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Gliederung
1 Einleitende Vorbemerkung 3
1.1 Themenfindung und Abgrenzung 3
1.2 Ausgangsfragen, Hypothesenbildung und Aufbau der Arbeit. 3
2 Bestandsaufnahme: Kommunikationsunterschiede zwischen Ost- und
Westdeutschland 4
2.1 Nonverbale Kommunikation 4
2.2 Kommunikationskontext 7
2.3 Im Wandel der Zeit: das gesprochene Wort 9
2.3.1 Exkurs: Differenzen zwischen Nachkriegszeit und Wende 10
2.3.2 Sprachwandel nach der Wende 11
2.3.3 Vier Phasen der Ost- Westkommunikation 12
3 Konsequenzen der Kommunikationsunterschiede 13
3.1 Begegnungen 13
3.2 Beziehung und Familie. 14
3.3 Beruf. 15
3.4 Medien 17
3.5 Politik. 18
4 Abschließendes Fazit 19
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1 Einleitende Vorbemerkung
1.1 Themenfindung und Abgrenzung
Seit elf Jahren lebe ich inzwischen in Berlin. In dieser Großstadt sind die aus der Teilung und der Vereinigung des Landes resultierenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Bevölkerung in den täglichen Begegnungen präsent wie in kaum einer anderen Region der Bundesrepublik. Mit Begeisterung belegte ich deshalb das Hauptseminar „Freiheit, Einheit und Brüderlichkeit? Deutschland 15 Jahre nach der Vereinigung“, am Otto-Suhr-Institut, um mich nun also auch wissenschaftlich mit den Fragen zu beschäftigen, die sich in diesem urbanen Schmelztiegel des alltäglichen Lebens zwischen Ost- und Westdeutschen ergeben. Bereits in einer einführenden Sitzung der Veranstaltung wurde ein Artikel des in Ostberlin geborenen Psychologen Olaf Georg Klein 1 gelesen, in dem er die These aufstellt, die Menschen aus beiden Teilen Deutschlands würden aneinander vorbeireden. Begeistert kaufte ich mir gleich das Buch des Autoren zu diesem Aufsatz 2 und beschloss, mich der darin aufgearbeiteten Thematik in dieser politikwissenschaftlichen Hausarbeit anzunehmen. Germanistik, Philologie, Kommunikationswissenschaft oder Psychologie, so könnte man denken, sind die klassischen Fachbereiche, die sich mit der hier zugrundegelegten Fragestellung beschäftigen. In der Tat erscheint ein Exkurs in diese Wissenschaftsbereiche nötig, um das Problem umfassend in seiner Komplexität zu bearbeiten. Dennoch haben die Konsequenzen, die sich aus den Ergebnissen des aktuellen Forschungsstandes ergeben, durchaus Auswirkungen auf die verschiedensten Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und werden somit eben auch für einen Politologen relevant.
1.2 Ausgangsfragen, Hypothesenbildung und Aufbau der Arbeit
Grundlage dieser Arbeit ist die Annahme, dass auch 15 Jahre nach der Vereinigung Unterschiede in der Kommunikation zwischen Ost- und Westdeutschen bestehen. Zunächst möchte ich diese spezifischen Differenzen beispielsweise anhand nonverbaler Kommunikation und der Kommunikationskontexte herausarbeiten. Am Anfang steht also die Frage, worin sich die Sprache in den beiden Teilen der Bundesrepublik heute unterscheidet, und in welcher Entwicklungstendenz diese Differenzen sich bewegen. Die Konsequenzen, die sich aus dieser Bestandsaufnahme für die Menschen
1 Klein, Olaf Georg (2002)
2 Klein, Olaf Georg (2004)
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von der ersten Begegnung an, über private und berufliche Beziehungen hinweg bis hin zur öffentlichen Meinung und der Politik in dieser Gesellschaft ergeben, sind dann im folgenden Kapitel Untersuchungsgegenstand. Dabei soll gefragt werden, wie sich die unterschiedlichen Kommunikationsformen auswirken. Nicht zuletzt wird es darum gehen, wie wir es schaffen können, Nachteile aus den Kommunikationsunterschieden zu vermeiden und die darin liegenden Vorteile zu nutzen. Aus der Fragestellung, wie die Unterschiede in der Sprache aussehen, wozu sie führen, und wie wir damit umgehen, lässt sich also als Grundlage für diese Arbeit die Hypothese formulieren, dass die Kommunikationsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen nicht nur zu Problemen und Missverständnissen führen, sondern auch ein Potential zur Bereicherung unserer Gesellschaft und deren zwischenmenschlichen Beziehungen darstellen können.
