1. Einleitung
Ich habe mich entschieden bei meinem Referat den Fokus auf den Begriff der „Deutschen Arbeit“ und die daraus resultierende Vernichtung durch die Arbeit zusetzen, da meiner Meinung nach dies die Bedeutung der Arbeit im Nationalsozialismus am Besten trifft. Sicher gibt es noch weitere Bedeutungen der Arbeit in der Ideologie des Nationalsozialismus, aber aufgrund der Fülle von Informationen habe ich mich für die Vernichtung durch Arbeit und den Arbeitsbegriff in der NS-Zeit im Zusammenhang mit Antisemitismus. In Punkt 2 werde ich den Begriff der „Deutschen Arbeit“ näher erläutern und sine Herkunft darstellen. In Punkt 3 gehe ich auf die Entstehungsgeschichte der Konzentrationslager ein. In Punkt 4 folgt dann die Vernichtung durch Arbeit und am Schluss werde ich in Punkt 5 eine Reflexion zum Thema beziehungsweise meine Auseinandersetzung damit darstellen.
2. Begriffserklärung: „Deutsche Arbeit“ im Zusammenhang
mit Antisemitismus
Arbeit ist ein zentraler Begriff in der nationalsozialistischen Ideologie. Die Ursprünge des deutschen Arbeitsbegriffs waren jedoch weit vor dem 16. Jahrhundert. Schon im Mittelalter wurden Juden damit diffamiert, sie würden nur auf dem Rücken anderer ihr Geld verdienen und seien keine ehrliche Arbeit gewohnt. Bereits 1300 gibt es Werke, in denen die Juden als Schmarotzer und Wucherer bezeichnet werden. Auch schon lange davor, hier aber wird auch von Zwangsarbeit gesprochen. Heinrich Heisler schrieb um 1300 in seinem Werk Evangelium Nicodemi: „[…] oder bringt sie [die Juden] in eine Einöde, […] und lasst sie dort roden und graben und sich dort der Mühsal aussetzen, wenn sie etwas zu essen haben wollen […]. Ehe sie Mühsal erdulden, eher tun sie alles, was ihr von ihnen verlangt, damit ihr für sie sorgt. Sonst bleiben sie faul und müßig und können doch des Geldes und Gutes sicher sein“. (vgl. Edith Wenzel: Martin Luther und der mittelalterliche Antisemitismus. In. Alfred Ebenbauer; Klaus Zatloukal(Hg): Die Juden in ihrer mittelalterlichen Umwelt, Wien, Köln 1991, S310. Aus: Holger Schatz, Andrea Woeldike; Freiheit und Wahn deutscher Arbeit Münster 2001, S.16) In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden diese Anschuldigungen weiterentwickelt. Der Theologe Geiler von Kaiserberg beispielsweise beschuldigte die Juden nicht nur als Müßiggänger, sondern bringt sie in einen systematischen Zusammenhang mit dem Wucher. Andere Theologen dieser Zeit argumentierten ähnlich und bezeichneten die Juden immer wieder als Parasiten und Schmarotzer. (vgl. Leon Poliakov; Geschichte des Antisemitismus. Bd. 2. das Zeitalter der
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Verteufelung und des Ghettos, Frankfurt/M 1998, S 115.aus: Holger Schatz, Andrea Woeldike, Freiheit und Wahn deutscher Arbeit, Münster 2001, S.17)
Luther konkretisierte diese Vorstellungen und es setzte sich nun endgültig ein Arbeitsbegriff durch, der die „deutsche ehrliche Arbeit dem „ jüdischem Schmarotzertum und Wucher“ gegenüberstellt. Er sah das „deutsche Geld und Gut“ durch den „schmarotzenden und wucherischen Juden“ bedroht. Erprägte aber auch den Begriff der Arbeit neu, indem er in seiner Übersetzung der Bibel den Begriff „Arbeit“ durch „Beruf“, von Berufung, ersetzte. Arbeit war nun nicht mehr Last und Knechtschaft sondern Berufung und göttliche Aufgabe. (vgl., Holger Schatz, Andrea Woeldike, Freiheit und Wahn deutscher Arbeit, Münster 2001, S. 18).
