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Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis. S.2.
Abbildungsverzeichnis. S.3.
1. Vorwort. S.4
2. Der Begriff der Multilokalität. S.6.
2.1. Definition der Multilokalität. S.6.
2.2. Unterschiedliche Ausprägungen der Multilokalität und ihre Ursachen. S.7.
3. Wohnen und Aktionsräume- von der Vergangenheit zur Gegenwart. S.13.
4. Migration vs. Multilokalität. S.19.
5. Der Stellenwert der Mobilität. S.25.
6. Abschließende Forschungsfragen. S.26.
7. Literaturverzeichnis S 28
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Abbildungsverzeichnis:
Abbildung 1: Beispiel eines Ferienhauses in Norwegen (S.7).
Abbildung 2: Wohnwagenstellplatz als Form der regelmäßigen Freizeitgestaltung (S.7).
Abbildung 3. Bringt das Leben in der Großstadt den Wunsch nach einem Zweiwohnsitz in gegensätzlichen Regionen hervor? (S.8).
Abbildung 4: Wohn- und Aktionsraum in der Agrar- und frühen Industriegesellschaft (S.12).
Abbildung 5: Wohn- und Aktionsraum innerhalb der modernen westlichen Gesellschaft (S.15). Abbildung 6: Intraregionale Wanderung (S.18). Abbildung 7: Innerregionale Wanderung (S.19). Abbildung 8: Mulilokales Wohnen (S.21).
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1. Vorwort:
Befragen wir unsere heutige Rentnergeneration nach ihrer Kindheit und den damaligen Wohnverhältnissen, bezogen auf Standort und Sesshaftigkeit, so werden wir in vielen Fällen sicherlich feststellen, dass jene Orte häufig über einen langen Zeitraum beibehalten wurden. Standortwechsel kamen in der Regel weniger in Frage, da sich der Arbeitsplatz der Personen, sowie das Netzwerk ihrer sozialen Kontakte, in unmittelbarer Reichweite befanden.
Im Zeitalter der globalisierten Gesellschaften und der stetig wachsenden Mobilität der Akteure, änderte sich zwangläufig auch das Wohnverhalten der
Bevölkerungsgruppen. Standortwechsel in strukturreichere Regionen, in die Nähe des Arbeitsplatzes oder zum neuen Lebenspartner beispielsweise, nahmen zu. Aber es muss nicht immer zu einer vollständigen Aufgabe des ursprünglichen Wohnortes kommen. Multilokale Lebensweisen ermöglichen den jeweiligen Akteuren an unterschiedlichen Standorten aktiv zu leben und zu wirken. Dieses Phänomen, welches sich innerhalb der westlichen Gesellschaften immer mehr zu manifestieren scheint, soll Mittelpunkt dieser wissenschaftlichen Arbeit sein. Es wird im weiteren Verlauf der Anspruch erhoben, den Begriff der Multilokalität zunächst einmal zu definieren, ihre Formen, Ausprägungen und den historischen Ursprung vorzustellen, die Zusammenhänge zu Migration und Mobilität zu untersuchen und abschließend zukünftige Theorien und Forschungsfragen aufzustellen.
Es kann nun sicherlich vorweggenommen werden, dass es multilokale Lebensstile innerhalb der meisten Gesellschaften schon immer gegeben hat. Spontan werden dem Leser wohl immer einige Beispiele vor dem geistigen Auge erscheinen, seien es die Studentinnen und Studenten mit dem Zimmer am Universitätsstandort, seien es Wanderarbeiter, Politiker mit der Dienstwohnung innerhalb des Wahlkreises oder der eigene feste Wohnwagenstandort auf dem Campingplatz.
Bisher blieb das Phänomen eher im Verborgenen versteckt, doch mittlerweile wächst die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Themenfeld deutlich an. Trotzdem gibt es bisher wenig konkrete ausformulierte Konzepte und Theorien, die vollständige und ernstzunehmende Leitbilder entwickeln und legitimieren können. Da, wie im Laufe der Arbeit deutlich werden wird, ein relativ großes Spektrum unserer Bevölkerung, aus unterschiedlichsten Gründen, von der multilokalen
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Lebensweise tangiert und betroffen ist, so ist es anzunehmen, dass die Thematik von Seiten der Forschung wohl zwangsläufig immer mehr in den Vordergrund gestellt werden muss (STURM und WEISKE 2008, S.1.).