2 Bestandsaufnahme: Kommunikationsunterschiede zwi-
schen Ost- und Westdeutschland
In diesem Kapitel geht es darum, zunächst einmal aufzuzeigen, worin sich die Sprache von Ost- und Westdeutschen unterscheidet. Dabei können selbstverständlich nur Tendenzen zu differenzierten Sprachgewohnheiten ohne einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erläutert werden. Diese ergeben sich aus den Traditionen der ehemals unterschiedlichen, konkurrierenden Gesellschaftssysteme und haben sich bis heute auch in einem vereinten Deutschland zum Teil gehalten oder sogar verstärkt.
2.1 Nonverbale Kommunikation
Der Mensch kommuniziert immer, auch wenn er noch gar kein Wort gesprochen hat. Kommunikationswissenschaftler behaupten, dass sich bereits innerhalb der ersten sieben Sekunden einer Begegnung entscheidet, ob sich Menschen sympathisch oder unsympathisch sind, ob ein Gespräch stattfindet, oder man sich lieber aus dem Weg geht. Mimik, Körperhaltung und -bewegungen, die Kleidung, die Haut und Frisur, der Geruch und die Ausstrahlung werden dabei wahrgenommen. Alles wird jeweils von beiden Gesprächspartnern zu einem Muster zusammengefügt, mit bisherigen Erfahrungen abgeglichen und so eine erste Einordnung des Gegenübers vorgenommen. Gleichzeitig findet eine nonverbale Interaktion statt: lächelt der andere und wenn wie, oder schaut er eher grimmig? Schaut man sich bei der Begegnung in die Augen und wie lange? Wie groß ist dabei der Abstand, den man voneinander hält? Die hier be-
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schriebenen Kriterien führen schon innerhalb einer vertrauen Kommunikationskultur zu den unterschiedlichsten Resultaten für den weiteren Gesprächsverlauf. Zwischen Ost- und Westdeutschen existieren bereits in dieser Anfangsphase des Gesprächs teilweise deutliche, zum Teil nur nuancierte Unterschiede in den Erwartungshaltungen, Mustern und Normen.
Interesse, Zuneigung, Verletzung, Schmerz, Trauer, Ablehnung, aber auch Machtwillen, Aggression, Unsicherheit, Angst und Unterwürfigkeit: alle diese Gefühle können wir allein über unsere Augen kommunizieren. Ein erster deutlicher Kommunikationsunterschied zwischen Ost- und Westdeutschen ist die Intensität und die Länge des als „normal“ empfundenen Blickkontakts. Sowohl in geschäftlichen als auch in privaten Gesprächssituationen sind die Intervalle bei Menschen aus der westlichen Kommunikationskultur deutlich kürzer als der Blickkontakt bei Ostdeutschen. Das führt dazu, dass der längere und intensivere Blick seines ostdeutschen Gegenübers vom Westler eher als aufdringlich, prüfend und ungebührlich intim empfunden wird. Unterdessen achtet der Westdeutsche gleichzeitig mehr auf Kleidung, Frisur, die gesamte äußere Erscheinung und hält dabei seinen direkten Blickkontakt deutlich kürzer, was von seinem ostdeutschen Gesprächspartner als ausweichend, aneinander vorbeiredend, nicht wirklich ansprechend und zum Teil desinteressiert interpretiert wird.
