wie z.B. Erbrechen oder im Extremfall zum Atemstillstand.
Bei geringen Dosen wirkt Alkohol euphorisierend und senkt Hemmschwellen, z.B. für riskantes Verhalten. Des Weiteren ändert sich das Verhalten, indem er z.B. aggressiver macht. Alkohol bewirkt weiterhin Stimmungsschwankungen und erhöht das Risiko für Depressionen und Suizid (vgl. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. 2007, 2; Friedrich 2005, 7).
Die Blutalkoholkonzentration wird in Promille (‰) angegeben. Dies entspricht der Alkoholmenge in Gramm pro Liter Blut (vgl. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. 2007, 1). 0,5 ‰ Blutalkoholkonzentration entsprechen somit 0,5 Gramm Alkohol pro Liter Blut.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (2007, 3) legt einen risikoarmen Alkoholkonsum für Frauen bis zu 12g Reinalkohol am Tag, für Männer bis 24g fest. Ein riskanter Konsum besteht hiernach bei Frauen bei mehr als 12g bis 40g Reinalkohol täglich und bei Männern bei mehr als 24g bis 60g täglich. Trinken Frauen mehr als 40g bis 80g und Männer mehr als 60g bis 120g Reinalkohol am Tag, besteht bei ihnen ein gefährlicher Konsum. Ein Hochkonsum besteht bei Frauen bei mehr als 80g und bei Männern bei mehr als 120g reinen Alkohols am Tag. „Aufgrund physiologischer Unterschiede wie dem Körpergewicht, anderer psychologischer Bedingungen (Konsumerfahrung) und geringer entwickeltem Urteilsvermögen können bei Jugendlichen die für Erwachsene entwickelten Kriterien nicht einfach übernommen werden“ (Bellutti 2006, 66). Bei Kindern und Jugendlichen gelangt der Alkohol aufgrund der durchlässigeren Blut-Hirn-Schranke schneller als bei Erwachsenen vom Blut ins Gehirn. Dort verursacht er eine Beeinträchtigung psychophysischer Funktionen. Zudem ist der Alkoholabbau durch das noch unreife
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Enzymsystem unzulänglich. Dies bewirkt, dass die Alkoholverträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen deutlich geringer entwickelt ist als bei Erwachsenen (vgl. Bergler et al. 2000, 85 f). „Die Alkoholtoleranz von Kindern und Jugendlichen ist aufgrund biologisch-physiologischer Gegebenheiten und auch wegen der noch nicht abgeschlossenen Reifeprozesse niedriger als die Alkoholtoleranz Erwachsener“ (ebd.). Da Männer physiologisch begründet eine höhere Alkoholverträglichkeit haben als die Frauen, ist davon auszugehen, dass auch Jungen gegenüber Mädchen eine höhere Alkoholverträglichkeit besitzen (vgl. ebd.). Bergler et al. legten für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren etwa zwei Drittel der für Erwachsene genannten Alkoholmengen zugrunde. Für Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren entsprechen die Werte etwa einem Drittel der Werte für Erwachsene.
Alkohol ist eine Droge, die in unserer Kultur voll integriert ist und deren Konsum in vielen sozialen Bezügen zur alltäglichen Gestaltung des Lebens dazugehört. Er wird aufgrund der erwünschten Wirkungen der sich einstellenden Euphorie und der Spannungsreduzierung konsumiert. „Diese psychischen Effekte sind es, die den Reiz der Droge Alkohol ausmachen“ (Stimmer & Müller-Teusler 1999, 23). Gleichzeitig sind die Herstellung und der Vertrieb von Alkohol ein großer Wirtschaftsfaktor. Rund 525 Millionen Euro wurden allein im Jahr 2003 in Werbung für alkoholhaltige Getränke investiert (vgl. Voßmann 2008, 38).
„Das Trinken von Alkohol besitzt soziale Funktionalität. Alkohol ist Symbolträger und Konstruktionsmittel sozialer Wirklichkeit. Sein Konsum ist sozial geregelt und normiert - Abweichungen werden stigmatisiert, sanktioniert oder auch tabuisiert“ (Haag 2007, 41 f). Inwiefern ein bestimmtes Alkoholkonsumverhalten als tolerabel oder aber als problematisch bezeichnet wird, hängt somit von individuellen und gesellschaftlichen sowie im wissenschaftlichen Bereich akzeptierten Norm- und Wertvorstellungen ab (vgl. Bergler et al. 2000, 18).
