Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung Seite
1.1 Themenbegründung 1
1.2 Thesen 1
1.3 Zielstellung und Vorgehensweise 1
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kompetenzbereiche 2
2.1.1 Ich-Kompetenz 3
2.1.2 Sozialkompetenz 4
2.1.3 Zusammenhang von Ich- und Sozialkompetenz 5
2.1.4 Beeinträchtigung der Kompetenzentwicklung 6
2.2 Integration 7
2.2.1 Begriff 7
2.2.2 Integrationsstatus 8
2.3 Wahrnehmung 8
2.3.1 Begriff 8
2.3.2 Wahrnehmungsprozess 9
2.3.3 Sinneswahrnehmung 10
2.3.4 Sensorische Integration 11
2.4 Wahrnehmungsstörung 12
2.4.1 Begriff 12
2.4.2 Symptomatik 12
2.4.3 Ursachen 14
2.4.4 Auswirkungen auf Ich- und Sozialkompetenz 15
3 Praktische Umsetzung und Fallbeispiel
3.1 Methoden zur Förderung 16
3.1.1 Beobachtung und Analyse 16
3.1.2 Das Spiel als natürlicher Zugang zum Kind 16
3.2 Ausgangssituation 17
3.3 Vorüberlegungen 18
ii
3.4 Pädagogische Angebote 19 3.4.1 Wahrnehmungsspiele 19
3.4.2 Spiele mit Wettbewerbscharakter 23
4 Auswertung 4.1 Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung 26
der aufgestellten Thesen und der Erkenntnisse des Theorieteils 4.2 Reflexion über die persönliche Entwicklung der pädagogischen Tätigkeit 30 während des Wahlpraktikums
5 Literaturverzeichnis und Quellenverzeichnis 33
6 Anhang (A) Abbildungen (B) Beobachtungsbögen (C) Ausführlicher Entwicklungsbericht (D) Planung zur Durchführung eines Spielangebots (E) Diagramme
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1 Einleitung 1.1 Themenbegründung
Als Erzieher ist man heutzutage mehr und mehr mit Kindern konfrontiert, die in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung erhebliche Defizite aufweisen. Unverkennbar ist die Zunahme von abweichendem Verhalten und die Abnahme der Kinder, die für schulfähig erklärt werden. Oftmals wird auch von Störungen in der Kompetenzentwicklung oder von Wahrnehmungsstörungen berichtet, welche sich vielfältig im Verhalten der Kinder widerspiegeln. Gerade im Kindergarten fallen Kinder häufig durch aufsässiges Verhalten, motorische Unruhe und Konzentrationsstörungen sowie durch unkoordinierte Handlungen und aggressive Verhaltensmuster auf. Das Arbeiten unter konventionellen Bedingungen gestaltet sich meist schwierig und fordert ein hohes Maß an engagiertem pädagogischen Können und Wissen. Während der letzten Praktika meiner Ausbildung konnte ich eine Vielzahl von Kindern mit Wahrnehmungsstörungen beobachten und entsprechende Verhaltensweisen feststellen, die meine Kompetenzen als Erzieherin in vielerlei Hinsicht herausforderten. Somit steht für mich nicht nur die Frage nach pädagogisch wirksamen Förderungsmöglichkeiten im Vordergrund, sondern ebenso die Frage nach dem Ursprung und der Häufigkeit dieser Störungen in Kohärenz mit elterlichen Erziehungsformen.
1.2 Thesen
Eine auffällige Ich- und Sozialkompetenz ist ein Zeichen einer gestörten Wahrnehmung.
Wahrnehmungsspiele und Spiele mit Wettbewerbscharakter sind Möglichkeiten zur Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit und unterstützen die Entwicklung des Empathievermögens und Körperbewusstseins sowie des Regelverständnisses, der Konfliktfähigkeit und Kooperationsbereitschaft.
1.3 Zielstellung und Vorgehensweise
Diese Arbeit soll darstellen, inwiefern Wahrnehmungsstörungen für eine auffällige Ich- und Sozialkompetenz ursächlich sind sowie Zusammenhänge von internen und externen Faktoren aufzeigen, die Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes nehmen. Des Weiteren sollen Wahrnehmungsspiele und Spiele mit Wettbewerbscharakter als pädagogisch wirksame Förderungsmöglichkeiten
1
aspektuiert und deren Effektivität in Bezug auf die Entwicklung einzelner Kompetenzbereiche überprüft werden.
