Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.3
1.1 Zielsetzung und Vorgehensweise S.4
1.2 Forschungslage und Materialbasis S.5
2. Der Begriff Otaku und seine Rezeption in den Medien S.6
3. „Densha Otoko“ - Entstehungshintergrund S.12
3.1 Eine Welt namens 2Channel S.13
3.1.1 Wie funktioniert ein Forum? S.13
3.1.2 Internetsprache - von Fehlern und Katzen S.15
3.2 Den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm ebenbürtig S.18
3.3 Eine Nische wird salonfähig S.21
4. Analyse des Buches S.22
4.1 Zusammenfassung des Buchinhalts S.22
4.2 Über die Entwicklung der Handlung S.23
4.3 Figurenbeschreibung S.26
4.4 Vom Buchdeckel bis zum Papier - die Aufmachung S.28
5. „Densha Otoko“ - Lesearten S.30
5.1 Wahre Liebesgeschichte, Märchen oder das Thema Freundschaft? S.30
5.2 Ein Handbuch für Singles? S.32
5.3 Positive Werbung für das Internet? S.32
6. Einfluss auf die Gesellschaft S.33
7. Fazit S.35
8. Ausblick S.36
9. Literaturangaben S.37
2
Warum wurde das Buch „Densha Otoko“ zum Bestseller?
1. Einleitung
Die Welt verändert sich hin zu einer Informations- und Mediengesellschaft, in der die Endgeräte, wie z.B. Computer, Handy, Videospielkonsolen u.a., sich fortan weiterentwickeln und immer mehr Menschen der Zugriff auf das Internet ermöglicht wird. Den Daten des Weißbuchs für Telekommunikation 1 (2006) zu folge, das von dem Ministerium für öffentliche Verwaltung, Inneres, Post und Telekommunikation herausgegeben wird, ist die Zahl der japanischen Internetnutzer 2005 auf 66.8% gestiegen - im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 4.5%. Auf die Gesamtbevölkerungszahl von Japan umgerechnet, ergibt sich eine Internetnutzerzahl von 85 290 000, das entspricht einem Anstieg um 5 810 000. Besonders der Zugang über das Handy ist nach Angaben der Studie in einem klaren Aufwärtstrend. Das Internet entwickelt sich zu einem allgegenwärtigen Kommunikationsraum, der vor allem zwei Bahnen folgt - erhöhte Mobilität und der Bereitstellung von größerer Bandbreite. Diese zwei Achsen, im Japanischen Mobairuka 2 und Burōdobandoka 3 genannt, führen zu dem oben genannten „allgegenwärtigen" System - dem Yubikitasunettowāku. 4 , dem allgegenwärtigen Netzwerk, das die Menschen mit dem Internet verbindet, es zu einem Teil ihres Lebens macht.
Aus diesem Kontext heraus etablierte sich eine neue Form der Literatureine Internetliteratur oder wie sie auch noch bezeichnet wird eine digitale Literatur. Digitale Literatur wird definiert als literarischer Ausdruck, der nur im Computer zustande kommen kann. Weiterhin gelten als Besonderheit die
1 http://www.johotsusintokei.soumu.go.jp/whitepaper/index.html Letzter Zugriff am 28.09.2006
2 モバイル化
3 ブロードバンド化
4 ユビキタスネットワーク
3
Hypertextualität, sowie die Verwendung von Programm- und Multimediaelementen. Dabei kann es zu individuellen als auch zu gemeinsamen Produkten kommen (Gendaiyōgo no kisochishiki 2006). Am 14.03.2004 erwuchs aus einem Beitrag im Forum 2Channel, das als das größte Forum Japans gilt, eine Liebesgeschichte. Diese wurde am 22.10.2004 von dem japanischen Verlag Shinchōsha unter dem Namen „Densha Otoko 5 “ (engl. train man) herausgebracht. Nach nur einem Monat, erreichte das Buch, in dem die Geschichte eines Otakus und seiner großen Liebe erzählt wird, die Verkaufszahl von ca. 500 000 Exemplaren 6 , nach 2 Monaten ca. 1 000 000 7 . Das zum Bestseller avancierte Buch wurde von den Medien vielfach aufgegriffen und im Zuge dessen in zahlreichen Formen, wie z.B. Manga, Kinofilm und Fernsehserie, kommerzialisiert. Durch das Aufgreifen des Buchinhalts in den Medien als auch durch die Verbreitung des Buches selbst wurden Diskurse wieder belebt, die auf die japanische Gesellschaft einwirken.
1.1 Zielsetzung und Vorgehensweise
Ziel dieser Arbeit wird es sein zu untersuchen, warum das Buch „Densha Otoko“ ein Bestseller wurde. Zuerst wird versucht, aufbauend auf dem oben beschriebenen Hintergrund, den Begriff Otaku zu skizzieren und die Entstehungsgeschichte des Buches zu verfolgen. Dabei werden auch Besonderheiten der Forenseite 2Channel in den Fokus der Untersuchung rücken. Im Anschluss daran wird in einer Zusammenfassung der Inhalt des Buches wiedergeben. Dem folgen eine Betrachtung der Handlungsentwicklung in den einzelnen Kapiteln, sowie eine Charakterisierung der Hauptfiguren, als auch Überlegungen zu möglichen Lesearten des Buches. Auch werden die Auswirkungen des Werks auf die Gesellschaft versucht zu umreißen. Den Schluss
5 『電車男』
6 http://media.excite.co.jp/book/news/topics/110/p01.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
7 http://www.yomiuri.co.jp/book/news/20060322bk09.htm Letzter Zugriff am 28.09.2006
4
bilden abschließende Überlegen, in denen es um die Klärung der Frage im Titel gehen wird und ein Ausblick auf weitere Forschungsaspekte hinsichtlich der beschriebenen Thematik.
1.2 Forschungslage und Materialbasis
Zu dem Buch „Densha Otoko“ gibt es zurzeit nur eine Hand voll Literatur, die sich damit genauer auseinandersetzt. In chronologischer Reihenfolge sind folgende Bücher erschienen: 2channeru purasu Vol.11 (2004.12.22)
„Densha Otoko“ wa dare nanoka - „Netaka“ suru komyunikēshon (25.1.2005) Arigatō! Densha Otoko (2005.3.24) Fūinsareta „Densha Otoko“ (25.3.2005) „Denpa Otoko“ (1.3.2005)
Densha Otoko junai manyuaru tetteikaiseki otōsan ni mo wakaru!? (7.2005)
Allgemein ist zu sagen, dass Densha Otoko ein Teil der Internetkultur war und daher auch vor allem im Rahmen des Internets diskutiert wurde. Besonders die Internetseiten 8 , die 2Channel verwaltet, sind als gesicherte Quelle anzusehen, da dort u.a. Nachrichtenbeiträge gesammelt wurden. Für diese Arbeit wurden neben ausgewählten Internetquellen die Bücher „„Densha Otoko“ wa dare nanoka - „Netaka“ suru komyunikēshon“, „Arigatō! Densha Otoko“, „Fūinsareta „Densha Otoko““ und „Denpa Otoko“ zur Kenntnis genommen. Das erste Buch ist eine kritische Analyse des Phänomens Densha Otoko mit einem Fokus auf der Thematik Internetkultur. Es wird mit der Primärliteratur gearbeitet und auch Sekundärliteratur wird zitiert. Das zweite Buch beinhaltet eher eine unkritischere populärwissenschaftliche Darstellung des Phänomens, bietet aber aufgrund der Themenvielfalt einen guten Einstieg in die Thematik. Bei „Fūinsareta „Densha Otoko““ handelt es sich um eine quantitative Analyse der unbearbeiteten
8 http://www.geocities.co.jp/Milkyway-Aquarius/7075/index.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
http://train.2ch-library.com/info/ Letzter Zugriff am 29.04.2010 http://2ch-library.com/male/train/media.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
5
Foreneinträge (Original-Threads) und deren Vergleich mit der veröffentlichten Fassung (Zusammenfassung). Den Schluss bildet das Buch „Denpa Otoko“, das alleine durch den Titel schon die subjektiv-kritische Einstellung des Autors andeutet. In diesem Buch geht es weniger um „Densha Otoko“ als um das Thema „Otaku“ und „Liebeskapitalismus 9 “. Diese Bücher bilden zu diesem Zeitpunkt, neben den Büchern, die direkt von 2Channel 10 ausgehen, den Kern der Densha-Otoko-Forschung.
Im Folgenden wird erst einmal versucht zu skizzieren, auf welchem gesellschaftlichen Hintergrund die Geschichte des „Densha Otoko“ aufbaut.
2. Der Begriff Otaku und seine Rezeption in den Medien
Was macht die Liebesgeschichte um einen Otaku 11 und eine wohlhabende junge Frau so besonders? Um dieser Frage nachzugehen bedarf es einer Definition des Begriffs Otaku. Da für eine genaue Bestimmung, sowohl diachronische als auch synchronische Beschreibungen vorgenommen werden müssten und dies den Rahmen dieser Arbeit weit überschreiten würde, wird anhand ausgewählter Definitionen versucht ein erstes Bild zu schaffen. Dabei gilt es vorhandene Stereotype zu thematisieren und falls nötig zu demontieren. Fünf Quellen sollen zur Diskussion stehen: Kōjien (2005), ein in Japan weit verbreitetes allgemeines Japanisch-Japanisch Wörterbuch, eine Untersuchung des Nomura- Forschungsinstituts,das sich mit Marktstudien beschäftigt, das Buch „Otakugakunyūmon“ von OKADA Toshio, dem selbsternannten Otakingu, der japanische Artikel zu Otaku im Internetlexikon Wikipedia, sowie die Definition des Non-Fiction-Autors ŌIZUMI Mitsunari. Der allgemeine Stereotyp lässt sich am besten anhand eines Bildes verdeutlichen.