3.2 Von Missbrauch, Rausch und Binge Drinking
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert den einmaligen bis ständigen Konsum einer Droge ohne medizinische Notwendigkeit bzw. in einer übermäßigen Dosierung als Missbrauch. Eine übermäßige Dosierung trifft insbesondere für den Alkoholmissbrauch im Rahmen von z.B. Bierfesten oder Karnevalsveranstaltungen zu,
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bei denen auch erhebliche Rauschzustände noch toleriert oder sogar angestrebt werden. Alkoholmissbrauch liegt aber auch dann vor, wenn bei unpassenden Gelegenheiten, wie z.B. im Straßenverkehr, Alkohol konsumiert wird (vgl. Stimmer & Müller-Teusler 1999, 20). Zudem ist von einem Missbrauch zu sprechen, wenn es durch die Alkoholwirkung zu vorübergehenden, aber deutlich sichtbaren Veränderungen der psychischen und/oder physischen Funktionen des Konsumenten kommt, wie z.B. bei einem Rauschzustand (vgl. Feuerlein 1989, 4). „Missbrauch heißt noch nicht Abhängigkeit, bei Abhängigkeit liegt jedoch zugleich Missbrauch vor“ (Stimmer & Müller-Teusler 1999, 21).
In unserer Gesellschaft ist der Übergang vom Konsum zum Missbrauch fließend. Das gesellige Trinken wird bei allen sich bietenden Gelegenheiten gefördert, zum Teil sogar exzessiv. Zugleich wird das Zwecktrinken zur Minderung körperlicher und seelischer Konflikte vollkommen geduldet, sogar über die Werbung und das Fernsehen durchaus in Richtung Normalität gerückt (vgl. ebd., 86 f).
„Das Wort ‚Rausch’ […] impliziert im gängigen Sprachgebrauch einen hohen Grad von lustbetonter Gefühlsbewegung“ (Feuerlein 1989, 99). Ein akuter Rausch bzw. eine akute Vergiftung (Intoxikation) ist ein vorübergehender Zustand nach der Aufnahme von Alkohol oder anderen psychotropen Substanzen mit Störungen des Bewusstseins, der kognitiven Funktionen, der Wahrnehmung, des Affektes, des Verhaltens oder anderer psychophysiologischer Funktionen und Reaktionen (vgl. Dilling et al. 2005, 90 f). Der Alkoholrausch ist auch von einer Reihe vegetativer Störungen gefolgt, die als ‚Kater’ bezeichnet werden (vgl. Feuerlein 1989, 101).
Backmund teilte den Alkoholrausch bzw. die -intoxikation in vier Stadien ein. Im ersten Stadium, bei einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 0,5 bis 1,5 Promille, beginnt ein nichttoleranter Mensch bereits verwaschen und mehr als sonst zu reden. Teilweise wirkt er distanzlos und benommen, sein Gang kann unsicher und ataktisch sein. In diesem ersten Stadium sind die Menschen oft leicht reizbar und aggressiv. Im zweiten Stadium (BAK 1,5 bis 2,5 Promille) wird überwiegend zusätzlich ein Glücksgefühl empfunden. Jedoch kann die Stimmung auch sehr gereizt und aggressiv werden. Das Gehen ist nur noch mühsam und schwankend möglich. Im Stadium 3 (BAK 2,5 bis 3,5 Promille) benötigt der Intoxikierte dringend medizinische Hilfe. Im Vordergrund stehen Verwirrtheit, Benommenheit oder gar Bewusstlosigkeit. Schmerzen werden nicht mehr empfunden. Zudem kann eine lebensbedrohliche Unterzuckerung entstehen. Die
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Koordination und der Gang sind, soweit noch möglich, schwer gestört. Bei einer Blutalkoholkonzentration von über 3,5 Promille ist der Nichttolerante komatös und in höchster Lebensgefahr. Die Reflexe sind erloschen, auch auf Schmerzreize reagiert der Intoxikierte nicht mehr. Der Tod kann durch Erbrechen und Aspiration 3 eintreten, wodurch insbesondere Kinder und Jugendliche bereits in niedrigen Stadien der Intoxikation bedroht sind. Im vierten Stadium kommt es zu Atemstörungen. Diese können auch zu einer Atemlähmung mit unmittelbar folgendem Kreislaufstillstand übergehen (vgl. Backmund 2007, 173 f). Die Alkoholvergiftung tritt bei den meisten Menschen ab einer Blutalkoholkonzentration von 3 Promille auf. Tödlich verlaufende Alkoholvergiftungen sind ab einer Blutalkoholkonzentration von 5 bis 8 Promille zu erwarten, allerdings sind auch schon bei niedrigeren BAK Todesfälle eingetreten (vgl. Bellutti 2006, 68). Entscheidend für die individuelle Ausprägung des Alkoholrauschs ist aber nicht nur die BAK, sondern auch andere Faktoren wie zum Beispiel die körperliche Konstitution oder die gegenwärtige psychische Verfassung. „Das Gehirn von Kindern, Jugendlichen und alten Menschen ist wesentlich anfälliger auf die Wirkung von Alkohol“ (ebd.).
