Justus-Liebig-Universität Giessen 22.04.2003 Wintersemester 2002/2003 Institut für Neuere Geschichte GS: Das alte Reich im alten Europa: Politische Kultur, Gesellschaftliches Gefüge
Corpus Evangelicorum und deutsches Machtgleichgewicht
- 1713 - 1740 -
Verfasser: Patrick Koops
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Konfessionelle Gegensätze im Reich 3
3. Regensburger Unionsbestrebungen 1717-1719 6
4. Corpus Evangelicorum als Mittel zur Parität im Reich 8
5. Reichsverfassungsalternativen 11
6. Schlussbetrachtung 12
7. Literaturverzeichnis 13
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der Frage, welche Bedeutung die konfessionellen Gegensätze im Reich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts für das deutsche Machtgleichgewicht hatten. Auf die Rolle des Corpus Evangelicorum für das deutsche Machtgleichgewicht komme ich im Besonderen zu sprechen. Außerdem möchte ich aufzeigen, wie das Corpus institutionell funktionierte und es versuchte, sich in das geltende Reichsverfassungssystem zu integrieren.
Ich werde versuchen die Absichten und Ziele des brandenburgisch-preußischen Königs Friedrich-Wilhelm I. (1713 - 1740) zu klären und zwar, inwieweit der sogenannte „Soldatenkönig“ durch den Ausbau des preußischen Staatswesens und an dem Wechsel der Fronten auf die antihabsburgische Seite an der Entstehung des Dualismus im Reich beteiligt war. Hinsichtlich der Bedeutung der konfessionellen Gegensätze im Reich für das deutsche und europäische Machtgleichgewicht bestehen in der derzeitigen Forschung unterschiedliche Meinungen. Welche Ziele für die Monarchen vorrangig waren, zum Beispiel ob die Konfessionsfrage für die Monarchen wichtiger war als die eigene territoriale Vergrößerung, möchte ich mit dieser Arbeit klären.
Beim Verfassen dieser Arbeit bin ich sowohl thematisch als auch teilweise chronologisch vorgegangen. Die Funktionsweise des Corpus Evangelicorum im Reichsverfassungssystem zu erklären ist, wie das Gabriele Haug-Moritz treffend beschreibt, eine „schwierige Angelegenheit.“ Denn hinsichtlich dieser Frage gibt es mehrere Lösungsansätze in der heutigen Forschung.
Ausgehend von diesen Überlegungen möchte ich mit der konfessionellen Darstellung des brandenburgisch-preußischen Königs Friedrich Wilhelm anfangen, eingebettet in allgemeine Überlegungen zu den konfessionellen Gegensätzen dieser Zeit. Dann werde ich auf die Regensburger Unionsbestrebungen (1717 - 1719) eingehen. Sie zeigen den Versuch des brandenburgisch-preußischen Königs, entscheidenden Einfluss auf das Corpus Evangelicorum zu bekommen. Letztlich beschäftige ich mich mit dem Corpus Evangelicorum als Mittel zur Parität im Reich, um die Frage nach der Rolle des Corpus für das deutsche Machtgleichgewicht aufzugreifen.
Die Literaturlage zu diesem Themengebiet ist sehr umfangreich. Der Aufsatz von Gabriele Haug-Moritz „Corpus Evangelicorum und deutscher Dualismus“ ist ein wichtiger Beitrag.
Der Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I. kam einem Umsturz des Regierungssystems gleich. 1 Es fand ein „Systemwechsel des Absolutismus“ 2 , eine „Revolution von oben“ 3 statt. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft sah sich Friedrich Wilhelm der inneren Opposition des Regimes seines Vaters gegenüber und damit verbunden dem höfisch-ludovizianischen Absolutismus. 4 Nach der Abschaffung der prunkvollen Hofhaltung des Vaters hielten Disziplin und Askese, Strenge und Nüchternheit ihren Einzug. Das Militär besaß von nun an die absolute Vorrangstellung in Preußen. 5,6
Friedrich Wilhelm I. war ein Drillmeister, Nur-Militär, sparsam-rechenharter Ökonom und Fiskalist („Plusmacher“). Er war cholerisch, aufbrausend, verantwortungsbewusst, stark religiös, womöglich pietistisch geprägt und entwickelte sich zum erfolgreichen Heeres-, Finanz-, Wirtschafts- und Verwaltungsreformer und „Schöpfer des Preußischen.“ Seine Herrschaftszeit war das Zeitalter des monarchischen Absolutismus, in dem die Bedeutung von Einzelpersönlichkeiten sehr wichtig war. 7
Sein Machtstaatsstreben war dem seiner Zeitgenossen gleichzusetzen, gebändigt jedoch durch die Religion. 8,9 Die Religion spielte bei Friedrich Wilhelm I. eine wichtige Rolle, denn verglichen mit den anderen Religionen zu dieser Zeit zählte der Calvinismus eher zu den Minderheiten. Die Politik Friedrich Wilhelms wurde durch ganz andere Faktoren beeinflusst als bei den meisten Herrschern zu dieser Zeit. Diese calvinistische Staatsauffassung wurde jedoch nicht erst durch Friedrich Wilhelm I. in Kurbrandenburg praktiziert, sondern schon seit Kurfürst Johann Sigismund (1608 - 1620). 10
1 Vgl. Helga Karch, Innerer Ausbau und Zentralisierung. Der preußische Militär- und Beamtenstaat unter Friedrich Wilhelm I., 1713 - 1740, in: Manfred Schlenke (Hg.), Preußen-PLOETZ. Preußische Geschichte zum Nachschlagen, Freiburg/Würzburg 1987, S. 39; im Folgenden zitiert: Karch.
2 Vgl. Peter Baumgart, Epochen der preußischen Monarchie, in: ZHF 6 (1979), S. 287 - 316, hier S. 293 - 294; im Folgenden zitiert: Baumgart.
3 Frank-Lothar Kroll, Preussens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., München 2000, S. 135; im folgenden zitiert: Kroll.
4 Vgl. Baumgart, hier S. 294. 5 Vgl. Karch, S. 39.
6 Vgl. Heinz Schilling, Höfe und Allianzen. Deutschland 1648 - 1763, Berlin 1989, S. 272; im Folgenden zitiert: Schilling.
7 Vgl. Kroll, S. 35. 8 Vgl. Baumgart, hier S. 295. 9 Vgl. Karch, S. 40.
10 Vgl. Baumgart, hier S. 295.
Arbeit zitieren:
Patrick Koops, 2003, Corpus Evangelicorum und deutsches Machtgleichgewicht 1713 - 1740, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Preussens Militarismus - Entstehung, Auswirkungen, Folgen
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 20 Seiten
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