Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Definitorische und materielle Begriffsabgrenzung. 6
2.1 Begriffserläuterung von Direktinvestitionen 6
2.2 Abgrenzung von Direktinvestitionen zu Portfolioinvestitionen 7
3 Die Hintergründe von Direktinvestitionen. 9
3.1 Motive für Direktinvestitionen 9
3.1.1 Absatzmarktorientierte Motive. 9
3.1.2 Ressourcenorientierte Motive 9
3.1.3 Kosten- und effizienzorientierte Motive 9
3.1.4 Strategisch orientierte Motive. 10
3.2 Formen der Direktinvestitionen. 10
3.3 Integrativer Ansatz von DUNNING 11
4 Wichtige Determinanten von Direktinvestitionen 14
4.1 Rechtliche Risiken 14
4.2 Politische Risiken 14
4.3 Marktgröße 15
4.4 Steuerliche und wirtschaftpolitische Anreize 16
4.5 Währungs- und geldpolitische Risiken. 17
4.6 Infrastruktur 18
5 Statistische Erfassung von deutschen Direktinvestitionen 19
6 Entwicklung, Herkunft- und Zielländer der ausländischen
Direktinvestitionen in den MOEL 22
6.1 Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen in den
MOEL. 22
6.2 Herkunft- und Zielländer der ausländischen Direktinvestitionen
in den MOEL 23
1
Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa
7 Auswirkungen der Direktinvestitionen im Zielland 26
7.1 Grundsätzliche Auswirkungen 26
7.1.1 Positive Auswirkungen. 26
7.1.2 Negative Auswirkungen 28
7.2 Auswirkungen auf die einzelnen Länder. 29
7.2.1 Auswirkungen auf die EU-Beitrittsländer 2004. 29
7.2.2 Auswirkungen auf die EU-Beitrittsländer 2007. 34
8 Auswirkungen der Direktinvestitionen auf die Geberländer 37
9 Zusammenfassung und Fazit 40
Literaturverzeichnis 42
2
1 Einleitung
Das Ende des sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, Hinführung zum
Thema
das mit dem Fall der Berliner Mauer offen zutage trat, führte in den MOEL (mittel- und osteuropäische Länder) zu fundamentalen politischen und sozialen Veränderungen. Nachdem diese Länder über Jahrzehnte von der nichtsozialistischen Welt abgeschottet waren, kam es aufgrund der Reintegration in die Weltwirtschaft, getrieben von einem schnellen technologischen Wandel sowie Handels- und Investitionsliberalisierungen, zu einem in dieser Form noch nie dagewesenen Wettbewerb. Dieser Integrationsprozess verlief aber keineswegs reibungslos. Insbesondere Anfang der neunziger Jahre hatten die MOEL mit einer Transformationskrise zu kämpfen. Erst nachdem diese überwunden war, schafften es die mittel- und osteuropäischen Länder, sich nach und nach in die Weltwirtschaft zu integrieren. Durch diese Integration war es den MOEL möglich, an der internationalen Arbeitsteilung teilzuhaben und wurden dadurch immer stärker in die weltweite Kapitalverflechtung mit einbezogen. Die Folge davon war ein signifikantes Ansteigen der Direktinvestitionsströme nach Mittel- und Osteuropa in den Jahren danach. 1
Obwohl es einige kritische Stimmen gab, die der zunehmenden Zahl an Kritik
Firmen mit ausländischer Beteiligung die Schuld an dem Scheitern vieler einheimischer Unternehmen zuschrieben, waren die Erwartungen an die ausländischen Investoren sehr groß. Insbesondere die politischen Entscheidungsträger der MOEL erhofften sich durch die ausländischen Investitionen neues Know-how und zusätzliche Arbeitsplätze im eigenen Land. 2
Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung der ausländischen Direktinvesti- Zieledieser
Arbeit
tionen in den mittel- und osteuropäischen Ländern näher zu erläutern. Dabei soll die Bedeutsamkeit der Direktinvestitionen, sowohl aus Sicht
1 Vgl. Cluse 1999, S. 10; Detscher 2006, S. 9
2 Vgl. Zschiedrich 2006, S. 114; Mickiewicz/ Radosevic/ Varblane 2000, S. 7
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Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa
der Herkunftsländer, als auch aus Sicht der Zielländer erörtert werden. Als Zielländer werden in dieser Arbeit schwerpunktmäßig die MOEL-7 (die sieben mittel- und osteuropäischen Länder Tschechien, Ungarn, Polen, Slowakei, Slowenien, Bulgarien und Rumänien) betrachtet.
