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Vokabeln „Literatur“ oder „Bücher“ enthielten, die Zuschauer zum Umschalten brächten. 3 Dies mag tatsächlich so sein. Aber woran liegt das? Sind die Sendeformate für das Publikum nicht unterhaltend genug? Dem Unterhaltungswert wird schließlich die höchste Priorität für Fernsehsendungen zugemessen. Oder wenden sich die Sendungen nur an ein akademisches Publikum, das von Haus aus ein Interesse an Literatur mitbringt? Ein wesentlicher Punkt bei der Ansprache von allen sozialen Schichten ist bei der Umsetzung der Sendungen zu suchen. Die reinste Form der Präsentation von Literatur sieht Hubert Winkels in der Lesung eines Textes durch den Au-tor. 4 Für das Fernsehformat gibt es wohl auch keine langweiligere Präsentation. Die Zuschauer sind es gewöhnt, dass während einer Sendung etwas passiert, Menschen sich unterhalten, Trailer eingespielt werden etc. Bei einer Lesung wäre die Gefahr des Umschaltens noch um ein Vielfaches erhöht. Eine Lesung eignet sich mehr für das Radio, wo der Konsument auch nur auf das Hören eingestellt ist und keine visuelle Stimulierung erwartet. Allgemein muss man sich meiner Meinung nach bei Literatursendungen von dem Anspruch verabschieden, Literatur in ihrer reinsten Form zu präsentieren. Denn dies ist nur durch die eigene Rezeption möglich.
Literatursendungen können dagegen Anregung liefern, dafür müssen sie aber verschiedene Voraussetzungen mitbringen, damit sie überhaupt eingeschaltet werden. Sie dürfen beispielsweise kein großes Vorwissen voraussetzen, sondern sollten in jeder Sendung aufs Neue einen Einstieg ermöglichen. „Literatur jeder Provenienz sollte nicht so dargestellt werden, daß der Zuschauer ein germanistisches Seminar absolviert oder sich durch ständige Lektüre von Literatur-Beilagen großer Zeitungen vorgebildet haben müßte, um einen Einstieg in die Darbietung zu finden.“ 5 Der Zuschauer sollte also einen einfachen Zugang zur Sendung finden können. Viele Fachbegriffe und Verweise auf Fachliteratur sind dabei störend. Die Präsentation sollte in einer Alltagssprache erfolgen, die leicht verständlich und für jeden nachvollziehbar ist. Literaturkritik im Fernsehen muss auch grundsätzlich anders vorgehen als dies in Zeitungen und Zeitschriften der Fall ist. Lediglich einen Kritiker vor die Kamera zu setzen, der
3 Vgl. Lodemann, Jürgen: Literatur im Fernsehen - geht denn das? S. 27.
4 Vgl. Winkels, Hubert: Leselust und Bildermacht. Über Literatur, Fernsehen und neue Me-
dien. S. 45.
5 Von Wehrenalp, Erwin Barth: Schluss mit den „Reservaten“! S. 12.
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seine Rezension vorliest, hat ähnlich wenig Unterhaltungswert wie eine Autorenlesung und würde wohl dazu führen, dass die Zuschauer zukünftig zwar den Kritiker kennen, von dem Buch jedoch nichts in Erinnerung behalten. Doch kann man bei Literatursendungen überhaupt von Literaturkritik sprechen? Laut dem Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft ist „jede Art kommentierende, urteilende, denunzierende, werbende, auch klassifizierend-orientierte Äußerung über Literatur“ 6 als Literaturkritik zu benennen. Damit trifft die Definition auch auf jegliche Literatursendungen im deutschen Fernsehen zu. Doch was vermag diese Form der Literaturkritik zu leisten? Für Jörg Seelbach soll „Literaturkritik in jedem Medium […] in erster Linie so etwas wie Lesehilfe“ 7 sein. Dem Zuschauer soll das Buch in der Sendung nicht erklärt werden, denn dies würde das Lesen vollkommen überflüssig machen. Vielmehr sollten die Literatursendungen Anregungen dazu geben, sich selbst mit einem Buch auseinanderzusetzen und es sich selbst zu erarbeiten. Das Lesen als „einsame Begegnung von Kopf und Buch“ 8 darf dem Zuschauer nicht erspart bleiben, denn darin liegt schließlich der Reiz des Lesens. Literatursendungen können als Appetitanreger fungieren, die Lust auch auf die Anstrengungen des Rezipierens von Lektüre machen. Außerdem können sie ein Wegweiser durch den Dschungel von jährlich 90.000 Neuerscheinungen sein oder wie Petra Kirchner es formuliert, „eine erste Begegnung zwischen Leser und Buch in der Buchhandlung: Der potentielle Leser wird über die Existenz des Buches informiert, er liest den Klappentext und einige Passagen aus dem Buch, um dann zu erkennen, ob ihn das Buch interessiert oder nicht“ 9 . Die Redakteure bzw. Kritiker können eine erste Auswahl treffen von dem, was sich ihrer Meinung nach zu lesen lohnt. Jeder Zuschauer kann dann für sich selbst entscheiden, ob auch ihn dieses Buch anspricht. Dabei hat auch negative Kritik durchaus das Potential zum Lesen anzuregen. Dem Zuschauer bleibt stets selbst überlassen, ob er der Kritik der Sendung vertraut oder sich lieber eine eigene Meinung zum besprochenen Buch bildet. Verschiedene Formen von Literaturkritik im Fernsehen sollen im Nachfolgenden aufgezeigt werden.
