Dienemann, Nils:
Untersuchung von Erfolgsfaktoren in der Samstagabend-Unterhaltung am Beispiel von Wetten, dass..? - 2006 - 97 S. Köln, Hochschule Mittweida (FH), Fachbereich Medien, Bachelorarbeit
Referat:
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der Samstagabend-Show Wetten, dass..?. Ziel der Arbeit ist es, Charakteristika der Sendung herauszuarbeiten und Erfolgsfaktoren zu bestimmen. Anhand von sechs Ausgaben von Wetten, dass..? wird eine Strukturanalyse und eine Inhaltsanalyse vorgenommen. Strukturell zeigt sich im Hauptteil ein wiederholter Ablauf dreier Komponenten: Gesprächsrunden, danach Wett-Runden und schließlich Show-Acts. Inhaltlich basiert die Sendung auf drei Säulen: die Wetten als das Kernelement der Sendung, die Talks mit Prominenten vornehmlich aus Film und Fernsehen und Show-Acts vor allem aus der Pop-Musik.
Es wird heraus gearbeitet, dass der Erfolg von Wetten, dass..? auf der Solidität des Konzepts und der Qualität des Showmasters und dem Zusammenspiel von beiden beruht. Das Expertengespräch mit Dr. Hallenberger untermauert die Bedeutung der herausgearbeiteten Ergebnisse.
II
Inhalt
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 8
2. Geschichte und Wandel der Samstagabend-Show 11
2.1 Einleitung zur Geschichte 11
2.2 Versuch einer Definition 11
2.3 Weitere Erläuterungen bzw. Eingrenzungen. 12
2.4 Die 1950er Jahre - Entstehung eines neuen Genres 12
2.4.1 Frankenfeld und Kulenkampff - Die ersten
Unterhaltungsstars. 13
2.5 Die 1960er Jahre - Bunt gewordene Unterhaltung 16
2.6 Die 1970er - Parallele Entwicklung. 19
2.7 Die 1980er Jahre - Neue Strukturen gegen alte
Traditionen 20
3. Ursachen zum Untergang der großen
Samstagabendshow. 23
4. Einleitendes zu Wetten, dass. ? 25
4.1 Produktionsaufwand. 27
5. Klassifizierungsversuch von Wetten, dass. ? 31
5.1 Konzept. 31
5.2 Spiel 32
5.3 Prominenz. 34
5.4 Schwerpunkt der Sendung. 35
III
6. Strukturanalyse von Wetten, dass. ? 37
6.1 Ablaufstruktur 37
6.2 Dramaturgie 42
6.2.1 Nebenhandlung 42
6.2.2 Haupthandlung 44
7. Inhaltsanalyse. 47
7.1 Wetten. 47
7.1.2 Außenwette und Stadtwette. 50
7.1.3 Wetteinlösungen. 52
7.2 Talks / Gesprächsrunden 53
7.2.1 Gästekonstellation 53
7.2.2 Gesprächsinhalt. 56
7.3 Show-Acts. 58
7.4 Showmaster 61
8. Exkurs: Thomas Gottschalk 65
9. Expertenmeinung zu Wetten, dass. ? 69
10. Zusammenfassung und Ausblick 76
Literaturverzeichnis 80
Anlagen 90
Verzeichnis der Anlagen. 92
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Schwerpunkt der Sendung gemessen in Prozent der
Gesamtsendelänge...................................................................... 36
Abbildung 2: Ablaufstruktur von „Wetten, dass..?“ am Exempel der Sendung vom 4. März 2006 ........................................................................ 38
Abbildung 3: Ablaufmuster von „Wetten, dass..?“..............................................41
Abbildung 4: Spannungsbogen Nebenhandlung.............................................. 44
Abbildung 5: Spannungsbogen Haupthandlung .............................................. 46
Abbildung 6: Häufigkeitsverteilung der Gäste nach Genre ..............................54
Abbildung 7: Datensatz zur Korrelation von Stargästen
aus TV/Film und Quote................................................................ 55
Abbildung 8: Häufigkeit der Show-Acts nach
Genre........................................................................................... 58
Abbildung 9: Music-Acts nach Genre ...............................................................60
V
Abkürzungsverzeichnis
AUG ARD bzw. BR BRD ca. CD ebd. d.h. DM DSF GS GEZ GfK EWG Km LKW MA Mio. RTL TV USA vgl.
