Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Korea-Krieg 4
2.1. Hintergrund 4
2.2. Entwicklung 5
(1) Die Kriegsvorbereitung1en und der Angriff von Nordkorea 5
(2) Die Intervention der Vereinten Nationen und Entsendung von UN-Truppen 6
(3) Der Kriegseintritt Chinas 7
(4) Festsitzen der Fronten und Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens 7
2.3. Ergebnis und Nachwirkungen 8
3. Ursachen 10
3.1 Der Kalte Krieg bis 1950 10
3.2 Die Teilung Koreas 14
3.3 Vom Bürgerkrieg zum Internationalen Konflikt (25. - 30. Juni) 18
4. Auswirkungen 22
4.1 Korea nach dem Krieg 22
4.2 Der Kalte Krieg nach 1953 24
4.3 Die deutsche Wiederbewaffnung 29
4.4 Auswirkungen auf den Rest der Welt 34
5. Kommentar der Übersetzung 37
Schlusswort : Korea heute 38
Personenregister 41
Zeittafel 42
Literaturverzeichnis 45
Prim ärliteratur 45
Sekund ärliteratur 45
Internetliteratur 46
2
1. Einleitung
Als ich eine Dokumentation über das Massaker von Nogunri sah, bei dem hunderte koreanische Flüchtlinge durch amerikanische Soldaten getötet wurden, wurde mein Interesse zum Korea-Krieg verstärkt. Ich begann Bücher und Zeitschriften zu lesen, sowie Dokumentationen und koreanische Spielfilme zu schauen, um ein tieferes Verständnis zu gewinnen. In einem Urlaubssemester flog ich nach Korea und besuchte viele Schauplätze des damaligen Krieges, wie zum Beispiel die DMZ, Panmunjeom, Nogeunri und das War Museum in Seoul. Aufgrund des angeeigneten Wissens wünschte ich mir dann bei meiner Bachelor-Arbeit einen Bezug auf den Korea-Krieg.
Da der Korea-Krieg in Deutschland auch der „unbekannte“ oder der „vergessene Krieg“ genannt wird, soll diese Arbeit die weitgreifende Bedeutung des Krieges, auch hier in Deutschland, in das Bewusstsein der heutigen Zeit rufen.
Die Auswirkungen des Krieges breiten sich in den unterschiedlichsten Themenbereichen aus, wie zum Beispiel Literatur, Film, Gesellschaft und Politik. Auf den folgenden Seiten soll verstärkt auf die global politischen Zusammenhänge eingegangen und ein besonderes Augenmerk auf Entwicklungen und Erkenntnisse der jüngeren Zeit gelegt werden.
Die koreanischen Eigennamen werden nach individuellen Methoden transkribiert, so wie die Namen in der deutschen Sprache am geläufigsten auftreten. Nach der ersten Erwähnung steht, falls abweichend, zusätzlich die revidierte Romanisierung. Diese ist die offizielle Transkription des Koreanischen seit dem Jahr 2000. Sie löste die seit 1984 übliche McCune-Reischauer-Transkription ab, was nun sehr oft zu nicht geläufigen Transkriptionen von Eigennamen führt.
2. Der Korea-Krieg
(Übersetzung aus „The 21st Century Woongjin Encyclopedia”)
Krieg, der am 25. Juni 1950 mit dem Überraschungsangriff der nordkoreanischen Volksarmee ausbrach. Der Korea-Krieg wird in Korea auch als „Krise vom 25.Juni“ oder einfach „6.25“, also 25. Juni, bezeichnet.
Die nordkoreanische Armee wagte den Erstangriff. Somit entfachte sich zwischen Süd- und Nordkorea der Bürgerkrieg. Als sich danach neben der U.S.-Army auch die Truppen der Vereinten Nationen und darauf die chinesische Rote Armee in das Kriegsgeschehen einmischten, artete er zu einem internationalen Krieg aus. Am 27. Juli 1953 wurden ein Waffenstillstandsabkommen getroffen und die Kampfhandlungen unterbrochen. Die militärische Spannung zwischen Nord- und Südkorea hält noch bis heute an.
2.1. Hintergrund
Nach der Unabhängigkeitserklärung vom 15. August 1945 bemühten sich die Koreaner einen vereinten Staat zu gründen. Amerika und die Sowjetunion jedoch teilten und besetzten das Land und setzten Militärregierungen ein. Der Entscheidung der „Moskauer Außenministerkonferenz“ der drei Großmächte USA, Großbritannien und Sowjetunion folgend, wurde 1946 und 1947 eine amerikanisch-sowjetische Kommission eröffnet, um über die Koreaproblematik zu debattieren. Nachdem keine Resultate erzielt werden konnten, übergaben die Amerikaner im September 1947 die Koreaproblematik den Vereinten Nationen. In der zweiten UN-Vollversammlung im November beschlossen die Vereinten Nationen, in Nord- und Südkorea gemeinsame Wahlen durchzuführen, eine koreanische Regierung und eine Sonderkommission, die sogenannte UNTCOK (United Nations Temporary Commission on Korea), zu gründen, die diese Wahl beaufsichtigen sollte. Aber die Sowjetunion und Nordkorea widersetzten sich dem Entschluss und ließen die UNTCOK das nordkoreanische Territorium nicht betreten. Einer UN-Versammlung vom Februar 1948 war es also nur möglich, in Südkorea Wahlen durchführen zu lassen. Daraufhin wurde in Südkorea am 10. Mai 1948 separat eine Regierung gewählt und am 15. August des gleichen Jahres die „Republik Korea“ gegründet. In Nordkorea hingegen wurde am 9. September die
„Demokratische Volksrepublik Nordkorea“ ausgerufen. Mit der Grenze am 38. Breitengrad wurden in Süd- und Nordkorea zwei politische Systeme mit gegensätzlichen Ideologien eingeführt. Beide Länder festigten ihre Staatsformen und beanspruchten jeweils das Recht für sich, das Land zu einen. Durch vereinzelte militärische Zwischenfälle blieb die unsichere Lage weiter bestehen.