9 恋愛資本主義
10 2channeru purasu Vol.11 (2004)
Densha Otoko junai manyuaru tetteikaiseki otōsan ni mo wakaru!? (2005)
11 mögliche Schreibweisen: おたく・オタク・ヲタク・お宅・御宅
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[Bild wurde aus Copyrightgründen entfernt - Folgen Sie bitte dem unten angegeben Link] Abb. 1 - Stereotyp Otaku (http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/Otaku Letzter Zugriff am 29.04.2010)
Eine an den Stereotyp angelehnte Definition könnte wie folgt lauten: Otakus sind Männer, die dicklich und vom Gesamteindruck her ungepflegt wirken. Sie haben langen Haare und tragen eine Brille. Auf ihren Kleidungsstil achten sie nicht. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Ihr ganzes Geld wenden sie für ihr Hobby auf, sprich: Figuren, Animes, Mangas, Zeitschriften, Illustrationen, Cds und Video-/Pc-Spiele. Sie habe eine eigenartige Art zu sprechen und ziehen es vor in einem dunklen Zimmer ihrem Hobby zu frönen bzw. mit anderen Otakus sich auf Conventions oder im Internet auszutauschen. Sie lieben es in Akihabara einzukaufen.
In Ansätzen findet sich eine ähnliche Definition auch im Kōjien. Aus ihr geht hervor, dass Otakus „Menschen sind, die sich nur für spezielle Bereiche und Dinge interessieren und darüber hinaus sich in/mit diesen extrem gut auskennen. Ihnen mangelt es aber an gesellschaftlichen Allgemeinwissen. Die Bezeichnung kommt daher, dass sie sich untereinander mit Otaku ansprechen“. In dieser Definition werden besonders die zwei Aspekte „mangelnde soziale Kompetenz“ (auf die Allgemeinheit bezogen) und „Gedächtnisdatenbank“ hervorgehoben. Man könnte es vielleicht wie folgt umformulieren: Otakus besitzen ein großes Potenzial, setzen es aber nicht für die Gesellschaft ein. Meiner Meinung nach bietet das Nomura-Forschungsinstitut (NRI) die interessanteste und vor allem objektivste Beschreibung. Nach Auffassung des Instituts scheint es folgendes Bild von Otakus zu geben:
7
„Otakus sind Personen, die Dinge mit hohem Fanatasiegehalt wie Anime und Manga mögen.“ (aus „Otakuichiba wo saguru“) 12
„Wie bei der Akiba-Gruppe und Moe-Gruppe vorzufinden, gibt es das Image, dass Otakus junge Männer sind, die Animefiguren, Idols u.a. gegenüber eine starke Anhänglichkeit aufweisen. Doch bis heute gibt es Gemeinsamkeiten hinsichtlich der psychischen Neigungen und den Konsummechanismen zwischen dieser Gruppe und den Gruppen, die Freaks, Maniacs u.a. genannt werden. „ (aus „Risāchitsuru ga akirakani suru otaku no jisshō - KITABAYASHI Ken“) 13
Bei ihrer Marktanalyse 14 stellten sie heraus, dass Otakus anhand von drei Aspekten beschrieben werden können.
1. Leidenschaft (情熱 Jōnetsu)
3. Kreation Otakus sind auf der Suche nach dem ultimativen Produkt. Sei es ein Computer, eine Animefigur oder eine Figur in ihrer Fantasie. „Nicht die Marktpreise, sondern die Leidenschaft einem Ideal hinterher zu jagen gilt als Antriebsmotor für den Konsum. Daher kaufen sie auch freizügig teure oder limitierte Waren. Dies ist ein Grund, wieso der Otaku-Markt weniger wirtschaftlichen Schwankungen unterlegen ist.“ Eine weitere Untersuchung
12 Alle Zitate in deutscher Sprache sind übersetzt worden von Marc Hansen
13
「アニメや漫画等仮想性の高い対象を嗜好する、社会性に貧しい人」(オタク市 場を探る)
^アキバ系^や^萌え系^のように、オタクはアニメキャラクターやア イドルなどに強い執着を持つ若年男性というイメージが強いが、オタクの心理的傾向や 消費のメカニズムは、従来マニアやフリークと呼ばれてきたものと共通している。(リ サーチツールが明らかにするオタクの実像・北林謙)
14 http://www.itmedia.co.jp/news/articles/0412/21/news017.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
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erbracht das Ergebnis, dass: Otakus hinsichtlich ihres Verhaltens folgende besondere Gemeinsamkeiten 15 aufweisen:
2. Sammelbedürfnis
3. Offenbahrungsbedürfnis
4. Autonomiebedürfnis
5. Bedürfnis nach kreativem Ausdruck
6. Zugehörigkeitsbedürfnis
Basierend auf diesen sechs Bedürfnissen hat das NRI die Käuferschicht 16 der Otakus in fünf Kategorien untergliedert.
1. Kazokumochiotaku (20%) („der versteckte Familienotaku“) Der Kazokumochiotaku, ist besonders in den Bereichen Pc-Eigenbau, Audio-Video-Geräte (AV-Geräte) vertreten. Mit seinem Taschengeld haushaltend gibt er sich heimlich seinem Hobby hin, das er vor seiner Familie versteckt. Sie weisen die Tendenz auf sich nicht zu outen. Auch im Bereich Reisen sind viele anzutreffen. Als typisches Beispiel gilt der Familienvater, der seine Kinder hierhin und dorthin schleppt und dies mit seinem Hobby verbindet.
2. Wa ga michi wo yuku regashiiotaku (23%) („der My-way-Otaku“) Der Wa ga michi wo yuku regashiiotaku, besitzt eine originäre Wertevorstellung, sie sich aus dem Sammeln von Information und aus Kritik entwickelt. Viele Männer in den 20ern und 30ern zählen dazu. Man sagt, dass sie vorwiegend in den Bereichen PC, AV-Geräte, IT-Gadgets, Auto, Kamera u.a. technischen Bereichen vorkommen und auch im dem Bereich zu finden sind, der sich mit Stars und Sternchen beschäftigt.
3.Jōhōkōkando maruchiotaku (22%) („der informierte Multi-Hobby-Otaku“) Der Jōhōkōkando maruchiotaku, die eine hohe Sensibilität gegenüber Informationen aufweisen, sind sorglos, was ihre Fixierung auf ihr Hobby betrifft. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich outen ist hoch. Sie lassen sich leicht von Trends mitreißen und weisen die Tendenz auf sich um andere zu sorgen. Häufig sind es Frauen. Als Charakteristikum gilt, dass sie mehrere Bereiche überspannen. Sie lieben Internet-Communitiys und Internet-Auktionen und sie passen in das Bild des normalen 2Channel-Nutzers.
15 http://www.itmedia.co.jp/news/articles/0510/06/news068_2.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
16 http://www.itmedia.co.jp/news/articles/0510/06/news068_2.html Letzter Zugriff am 29.10.2010
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4. Shakōha tsuyogariotaku (18%) („der aufdringliche eskapistische Otaku“) Der Shakōha tsuyogariotaku besitzt eine sehr ausgeprägte Wertevorstellung. Er möchte, dass alle sie kennen und versucht daher andere (in seine Welt?) hineinzuziehen. Sie schleifen die Weltanschauung von Gundam und Dragon Quest mit sich und eh sie sich versehen sind sie in den 30ern angelangt. Diese Erwachsenen gelten als typisch für diese Gruppe. 5. Dōjinjoshikeiotaku (12%) („der kreative weibliche Anime-Manga-Otaku“) Der Dōjinjoshikeiotaku hängt sehr an Figuren, die in Comics und Animes auftreten. Hierbei handelt es sich um eine Schicht, die verstärkt auch in kreativen/produktiven Bereichen, wie Erstellung von Fanzines, vertreten sind. Als Grundtyp gelten Fanzine-Freak-Frauen, die ihr Hobby vor ihren Freunden verbergen und es auch noch als Erwachsene fortführen. Man sagt, dass auch die Akiba-Gruppe und die Moe-Gruppe darin enthalten sind.
Weiterhin wurde der Otaku-Markt (オタク市場Otakuichiba) um Bereiche wie Reisen, Autos u.a. erweitert. In diesem Sinne erhält der Begriff Otaku einen neuen Faktor - den Konsum. Außerdem durchstößt die Definition stereotype Definitionen wie „Anime = Otaku“ und zeichnet dazu sogar das Bild von Familienmenschen.
Hingegen definiert OKADA Toshio Otakus auf einer anderen Ebene als Teilhaber einer Subkultur, die mit den neuen Medien kritisch umgehen und sich für mehr als ein Hobby begeistern. Sie haben sich an diese neue Umgebung (Multimediale Informationsgesellschaft) angepasst und betrachten die Welt anhand von drei Sehmodi 17 . Ihr Hobby auszuleben ist ihnen wichtiger als alles andere. OKADA Toshio gibt in seinem Buch zwar an, dass die Etymologie des Wortes Otaku geklärt sei, doch zeigen die vielen unterschiedlichen herangezogenen Quellen, dass dem nicht so ist bzw. nicht klar ist, in welchem Kontext die Definition steht, da es neben einer positiven und einer negativen Verwendungsweise auch eine Unterscheidung nach enger und weiter Definition gibt, nebst einer synchronischen und diachronischen Betrachtungsweise. Vergleicht man den Begriff Otaku mit Synonymen wie Maniac, Fan und Sammler, so fällt es schwer eine genaue Trennlinie zu ziehen. OKADA spricht in
17 das Auge der Feinheit (粋の眼), das Auge des Handwerkes(匠の眼) und das Auge des Experten (通の眼) entnommen aus岡田斗司夫『オタク学入門』2000年
10
diesem Zusammenhang von Otakudō, Dō (Weg im philosophischen Sinne), etwas, das aus dem Inneren erwächst und daher nicht greifbar sei (vgl. Moe 18 ).