VIP Wd z.B. z.T. ZDF
VI
1. Einleitung
Die große Samstagabend-Show erfreute sich seit Anbeginn der deutschen Rundfunkanstalten in den 1950er Jahren großer Zuschauerbeliebtheit. Fernsehen war zu der damaligen Zeit ein Gemeinschaftserlebnis, und die Programmform der großen Samstagabend-Show hat dies mit seiner Familienorientierung unterstrichen. Fernsehen war für Alle da. In den 1980er Jahren entwickelte sich das Broadcasting der Sender immer mehr zum zielgruppen- und programmsparten-orientierten Narrowcasting. Dieser Wandel der Medienlandschaft brachte auch ein verändertes Fernsehnutzungsverhalten mit sich. Die Zielgruppen differenzierten sich zunehmend in unterschiedliche (Interessen-) Bereiche.
Die klassischen Samstagabend-Shows verschwanden mehr und mehr von der Mattscheibe, und völlig neuartige Formate drängten auf den Fernsehmarkt. Von dieser Entwicklung ist im Genre der großen Familienshows am Samstagabend, die gemeinsam vom Enkel bis hin zum Opa geschaut wurden, nur noch Wetten, dass..? übrig geblieben.
Jürgen von der Lippe 1 prägte einst einen in der Literatur oft zitierten Satz: „Der Samstagabend ist der Hochaltar der deutschen Fernsehunterhaltung“. Diesen besetzt seit einem Vierteljahrhundert Wetten, dass..? Im März 2006 feierte die Sendung ihr Jubiläum: seit 25 Jahren ist die Show überaus erfolgreich im deutschsprachigen Raum zu sehen. In dieser Zeit sahen durchschnittlich 16,28 Mio. Zuschauer die Sendung, bei einer Reichweite von über 50 Prozent. Bereits an dieser Stelle sei gesagt, dass sich das Sendeverhalten der anderen Rundfunkanstalten begünstigend auf den Erfolg der Show ausgewirkt hat. Wenn immer ein Wetten, dass..?-Samstag
1 Er war seit den späten 1980er Jahren als Moderator in der Samstagabend-Unterhaltung der ARD tätig, z.B. Geld oder Liebe (1989 - 2001).
8
anstand, sendeten sie Spielfilm-Wiederholungen oder andere nicht als Konkurrenz zu erkennende Programme. So war es eine logische Konsequenz, dass Wetten, dass..? zu einem Dauerbrenner wurde, der keinen Konkurrenten zu fürchten hat. Wenngleich die Quotenentwicklung bedingt durch die voranschreitende Segmentierung des Marktes und vermehrte Programmkonkurrenz auch für Wetten, dass..? in den letzten Jahren rückläufig ist, so gilt die Sendung heute dennoch als größte und erfolgreichste Show Europas. Marktanteile von über 40% in der Gesamtzuschauerschaft sind zu beobachten; auch in der werberelevanten Zielgruppe der 14 - 49-jährigen bildet sich ein vergleichbarer Wert. Untersuchungen haben ergeben, dass die Sehdauer an Tagen, an denen Wetten, dass..? ausgestrahlt wird, rund 10 Minuten über der von anderen Samstagen liegt. 2 Vor diesem Hintergrund drängen sich die Fragen auf, was den Erfolg von Wetten, dass..? kennzeichnet: was macht Wetten, dass..?, zur Ausnahme und somit besonders? Gibt es Erfolgsfaktoren und wenn ja, welche sind für den Erfolg ursächlich? Diesen Fragen wird in der Arbeit nachgegangen werden. In der Literatur sind diese Fragen bislang kaum beantworten worden. Trotz des großen Publikumserfolgs und der damit einhergehenden Bedeutung des Genres Game-Show liegen nur wenige Studien vor. 3 Diese beziehen sich hauptsächlich auf das Genre Quiz und Gameshow im Allgemeinen bzw. verfolgen andere Schwerpunkte wie Product Placement oder Erlebnisweisen. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung von mehreren Ausgaben von Wetten, dass..? um Anhaltspunkte zu aufzuzeigen, die auf mögliche Erfolgsfaktoren schließen lassen können. Einleitend erfolgt ein geschichtlicher Rückblick auf die Samstagabend-Show in Deutschland, der die Entwicklung dieser Gattung aufzeigt. Der darauf folgende Abschnitt beschäftigt sich mit dem Untergang der Samstagabend-Shows und zeigt Ursachen am Beispiel, die diese
2 vgl. Rott/Schmitt 2001: 258 ff.