2.2. Entwicklung
(1) Die Kriegsvorbereitung1en und der Angriff von Nordkorea
Sobald Kim Il-Sung (Gim Ilseong) die nordkoreanische Regierung gefestigt hatte, präsentierte er sich mit einer Politik eines ‚gleichzeitigen Rückzuges amerikanischer und sowjetischen Truppen’ und der ‚Einigung des Vaterlandes’. Kim Il-Sungs „Einigung“ sollte Korea vollständig kommunisieren. Dafür begann er militärische Außenbeziehungen für einen Krieg zu knüpfen und sich auf die Aufrüstung der Militärstreitkräfte zu konzentrieren. Sobald sowjetische Truppen im Land stationiert waren, bildete Nordkorea systematisch sein Militär aus und gründete im Februar 1948 die „Nordkoreanische Volksarmee“. Die Streitkraft wuchs, als ab der zweiten Hälfte des Jahres 1948 mehr als 20.000 koreanische Soldaten der Kommunistischen Partei Chinas in die nordkoreanische Armee eingetreten waren. Besonders ab September 1949 unterstützte die Sowjetunion im großen Maße die nordkoreanische Armee, welche mittlerweile zu einer beachtlichen Streitmacht geworden war. Als sich 1949 die U.S.-Army zurückzog und China kommunistisch wurde, gewann Kim Il-Sung die Zuversicht, das Land unter dem Kommunismus zu einen. So besuchte er Ende 1949, Anfang 1950 die Sowjet-Union und holte auf einer gemeinsamen Konferenz mit Stalin das sowjetische Einverständnis zu einem Krieg. Auch Mao Zedong sicherte Chinas Unterstützung zu.
Das somit zum Krieg gerüstete Nordkorea überschritt um 4 Uhr morgens des 25. Juni 1950 den 38. Breitengrad, der von der Halbinsel Ongjin an der Westküste bis zur Ostküste reicht, und vollzog somit einen Überraschungsangriff. Die südkoreanische Armee, die zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage war, sich der Situation zu stellen, zog sich zurück. So besetzten die Truppen Nordkoreas am 27. Juni zunächst Seoul, überschritten am 3. Juli den Han, der durch Seoul fließt, und bewegten sich weiter Richtung Süden. Der südliche Vorstoß der nordkoreanischen Truppen kam am Nakdong, einem Fluss im Südosten Koreas, zum Stillstand.
Als die UNO-Truppen am 15. September 1950 in Incheon, einer Hafenstadt westlich von Seoul, landeten, wendete sich die Kriegssituation, und die nordkoreanische Armee zog sich nach Norden zurück. Im Zeitraum, in dem Nordkorea den Großteil Südkoreas besetzte, gründete es dort ein ‚Bürgerkomitee’ und zwang so genannte ‚freiwillige Soldaten’, die nordkoreanische Streitmacht zu füllen. Es eröffnete ein Bürgergericht und entfernte Personen, welche sich der nordkoreanischen Politik widersetzten.
(2) Die Intervention der Vereinten Nationen und Entsendung von UN-Truppen
Als der Krieg ausbrach, berief die USA eine Sicherheitsversammlung ein. Am 26. Juni verurteilte sie den Angriff Nordkoreas als Aggressionsakt und forderte den Rückzug der nordkoreanischen Truppen nördlich des 38. Breitengrades. Doch als Nordkorea weiter südlich vorstieß, befahl der amerikanische Präsident Harry S. Truman am 27. Juni der US Navy und Air Force die südkoreanischen Truppen zu unterstützen. Am selben Tag entschied das UN-Sicherheitskomitee den Angriff Nordkoreas zurückzuwerfen. Die Mitgliedsländer stimmten für die Wiederherstellung des internationalen Friedens und der Sicherheit und boten deshalb Südkorea Unterstützung an und gewährten den USA den Kriegseintritt. Am 7. Juli beschlossen sie eine Resolution, welche den USA die Befehlsmacht über die UN-Truppen gab. Sie stellten den Amerikaner Douglas MacArthur als Oberbefehlshaber ein und entschieden sich für die Entsendung von UN-Truppen. Schließlich nahmen 16 Nationen, mit den USA als zentrale Rolle, England, Australien, Niederlande, Kanada, Neuseeland, Frankreich, Philippinen, Türkei, Thailand, Griechenland, Südafrika, Belgien, Luxemburg, Kolumbien und Äthiopien, zu Boden, See und Luft am Krieg teil und lieferten Ausrüstung.
Nach der erfolgreichen Landungsoperation bei Incheon am 15. September eroberten die UN-Truppen am 28. September Seoul zurück, schritten weiter nordwärts und erreichten am 1. Oktober den 38. Breitengrad. Gemäß der Erlaubnis der UN-Generalversammlung vom 7. Oktober weiter zu marschieren, überschritten sie den 38. Breitengrad und rückten bis zu den Flüssen Yalu (in Korea Amnok genannt) und Tumen (Duman) vor. Als die chinesische Armee im Dezember 1950 ins Kriegsgeschehen eingriff, forderte die UN-Generalversammlung im Februar des nächsten Jahres den Rückzug der Truppen Chinas und entschied sich für eine Resolution, die China als Invasor verurteilte.
(3) Der Kriegseintritt Chinas
Da Nordkorea ein beinahe identisches kommunistisches System hatte, war China um den Zusammenbruch Nordkoreas besorgt. Als die UN-Truppen inzwischen den 38. Breitengrad durchbrachen und weiter nordwärts vordrangen, kritisierte der chinesische Sender „Beijing-Broadcast“ am 9. Oktober ‚die Überschreitung des 38. Breitengrades der UN-Truppen als drohende Gefahr für die Sicherheit Chinas‘. Als die Truppen der UN bis an die Flüsse Yalu und Tumen vorrückten, publizierte es das Leitwort „Amerika zu widersetzten, Nordkorea zu helfen und China zu beschützen“. China verkündete am 4. November 1950 offiziell den Kriegseintritt Chinas.