Der Begriff ‚Binge Drinking’ (engl. ‚to binge on something’ = sich mit etwas voll stopfen) beschreibt den exzessiven bzw. übermäßigen Alkoholkonsum zu einer bestimmten Gelegenheit mit dem Ziel, einen Rausch herbeizuführen. Übersetzt bedeutet der Begriff ‚Rauschtrinken’, umgangssprachlich wird er unter anderem als ‚Komasaufen’ bezeichnet (vgl. Bätzing 2008, 58). Es handelt sich hierbei um eine Form exzessiver Alkoholaufnahme meist hochprozentiger Getränke in großen Mengen und in kurzer Zeit. „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht unter ‚Binge Drinking’ den Konsum von fünf und mehr alkoholischen Standardgetränken zu einer Gelegenheit“ (ebd.). Ein Standardglas Alkohol entspricht hierbei etwa 10g Ethanol (Fischer & Lammel 2009, 49). Für Frauen wird eine niedrigere Alkoholmenge von vier oder mehr alkoholischen Getränken zur Definition angesetzt, da sie aus biologischen Gründen weniger Alkohol zur Erlangung eines Rauschzustandes benötigen als Männer (vgl. Haag 2007, 47 f). Für Männer entspricht diese Menge etwa 1,25 Liter Bier oder 0,6 Liter Wein und mehr. Für Frauen entspricht sie etwa 1,0 Liter Bier oder 0,5 Liter Wein und mehr.
3 Aspiration bedeutet das Eindringen flüssiger oder fester Stoffe in die Atemwege (vgl. Pschyrembel 2004, 152).
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Insbesondere bei Jugendlichen ist in den letzten 15 Jahren eine steigende Risikobereitschaft zu beobachten, wenn es darum geht, Alkohol in solch gefährlicher Weise zu konsumieren. Es scheinen sich unter Teenagern Trinkrituale entwickelt zu haben, bei denen der Rausch Teil einer sozialen Interaktion ist. „Es geht darum, innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Alkohol zu sich zu nehmen und sich massiv zu betrinken“ (Backmund 2007, 172) und somit einen möglichst intensiven Rauschzustand zu erleben. Eine weitere auffällige Entwicklung ist, dass Jugendliche den Alkohol häufig direkt aus der Flasche trinken. Dies geschieht häufig im Gehen. Somit findet das Trinken quasi ‚nebenbei’ statt. Der Alkoholkonsum wird so beliebig, wirkt unbedeutend und wird als lockere Selbstverständlichkeit ritualisiert. Gleichzeitig verlieren die Jugendlichen die Kontrolle über die getrunkene Menge (vgl. Kuttler 2008, 17). Durch das Trinken ‚nebenbei’ sind Jugendliche sehr überrascht, oft erschrocken, von der teilweise lebensbedrohlichen Eskalation des Geschehens (vgl. ebd., 15). Im Jahr 2008 gaben 20 % der 12-17-jährigen Jugendlichen an, mindestens einmal im letzten Monat ‚gebingt’ zu haben. Hieraus sticht besonders die Gruppe der 16- bis 17-Jährigen hervor (vgl. Bätzing 2009, 39).
Von dieser Form des exzessiven Alkoholkonsums können erhebliche gesundheitliche Risiken ausgehen, die durchaus auch lebensbedrohlich sein können. Allein „die Zahl von 10- bis 20-Jährigen mit akuter Alkoholintoxikation im Krankenhaus hat sich zwischen 2000 und 2006 von 9.500 auf 19.500 mehr als verdoppelt“ (Kuttler 2008, 14). Im Jahr 2007 waren es bereits 23.165 Jugendliche. „Binge Drinking gilt als ein Indikator für riskanten bzw. problematischen Alkoholkonsum“ (Bätzing 2009, 38 f).