3 Hallenberger 1990, Jörg 1984, Fuchs 2005, Rott/Schmitt 2001
9
Entwicklung begünstigt haben. Ein weiterer Abschnitt leitet die Show Wetten, dass..? und ihren Gegenstand ein und beschäftigt sich mit dem Produktionsaufwand und seiner Relevanz als möglicher Erfolgsfaktor. Der Hauptteil bildet sich aus Klassifizierungsversuch, Strukturanalyse und Inhaltsanalyse der Sendung. Der
Klassifizierungsversuch beschäftigt sich mit der Herausstellung von Auffälligkeiten und Charakteristika, die Wetten, dass..? auszeichnen und der Bestimmung des Schwerpunkts. Die Strukturanalyse untersucht die Abläufe der Sendung und macht strukturelle Muster erkennbar, die das Format Wetten, dass..? erfolgreich gestalten. Darüber hinaus erfolgt eine Betrachtung über den Verlauf der Dramaturgie der Sendung. Eine genauere Betrachtung des Inhaltes der zeitlich signifikanten Komponenten (Wetten, Talks, Show-Acts und Showmaster) und ihrer Funktion geschieht in der Inhaltsanalyse. Ein anschließender Exkurs dient der Darstellung der medialen Wirksamkeit Thomas Gottschalks, die über seine Position als Showmaster hinausgeht. Der Hauptteil dieser Arbeit schließt mit einer Experten-Befragung. Dr. Gerd Hallenberger 4 äußert sich zur Position die Wetten, dass..? einnimmt und gibt einen Ausblick auf die Samstagabend-Show im deutschen Fernsehen. Ein
zusammenfassendes Fazit schließt die Arbeit ab.
4 Langjährig tätig für den Sonderforschungsbereich 240 der Universität Siegen, Mitherausgeber der Bücher Unterhaltung durch Spiel (1990) und Hätten Sie’s gewusst? (1991). Zur Zeit in verschiedenen Forschungsprojekten und als Privat-Dozent deutschlandweit tätig.
10
2. Geschichte und Wandel der Samstagabend-Show
2.1 Einleitung zur Geschichte
Die Entstehung der Samstagabend-Show in Deutschland geht zurück in die 1950er Jahre. Um ein Verständnis für diese Art von Unterhaltungssendung zu bekommen, bedarf es eines
geschichtlichen Rückblicks. Dieser beginnt zeitlich mit dem Ausstrahlungsstart der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) und geht bis zur Entstehung des Dualen Systems 1984, der Zulassung der privaten Broadcaster in der BRD. Innerhalb dieser großen Zeitspanne hat es eine unübersehbar große Anzahl von Quiz- und Game-Shows gegeben. Vor diesem Hintergrund und um dem eigentlichen Thema gerecht zu werden, wird in den folgenden Abschnitten nur auf das Format der großen Samstagabend-Shows eingegangen.
Auf herausragende Unterhaltungsshows in den Dekaden ihrer Entstehung wird kurz Bezug genommen.
2.2 Versuch einer Definition
Hier der Versuch einer Definition, nach welcher der Verfasser solche Sendungen versteht, die als „große Samstagabend-Show“ kategorisiert und analysiert werden:
Eine große Samstagabend-Show qualifiziert sich als eine solche, die live an einem Samstagabend, an ein breites, zielgruppenübergreifendes Publikum gerichtet, in ihrer Struktur Spiele, Prominenz und Show-Acts einbindend, mit einer Dauer von mindestens 90 Minuten gesendet wird. 5