6 Jaumann, Herbert: Literaturkritik. S. 263.
7 Seelbach, Jörg: Was geht den Buchhandel das „Buch im Fernsehen“ an? S. 9.
8 Winkels, Hubert: S. 30.
9 Kirchner, Petra: Literatur-Shows. Die Präsentation von Literatur im Fernsehen. S. 286.
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Zu einer der erfolgreichsten Literatursendungen im deutschen Fernsehen zählt „druckfrisch“ mit Denis Scheck. Die ARD-Sendung läuft acht Mal im Jahr für 30 Minuten und kann etwa 290.000 bis 550.000 Zuschauer für sich gewinnen. Denis Scheck ist Literarischer Agent, Übersetzer, Herausgeber, Literaturredakteur und freier Kritiker. Zudem war er Juror beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Er repräsentiert also einen „kompetenten Moderator“ 10 . Bücher werden hier nicht in ihrem tiefgründigen Sinn behandelt, sondern es wird lediglich ein schneller Überblick über Neuerscheinungen (meist in Form von Autoreninterviews) gegeben. Innovativ ist die Besprechung der Top Ten der Spiegel-Bestseller-Liste. Kurz und knackig handelt der Moderator ab, welches der zehn Bücher zu lesen lohnt und welches Zeitverschwendung wäre. 11 Dieses Magazin richtet sich an ein Publikum, das bereits liest. Als Animation zum Lesen eignet es sich dagegen nicht. Es werden einem keine Bücher ans Herz gelegt, sondern bestimmte Aspekte verschiedener Werke mit dem jeweiligen Autor besprochen. Dies ist häufig nur für jene interessant, die das besprochene Buch oder wenigstens den Autor kennen. „Druckfrisch“ ist eine Sendung für ein gebildetes und belesenes Publikum, das keinen leichten Einstieg für Neulinge bietet. Lediglich die Besprechung der Bestseller-Liste kann einen Anhalts- und Orientierungspunkt für das weniger fachkundige Publikum bieten. Doch bis zu dieser Rubrik haben die meisten dieser Gruppe wohl bereits das Fernsehgerät abgeschaltet.
2003 startete im ZDF die Literatur-Talkshow „Lesen!“ mit Elke Heidenreich. In ihrem ersten Jahr sahen die Sendung im Schnitt 1,8 Millionen Menschen, was vermutlich auch an der günstigeren Sendezeit um 22:15 Uhr direkt nach dem „heute-journal“ liegen mochte. Ein weiterer Aspekt, der der Sendung vermutlich zum Erfolg verhalf, war die Beliebtheit der Moderatorin, die vielen als „Brigitte“-Kolumnistin und Moderatorin außerhalb des literarischen Feldes bereits bekannt war. Die erste Hälfte der 30 Minuten bestritt Elke Heidenreich allein. Ein Gast begleitete die Moderatorin in der zweiten Hälfte. Heidenreich beschränkte sich in ihrer Sendung darauf, Literaturempfehlungen zu geben, was aber in der Literaturszene für Kritik sorgte. Der Spiegel bezeichnete die Sendung aus diesem Grund auch als Werbesendung für Literatur. Doch gerade
10 Mühlfeld, Emily: Literaturkritik im Fernsehen. S. 270.
11 Vgl. Mühlfeld, Emily: S. 280.
Arbeit zitieren:
Anne Mey, 2010, Das Buch im Fernsehen - Was können Literatursendungen leisten?, München, GRIN Verlag GmbH
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