3.3. Alkoholkonsum von Jugendlichen
An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass der größte Teil der deutschen Jugendlichen einen unproblematischen Umgang mit Alkohol hat. Ein ernst zu nehmender, aber in der Relation sehr viel kleinerer Anteil der Jugendlichen weist jedoch missbräuchliche oder sogar alkoholabhängige Konsummuster auf (vgl. Bergler et al. 2000, 21). Im Alter von 10 bis 14 Jahren trinken die meisten Jugendlichen das erste Mal Alkohol. Die ersten Erfahrungen sammeln sie oft innerhalb der Familie oder bei Familienfesten. Der Beginn des häufigeren Suchtmittelkonsums von Jugendlichen liegt bei etwa 14 Jahren (vgl. Friedrich 2005, 8). Die ersten Rauscherfahrungen machen 29 % der Jugendlichen vor dem 15. Lebensjahr (vgl. Stimmer & Müller-Teusler 1999, 118 f). Die
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Aufnahme des Konsums bzw. der Einstieg in den Konsum findet überwiegend in der Gleichaltrigengruppe statt und hängt wesentlich von der Verfügbarkeit des Alkohols und geeigneten Verhaltensmodellen ab (vgl. Fischer & Lammel 2009, 28). Laut der BZgA betrug die pro Kopf konsumierte Alkoholmenge der 12-17-Jährigen im Jahr 2007 durchschnittlich 50,4g pro Woche. Bei den weiblichen Jugendlichen hat sich der Alkoholkonsum auf niedrigerem Niveau in die gleiche Richtung entwickelt (vgl. Bätzing 2008, 58).
Einen regelmäßigen Konsum von mindestens einmal in der Woche weisen im Jahr 2008 17,4 % der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren auf. Dies entspricht 21,8 % der Jungen und 12,8 % der Mädchen (vgl. Bätzing 2009, 39). Einen riskanten Alkoholkonsum weisen 6,6 % der männlichen und 5,8 % der weiblichen Jugendlichen dieses Alters auf. Ein gefährlicher bzw. ein Hochkonsum besteht bei 2,5 % der Jungen und bei 1,5 % der Mädchen (vgl. ebd.). Ein regelmäßiger Konsum findet sich im Durchschnitt bei 2,4 % der 11-jährigen Jungen und bei 0,6 % der Mädchen dieses Alters. Bei den 13-Jährigen finden sich bereits 11,3 % der Jungen und 8,5 % der Mädchen, die regelmäßig trinken. Unter den 15-Jährigen findet sich bei 37 % der Jungen und bei knapp einem Viertel der Mädchen ein regelmäßiger Alkoholkonsum. „Die Zahlen sind erschreckend hoch, drücken sie doch den Alkoholkonsum derer aus, die nach dem Jugendschutzgesetz noch keinen Alkohol erwerben dürfen und diesen eigentlich in der Öffentlichkeit auch nicht konsumieren dürfen“ (Settertobulte 2003, 3).
3.3.1 Einflussfaktoren auf vermehrten Alkoholkonsum bei Jugendlichen
Die Ursachen bei der Entstehung eines vermehrten Alkoholkonsums bei Jugendlichen sind von Person zu Person unterschiedlich. „Das Verhalten muss also sowohl vor dem Hintergrund der individuellen Biografie, als auch in Bezug zur sozialen Lebenswelt betrachtet werden“ (Friedrich 2005, 10).
Es werden die sozialen von den intrapersonellen Einflussfaktoren unterschieden. Zu den sozialen Einflussfaktoren gehören u. a. die sozio-ökonomischen Faktoren. Alkohol ist heutzutage leicht zugänglich und an vielen Bahnhöfen und Tankstellen rund um die Uhr verfügbar. Zudem werden die entsprechenden Jugendschutzgesetze oft nicht eingehalten. „Alkohol ist günstiger zu bekommen, verbreiteter und der Erwerb durch
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Jugendliche weniger durch soziale Kontrolle eingeschränkt als in der Vergangenheit. Im Vergleich zum verfügbaren Taschengeld sind Alkoholika leicht erschwinglich und bezogen auf die Entwicklung der Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren günstiger geworden“ (Kuttler 2008, 16). Diese Faktoren begünstigen Jugendalkoholkonsum.
Eine große Rolle spielen auch die Eltern bzw. der elterliche Erziehungsstil. Kinder und Jugendliche orientieren sich an dem Verhalten und Handeln ihrer Eltern. Somit hat auch der Alkoholkonsum der Eltern einen deutlichen Einfluss auf das Konsumverhalten ihrer Kinder. Dieser Einfluss kann sowohl positiv als auch negativ sein (vgl. Bergler et al. 2000, 34). Das bedeutet, dass die „Familie der wichtigste Lernort ist, um Trinkmuster und Trinksitten festzulegen“ (ebd.). Das Risiko für Kinder von alkoholabhängigen Eltern selbst alkoholabhängig zu werden ist somit eindeutig erhöht. Bei fast einem Drittel aller späteren Alkoholiker ist mindestens ein Elternteil selbst alkoholabhängig gewesen. Besonders Söhne von alkoholabhängigen Vätern weisen ein problematischeres Trinkverhalten und schwere Formen von Alkoholabhängigkeit auf (vgl. ebd., 35).