5 Der Showmaster ist dabei selbst als Prominenter zu verstehen.
11
2.3 Weitere Erläuterungen bzw. Eingrenzungen
Erfolgreiche Sendungen aus dem Bereich Quiz/Game-Show, die auf einem anderen Sendeplatz beheimatet waren, wie etwa am Donnerstagabend Der große Preis und Der goldene Schuß, erhalten gemäß Definition in dieser Arbeit keine Berücksichtigung. Der Begriff „Unterhaltungsshow“ wird in dieser Arbeit als Synonym für die große Samstagabend-Show verwendet. Der Begriff „Game-Show“ sei in dieser Arbeit gleichzusetzen mit dem Begriff „Spielshow“ oder „Spiel“, wie er bis Mitte der 1980er Jahre üblich war. 6
2.4 Die 1950er Jahre - Entstehung eines neuen Genres
Die in den USA entstandenen Programmformate Quiz und Game-Show fanden in den 1950er Jahren ihren Weg nach Deutschland. Gleichzeitig wurden sie unabhängig von ihrem Herkunftsland entwickelt: „lange, zur Prime Time ausgestrahlte Sendereihen“ 7 , die zudem werbefrei liefen, waren nur in deutschen Unterhaltungsshows zu finden. Dies hing sicherlich mit der vollkommen anderen, jungen Rundfunkstruktur zusammen. Am 31. Oktober 1954 sendete die ARD erstmalig ihr Gemeinschaftsprogramm. Zu dieser Zeit war das Fernsehen alles andere als ein Massenmedium. Ende 1952 waren gerade einmal 3657 Fernsehapparate in der Bundesrepublik vorhanden, 11586 zu Beginn des Jahres 1954. 8 Es sollte bis 1957 dauern, bis die Millionengrenze erreicht wurde. 9 Gaststätten und Säle präsentierten das neue Wundergerät und luden die Bundesbürger zum
6 Der Begriff „Game-Show“ trat erst 1985, von Alfred Biolek propagiert, auf (vgl. Hallenberger 1993: 26)
7 Bleicher/Großmann/Hallenberger et al. 1993: 50
8 vgl. Hallenberger 1994: 34; Tietze 1991: 154
9 Am 1. Oktober 1957 sind eine Million Fernsehteilnehmer erfasst (vgl. Bleicher 1992: 17)
12
gemeinschaftlichen Schauen ein. Auch die wenigen TV-Geräte in Privatbesitz wurden vorwiegend in Gesellschaft genutzt. 10 Eine ganz besondere Zuschauer-Konstellation ergab sich dann mit Beginn der großen Samstagabend-Shows. Diese Sendungen wurden vom Kind bis zum Großvater vor dem heimischen Fernseher - vorausgesetzt man besaß einen solchen - in Gemeinschaft verfolgt. In diesen familienfreundlichen Sendungen war für jeden etwas dabei. Die Mischung aus Kabarett, Varieté und Gesang der traditionellen „Bunten Abende“, gepaart mit dem modernen Fernsehquiz begeisterte die junge Fernsehnation und gehörte zu den Programmhöhepunkten des deutschen Fernsehens. Charakteristisch für die Rubrik Quiz/Game-Show der 1950er Jahre war der hohe intellektuelle Anspruch der Fragen. Hallenberger spricht diesbezüglich von „Abitur, wenn nicht gar der Große Brockhaus“ als Voraussetzung 11 (Hallenberger 1994:15). Die Sendeanstalten nahmen ihren Bildungsauftrag sehr ernst. Es galt die Ansicht, dass Vergnügen einen unmittelbaren Nutzen für die Zuschauer haben müsse. 12
In der ersten Hälfte der 1950er Jahre etablierten sich die ersten Quiz-/ Game-Show-Formate im deutschen Fernsehen. Nach wenigen Jahren gab es bereits eine Vielzahl an Unterhaltungsshows, die jedoch größtenteils eine kurze Existenz hatten.
2.4.1 Frankenfeld und Kulenkampff - Die ersten Unterhaltungsstars
Die herausragenden Shows der 1950er Jahre stammten von Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff, die als Radiostars zum Fernsehen gewechselt waren. Sie präsentierten erfolgreich u.a. die Shows 1:0 für Sie, Viel Vergnügen! (Frankenfeld) und Wer gegen
10 vgl. Hallenberger 1994: 34
11 vgl. Hallenberger 1994: 15
12 vgl. Hallenberger 1991: 39
13
wen - ferngesehen? (Kulenkampff), die live gesendet wurden. 13 Frankenfeld und Kulenkampff waren beide die Fernsehstars der ersten Stunde, nahmen aber unterschiedliche Rollen im Fernsehen ein.