Viele der oben genannten Punkte greift der Erklärungsversuch auf, den man auf Wikipedia Japan finden kann. Es ist davon auszugehen, dass dieser Text nicht von freien Autoren, Marktforschern, sondern eher von Otakus selbst verfasst ist, da diese Seite durch eine aktuelle Diskussionsseite fortan weiterentwickelt wird. ŌIZUMI kritisiert an dieser Begriffsbestimmung das Verb bottōsuru, da damit nur ausgedrückt würde, dass jemand sich im besonderen Maße für etwas interessiert. Somit wäre überspitzt gesagt jeder Wissenschaftler ein Otaku. Als positiv kann man den Ansatz einer weiten (große Begeisterung für etwas zeigen) und einer engen Definition (Stichwort: Manga, Anime und Fanzine) sehen. Im zweiten Abschnitt des Artikels zeigt sich noch eine weitere Komponente, das Schimpfwort Otaku im allgemeinsprachlichen Kontext. Verwendet wird der Begriff vor allem von jungen Frauen. Er bezeichnet Männer, die aufgrund ihres Verhaltens/Hobbys nicht bei Frauen ankommen.
In seinem Artikel kommt ŌIZUMI (What is Otaku? Web Sōshi 2006 08 24) auch zu keinem klaren Ergebnis. Er spricht nur davon, dass dem Stereotyp auch etwas Wahres (Verhalten, Äußerlichkeiten) anhafte und ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal nicht das Vorhandensein einer Begeisterung für etwas wäre, sondern wie diese Begeisterung sich äußere. Doch bieten die oben genannten Definitionsversuche eine gute Grundlage, auf der aufbauend ein erstes umfassenderes Bild, das teils dem Stereotyp entspricht, auf der anderen Seite aber auch widersprechende Aspekte in die Diskussion mit einbringt. Doch wie sieht die Rezeption in den Medien aus?
18 Moe: der Zustand einer tiefen geistigen Verbindung einer Sache oder einer Person gegenüber.
( 萌え「ある人物やものに対して、深い思い込みを抱く様子」) aus Gendaiyōgo no
kisochishiki 2006 Eine genauer Versuch einer Definition findet man in „Denpa Otoko“.
11
In den letzten 20 Jahren gab es mehrere Gewaltverbrechen 19 , bei denen die Medien ein bestimmtes negatives Bild zeichneten. Auch in Filmen bzw. Serien zum Thema Subkultur wird eher das Bild von „Freaks“ gezeichnet, die isoliert von der normalen Gesellschaft leben. Beispiele dafür sind z.B. „Densha Otoko“ (die Freunde des Protagonisten bzw. die Forennutzer) und insbesondere die Figuren des Fernsehdramas „Akihabara@DEEP“, doch relativieren sie diese Bilder häufig, indem sie das Innere der Figuren mitthematisieren. In seinem Buch erklärt OKADA, dass der Begriff Otaku als NG-Wort (NHK放送禁止用語) vom japanischen öffentlich rechtlichen Sender NHK aufgefasst und daher nicht verwendet wurde. Es finden sich zumindest im Internet keine Angaben darüber, ob dies immer noch der Fall ist oder nicht. Die Rezeption von Otaku im Ausland scheint eine andere zu sein, doch wird aus Platzgründen verzichtetet näher darauf einzugehen.
3. „Densha Otoko“ - Entstehungshintergrund
Wie schon erwähnt wurde, entstammt „Densha Otoko“ der Internetforenseite 2Channel. Die fachliche Bezeichnung für eine Forenseite wie 2Channel ist Bulletin Board System kurz BBS. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie diese Internetseite aufgebaut ist und welche Besonderheiten sie aufweist.
19 z.B. Narajoshishōichijojisatsugaijiken (奈良小1女児殺害事件) http://www.nara-np.co.jp/n_soc/041119/special.shtml Letzter Zugriff am 29.04.2010
12
3.1 Eine Welt namens 2Channel
2Channel (2ちゃんねる) wurde von NISHIMURA Hiroyuki 20 am
30.05.1999 gegründet und erlangte Bekanntheit durch das Motto „Wir behandeln Themen vom Hacken bis zum Nachtimbiss“. Das BBS lässt sich grob in drei Einheiten unterteilen: Kategorie, Forum (Brett), und Diskussionsstrang. Beiträge können dabei aber nur in den jeweiligen Diskussionssträngen eingegeben werden. Kategorie umfasst die folgenden Punkte: 2Channel, Gesellschaft - Ereignisse, Lehre - Erziehung, Lebensumstände & Lebensunterhalt, Hobby - Kultur, Unterhaltung & Rundfunk/Fernsehen, Computer, Plauderei & Neta 21 , Programme & Sonstiges. Diese bilden einzelne Internetseiten, die auf der Hauptseite von 2Channel zusammenlaufen.
3.1.1 Wie funktioniert ein Forum?
Aufgrund von Begrenzungen hinsichtlich der Speicherkapazitäten der Server, werden die Diskussionsstränge bei Überschreitung einer bestimmten Datenmenge bzw. bei einer Anzahl von 1000 Beiträgen automatisch beendet. Die Daten werden von Seiten des Betreibers auf zwei Weisen bearbeitet. Normalerweise wird ein beendeter Diskussionsstrang in den so genannten datochi 22 Zustand versetzt, dass heißt, er wird von der DiskussionsstrangÜbersichtsliste gestrichen. In diesem Fall, möchte man auf diese Daten zugreifen, muss man sich für das kostenpflichtige Archiv maru (●) anmelden und einen
20 西村博之
21 Neta:
(1)Bezeichnet unwahre Einträge. Viele zielen nur darauf ab Popularität zu erlangen. Man spricht auch von Netaresu
(2)Vorschlag für Gesprächsstoff. Gesprächsstoff.
(2)話題づくりのための提案。話のタネ。aus http://www.media-k.co.jp/jiten/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
22 dat落ち状態
13
speziellen 2Channel Webbrowser verwenden. Manchmal gibt es auch den Fall, dass die Daten verkleinert und in einem frei zugänglichen Archiv gespeichert werden. Dafür benötigt man keinen speziellen Webbrowser. 2Channel (2ch) finanziert sich über dieses Betrachtungssystem und über die Werbeinnahmen auf den einzelnen Internetseiten 23 .
Zwei Aspekte sind im Zusammenhang mit 2ch besonders hervorzuheben -2ch-Fachwörter und Anonymität im Internet 24 . Diese zwei Aspekte lassen sich am besten mit einem Beispiel verdeutlichen.
798 名前:Mr.名無しさん 投稿日:04/03/28 03:21
以前誰かが言ってたけど、
おめかしして女性とお食事出来ただけでも かなりのレベルアップだよ。 惚れてる女を落としに行った訳じゃないんだし。
おまいがもっとエルメス子と親密になりたいなら
また頑張ってみればいいさ。 とにかく乙。
807 名前:Mr.名無しさん 投稿日:04/03/28 03:24
>電車男
明日になったら絶対に電話しろ! 絶対に次のデートの約束を取り付けろ! デートに誘うのは男の役目なんだ。 それはモラルであり、ルールなんだよ!!!!!
810 名前:電車男 ◆SgHguKHEFY 投稿日:04/03/28 03:25
俺、また会いたいって言おうとしたけど
言えなかったんだよ… 相手目の前にしたら言えなくなったのさ…_| ̄|○
23 Wikipedia Japan - Stichwort 2ちゃんねる Letzter Zugriff am 28.04.2006
24 auch SUZUKI greift diese Punkte auf
14
Dies ist ein Auszug aus der Internetseite 25 , die die Zusammenfassung von Densha Otoko verwaltet. Jede Kopfzeile eines Diskussionsbeitrags entspricht diesem Muster. Links beginnt sie mit einer Nummer, die durchlaufend ist. Dem folgt der Name des Beitragschreibers, den man auch als Handlename 26 bezeichnet. In diesem Fall ist der Beitrag mit der Ziffer 798 gekennzeichnet und mit dem Namen Nanashi 27 versehen. Nanashi bedeutet „ohne Name“ und ist der Handlename für Beiträge, die anonym abgegeben wurden, wie es meist der Fall ist. Um auf andere Beiträge zu verweisen verwendet man die Kennziffer am Anfang oder falls vorhanden, den Namen. Am Ende der Kopfzeile befindet sich noch das Datum des Beitrags. Schaut man sich den Text hinsichtlich der Sprache an, so fallen zwei Dinge auf.
3.1.2 Internetsprache - von Fehlern und Katzen
Der Text ist zunächst einmal in einem umgangssprachlichen Stil verfasst, was man mit dem Aspekt der Anonymität erklären kann und zweitens wird 2ch-Fachsprache verwendet. Trotz dessen wird auch Höflichkeitssprache verwendet. Hier muss man zwischen eine 2Channel internen Verwendung und einer normalen Verwendungsweise unterscheiden. Beispiele für umgangssprachliches Vokabular befinden sich im Beitrag 798 im letzten Abschnitt: おまい und 乙. Ersteres ist eine lautliche Abwandlung des Wortes Omae und bedeutet Du - hierbei handelt es sich um einen 2ch typischen „e“ “i“ Lautwechsel 28 . Letzteres bedeutet Vielen Dank für ihre Mühen. Zur Herkunft gibt es keine Angaben, doch kann man vermuten, dass es sich dabei um eine Abkürzung Otsukaresamadesu handelt. Dabei wurde nur das Otsu, also die ersten beiden Silben übernommen und mit
25 http://www.geocities.co.jp/Milkyway-Aquarius/7075/trainman2.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
26 wie z.B. der Name Densha Otoko
27 名無し
28 http://www.media-k.co.jp/jiten/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
15
einem anderen Schriftzeichen versehen. Dies ist typisch für Internetsprache, die die Tendenz aufweist sehr schreibökonomisch zu sein.