Zunächst werde ich einige grundlegende definierende Sachinformationen darlegen und theoretische Ansätze erläutern, die für meine Arbeit von Bedeutung sind. So beziehe ich mich im Einzelnen auf die Entfaltung von Ich- und Sozialkompetenzen, auf Wahrnehmungsprozesse und Wahrnehmungsstörungen sowie deren Ursachen und Symptome. Anschließend werden individuelle Förderungsmöglichkeiten aufgezeigt und an Hand eines Fallbeispiels verdeutlicht und bewertet. Hierbei liegt der Fokus auf Wahrnehmungs- und Wettbewerbsspielen, deren Wirkungsweise mit Hilfe von Diagrammen evaluiert wird. Es folgt eine Analyse, die die Ergebnisse der praktischen Arbeit zusammenfasst sowie eine konkrete Schlussfolgerung bezüglich der Thesenformulierung.
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kompetenzbereiche
Im Folgenden beziehe ich mich vorwiegend auf das Berliner Bildungsprogramm der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin. Pädagogik hat die Aufgabe zu analysieren, welche Kompetenzen Kinder benötigen, um in ihrer Lebenswelt jetzt und zukünftig bestehen und die Gesellschaft aktiv gestalten zu können. 1 Im Allgemeinen bezeichnet der Kompetenzbegriff die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Individuums, die es im Laufe seiner Entwicklung durch aktive und konstruktive Auseinandersetzung mit seiner Umwelt entwickelt. So wird im Berliner Bildungsprogramm die Aneignung von Kompetenzen als aktiver Prozess beschrieben, in dem einzelne Entwicklungsziele stets mit dem Blick auf das formuliert sind, was Kinder im Verlauf mehrjähriger Bildungsprozesse an Erfahrungen gemacht und sich an Fähigkeiten und Erkenntnissen angeeignet haben sollten. Dabei stehen nicht nur einzelne Fähigkeiten und Begabungen im Vordergrund, sondern die Bereitschaft, diese im Sinne der Lebensbewältigung ein- und umzusetzen sowie zu verbessern und zu erweitern: „Ein Kind entdeckt, erforscht und gestaltet seine Welt [...] durch eigenwillige Tätigkeit, mit allen Sinnen und vom ersten Atemzug an. Ein aktives Kind bildet sich immer [...].“ 2 Das Berliner Bildungsprogramm unterscheidet vier
1 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.26f.
2 Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.20.
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Kompetenzbereiche: Ich-Kompetenzen, soziale Kompetenzen, Sachkompetenzen und lernmethodische Kompetenzen. 3 Unter Berücksichtigung des Arbeitsschwerpunktes werden in dieser Arbeit zwei dieser Begriffe näher erläutert.
2.1.1 Ich-Kompetenz
Die Ich-Kompetenz umfasst die individuellen und persönlichen Entwicklungsprozesse des Einzelnen. Im Vordergrund steht die Entfaltung des eigenen „Ichs“ und die Akzeptanz der daraus resultierenden Stärken und Schwächen. 4 Besonders Kinder im Kindergartenalter brauchen zur Entwicklung ihres Selbstwertes besondere Unterstützung und Hilfe, da, so Sagi, in der frühen Kindheit notwendige Grundlagen durch Erziehung vermittelt werden und ein Mangel an Zuwendung seelische, körperliche und soziale Schäden zur Folge haben kann. 5 Die Ich-Kompetenz umfasst weiterhin das bewusste Wahrnehmen eigener Bedürfnisse, Interessen und Ansprüche sowie das Entdecken und Ausdrücken von Gefühlen. 6 Dies beinhaltet auch die Fähigkeit, sich mitzuteilen und zu verständigen, sowie die Bereitschaft zur Kooperation und die Herstellung und Erhaltung von Kontakten. Oft haben Kinder Schwierigkeiten sich auszudrücken oder sich zu erklären. Dies ist laut Sagi auf ein unzureichendes Sprachverständnis zurückzuführen, welches nach Westrich in der Regel Beeinträchtigungen im geistig-seelischen und sozialen Bereich nach sich zieht. 7 Wesentlicher Bestandteil der Ich-Kompetenz ist die Kommunikationsbereitschaft. Die Basis dafür ist die Bildung einer eigenen Meinung aufgrund von Erfahrungen und Erlebnissen, die mit entsprechenden Gefühlen verknüpft werden. 8 Eine gelungene Verständigung und damit die mögliche Herstellung einer stabilen Bindung wird das Gefühl von Akzeptanz und Wertschätzung vermitteln, das Explorationsverhalten nachhaltig positiv beeinflussen 9
3 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.26.