In dem von Luther geprägtem Arbeitsethos gelten Juden als „Nichtarbeitende“ und werden in engen Zusammenhang mit dem Teufel gesetzt. Luther entwarf auch ein Konzept zur Zwangsarbeit für Juden, er war aber skeptisch bezüglich des Erfolges und plädierte für ihre Vertreibung, da sie keine Arbeit gewohnt seien. In seiner Schrift, „von den Juden und ihren Lügen schreibt er: „… dass man ihre Synagoge oder ihre Schule mit Feuer anstecke und was nicht brennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich […] Zum anderen, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun, wie die Zigeuner. […] keiner Arbeit gewohnet, so lasst uns mit ihnen rechnen, was sie uns abgewuchert, und darnach gütlich geteilet, sie aber immer vom Lande ausgetrieben“. (Zit. N. Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen, in: ders.; Ausgewählte Werke. Ergänzungsreihe dritter Band, in: H.H. Borcherdt/ Georg Merz(Hg.), Schriften wider Juden und Türken, Zweite Auflage, Berlin/ München 1936, aus: Jürgen Elsässer, Andrej Markovits, Die Fratze der eigenen Geschichte, Berlin 1999, S.104)
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird der Begriff der „Deutschen Arbeit“ weiterentwickelt und idealisiert. In Gustav Freitags Roman: „Soll und Haben“, von 1855 werden die Protagonisten mit stereotypen Charaktereigenschaften versehen. Der Unternehmer Anton Wolfahrt gilt als tüchtig, fleißig und ehrlich zudem ist er preußischprotestantisch. Der Jude Itzig Veitel hingegen, wird als faul, lasterhaft, betrügerisch und unehrlich dargestellt. (Jürgen Elsässer, Andrej Markovits, Die Fratze der eigenen Geschichte, Berlin 1999, S. 108).
1861 erschien dann die Schrift“ die deutsche Arbeit“, von Wilhelm Heinrich Riehl. (vgl. Jürgen Elsässer, Andrej Markovits, Die Fratze der eigenen Geschichte, Berlin 1999, S.108). Dies alles prägte diese Zeit und führte dazu, dass die „Deutsche Arbeit“ der „Jüdischen Nichtarbeit“ gegenübergestellt wird. Spätestens nach dem Börsenkrach 1873, setzt sich das Bild des „schaffenden Deutschen“ und des „raffenden Juden“ durch und es tauchen immer
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mehr Karikaturen von krummnasigen geldgierigen Juden auf. (vgl. Jürgen Elsässer, Andrej Markovits, Die Fratze der eigenen Geschichte, Berlin 1999, S.108). Hitler schuf in Anlehnung an Luthers Arbeitsbegriffs ein eigenes Arbeitsethos. „Arbeit“ war der zentrale Begriff in der NS- Ideologie und Bezugspunkt zum Volk zugleich. Arbeit war in der NS-Zeit Dienst an der Volksgemeinschaft und jeder sollte dazu beitragen, dass es dem Deutschen Volk gut geht. Die vermeintliche „Nichtarbeit“ der Juden schadete der Volksgemeinschaft und war die Wurzeln allen Übels laut den Ideologen des dritten Reichs, die allerdings auf eine lange Tradition des Antisemitismus zurückgreifen konnten.
3. Geschichte der Konzentrationslager
Die Grundlage zur Schaffung von Gefangenenlagern war die „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“ nach dem Reichstagsbrand und das Ermächtigungsgesetz vom 23. 03.1933, das den zivilen Ausnahmezustand auf Dauer festsetzte. Es kam zu Verhaftungswellen von Regimegegnern, Gewerkschaftern und anderen unliebsamen Staatsbürgern. Anfangs wurden die Gefangenen gar nicht erst in überfüllte Gefängnisse gebracht, sondern in Tagungsräume und Gaststätten der SA und SS, wo sie geprügelt und gefoltert wurden. Später wurden die Häftlinge in Lager gebracht, wie Dachau, Esterwegen, Lichtenburg, Sachsenburg, Moringen und Berlin-Tempelhof. Abgesehen von Dachau, bestanden die Lager nicht auf Dauer. Sie waren als Repressionsinstrument gedacht und politische Gegner wurden hier gefoltert und dann wieder freigelassen um Angst in der Bevölkerung zu schüren und die Macht des Regimes zu festigen. Dachau, das am 22.03.1933 errichtet wurde, war das erste Lager unter alleiniger SS-Aufsicht und galt als Vorbild für die übrigen Lager und Reorganisation des KZ-Systems. Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, übernimmt nach und nach die Führung der Lager. Die Folge war Errichtung neuer Lager und die Reorganisation des gesamten KZ- Systems. Von den anfänglichen Lagern existierte nur noch Dachau. Nun kam es auch zu Dauerinhaftierungen, und die Konzentrationslager wurden Ort völkischer Sozialpolitik. Die Häftlinge wurden klassifiziert nach Rassen und es herrschte eine interne Lagerhierarchie. Juden waren auf der untersten Stufe und mussten die schlimmsten Arbeiten verrichten. (vgl. Wolfgang Sofsky; Die Ordnung des Terrors; Frankfurt/M, 1997, S.41, ff).
4. Vernichtung durch Arbeit
Die Arbeit in den Konzentrationslagern diente hauptsächlich der Repression und der Erniedrigung. Sie hatte nur den Zweck die Menschen zu brechen und zu demütigen, auch wenn die SS- Betriebe und andere Firmen wie die IG-Farben davon profitierten. Die Überlebenszeit eines Häftlings betrug meist nur wenige Monate aufgrund der miserablen
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Arbeit zitieren:
Andreas Eckert, 2007, Bedeutung der Arbeit im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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