Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Ingolstadt, 20.03.2002
Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fäkultät PS 4071: Die Mexikanische Revolution und ihre Folgen Wintersemester 2001/2002
Der Aufstand der (Neo-)Zapatisten in Chiapas
- Fortsetzung der Mexikanischen Revolution ?
Verfasser: Florian Dittmar
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Januar 1994 3
3. Die Symbolik des Aufstandes 6
4. Landproblematik und Situation der indigenen Campesinos 7
5. Geschichte der Neo-Zapatisten 10
6. Fortsetzung der Mexikanischen Revolution? 12
7. Aktuelle Situation und Ausblick 14
8. Schluss 15
Bibliographie 16
2
1. Einleitung
Als am 1. Januar 1994 die ersten Schüsse zu fallen begannen, ließen die ersten Interpretationen und Deutungen der Geschehnisse nicht lange auf sich warten. Der bewaffnete Aufstand im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, der an diesem Tag seinen Anfang nahm, erinnerte von der ersten Stunde an an ein Kapitel der mexikanischen Geschichte, welches das Land geprägt hat wie kein anderes, und welches Politik, Gesellschaft und Mentalität des Landes bis in die heutige Zeit entscheidend mitbestimmt: Die große Mexikanische Revolution vom Anfang des Jahrhunderts schien plötzlich wieder aufzuleben, und mit ihr eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten -Emiliano Zapata, Bauernführer des Südens und Nationalheld Mexikos. Diese Assoziation wurde gefördert durch die Protagonisten des Aufstandes, welche sich Symbolik, Ziele und Schlagwörter der Revolution zu eigen machten. Dies geschah sicherlich nicht grundlos - wie an späterer Stelle näher ausgeführt werden wird, ist gerade das mexikanische Volk für diese Art von Heldenverehrung und Einbindung ihrer eigenen Geschichte in aktuelle Ereignisse ausgesprochen empfänglich. Die vorliegende Arbeit soll die Geschehnisse des Aufstandes nachzeichnen, Hintergründe beleuchten, einen Blick in die Zukunft wagen und vor allem eine Frage in den Blickpunkt stellen: Inwieweit es sich bei dieser lokalen Rebellion wirklich um eine Fortsetzung der Mexikanischen Revolution handelt, so wie es ihre Akteure für sich in Anspruch nehmen und viele Analysten schlussfolgern.
2. Der Januar 1994
Der 1. Januar des Jahres 1994 war angesetzt als Festtag der Oberschicht und als Meilenstein in der geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Staates Mexiko. An diesem Tag nämlich feierte man das Inkrafttreten der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA), welche neben den USA und Kanada auch Mexiko umschloss. Der Eintritt in diesen Wirtschaftsraum sollte für das Land die letzte Bestätigung sein, sich endgültig auf dem Weg in die „1. Welt“ zu befinden, und hätte unter normalen Umständen wohl dessen Ruf als weitgehend friedliche, demokratische Wirtschaftsmacht zementiert, welchen es sich in den vorangegangenen Jahrzehnten mühsam erarbeitet hatte. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Mexiko sogar den Vorsitz der Welthandelsorganisation (WTO) übernehmen sollte, mag dies untermauern (vgl.
3
SCHMIDT 1996, S. 23f). Diese Erfolge wurden nun gefährdet durch akute Ereignisse in einem sowohl räumlich als auch wirtschaftlich peripheren Bundesstaat, welche so sicherlich nicht erwartet worden waren: Kurz nach Mitternacht begann in Chiapas ein von langer Hand geplanter und gut organisierter Aufstand zumeist indigener Unterschichten, und bereits kurze Zeit später waren die Städte San Christóbal de las Casas, Ococingo, Las Margaritas und andere Orte unter der Kontrolle der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN), welche unterschiedlichen Angaben zufolge bis zu mehreren tausend ernsthaft bewaffnete Aktivisten aufwies und bis dahin in dieser Form noch nie in Erscheinung getreten war. Die Ziele und ideologischen Grundlagen der Bewegung wurden in der Form eines Manifestes an das Rathaus von San Christóbal angeschlagen: In diesem „Text an das Volk von Mexiko“ formulierte die EZLN - neben Grundforderungen nach Arbeit, Land, Gerechtigkeit und ähnlichem - eine Kriegserklärung an das Bundesheer, kündigte den Vorstoß bis nach Mexiko-Stadt an und forderte den Sturz von Präsident Carlos Salinas. Auffallend ist, dass die Forderungen und die erste Grundsatzerklärung der EZLN eine erstaunliche Klarheit auszeichnete, womit sich die Bewegung deutlich von den meisten vorhergehenden Guerillas Lateinamerikas abhob. Die fast schon banalen Grundforderungen konnten von der breiten Bevölkerungsmasse leicht nachvollzogen werden und waren sicher mitursächlich für die sofortige breite Resonanz der Öffentlichkeit (vgl. Schmidt 1996, S. 20). Als weitere Besonderheit der Rebellengruppe kann deren ethnische Zusammensetzung gelten, da nicht von ungefähr die Rebellion oft als Indianeraufstand bezeichnet wird. In der Tat rekrutiert sich die EZLN vornehmlich aus indigenen Campesinos, von einigen Mestizen wie dem charismatischen Wortführer Marcos abgesehen. Die Kämpfer sind ein Gemisch aus verschiedenen Stämmen, es besteht ein hoher Frauenanteil, und die Disziplin wird durch eine straffe Organisation mit striktem Alkoholverbot aufrechterhalten (vgl. Der Spiegel 27/94, S. 129). Geleitet wird die EZLN durch den als Generalkommando fungierenden, gemischtgeschlechtlichen „Revolutionären Indianischen Untergrundausschuss“, welcher aus zwölf indigenen Commandantes besteht, wobei Subcommandante Marcos wegen seiner mestizischen Herkunft hier nicht vertreten ist (vgl. Der Spiegel 7/95, S. 148).
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Arbeit zitieren:
Florian Dittmar, 2002, Der Aufstand der (Neo-)Zapatisten in Chiapas - Fortsetzung der Mexikanischen Revolution?, München, GRIN Verlag GmbH
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