Frankenfeld, aus dem Hörfunk gekommen, war nach Strobel/Faulstich ein Game-Show-Moderator und mit 1:0 für Sie auch ihr Gründungsvater. 14 Seine Shows ragten aus der Masse an ernstem Bildungsfernsehen heraus und kamen dem Volksbedürfnis nach Ablenkung nach 15 . Auch der Moderator Peter Frankenfeld unterschied sich von anderen seiner Zunft. Optisch fiel er durch sein schwarz-weiß kariertes Jackett auf, das zu seinem Markenzeichen wurde. Inhaltlich brachte er neue Ideen - oftmals übernommen aus ihm bekannten amerikanischen Game-Show-Produktionen - in seine Sendungen ein. Seine Kandidatenauswahl in 1:0 für Sie geschah durch die „fliegende Untertasse“ 16 , ein Plastikpropeller, der durch Rotation seinen Weg ins Saalpublikum nahm und denjenigen zum Spiel qualifizierte, der ihn fangen konnte. 17 Auch sein Moderationsstil setzte sich von anderen ab. Er suchte den Dialog mit den Spielkandidaten und ließ sie mehr als Andere zu Worte kommen, um sie dem Fernsehpublikum näher zu bringen. 18 Das Publikum wurde durch Beantwortung der Zuschauerpost am Anfang der Sendung ebenfalls einbezogen. 19
Hans-Joachim Kulenkampff gehörte zum Typus „Quizmaster“. 20 Seine Show Wer gegen wen - ferngesehen war die erste Samstagabend-Show im deutschen Fernsehen, am 7.11.1953. 21 Sie
13 Bis zur Einführung der Magnetbandaufzeichnung in den Jahren 1958/59 war das Fernsehen ein reines Live-Medium.
14 Strobel/Faulstich 1998: 446
15 vgl. Hallenberger 1994: 45
16 Tietze 1991: 154
17 ebd.: 155
18 vgl. Hallenberger 1994: 38
19 vgl. ebd.
20 Strobel/Faulstich 1998: 446
21 Nach Angaben der ZDF Zuschauerredaktion wurde Wer gegen wenferngesehen erstmalig am Donnerstag, dem 3.9.1953 gesendet. Ab November des Jahres wurde sie auf den Samstag verschoben, an dem sie fortwährend lief. Der Verfasser ist der Auffassung, dass diese Sendung als Samstagabend-Show
14
gehörte nach Meinung der Fachpresse zu den besten Fernsehsendungen der damaligen Zeit und machte ihn zum Fernseh-Star. 22 Die Kulenkampff-Shows zeichneten sich durch ihre „Gesamtdramaturgie“ 23 aus. Die verschiedenen Elemente einer Sendung wurden in einer Dramaturgie zusammengesetzt, die in einen finalen Klimax kulminierte. 24
Kulenkampff galt als ein „gebildeter, hanseatischer Bürger“ 25 , der sich in seinen Sendungen oft besserwisserisch gab. Sein Umgang mit den Kandidaten war speziell. Bliersbach führt an: „Er piekste sie, er schulmeisterte sie (…), er rempelte sie an, und er versöhnte sich mit ihnen.“ 26 Goldener Bildschirm, Goldene Kamera, Goldene Rose, Bambi, Telestar und einige mehr zeichneten Kulenkampffs über 40 Jahre andauernde Karriere aus. 27 Seinen größten Zuschauererfolg mit einer Einschaltquote von über 90% erreichte Kulenkampff in den 1960er Jahren mit Einer wird gewinnen. 28 Der Wechsel von den 1950er in die 1960er Jahre wurde begleitet von einem neuen Unterhaltungsformat am Samstagabend. Lou van Burg 29 schaffte, vom ORF kommend mit Jede Sekunde ein Schilling den Sprung in das deutsche Samstagabendprogramm. Gegenstand der Show waren „Prüfungen“ 30 . Dabei kamen spontane Schikanen ins Spiel, die die vermeintlich leichten Aufgaben schwierig gestalteten. Jede überstandene Sekunde brachte dem Kandidaten einen Schilling ein. Die vordergründig mit spielerischem Inhalt gespickte Show erwies sich als Fernsehhit und sollte exemplarisch für Entwicklung der Sparte Quiz/Game-Show in den 1960er Jahren sein.
behandelt wird und verweist auf das ähnliche, aktuell laufende Beispiel der Sendung Verstehen Sie Spass?
