1. Einleitung
In der heutigen Pädagogik ist es unumstritten, dass ein lerneffektiver Unterricht eine Vielzahl unterschiedlichster Methoden bereithalten muss, um optimale Bedingungen für die Begegnung der Lernenden mit dem Gegenstand herzustellen. Die Praktiken im Unterrichtsgeschehen sind deswegen von gewichtiger Bedeutung, weil sie neben den Arbeitstechniken, Verlaufsstrukturen und Kommunikationsformen entscheidend zur Organisation des Lernprozesses beitragen.
Im Fach Gemeinschaftskunde sollen die Schüler unter anderem befähigt werden politische Probleme zu analysieren, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und diese zu beurteilen. Das Prinzip der Handlungsorientierung spielt dabei eine gewichtige Rolle, ihm kann nur Rechnung getragen werden, wenn dem Schüler eine Vielzahl von Möglichkeiten und Wegen eröffnet werden um sich dem Lerngegenstand anzunähern. Die Auswahl der vielfältigen Methoden erfolgt meist unter dem Gesichtspunkt, welcher Aspekt des Politischen genauer freigelegt werden soll. In der Fachdidaktik wird oftmals der Begriff der didaktischen Perspektive gebraucht. Die bewusste Verknüpfung von Inhalt und Ziel bestimmt letztendlich die Auswahl aus dem methodischen Apparat. Dabei ist die Wirkung interdependent, denn jede Methode sorgt gleichzeitig für eine gewisse Strukturierung des Lerngegenstandes, wodurch bestimmte Gesichtspunkte der Unterrichtsproblematik auf Kosten anderer hervorgehoben werden. Die Auswahl erfolgt daher unter den Kriterien der eigentlichen Lernintention. Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit der didaktischen Bedeutung der Sozialstudie. Die Durchführung und Arbeitsweise dieser Makromethode wird Untersuchungsgegenstand des ersten Teils der Hausarbeit sein. Dabei wird vor allem auf die methodische Wirkung und die Durchführung einer Sozialstudie eingegangen. Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Planung und Anwendung der Sozialstudie im praktischen Unterrichtsgeschehen. Dabei wird einerseits ihre Durchführung in der Sekundarstufe I thematisiert, andererseits auch der Blick auf das didaktische Format einer Sozialstudie in der gymnasialen Oberstufe geschwenkt. Dies dient vor allem dazu, die besondere Bedeutung der frühzeitigen Ausbildung methodischer Arbeitstechniken im Klassen- und Kursverband zu vergegenwärtigen.
Abschließend soll ein kurzer Ausblick über die Zukunft der Sozialstudie im Gemeinschaftskundeunterricht gewagt werden, um Stärken und Schwächen des Konzepts zu differenzieren.
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2. Die Sozialstudie
2.1. Definition und Zielvorgabe
Die didaktische Bedeutung der Sozialstudie liegt darin, dass sie versucht Politikunterricht wissenschaftsorientiert zu implementieren (Frech 2004: 216). Dabei werden vor allem die Bedingungen der Herstellung wissenschaftlichen Wissens in den Problemaufriss gerückt (Lißmann 2000: 171). Die Sozialstudie ist somit ein „[…] Verfahren, das begrenzte Probleme und Fragestellungen des politischen und gesellschaftlichen Nahraum der Lernenden unter Verwendung empirisch ermittelter Untersuchungsbefunde und anderen primären Quellenmaterials untersucht“ (Rathenow 1988: 279). Besonders effektiv lässt sich die Sozialstudie einsetzen, wenn in der Politischen Bildung von Sozialstrukturanalyse die Rede ist. Die Schüler sollen in einem demokratisch geprägten Unterricht lernen, ihren eigenen Standort in der gesellschaftspolitischen Ordnung zu bestimmen, diese reflektierend mitzugestalten und gegebenenfalls nach eigenen Bedürfnissen und Interessen zu verändern (Rudder 1987: 326 f.). Dies bedarf allerdings der Vorgabe, dass Sozialstruktur im Gemeinschaftskundeunterricht untersucht und behandelt wird. Jedes staatliche Handeln nimmt Einfluss auf die Sozialstruktur, Politik darf deshalb im Politikunterricht nie isoliert von der Gesellschaft betrachtet werden. Bereits einfache Begriffe wie Wirtschafts-, Familien- oder Bildungspolitik verdeutlichen, dass politische Entscheidungen von sozialstrukturellen Faktoren geleitet sind und umgekehrt, auch die Sozialstruktur rückwirkend Einfluss auf das Politikfeld nimmt (z.B. durch Einkommensverteilung und Steuereinnahmen).
