2
0. Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2. Allgemeine Informationen zur TV-Serie „Die Simpsons“ 7
2.1. Entstehung 7 2.2. Hauptdarsteller 8
3. Struktur der US-amerikanischen Fernsehlandschaft 9
3.1. Einleitung 9
3.2. Die lokale Fernsehstation 10
3.3. Kommerzielle Networks 14
3.4. Das öffentliche Fernsehen 23
3
3.5. Public Access T.V. 27
3.6. Kabel 28
3.7. Resümee 30
4. Nachrichtenselektion im Journalismus 31
4.1. Einleitung 31
4.2. Die „Gatekeeper“-Forschung 34
4.3. Die „News Bias“-Forschung 36
4.4. „Die Nachrichtenwert-Theorie“ 43
4.5. Resümee 72
4
5. Wirkungen von Fernsehgewalt 74
5.1. Einleitung 74 5.2. Die Katharsisthese 75
5.3. Die Inhibitionsthese 78
5.4. Die Stimulationsthese 80
5.6. Die Suggestionsthese 84
5.7. Die Habitualisierungsthese 86
5.8. Die Kultivierungshypothese 88
5.9. Die These von der Wirkungslosigkeit 89
5.10. Resümee 91
Anhang I. Episodenverzeichnis 92
Anhang II. Literaturverzeichnis 93
5
1. Einleitung
Stehen Wissenschaft und Cartoonserie nicht von Natur aus im Widerspruch zueinander? Bart würde sagen: „Don’t have a cow, man! Probier’s einfach aus!“ 2
Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Die TV-Serie „Die Simpsons“ eignet sich überaus gut für eine wissenschaftliche Forschungsarbeit. Der Grund ist, dass es sich bei den „Simpsons“ nicht um eine Serie handelt, deren ausschließliches Ziel die Unterhaltung ist: „Die Simpsons“ sind Spiegel der Gesellschaft, sie reflektieren kritisch diverse Facetten menschlichen Daseins, wobei freilich das Leben in den USA im Mittelpunkt steht, denn dort werden „Die Simpsons“ produziert. Auffällig ist, dass das Autorenteam der „Simpsons“ dabei immer wieder kritische Blicke auf das Mediensystem wirft. Es macht daher Sinn, sich im Rahmen des Journalistik-Studiums einmal näher mit den „Simpsons“ auseinander zu setzen.
Die vorliegende Studienarbeit thematisiert folgende medienwissenschaftliche Teilbereiche:
• Struktur der US-amerikanischen Fernsehlandschaft
• Nachrichtenselektion im Journalismus
• Wirkungen von Fernsehgewalt
Ziel ist es, die genannten Bereiche wissenschaftlich darzustellen und anschließend anhand geeigneter Beispiele aus der deutschsprachigen Version der „Simpsons“-Serie zu belegen. Indem die Autoren der „Simpsons“ ihre Protagonisten häufig vor den Fernseher setzen, gewähren die gelben Zeichentrickfiguren dem realen Zuschauer Einblicke in alle drei medialen Themenbereiche, was eine entsprechende inhaltliche Analyse der Serie lohnenswert macht.
6
Alle 269 deutschen Folgen zu untersuchen, würde den Rahmen dieser Arbeit jedoch bei Weitem sprengen. Da ich aber alle Episoden bereits einmal gesehen habe, weiß ich, welche Folgen sich aus inhaltlicher Sicht für meine Untersuchung eignen und welche nicht. Es war mir daher möglich, unter Berücksichtigung der Fragestellungen dieser Arbeit gezielt 24 Episoden auszuwählen, die sich thematisch besonders gut eignen. Diese Folgen habe ich daraufhin inhaltlich analysiert und im weiteren Verlauf den jeweiligen Kapiteln und ihren Abschnitten sinnvoll zugeordnet.
Neben möglichst vielen erhellenden Erkenntnissen, was die genannten medienwissenschaftlichen Themen betrifft, wünsche ich allen Lesern Spaß bei der Lektüre dieser Studienarbeit. Während der Analyse der „Simpsons“-Folgen musste ich oft lachen. Indem mein Text solche Szenen darstellt, hoffe ich, das ein oder andere Lachen weiterreichen zu können!