China mobilisierte eine 200.000 Mann starke Streitkraft. Diese griff die Truppen der Vereinten Nationen mit der so genannten „Strategie der menschlichen Wellen“ an, eine Strategie, die den Feind durch zahlenmäßige Überlegenheit und ohne Rücksicht auf Verluste überrollt. Die Truppen der UNO zogen sich weiter zurück und gaben am 4. Januar erneut Seoul auf. Die südkoreanische Regierung verlegte die Hauptstadt nochmals nach Pusan. Aus dem nordkoreanischen Gebiet flohen auch viele Zivilisten über den 38. Breitengrad in den Süden. Ende Januar startete die Armee der Vereinten Nationen den Gegenangriff, befreite am 14. März Seoul und überschritt am 24. März ein weiteres Mal den 38. Breitengrad. Während sich die UNO-Truppen und die kommunistische Armee darauf in fortwährende Nahkämpfe verstrickten, fiel die Frontbewegung in einen Stillstand und eine Waffenstillstandskonferenz wurde eröffnet.
Nachdem China in den Krieg eintrat, stritten der amerikanische Präsident Harry S. Truman und der Obertruppenbefehlshaber der UNO-Truppen Douglas MacArthur, ob sie China angreifen sollten. MacArthur wollte die Mandschurei bombardieren und das gesamte militärische Arsenal mobilisieren, um China anzugreifen. Doch Truman widersetzte sich einer Ausweitung des Krieges. Schließlich entließ er am 11. April 1951 MacArthur von seinem Amt und ersetzte ihn durch General Matthew B. Ridgway.
(4) Festsitzen der Fronten und Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens
Im Juni 1951 kam es am 38. Breitengrad zu heftigen Nahkämpfen zwischen den Truppen der UNO und der Roten Armee, doch eine Verschiebung der Frontlinien gab es kaum.
Währenddessen schlug der russische Vertreter bei den Vereinten Nationen Jakow Malik am 23. Juni 1951 einen Waffenstillstand vor, welcher seitens der UN akzeptiert wurde. Beide Parteien diskutierten in den Waffenstillstandsverhandlungen, welche am 8. Juli 1951 begannen, die auf der Tagesordnung gesetzten Fragen einer Festlegung einer Demarkationslinie, der Durchführung des Waffenstillstandes, eines Austausches der Kriegsgefangenen und der Empfehlungen an die im Krieg beteiligten Regierungen. Da sich beide Seiten nicht so leicht einigen konnten, zogen sich die Verhandlungen beinahe zwei Jahre hin, während die Kampfhandlungen weitergingen. Besonders bei der Frage der Rückführung der Kriegsgefangenen war keine Einigung in Sicht. Die UN bestand darauf, dass nur die Kriegsgefangenen zurückgeführt werden sollten, die freiwillig in ihre Heimat zurück wollten; die Kommunisten wollten eine „bedingungslose“ Rückführung, nämlich eine „Zwangsrepatriierung“ aller Nordkoreaner und Chinesen. So wurde das
Waffenstillstandsabkommen für lange Zeit vertagt. 1953 wurde in Amerika Dwight D. Eisenhower, welcher auf ein Beenden des Korea-Krieges drang, zum Präsidenten gewählt. In Russland starb der Diktator Stalin, und Nikita Chruschtschow trat an die Macht. Auf Drängen der neuen Oberhäupter in den USA und Russland wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Der südkoreanische Präsident Syngman Rhee (I Seungman) war gegen einen Waffenstillstand und nahm an den Waffenstillstandsverhandlungen nicht teil. Doch aufgrund von Versprechungen, wie des Abschlusses eines „Koreanisch-Amerikanischen-Verteidigungsvertrages“, eines langwierigen militärisch-ökonomischen Beistandes und einer Unterstützung der südkoreanischen Armee, akzeptierte er den Waffenstillstand.
2.3. Ergebnis und Nachwirkungen
Der Korea-Krieg war der tragischste Vorfall in der Geschichte Koreas und verursachte riesige Schäden beim koreanischen Volk. In Süd- und Nordkorea gab es insgesamt mindestens vier bis fünf Millionen Tote, Verletzte und Vermisste, größtenteils unter den Zivilisten. Ungefähr 60.000 wurden Kriegswaise, 10 Millionen Familien getrennt, daneben 150.000 Soldaten der UN und 900.000 chinesische Soldaten verletzt oder getötet. Außerdem wurden durch die harten Gefechte die gesellschaftlich-ökonomische Grundlage wie Industrie, Infrastruktur, Kommunikationswesen und Wohnungen beinahe vollständig zerstört. Doch verglichen mit dem Schaden an Mensch und Material war etwas noch Tragischeres festzustellen: das Entstehen von Misstrauen und Feindseligkeit innerhalb des koreanischen Volkes. Mit den Erfahrungen des Krieges wurden in Süd- und Nordkorea ein gegenseitiger Hass und Rachegelüste gesät und der Trend zu einer Spaltung der Nation tat sich auf. Dies wurde in
Südkorea dazu benutzt, ein solides antikommunistisches System zu etablieren, und in Nordkorea wurden „Anti-Amerika“ und „Stürzung Südkoreas“ zu den wichtigsten Schlagwörtern.
3. Ursachen
1
3.1 Der Kalte Krieg bis 1950
Der Kalte Krieg war die Folge eines fundamentalen Systemgegensatzes, den man auch als „Ost-West-Konflikt“ bezeichnet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich zwei feindliche Machtblöcke und die jeweils zugehörigen Militärbündnisse: die NATO (North Atlantic Treaty Organisation) und die Staaten des Warschauer Paktes. Die territoriale Ausdehnung der beiden Machtblöcke in Europa entsprach weitgehend ihrer militärischen Präsenz unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Bündnissysteme standen sich militärisch hochgerüstet gegenüber und prägten jahrzehntelang eine vielfach als "bipolare Welt" bezeichnete Situation.