Bevor mit der Analyse begonnen wird, soll die Motivation und die Vorgehensweise dieser Arbeit kurz vorgestellt werden:
Ich habe im Rahmen meines betriebswirtschaftlichen Studiums an der
Fachhochschule Kaiserslautern (Standort Zweibrücken) ein Auslandssemester an der Partneruniversität in Budapest (University Budapest Tech) von August 2009 bis Januar 2010 absolviert. Während meines Auslandsaufenthalts war es mir möglich, auch andere mittel- und osteuropäische Länder (Rumänien, Tschechien und Slowakei) zu bereisen. Dabei war für mich besonders augenscheinlich, dass sehr viele ausländische Unternehmen in diesen Ländern agieren. In diesem Zusammenhang stellte sich mir immer wieder die Frage, welche Bedeutung diese Unternehmen für die MOEL als Zielländer haben und wie bedeutsam diese Auslandsaktivitäten aus Sicht der Herkunftsländer sind? Um dieser Frage näher auf den Grund zu gehen, habe ich als Thema meiner Auslandssemesterarbeit „Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa“ gewählt.
Im zweiten Kapitel erfolgt zunächst eine definitorische und materielle Aufbau
Begriffsabgrenzung von Direktinvestitionen zu anderen Investitionsformen. Dabei soll insbesondere auch der Unterschied zu Portfolioinvestitionen deutlich gemacht werden. Im dritten Kapitel wird dann auf die Hintergründe von Direktinvestitionen eingegangen. Hier wird untersucht, welche Motive es für Direktinvestitionen gibt und in welchen Formen diese Investitionen durchgeführt werden können. Anschließend folgt ein theoretischer Ansatz zur Erklärung von Direktinvestitionstätigkeiten. Die wichtigsten Determinanten von Direktinvestitionen werden danach im vierten Kapitel betrachtet, bevor im fünften Kapitel auf die statistische Erfassung von deutschen Direktinvestitionen näher
4
eingegangen wird. Das sechste Kapitel befasst sich mit der Entwicklung der ADI (Ausländische Direktinvestitionen) in den MOEL seit dem Transformationsprozess. Desweiteren findet in diesem Kapitel eine genauere Betrachtung der Herkunfts- und Zielländer von den Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa statt. Im siebten Kapitel folgt eine Untersuchung der Auswirkungen von Direktinvestitionen im Zielland. Dabei werden zunächst allgemeine positive und negative Auswirkungen erörtert, bevor anschließend eine Einzelländerbetrachtung stattfindet. Daran anknüpfend beschäftigt sich das achte Kapitel mit den Auswirkungen der Direktinvestitionen auf die Herkunftsländer. Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit im neunten Kapitel zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Budapest, im Dezember 2009 Daniel Rana
5
Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa
2 Definitorische und materielle
Begriffsabgrenzung
2.1 Begriffserläuterung von Direktinvestitionen
In der Literatur gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs Direkt-
investition. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Definitionen, die wiederum auf unterschiedlichen Definitionsansätzen beruhen.