4 Vgl. a.a.O., S.27.
5 Vgl. Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.40f.
6 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.27.
7 Vgl. Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.78f.
8 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.26f.
9 Vgl. Johnson, Helmut: Bindungsstörungen: Material zur systemischen Arbeit in Erziehung und Betreuung. Netphen: Institut Johnson, 2006, S.3.
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sowie die rechtzeitige Entwicklung von Verhaltensnormen 10 und sozialen Anpassungsleistungen 11 zulassen.
Die pädagogische Arbeit mit Kindern im Kindergartenalter zielt weiterhin auf die Entwicklung eines positiven Körpergefühls. Die Ich-Kompetenz umfasst auch das Wissen um die eigene Biografie. Sie ermöglicht die Entwicklung von Identität und impliziert das Gefühl von Zugehörigkeit und Vertrauen. 12 Schlussfolgernd kann man sagen, dass die Ich-Kompetenz im weitesten Sinne aus der Akzeptanz eigener Schwächen und der Entwicklung persönlicher Stärken sowie der Erprobung und Erweiterung durch die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt besteht.
2.1.2 Sozialkompetenz
Das Leben in der Kita wird als ein Übungsfeld sozialen Verhaltens beschrieben, in dem die Kinder gleichberechtigt ihre Erfahrungen mitteilen und Kompromisse aushandeln, die ein gemeinsames Tätigsein ermöglichen. Dadurch bilden und festigen sich moralische Vorstellungen und Verhaltensweisen. 13 Es sollen nicht nur eigene Gefühle wahrgenommen werden, sondern auch die von Anderen. Durch Perspektivenübernahme sollen Kinder in der Lage sein, sich in andere hineinzuversetzen, deren Wünsche und auch Grenzen wahrzunehmen. 14 Diese Verhaltensmuster werden bereits wesentlich durch die elterliche Erziehung beeinflusst: „[...] Allerdings ist die Entfaltung dieses [erstaunlichen] Potentials davon anhängig, welche Bedingungen des Aufwachsens ihnen die Erwachsenen anbieten.“ 15 So formuliert auch Sagi: „Diese [natürliche Erziehung] kann nur funktionieren, wenn die altersgerechte Entwicklung des Kindes auf das zuverlässige Angebot einer emotional zugewandten, an Lernreizen reichen, schützenden und bergenden Umgebung trifft.“ 16
10 Vgl. Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.11.
11 Vgl. Pfluger-Jakob, Maria: Kinder mit Wahrnehmungsstörungen erkennen, verstehen, fördern. Freiburg: Herder, 2007, S.51.
12 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.26f.
13 Vgl. a.a.O., S.33.
14 Vgl. a.a.O., S.27.
15 a.a.O., S.33.
16 Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.11.
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Weiterhin beinhaltet die Sozialkompetenz das Verständnis von grundlegenden Normen und Bestimmungen des Zusammenlebens. Dies schließt die Übernahme von Verantwortung für sich und andere, insbesondere für Schwächere ein. 17 Rita Süssmuth formuliert: „In diesem Prozess erwerben die Kinder soziale und emotionale Kompetenzen, die immer wichtiger werden.“ 18 Sozial kompetent sein bedeutet auch, die Folgen des eigenen Handelns zu erkennen und zu reflektieren. Konflikte zu lösen und Kompromisse zu schließen, erfordert die Fähigkeit Kritik zu äußern und auch anzunehmen. Das Anderssein von Mitmenschen, insbesondere von Menschen mit Behinderung, soll geachtet und anerkannt werden, ebenso deren Erwartungen und Bedürfnisse. Außerdem soll ein Gruppenbewusstsein ausgebildet werden, um zu erkennen, dass im gemeinsamen Tun etwas bewirkt werden kann. 19
Soziale Kompetenz bezeichnet somit die Gesamtheit der Fertigkeiten, die für die soziale Interaktion nützlich oder notwendig sind.