7
2. Allgemeine Informationen zur TV-Serie „Die Simpsons“
2.1. Entstehung
Im Mittelpunkt der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ steht eine typisch amerikanische Durchschnittsfamilie. Hauptdarsteller sind das Ehepaar Homer und Marge Simpson sowie ihre drei Kinder Bart, Lisa und Maggie. Die Stadt, in der die Simpsons leben, trägt den Namen Springfield. Mit der Simpson-Familie sowie mit vielen weiteren in der Sendung auftauchenden Figuren gelingt es Serienerfinder Matt Groening und seinem Autorenteam, das gesamte USamerikanische Gesellschaftssystem kritisch zu beleuchten und darüber hinaus auch den ein oder anderen kritischen Blick in andere Länder zu werfen. Groening wurde 1954 in Portland, Oregon, geboren. Am Evergreen State College in Olympia, Washington, studierte er Journalismus, Philosophie, Film und Popkultur. 3
Im US-Fernsehen tauchten „Die Simpsons“ erstmals am 19. April 1987 auf: In Form kurzer Spots wurden sie vom 19. April 1987 an als Pausenfüller in die Late-Night-Sendung „The Tracey Ullman Show“ eingestreut. Die eigentliche Serie startete in den USA am 17. Dezember 1989, und zwar im Network Fox. Jede Episode ist gut 20 Minuten lang, zurzeit zeigt Fox die 14. Staffel. Damit erreicht die Serie in den USA die 300-Folgen-Marke.
Im deutschen Free-TV waren „Die Simpsons“ ab dem 13. September 1991 zunächst einmal die Woche im ZDF-Vorabendprogramm zu sehen. Inzwischen laufen sie nahezu täglich auf ProSieben, und zwar ebenfalls meist am Vorabend. Zeitweise strahlte ProSieben „Die Simpsons“ darüber hinaus einmal die Woche montags in der Prime-Time gegen 21.15 Uhr aus. Im deutschen Fernsehen sind bislang zwölf Staffeln mit insgesamt 269 Folgen gelaufen. Zusätzlich gab es auch hierzulande einige Kurzepisoden zu sehen, im Free-TV wurden diese in den 90er Jahren von RTL gezeigt. 4
Groenings vgl. Glogauer, S. 155.
ser/Klein/Rauscher, S. 11 und 203, Pinsky, S. 131 - 142; die Angaben zu den Ausstrahlungen der Kurzspots im deutschen Fernsehen entnehme ich ausschließlich meinen eigenen Erinnerungen.
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2.2. Hauptdarsteller
2.2.1. Homer Simpson
Im Mittelpunkt der „Simpsons“ steht Homer, der Familienvater. 5 Homer ist 38 Jahre alt, nicht besonders intelligent, er arbeitet als Sicherheitsinspektor im Springfielder Atomkraftwerk, und seine Lieblingsbeschäftigung besteht darin, möglichst viel Fernsehen zu gucken. 6
2.2.2. Marge Simpson
Marge ist Hausfrau, 34 Jahre alt, und stets bemüht, das Beste aus ihren Kindern und ihrem Mann zu machen. Sie gilt als die treue Seele im Simpsons-Haus. Im Gegensatz zu den übrigen Familienmitgliedern betrachtet sie das Fernsehen mit einer gewissen Skepsis. 7
2.2.3. Bart Simpson
Der zehnjährige Bart ist ein Lausbub: Vor seinen Streichen ist niemand sicher, er bringt schlechte Noten nach Hause, und ähnlich Homer sitzt auch er am liebsten vorm TV-Gerät. Sein Idol ist der Fernsehclown Krusty, der auf dem fiktiven Sender „Channel 6“ zu sehen ist. 8
2.2.4. Lisa Simpson
Die achtjährige Lisa ist Einserschülerin, sie hat eine Vorliebe für Bibliotheken und Museen, sie spielt Saxophon und engagiert sich von Zeit zu Zeit politisch. Umso erstaunlicher wirkt es, dass sie wie ihr Bruder leidenschaftlich gern gewalttätige Zeichentrickfilme schaut. 9
2.2.5. Maggie Simpson
Maggie ist erst ein Jahr alt, wird aber bereits stark durch das Fernsehen beeinflusst. Sieht sie im Zeichentrickprogramm Gewaltdarstellungen, ahmt sie diese nach, indem sie beispielsweise mit einem Hammer auf ihren Vater einschlägt. 10
9
3. Struktur der US-amerikanischen Fernsehlandschaft
3.1. Einleitung