Auf der Internetseite von 2ch 29 findet man folgende grobe Gliederung des Fachwortschatzes:
● 誤字誤読系 (Gojigodokukei) Fehlschreibungen
Hierbei handelt es sich um unbewusste Fehlschreibungen, die durch eine falsche Eingabe entstanden sind. Dieser Typus gilt als häufig.
● 当て字系 (Atejikei) Ateji
Hierbei werden Kanji ohne Rücksicht auf ihre eigentliche Bedeutung verwendet, um auf etwas zu verweisen. Auch dieser Typ ist weit verbreitet.
● 変換系 (Henkankei) Umwandlungsgruppe
Bei diesem Typ wird der glottale Plosiv-Markierっ durch das Vokallängungszeichen - ersetzt.
● 流行系 (Ryūkōkei) Trendwörter
Dies sind Wörter, die in leicht abgeänderter Form übernommen wurden und einen Trend auslösten.
● 新語造語系 (Shingozōgokei) Neologismen
Diese Gruppe gilt als schwer zu definieren, doch beschreibt sie Vokabular, das aus dem Forenbereich des 2chs hervorging, wie z.B. Wortbildungen, die mit 2ch typischen Ascii-Bildern zu tun haben. 30
SUZUKI Atsufumi grenzt diese Kategorien auf die Bereiche (1) Verwendung von Schriftzeichen in einer untypischen Bedeutung, (2) die neue Regel vom „gespannten Laut“ und vom „langen Vokal“, (3) Verwendung von ähnlich geschriebenen Kana und (4) extreme Abkürzungen 31 ein, lässt dabei aber die Kategorien Ryūkōkei und Shingozōgokei wegfallen. Die von ihm genannten Kategorien sind im Vergleich zu denen, die man auf 2Ch findet, meiner Meinung nach leichter zu beschreiben.
29 http://info.2ch.net/guide/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
30 gekürzte Form der Originaldefinitionen
Neben den üblichen sprachlichen Zeichen findet man auch visuelle Elemente vor, die u.a. Gefühlslagen widerspiegeln und mit den allgemein bekannten Smileys zu vergleichen sind. Der Unterschied besteht darin, dass diese visuellen Elemente in 2ch ausschließlich aus Zeichen des japanischen Zeichensatzes bestehen und meist auch viel komplexer sind. Das Beispiel im Text sieht wie folgt aus: _| ̄|○ Aus Platzgründen werde ich darauf verzichten auf die Besonderheiten des Arashi-Problems 32 einzugehen. Diese auf dem Boden kniende, den Kopf gesenkte Figur drückt Entmutigung und Enttäuschung aus. Man nennt diese Form der Visualisierung auch Ascii Art (AA), da dabei der Ascii-Code verwendet wird, der die Grundlage für heutige Zeichenkodierungen und -sätze darstellt. Das Markenzeichen von 2ch ist eine Katze, die auf Japanisch je nach Aussehen Gikoneko, Mona etc. genannt wird. Aufgrund des Umfangs und der Komplexität wurden Print- und Onlinewörterbücher entwickelt, um neuen Benutzern den Einstieg in diese Welt zu erleichtern. Die Verwendung der 2Channel-Figur Mona für Werbezwecke der moldawischen Musikgruppe O-Zone führte zu dem so genannten Nomaneko- Problem 33 ,das selbst in den großen Zeitungen Japans aufgegriffen wurde und nicht zuletzt auch in europäischen Wirtschafts- und Internetnachrichten
32 Arashi:
Personen, die absichtlich Foren und Diskussionsstränge stören. Bezeichnet ebenfalls die Handlung. Häufig geben sie bedeutungslose Beiträge ab oder kopieren bereits vorhandenes Material. Buragura (Browser Crasher) du Ero. Es existieren auch Arashi, die Guro-Bilder (groteske Bilder von z.B.Leichen) posten. Wenn man es als Belästigung empfindet und sagt, dass sie aufhören sollen, führt es nur dazu, dass sie weiter zunehmen. Die wahren Arashi vergnügen sich an den Reaktionen der Leute. Daher ist es am besten sie zu ignorieren.
荒らし/嵐/荒ら氏【あらし】[名]
掲示板・スレ・板を故意に乱す人たち。またその行為。意味のない言葉を連続 して書いたり、
既存コピペを貼り付けたりすることが多い。ブラクラやエロ・グロ画像を貼り付ける荒 らしも存在する。迷惑だからといって、いさめようとしたり、「やめろ」などのレスを つけると、相手をますます増長させる結果になる。ほとんどの荒らしは愉快犯なので、 無視するのが一番よいとされる。
a us http://www.media-k.co.jp/jiten/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
33 http://nomatako.seesaa.net/ Letzter Zugriff am 29.04.2010 http://nba.nikkeibp.co.jp/nomaneko/index.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
Erwähnung fand. Dabei ging es um die Problematik von Copyright und Lizenzen von Graphiken, die dem Internet entstammen, da es meist schwierig sei den bzw. die „Künstler“ zu finden.
Die oben besprochenen Besonderheiten sind auch ein Problem, mit dem sich der Gründer und Verwalter der Seite NISHIMURA Hiroyuki auseinandersetzen muss, denn der Betreiber einer Internetseite haftet für den Inhalt (Denshikeijiban to purobaidasekininseigennhū
電子掲示板とプロバイダ責任制限法). So kam es zu diversen Anklagen, die von Verleumdung bis hin zu Copyright-Verletzungen reichten. Dies und Fälle, in denen prüfungsrelevante Informationen zu Aufnahmeprüfungen in Foren auftauchten, sowie Mord-erklärungen, brachten 2ch schlechte Schlagzeilen ein.
3.2 Den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm ebenbürtig
In dieser Umgebung entstand die Geschichte um Densha Otoko. Man sagt, dass ein Diskussionsfaden in 1-2 Minuten die 1000 Einträgegrenze erreicht. Daher müssen immer wieder weitere Diskussionsfäden eröffnet werden. Wenn das Thema beliebt ist, kommt es auch zu Serienbildungen. Die Diskussionsstränge werden dann meist mit durchlaufenden Ziffern versehen. In diesem Fall ist es für neu Hinzugekommene schwierig der Unterhaltung zu folgen. Dafür müsste man eine enorme Menge an Informationen bewältigen. Daher kommt es manchmal dazu, dass jemand aus dem Forum sich die Mühe macht und die Hauptpunkte aus der Diskussion aus den Archiven kopiert und daraus eine Übersichtsseite erstellt. Im Fall von Densha Otoko spricht ANDŌ Kenji davon, dass man etwa 3 Wochen benötige um die Originaltexte inhaltlich zu erfassen. Die Übersichtsseite hingegen, kann man nach persönlicher Einschätzung in etwa 4 Stunden lesen, wenn nicht sogar schneller. Diese Sisyphusarbeit machte sich ein Mann, der sich selbst den Namen „Naka no hito“ gibt, womit er vermutlich andeuten möchte, dass er zur Gruppe der Forennutzer zählt. Seine Überarbeitung der Densha Otoko
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Diskussionsstränge diente auch als Vorlage für das Buch. Der Autorenname NAKANO Hitori 34 wird als Synonym zu „Naka no hito“ angesehen, könnte aber auch als Pars pro toto für das Forum gelten 35 . Auch vor der Buchadaption wurde Densha Otoko schon in verschieden Foren und Blogs, selbst in Zeitschriften zum Gesprächsthema. Viele Verlage bemühten sich darum die Rechte für Densha Otoko zu erlangen, doch war es Shinchōsha, die den Zuspruch von Seiten des Forenverwalters NISHIMURA Hiroyuki, Densha Otokos und des Verwalters der Übersichtsseite „Naka no hito“ bekamen, da der Verlag einwilligte das Forum soweit wie möglich in seiner ursprünglichen Form zu übernehmen. Bis auf die Einbindung von Fotomaterial ist das auch geschehen. „Densha Otoko“ ist eine über fast 3 Monate sich hinziehende Geschichte, die sich im Internetforum 2Channel abspielte, innerhalb dieses Prozesses auf einer Übersichtsseite zusammengefasst und letztendlich von einem Verlag publiziert wurde. Da „Densha Otoko“ die Grenzen der digitalen Literatur durch die Veröffentlichung in Buchform meiner Meinung nach überschritten hat, müsste man die Definition von digitaler Literatur diskutieren und gegebenenfalls überarbeiten.
Der Journalist ANDŌ Kenji führte eine quantitative Analyse der Densha Otoko Diskussionsstränge durch und verglich seine Ergebnisse mit dem Buchpublikation. Dabei fand er heraus, dass nur 6.4% der Beiträge in die Printversion übernommen wurden, da diese auf der Übersichtsseite basiert. Daher
34 中野独人
35
中野独人とは、「インターネットの掲示板に集う独身の人たち」という意味の架 空の名前です。aus『電車男』 Übersetzung:
NAKANO Hitori ist ein erfundener Name und bedeutet: „Singles, die sich im Internetforum treffen“ die englische Ausgabe:
NAKANO Hitori (meaning ´one of us´) was the name used by an anonymous messager who first collected Train Man´s adventures into a single complete and magic thread. Since then Train Man has become a Japanese social phenomenon, generating a hit movie, a TV series, stage play, five manga realisations, a guidebook and three companion books. The true identity of Train Man remains a closely guarded secret.