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2. Der Begriff der Multilokalität:
„Wenn du mich fragst, wo meine Heimat ist, dann muss ich fragen, ja wann?“
(POLT, GERHARD, bayrischer Kabarettist).
Das einleitende Zitat des bayrischen Kabarettisten GERHARD POLT verdeutlicht den Zustand vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger, der modernen westlichen Gesellschaften, in Bezug auf ihre Lebensweise sowie den zugehörigen, unterschiedlichen Wohnstandorten. Der Begriff der Heimat wird traditionell mit einer bestimmten Region beziehungsweise einem bestimmten Raum verbunden, zu dem die Person welche das Wort gebraucht, sich zugehörig fühlt, sich in der Regel mit den dort ansässigen Menschen und lokalen Gegebenheiten identifizieren kann und selbst an einem fest verankerten Standort, innerhalb dieses Bereichs, wohnhaft ist. Doch dieses klassische Verständnis der einen, einzigartigen Heimat des Menschen, trifft auf viele Personen nicht mehr vollständig zu.
Die Heimat kann erweitert werden, oder wird nur in bestimmten Zeiträumen eines Jahres aufgesucht. Zudem ist es möglich, dass einem neuen Standort dieselben Empfindungen zu Teil werden, ohne jedoch den Ursprungswohnsitz aufgeben zu müssen. Zweifelsohne beschreibt POLT die multilokale Lebensform, wenn auch anzunehmen ist, dass diese Bezeichnung im fremd sein könnte. 2.1. Definition der Multilokalität:
Dieser Begriff, welcher erstmals von BERNHARD WALDENFELS im JAHR 1985 Verwendung fand, (WALDENFELS 1985, S. 208f.) beschreibt, wie bereits erwähnt, jenes Phänomen des aktiven Lebens an unterschiedlichen Orten. Es ist hierbei nicht von Bedeutung ob es sich, wie es zumeist der Fall ist, um genau 2 Standorte handelt, oder ob eine Person noch weitere Wohnsitze, aus unterschiedlichsten Gründen und persönlichen Antrieben heraus, mit Leben erfüllt.
Der Lebensalltag des Akteurs verteilt sich hierbei auf die verschiedenen Standorte, die allesamt, um dieser Lebensstilform gerecht werden zu können, in regelmäßigen Abständen bewohnt werden. Hierbei spielt es zunächst einmal keine Rolle wie häufig oder wie lange sich der Akteur an einem bestimmten Standort aufhält, von weitaus größerer Bedeutung ist die sich immer wiederholende Rückkehr an jene Orte.
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Auch wenn es innerhalb dieses Themenbereichs bisher an aussagekräftigen und wissenschaftlich belegten Studien mangelt, was zum einen an der Tatsache liegen mag, dass jene multilokalen Prozesse und Erscheinungsformen erst neuerdings in den Fokus der Forschung und deren Interessen gerückt wurden und zum anderen, da selbige Forschungs- und Untersuchungsstrategien sich als außerordentlich schwierig entpuppen, was in der Komplexität des Themengebietes begründet werden kann, so ist es dennoch bereits bewiesen, wonach die Multilokalität bei großen Teilen der Bevölkerung unabhängig von Alter, Geschlecht oder Schichtzugehörigkeit in Erscheinung tritt (ROLSHOVEN 2007, S.157).
Lassen wir den multilokalen Erscheinungsmustern nun eine intensivere Betrachtungsweise zukommen, so muss zwischen den verschiedenen Formen und Ausprägungen des multilokalen Lebensstils differenziert werden. Diese Vorgabe soll das folgende Kapitel erfüllen, indem unterschiedliche multilokale Lebensweisen dargestellt und voneinander getrennt werden.