Einige Historiker sehen bereits die Oktoberrevolution der Bolschewiki unter Lenin aus dem Jahre 1917 als Beginn des Kalten Krieges. Die USA und andere Westmächte versuchten durch Interventionstruppen die Machtübernahme Lenins zu vereiteln. Das Scheitern veranlasste den ersten Bruch zwischen der „westlichen Welt“ und dem neuen Russland. Im Jahre 1933 erst erkannten die USA den neuen Staat UdSSR an. 2
In der Konferenz der „Großen Drei“ in Teheran vom 28. November bis 1. Dezember 1943 einigten sich die USA, Großbritannien und die Sowjetunion auf eine enge Zusammenarbeit, um das Deutsche Reich zu zerschlagen. 3 Es zeigte sich jedoch, dass die militärische Koalition ein reines Zweckbündnis war. Die getroffenen Vereinbarungen der Nachkriegspolitik blieben unverbindlich. Man akzeptierte die sowjetische Expansion während des Zweiten Weltkrieges, da man auf die sowjetische Hilfe angewiesen war und glaubte, dass Stalin sich bloß um die Sicherheit des eigenen Landes sorgte. Die Vereinigten Staaten lieferten den Sowjets sogar Kriegsmaterial, das sogenannte ‚Leih- und Pachtgesetz‘ (Lend-Lease Act). 4
Auf den darauf folgenden Konferenzen von Jalta vom 4. bis 11. Februar und Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945 offenbarten sich in der „Anti-Hitler-Koalition“ enorme Meinungsunterschiede über die Nachkriegsordnung in Europa. Roosevelt wollte der UdSSR
1 Die folgende Darstellung stützt sich auf: Steininger, 2006: S. 18-37
2 Steininger, 2006: S. 22
3 Boesch / Schläpfer, 1997: S.227
4 Ball, 1998: S. 9-11
keine Garantien für die Nachkriegszeit zusagen, obwohl die Rote Armee die weitaus größeren Verluste und Kriegszerstörungen zu beklagen hatte. Stalin begann mittlerweile in Ost- und Mitteleuropa kommunistische Regierungen zu etablieren.
Mit dem Tode Roosevelt am 12. April 1945 zerbrach die Anti-Hitler-Koalition. Sein Nachfolger Harry S. Truman verfolgte eine antisowjetische und antikommunistische Politik. Er verlangte die sowjetische Kriegserklärung an Japan, die am 8. August erfolgte. 1,5 Millionen Soldaten der Roten Armee zogen in der ‚Operation Auguststurm‘ in den Krieg gegen Japan. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9.August) seien, laut US-Historiker David Horowitz, gezielte Machtdemonstrationen an die UdSSR gewesen. 5 Ein weiter Abwurf sollte ab dem 17. August folgen, die Atombombe war schon unterwegs Richtung Japan. Als Ziel war Tokio vorgesehen, „von Feuerangriffen schon grob verwüstet, doch voll von Abermillionen Lebendiggebliebener. Ihr Ende würde einen ‚psychologischen Effekt auf die Staatsführung‘ nicht verfehlen“. 6
In der Nacht des 14. August verkündete der japanische Kaiser Hirohito die bedingungslose Kapitulation Japans. Der Zweite Weltkrieg war beendet.
Die USA konnten aufgrund des Atombombenmonopols, welches bis 1949 hielt, und der wirtschaftlichen Führungsposition weiterhin darauf vertrauen, der Sowjetunion überlegen zu sein. Sie wollten ein vereintes Europa auf privatwirtschaftlicher Basis gründen. Die Sowjets wollten jedoch ihre Sicherheitssphäre in Europa nicht aufgeben. Die Zahl der Soldaten der Roten Armee war der der westlichen Alliierten weitaus überlegen, und hätte das Atombombenmonopol nicht in amerikanischer Hand gelegen, wäre „das Stalin-Reich die einzig verbliebene Weltmacht gewesen“. 7 Anfang 1949 rechnete man mit 155 Divisionen, weitere 115 Divisionen in den sowjetischen Satellitenstaaten und 1,5 Millionen rotchinesische Soldaten. Im Falle eines Krieges hätte Russland seine Streitmacht innerhalb ein, zwei Jahre auf 774 Divisionen aufstocken können, genug um gleichzeitig in Europa, im Mittleren Osten und Asien Krieg führen zu können.
Am 12. März 1947 hielt Truman vor dem amerikanischen Kongress eine Rede, die als „Truman-Doktrin“ in die Annalen einging. Er versprach, dass die USA „allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist“, Beistand
5 1983: S. 48
6 Friedrich, 2007: S. 16
7 Friedrich, 2007: S. 42
leisten werden. 8 Grund dieser Rede war die Lage in Griechenland und der Türkei, die in Gefahr liefen, kommunistische Regime zu erhalten. Oft wird auch gerade diese Doktrin als der Auslöser des Kalten Krieges betrachtet. 9
Als die in Potsdam vereinbarte gemeinsame Deutschlandpolitik als nicht realisierbar erkannt wurde, reagierten die Amerikaner mit dem Marshall-Plan, offiziell European Recovery Program (ERP) genannt. 13,1 Milliarden US-Dollar (entspricht im Jahr 2008 etwa 100 Milliarden Euro) wurden von 1948 bis 1952 investiert, um drei Ziele zu verfolgen: Hilfe für die notleidenden Kriegsopfer, Schaffung eines Absatzmarktes für die amerikanische Überproduktion und Eindämmung der kommunistischen Sowjetunion. 10 Die Hilfe war an alle europäischen Staaten gerichtet, sogar an die Sowjetunion selbst. Die UdSSR verbot jedoch den Staaten des sowjetischen Einflussbereiches am Europäischen Wiederaufbauprogramm teilzunehmen. Somit begann die Blockbildung zwischen Ost und West.
