Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 SPRACHSPIEL (ALS MODELL EINER PRIMITIVEN SPRACHE) 4
2.1 ABRICHTUNG 4
2.2 VERKÜRZTES SPRACHSPIEL 6
3 WORT 6
4 BENENNUNG 7
5 LEBENSFORMEN. 8
5.1 VERGLEICH MIT EINER STADT. 9
5.2 WEITERE SPRACHSPIELBEGRIFFE. 9
6 REGEL 10
6.1 ANLASS DER REGELBEFOLGUNG 10
6.2 NEGATION DER PHILOSOPHIE. 11
6.2.1 Grundgedanke der Negation 11
6.2.2 Das Problem des Verstehens und des Meinens 12
6.3 VERHÄLTNIS ZWISCHEN REGEL UND SPIEL. 13
7 FAMILIENÄHNLICHKEITEN 14
7.1 DER UNTERSCHIED VON GEMEINSAMKEIT UND GEMEINSAMKEITEN. 14
7.2 GEMEINSAMKEITEN VON SPRACHE UND SPIEL. 14
8 DAS BEISPIEL DER EMPFINDUNG UND DES SCHMERZES. 15
8.1 PRIVATSPRACHE 16
8.2 OBERFLÄCHE-N UND TIEFENGRAMMATIK. 16
8.3 RESÜMEE 17
9 LITERATURVERZEICHNIS 18
10 SIGLENVERZEICHNIS 18
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1 Einleitung
In seinem Vorwort schreibt der späte Wittgenstein, welcher der Urheber des Sprachspielbegriffs ist, von dem diese Hausarbeit handelt, er habe „schwere Irrtümer“ in seinem „Traktat“ festgestellt und wolle diese nun richtig stellen (vgl. PU, S. 8). Aufgrund dessen bezieht sich die vorliegende Hausarbeit in erster Linie auf die Erklärung des Sprachspielbegriffs in den Philosophischen Untersuchungen.
Und bereits in dem Umschlag der Philosophischen Untersuchungen ist folgendes Zitat Wittgensteins zu lesen:
„Man kann für eine große Klasse von Fällen der Benützung des Wortes `Bedeutung´ - wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung- dieses Wort so erklären: Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“. (PU 43) Diese Aussage macht bereits deutlich, dass sich die Theorie Wittgensteins nicht metaphysisch erklären lässt, da das allein stehende Wort oder „Zeichen“, wie Wittgenstein es auch nennt, kein eigenständiges Wesen ist (vgl. PU 116).
Mit der Beschreibung des Sprachspielbegriffs möchte Wittgenstein Klarheit in den philosophischen Problemen schaffen, denn es wird in den Philosophischen Untersuchungen deutlich, dass Wittgenstein eine Art therapeutische Stellungnahme einnimmt, insofern er eine Selbstaufgabe der Philosophie zugunsten unserer alltäglichen Sprache in Betracht zieht. Diese Hausarbeit möchte nun das Sprachspiel; ihren Grundgedanken und ihre Voraussetzungen erklären, denn eine genaue Definition kann und will Wittgenstein uns nicht geben. Mein Hauptanliegen im Hinblick auf diese Hausarbeit liegt darin, dieses Zitat, anhand der folgenden Erklärungen, vollkommen verständlich zu machen.
Allerdings fällt es sehr schwer, den Sprachspielbegriff richtig erklären zu können. So spricht auch Wuchterl (1969, S. 147) von einer „Unmöglichkeit der Thematisierung der Sprachspiele als soziologische Fakten.“ Jedoch bin ich der Auffassung, dass diese Unmöglichkeit nicht nur in dem Sprachspielbegriff, sondern auch in der ganzen Komplexität der Alltagssprache beruht. Eben diese Komplexität ist wohl auch der Grund dafür, dass Wittgenstein den Sprachspielbegriff hauptsächlich durch sehr viele, dafür aber leicht verständliche, Beispiele zu erklären versucht. Aufgrund dessen werden auch in dieser Hausarbeit einige der vielen verschiedenen Beispiele Wittgensteins aufgegriffen.
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2 Sprachspiel (als Modell einer primitiven Sprache)
Der Begriff des Sprachspiels soll zum Einen die Bedeutung des Äußerungskontextes betonen und zum Anderen auf weitere zusammenhängende Aspekte hinweisen, wie beispielsweise die nichtsprachlichen Äußerungsumstände, worunter auch das Muster aus PU 1 fällt, oder das Lernen (vgl. Schulte, 1989, S. 140). Wuchterl (1969, S. 122) nennt in seinem Buch folgende drei Arten der Sprachspiele Wittgensteins, wie sie in einer Lebensform vorkommen:
1. „als Modell einer primitive Sprache“ 2. „als sprachliche Funktionseinheit“ 3. „als Gesamtheit der sprachlichen Tätigkeiten“
In diesem Kapitel soll zunächst einmal das Sprachspiel als Modell einer primitiven Sprache erörtert werden. Die beiden weiteren Funktionen, die soeben genannt wurden, werden in dieser Hausarbeit im Zusammenhang mit der Lebensform (Kapitel 4) erklärt. In PU 7 wird der Sprachspielbegriff zum ersten Mal eingeführt. Wittgenstein legt ihn hier folgendermaßen dar:
„Wir können uns auch denken, dass der ganze Vorgang des Gebrauchs der Worte in (2) eines jener Spiele ist, mittels welcher Kinder ihre Muttersprache erlernen. Ich will diese Spiele `Sprachspiele´ nennen, und von einer primitiven Sprache manchmal als einem Sprachspiel reden“ (Wittgenstein, PU 7).