Eine große Rolle spielt auch der elterliche Erziehungsstil. Sowohl ein verstärkt autoritäres als auch ein wenig an Regeln orientiertes und inkonsistentes Erziehungsverhalten haben negative Auswirkungen auf den Alkoholkonsum Jugendlicher (Bergler et al. 2000, 36).
Auch ein hohes Maß an familiären Konflikten sowie Trennungen und Scheidungen der Eltern erhöhen das Risiko für einen frühen Einstieg und einen späteren Alkoholmissbrauch. Eine fehlende emotionale Bindung an die Eltern hat ebenfalls Effekte auf den Substanzkonsum der Jugendlichen (vgl. Leppin 2000, 68 f).
Die gleichaltrigen Freunde sind ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für den Alkoholkonsum, da sich das Trinkverhalten wesentlich an dem der Gleichaltrigen orientiert. „Konsumieren die Mitglieder einer Peerguppe stark, dann konsumieren die Freunde mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls stark“ (Fischer & Lammel 2009, 90). Alkoholkonsum in der Gruppe dient dazu, Zusammenhalt, Stärke und eine Abgrenzung von der Erwachsenenwelt zu demonstrieren (vgl. Bergler et al. 2000, 39).
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Umgekehrt kann aber auch die mangelnde Integration in eine solche Gleichaltrigengruppe dazu führen, dass Alkohol konsumiert wird (vgl. Scherbaum 2007, 172 f).
Zu den intrapersonellen Einflussfaktoren zählt zum einen das Geschlecht. Das Risiko von männlichen Jugendlichen zu Problemkonsumenten zu werden ist nach wie vor höher als das von weiblichen. Ursachen hierfür sind u. a. genetische und persönliche Faktoren, aber auch das nach wie vor unterschiedliche Werte- und Normensystem, das für weibliches und männliches Verhalten herrscht (vgl. Leppin 2000, 72). In der letzten Zeit zeigen sich allerdings gewisse Angleichungsprozesse im Konsumverhalten der Mädchen.
Zum anderen scheinen auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen. „Der einzelne Organismus reagiert unterschiedlich auf Alkohol. Genetische Faktoren beeinflussen Resorption, Stoffwechsel, spezifische Wirkungen und Zellmembrane, Transmitter-, Enzymsysteme und damit die Wirkungen auf Erfolgsorgane sowie die Ausscheidung des Alkohols“ (Schmidt 1986, 99). Zwillings- und Adoptionsstudien ergaben, dass ein genetisches Risiko an einer Alkoholabhängigkeit zu erkranken, viermal so hoch ist, wie bei risikoarmen Personen (vgl. Leppin 2000, 72 f). Die genetische Disposition wird unter Umständen aber erst von weiteren Faktoren ‚aktiviert’ (vgl. ebd., 74). Genetische Ursachen werden also als Grund für einen auffälligen Alkoholkonsum oder auch Alkoholabhängigkeit nicht ausgeschlossen. Die Forschung in diesem Bereich ist jedoch lange noch nicht abgeschlossen (vgl. Friedrich 2005, 18).
Dispositionelle Faktoren haben ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung eines vermehrten oder exzessiven Alkoholkonsums bei Jugendlichen. „Zum Suchtmittelkonsum disponieren auch Persönlichkeitszüge wie Impulsivität und Risikoverhalten“ (Scherbaum 2007, 171 f). Auch das häufige Überschreiten sozialer Regeln (Delinquenz) gilt als Risikofaktor. Diese Variablen bestimmen wiederum die Wahl des Freundeskreises und die Nähe zu den Eltern, „was auf die sozialen Normen bezüglich des Umgangs mit Alkohol zurückwirkt“ (Blomeyer et al. 2008, 23). Jugendliche mit derartigen Verhaltensstörungen beginnen meist früher mit dem Konsum von Alkohol und konsumieren exzessiver als andere Jugendliche (vgl. Leppin 2000, 77). Es ist ein
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Arbeit zitieren:
Anneke Krüskemper, 2009, Exzessiver Alkoholkonsum von Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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