In den drei Westzonen Deutschlands führten die westlichen Alliierten Anfang 1948 eine Währungsreform durch, welches die Sowjetunion wiederum veranlasste, am 24. Juni 1948 eine vollkommene Handels- und Wirtschaftsblockade in Berlin aufzustellen. Sie war der Meinung, dass die anderen Besatzungsmächte Deutschlands gegen die Potsdamer Erklärung verstießen und dessen Bruch suchten. Die UdSSR versuchte damit, die Versorgung West-Berlins zum Erliegen zu bringen, um die Amerikaner, Briten und Franzosen zu einem Abzug der Besatzungstruppen aus Berlin zu zwingen. Verhindert wurde dies mit der so genannten „Luftbrücke“. Zwei Millionen Menschen in West-Berlin wurden bis zur Aufhebung der Blockade am 12. Mai 1949 aus der Luft versorgt. Rund 280.000 Flüge wurden es insgesamt. Oft flogen 40 Flugzeuge gleichzeitig, auf fünf Ebenen im Drei-Minuten-Takt. Die Berlin-Blockade war bis dahin der Höhepunkt des Kalten Krieges. 11
Der Westen, aber auch der Osten Europas, stärkte daraufhin seine politische sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit. Am 23. Mai 1949 wurden mit der Verkündung des Grundgesetzes die drei Westzonen Deutschlands zur Bundesrepublik Deutschland vereint, am 7. Oktober antwortete der Ostblock mit der Gründung der DDR. Mit der Teilung Nachkriegsdeutschlands in zwei Staaten und der Unterzeichnung des NATO-Vertrages und
8 Choi, 1994: S. 67-72
9 Meiertöns, 2006: S.27
10 Choi, 1994: S. 74-76
11 Der Spiegel Nr. 25, 2008: S.49
der Gründung des Warschauer Paktes, wurde die Teilung in eine bipolare Weltordnung gefestigt. 12
Mit der ersten erfolgreichen Explosion einer sowjetischen Atombombe am 29. August 1949, begann sich das Blatt langsam zu wenden. Den Krieg in China gewannen die Kommunisten und Mao Zedong rief am 1. Oktober die Volksrepublik China aus. Stalin gewann mit Mao einen mächtigen Verbündeten, der den Lauf des Kalten Krieges entscheidend mit beeinflusste. Die USA verstärkten ihre Eindämmungspolitik, erkannten die neue chinesische Regierung nicht an und verweigerten der Volksrepublik China den Beitritt in die Vereinten Nationen. Die Souveränität der Westmächte schien sich aufzulösen, die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges stieg von Tag zu Tag. Spätestens in fünf Jahren würde das Mächteverhältnis nicht mehr eindeutig bei den Westmächten liegen.
Im Falle eines Angriffes der Kommunisten auf Südkorea, äußerten sich die Stabschefs der USA, dass den Amerikanern die koreanische Halbinsel nur von geringer strategischer Bedeutung für sie sei. Sie konzentrierten sich nun mehr auf Japan, um es zu einem Gegengewicht zum kommunistischen China aufzubauen. Sie sagten aber vor der NATO auch aus, dass sie jeden nicht näher definierten kommunistischen Expansionsversuch mit „massiver Vergeltung“ (massive retaliation) ahnden werden. Die Briten waren Anfang 1950 besorgt, dass die Vereinigten Staaten bereit waren, einen atomaren Krieg mit Russland auszulösen. Die verbreitete Haltung wäre dort nämlich, dass wenn die USA gegen die Sowjetunion in den Krieg ziehen würde, sie es am Besten so früh wie möglich sollten, um ihre atomare Überlegenheit noch ausnutzen zu können.
Die Sorge verbreitete sich auf den Rest der Welt, als am Morgen des 25. Juni 1950 mit einem Überfall des stalinistischen Nordens auf den Süden der Korea-Krieg ausbrach. Trotz wiederholten Warnungen des amerikanischen Geheimdienstes, dass Nordkorea massiv aufrüste, rechnete niemand mit diesem Angriff. Der Kalte Krieg war zum ersten Mal heiß geworden.
12 Spiegel Special - Geschichte Nr. 3, 2008: S. 9-12
13
3.2 Die Teilung Koreas
Nachdem Japan 1895 den Krieg gegen China und 1905 auch den gegen Russland gewonnen hatte, musste China Taiwan und die Pescadores-Inseln abtreten und die „volle und umfassende Souveränität Koreas anerkennen“. 14
1910 wurde Korea von Japan annektiert und bis ins Jahr 1945 skrupellos ausgebeutet. 1919 wurden bei einem Aufstand Tausende Koreaner erschossen und 50.000 verhaftet. Koreanisch wurde als Amtssprache verboten, sodass bis 1945 die Analphabetenrate in der koreanischen Bevölkerung 80 Prozent betrug. Hunderttausende Männer mussten in Bergwerken oder in der Rüstungsindustrie arbeiten, und weitere Hunderttausende Frauen wurden als Trostfrauen in Bordelle der japanischen Armee eingesetzt. 15 Mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki endete der Zweite Weltkrieg, und Japan unterzeichnete seine bedingungslose Kapitulation. Das koreanische Volk konnte endlich auf Unabhängigkeit und Frieden hoffen. Leider sollte es ganz anders kommen.
Deutschland wurde besetzt und geteilt, da es aufgrund des Auslösens der beiden Weltkriege vollständig demilitarisiert werden sollte und als Aggressor noch immer eine Gefahr für den Weltfrieden darstellte. Korea hingegen fiel in seiner gesamten Geschichte noch nie in ein anderes Land ein, hatte weder Armee noch Rüstungsindustrie und stellte so weder für die USA noch für die Sowjetunion eine Bedrohung dar. 16 Zunächst schienen auch die alliierten Mächte alles dafür in die Wege zu leiten, damit Korea endlich seine verdiente Unabhängigkeit erlange. In der Kairoer-Erklärung vom 1. Dezember verkündeten die USA, Großbritannien und China, dass „Korea, im Hinblick auf die Unterdrückung und Versklavung der koreanischen Bevölkerung, zu gegebener Zeit seine Freiheit und Unabhängigkeit zurückerhalten solle“. 17 Selbst Stalin billigte dies in der Konferenz von Teheran im November 1943, obwohl er sich zu dieser Zeit noch mit Japan im Friedenszustand befand.
Februar 1945 vereinbarte der Präsident der Vereinigten Staaten Franklin D. Roosevelt in Jalta mit Stalin eine Treuhänderschaft über Korea. Die Sowjetunion, die USA, China und England sollten diese für mindestens zwanzig Jahre übernehmen. Außerdem vereinbarten sie, dass
13 Die folgende Darstellung stützt sich auf: Steininger, 2008: S. 13-27
14 Choi, 1994: S. 8
15 Steininger, 2006: S. 13
16 Kern / Köllner, 2005: S. 280
17 Ball, 1998: S. 42
keine ausländischen Truppen nach Beenden des Zweiten Weltkrieges in Korea stationiert werden sollten.
