4. Komorbidität beim Messie- Phänomen 18 5. Therapieansätze 19 6. Fazit 20 7. Quellenverzeichnis 21
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1. Einleitung
Zu jeder Zeit, in jeder gesellschaftlichen Epoche entwickeln sich auch neue Krankheits- oder Störungsbilder.
Mit fortschreitender Individualisierung der Gesellschaft können wir mit gänzlich neuen Formen psychischer Reaktionen konfrontiert werden, bzw. bekannte Störungsbilder verändern oder verstärken sich derart, dass zu überlegen ist, ob hier inzwischen von einer eigenständigen Erkrankung auszugehen ist. Eine solche Form liegt wohl bei dem so genannten Messie-Phänomen, oder auch Messie-Syndrom, vor, welches sich seit den achtziger Jahren zu einem Schlagwort unter Fachwelt und Laien entwickelte.
Aber was genau ist mit diesem Begriff gemeint, beschreiben oft synonym benutzte Termini wie Vermüllungssyndrom, Desorganisationsproblem oder Diogenes-Syndrom ein identisches Störungsbild, oder ist von zufälligen Parallelen auszugehen?
Handelt es sich um eine eigenständige psychische Erkrankung oder haben wir es lediglich mit einer Unterform eines bestehenden Krankheitsbildes zu tun? Die Darstellung des Messies in der Öffentlichkeit ist das meist recht einseitige Bild eines zugemüllten Eigenbrödlers, der alles aufbewahrt und schmutzig und Struktur los durch unsere zivilisierte Gesellschaft mit ihren scheinbar allgemein gültigen Ordnungs- und Sauberkeitsnormen irrt.
Bei näherer Betrachtung des Themas offenbart sich allerdings eine ganz andere, äußerst vielschichtige Wahrnehmung, bei der jede scheinbar beantwortete Frage neue Fragen aufwirft.
Bei meiner Beschäftigung mit dieser Thematik vermutete ich zunächst einen engen Bezug, oder sogar eine Zugehörigkeit zu den Zwangsstörungen.
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Aber ist dem wirklich so oder überschneiden sich nur Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen?
Diesen Fragestellungen möchte ich in der vorliegenden Arbeit nachgehen.
1.1 Definition des Messie-Phänomens
Bisher wurde das Messie-Phänomen nicht in die internationalen Klassifikationen psychischer Störungen aufgenommen, so dass weder eine Definition nach dem DSM IV noch nach dem ICD 10 möglich ist.
Von verschiedenster Seite sind Begriffserklärungen, bzw. Ansätze dazu vorhanden. An dieser Stelle möchte ich deshalb versuchen, die identischen Feststellungen zu einer Definition zusammen zu fügen.
Das Messie-Phänomen, an mancher Stelle auch Messie-Syndrom genannt, ist eine psychische Erkrankung, die das Problem des Betroffenen bezeichnet, seinen Alltag, sein Leben und sein Lebensumfeld zu organisieren, zu strukturieren und ordentlich zu halten.
Die Bezeichnung kommt von dem englischen Wort mess, welches Unordnung, Dreck oder Schwierigkeiten bedeutet.
Die Symptome können in Teilbereichen, wie auch in der gesamten Lebensstruktur des Betroffenen auftreten.
Das Messie-Phänömen tritt oft in Verbindung mit anderen Störungen, wie beispielsweise Zwangsstörungen, Depressionen, ADHS und Psychosen auf, worauf ich später noch näher eingehen werde.
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Bezeichnend ist für die Betroffenen der meist starke Leidensdruck, den ihnen ihr chaotischer Lebensalltag bereitet, wie auch die Unfähigkeit und die Angst vor einer Beseitigung des Chaos.
Nach außen gelingt es Betroffenen oft eine Fassade der Normalität aufrecht zu erhalten, sie können sich aber auch in vollständige Isolation zurück ziehen, was meist eine Folge der Scham über ihre chaotische Lebenssituation ist. Manchmal kommt es zu einer Anhäufung von unnützen Dingen in ihrem Lebensraum, was bis zur Vermüllung und Verwahrlosung führen kann; manchmal ist die zeitliche Organisation des Alltags für den Betroffenen unmöglich und er ist nicht in der Lage, Prioritäten zu setzen. Meist zeigt sich bei den Betroffenen ein geringes Selbstwertgefühl in Verbindung mit einer niedrigen Frustrationsgrenze, was im Gegensatz zu ihren hohen Ansprüchen an sich selbst und dem damit verbundenen Perfektionswunsch steht. Marianne Bönigk- Schulz konkretisiert die Messie Problematik auf 4 Kernpunkte:
• Messies sind dadurch gekennzeichnet,dass sie sich über einen langen Zeitraum blockiert und gehemmt fühlen,
• dass sie vorgefassten Ideen verhaftet bleiben,
• dass sie in einmal gelernten Gedanken und Reaktionen festgefahren sind,
• dass sie keinen Anfang und kein Ende kennen.(2003)
1.1.1 Ursachenmodelle
Ursachen bzw. Auslöser des Messie-Phänomens werden von Experten, wie auch von Betroffenen, in den verschiedensten Bereichen gesehen. An dieser Stelle möchte ich einige häufiger vermutete Ursachenannahmen aufführen. Eine möglicher Auslöser kann ein erlebter Verlust des Betroffenen sein, wie der Verlust des Arbeitsplatzes, der Tod eines Angehörigen, eine Scheidung oder
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Ähnliches. In diesem Fall scheint das Sammeln zu entlasten oder Sicherheit zu vermitteln.
Auch bei einer vorliegenden Zwangsstörung oder Suchterkrankung kann mit Sammelwut und Kaufsucht gerechnet werden, was sich in den Erscheinungen des Messie- Phänomens manifestieren kann.
Überforderungssituationen werden ebenfalls als mögliche Ursache angenommen, diese können hinsichtlich Leistungsvermögen, Wissen, Können oder
Besitzerwartungen genauso auftreten, wie in kurzfristigen Krisensituationen, z.Bsp. bei Krankheit oder familiären Entscheidungen. In manchen Fällen werden sicher verschiedene Ursachen zusammentreffen. Eindeutige Klärungen liegen zurzeit noch nicht vor.
1.2 Geschichte
Das Störungsbild an sich mag in unserer, sich immer mehr individualisierenden Gesellschaft, weit zurück verfolgbar sein. Seit ca. 1985 wurde der Begriff „Messie“ von Sandra Felton geprägt, welcher sich seitdem international verbreitete: Die Amerikanerin Sandra Felton, eine Mathematiklehrerin aus Miami (Florida), gründete die weltweit erste Gruppe der „Anonymen Messies“ und hat mehrere Bücher über das Problem geschrieben, unter anderem „Im Chaos bin ich Königin“ und „Im Chaos werden Rosen blühen“ (Brendow-Verlag).
Felton sorgte 23 Jahre lang für Unordnung und Chaos daheim, bis sie die Ärmel aufkrempelte. Der absolute Tiefpunkt kam, als sie
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Arbeit zitieren:
Silke Bachert, 2008, Messie-Phänomen: Eine Form der Zwangserkrankung, München, GRIN Verlag GmbH
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