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ist es seiner Meinung nach nicht gelungen die Atmosphäre des Forums einzufangen und er geht sogar soweit zu sagen, dass dadurch eine gewisse Verfremdung des Originalgeschehens stattfand. Dabei relativiert er seine Meinung wie folgt:
„Wer würde „Densha Otoko“ kaufen, wenn es eine so lange Reihe wäre wie KICHIKAWA Eijis „Sankokushi“? Es ist normal es so zu bearbeiten, dass es so viele Leser wie möglich lesen können. Auch die bekannten Märchen der Gebrüder Grimm waren in ihrer Erstauflage sehr brutal, doch in der zweiten Auflage wurden diese Stellen gestrichen und dessen Resultat war es, dass es die Märchen von vielen Kindern auf der Welt gelesen wurden.“ 36
Da man davon ausgehen kann, dass die meisten Leser die Originaleinträge gar nicht zur Kenntnis genommen haben, scheint dieser Punkt für die Diskussion nicht so wichtig zu sein. In diesem Zusammenhang sprach die zuständige Redakteurin für „Densha Otoko“ GUNJI Yūko davon, dass die sie das Forum nicht bis zum 16.05.2004 verfolgte und auch die Einträge des 17.05.2004 nicht las. Damit widerspricht sie den Gerüchten, dass absichtlich bestimmte Passagen für die Buchfassung gelöscht wurden. Schaut man sich die Zusammenfassungsseite an, wird deutlich, warum bestimmte Passagen verwendet wurden und andere nicht, denn das Buch basiert genau auf dieser bewusst zusammengestellten Übersichtsseite.
Interessanter ist die Problematik hinsichtlich des Copyrights. Nach Angaben des Verwaltungsdirektors des Secretariat of Intellectual Property Strategy Headquarters (知的財産戦略推進事務局) 37 ARAI Hisamitsu warf das
36
吉川英治の『三国志』のような大長編の『電車男』なんて誰が買うだろう。なるべく多 くの人に読まれるように編集し直すのは当然のことだ。有名なグリム童話も、初版では 残酷な描写がふんだんに入っていたのを2版以降から削りに削った結果、全世界の子ども 達に広く読まれるようになったではなうか。(Fūinsareta „Densha Otoko“ )
37 http://news.braina.com/2004/1124/move_20041124_002____.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
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Buch „Densha Otoko“ viele Rechtsfragen auf, die in naher Zukunft besprochen werden sollten. Dies ist ein besonders heikles Thema, da der Einfluss auf die Wirtschaft und die damit zusammenhängenden Einnahmen enorm sind. Dafür sprechen neben dem Buch auch noch vier Mangareihen, ein Kinofilm und eine Fernsehserie mit 11 Folgen und zwei Specials, die durch eine Vielzahl an „Trittbrettfahrern“ ergänzt werden.
3.3 Eine Nische wird salonfähig
Wer hätte gedacht, dass ein Forumsbeitrag dem Verlag Shinchōsha aus der Patsche helfen würde? Digitale Literatur als Rettung für das Printmedium Buch. Als Densha Otoko veröffentlicht wurde änderte sich der Büchermarkt schlagartig. Die Nische wurde salonfähig und so fanden viele „digitale“ Inhalte ihren Weg in die Buchhandlungen, wie z.B. „Konshū, tsuma wa uwaki suru“, „Jitsuryoku oniyomenikki“, „59bannme no puropōzu“, „Chikanotoko“ - ein wahrer Boom. Die Gründe liegen auf der Hand: Aktualität, Realität und um Faulstichs 38 Kategorien anzuwenden, wohl auch Exotik in Hinblick auf die Sprache und Textsorte, Heil in der Identifikation mit den Figuren - nicht zu vergessen die Einblicke in das menschliche Denken - in einem Land, das eine ausgeprägt Kultur von Tatemae und Honne 39 aufweist. Auf Seiten der Verlage ist der Kostenfaktor wohl mit Abstand der wichtigste. Widmen wir uns im Folgenden nun dem Buchinhalt.
38 Siehe dazu Faulstich (2000)
39 http://en.wikipedia.org/wiki/Honne_and_tatemae Letzter Zugriff am 29.04.2010
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4. Analyse des Buches
Im Weiteren wird die Handlung von „Densha Otoko“ zusammengefasst, die Entfaltung der Handlung, die sich über sieben Kapitel zieht, verfolgt und daran anschließend eine Charakterisierung der Hauptfiguren vorgenommen. Zum Schluss gilt es dann noch die Aufmachung des Buches zu analysieren.
4.1 Zusammenfassung des Buchinhalts
Am 14.03.2004 trifft ein sich auf dem Heimweg von Akihabara befindender junger Mann auf folgende Situation. In das Abteil, in dem er und viele Frauen sich befinden, kommt ein betrunkener alter Mann, der sofort damit beginnt die weiblichen Fahrgäste zu belästigen. Obwohl auch andere Männer sich in diesem Abteil befinden, ist es an ihm einzuschreiten und die Frauen zu retten. Dies bringt ihm den Namen Densha Otoko ein. Als er sich dem alten Mann stellt und ihn auffordert aufzuhören, rutscht dessen Hand aus und trifft dabei eine junge Frau, die in der Nähe des Densha Otoko saß. Es kommt zum Handgemenge zwischen dem alten Mann und Densha Otoko. Ein Büroangestellter, der auf die Unruhe im Nebenabteil aufmerksam geworden ist, kommt hinzu und nimmt den alten Mann in Gewahrsam. Dieser wird der Polizei übergeben. Die Frauen und Densha Otoko werden von der Polizei verhört und gefragt, ob sie Anzeige erstatten wollen. Die Frauen lehnen dies ab. Doch wollen sie sich bei ihrem Held bedanken und fragen ihn nach seiner Adresse. Auch die junge Frau fragt ihn danach. Daraufhin kehrt er nach Hause zurück und berichtet um 21:25 Uhr in einem Forum von diesem Vorfall. Nach einigen Tagen erreichen ihn die Dankesgeschenke der Frauen, darunter auch ein Paket der jungen Frau. In diesem befinden sich zwei Teetassen der teuren Marke HERMES. Für das Geschenk möchte er sich revanchieren und so sucht Densha Otoko Hilfe in einem Forum, dessen Bewohner ihm dann raten anzurufen. Dieser Anruf ist der Beginn der Liebesgeschichte zwischen Densha Otoko und der jungen Frau, die wegen des
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Geschenks Hermes getauft wurde. Unter der den fürsorglichen Augen der Forennutzer entwickelt sich Densha Otoko von einem schüchternen Otaku zu einem selbstbewussten jungen Mann. Nach einigen Proben, die es zu meistern gilt, finden er und Hermes ihre Liebe zueinander und die Singles, die von ihnen gewünschte Depression 40 .
4.2 Über die Entwicklung der Handlung
Aus welchen Handlungselementen diese Geschichte besteht, wird versucht anhand der Entwicklungen in den einzelnen Kapiteln deutlich zu machen. „Densha Otoko“ ist in folgende Kapitel eingeteilt.
Mission 1 Emergency Request [Help me with dinner] 緊急指令「めしどこかたのむ」 Mission 2 I`ll Just Hold on Tightly to You「ちゃんと掴んでますから」 Mission 3 She Pulled My Hand Lightly 彼女はそっと俺の手を引く Mission 4 The Time fort he Cups have Arrived このカップを使う時が来た Mission 5 Stop Leading Me on So Much 「あんまりその気にさせないで下さい」 Mission 6 The Miraculous Final Chapter 奇跡の最終章 „You Were Trying So Hard“ 41 「こんなに頑張ってたんだ・・・」 後日談
Wie man auf den ersten Blick erkennen kann, ist das Buch in mehrere Missionen eingeteilt, die der Struktur von Videospielen, vielleicht sogar speziell von Dating-/Liebes-Simulationen, ähnelt.
Im ersten Kapitel berichtet Densha Otoko dem Forum von den Ereignissen des Abends. Die Teetassen nimmt er zum Anlass Hermes anzurufen und schafft es eine Verabredung zum Essen mit ihr zu treffen. Als ihm durch die Fragen der Forenbesucher bewusst wird, dass er eigentlich ein Otaku ist, versucht er sich eleganter zu kleiden und an seinem Äußeren zu arbeiten. Dabei bekommt er tatkräftige Unterstützung aus dem Forum. Der Untertitel dieses Kapitels lautet „Notafallanordnung: Essen-wo-bitte“ und taucht im Text auf, als Densha Otoko Hermes zum Essen einlädt, er aber, da er noch nie mit eine Frau zusammen essen
40 ANDŌ und „Arigatō! Densha Otoko“
41 Übersetzung übernommen aus „Train Man“ (engl. Ausgabe)
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war, nicht weiß, wo er sie hin ausführen soll. Diese frische und lebendige Sprache verstärkt auch das Gefühl ein Teil der Geschichte zu sein, so als wäre man dabei und würde angesprochen werden.
Das zweite Kapitel schildert den Ablauf der ersten zwei Verabredungen. Die erste Verabredung findet in einem japanischen Restaurant statt, wohingegen die zweite in einem westlichen stattfindet. Letzteres ist in gewisser Weise die erste Steigerung der Handlung, da Hermes eine Freundin mitbringt, um ihr ihren neuen Bekannten vorzustellen und vielleicht auch diesen begutachten zu lassen. „Ich halte mich ja richtig fest“ verweist auf die erste Verabredung, als es dem Protagonisten auffällt, dass er zu schnell läuft und er daher kurz davor ist seine Verabredung in der Menschenmenge einer Straße zu verlieren. Doch sie hält sich an seinem Ärmel fest. Diese Szene könnte man auch als ein Zeichen ihrer versteckten Gefühle ansehen.
Mission 3 zeigt schon wie sich die Beiden näher kommen. Als Hermes von einem Mann verbal sexuell belästigt wird, bietet Densha Otoko ihr an sie auf ihrem Weg zur und von der Arbeit zu begleiten. Weiterhin scheint seine Verwandlung vom Otaku zum feschen jungen Mann zu wirken, denn als er sich in Akihabara herumtreibt, sagt ihm eine Verkäuferin, dass er gar nicht so aussehe, wie die typischen Leute, die sich dort aufhalten. Die Lokationen für die Verabredungen wechseln hin zu Cafes und Restaurants, wo sich Paare bzw. gute Freunde häufig treffen würden (SUZUKI). Als es Zeit ist sich von einander zu verabschieden, zieht sie ihn plötzlich zu sich aus dem Zug und bittet ihn sie nach Hause zu bringen. Diese Szene wird im Untertitel beschrieben.