2.1 Abrichtung
Da Wittgenstein hier von dem Vorgang, also von der Situation des (sprachlichen) Gebrauchs in PU 2 spricht, ist es sinnvoll, diesen zunächst zu beschreiben:
Die Interaktion verläuft auf einer Baustelle, auf der die Bausteine „Würfel, Säulen, Platten und Balken“ bereit stehen. Der Bauende A ruft seinem Gehilfen B nur die jeweiligen Wörter, also die vorhandenen Bausteine, zu, woraufhin B ihm diese Bausteine bringt. Vorher muss B allerdings noch gelernt haben, welche Bausteine er mit welchem dazugehörigen Ruf oder Laut verbinden soll und welche er demnach bringen soll. In PU 8 gibt Wittgenstein ein weiteres Beispiel an, welches die Grundzüge aus PU 2 beinhaltet, allerdings noch Zahlwörter und die Wörter „dorthin“ und „dieses“ hinzunimmt, welche in Verbindung mit einer Handbewegung in die gemeinte Richtung gebraucht werden.
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Diese Beispiele zeigen, dass Wittgenstein das Lernen als eine Abrichtung ansieht, insofern der Eine einen Befehl gibt und der Andere diesen ausführt.
Der Begriff der Abrichtung soll verdeutlichen, dass der Lernende gar keine andere Möglichkeit hat, sich eine bestimmte Tätigkeit anzueignen, außer eben durch kontinuierliches Training (vgl. Schulte, 1989, S. 143).
Desweiteren „ist das Lernen in der Abrichtungssituation mit unseren naturgegebenen Anlagen verknüpft“ (Schulte, 1989, S. 144).
So ein natürlicher Gebrauch oder so eine natürliche Handlung findet sich z. B. bereits in einer Begrüßung: Man hat gelernt, dem Gegenüber seine Hand, und nicht beispielsweise sein Bein, zu reichen. Dieses Gelernte hat man bereits nach kurzer Zeit verinnerlicht und gibt zur Begrüßung stets die Hand. Zumal es sehr merkwürdig erscheinen würde, wenn man seinem Gegenüber zur Begrüßung ein Bein ausstrecken würde.Es bringt nichts, wenn man fragt, wieso man etwas so und nicht anders macht, z. B. wieso man eben die Hand ausstreckt oder wieso man die Sprache so und nicht anders verwendet.
Die sinnvollste Antwort wäre wohl, dass man die Sprache aufgrund der Lebensform, in der man lebt, verwendet. So stellt auch Schulte (1989, S. 143) fest:
„Wem eine bestimmte Tätigkeit (...) fremd ist, wird zunächst nicht einmal imstande sein, Fragen zu stellen, die ihm weiterhelfen können.“
Eben so eine primitive Art der Sprache wird beispielsweise, wie auch Augustinus in PU 1 erklärt, von einem Kind benutzt, welches das Sprechen gerade erlernt, indem es zunächst einmal die vorgesagten Wörter nachspricht oder indem es Gegenstände benennt, auf die der Erwachsene mit einer Handbewegung hinweist (vgl. PU 7). Es muss also eine Art Ähnlichkeit zwischen dem Erlernen der Muttersprache und einem Spiel bestehen. So lassen sich unter diesen Formen der Sprachspiele auch Sprachlernspiele bzw. Benennungsspiele verstehen. Hierzu sei allerdings zu erwähnen, dass Kinder die meisten Spiele erlernen, ohne dabei Abrichtung zu erfahren, so beispielsweise durch Zuschauen des Spiels oder, besser noch, da effektiver, durch aktives Mitspielen. Wittgenstein (PU 5) nennt diese Art des Lehrens auch „hinweisendes Lehren der Wörter“, da in diesem Fall z. B. das Kind, die Benennung des Dinges noch nicht erfragen kann.
Aufgrund dieser Abrichtung könne es sich, Schulz (1979, S. 63) zufolge, bei den primitiven Sprachspielen nicht um den hermeneutischen Zirkel handeln, da der Ausgangspunkt des hermeneutischen Zirkels für ein bestimmtes Verstehen schließlich in der Vertiefung des eigenen Vorwissens bestehe.
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Arbeit zitieren:
Oksana Kerbs, 2007, Das Sprachspiel in den Philosophischen Untersuchungen, München, GRIN Verlag GmbH
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Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 18 Seiten
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Seminararbeit, 14 Seiten
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