Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die Erlebnisgesellschaft 4
2.1 Der Erlebnismarkt 5
2.2 Die neue Segmentierung der Gesellschaft 6
2.2.1 Alltagsästhetische Schemata. 6
2.2.2 Soziale Milieus 7
2.2.3 Szenen. 8
2.3 Kulturpolitik 9
3. Der Bahnhof Langendreer. 10
3.1 Entstehung 11
3.2 Selbstverständnis 12
3.3 Programm. 13
3.3.1 Kabarett 14
3.3.2 Konzerte 14
3.3.3 Politik. 15
3.3.4 Kino. 15
3.3.5 Partys. 16
3.4 Publikum. 16
3.5 Finanzierung 18
4. Fazit 19
5. Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars besuchte der Kurs am 06. Juli 2009 das Kulturzentrum Bahnhof Langendreer in Bochum. Seit den 1970er Jahren wurden im Ruhrgebiet viele ehemalige Industrieanlagen unter anderem zu kulturellen Einrichtungen wie dieser umgewandelt. Ein weiteres bekanntes Beispiel dafür ist die Zeche Carl in Essen. Es entstand die sogenannte Industriekultur. Basierend auf der Kompensation der untergehenden industriellen Struktur des Ruhrgebiets, wurde und wird damit versucht den nicht mehr genutzten Ruinen des sekundären Sektors einen neuen Verwendungszweck zu geben. Ebenso wollte man den Abriss alter industrieller, aber architektonisch wertvoller Gebäude möglichst verhindern. Sie sollten unter Denkmalschutz gestellt werden. So wurde die Zeche Zollverein in Essen 2001 sogar von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Auch wenn der Bahnhof Langendreer keine industrielle Anlage im eigentlichen Sinne ist, reiht er sich doch aufgrund seiner industriellen Architektur des Jugendstils und der damaligen Nutzung für den Güterverkehr in die Kategorie Industriedenkmal ein. Allerdings werden die ehemaligen Industrieanlagen nicht nur auf die Art und Weise für Kunst und Kultur genutzt, wie es im Bahnhof Langendreer der Fall ist. An vielen Orten entstanden deutlich erlebnisorientiertere Räume für große Massen. Beispielsweise wurde nach dem Abriss der meisten Teile des Oberhausener Stahlwerks Gutehoffnungshütte die Turbinenhalle zur Großraumdiskothek umfunktioniert. Ebenfalls in Oberhausen baute man auf dem Brachgelände der Thyssen AG ein Einkaufszentrum nach USamerikanischem Vorbild.
Der Soziologe Gerhard Schulze prägte Anfang der 1990er Jahre schließlich den Begriff Erlebnisgesellschaft. Dieser war auch Thema der Vorlesung „Interaktion und Kommunikation in personenbezogenen Dienstleistungen“ war, welche diesem Seminar vorausging. Schulze beschreibt damit eine Gesellschaft, bei der innerorientierte Lebensauffassungen eine relativ große Rolle spielen. Durch
3
zunehmende Nachfrage nach und steigendem Angebot an Erlebnissen entsteht ein Erlebnismarkt. 1
Die Industrie- wird also von einer Dienstleistungsgesellschaft abgelöst, welche sich vor allem auf Aspekte wie Glück, Spaß oder Erlebnis konzentriert. Der Strukturwandel des Ruhrgebiets scheint sich als praktisches Beispiel dafür besonders zu eignen. Die Einordnung von Kulturzentren wie dem Bahnhof Langendreer in das Gefüge Erlebnisgesellschaft scheint allerdings nicht ganz unproblematisch. Der Bahnhof Langendreer versteht sich als linksalternative soziokulturelle Einrichtung mit spezifischen Themen und Veranstaltungen, die weniger massentauglich ausgerichtet sind. Das Thema dieser Seminararbeit kann somit auch gleichzeitig als Hauptfragestellung betrachtet werden. Kann man den soziokulturellen Veranstaltungsort Bahnhof Langendreer überhaupt als Bestandteil der Schulze’schen Erlebnisgesellschaft bezeichnen? Zur weiteren Erschließung dessen wird im ersten Kapitel die Erlebnisgesellschaft mit einigen ihrer, für diese Hausarbeit relevanten, Facetten beschrieben. Das zweite Kapitel stellt dann den Bahnhof Langendreer vor. Die Aspekte der Erlebnisgesellschaft werden so in Relation zum Konzept des Bahnhof Langendreer gesetzt. Abschließend erfolgt ein Fazit.