Im vierten Kapitel lädt sie ihn zu sich nach Hause zum Tee ein - eine gute Gelegenheit um die Teetassen zu benutzen. Hier befindet sich der Wendepunkt der Geschichte, denn Densha Otoko ist bereit Hermes seine Liebe zu gestehen, doch er schafft es nicht den Mut dazu zu finden. Wohl möglich liegt es daran, dass dies nicht seine Welt ist. Weiterhin wird eine Anti-Triebtäter-Maßnahmen-
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Mappe, die Densha Otoko speziell für Hermes zusammengestellt hat thematisiert. Da er sich gut mit Computern auskennt, bittet ihn Hermes beim Kauf zu beraten.
In Mission 5 findet fast keine nennenswerte Handlung statt. Interessant ist nur, dass Densha Otoko Hermes in ihrem Zimmer aufsucht und sie über Hermes Äußeres sprechen, unter dem sie zu leiden scheint. Es kommt sogar eine romantische Atmosphäre auf.
Kapitel 6 beschreibt, wie der Einkauf des Computers für Hermes in Akihabara verläuft und Densha Otoko im Anschluss daran unter Tränen ihr seine Liebe gesteht. Es kommt zu einem Happy End und Densha Otoko verabschiedet sich von seinen Freunden aus dem Forum, dem er nun nicht mehr angehört, da er kein Single mehr ist. Das Forum feiert ihn und verabschiedet sich mit Pauken und Trompeten. An dieser Stelle könnte man davon sprechen, dass sie das erste Mal in seine Welt Akihabara eintritt und er somit den Mut finden konnte seine Liebe zu gestehen.
Im Epilog erklärt Densha Otoko dem Forum, dass er Hermes die Foreneinträge gezeigt und sie verständnisvoll darauf reagiert hat. Schaut man sich nun die Geschichte im Ganzen an, so wird deutlich, dass es sich hierbei um eine äußerst einfache, lineare Geschichte handelt. Es gibt keine nennenswerten Krisen, gar einen Rivalen. Da sie einem Forum entspringt, handelt es sich hierbei um eine Vertextung von Gesprächen. Weiterhin wird wie schon erwähnt Internetvokabular verwendet. Dies wird nur Ansatzweise auf der Außenseite des Buchdeckels erklärt. Zu erwähnen ist hierbei, dass das Wort 2Channel in keiner Weise im Buch verzeichnet ist. Der Verleger des Buches erklärt dies damit, dass dem Begriff 2Channel ein schlechtes Image anhafte und man dazu übergegangen sei, den Begriff zu umgehen.
Welche Protagonisten gibt es und wie werden sie im Buch dargestelltdiesen Fragen wird im Folgenden versucht nach zu gehen.
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4.3 Figurenbeschreibung
Im Forum herrscht Anonymität, was es schwierig macht, Personenzahlen gar, einzelne Personen herauszustellen. Mit einem ausgefeilten Kriterienkatalog, der besonders die Sprache der Forumsbesucher kritisch hinterfragt, wäre es durchaus möglich einige Personen herauszufiltern. Doch ist es nicht die einzelne Person, sondern die anonyme Masse, die eine besondere Rolle spielt. Da eine genauere Betrachtung dieser Beiträge den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werde ich mich nur um eine Analyse der Darstellung der beiden Protagonisten bemühen. Hierbei ist zu beachten, das alles durch die Augen des Densha Otoko gefiltert wird, sprich, Hermes sich nicht selbst direkt äußert und die Äußerungen daher als sehr subjektiv angesehen werden können.
Densha Otoko beschreibt sich selbst als 22-jähriger normaler Anime- und Videospiel-Otakus (kann auch Pc-Spiele beinhalten), der äußerlich dem typischen Bild eines Akihabara-Otakus entspricht. Er ist 172cm groß, wiegt 68 kg und trägt eine Brille. Er verdient im Jahr zwischen 3 und 4 Millionen Yen 42 und wohnt bei seinen Eltern. Er besitzt kein Auto. Die Zeitspanne seines Singletums entspricht die seines Alters, hinzukommt, dass er sich selbst als männliche Jungfrau outet. Er ist ein höflicher junger Mann, der sich noch nie gestritten hat. Nach der Meinung der Freundin von Hermes, ähnelt er dem Gitarristen der japanischen Musikgruppe Every Little Thing 43 . Er kennt sich weder mit Markenartikeln aus noch mit Persönlichkeiten der Unterhaltungsbranche. Seine Lieblingsanimes scheinen Kerorogunsō 44 und Futari ha purikyua 45 zu sein. Manchmal wird er von anderen als „vertrottelt“ bezeichnet.
Hermes wird von ihm als eine junge schöne Frau im Alter von 22-25 Jahren beschrieben, vielleicht könnte sie sogar um die 30 Jahre alt sein, was aber
42 http://www2.ttcn.ne.jp/~honkawa/2450.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
43 www.avexnet.or.jp/elt/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
44 http://www.sunrise-inc.co.jp/keroro/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
45 http://www.toei-anim.co.jp/tv/precure/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
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nicht direkt angesprochen, aber durch Anspielungen auf ihre Ausstrahlung und ihr Make-Up indirekt angedeutet wird. Da sie Densha Otoko ein teures Geschenk macht, wird sie von den Forumsbewohnern als reich bezeichnet. Dies wird durch das prächtige Elternhaus, das teure Auto, der gewohnte Umgang mit der Kreditkarte, dem Budget für den Computerkauf und den Hobbys untermalt. Auch die Tatsache, dass sie gerne Benoist-Tee 46 trinkt, könnte man dazu zählen. Sie wird als äußerst dünn beschrieben, mit langem braun gefärbtem Haar und einer zierlichen Stimme, die es dem Protagonisten schwer macht, sie zu verstehen. Im Gegensatz zu Densha Otoko scheint sie auch „reale“ Freunde zu haben. Zu ihren Hobbys zählen das Suchen von interessanten Restaurants und das Erlernen einer Fremdsprache. Sie fahren beide mit dem Zug der Keihintōhoku-Linie 47 zur Arbeit, wobei es sich hierbei vermutlich um eine Fehlinformation handelt, um ihre Privatsphäre zu schützen (GUNJI) 48 . Ihre Freunde sagen, dass sie Mumin 49 ähnle, Densha Otoko vergleicht sie mit NAKATANI Miki 50 bzw. mit einer Mischung aus KUNINAKA Ryōko 51 und YOU 52 . Der Name Hermes kommt eigentlich von der Marke HERMES 53 , doch gibt es auch Parallelen zu Gundam 54 . Sie sagt von sich selbst, dass weil sie so dünn sei, sie keinen Freund bekommen könne. HONDA Tōru äußert in seinem Buch „Denpa Otoko“ die Annahme, dass Hermes vielleicht zu den Gruppen der Damens Walker 55 bzw. der Makeinu 56 (auch bei SUZUKI) gehören könnte. Zu einer Verabredung trägt sie Kleidung, die eher weitaus jüngere Frauen tragen würden. Diese äußere Verjüngung, vielleicht sogar das Spiel mit dem Geschmack des Densha Otoko, wird verstärkt durch die
46 http://www.benoist.co.jp/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
47 京浜東北線
48 http://media.excite.co.jp/book/news/topics/110/?amzid=2chlibrary0b-22 Letzter Zugriff am 29.04.2010
49 http://www.zepe.de/mumin/mainframe.html?startseite=eing Letzter Zugriff am 29.04.2010
50 http://dir.yahoo.co.jp/talent/21/w94-0398.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
51 http://dir.yahoo.co.jp/talent/8/w02-0234.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
52 http://dir.yahoo.co.jp/talent/W99-0667.html Letzter Zugriff am 29.04.2010
53 http://france.hermes.com Letzter Zugriff am 29.04.2010
54 http://www.gundamofficial.com/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
55 http://spa.fusosha.co.jp/spa0016/index.php Letzter Zugriff am 29.04.2010
56 http://shop.kodansha.jp/bc/books/topics/makeinu/ Letzter Zugriff am 29.04.2010
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Äußerung, dass sie ihre Haare zu zwei Zöpfen gebunden hat, was wohl eher untypisch ist für eine Frau aus ihren Kreisen.
4.4 Vom Buchdeckel bis zum Papier - die Aufmachung
Wenn man ein Buch analysiert, sollte man sich nicht nur dem Inhalt widmen, sondern auch der Aufmachung, da sie es häufig ist, die den Leser zum Buch führt. Sei es eine Alarmfarbe, die auf sich aufmerksam macht oder gar ein einfaches Weiß, dass zwischen den anderen, meist kolorierten Büchern, auffällt. Der Titel lautet: „Densha Otoko - The story of the Train Man who fell in love with the girl, Hermes“. Interessant ist hier der Sprachenmix von Englisch und Japanisch. Schaut man sich Werbung in Japan an, so fällt sofort auf, dass mit Schriftsystemen, Sprachen und natürlich den chinesischen Schriftzeichen sehr viel gespielt wird. Jedwede Abweichung von der Norm könnte man als Plus für den Werbeeffekt ansehen. Zum Design des Buchumschlags ist zu sagen, dass er dem Buch angemessen scheint. Die kleinen Zeichnungen von Zügen und zwei Personen, die an eine Art Kartoffeldrucktechnik erinnern sind dezent und durch die größeren Farbflächen wird an Details gespart, die, so könnte man vermuten, der Anonymität des Internets geschuldete sind, denn, die Figuren im Buch haben keine wirklichen Namen, keine Gesichter, sie sind nur grob beschriebene Schemen. Die informierende Funktion der Klappentexte wird in Japan immer wieder gerne auf den Buchgürtel (jap. Obi) übertragen. Welche Auswirkungen das haben kann soll an dieser Stelle nicht thematisiert werden.