22 vgl. Faulstich/Strobel 1994: 106
23 Hallenberger 1994: 39
24 ebd.
25 Seeßlen 1999: 134
26 Bliersbach 1990: 72
27 Nach einigen Unterbrechungen ging Kulenkampffs Karriere als Showmaster im Sommer 1998 endgültig zu Ende.
28 vgl. Faulstich/Strobel 1994: 106
29 Mit bürgerlichem Namen Loetje van Weerdenburg
30 Hallenberger 1991: 112
15
2.5 Die 1960er Jahre - Bunt gewordene Unterhaltung
Mit Beginn der 1960er Jahre änderte sich das Programmaufgebot der Quiz-/ Game-Shows zunehmend. Die Sendungen beschäftigten sich thematisch vorrangig mit Hobby- und Freizeit-Fragen, seriöse Themen wurden seltener. 31 Das vermehrte Aufkommen von Spiel-Elementen in der Sparte Quiz/ Game-Show ließ den schulischen Charakter, der in den 1950er Jahren dominant war, in den Hintergrund treten. 32 Die Shows wurden massentauglicher und auch das Fernsehen begann sich als Massenmedium zu etablieren. 33 Am Abend des 1. April 1963 nahm das ZDF den offiziellen Sendebetrieb auf und stellte sich schon kurz darauf als ein ernst zu nehmender Rivale der ARD auf dem Unterhaltungssektor heraus. Die Konsequenz war, dass die Vielfalt der Unterhaltungssendungen anstieg, aber auch Altbewährtes im Programm blieb. 34 Vier Jahre Später, am 25. August 1967, vollführte der damalige Außenminister Willy Brandt den symbolischen Knopfdruck und startete offiziell das Farbfernsehen.
Es waren besonders zwei neue Shows, die in dieser Dekade für Aufruhe sorgten: Kulenkampffs Einer wird gewinnen
(Erstausstrahlung: 25.1.1964) und das von Dietmar Schönherr und Vivi Bach moderierte Wünsch Dir Was (Erstausstrahlung: 20.12.1969).
Kulenkampffs Unterhaltungsshow startete am 25. Januar 1964 in der ARD und gilt nach Hallenberger als „ein Inbegriff des großen Samstagabend-Quiz.“ 35 Es wurde ein großer Erfolg. Vier internationale Kandidatenpaare (Mann und Frau) traten in Turnierform gegen einander an. Der Modus war simpel: drei Punkte konnten pro Fragerunde gewonnen werden, der Unterlegene schied
31 vgl. Hallenberger 1994: 48
32 Die Sendung Einer wird gewinnen ist in den 1960er Jahren das einzige „Vollquiz“ der Samstagabendunterhaltung. (Weingarten 2001: 242)
33 Im Laufe des Jahres 1964 wurde der 10.000.000 Fernsehapparat in Deutschland angemeldet (vgl. http://www.gfu.de/pages/history/his_TV_05.html, 18.08.06)
34 vgl. Hallenberger 1994: 40
35 Hallenberger 1991: 44
16
aus. Im anschließenden Halbfinale wurden zwei Runden gespielt: die erste Runde war eine satirische Darbietung einer prominenten Person bzw. einer bekannten Filmszene mit Showmaster Kulenkampff, zu der es im Anschluss Fragen zu beantworten galt. In der zweiten Runde war Allgemeinwissen zu beweisen, welches bei Versagen durch ein Aktionsspiel z.B. in Form einer Geschicklichkeitsübung ausgeglichen werden konnte. Die Finalrunde wurde wiederum mit drei Fragen zum aktuellen Zeitgeschehen beendet. 36 Aufgelockert wurde der Ablauf durch Musikdarbietungen, die zwischen den Spielrunden die Umbauzeit überbrückten. Die Show war über einen langen Zeitraum äußerst gefragt und verlor auch trotz mehrmaliger Unterbrechungen 37 nicht an Beliebtheit. Auffällig waren ebenso die gelassene Art Kulenkampffs hinsichtlich des Zeitmanagements: seine langen
Einleitungsmonologe als auch das Überziehen am Ende der Sendung 38 wurden zum Ritual. Dieser „Dauerbrenner“ 39 der großen Samstagabend-Show ging mit Kulenkampff ohne wesentliche Konzeptänderungen 40 insgesamt 82-mal auf Sendung und wurde schließlich 1987 eingestellt. 41 Von viel kürzerer Dauer war die österreichisch-deutschschweizerische Eurovisionsshow Wünsch dir was. Am 20.12.1969 erstmals im ZDF auf Sendung gegangen, erregte sie bis Anfang der 1970er Jahre Aufsehen wie keine andere Sendung. Bereits die Moderations-Konstellation mit Dietmar Schönherr und seiner Frau Vivi Bach, besaß für die damalige Zeit einen revolutionär
36 Im Falle eine Gleichstands entschied die Stichfrage (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Einer_wird_gewinnen, 06.08.2006)
37 Die erste Pause von 1966 - 1968, dann bereits ein Jahr später eine weitere, diesmal zehnjährige Unterbrechung, bis 1979.