Die Sozialstudie erfordert daher ein großes Maß an Korrektheit und Sachtreue sowie den Willen zu verantwortlicher Tätigkeit, da sie eine propädeutisch-vorwissenschaftliche Arbeit der Lernenden darstellt, welche sie in das sozialwissenschaftliche Methodenrepertoire einführt (Mickel 1996: 42). Zudem ermöglicht diese Methode den Lernenden komplexe politische Zusammenhänge mit eigenem Wissen und Können zu verbinden ohne den Stoff lediglich zu reproduzieren (Maier 2005: 590)
Mögliche Untersuchungsgegenstände müssen je nach Klassenstufe ausgewählt werden. So bietet sich für die Sekundarstufe I an, Freizeit und Konsumverhalten von Jugendlichen gleicher Altersgruppe zu untersuchen (z.B. Höhe des Taschengeldes, Dauer des täglichen Fernsehkonsums, etc.). Für die Sekundarstufe II eignen sich vor allem gesellschaftliche und ökonomische Strukturen und Wandlungsprozesse im Nahraum (z.B. Umweltschäden, Betriebsstilllegung, Migration, etc.)
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2.2. Ablaufschema
Den Schülern wird im Rahmen einer Sozialstudie eine hohe Konzentration abverlangt, dabei werden sie an die Grenzen der kognitiven Belastbarkeit geführt (Frech 2004: 216). Schließlich müssen sie die Problemstellung bzw. den zu untersuchenden Gegenstand selbstständig definieren, ihn analysieren und ihre Auswertung plausibel anhand der gewonnenen Daten begründen (Detjen 2004: 216). Durch die wissenschaftspropädeutische Ausrichtung werden die Schüler in die Methoden und Arbeitsweisen elementarer Forschungsarbeit, wie sie bspw. von den Sozialwissenschaftlern an den Universitäten praktiziert wird, eingeführt.
Der erste methodische Schritt innerhalb einer Sozialstudie besteht darin, die Schüler mit einem Problem zu konfrontieren, welches Interesse zur näheren Untersuchung weckt. Ohne einen solchen motivierenden Beweggrund wird der hohe Arbeitsaufwand bei der Durchführung einer Sozialstudie kaum von den Schülern erbracht werden können (Rudder 1987: 328). Besonders bieten sich hierbei Aspekte an, in denen die empirische Aussagekraft auf einen realen Zusammenhang kritisch reflektiert wird. Mögliche Fragestellungen wären etwa: „Was messen Umfragen, in denen es um Einstellungen zur Atomkraft geht, wenn bei der Befragung die Kosten, die bei der Lagerung atomaren Restmülls auf die bzw. den Einzelnen und die Gemeinschaft zukommen, nicht thematisiert werden?“ oder „Wie hat man damit umzugehen, dass die Ergebnisse von Umfragen zweier Meinungsforschungsinstitute zum selben Thema gravierend differieren?“ (beide Beispiele aus Lißmann 2000: 172). Durch eine solche Formulierung gezielter Fragen ist bereits der zweite Schritt innerhalb des methodischen Vorgehens erreicht. Dabei sollte im Unterricht gründlich darüber nachgedacht werden, wie sich ein bestimmter Sachbestand überhaupt untersuchen lässt und wie die dafür nötigen Informationen zu beschaffen sind. Im dritten Methodenabschnitt soll durch eine weitreichende Datensammlung den Schülern der Untersuchungsgegenstand anhand von relevantem Quellenmaterial näher bekannt gemacht werden. Hierbei eignen sich vor allem auf empirischer Seite Statistiken und Befragungsergebnisse. Als weiteres primäres Quellenmaterial könnten Zeitungsmeldungen, Parteiprogramme und Flugblätter dienen. Weiterhin soll vor allem auch das didaktische Prinzip der „offenen Schule“ Berücksichtigung finden, in dem bei ausreichendem Zeitfenster den Schülern Möglichkeiten gegeben wird, selbständig eine Feldstudie durchzuführen. Es folgt eine Interpretation der Datenansammlung an die sich der Erkenntnisprozess anschließt, bestimmte Wertmuster zu erkennen und deren Grundlagen zu erforschen. Als Beispiel wäre hier zu nennen, inwieweit der wirtschaftliche und soziale Abstieg eines bestimmten Stadtviertels zu einer erhöhten Kriminalitätsrate führt. Ausweiten ließe sich dies
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Arbeit zitieren:
Christian Knape, 2007, Methoden des Sozialkundeunterrichts - Die Sozialstudie, München, GRIN Verlag GmbH
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