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Folgende Informationen findet man auf dem so genannten Obi:
„Densha Otoko, gib nicht auf!“ - Auch Sie werden auf jeden Fall letztendlich so ausrufen. Schon vor der Veröffentlichung ein Thema, größter Beifall von allen Zeitungen und Zeitschriften. 1 000 000 Menschen waren tief bewegt. Die Geburt der ultimativsten Geschichte über reine Liebe dieses Jahrhunderts![…] Eine wahre 57 Love Story, die alle Leser in einem heißen Wirbel von Sympathie zieht.
In diesen kurzen Sätzen verbirgt sich ein wahrer Berg an Informationen, die potentielle Leser anzulocken vermögen. Es finden sich Superlative, in der Lexik in numerischer Form und auch in der Aussage „eine wahre Love Story“ wobei das Adjektiv wahr hier als Markierung für einen Superlativ aufgefasst werden kann. Besonders der letzte Punkt gilt als ausschlaggebend für den Erfolg von „Densha Otoko“. Entfernt man den Buchumschlag und schaut sich den Buchdeckel an, so stößt man auf eine kleine Wortliste, die darauf abzielt auch nicht 2Channel-Nutzer für dieses Buch zu begeistern. Dabei handelt es sich um 2ch-Slang, der aber nicht als solcher ausgewiesen ist. Es reicht also nicht nur aus zu schauen, was es gibt, sondern auch zu überlegen, was es nicht gibt. In einem Interview 58 mit der verantwortlichen Redakteurin GUNJI wurde erwähnt, dass dies daher geschah, weil man vermeiden wollte, dass die Leser bestimmte Vorurteile an das Buch tragen bzw. es deswegen vielleicht es gar nicht erst in die Hand nehmen. Im Inneren des Buches ist nur anzumerken, dass das Papier vergleichsweise dick ist und farblich Recyclingpapier ähnelt. Genauere Angaben dazu waren nicht zu finden. Es handelt sich um eine Softcover-Ausgabe, die mit einem Lesezeichen versehen ist.
57 SUZUKI interpretiert den Ausdruck リアル・ラブ・ストーリー als reale
Liebesgeschichte und sieht in dieser Formulierung eine Werbemaßnahme des Verlages eine intelligente Strategie, da nicht explizit von einer wahren Geschichte gesprochen wird.
58 http://media.excite.co.jp/book/news/topics/110/?amzid=2chlibra Letzter Zugriff am 29.04.2010
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5. „Densha Otoko“ - Lesearten
Worum handelt es sich bei diesem Buch? Ist es eine Liebesgeschichte, wie es uns der Buchgürtel weiszumachen versucht? Meiner Meinung nach kann man dieses Buch auf sehr verschiedene Weisen lesen. Man kann es wie eine Liebesgeschichte lesen oder auch als Anleitung, wie man sich vom Otaku-Sein, dem „schlechtem“ (dem Stereotyp nach zu urteilen) Weg befreien kann bzw. das auch Otakus - in angepasster Form - als möglicher Beziehungspartner in Frage kommen. Auch als Anleitung für das Verabreden kann man es sehen. Von einem weiteren Standpunkt aus betrachtet könnte man es vielleicht sogar als positives Plädoyer für das Internet auffassen. Im Folgenden werde ich genauer auf die einzelnen Aspekte eingehen.
5.1 Wahre Liebesgeschichte, Märchen oder das Thema Freundschaft?
Der Buchgürtel stellt „Densha“ Otoko als eine Geschichte über reine Liebe dar. Doch was bedeutet reine Liebe? Diese Frage stellte sich auch SUZUKI, der folgendes Zitat in seinem Buch thematisiert:
„Eine aufrichtige Liebe, bei der man nicht davor zurückschreckt sich zu opfern“ „Sagt man über weltfremde Männer und Frauen“ aus „Shinmeikaikokugojiten“ (5. Auflage) 59
Diese Definition trifft voll und ganz auf „Densha Otoko“ zu (SUZUKI). Der Protagonist geht sogar soweit, dass er sein bisheriges Leben als Otaku aufgibt/opfert. Außerdem ist er als Otaku durchaus als weltfremd anzusehen (Stereotyp). Ob die Geschichte wahr oder doch nur eine Fiktion ist, wurde breit diskutiert, doch Interviews mit „Densha Otoko“ persönlich, sowie Aussagen der Redakteurin GUNJI, können als klaren Beweis für die Wahrhaftigkeit dieser
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「一身を犠牲にすることもいとわない、ひたむきな愛情」「世なれていない男女につい て言う」『新明解国語辞典』(第五版)
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Geschichte angesehen werden. Angebliche Fehlinformationen sind vermutlich weniger der Fiktion, als dem Schutz der Privatsphäre geschuldet, so die Redakteurin 60 .
Man könnte das Buch meiner Meinung nach auch als ein modernes Märchen auffassen, denn es treffen zwei Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.
SUZUKI zitiert in seinem Buch die Autorin SHIRAKAWA Momoko, die mit dem Liebesdiskurs in Japan vertraut ist. Sie begreift Hermes als Makeinu und kommentiert das Buch „Densha Otoko“ wie folgt:
„Umkehr“- Paare, bei denen die Frauen von ihrem Alter und Einkommen über dem des Mannes liegen nehmen zu. Zwei Schichten die bis jetzt darunter litten keine reale Liebe zu finden, überlappen sich nun. Soweit, dass man sagen möchte, dass „Densha Otoko“ eine Maßnahme gegen späte Heirat ist und vom Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt konzipiert wurde. 61
Von diesem Hintergrund ausgehend geht SUZUKI noch einen Schritt weiter und geht darauf ein, dass Frauen sich Männer wie Haustiere „abrichten“im Fall Makeinu und Otaku sich die Geschlechterrollen gewissermaßen vertauschen. Er spricht in diesem Kontext von Männern als Ren'aijakusha 62 .
Rein quantitativ betrachtet, besteht noch eine dritte Möglichkeit der Auslegung. Nicht wenige Rezensionen beschreiben, wie stark man sich mit dem Forum identifizieren konnte und bewegt waren, wie die Forennutzer sich um Densha Otoko kümmerten. Daher könnte man auch die Forennutzer als Protagonisten ansehen. Aus einer Liebesgeschichte würde dann eine Geschichte zum Thema Freundschaft.
60 http://media.excite.co.jp/book/news/topics/110/?amzid=2chlibra Letzter Zugriff am 29.04.2010
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「女性の方が年齢と収入も上の『逆転』カップルは増えている。これまで、現実の恋愛 ができずに悩んでいた二つの層が重なる。実は『電車男』は晩婚化対策として厚労省が 仕組んだんじゃないかというぐらい。」
62 恋愛弱者
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5.2 Ein Handbuch für Singles?
The theme of an inexperienced young man in love seems to appeal to potential readers. "My friend, who is single, said I should read it because I'm still unmarried too“, said Manabu Inage, 31, after buying the book at an outdoor stall in Tokyo. 63
Ist Densha Otoko also doch eher ein Handbuch für einsame, schüchterne Menschen? Man kann diese Frage durchaus bejahen, denn die Ratschläge der Forennutzer, die nicht unbedingt immer die beste Lösung darstellen, haben nicht nur inhaltlich, sondern auch gerade sprachlich Handbuchcharakter. So sind im Text neben Links zu Restaurants und Modegeschäften, auch durchgeplante Tagesabläufe zu finden. Doch muss man sagen, dass diese Aspekte nicht unbedingt den größten Teil des Buches ausmachen und auch die Menge an Internetverweisen sich in überschaubaren Grenzen hält.
5.3 Positive Werbung für das Internet?
Sieht man die negativen Nachrichten zum Thema Internet, wie Selbstmordseiten, Betrug bei Yahoo Auktionen, illegale Downloads usw. im Kontrast zu diesem Buch, so kann man durchaus sagen, dass es sich hierbei um eine positive Darstellung des Internets handelt. Das Internet als „demokratischer“ Ort, wo man nicht auf gesellschaftlichen Status, Alter oder Sprache achten muss 64 . Ein Ort an dem man sogar Freundschaft schließen kann, auch wenn man weder den Namen noch das Gesicht der Personen kennt.
63 http://in.tech.yahoo.com/041123/137/2i1im.html Letzter Zugriff am 28.04.2006
64 http://in.tech.yahoo.com/041123/137/2i1im.html Letzter Zugriff am 28.04.2006
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6. Einfluss auf die Gesellschaft
Inwieweit Densha Otoko einen direkten Einfluss auf die Wirtschaft hatte, müsste noch untersucht werden, doch ist Fakt, dass die Verlage 2004 mit einem Umsatzrückgang 65 zu kämpfen hatten und die neue Nische der digitalen Literatur, die Shinchōsha mit Densha Otoko eröffnete, eine Verbesserung 66 mit sich brachte. Des Weiteren wurden die Marktforscher auf die Käuferschicht der Otakus aufmerksam. Man spricht heutzutage sogar schon von einem eigenen Otaku-Markt. Der Einfluss reicht sogar soweit, dass Akihabara, das als die „heilige Stätte“ der Otakus galt, sich nun zum Touristenspot wandelt - Otakus als Kuriosität. Auch kann man davon ausgehen, dass Otakus als potentielle Partner (in einer Beziehung) in den Fokus der Frauen rücken.
