Tabellenverzeichnis
Tab. 1 Entwicklung der Fernsehdauer von Kindern 1999 bis 2001 ......................................................... 8
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1 Einleitung
Für viele Eltern scheint es einfacher, dass sie ihre Kinder vor den Fernseher setzen, als ihnen ein abendliches Ritual wie Geschichtenvorlesen oder in Büchern blättern zu bieten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Kindern immer früher ihre eigenen Fernseher, Play - Station und andere moderne Medien in die Kinderzimmer gestellt bekommen mit denen sie sich beschäftigen können. Bücher zu lesen wird in vieler Hinsicht als Aufwand gesehen, wobei das Fernsehschauen als Entspannung gilt. Daraus resultierend scheint es nicht erstaunlich, dass immer weniger Kinder Bücher lesen oder gar flüssig und laut vorlesen können. Daran können jedoch viele Faktoren verantwortlich sein, z.B. zu wenig Unterstützung im Elternhaus, der Freundeskreis, aber auch die Abschreckung durch die Bücher in der Schule.
Die Lesesozialisation ist heutzutage ein entscheidender Eingliederungsfaktor in die Gesellschaft. Daher sollte jedem Kind die Möglichkeit und auch spezielle Förderungsmaßnahmen zur Seite gestellt werden, so dass es Texte sinngemäß und auch laut lesen kann.
Mit diesem Thema wird sich die folgende Ausarbeitung beschäftigen. Es soll dargestellt werden, welche Faktoren für die kindliche Lesesozialisation entscheidend sind und wie genau diese auf die Kinder einwirken. Dabei wird zuerst auf die drei unterschiedlichen Instanzen, Schule, Familie und Freunde eingegangen, da man davon ausgeht, dass diese den entscheidendsten Einfluss auf die Kinder haben. Desweiteren wird ein Überblick über die Fernsehgewohnheiten und entsprechenden Konsequenzen dargestellt. Schließlich sollen Hypothesen den Zusammenhang von Fernsehen und dem Lesen der Kinder verdeutlichen. Am Ende wird sich zeigen, welchen Einfluss die neuen Medien auf die Lesekompetenz der Kinder haben.
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2 Lesesozialisation
Nach K. Hurrelmann ist der zentrale Begriff der Sozialisation ein „Prozess der Entstehung menschlicher Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich mitgeformten, sozialen und dinglichen Umwelt“ 1 . Dabei steht im Mittelpunkt, wie der Mensch zu einem gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt wird. 2 Nach dem Sozialisationskonzept geht man davon aus, dass Persönlichkeitsentwicklung und die Gesellschaft ineinander übergreifen und somit sich der Mensch an gesellschaftliche Normen anpassen muss, diese jedoch auch beeinflussen kann. Somit geht es auch um das aktive Eingreifen in Situationen und Veränderungen der eigenen Entwicklungs‐ und Handlungsbedingungen durch das Individuum. Dieses kann bis zur bewussten Mitgestaltung sozialer und kultureller Verhältnisse vollzogen werden. 3
Zur genauen Untersuchung des Verhältnisses Gesellschaft und Individuum ist die Berücksichtigung unterschiedlicher gesellschaftlicher Strukturebenen unabdinglich. Somit unterscheidet B. Hurrelmann die Makro‐ und Mesoebene. Unter Makroebene ist die „ gesamtgesellschaftliche Kultur mit den sich permanent verändernden faktischen Anforderungen an die „normale“ Leistungsfähigkeit der Gesellschaftsmitglieder samt deren historisch - normativen Grundierung“ 4 gemeint, wobei die „Mesoebene der formellen und informellen Sozialisationsinstanzen, wie z.B. Familie, Schule, Altersgruppen, die entsprechenden Vorgaben institutionen‐ bzw. generationsspezifisch interpretieren und die konkreten Handlungskonzepte des Kompetenzerwerbs für den einzelnen“ 5 meint. Wichtig dabei ist, dass Makro‐, Meso‐ und Individualebene sich wechselseitig aufeinander beziehen. So stellen Familien‐, Schul‐ und Altersgruppenkulturen nicht nur Vermittlungsinstanzen dar, sondern interpretieren die gesamtgesellschaftlichen Ausgangslagen und wirken auf diese, wenn nötig, verändernd ein. Besonders im Zusammenhang von Medien, der mit seiner starken jugendkulturellen Orientierung einhergeht, ist es besonders wichtig, die Mehrebenen‐ und systemischen Bezüge von Sozialisation zu beachten. PISA operierte mit einem Konzept der Lesekompetenz, dass sich an kognitionspsychologischen Textverarbeitungsmodellen orientierte. Vorteilhaft daran ist eine klare Beurteilung von unterschiedlichen fachlichen Fähigkeiten, jedoch werde die persönliche Erfahrung vernachlässigt, so z.B. das Leseinteresse. Gerade Leseentwicklungsprozesse erhalten unter Lesesozialisationsperspektive eine besondere Bedeutung, da Lesen als ein „Kulturwerkzeug“ für die weitere Lebensführung gilt.