Die US-amerikanische Fernsehlandschaft unterscheidet sich ganz erheblich von der deutschen. Während in der Bundesrepublik öffentlich-rechtliche Anstalten auf der einen und private Anbieter auf der anderen Seite ein duales System und damit zwei starke Gegenpole bilden, spielen öffentliche Fernsehstationen in den USA kaum eine Rolle. Des Weiteren ist die US-Fernsehlandschaft im Wesentlichen lokal strukturiert. Wird das deutsche Fernsehpublikum hauptsächlich von großen bundesweiten Programmen wie RTL oder SAT.1 mit Sendungen versorgt, sind es in den USA lokale Fernsehstationen, welche die Bevölkerung mit Programm beliefern. Das heißt allerdings nicht, dass die lokalen Anbieter 24 Stunden pro Tag eigene Inhalte ausstrahlen: Die meisten dieser Sender haben sich einem der großen bundesweiten Networks angeschlossen. Die größten US-Networks heißen ABC, CBS, NBC und Fox. Da die Networks über keine ausreichende technische Infrastruktur verfügen, um selbst bundesweit zu senden, sind sie darauf angewiesen, dass lokale Anbieter ihre Programme übernehmen. Als größte Konkurrenz für die Networks ist das Kabelfernsehen anzusehen, das mit seinen vielen Programmen bereits mehr als Dreiviertel aller US-Amerikaner erreicht. 11
Television“ in Walker/Ferguson, S. 12 - 41; Informationen zum öffentlichen Fernsehen liefert das Kapitel „Public Televis i- on: The Struggle for an Alternative“ in Walker/Ferguson, S. 135 - 158; zur Kabelnutzung vgl. unten.
10
3.2. Die lokale Fernsehstation
3.2.1. Überblick
„The local television station is the backbone of the national television system in the United States. Whether viewers receive the signal over-the-air, through a cable system, or via satellite, it is the local TV station that carries most of the shows that viewers want to watch.” 12 In den USA gibt es mehr als 1150 kommerzielle Lokalfernsehsender, hinzu kommen mehr als 1300 Low-Power-Stationen, das sind ganz kleine Sender, deren Reichweite nur wenige Meilen beträgt. Von den 1150 Sendern sind mehr als 830 einem der vier großen Networks ABC, CBS, NBC bzw. Fox angeschlossen. 13 Andere arbeiten als unabhängige Stationen („Independents“). 14 Daneben gibt es lokale Sender, die das Programm des öffentlichen PBS ausstrahlen. 15 Die meisten lokalen Sender sind über Antenne zu empfangen. 16
Mit Blick auf die Besitzerstruktur lassen sich die Lokalsender in folgende Kategorien einteilen: „O&Os, corporation and group ownership, and private, or ‚mom-and-pop’- operators“. „O&O“ steht als Abkürzung für „owned-and-operated“ und bedeutet, dass die betreffende Lokalstation sich im Besitz eines Networks befindet. „Group Ownership“ bedeutet, dass ein Sender einer Firmengruppe angehört; rund 90 Prozent aller US-Fernsehsender steht in solch einem Besitzverhältnis. „Private ownership“ besagt, dass eine Station einer Einzelperson bzw. einer Familie gehört. 17
Der Verbund mit einem Network hat für eine lokale Fernsehstation mehrere Vorteile. Das Network liefert dem Sender zwar nicht ganztägig, zumindest aber zu Prime-Time-Zeiten attraktive Programminhalte, darunter Spielfilme, Serien, Shows und Informationssendungen. Für diese Inhalte braucht die angeschlossene Lokalstation nichts zu bezahlen; im Gegenteil: Das Network zahlt Geld an die Lokalstation, wenn diese die zugelieferten Sendungen ausstrahlt. 18 Innerhalb der vom Network zugelieferten Sendungen laufen zwei Arten von Werbung: vom Network verkaufte Spots (Einnahmen gehen ans Network) sowie vom Lokalsender verkaufte Werbung (Einnahmen gehen an den Lokalsender). 19
Programmlieferungen, sie müssen in der Regel alle zugelieferten Sendungen bezahlen.
