1. Einleitung
Die Geschichte des molossischen Königs Pyrrhos I. aus Epirus böte den Stoff für einen Monumentalfilm, weil sie so glanzvoll und tragisch zugleich ist. Bereits als Kleinkind aufgrund politischer Affären im Zuge der Diadochenkriege in Lebensgefahr, schwingt er sich kurzfristig bis zum König von Makedonien auf und wird später den aufstrebenden Römern in Italien zwei schwere Niederlagen hinzufügen, welche ihm jedoch so große eigene Verluste bescherten, dass man noch heute das beflügelte Wort vom „Pyrrhossieg“ für solch einen zweifelhaften Triumph gebraucht. Er vertreibt 277 v. Chr. bis auf eine einzige Stadt die Karthager aus Sizilien und wird eine Art Befreiungsheld der sizilischen Griechen. Nach darauf folgenden Differenzen mit den Einwohnern, nimmt er den Kampf gegen die Römer in Unteritalien wieder auf, wird aber vernichtend geschlagen, kehrt nach Epirus zurück und stirbt bald darauf im Rahmen innergriechischer Auseinandersetzungen schmachvoll im Straßenkampf in Argos. Warum misslangen die zahlreichen Unternehmungen des Pyrrhos, der sich stets in der Nachfolge seines Onkels Alexander des Großen verstand: Scheiterte er an den politischen Umständen seiner Zeit oder war er das Opfer seines eigenen Ehrgeizes?
2. Kindheit und Jugend
Pyrrhos wurde als Sohn des Molosserkönigs Aiakides um 318 v. Chr. in Epirus geboren. Die Gegend um Epirus wurde erst recht spät hellenisiert, so dass die epirotischen Stämme in vielen Teilen des übrigen Griechenlandes noch immer als Griechen barbarischer Abstammung galten, einem Laster unter dem Pyrrhos, wie sich bald herausstellen würde, politisch noch zu Leiden hatte. Der molossische König war durch Stammesrecht gleichzeitig Hegemon des Bundes von Epirus, einem Zusammenschluss aller epirotischen Stämme. Der kleine Pyrrhos wird in eine Zeit großer politischer Umwälzungen in der gesamten hellenisierten Welt hineingeboren. Der Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. führte schon bald zur Teilung des riesigen Alexanderreiches unter seinen Feldherren. Diese gerieten alsbald in Streit um das Erbe und die Nachfolge des verstorbenen Königs der Makedonen, was zur vier Jahrzehnte währenden kriegerischen Auseinandersetzung in den „Diadochenkriegen“ (von griech. diádochos: Nachfolger) führte. Pyrrhos´ Vater lag wahrscheinlich in Streit mit Kassander, einem der mächtigen Diadochen, welcher daraufhin vermutlich einen Staatsstreich in Epirus initiierte. Im Verlaufe dieses Thronsturzes wurden viele Anhänger des Königs ermordet, Aiakides selbst musste ins Exil fliehen und stirbt beim späteren Versuch der Rückkehr durch die Hand eines Meuchelmörders. Der noch im Babyalter befindliche Pyrrhos, als legitimer Thronnachfolger ein Primärziel der Häscher, wird durch Vertraute des Königs nach Illyrien an
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den Hof des Glaukias in Sicherheit gebracht. Dieser adoptiert nach dem Tod des Aiakides Pyrrhos und verhilft ihm als 12jähriger zurück auf den Thron der Molosser. Ein neuerlicher Umsturz zwingt den gerade auf einer Brautfahrt der Söhne des Glaukias´ befindlichen Pyrrhos jedoch bald darauf wieder ins Exil, diesmal zu seinem Schwager Demetrios I. Poliorketes.
3. Wiedererlangung der Herrschaft in Epirus
Im Jahre 301 v. Chr. kämpft er mit Demetrios und dessen Vater, dem Diadochen Antigonos I. Monophtalmos (Kleinasien) 1 , in Ipsos um die Wiederherstellung der Einheit des zerfallenen Alexanderreiches. Die Quellen berichten, dass Pyrrhos sich in den Kämpfen durch Tapferkeit und Tatendrang auszeichnete, viele wollen in ihm die Geschicklichkeit und Eleganz Alexander des Großen wieder erkannt haben 2 . Die gegnerische Diadochenkoalition bestehend aus Ptolemaios I. Soter (Ägypten), Seleukos I. Nikator (Babylonien), Kassandros (Makedonien) und Lysichmachos (Thrakien) gewann jedoch die Schlacht, in deren Verlauf der 81jährige Antigonos selbst fällt. Demetrios, der die Nachfolge seines Vaters antritt, erkannte die neuen Umstände und schließt Frieden. Um dem Vertrag Glaubwürdigkeit zu verleihen, schickte er, der griechischen Tradition folgend, Pyrrhos als Geisel an den Hof des griechischen Pharaos nach Ägypten. Pyrrhos gewann schnell die Gunst des Ptolemaios, welcher im jungen Molosser wohl auch eine Gelegenheit sah, bei günstigen Verhältnissen die ägyptischen Interessen in Innergriechenland durchzusetzen. Tatsächlich gelang Pyrrhos durch Ptolemaios´ Unterstützung die Rückkehr auf den väterlichen Thron. Aus Dankbarkeit und wohl auch aufgrund persönlicher Zuneigung benannte Pyrrhos seinen ersten Sohn nach dem einflussreichen Förderer. Zudem war Pyrrhos mit einer Tochter des Ptolemaios verheiratet, was ihn nicht nur familiär sondern, nach griechischem Verständnis, auch politisch enger an den griechischen Pharao band. Durch diese Umstände begünstigt, kam es alsbald zum Zerwürfnis mit dem einstigen Verbündeten Demetrios, welcher seine Stellung indessen auf der Peleponnes festigen konnte.