1 Hurrelmann, K., Ulich, D., 1998, S. 8
2 Hurrelmann, K., Ulich, D., 1998, S. 8
3 Hurrelmann, B., 2004, S. 39
4 Hurrelmann, B., 2004, S. 39
5 Hurrelmann, B., 2004, S. 39
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Die Beherrschung der Muttersprache gilt in allen Informations - und Kommunikationsgesellschaften als ein Kernbestand kultureller Literarität und ist somit unabdingbar für die heutige Zeit. So zeigt sich die Lesefähigkeit als eine „Schlüsselqualifikation“ und gilt als Voraussetzung für eine verständige und verantwortungsvolle Teilnahme an dem heutigen gesellschaftlichen Leben. 6 Mittlerweile ist es unbestritten, dass auch die neuen Medien die Lesefähigkeit in ihrem effektiven Gebrauch voraussetzen.
Untersuchungen, die sich schwerpunktmäßig auf die Buchlektüre bezogen, zeigten, dass „die Schere zwischen „Infomationsreichen“, die viel lesen, und den nicht oder kaum lesenden „Infomationsarmen““ 7 sich weiter geöffnet hat. So ergab PISA, dass sich die Sozial ‐ und die Bildungsschicht einer Person auf die Mediennutzung auswirken; „gut informierte“ profitieren dabei von zusätzlichen Mediennutzungen, was die bereits bestehenden Wissenklüfte noch weiter vergrößert. 8
Weiter eröffnet sich das Problem der schicht ‐ und bildungsspezifisch unterschiedlichen Chance zur produktiven Teilnahme an der Medienkultur, denn für das Bücherlesen ist eine ausgeprägter Zusammenhang von Schicht bzw. Bildung in den vergangenen Jahren immer wieder nachgewiesen worden. 9 Genauso gilt für das Fernsehen die inverse Komponente. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden dazu neue Gesellschafttheorien entwickelt, die eine Loslösung zwischen Schicht bzw. Bildung bzw. kulturellem Verhalten konstatierten. So stellte Beck in seinem Schreiben „Risikogesellschaft“ fest, dass „ein Prozess der Individualisierung und Diversifizierung von Lebenslagen und Lebensstilen in Gang“ gekommen sei, „der das Hierarchiemodell sozialer Klassen und Schichten“ unterlaufe „und in seinem Wirklichkeitsgehalt in Frage“ 10 stelle. Nicht Ungleichverhältnisse, sondern der Abbau einer kulturellen Bedeutung wird behauptet: Schicht ‐ bzw. klassenspezifische Sozialmilieus geteilter lebensweltlicher Normen, Wertorientierungen und Lebensstile werden zunehmend weniger. 11
2.1 Familiäre Faktoren von Lesesozialisation
Die Lesesozialisation ist ein langer Prozess, an der Kindergarten, Schule, Altersgruppen und Medien beteiligt sind. Die größte Bedeutung kommt jedoch in diesem Zusammenhang der Familie zu. Die Lesesozialisation beginnt lange vor unserer Alphabetisierung, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts Aufgabe der Schule ist. Die Familie ist somit nicht nur die früheste, sondern auch die wirksamste und
6 Baumert, J., Stanat, P., Demmerich, A., 2001, S. 20f
7 Franzmann, B., 2001, S.30
8 Bonfadelli, H., 1994
9 Bonfadelli, H., 1994, S. 271f
10 Beck, U., 1986, S. 122
11 Hurrelmann, B., 2004, S. 44