Als Grundlage für diese Arbeit habe ich mich für die gemeinsame Defi-
nition des IWF (Internationaler Währungsfonds) und der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) entschieden. Gemäß dieser Definition, sind Direktinvestitionen „[…] a category of international investment made by a resident entity in one economy (direct investor) with the objective of establishing a lasting interest in an enterprise resident in an economy other than that of the investor (direct investment enterprise)”. 3
Laut dieser zitierten Definition sind neben der Voraussetzung, dass es Voraussetzungen
sich um eine grenzüberschreitende Investitionstätigkeit handelt, drei weitere Aspekte von Bedeutung: Zum einen der Direktinvestitionsgeber (direct investor), zum anderen der Direktinvestitionsempfänger (direct investment enterprise), sowie die Langfristigkeit der Investition (lasting interest).
Der Direktinvestitionsgeber kann eine Personen- oder Kapitalgesell-
schaft, eine Privatperson, eine Regierung oder ein Zusammenschluss aus diesen sein, die eine Niederlassung, Tochtergesellschaft oder ein verbundenes Unternehmen im Ausland unterhält. Der Direktinvestitionsempfänger kann eine Tochtergesellschaft sein, bei der der ausländische Investor zu mindestens 50 % beteiligt ist. Möglich ist aber auch, dass es sich um ein verbundenes Unternehmen handelt, an dem ein „Ausländer“ zwischen 10 % und 50 % der Anteile hält. Ebenfalls ist es
3 Vgl. Detscher 2006, S. 13
6
denkbar, dass der Direktinvestitionsempfänger eine nichteigenständige Zweigniederlassung eines ausländischen Unternehmens ist. Die Langfristigkeit der Investition zeigt sich durch die Kontrollausübung des Di-rektinvestors auf das Management des Direktinvestitionsempfängers. Die OECD hat dabei eine Mindestbeteiligung von 10 % am Eigenkapital des Zielunternehmens festgelegt. Folgende Indikatoren geben ebenfalls Aufschluss darüber, ob eine Langfristigkeit vorliegt: die Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern des Zielunternehmens durch den Direktin-vestor, die Involvierung in unternehmenspolitische Entscheidungen, bedeutende Transaktionen zwischen Investor und Empfängerunternehmen, gegenseitiger Austausch von Personal, Technologie-Transfer sowie die Bereitstellung von vergünstigten Krediten. 4
2.2 Abgrenzung von Direktinvestitionen zu
Portfolioinvestitionen
Fälschlicherweise werden Portfolioinvestitionen häufig auch als Direkt-
investitionen bezeichnet. Zwar können Portfolioinvestitionen ebenso wie Direktinvestitionen eine Form von Auslandsinvestitionen darstellen, jedoch gilt es diese beiden Investitionsarten von einander zu unterscheiden. In der Abbildung 1 wird dieser Unterschied nochmal veranschaulicht.
Wie oben bereits aufgeführt, geht es bei Direktinvestitionen insbeson-
dere um eine Kontrollausübung des Direktinvestors auf das Management des Direktinvestitionsempfängers und somit auch um Einflussnahme. Speziell in diesem Punkt unterscheiden sich diese beiden Investitionsarten, denn Portfolioinvestitionen sind reine Kapitalanlagen im Ausland, ohne eine unmittelbare Einflussnahme auf die Geschäftstätigkeit des ausländischen Unternehmens. Ob tatsächlich ein Kontrollmotiv vorliegt, lässt sich in der Praxis nicht immer so einfach eruieren. Die amtlichen Statistiken umgehen dieses Abgrenzungsproblem, indem sie ab einer bestimmten Beteiligungshöhe ein Kontrollmotiv unterstellen.
4 Vgl. Detscher 2006, S. 14
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Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa
Die OECD hat dafür eine Mindestbeteiligung von 10 % festgelegt. Folglich ist die Abgrenzung mehr oder weniger willkürlich, denn die Höhe einer Beteiligung gibt nicht automatisch Aufschluss darüber, wie groß das Kontrollmotiv tatsächlich ist. 5
Abbildung 1: Inlands- und Auslandsinvestitionen
Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis von Oelmann 2009, S. 35.
5 Vgl. Oelmann 2009, S. 38-39
8
Arbeit zitieren:
Daniel Rana, 2010, Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa, München, GRIN Verlag GmbH
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