Die Amerikaner befürchteten, dass selbst nach den Atombombenabwürfen auf Japan sich die japanische Armee in der Mandschurei nicht ergeben würde. Deswegen förderte die USA den sowjetischen Kampf in der Mandschurei, in der Hoffnung, dass sie die „Kwangtong-Armee“, so der Name der japanischen Truppen in der Mandschurei, vernichten könnte. Stalin wollte dafür sämtliche territorialen Ansprüche in Ostasien, welche die Sowjetunion im russisch-japanischen Krieg 1904-1905 an Japan verlor. Außerdem wolle Stalin das Einverständnis der USA die Kurilen-Inseln besetzten zu dürfen. In der Potsdamer Konferenz wurde nicht näher auf die Zukunft Koreas eingegangen, bloß dass die Vereinbarungen der Kairoer Erklärung realisiert werden sollten. In anderen militärischen Unterhaltungen in Potsdam einigte man sich aber auf eine Aufteilung Koreas für Luft- und Seeoperationen. Landeoperationen waren noch keine vorgesehen, und somit wurden auch keine Vereinbarungen darüber getroffen. 18
Am 6. August 1945 warfen die USA eine Atombombe über Hiroshima ab, am 9. August eine weitere auf Nagasaki. 155.000 Menschen starben sofort, weitere 110.000 innerhalb der nächsten Woche an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Zwei Tage nach dem ersten Abwurf übergab der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow dem japanischen Botschafter die Kriegserklärung. Am 12. August hatte die Sowjetunion die Mandschurei erobert und ihre Besatzungszone schon auf Korea ausgedehnt. „Es war ein großer Fehler der USA“, so Sung-Sun Cho, „dass die USA auf der Potsdamer Konferenz keine konkreten Kompromiss über die Besetzung Koreas schlossen“. 19 Amerika musste zwar verhindern, dass die Sowjetunion die gesamte koreanische Halbinsel erobert, doch zur gleichen Zeit musste es die Kapitulation Japans vorbereiten. Da die nächstgelegen amerikanischen Truppen tausend Kilometer entfernt auf Okinawa stationiert waren, während die Rote Armee vom 11. auf den 12. August an der Ostküste Koreas 80 Kilometer südlich vordrangen, blieb ihnen nichts anderes übrig als zumindest eine Demarkationslinie vorzuschlagen. Da die unerwartet schnelle Kapitulation Japans die USA überforderte und weder Pläne noch Truppen für Korea verfügbar waren, war die amerikanische Regierung sehr zufrieden, als Stalin den 38. Breitengrad als Demarkationslinie akzeptierte.
18 Choi, 1994: S. 14-16
19 Choi, 1994: S. 18
Am 2. September 1945 veröffentlichte der Oberbefehlshaber der alliierten Truppen im Pazifik General Douglas McArthur die „General Order No. 1“, die die rechtliche Grundlage für die Besetzung Koreas durch die USA und der Sowjetunion bildete. Somit gingen sämtliche Souveränitätsrechte von den Japanern an die Sowjets und Amerikaner über. Nach der Einteilung in zwei Besatzungszonen wurde das Korea-Problem ausführlicher auf der Moskauer Außenministerkonferenz der drei Großmächte USA, Sowjetunion und Großbritannien vom 16. Bis 26. Dezember 1945 diskutiert, um endlich eine Regelung für die Treuhänderschaft über das Nachkriegs-Korea zu formulieren. Man einigte sich darauf, eine provisorische demokratische Regierung in Korea zu gründen und eine amerikanischsowjetische Kommission zu bilden, welche das Errichten der koreanischen Regierung unterstützen und beraten sollte. Die Treuhänderschaft der USA, UdSSR, GB und China wurde auf bis zu fünf Jahre festgelegt. Am Anfang des Jahres sprach man noch von zwanzig bis dreißig Jahren.
Obwohl eine multinationale Treuhänderschaft von der großen Mehrheit des koreanischen Volkes abgelehnt wurde, setzte sich die amerikanisch-sowjetische Kommission am 20. März 1946 in Seoul zum ersten Mal zusammen. Die Sowjetunion beharrte auf ihrer Meinung, dass die Kommission sich nur von den Parteien beraten lassen soll, die zuvor für die Treuhänderschaft anstatt einer sofortigen Souveränität eintraten. Dies tat in Südkorea keine der Parteien, außer den Kommunisten. Die Amerikaner bestanden auch auf die Teilnahme aller anderen Parteien, da sie ja immerhin die Mehrheit der koreanischen Bevölkerung repräsentierten. So verhandelte man bis zum 6. Mai erfolglos weiter, um sich dann auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Die amerikanisch-sowjetische Kommission war eine der „größten Farcen auf dem Gebiet internationaler Zusammenarbeit zwischen den Westmächten und der Sowjetunion“. 20
Die Lage in Südkorea verschlechterte sich aufgrund der Demarkationslinie mehr und mehr. Das Transportwesen brach zusammen, der Schwarzmarkt trieb Preise für alltägliche Güter ins Unermessliche, Wasserleitungen froren zu, der Strom fiel ständig aus und Korruption und große Unzufriedenheit überkam das Land.
Nachdem der amerikanische Präsident am 12. März 1947 die „Truman-Doktrin“ hielt, verlangte der US-Außenminister George Marshall ein erneutes Treffen der amerikanischsowjetischen Kommission. 21 Von Mai bis August kam man noch mehrere Male zusammen, jedoch wieder ohne Ergebnis. Das State Department schlug Molotow nun vor, eine Konferenz
20 Steininger, 2006: S. 20
21 Steininger, zit. nach Truman, 2006: S. 25
mit Einbeziehung von Großbritannien und China einzuberufen, um endlich gemeinsame Wahlen in Korea durchzuführen. Molotow lehnte dies ab, da ja die Arbeit der sowjetischamerikanischen Kommission noch nicht beendet sei, und der Vorschlag zur Teilung Koreas führen würde. So inhaltslos argumentierte Russland schon in Deutschland, und dort kam es gerade wegen dieser sowjetischen Haltung zu einer Teilung des Landes. Da mit der Haltung der Sowjetunion keine Einigung zu erzielen war, übertrugen die USA am 17. September 1947 das Koreaproblem den Vereinten Nationen, die mit 43 Stimmen bei sechs Enthaltungen entschied, eine UN-Kommission, die sogenannte UNTCOK (United Nations Temporary Commission on Korea), zu gründen. Die UNTCOK sollte in ganz Korea freie, geheime und demokratische Wahlen für eine koreanische Nationalversammlung bis spätestens Ende März 1948 verwirklicht haben.