11
Zusätzlich zu den Sendungen der Networks strahlen lokale Fernsehstationen eigenes Material aus. Zu den erfolgreichsten Formaten zählen hier die lokalen Nachrichtensendungen. In den meisten größeren Fernsehmärkten der USA haben sich hierfür folgende Sendeschienen herauskristallisiert: am frühen Morgen, mittags, am Vorabend und zur Late-Night-Zeit. Manche Stationen senden bis zu sieben Stunden Nachrichten pro Tag, andere strahlen nur innerhalb der Abendschienen beispielsweise gegen 17.30 Uhr und nach der Prime-Time Nachrichten aus. Nachrichtenproduktionen erzielen hohe Einschaltquoten und sind daher für den Sender besonders attraktiv. Entsprechend hoch ist der Aufwand, den viele Stationen treiben: Das technische Equipment reicht oft vom Übertragungswagen bis zum eigenen Hubschrauber, und für die Präsentation engagieren die Sender hochbezahlte Anchormen: „The anchors are, of course, the most visible component of the live news program and, because of their notoriety, they are usually the most generously compensated of the personnel in the newsroom, sometimes commanding salaries that are higher than the general manager or the head of sales.” 20
Zusätzlich zu den Nachrichten produzieren manche Lokalsender weitere Sendungen, darunter Kinderprogramme, Talkshows, lokale Sportübertragungen und Dokumentationen. 21
3.2.2. Bezug zur Serie
3.2.2.1. „Channel 6“
Die bekannteste lokale Fernsehstation bei den „Simpsons“ ist „Channel 6“. 22 Wann immer in Springfield etwas passiert, die Bürger können sicher sein, dass „Channel 6“ darüber berichtet. Newsanchor des Senders ist Kent Brockman. 23 Er moderiert gleich mehrere Sendungen 24 , darunter die Hauptnachrichtensendung, deren Bezeichnung allerdings nicht einheitlich ist - die Namen reichen von „Springfield News“ über „Channel 6 News“ bis „Springfield Action News“. 25 Eine weitere von Brockman moderierte Sendung ist „Eye on Springfield“, ein Infotainment-Magazin mit einer breiten Themenpalette von Politik bis Promileben. 26 Rein meinungsgeprägt ist die Sendeschiene „My Two Cents“, in der Brockman die Ereignisse aus
neuesten Kindernachrichten“ (5F15) („Channel 6 News“), „Das Fernsehen ist an allem schuld“ (7F09) („Sprin gfield News“).
sitten - ein Alptraum“ (4F13) auf.
12
Springfield kommentiert. 27 Des Weiteren moderiert er die Talkshow „Smartline“, in der betroffene Bürger und Experten sich zu lokalen Themen austauschen. 28 Darüber hinaus ist Brockman Quizmaster der Show „Die Springfield Kästchen“. 29 „Channel 6“ verfügt über hochwertiges technisches Equipment: Neben einem Übertragungswagen mit Parabolantenne steht den Reportern ein Hubschrauber zur Verfügung. 30 Kent Brockman erhält ein hohes Gehalt, was darin zum Ausdruck kommt, dass er eine überaus luxuriöse Villa bewohnt. 31
Das genaue Sendeschema von „Channel 6“ geht aus den analysierten Episoden nicht her-vor. Sofern es die Ereignislage hergibt, sendet „Channel 6“ aber rund um die Uhr Informationen: Als Homer beschuldigt wird, eine Studentin sexuell belästigt zu haben, berichtet der Sender mindestens 57 Stunden live von allen Orten, an denen sich Homer aufhält, und für 20 Uhr abends kündigt Kent Brockman eine ausführliche Tageszusammenfassung an. 32
Zweites Standbein von „Channel 6“ ist das Kinderprogramm. Es wird von präsentiert von Hershell Krustkowsky alias Krusty, dem Clown. Gemeinsam mit seinen Assistenten Tingeltangel-Bob bzw. Tingeltangel-Mel veranstaltet er vor Studiopublikum eine Sketch-Show. 33 Fester Bestandteil der Krusty-Sendung ist „The Itchy & Scratchy Show“, das sind kurze Zeichentrickepisoden, in denen eine Maus immer wieder dieselbe Katze umbringt; die entsprechenden Szenen sind äußerst Gewalt verherrlichend. 34 Daneben gibt es innerhalb der Krusty-Show gelegentlich noch weitere eingestreute Sendeblöcke, so zum Beispiel die Kindernachrichtensendung „Kidz News“ oder die „Chocobot“-Zeichentrickserie. 35
Ob „Channel 6“ mit einem Network zusammenarbeitet, geht aus den untersuchten Episoden nicht direkt hervor. Es darf aber zumindest vermutet werden, dass „Channel 6“ an das Netzwerk Fox angeschlossen sein könnte. Hierfür spricht folgende Szene: Als im Springfielder Gefängnis Krusty über die Mattscheibe flimmert, beklagt dessen ehemaliger Mitarbeiter Tingeltangel-Bob (er sitzt in dem Gefängnis als Sträfling ein) das seines Erachtens niedrige Niveau der auf „Channel 6“ laufenden Clown-Sendung. Unmittelbar darauf erscheint als prominentester Häftling Fox-Besitzer Rupert Murdoch und protestiert: „Schluss jetzt, das reicht! Mir gehören 60 Prozent dieses Fernsehsenders!“ 36
einem anderen Network als dem ebenfalls im Murdoch-Besitz stehenden Fox zusammenarbeitet.