2.1.3 Zusammenhang von Ich- und Sozialkompetenz
Die in den Kapiteln 2.1.1 und 2.1.2 ausführlich beschriebenen Kompetenzen lassen die Vermutung einer gewissen gegenseitigen Abhängigkeit zu. Betrachtet man die einzelnen Bausteine von Ich- und Sozialkompetenz wird man feststellen: Ohne Ich-Kompetenz keine Sozialkompetenz. Beide Bereiche enthalten wesentliche Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung, die durch den Erwerb von zusätzlichen Fertigkeiten in anderen Kompetenzbereichen ihre Vollständigkeit findet. Der Entwicklung sozialer Anpassungsleistungen muss daher eine individuelle und persönliche Entwicklung vorausgehen, in der das Kind im Idealfall innere Sicherheit und Angstfreiheit erlangt. Sagi beschreibt diesen Idealfall als Übereinstimmung angebotener kulturgerechter Konfliktlösungsmodelle mit dem Verhalten der Bezugsperson, als auch die Kongruenz der Normvorstellungen einer das Kind und die Bezugsperson umfassenden Gruppe. 20 Laut Orth sind Elemente, wie Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen prinzipiell erwerbbar, jedoch können bereits
17 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.28.
18 Süssmuth, Rita; zitiert aus: Diehl, Ute: Erfolgsfaktor Sozialkompetenz. Kommunikationsprojekt didacta, 2007, http://bildungsklick.de/a/51431/erfolgsfaktor-sozialkompetenz, 07.02.2010.
19 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.28.
20 Vgl. Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.38.
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vorhandene Kompetenzen den Erwerb weiterer Kompetenzen unterstützen. 21 Dieser Aspekt soll als Grundannahme der vorliegenden Arbeit betrachtet werden. Wie zuvor erklärt, wird die individuelle Entwicklung eines Kindes seine Stellung in der Gruppe sowie dessen Integrationsleistung beeinflussen. Ein Beispiel aus dem Praxisfeld soll dies verdeutlichen: Ein Kind mit wenig Selbstvertrauen wird seltener bei der Suche nach einem geeigneten Spielpartner die Initiative ergreifen, als ein Kind mit einem positiven Selbstkonzept. Dieses Kind wird Schwierigkeiten haben, seine gering ausgeprägten Ich-Kompetenzen zu erweitern, es kann kaum auf Erfolgserlebnisse zurückgreifen, die ein Kind braucht, um Identität zu entwickeln und sich selbst als starke Persönlichkeit wahrzunehmen. 22
2.1.4 Beeinträchtigung der Kompetenzentwicklung
Wie bereits in Abschnitt 2.1.2 erwähnt, wird die Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung eines Kindes wesentlich durch die Erziehung der Eltern und andere soziale Bezugspersonen beeinflusst. Es bedarf einer Diagnose der Grundverhältnisse 23 , wie die Frage nach der Familienkonstellation, um Schlussfolgerungen über die kindliche Entwicklung und den möglichen Förderbedarf zuzulassen. Jeder Erwachsene nimmt Einfluss auf das Bild, welches sich das Kind von der Welt und von sich macht, indem er seine Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen an das Kind heranträgt. 24 Ist diese Beziehung fehlerhaft, kann dies Folgen für die Ausbildung eines positiven Selbstbildes haben sowie Störungen im Sozialverhalten nach sich ziehen. 25 „Selbstvertrauen, Autonomie und Kompetenz entwickeln sich in einem Zusammenspiel von kindlicher Aktivität mit der unterstützenden Kommunikation durch fürsorgliche Erwachsene“, so Professorin Dr. Susanne Miller der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. 26 Werden Kinder also in ihren Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten eingeschränkt, sind die Chancen für eine optimale, ganzheitliche Entwicklung des Kindes und die Entfaltung bedeutender Kompetenzbereiche geringer, als bei Kindern, die vielfältig lernen
21 Vgl. Orth, Helen: Schlüsselqualifikationen an deutschen Hochschulen: Konzepte, Standpunkte und Perspektiven. Neuwied: Luchterhand, 1999, S.107.
22 Vgl.: Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.38.
23 Vgl. a.a.O., S.39.
24 Vgl. a.a.O., S.22.
25 Vgl. Johnson, Helmut: Bindungsstörungen: Material zur systemischen Arbeit in Erziehung und Betreuung. Netphen: Institut Johnson, 2006, S.5.
26 Miller, Prof. Dr. Susanne zitiert aus: Rohlfs, Carsten: Kompetenz - Bildung. Soziale, emotionale und kommunikative Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen. Wiesbaden: VS-Verlag, 2008, S.209-224.