Der Krieg in China verlief mittlerweile anders, als von den USA erhofft. Weil das Koreaproblem nun der UN übertragen wurde, wollten die Vereinigten Stabchefs (Joint Chiefs of Staff), wenn möglich, die amerikanischen Truppen abziehen lassen, um im Falle eines Krieges gegen die Sowjetunion von Japan aus mit der US Air Force das asiatische Festland anzugreifen. Bodenoperationen in Korea seien dafür viel zu kostspielig, und Truppen in Deutschland, Österreich und dem Nahen Osten wären vorrangig. Dann wurde der UN-Kommission Anfang Januar 1948 vom sowjetischen
Befehlshaber die Einreise nach Nordkorea verweigert, und sie verkündete im Februar, dass sie somit nur Wahlen in Südkorea stattfinden lassen konnte. Da die Sowjets die UNTCOK nicht nordkoreanischen Terrain betreten ließen, folgerten die USA daraus, dass die Sowjetunion versuche, ganz Korea unter dem Kommunismus zu einen. Südkorea müsse demnach militärisch aufgerüstet werden, um einen Angriff des Nordens aufhalten zu können. Wenn eine südkoreanische Regierung gewählt war, sollte man bis zum Ende 1948 bereit für einen Rückzug der amerikanischen Armee sein. „Die USA sollen in das Koreaproblem nicht so unausweichlich verwickelt werden“. 22
Die angekündigten Wahlen fanden schließlich in Südkorea am 10. Mai 1948 statt. „Sie waren weder frei, noch geheim, noch demokratisch“. 23 Viele Südkoreaner befürchteten, dass durch die Wahlen das Land endgültig geteilt wurde, und viele Demonstrationen fanden statt. Die südkoreanische Polizei deutete diese als kommunistische Umsturzversuche und zog drastische Maßnahmen. Neben etlichen Toten wurden mindestens zehntausend Menschen verhaftet und
22 Steininger, 2006: S.26
23 Steininger, 2006: S. 26
über die Großstädte wurde der Ausnahmezustand verhängt. Sämtliche kommunistische Parteien wurden bis heute verboten. Sieger der Wahlen wurde der 73-jährige Syngman Rhee, Führer der stärksten Rechtspartei. Die Nationalversammlung wählte ihn am 17. Juli 1948 mit 180 zu 16 Stimmen zum ersten Präsidenten Südkoreas.
Ein Monat später, am 15. August 1948, wurde in der Hauptstadt Seoul die Republik Korea ausgerufen. Sie wurde von der UNO als der einzige rechtmäßige Vertreter Koreas anerkannt, umfasst jedoch nur das Gebiet südlich des 38. Breitengrades.
In Nordkorea beschloss inzwischen am 10.Juli ein „Volkskongress“ eine Verfassung und wählte am 25. August eine Volksversammlung. Die Wahlen der Nordkoreaner, „die noch weniger frei und geheim waren als jene im Süden“, 24 fanden am selben Tag statt. Am 9. September wurde in Nordkorea mit Pjöngjang als Hauptstadt und Kim Il-Sung als Regierungschef die Demokratische Republik Nordkorea gegründet. Auch die Regierung Nordkoreas beanspruchte das Recht für sich, die einzig legitimen Vertreter Koreas zu sein.
Der Abzug sowjetischer Truppen erfolgte Dezember 1948. Ein halbes Jahr später erst zog auch die amerikanische Armee aus Korea ab.
3.3 Vom Bürgerkrieg zum Internationalen Konflikt (25. - 30.
25
Juni)
Wer in den frühen Morgenstunden des Sonntagmorgens den Angriff auslöste, ist bis heute ungewiss. Auf der Halbinsel Ongjin, südlich des 38. Breitengrades, kam es schon vor Kriegsausbruch einige Male zu Grenzüberschreitungen und kleinen Gefechten, und oft hatte Südkorea diese Plänkeleien angezettelt. Es gab bis zum Ende des Kalten Krieges im Wesentlichen drei Theorien, wie und warum es zu dem Überraschungsangriff auf Südkorea kam.
Die erste besagt, dass Kim Il-Sung (Kim Ilseong) die Regierung Syngman Rhees stürzen wollte, um Korea zu einen. Der Norden war dem Süden militärisch weit überlegen, 26 und nachdem Südkorea nicht mehr im Interessenbereich der USA lag, schien dies für den Nordkoreaner auch kein risikoreiches Unterfangen zu sein.
24 Steininger, 2006: S. 27
25 Der folgende Text stützt sich auf: Stuck, 2006: S.10-28
26 Rosenkranz, 1991: S. 28-30
Eine weitere Theorie besagt, dass der Angriff Stalins Plan war, um die USA in Asien zu beschäftigen. Damit wäre er in der Lage sich in Europa Raum zu verschaffen, während sich die Kräfte der USA im Kampf mit Nordkorea und China verzettelten und die eigenen schonten.