13
3.2.2.2. „Channel Ocho“
Ein weiterer örtlicher Fernsehsender in „Die Simpsons“ ist „Channel Ocho“, ein spanischsprachiges Programm. Auch hier wird nicht erkennbar, ob der Sender mit einem Network zusammenarbeitet 37 oder ob es sich um eine „Independent“-Station handelt. Bekannteste Persönlichkeit des Senders ist der Bumblebee Man, ein Komiker im Bienenkostüm, der in kurzen Sketchen das Fernsehpublikum zum Lachen bringt. 38
3.2.2.3. „Channel 3“
In „Vorsicht, wilder Homer“ 39 taucht ein weiterer Lokalsender auf: „Channel 3“. Mit einer Reporterin, einem Kameramann und einem Übertragungswagen ist „Channel 3“ vor Ort, als ganz Amerika Homer für das Ungetüm Bigfoot hält, das in den Wäldern sein Unwesen treibt. Da in Springfield der Kanal 3 aber durch eine Public-Access-Station 40 belegt ist, muss es sich hier um einen Lokalsender eines Nachbarortes handeln; hierfür spricht auch, dass die Bigfoot-Szene in einem Wald außerhalb Springfields und damit in einem Gebiet spielt, das möglicherweise sowohl für Springfielder Medien als auch für die Medien der Nachbarorte interessant ist.
3.2.2.4. „Channel 11“
Auch in „Tingeltangel-Bobs Rache“ 41 weisen die Simpsons-Autoren ausdrücklich auf die Namen von Lokalstationen hin: Neben den genannten Sendern „Channel 6“ und „Channel Ocho“ findet hier ein Programm namens „Channel 11“ Erwähnung; es wird jedoch nicht weiter beschrieben.
(BABF19) eine kurze Erwähnung.
14
3.3. Kommerzielle Networks
3.3.1. Überblick
Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierten über Jahrzehnte drei Networks das USamerikanische Fernsehen: NBC, CBS und ABC. Alle drei haben ihre Wurzeln im Radiobereich. Drei Hörfunk-Networks namens CBS, NBC Red und NBC Blue (später ABC) hatten es geschafft, Radio bundesweit mit populären Sendungen erfolgreich zu machen. Nun übertrugen sie ihre Erfolgsrezepte auf das junge Medium Fernsehen. Zumindest in der Anfangsphase adaptierte das Network-Fernsehen schlichtweg erfolgreiche Radiosendungen, teilweise liefen die Sendungen sogar zeitgleich in beiden Medien. 42
Viertes großes Network ist das 1986 gestartete Fox, und als fünftes und sechstes Network etablierten sich, wenngleich in kleinerer Form, UPN und Warner Brothers. 43 (Den kommerziellen Netzwerken steht das öffentliche PBS gegenüber, welches jedoch beim Fernsehpublikum kaum Beachtung findet. 44 )
3.3.2. NBC
3.3.2.1. Überblick
NBC steht als Abkürzung für National Broadcasting Company. Das Unternehmen wurde in den 20er Jahren von der Radio Corporation of America (RCA) ins Leben gerufen. 1986 ging NBC in den Besitz der General Electric Corporation (GE) über. GE kehrte damit gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück: Das Unternehmen gehörte damals zu den Mitbegründern der RCA. 1940 wurde NBC zum Fernseh-Network, mit innovativen Sendungen wie „The Today Show“ 45 und „The Tonight Show“ 46 eroberte es schnell das Publikum. 47
http://www.nbc.com/The_Tonight_Show_with_Jay_Leno/index.html.