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können und von pädagogisch wertvollen Spielanregungen profitieren. „Denn sie [die
Kinder] können, je nachdem, welche Anregungen sie in ihrer Familie und ihrem unmittelbaren Umfeld erfahren, im Rahmen ihrer physischen und psychischen Möglichkeiten unterschiedliche Ausschnitte davon ausschöpfen.“ 27 Laut Berliner Bildungsprogramm lernen Kinder von sich aus, indem sie aktiv und mit allen Sinnen wahrnehmen. Dabei beziehen sie ihr Handeln immer auf einen Interaktionspartner. 28 Störungen in der Kompetenzentwicklung können also dann auftreten, wenn die Interaktion unterbunden wird oder unkontrolliert verläuft.
2.2 Integration
Die Begriffe Integration und Integrationsstatus haben in dieser Arbeit reinen Informationswert und werden nicht umfassend ausgeführt. Unter Berücksichtigung des Arbeitsschwerpunktes werden einzelne Gesetzestexte lediglich erwähnt und nicht vollständig erläutert. Grundlage ist hierbei das Arbeitsmaterial der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Berlin.
2.2.1 Begriff
Der Begriff Integration beinhaltet die gruppenübergreifende Förderung „normal entwickelter Kinder“ einerseits und die Förderung behinderter oder von Behinderung bedrohten Kindern andererseits. Integration ist also ein pädagogisches Konzept, welches individuelle Unterstützung für Kinder in „besonderen Lebenslagen“ bietet. Der Begriff „besondere Lebenslagen“ orientiert sich an den Stärken und nicht an den Schwächen der betroffenen Kinder, enthält jedoch gleichermaßen den Sachverhalt von verhaltensauffälligem, hier „von der Norm abweichendem“ 29 Verhalten. Integration soll flächendeckend sein und Kinder mit bestimmten Merkmalen nicht ausschließen. Integration beschränkt sich nicht nur auf das Zusammensein von behinderten und nichtbehinderten Kindern an gemeinsamen Spiel- und Lernorten, sondern findet Erweiterung in einem gemeinschaftlichen Betreuungsangebot, welches Elemente von Pädagogik und Therapie enthält (siehe 2.2.2, S.8).
27 Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Berliner Bildungsprogramm. Berlin: verlag das netz, 2004, S.21.
28 Vgl. a.a.O., S.20.
29 Vgl.: Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.14.
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2.2.2 Integrationsstatus
Damit Ressourcen für einen erhöhten Förderbedarf realisierbar sind, ist die diagnostische Einteilung in zwei Gruppen, nämlich in Kinder mit und ohne Behinderungen, sowie mit erhöhtem und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf notwendig. Grundlage dafür sind: §2 SGB IX (Behinderung von Menschen), §53 SGB IX (Leistungsberechtigung) und §35a SGB VIII (Eingliederungshilfe). Weiterhin werden Regelungen durch die Kindertagesförderungsverordnung (VOKitaFög) in §4 (7) über die Voraussetzungen für die Gewährung von zusätzlichem sozialpädagogischen Personal getroffen. 30 Je nach Schwere der Beeinträchtigung ergibt sich ein Integrationsstatus A oder B und der damit anteilige Förderbedarf.
2.3 Wahrnehmung 2.3.1 Begriff
„Um sich mit ihrer Lebenswirklichkeit auseinandersetzen zu können“, so Thiesen, „müssen Kinder in der Lage sein, aufmerksam wahrzunehmen. Nur so gewinnen sie Informationen, die ihnen helfen, sich in ihrer Umwelt zu orientieren und angemessen zu verhalten.“ 31
Für den Begriff „Wahrnehmung“ gibt es keine eindeutige Definition. Zum einen gilt im Medizinischen die Wahrnehmung als allgemeine Bezeichnung für den komplexen Vorgang von Sinneswahrnehmung, Sensibilität und integrativer Verarbeitung von Umwelt- und Körperreizen, zum anderen ist laut psychologischer Literatur das Wahrnehmen die sinngebende Verarbeitung von Reizen. 32 Thiesen beschreibt die Wahrnehmung als die Art, wie das Gehirn die von den Sinnesorganen aufgenommenen Informationen über die Umwelt interpretiert. 33 Sagi versteht unter Wahrnehmung den gesamten Komplex von Informationsaufnahme (Rezeption), Informationsverarbeitung (Perzeption) und Informationsabgabe (Kommunikation) und kennzeichnet die einströmenden Informationen als Reize. 34 So spricht auch
30 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung: Verfahren zur Aufnahme und Betreuung von Kindern mit Behinderungen in Berliner Kindertageseinrichtungen. Handreichung. Berlin, 2006/07, S.11.