38 Bliersbach spricht von durchschnittlich „etwa zwanzig Minuten“, Wikipedia vermerkt „wenigstens 30 Minuten“. (Bliersbach 1990 : 5, http://de.wikipedia.org/wiki/Einer_wird_gewinnen, 06.08.06)
39 Krüger 1991: 85 f.
40 vgl. ebd.
41 Trotz mehrmaliger Nachfrage beim Hessischen Rundfunk wurde keine Auskunft über den Grund der Sendungseinstellung erteilt.
17
anmutenden Charakter. 42 Die Intention der Game-Show, die pädagogisch und wissenschaftlich gestützt wurde, war, Denkanstöße zu geben und gesellschaftliche Veränderungen hervor zu rufen. 43 Seeßlen beschreibt die Sendung als „Versuch, ein Quiz- und Showspiel als Instanz zur Erörterung politischer und moralischer Fragen zu etablieren“ 44 , Weingarten bezeichnet den Ruf der Sendung „als Brandherd der Kapitaliusmuskritik“ 45 In der Sendung traten drei Familien gegen einander an, die ihre familiäre Einheit spielerisch zu demonstrieren hatten. Problematisch und provokativ waren vor allem die Spiel-Themen: ein junges Mädchen hatte die Wahl zwischen verschiedenen Kleidungsstücken und entschied sich für eine durchsichtige Bluse, mit der sie sich präsentierte; ein inszenierter Autounfall unter Wasser ließ eine Kandidatin beinahe ertrinken, sie konnte nur mit Hilfe von Tauchern gerettet werden. Moderator Schönherr sorgte ebenfalls für Aufregung, als er während der Sendung für die Sozialistische Partei Österreichs warb. Wünsch dir was hatte einen stark schwankenden Marktanteil von 18% - 66% 46 und wurde durch ständige Polarisierung 47 „zur meistdiskutierten Game Show der deutschen Fernsehgeschichte.“ 48
Eine frühe Form der Fernsehzuschauer-Interaktion im deutschen Fernsehen fand sich im Finale der Sendung wieder. Die Zuschauer hatten zur Abstimmung sämtliche Elektrogerät einzuschalten bzw. die Toilettenspülung zu betätigen. In einer ausgewählten Stadt wurden dann live die Zählerstände der Elektro- und Wasserwerke verglichen und der Sieger gekürt. Aufgekommene Zuschauerkritik und interne Auseinandersetzungen bezüglich der inhaltlichen Themen führten das Ende der
42 ebd. :139
43 vgl. Heger 1991c: 160
44 Seeßlen 1999: 139
45 Weingarten 2001: 240
46 vgl. Heger 1991c: 161
47 Auftritte von langhaarigen Musikern oder einem bärtigen Moderator waren zu der Zeit nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechend.
48 Hallenberger 1991: 49
18
Show im Dezember 1972 herbei. 49 Entgegen aller Kritik wurde Wünsch dir was abschließend mit einem Bambi geehrt.