2. Die Erlebnisgesellschaft
Den bereits angesprochenen gesellschaftlichen Wandel erkennt Funke auch in dem Übergang des Industrieraums zum Freizeitraum, der vermehrt Erlebnisse bietet. Kultur setzt sich somit davon ab eine Kunstanstrengung zu sein und findet sich in Alltagsverrichtungen wieder. 2
Schulze beschreibt, dass die obersten Ziele des Einzelnen in der hedonistischen Erlebnisgesellschaft möglichst viel Glückseligkeit und Genuss im „Hier und Jetzt“ sind. Die Erlebnisgesellschaft weist aber
1 Vgl. Schulze, 1996
2 1997, S. 306
4
auch postmaterialistische Werte auf. Diese wollen allerdings nicht zwanghaft die Konsumgesellschaft ablösen, sondern eben durch Konsum individuelle Lebensstile ausprägen. In diesem Zusammenhang beschreibt Erlebnisrationalität unterschiedliche Absichten bei der Erlebnissuche und eine subjektive Definitionen von Glück. Ein Erlebnis kann für einen Menschen als schön empfunden werden, was aber nicht zwingend für andere gelten muss. 3 Nach der Meinung Müller-Schneiders, ist die Suche nach Glück immer auch mit einer Steigerungslogik verbunden. Der Erlebnisreichtum soll ständig quantitativ und qualitativ überboten werden. 4 Müller-Schneider merkt weiterhin an, dass diese Ausführungen nicht nur für die Freizeit-, sondern auch für die Arbeitswelt gelten. Lag die Bedeutung von Arbeit sonst vorrangig auf der Lebenssicherung, so ist deren Bewertung mittlerweile verstärkt als Spaß und
Selbstverwirklichung zu betrachten. 5
2.1 Erlebnismarkt
Schulze definiert den Erlebnismarkt als eine Vielfalt an Konsumgütern und Dienstleistungen, die meist das Glücksbedürfnis des Einzelnen befriedigen sollen. Orientiert wird sich mit Hilfe individueller Präferenzen. Auf diese Interessen wird durch eine kollektive Interaktion zwischen Anbieter und Konsument bewusst eingegangen. Das Angebot wird der Nachfrage angepasst, indem vorher untersucht wird, was die Kunden überhaupt fordern. Aus unterschiedlichen Handlungsroutinen bei Anbietern und Nachfragern resultiert schließlich die Dynamik des Erlebnismarktes. 6 Auf dem Erlebnismarkt breiten sich komplexe
Situationsarrangements aus, die eigens für die Nachfrage nach
Erlebnissen konzipiert und zusammengestellt werden. Diese
Arrangements fungieren als ‚Orte des Glücks’, an denen positive
Gefühlswelten öffentlich in Szene gesetzt werden. 7
3 1996, S. 34 - 54
4 2000, S. 29
5 Ebd., S. 26
6 1996, S. 417 - 418
7 Müller-Schneider, 2000, S. 26
5
2.2 Die neue Segmentierung der Gesellschaft
Früher war es möglich anhand des Erscheinungsbildes eines Menschen Rückschlüsse auf dessen Position innerhalb der hierarchischen Ordnung der Gesellschaft zu ziehen, wie Funke festhält. Die Position lieferte wiederum Informationen bezüglich der Schichtzugehörigkeit der Person. Über den Besitz erfolgte die Zuordnung zu Klassen. Diese alten Instrumente zur Einordnung von Menschen in spezifische Gruppen sind heutzutage überholt. Als Grund benennt Funke die Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstandes durch wachsende Realeinkommen und dem Anstieg arbeitsfreier Zeit. 8 Heute enthalten Stil und Vorlieben eines Menschen kaum noch Hinweise auf seine Schichtzugehörigkeit: „Gleiche sozioökonomische Lebensbedingungen produzieren offensichtlich ungleiche Stilwelten.“ 9 Diese Entwicklung führte zu der Suche nach neuen Instrumenten, welche die Vergesellschaftung hinreichend beschreiben konnten.
2.2.1 Alltagsästhetische Schemata
Schulzes Zeichentheorie zufolge suchen Individuen Zeichen zur Orientierung an bereits bestehenden Erlebnismustern. Den Zeichen wird dann mehr oder weniger Bedeutung beigemessen. Die Zuordnung vollzieht sich über die Ebenen Genuss, Distinktion und Lebensphilosophie. Genuss steht für die Bedeutung schöner Erlebnisse, Distinktion beschreibt soziale Unterschiede und Lebensphilosophie impliziert grundlegende Wertvorstellungen. Die Zusammenfassung der unterschiedlichen Zeichen zu standardisierten Bedeutungsmustern bezeichnet Schulze als alltagsästhetische Schemata. 10
Schulze unterscheidet drei verschiedene Schemata, die den alltagsästhetischen Raum bilden. Anspruchsvollstes Schema ist das
8 1997, S. 307 - 309
9 Klein, 1997, S. 187
10 1996, S. 127 - 133
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Arbeit zitieren:
Roman Milenski, 2009, Dienstleistungen in der Erlebnisgesellschaft am Beispiel des Kulturzentrums Bahnhof Langendreer, München, GRIN Verlag GmbH
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