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prägendste Instanz, wenn es um das Lesen geht, wahrscheinlich, weil ihre Einflüsse permanent, unbeabsichtigt und unspezialisiert sind. Die Lesesozialisation ist bereits eng mit der Sprachentwicklung des Kindes verknüpft, da eine sprachliche stimulierende Umgebung auch das Lesen fördert. Dabei wirkt es günstig, weil das Kind zum Sprechen angeregt wird und Reaktionen auf seine Äußerungen erhält, aber auch, dass Sprache in elaborierter Form und in situationsabstraktem Gebrauch vorkommt. Für eine gelungene Lesesozialisation scheint vor allem dieser letzte Aspekt entscheidend. Wie in Studien gezeigt werden konnte, verbinden sich mit dem medialen Unterschied zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit Unterschiede in dem Ablauf der Äußerungen, z.B. die Flüchtigkeit, Kontinuität und Dialogizität, aber auch Segmentierung und Monologizität. Infolgedessen entwickeln sich unterschiedliche Strategien der Sprachplanung und der Verständnissicherung.
Kinder entwickeln ihre Sprachbewusstheit in Kommunikation über Sprache, aber auch in spielerischen Umgängen mit Versen, Liedern und Sprachspielen. Deren Gebrauch gehört wie u. A. das Geschichtenerzählen, Bilderbuchbetrachten und Vorlesen in den Bereich der prä ‐ und paraliterarischen Kommunikationsformen, in denen sich Kindern mit situationsdistanzierter und textförmiger Sprache in der Interaktion mit „sprachlich kompetenteren“ auseinandersetzen. 12
Hierzulande gilt die Frage nach der Häufigkeit des Vorlesens als eine wichtige Schlüsselqualifikation für die Bestimmung der Qualität der familiären Lesesozialisation. 13 Daher ist das Vorlesen eine bedeutsame Aufgabe der Eltern geworden. Jedoch fällt es vielen Eltern schwer, das abendliche Vorlesen mit den passenden Büchern zu versehen, es nicht als Pflichtübung zu absolvieren, sondern sich auf die Kommunikationsbedürfnisse der Kinder einzustellen (Fragen beantworten, Vorwissen mit einbringen usw.). Ein anderer Schwerpunkt liegt im Buchbesitz der Eltern und in ihrer Lesehäufigkeit, der Unterstützung des Lesens durch Buchgeschenke, die Nutzung von Bibliotheken und dem Gespräch mit den Kindern über Bücher. 14 Die unterschiedliche Intensität dieser Faktoren in differenten Milieus konnte immer wieder bestätigt werden. Sie macht schließlich die Bildungsabhängigkeit der familiären Lesesozialisation aus. 15
In der Studie von Hurrelmann, Hammer und Nieß „Leseklima“ wurde besonders die Lesedauer, ‐ frequenz, ‐ freude, ‐ erfahrung, und ‐ hemmung untersucht. Dabei ergab sich, dass die soziale Einbindung des Lesens, die literarische Kommunikation und Gespräche über Literatur, das Leseverhalten der Eltern, das Familienklima und die Nutzung elektronischer Medien Faktoren für die Bildungsabhängigkeit des Kindes sind. Am wichtigsten ist die soziale Einbindung in den Familienalltag
12 Hurrelmann, B., Hammer, M., Nieß, F., 1993
13 Bonfadelli, H., Fritz, A., 1993, S. 107
14 Bonfadelli, H., Fritz, A., 1993, S. 103ff
15 Hurrelmann, B., 2004, S. 45ff
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Arbeit zitieren:
Janina Scheel, 2009, Lesekompetenz und der Einfluss des Fernsehens, München, GRIN Verlag GmbH
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