Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Definition von Bewusstsein. 2
3. Kalifornische Buschhäher erinnern sich, wer sie wann beobachtet hat -
eine Studie als Beleg für die Existenz eines Bewusstseins bei Tieren? 4
4. Ethische Implikationen 14
5. Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Der französische Philosoph René Descartes (1596 - 1650) begründete die sogenannte Zweisubstanzenlehre, welche postuliert, dass es zwei unabhängige, nicht voneinander ableitbare Substanzen gibt. Dabei unterschied Descartes zwischen einer sogenannten res cogitans, die „denkende Substanz“ (Geist, Seele, Bewusstsein), und der res extensa, dem „ausgedehnten Körper“ (Leib, Materie). Die „denkende Substanz“ ist strikt vom „ausgedehnten Körper“ zu trennen und „(…) kann als solche kein Attribut der Körperlichkeit auf sich beziehen. Sie ist somit von allen materiellen Dingen getrennt, die im Körper als res extensa auftreten. Die bloße Materie als res extensa ist somit auch streng getrennt von der denkenden Substanz (Röd, 1999, S. 73).“
Nach Thomas (2006) schrieb Descartes den Menschen als einzige Kreaturen der Welt eine res cogitans und damit Denkvermögen zu. Nach seiner Lehre bestehen Tiere nur aus Materie. Sie können auch als Maschinen betrachtet werden. Die Position von Descartes wurde in der Tierphilosophie kritisiert. Nach Wild (2008) verfährt die Tierphilosophie assimilationistisch. Dies bedeutet, dass bei den Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren angesetzt wird. Bei der Frage nach dem Geist geht die assimilationistische Sichtweise von einer Kontinuität zwischen Tieren und Menschen aus und versucht dabei graduelle Abweichungen von Geist bei verschiedenen Lebewesen festzustellen. Descartes hingegen verfährt differentialistisch und betont damit stärker die anthropologische Differenz 1 . Um die Frage zu klären, ob Tiere über einen Geist oder ein Bewusstsein verfügen, muss in erster Linie dargelegt werden, was unter Bewusstsein zu verstehen ist und welche Arten von Bewusstsein in der Philosophie unterschieden werden.
2. Definition von Bewusstsein
Zum Zweck dieses Essays scheint mir die Unterscheidung der Bewusstseinszustände nach Searle in intentionale geistige Zustände und qualitative geistige Zustände oder Qualia angemessen. Searle beschreibt einerseits geistige Zustände und Ereignisse, die Intentionalität beinhalten. Solche intentionalen geistigen Zustände sind zum Beispiel Überzeugungen, Befürchtungen, Hoffnungen oder Wünsche. Andererseits gibt es qualitative geistige Zustände
1 Unter „anthropologischer Differenz“ versteht man, dass man von einem prinzipiellen Unterschied zwischen Menschen und Tieren ausgeht. Man versucht herauszufinden, was den Menschen von allen anderen Tieren unterscheidet (Wild, 2008, S. 27). 2 Universität Zürich
Bio 116 - Philosophie der Biologie, Herbstsemester 2008 Essay von Andrea Steiger, Betreuung: Prof. Dr. Marcel Weber
wie beispielsweise Formen von Nervosität oder Hochstimmungen, die keine Absicht mit einschliessen. So müssen intentionale geistige Zustände wie beispielsweise Befürchtungen oder Hoffnungen immer „(….) von etwas handeln, während (…) Nervosität und Unruhe nicht in dieser Weise von etwas handeln müssen (Searle, zit. nach Wild, 2008, S. 23).“ Qualitative geistige Zustände besitzen subjektiven Erlebniswert oder phänomenalen Charakter (vgl. auch Weber, 2008) und können auch nur gegenwärtig erlebt werden. Ausserdem müssen sie nicht auf einen Gegenstand gerichtet sein, während intentionale Zustände nur auf etwas gerichtet existieren. Auch Damasio (2000, zit. nach Griffin & Speck, 2004) unterscheidet zwischen einem sogenannten “Kernbewusstsein” und einem „Erweiterten Bewusstsein”. Während ersteres auf das Selbst und das hier und jetzt gerichtet ist, ohne Bezug zu nehmen auf die Zukunft oder die Vergangenheit, ist letzteres darüber hinaus fähig, ein elaboriertes Selbstbild zu entwerfen und sich in einer individuellen historischen Zeit einzuordnen. Es beinhaltet demnach den Bezug zur Vergangenheit und zur Zukunft.
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3. Kalifornischen Buschhäher erinnern sich, wer sie wann beobachtet hat - eine Studie als Beleg für die Existenz eines Bewusstseins bei Tieren?
Zur philosophischen Erörterung der Frage, ob Tiere ein Bewusstsein haben, möchte ich auf einen Artikel von Dally, Emery und Clayton (2006) eingehen, welcher aufzeigt, welche ausserordentlichen Verhaltensweisen der kalifornische Buschhäher (Aphelocoma californica) beim Verstecken von Nahrung zeigt.
Ziel der Autoren war festzustellen, ob sich diese Vögel erinnern, wer sie beim Nahrungsverstecken beobachtet hat und ob sie ihr Verhalten aufgrund dieser Erinnerung anpassen. Die Forscher wollten damit zeigen, dass Buschhäher Taktiken anwenden, um ihre Nahrungslager vor Diebstahl durch Artgenossen zu schützen. Kalifornische Buschhäher verfügen über hierarchische Strukturen in ihren Gemeinschaften und es kann vorkommen, dass dominantere Vögel untergeordneten Vögeln deren Vorräte ausrauben. Untergeordnete Vögel haben dabei keine Chance, ihr Lager zu verteidigen.
Dally et al. (2006) untersuchten in einem ersten Experiment das Versteckverhalten von kalifornischen Buschhähern unter unterschiedlichen Beobachtungsbedingungen durch Artgenossen. Die Experimentalbedingungen unterschieden sich dahingehend, dass einmal Vögel ihre Nahrung ohne die Beobachtung durch einen anderen Vogel verstecken konnten, einmal in Anwesenheit ihrer Partner und einmal unter Beobachtung eines untergeordneten Vogels beziehungsweise dominanteren Vogels. Die Vögel konnten die Nahrung nun verstecken und wurden dann zurück in den Käfig gebracht. Nach drei Stunden gelangten die Vögel wieder zu ihrem Zwischenlager. Erstaunlicherweise verlagerten die Vögel, die unter Beobachtung eines besonders dominanten Artgenossen gewesen waren, ihre Nahrung häufig neu, während die Vögel in den anderen Experimentalbedingungen dies weniger oft taten. Ausserdem versteckten die Vögel ihr Futter unter den letzt genannten Bedingungen (Beobachtung von untergeordneten und dominanten Vögeln) weiter weg als unter den beiden erst genannten Experimentalbedingungen (ohne Beobachtung und Anwesenheit von Partnern).
Überraschend ist, dass sich der Vogel, welcher Nahrung versteckt 2 , je nach vorheriger Bedingung anders verhält. Er scheint sich daran zu erinnern, welcher Artgenosse während des Versteckens der Nahrung dabei war. War er alleine, mit seinem Partner oder unter Beobachtung eines untergeordneten Vogels, verlagerte er seine Nahrung nicht sehr häufig. War er jedoch unter Beobachtung eines dominanten Vogels unterschied sich sein Verhalten
2 Im Folgenden teilweise auch „Nahrungsverstecker“ genannt.
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Arbeit zitieren:
Andrea Steiger, 2008, Der Geist der Tiere, München, GRIN Verlag GmbH
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