4. Erwerb und Verlust des makedonischen Thrones
Demetrios hatte im Verlaufe von Thronstreitigkeiten zwischen den Nachkommen des mittlerweile verstorbenen Kassandros versucht seinen Einfluss auch auf makedonisches Gebiet zu erweitern. Nachdem sich die Lage in Makedonien jedoch wieder stabilisierte und der makedonische Thron nicht mehr auf militärische Hilfe angewiesen war, beging Demetrios
1 zum besseren Verständnis ist das Herrschaftsgebiet des jeweiligen Diadochen in Klammern angegeben
2 Vgl.: Plutarch: Griechische Heldenleben. Pyrrhos. Übers. und herausgg. v. W. Ur, Leipzig 1933, Kap. 8, S.218
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294 v. Chr. persönlich den Meuchelmord am makedonischen Herrscher Alexandros und rief sich selbst zum König der Makedonen aus. In der bald darauf entflammenden, langwierigen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Pyrrhos und Demetrios gelang es dem König der Molosser, auch durch die Unterstützung des Lysimachos, Demetrios aus Makedonien zu vertreiben und sich selbst 288 v. Chr. auf den Herrscherthron der Makedonen zu schwingen. Pyrrhus war damit, nach Ansicht der Geschichtswissenschaft durch den Gewinn eines, außerhalb von Epirus gelegenen, personalen Königtums, wie es die großen hellenistischen Herrscher seiner Zeit innehatten, kurzfristig am Ziel seiner Träume. 3 Pyrrhos verlor den Thron in Makedonien jedoch bereits 286 v. Chr. wieder an den ehemaligen Verbündeten Lysimachos, welcher es geschickt durch politische Diffamierungen verstand den Mollosser als Barbaren zu diskreditieren, so dass Pyrrhos mangels Unterstützung und aufgrund militärischer Unterlegenheit nur noch die Rückkehr in sein Stammkönigtum nach Epirus blieb.
5. Pyrrhos in Italien
Da Pyrrhos vorerst von den innergriechischen Machtkämpfen isoliert war, kam ihm der Hilferuf der unteritalischen griechischen Stadt Tarent 281 v. Chr. sicherlich gelegen um sich abermals zu profilieren. Die Tarentiner lagen aufgrund der Verletzung eines Flottenabkommens mit den Römern im Krieg und baten nun den in der Armeeführung erfahrenen Molosser um Beistand gegen die Legionärsheere. Doch bedeutsame Ereignisse in Makedonien lenkten seinen Blick vorläufig wieder nach Griechenland: Lysimachos starb 281 v. Chr. in der Schlacht gegen Seleukos bei Kuropedion. Seleukos selbst wird später durch die Hand von Ptolemaios´ verstoßenem Sohn, Ptolemaios Keraunos, ermordet, der daraufhin den makedonischen Thron übernahm. Unter dieser Sachlage erneuerte Pyrrhos seine Ansprüche auf Makedonien, doch neuerliche verzweifelte Hilferufe aus Tarent, veranlassten ihn schließlich mit Ptolemaios Keraunos Frieden zu schließen, welcher als Gegenleistung Truppen für die italische Unternehmung des Pyrrhos zur Verfügung stellen musste. Pyrrhos proklamierte wohl sein Vorhaben als panhellenischen Feldzug zur Befreiung des italischen Griechentums vor der römischen Barbarengefahr. 4 Wahrscheinlich erhielt er auch das geforderte Geld und Truppen von anderen griechischen Herrschern, die wohl froh waren den ambitionierten Pyrrhos vorerst los zu sein. Möglicherweise erhoffte sich Pyrrhos den Erwerb einer überseeischen Machtposition die ihm erlauben sollte bei günstigen Verhältnissen wieder gestärkt in die innergriechischen Machkämpfe eingreifen zu können. Da Rom nach
3 Vgl.: Dietmar Kienast: Pyrrhos von Epeiros, in: RE, Stuttgart 1963, Sp. 119, Z. 33
4 Vgl.: Kienast: Pyrrhos… Sp. 130, Z. 61
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Arbeit zitieren:
Christian Knape, 2005, Pyrrhos von Epirus, München, GRIN Verlag GmbH
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