„Weil mir bis jetzt nicht klar war, was Otakus denken, wusste ich nicht, dass sie so unverfälscht Liebesgefühle für reale Frauen hegen. In der Firma gibt es auch otakumäßige Typen, aber es gibt ja u.a. keine Gelegenheit sich zu unterhalten. Aber wenn es ein Otaku wie Densha Otoko wäre, dann wäre er als möglicher Liebespartner nicht schlecht.“ (Eine weibliche Angestellte 34 Jahre alt, die in einer IT-Firma arbeitet) 67
Der Umgekehrte Fall ist natürlich auch denkbar, obwohl der Begriff Otaku eher den Männern und der Begriff Yaoi den Frauen zugeordnet wird. Als ein Beispiel dafür kann man das Buch „59banme no puropōzu“ ansehen, in dem eine Karrierefrau (mit Einschränkung selbst Otaku) in ihrem Blog (Mixi 68 ) unverblümt über ihre Beziehung zu einem Otaku schreibt. Densha Otoko gilt auch als Auslöser für das rasche Anwachsen der Blogzahlen. Immer mehr Japaner sind
65 http://www.jetro.go.jp/en/market/trend/industrial/pdf/jem0507-2e.pdf Letzter Zugriff am 28.04.2006
http://www.yomiuri.co.jp/book/news/20060322bk09.htm Letzter Zugriff am 28.04.2006
66 http://r25.jp/index.php/m/WB/a/WB001120/id/200502171114 Letzter Zugriff am 28.04.2006
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「オタクの人って今まで何を考えているのかわからなかったので、こんなに純粋に現実 の女性に恋愛感情を抱くとは知りませんでした。会社にもオタクっぽい人はいるけど、 話す機会もないし。でも、電車男のようなオタク君なら、恋愛対象として悪くないです ね。」(IT企業に勤める女性会社員(34))
68 Mixi ist ein SNS (Social Network System) - eine geschlossene Community deren Kommunikation über Tagebücher/ Blogs, Foren und E-Mail-Austausch zustande kommt.
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bereit private Details über das Internet einer breiten Masse mitzuteilen. Dabei scheint weniger der Aspekt der Anonymität im Vordergrund zu stehen, als das reine Gefühl Aufmerksamkeit zu bekommen. Internet als Werbeplattform ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Schlagwort. Ohne diese Vernetzung wäre es fast unmöglich etwas Spezielles im Internet zu finden - die Suche von der Nadel im Heuhaufen. So tauchten immer mehr Geschichten auf, in denen der „Protagonist“ **Otoko genannt wurde. Repräsentative Beispiele dafür sind der Chikan Otoko (wortwörtl. „Grabscher-Mann“) und der Chōkan Otoko (wortwörtl. „Frühausgaben-Mann“). Auch negative Phänomene wie Otakugari 69 (Otaku-Jagd = die Jagd auf Otaku) entstanden vermutlich durch den starken Fokus der Medien auf die Subkultur der Otakus. Punkte, die den Liebesdiskurs betreffen wurden schon im Abschnitt Lesearten besprochen. Ergänzend könnte man noch hinzufügen, das Otakus als keep-kun angesehen werden könnten, als potentieller Freund, den man sich „warm hält“, falls man nichts besseres finden sollte. Diese Idee findet sich in Ansätzen im Buch „59banme no puropōzu“ wieder und überlappt mit dem Aspekt Männer als Haustiere (pet).
Was den Einfluss „Densha Otoko“s auf die Wirtschaft anbelangt, so zeigt sich die Tendenz, dass sich die Medien auch auf die Zielgruppe der Otakus einstellen. Der Medienmix könnte als Indikator dafür gelten, da gerade in den letzten zwei Jahren vermehrt Manga verfilmt wurden und hohe Einschaltquoten erzielen. Der Otaku-Markt gilt durch sein großes Volumen und durch seine Besonderheiten als wichtiges Standbein der japanischen Wirtschaft. Auch Probleme brachte „Densha Otoko“ mit sich. Besonders die Thematik Internet und Geistiges Eigentum wird bei den strengen Copyright-Gesetzen in Japan noch für viel Wirbel sorgen.
69 http://www.tanteifile.com/tamashii/scoop/0208/09_01/ Letzter Zugriff am 28.04.2006
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Fazit
Eine Vielzahl von Faktoren hat dazu beigetragen, dass „Densha Otoko“ zum Bestseller wurde. Zum einen wäre das Setting zu nennen, das einem Märchen gleicht. Weiterhin spielt der psychologische Aspekt eine große Rolle - die Klärung des Inneren eines Otakus. Betrachtet man die äußere Form des Buches, so kann man zum einen sagen, dass junge Leute bzw. Otakus eine gewohnte Präsentationsform vorfinden, auf der anderen Seite könnte man bei Leuten, die weniger mit Internet zu tun haben, als mit einem exotischen Reiz - einem Hauch Popkultur 70 . Geht man von den verschiedenen Lesearten bzw. Funktionen des Buches aus, sticht besonders die Leseweise als „Datsuwota“-Handbuch 71 hervor. Der größte Faktor wird wohl die Werbung gewesen sein, die betonte, dass Densha Otoko eine wahre Geschichte sei. Doch ist es schon interessant zu sehen, dass trotz einer Internetverbreitung von 66.8%, mit dessen Kapazitäten ohne jegliche Probleme ein Zugriff auf die Übersichtsseite zu Densha Otoko, sogar die kostenlose Speicherung mögliche gewesen wäre, Verkaufszahlen von über 1 000 000 erreicht wurden. Inwiefern japanische Lesegewohnheiten eine Rolle spielen ist schwer zu sagen. Doch kann man mit Sicherheit sagen, dass „Densha Otoko“ vom Boom der Liebesgeschichten 72 in Buch und Film profitierte. Interessant wäre es gewesen, die Umfragekarten, die den Büchern meist beilegen auszuwerten. Diese sind aus datenschutzrechtlichen Gründen leider nicht zugänglich.
70 http://brandnew.keserasera.org/archives/2004/11/19-150248.php Letzter Zugriff am 29.04.2006
71 脱ヲタ
72 Sekai no chūshin de ai wo sakebu (Japan), Ima ain ni yukimasu (Japan), Fuyu no sonata (Korea), Ryōkitekina kanojo (Korea) uvm.
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Ausblick
Da man meiner Meinung nach von einem Densha Otoko-Phänomen 73 sprechen könnte, ist eine genauere Betrachtung der Medien von Nöten. Besonders das Genre Fernsehdrama, das man als „Spiegel“ der Gesellschaft 74 begreifen kann, bietet interessantes Material, da den Figuren Gesichter, Namen, sprich eine Identität gegeben wird. Von großem Interesse ist auch ein Vergleich der Handlungsstränge, also die Frage nach der inhaltlichen Adaption des Buches. Als Indikator für das Phänomen könnte man vielleicht die Intertextualität heranziehen, die sich in den verschiedensten Medien zeigt. Dies gilt es noch näher zu untersuchen. Neben den Diskursen zum Thema Otaku und Heirat, gab es 2004 auch noch die Makeinu-Diskurse. Inwieweit man Parallelen zwischen diesen Diskursen ziehen kann und inwiefern sich etwas konkret durch „Densha Otoko“ verändert hat, gilt es noch näher zu untersuchen.
73 Auch SUZUKI spricht von einem電車男現象. Ob er den Begriff geprägt hat gilt es noch zu untersuchen.
74 Siehe dazu Gössmann (1998)
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Literaturverzeichnis
Primärliteratur
ARUTEISHIA (2005): 59banme no puropōzu. Tōkyō, Kabushikigaisha Bijutsushuppansha NAKANO Hitori (2004): Densha Otoko. Tōkyō, Kabushikigaisha Shinchōsha NAKANO Hitori (2006): Train Man. London, Robinson
Sekundärliteratur
ANDŌ Kenji (2005): Fūin sareta „Densha Otoko“ Tōkyō, Ōtashuppan
AZUMA Hiroki (Hrsg.)(2003): Mōjōgenron Fkai - Posutomodan - Otaku - Sekushuariti. Tōkyō, Seidosha
Faulstich, Werner (2000). Zwischen Exotik, Heil und Horror: das Fremdartige als Dramaturgie von Kultur. In: Faulstich, Werner (2000). Medienkulturen. München: Fink. 127-138. Gendaiyōgohenshūbu (2006): Gendaiyōgo no kisochishiki. Tōkyō, Jiyūkokuminsha Gendaiyōgohenshūbu (2005): Gendaiyōgo no kisochishiki. Tōkyō, Jiyūkokuminsha Gössmann, Hilaria (hg). (1998). Das Bild der Familie in den japanischen Medien. München: Iudicium Verlag.
HONDA Tōru (2005): Denpa Otoko. Tōkyō, Sansaibukkusu
KATŌ Shūichi, KITA Chiyo TAKEGUMA Kentarō u.a (2005).: Arigatō! Densha Otoko. Tōkyō, Takarajimas
KIKUCHI Fumie (2005): Densha Otoko sutairingu baiburu. Tōkyō, Sōgōhōreishuppan Kabushikigaisha
Kuze (2005): Datsuotakufashongaido. Tōkyō, Kabushikigaisha Ōmusha OKADA Toshio (2000): Otakugakunyūmon - Toudai ´Otakubunkaronzemi´ Kōnintekisuto. Tōkyō, Kabushikigaisha Shinchōsha
SUZUKI Atsufumi (2005): ´Densha Otoko´ wa dare na no ka - „Netaka“ suru komyunikeeshon. Tōkyō, Chūōkōronshinsha
YONEZAWA Izumi (2006): Densha no naka de keshōsuru onnatachi - Kosumefuriiku toiu ´Otaku´. Tōkyō, KKBesutoseraazu
Auf eine spezielle Auflistung der Internetquellen wird verzichtet, da aufgrund von Archivierungsmechanismen auf den jeweiligen Seiten die Internetadressen sich ändern.
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Arbeit zitieren:
MA Marc Hansen, 2006, Warum wurde das Buch „Densha Otoko“ zum Bestseller?, München, GRIN Verlag GmbH
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