1 Einleitung
Jeder zehnte Schüler/ jede zehnte Schülerin verlässt die Schule ohne gültigen Schulabschluss. Ungefähr jede/r zweite gibt an, schon die Schule geschwänzt zu haben. 1 Worin liegen die Ursachen für diese augenscheinliche Schulunlust und Schulverdrossenheit, die im schlimmsten Fall zur Schulverweigerung führen kann? Die vorliegende Arbeit soll sich mit möglichen Gründen beschäftigen, wobei zwar einige genannt, aber nur ein Schwerpunkt ausführlich dargestellt werden wird. Dabei wird vor allem die Literatur von Ricking herangezogen werden, der sich in einem Kapitel ausführlich mit den Bedingungsfaktoren beschäftigt.
2 Ursachen für Schulverdrossenheit/ Schulabsentismus
Ricking betont in seinen Ausführungen, dass die Gründe für Schulverdrossenheit vielschichtig und komplex sind und außerdem von unterschiedlichsten emotionalen und sozialen Problemen sowie Verhaltensweisen begleitet werden. Diese Risikofaktoren können sich gegenseitig bedingen oder verstärken. Die Relevanz all dieser einzelnen Einflussgrößen ist nicht zu unterschätzen, auch oder gerade weil für die SchülerInnen stets eine Alternative zum Schulabsentismus besteht.
2.1 Mögliche Einflussgrößen
Um einen besseren Überblick zu erhalten, können die Einzelursachen verschiedenen Kategorien zugeordnet werden. Ricking unterteilt in:
- individuelle Variablen (z.B. Alter, Geschlecht, Selbstkonzept, Leistungsangst) - schulische Variablen (z.B. Organisationsmerkmale von Schulen, Verhalten von Lehrkräften, Eltern-Lehrer-Interaktion)
- Faktoren im Primärmilieu (z.B. Lebensverhältnisse, Einstellung der Eltern) - Einfluss der Peer-Group (z.B. Gruppenbildung der AbsentistInnen, Schwänzen als Gruppenaktivität, „Bulliying“, Mobbing)
1 43,7% laut einer Befragung von 520 Schüler/Innen im Alter von 12-16 Jahren.
Aus: Simon, T.: Empirische Befunde zu Fragen der Schulverweigerung. In: Uhlig, S. (Hrsg.):
Schulverweigerung. Muster - Hypothesen - Handlungsfelder. Opladen 2002, S. 109-138.
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- zeitstrukturelle Befunde (z.B. verstärktes Fehlen am Wochenanfang undende sowie in der warmen Jahreszeit, geplante Selektion von Stunden) (Ricking, 2006, S.70-90)
Wie schon erwähnt können alle Variablen von großer Bedeutung sein bzw. eine „Verkettung“ ungünstiger Umstände zur Schulunlust bis hin zum Schulabsentismus führen. Bei der Betrachtung der Faktoren wird jedoch deutlich, dass der Einflussbereich von Lehrerinnen/Lehrern fast ausschließlich im Bereich der schulischen Variablen gegeben ist, weshalb genau dieser Komplex genauer betrachtet werden soll.
2.2 Schwerpunkt „Schulische Variablen“
In der von Ricking so bezeichneten Gruppe der „schulischen Variablen“ lassen sich verschiedene, wichtige Faktoren ausmachen, die zur Schulverdrossenheit und schließlich zum Fernbleiben aus der Schule führen können. Diese sollen im Folgenden analysiert werden.
2.2.1 Organisationsmerkmale von Schulen
Ricking vergleicht mehrere Forschungsarbeiten und Studien, die sich alle in dem Punkt einig sind, dass „bedeutsame Einflussgrößen innerhalb des Systems Schule liegen.“ (Ricking, 2006, S. 77)
Die Studie von Reynolds et al., bei der über 6 Jahre neun Sekundarschulen untersucht wurden, zeigt, dass trotz ähnlicher sozio-ökonomischer Voraussetzungen deutliche Unterschiede in den Absentismusraten bestehen können. Am Wenigsten Schulverdrossenheit zeigten die SchülerInnen von Schulen, in denen enge Beziehungen zum Elternhaus gepflegt werden, die SchülerInnen mit Aufgaben innerhalb des Schulbetriebes beauftragt werden und viel gelobt sowie wenig getadelt/ bestraft wird. (Reynolds, 1987)
Ebenso scheint diese Studie zu belegen, dass sich strenge, autoritäre, unfreundliche SchulleiterInnen negativ auf die SchülerInnen auswirken und somit zum Fernbleiben vom Unterricht beitragen.
Ricking stellt weiterhin anhand mehrerer Studien dar, dass es sich positiv auf die SchülerInnen auswirkt, wenn sie in Schulaktivitäten wie Gartengestaltung,
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Schülerzeitung usw. eingebunden werden. Diese verantwortungsvollen Aufgaben stärken nicht nur das Selbstbewusstsein der/des Einzelnen und schaffen Anerkennung außerhalb von Noten, sie schaffen auch eine bessere Identifikation mit der Schule und eine persönliche Befriedigung. Gerade für leistungsschwächere SchülerInnen scheint es überaus wichtig zu sein, trotzdem etwas zum Schulalltag beizutragen, was dadurch gegeben ist. (Ricking, 2006, S. 78)
2.2.2 Schulform
Schulabsentismus tritt in allen Schulformen auf, jedoch verstärkt an Haupt- und Sonderschulen. (Schreiber, 2007, S.201) Die Diskussion um die Abschaffung von Hauptschulen und Sonderschulen wird in der aktuellen Innenpolitik immer wieder geführt. Heutzutage scheint ein Hauptschulabschluss, den nur noch ca. 35% eines Jahrganges absolvieren (im Vergleich: in den 60er Jahren waren es noch ca. 70%), nichts mehr wert zu sein. Er eröffnet tatsächlich auch nicht gerade viele Möglichkeiten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, was bedeutet, dass die SchülerInnen von Hauptschulen kaum eine Motivation haben, ihren Abschluss zu erreichen, der ihnen doch kaum eine Perspektive für das weitere Leben bietet . (Gaupp, Hofmann-Lun, 2005, S.11)
Zusätzlich werden SchulabsentistInnen immer jünger, so dass auch die Grundschulen mit beobachtet werden müssen. Es gilt für alle GrundschullehrerInnen also, auf erste Verhaltensmerkmale schulaversiver Art zu achten und sofort darauf zu reagieren. (Ricking, 2005, S.78) Schwierige Schulverläufe können sich schon in der Grundschule abzeichnen und durch den Wechsel in eine weiterführende Schule verstärkt werden. Die SchülerInnen müssen sich an eine neue Umgebung, neue Lehrkräfte, neue Verhaltensweisen und Abläufe gewöhnen, was nicht allen leicht fällt. (Michel, 2007, S.65)
2.2.3 Schul- und Klassenklima
Laut Ricking entsteht das Schulklima als „Produkt der Wahrnehmung und Evaluation von prozessual ineinander verzahnten Schulvariablen“ und ist somit aufgrund der Fülle der Einflüsse (wie z.B. das Verhalten aller in der Schule agierenden Personen, der Organisation der Schule, architektonischen Gegebenheiten usw.) schwer zu beschreiben und erfassen. (Ricking, 2005, S.79) Dennoch zeigen Studien, dass
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Arbeit zitieren:
Jessica Brückner, 2009, Schulunlust, Schulverweigerung - Wo liegen die Ursachen?, München, GRIN Verlag GmbH
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