Diese Eindrücke werden noch verstärkt durch einen unterschiedlich als „normal“ empfundenen Abstand beim Gespräch. Der Westdeutsche tendiert zu einer zwischen zehn und 30 Zentimeter größeren Körperdistanz zu seinem Gesprächspartner. Während also der Ostdeutsche diese für sein Empfinden zu große Distanz durch ein Näherrücken zu korrigieren versucht, weicht der Westler sehr schnell wieder ein bis zwei Schritte zurück, um einen angemessenen Gesprächsabstand herzustellen. Unverbindlichkeit, Distanznahme und Abweisung auf der einen Seite stehen Aufdringlichkeit, Einengung und Beklemmung als resultierende Gefühle auf der anderen Seite gegenüber.
Arroganz und Überheblichkeit einerseits, Unterwürfigkeit und Schüchternheit andererseits entstehen als erster, im späteren Gespräch oft widerlegter Eindruck durch einen weiteren nonverbalen Kommunikationsunterschied: Westdeutsche neigen dazu, den Kopf gerade und höher zu halten, das Kinn also weiter nach vorn zu strecken. Damit sollen Selbstbewusstsein, Klarheit, Zuversicht und Präsenz ausgedrückt werden, was allerdings von einem Ostdeutschen als Überheblichkeit, fehlende Sen-
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sibilität und Arroganz interpretiert wird. Diese hingegen tendieren dazu, den Kopf leicht zur Seite und mit zurückgezogenem Kinn nach unten zu neigen, um Interesse, Bereitschaft zum Zuhören und Aufmerksamkeit zu signalisieren. Die Deutung des Westdeutschen für diese Geste ist jedoch eher Passivität, Schwäche und Unterwürfigkeit.
Neben individuellen, temperamentbedingten und regionalen Eigenheiten gibt es einen weiteren signifikanten Unterschied zwischen Ost und West, nämlich die Art und Weise, einen öffentlichen Raum einzunehmen. Dabei tendiert der Westdeutsche beispielsweise zu einer höheren Geschwindigkeit bei Bewegung und Gestikulation. Dieser Ausdruck von Dynamik und Aktivität wird in Ostdeutschland jedoch eher als unangemessen hektisch empfunden. Die bedachtsame, aufmerksame und ruhigere Körpersprache des Ostlers wirkt dagegen beim Westler tendenziell langatmig und einschläfernd. Der Westdeutsche versucht den Raum zu besetzen, sei es durch eine lautere Stimme oder raumgreifende Bewegungen. Im Osten hingegen lässt man sich gegenseitig Raum. Innerhalb der jeweils eigenen Kommunikationskultur führt diese Verhaltenstendenz zu einer Ausgewogenheit. Treffen allerdings Ost und West auf-einander, führt das dazu, dass der eine den anderen regelrecht in die Ecke drängt. Ein Klassiker der nonverbalen Kommunikationsunterschiede ist auch heute noch das Händeschütteln. Damit werden in beiden Teilen Deutschlands grundsätzlich bei der Kontaktaufnahme Höflichkeit, Respekt und Achtung ausgedrückt, allerdings in unterschiedlichen Kontexten: auf der östlichen Seite gibt man sich in der Regel bei jeder Begegnung als alltägliches Begrüßungsritual bei Freunden und Kollegen die Hand. Der Westen tendiert zu dieser Geste nur bei förmlichen Anlässen und verzichtet im Freundeskreis eher darauf.
Auch ganz spontane Berührungen bei Gesprächen, die sich im öffentlichen Raum ereignen, finden bei Ostdeutschen häufiger statt und sind wiederum Ausdruck eines unterschiedlichen Nähe- Distanzbedürfnisses auf beiden Seiten. Eine kurze Berührung an der Schulter, am Arm oder der Hand während eines Gesprächs signalisiert hier Vertrautheit, Zustimmung oder spontane Freude, während ein Westdeutscher diese Geste eher als irritierend, unpassend oder sogar als unangenehmen Übergriff empfindet und deshalb schnell seinen Arm zurückzieht.
Als letztes Beispiel für nonverbale Kommunikationsdifferenzen möchte ich an dieser Stelle die Gesprächspausen, also den unterschiedlichen Sprachrhythmus aufführen. Der Ostdeutsche neigt dazu, nach einem gedanklichen Sinnzusammenhang eine
Arbeit zitieren:
Helmut Schäfer, 2005, Kommunikationsunterschiede in Ost- und Westdeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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