15
3.3.2.2. Bezug zur Serie
3.3.2.2.1. „D ie Akte Springfield“ 48
Eine Erwähnung findet NBC in der Episode „Die Akte Springfield“. Dort gibt es eine Szene, die in wenigen Sätzen auf drei Networks gleichzeitig verweist: Nachdem Lisa jubelnd „Hurra, jetzt kommt ‚Endlich ist Freitag’ auf ABC“ gerufen hat, dämpft Bart ihre Freude, indem er antwortet: „Lisa, wenn du ’n bisschen älter bist, wirst du feststellen, dass Freitag nur ein Tag ist zwischen dem ‚Muss man sehen’-Donnerstag auf NBC und dem Samstagabend-‚Mistorama’ auf CBS.“
3.3.2.2.2. „Hinter d en Lachern“ 49
Zudem taucht NBC in der Folge „Hinter den Lachern“ auf. In dieser Episode spielen die Autoren mit der „Echtheit“ der Simpsons-Familie. Mussten die Zuschauer bisher davon ausgehen, dass die Simpsons lediglich eine von Matt Groening frei erfundene typisch amerikanische Durchschnittsfamilie sind, so berichten die Familienmitglieder hier, dass sie real existieren würden, dass sie inzwischen jedoch als professionelle Schauspieler arbeiteten, indem sie von Homer verfasste Drehbücher filmisch umsetzten und auf diese Weise die beliebten „Simpsons“-Episoden produzierten. Bei der Suche nach einem ausstahlenden Network, so ein Off-Sprecher, hätte sich Homer unter anderem an NBC gewandt; der Zuschauer sieht daraufhin auf dem Bildschirm das bunte Pfauenlogo von NBC.
3.3.2.2.3. „Das unheimliche Mordtransplantat“ 50
Eine weitere Anspielung auf NBC ist in der „Simpsons“-Helloween-Episode „Das unheimliche Mordtransplantat“ zu finden. Die Helloween-Folgen sind zwar Teil der „Simpsons“-Staffeln und somit auch der „Simpsons“-Serie als solcher zuzuordnen, ihre Handlungen stehen indes nicht im Kontext zu den vielen übrigen Geschichten. Für diese Folge heißt das, dass Homer vorübergehend nicht Maggies Vater ist; stattdessen stellt sich heraus, dass Marge von dem Außerirdischen Kang in dessen Raumschiff entführt und dort von diesem geschwängert worden war. Der Seitensprung fliegt auf, als Maggie plötzlich ihre Beine verliert und ihr stattdessen grüne Tentakel aus dem Unterleib wachsen. Homer und Kang geraten daraufhin in einen
16
heftigen Streit, wer von beiden künftig das Baby großziehen darf. Bart erkennt, dass sich die beiden nicht einig werden und schickt sie in die „Jerry Springer Show“, eine real existierende Talkshow, die montags bis freitags von NBC ausgestrahlt wird.
3.3.3. CBS
3.3.3.1. Überblick
CBS ging 1927 als United Independent Broadcasters an den Start. Nach mehreren raschen Besitzerwechseln wurde das Unternehmen unter dem Zigarrenhersteller William S. Paley 1928 zum Columbia Broadcasting System. Nach einem feindlichen Übernahmeversuch durch Ted Turner im Jahr 1985 gelang es in der Folgezeit Laurence Tisch, genügend Anteile zu erwerben und damit die CBS-Führung zu übernehmen. 1995 ging CBS in den Besitz von Westinghouse Electric über. 51
3.3.3.2. Bezug zur Serie
3.3.3.2.1. „Die Babysitterin und das Beast“ 52
Ein Verweis auf das Network CBS findet sich bei den „Simpsons“ in der Episode „Die Babysitterin und das Beast“. Der von den Medien und von der Bevölkerung wegen angeblichen sexuellen Missverhaltens geächtete Homer liegt zusammengekauert auf seinem Bett und zappt mit der Fernbedienung durch das TV-Programm. Dabei bleibt er bei einer der beliebtesten CBS-Sendungen hängen: David Lettermans „Late-Show“ 53 . Zu Homers Pech macht sich Letterman in der Sendung über ihn lustig.