2.6 Die 1970er - Parallele Entwicklung
Die 1970er Jahre waren hinsichtlich der Unterhaltungsformate besonders interessant:
Während sich das ZDF hauptsächlich mit Der große Preis und Dalli Dalli erfolgreich auf den Donnerstagabend konzentrierte 50 , konzentrierte sich die ARD auf neue Samstagabend-Formate. Es entstanden Shows, die überwiegend Game-Show-Elemente in sich trugen und die Entwicklung der Gattung vorantrieben, darunter Am laufenden Band.
Die neue Game-Show von und mit Rudi Carrell ging am 27.4.1974 in der ARD erstmalig auf Sendung. Schon ein Jahr später 1975 wurde von „der zur Zeit beliebtesten deutschen Fernseh-Show“ 51 gesprochen.
Vier Familienpaare (wie etwa Mutter/Sohn, Vater/Tochter, etc.) traten gegen einander an. Gegenstand der Show war keineswegs eine ernsthafte Höchstleistung, Spiel und Spaß stand im Mittelpunkt. In den Spielrunden waren Kreativität und Improvisation genau so Bestandteil wie Menschenkenntnis und Raten. Carrell verknüpfte die einzelnen Spiele mit Gesangsauftritten oder führte mit seinen Assistenten Sketche auf. Auffällig war Carrells Kandidatennähe. Oftmals war er selbst an der Spielinszenierung beteiligt und spielte tatsächlich aktiv mit den Kandidaten. 52 Die ausgeschiedenen Kandidaten erhielten ein Abendessen mit der gesamten Familie. Im Finale standen zwei Kandidaten, die drei Fragen aus der aktuellen Tagesschau zu beantworten hatten. Der Gewinner wurde vor ein
49 vgl. Heeger 1991: 161
50 Dort hatte sich bereits in den 1960er Jahren bereits Der goldene Schuß bewährt.
51 Hörzu, Nr. 12, 1975: 12
52 Als Beispiel ist hier ein Spiel der Sendung vom 5.10.1974 zu nennen, in welchem Carrell singend Trimm- und Gymnastikübungen vollführt, denen sich die Kandidaten bestmöglich anzuschließen haben.
19
Fließband gesetzt, welches mit ungefähr 40 Gegenständen bestückt war, die es sich zu merken galt. Im Anschluss hatte dieser 30 Sekunden Zeit, die vorgeführten Gegenstände zu benennen und sie so zu erhalten. Als interessant erwiesen sich dabei Überraschungsgewinne; die so genannten „symbolischen Gewinne“. Ein Regenschirm beispielsweise konnte ebenso für eine neue Regentonne stehen als auch für eine Englandreise. Trotz großer Beliebtheit ließen Carrell und sein zuständiger Redakteur Biolek die Familien-Unterhaltungsshow am Silvesterabend 1979 53 aufgrund mangelnder Spielideen untergehen. 54 Die Show hatte sich selbst gefressen. Reinhard nennt in diesem Zusammenhang den Begriff der „cannibalistic game shows“ 55 .
2.7 Die 1980er Jahre - Neue Strukturen gegen alte Traditionen
In den 1980er Jahren traten die privaten Rundfunkanstalten in der deutschen Fernsehlandschaft auf den Plan. Wenngleich sie anfänglich keine direkte Konkurrenz zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten darstellten, so beeinflussten sie dennoch deren Sendeverhalten. Kommerzielle und kostengünstige Sendungen, meist amerikanische Adaptionen von erfolgreichen Quiz- / Game-Shows, drängten durch die privaten Anbieter ins Fernsehen. Diese neuen Programmformen brachten den öffentlich-rechtlichen Sendern zwar keinen direkten Einschnitt in die große Samstagabendunterhaltung, zwang sie aber, zu immer neuen
Programmformen, um den privaten Sendern die Stirn zu bieten. Bleicher/Großmann/Hallenberger et al. sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Re-Amerikanisierung“ 56 der öffentlichrechtlichen Sender.
53 Insgesamt wurden 51 Folgen ausgestrahlt.
54 vgl. Jürgens 1991: 75
55 Reinhard 1993: 33
56 Bleicher/Großmann/Hallenberger et al. 1993: 51
20
Arbeit zitieren:
Nils Dienemann, 2006, Untersuchung von Erfolgsfaktoren in der Samstagabend-Unterhaltung , München, GRIN Verlag GmbH
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