2.2. Unterschiedliche Ausprägungen der Multilokalität und ihre Ursachen: Wenn ein Akteur sich zu einer Wohnstandortverlagerung entschließt, erhebt er gleichzeitig den Anspruch von ihr zu profitieren. Dieser Gewinn, welcher Art auch immer, wird von ihm rein subjektiv als solcher identifiziert und kann zudem gegenüber seiner Umwelt begründet werden. Somit ist die zu erwartende Nutzensteigerung als Auslöser eines Wohnstandortwechsels zu betrachten. Ein Beispiel hierfür wären ungünstigere oder minderwertige Lebensbedingungen am ursprünglichen Wohnort, welche die Bereiche Infrastruktur, Arbeit, Versorgung oder soziale Komponenten, betreffen können.
Wiederholend erwähnt, sind in diesem Fall nicht die objektiv betrachteten Verbesserungen entscheidend, sondern ausschließlich die persönlichen Empfindungen des handelnden Akteurs. Für Personen, welche an ihrem Wohnstandort die erforderlichen Nutzungspotenziale nicht, beziehungsweise nicht mehr vorfinden können, um ihren Lebensalltag nach ihren Vorstellungen entsprechend gestalten und ausreichend bewältigen zu können, bieten sich 2 Möglichkeiten. Entweder sie verlassen ihren alten Standort, geben ihn und seine Bindungen unterschiedlichster Art vollkommen auf und suchen sich einen neuen
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Lebensmittelpunkt, oder sie behalten den ursprünglichen Wohnsitz bei und gründen zudem einen weiteren.
Beide Handlungsmöglichkeiten verhelfen der jeweiligen Person zur Möglichkeit vergangene Defizite und standortgegebene Problematiken zu beseitigen. Die zweite Option, welche den multilokalen Lebensstil mit sich bringt, besitzt den Vorteil, die bereits bestehenden Bindungen und Kontakte des ersten Wohnortes weiterhin zu pflegen und verhindert dessen Aufgabe (WEICHHART 2008, S.2f.). Gerade anhand des letztgenannten Aspekts wird deutlich, dass Multilokalität eher zu einem Prozess des Verbindens sowie des Annäherns führt, anstatt zu Trennung, Entfernung und Entfremdung.
In unseren Beispielen üben die Faktoren, welche den Vorgang der Zweitwohnsitzwahl ins Rollen bringen, gewissermaßen einen Zwang auf den Akteur aus, der ihn zu jener Entscheidung indirekt drängt. Am Häufigsten wird wohl der Arbeitsplatz ausschlaggebend für den Entschluss sein, einen weiteren Standort zum Zentrum des eigenen Lebens heranzuziehen.
Diese Form der Multilokalität entsteht somit aus Problematiken, die der jeweilige, umgebende Raum mit sich bringt und auf die Person einwirken lässt. Sie soll in erster Linie auch weiterhin im Zentrum der Betrachtung stehen, wobei die zusätzlichen Ausprägungen multilokalen Lebens kurz erwähnt werden sollen. Es gibt nämlich durchaus Personen, die sich aus freien Stücken ohne erkennbare existenziellen Gründe, für eine multilokale Lebensform begeistern und entscheiden. Der Aspekt der Freizeitgestaltung spielt dabei die wohl entscheidende Rolle.
Eine persönlich erfüllende und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung als Strategie zur Bewältigung des hektischen Alltags ist den Menschen schon lange bekannt. Um die Bereiche Arbeit und Freizeit tatsächlich voneinander abgrenzen zu können, was sich am Wohnstandort nicht immer so einfach bewerkstelligen lässt, versuchen Personen durch eine Zweitwohnsitzwahl die Trennung zu ermöglichen. Diese zeitlich begrenzte Flucht aus Verpflichtungen, Verantwortung oder der als langweilig empfundenen Alltagsroutine, wenn man sie so nennen mag, verbinden die betreffenden Bevölkerungsgruppen mit diesem zweiten Nebenstandort. Innerhalb dieser Thematik kommen uns sofort zahlreiche Beispiele dieser Lebensform in den Sinn. Sei es ,wie auf Abbildung 2 zu erkennen, ein Ferienhaus der benachbarten Lehrerfamilie, die ihren Lebensmittelpunkt in der Stadt besitzt und
Arbeit zitieren:
Julian Hofmann, 2009, Multilokalität - Theorien und aktuelle Forschungsfragen, München, GRIN Verlag GmbH
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