3.3.3.2.2. „Die Akte Springfield“ 54
Eine weitere Erwähnung findet CBS in „Die Akte Springfield“. Wie bereits weiter oben beschrieben, wird hier auf drei Networks gleichzeitig angespielt. 55
17
3.3.4. ABC
3.3.4.1. Überblick
Das ABC-Radionetwork entstand, nachdem die Regulierungsbehörde FCC 56 verlangt hatte, dass NBC entweder NBC Red oder NBC Blue verkauft, um die Forderungen der Chain Broadcasting Rules von 1941 zu erfüllen. NBC Blue ging daraufhin in den Besitz von Edward J. Noble über, dem Besitzer einer Süßigkeitenfabrik. So startete die American Broadcasting Company 1948 und blieb lange Jahre die Nummer Drei in der Beliebtheit der Fernsehnet-works, während sich NBC und CBS ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit abwechselnden Siegen lieferten. Während die beiden ersten Networks ihre im Zuge der Nur-Radiozeit erlangte Finanzkraft dahingehend Gewinn bringend nutzten, dass sie schnell Verträge mit vielen lokalen Fernsehstationen abschlossen, stand ABC vor dem Problem, nicht genügend Lokalsender für sich gewinnen zu können. 57
3.3.4.2. Bezug zur Serie
3.3.4.2.1. „Die Akte Springfield“ 58
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, verweisen „Die Simpsons“ in „Die Akte Springfield“ auf CBS sowie auf zwei weitere Networks. 59
3.3.4.2.2. „Hinter den Lachern“ 60
In „Hinter den Lachern“ verweist das Groening-Team auf ABC in ähnlicher Form wie sie dies im Fall NBC tun: Bei der angeblichen Suche nach einem ausstrahlenden Network hätte sich Homer auch an ABC gewandt; der Zuschauer erhält diese Information durch die Worte eines Off-Sprechers, woraufhin auf dem Bildschirm in Großformat das orangefarbene ABC-Logo erscheint.
18
3.3.5. Fox
3.3.5.1. Überblick
Erst in den 80er Jahren schien die Zeit reif für ein viertes Network. Mittlerweile waren Hunderte neuer Lokalstationen und damit die nötigen potenziellen Partner für ein solches Netzwerk auf Sendung gegangen. 1986 startete das Unternehmen News Corporation (News-Corp.) des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch das Fox-Network. 61 Im Gegensatz zu NBC, CBS und ABC verfolgte Murdoch eine andere Programmstrategie, wodurch es gelang, schnell große Erfolge zu erzielen: Erstens sendete Fox nicht mehr als 15 Stunden innerhalb der Primetime, was rechtlich betrachtet eine Umgehung des Network-Status’ bedeutete; dadurch war es Fox erlaubt, selbst im Syndication-Geschäft tätig zu sein. 62 Zweitens sendete es Neuaustrahlungen anfangs nicht wie die Anderen in der Hauptsaison, sondern während der Sommermonate („Mid Season“). 63 Drittens wendete es sich mit jugendorientierten Sendungen und Comedy-Formaten speziell an ein junges Publikum. Zu den gezeigten Spielfilme und Serien zählten „Melrose Place“, „Married with Children“ 64 und - „The Simpsons“! 65 „Die Simpsons, die Bundys, ‚Kevin allein zu Hause’ - das waren Kassenknüller und Fernsehhits, die dem Fox-Network Unsummen von Geld einbrachten.“ 66
3.3.5.2. Bezug zur Serie
3.3.5.2.1. „Ihre Lieblings -Fernsehfamilie“ 67
Das Groening-Team erlaubt sich viele „ironische Seitenhiebe auf die eigenen ökonomischen Bedingungen“ 68 : Immer wieder ziehen „Die Simpsons“ Fox und damit jenes Network, durch das sie selbst zu Ruhm gelangt sind, ins Lächerliche. In „Ihre Lieblings-Fernsehfamilie“ präsentiert Troy McClure 69 eine Tafel, auf der in tabellarischer Form ein - fiktives - Fox-Sendeschema eingezeichnet ist. Die Tabelle enthält nur drei Sendungen: „The Simpsons“,
jedoch nicht zuerst in seinem Network ausstrahlt; stattdessen verkauft Fox die Erstausstrahlungsrechte an andere TV-Unternehmen. Zum Begriff Syndication vgl. ausführlich Walker/Ferguson, S. 114 - 119.
http://www.geocities.com/simpsonmcclure.
Arbeit zitieren:
Marcel Maack, 2002, Medienwissenschaftliche Bezüge in der TV-Serie 'Die Simpsons' - Struktur der US-amerikanischen Fernsehlandschaft. Nachrichtenselektion im Journalismus. Wirkungen von Fernsehgewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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