31 Thiesen, Peter: Wahrnehmen, Beobachten, Experimentieren: Spielerische Sinnesförderung in Kindergarten und Grundschule. Weinheim: Beltz Verlag, 2001, S.9.
32 Vgl. Becker, Heidrun: Kinder mit Wahrnehmungsstörungen: Ein Ratgeber für Eltern, Pädagogen und Therapeuten. 2. Aufl. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag., 2007, S.18.
33 Vgl. Thiesen, Peter: Wahrnehmen, Beobachten, Experimentieren: Spielerische Sinnesförderung in Kindergarten und Grundschule. Weinheim: Beltz Verlag, 2001, S.26.
34 Vgl. Sagi, Alexander: Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten: Ursachen und Wege zur Heilung. 11. Aufl. Freiburg: Herder, 1982, S.24.
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Pfluger-Jakob von „Reizaufnahme“ und „Reizverarbeitung“. 35 Wahrnehmung kann also als aktiver Prozess definiert werden, der es uns mit Hilfe unserer Sinnesorgane ermöglicht, mit der Umwelt in Beziehung zu treten. Wahrnehmung ist nicht nur ein aktiver und integrativer Prozess, sondern verläuft auch subjektiv, d. h. in Abhängigkeit von der Person, die etwas wahrnimmt. Unter dem Einfluss von Gedächtnis, Denken, Gefühlen und Erwartungen werden einzelne Sinneseindrücke stärker, andere weniger stark empfunden oder sogar ausgeblendet. Man nennt das eine selektive Wahrnehmung. 36 So erwähnt auch Thiesen persönliche Faktoren, wie Bedürfnisse, Motive, Interessen, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie soziale Faktoren, wie Einstellungen, Vorurteile, Wert- und Normvorstellungen, die die Aufnahme von Reizen und deren Verarbeitung beeinflussen. Er unterscheidet zwischen dem, was wir wahrzunehmen erwarten und dem, was wir faktisch in der Umwelt vorfinden. 37 „Das, was wir für ‚wahr’ nehmen, ist unsere subjektive Sicht der Wirklichkeit“, argumentiert auch Becker, „[...] und jeder andere Mensch hat wiederum seine eigene Wirklichkeit.“ 38 Die aufgenommenen Reize werden verarbeitet, ausgewertet, zum Teil gespeichert, mit anderen Informationen verglichen und eine Reaktion als Antwort nach außen gesendet. Diese Reaktion kann bewusst oder unbewusst erfolgen. 39
2.3.2 Wahrnehmungsprozess
Wahrnehmung verläuft in verschiedenen Phasen und ist kein augenblicklicher Akt, sondern ein schnell ablaufender Prozess, welcher im Nervensystem stattfindet. Thiesen unterscheidet das Zentralnervensystem (ZNS), zu dem das Gehirn und das Rückenmark gehören, und das periphere Nervensystem (PNS), welches alle vom ZNS ausgehenden Nervenbahnen umfasst. 40
35 Vgl. Pfluger-Jakob, Maria: Kinder mit Wahrnehmungsstörungen erkennen, verstehen, fördern. Freiburg: Herder, 2007, S.18.
36 Vgl. Becker, Heidrun: Kinder mit Wahrnehmungsstörungen: Ein Ratgeber für Eltern, Pädagogen und Therapeuten. 2. Aufl. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag., 2007, S.18f.
37 Vgl. Thiesen, Peter: Wahrnehmen, Beobachten, Experimentieren: Spielerische Sinnesförderung in Kindergarten und Grundschule. Weinheim: Beltz Verlag, 2001, S.30f.
38 Becker, Heidrun: Kinder mit Wahrnehmungsstörungen: Ein Ratgeber für Eltern, Pädagogen und Therapeuten. 2. Aufl. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag., 2007, S.19.
39 Vgl. a.a.O., S.11.
40 Vgl. Thiesen, Peter: Wahrnehmen, Beobachten, Experimentieren: Spielerische Sinnesförderung in Kindergarten und Grundschule. Weinheim: Beltz Verlag, 2001, S.26.
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Arbeit zitieren:
Claudia Günther, 2010, Möglichkeiten pädagogischer Förderung der Ich- und Sozialkompetenz bei 5-6-jährigen Integrationskindern mit Wahrnehmungsstörungen - betrachtet an einem Fallbeispiel, München, GRIN Verlag GmbH
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