Die Behauptung, die in der östlichen Welt bis zum Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1991 als einzig offizielle galt, geht davon aus, dass Syngman Rhee selbst den Angriff provoziert hatte. Somit konnten die USA eingreifen und das Land unter seine Herrschaft bringen. Den Amerikanern stünde dann sogar die Option offen, sich an den kommunistischen Sieg Mao Zedongs in China zu rächen und eventuell endgültig den Kommunismus zu besiegen. Wegen der großen Mühen der USA zu Beginn des Krieges und weil Truman unbedingt den Krieg auf Korea begrenzen wollte, ist diese Theorie jedoch als eher unwahrscheinlich anzusehen. 27
Aufgrund von Dokumenten, welche nach der Auflösung der Sowjetunion ans Tageslicht traten, ist heute mit großer Wahrscheinlichkeit zu sagen, dass Kim Il-Sung selber den Angriff plante und diesen mit Stalin und auch Mao absprach. 28
Was auf das Geplänkel in Ongjin folgte, kann heutzutage ziemlich genau rekonstruiert werden. Nordkoreanische Artillerie beschoss an sechs weiteren Orten entlang des 38. Breitengrades südkoreanische Stellungen, und kurz darauf stürmten 90.000 nordkoreanische Soldaten an mehreren Stellen über die Demarkationsline Richtung Süden. 29 Einige Truppen landeten auch mit Booten an der Ostküste Südkoreas. Um 9:30 Uhr besetzten die Angreifer die Stadt Kaesŏng (Gaeseong), eine Schlüsselposition an der Eisenbahnlinie, die nach Seoul führte. Zwei weitere Infanteriedivisionen näherten sich der südkoreanischen Hauptstadt von Uijeongbu aus, einem Bistum nördlich von Seoul, mit sowjetischen Panzern an der Front. Eine großangelegte Invasion Seouls war in vollem Gange.
Ein weiteres Indiz, dass Nordkorea den Krieg anfachte, war, dass trotz der häufigen Warnungen eines nordkoreanischen Invasionsversuches die Armee Südkoreas vollkommen überrascht wurde. Viele militärische Führer waren in den USA oder in Japan, und zahlreiche Offiziere waren auf Wochenendausgang von der Grenze abgezogen. Von den vier Divisionen und einem Regiment, welche die Grenze bewachen sollten, waren bloß vier Regimente und ein Bataillon an der Front. Gerade wegen der hohen Anzahl an Warnungen vor einem Angriff waren die Soldaten psychologisch beeinträchtigt. Seit Monaten sprachen die Geheimdienste
27 Steininger, 2006: S. 73
28 Spiegel Special - Geschichte Nr.3: S. 13, 14
29 Edwards, 1997: S. 65
von einer drohenden militärischen Bedrohung aus dem Norden, die am nächsten Morgen erfolgen könnte. Dies zog ein Abstumpfen der Alarmbereitschaft nach sich. Die Soldaten „konnten kaum glauben, dass es morgen anders sein würde“. 30
So kam es, dass bereits zwei Tage nach Beginn der Offensive die Verteidigung von Seoul zusammenbrach. Die Panik einer schnellen Evakuierung Seouls trug dazu bei, dass die Südkoreaner eine Brücke über den Han sprengten, noch bevor sich die südkoreanischen Truppen zurückziehen konnten. Die südkoreanische Verteidigung war stark geschwächt und nicht mehr in der Lage, den Vormarsch der überlegenen kommunistischen Armee zu stoppen. Wäre Südkorea zu diesem Zeitpunkt schon von US-amerikanischer Luftwaffe und Marine unterstützt worden, hätte man die Aggression wahrscheinlich noch zurückwerfen und die Kampfhandlungen rasch beenden können.
Durch das Überraschungsmoment konnte die nordkoreanische Volksarmee also weiter südlich vorrücken, da sie ihre Gegner mit Waffen und Soldaten übertrumpfte. Das von der Sowjetunion unterstützte Nordkorea hatte 240 Panzer und auch eine kleine Luftwaffe, in der russische Piloten in chinesischer Uniform flogen. Südkorea hatte weder Panzer noch eine militärische Luftwaffe. Der Norden hatte doppelt soviele Soldaten und zahlenmäßig dreimal so starke und bessere Artillerie als der Süden. 31
Die Vereinigten Staaten mussten schnell handeln, um die Vernichtung Südkoreas zu verhindern. General Douglas MacArthur, zur Zeit der Oberbefehlshaber der U.S.-Truppen im Fernen Osten, befahl, sofort nachdem er erfahren hatte, dass Südkorea angegriffen wurde, Waffen und Munition nach Südkorea zu verlagern, ohne Washington davon informiert zu haben. Am 26. Juni, 25. Juni in Washington, befahl dann der amerikanische Präsident Harry S. Truman der U.S. Air Force und der Navy, bei der Evakuierung von Amerikanern aus Südkorea teilzunehmen 4 und die südkoreanischen Streitkräfte zu unterstützen. Nachdem General MacArthur Truman mitteilte, dass Seoul nicht zu halten sei, hob der Präsident die Einschränkung für militärische Operationen der Marine und Luftwaffe südlich des 38. Breitengrades auf. Als dann McArthur ihm dann bereits am 30. April berichtete, dass der nordkoreanische Vormarsch auch durch verstärkte Luft- und Seeoperationen nicht aufzuhalten wäre, beschloss der Präsident, Bodentruppen einzusetzen.
30 Stuck, 2006: S. 13
31 National War Museum, Seoul, 2008
Stalin hatte den Angriffsabsichten Kim Il-Sungs bloß zugestimmt, weil er glaubte, dass die Amerikaner den Süden Koreas längst abgeschrieben hätten. Hätte man nur Guerilla-Kämpfer in den Süden einsickern lassen, wäre es wohl auch nie zu einem Korea-Krieg gekommen. Doch einen groß angelegten Frontalangriff auf eine international anerkannte Grenze konnte Truman nicht hinnehmen und veranlasste eine Versammlung der Vereinten Nationen. 32
Bereits einem Tag nach Kriegsausbruch entschied die UN Truppen nach Korea zu entsenden. Innerhalb eines Tages ist aus einem Bürgerkrieg ein internationaler Krieg geworden.
Am 29. Juni erreichten auch die ersten britischen Soldaten das koreanische Festland, zwei Tage später die Australier. Am 16. Juli traten die Niederländer den Kampfhandlungen bei, Ende Juli dann Kanada, Frankreich und Neuseeland. Bis zum Ende des Jahres landeten noch philippinische, türkische, thailändische, südafrikanische und griechische Kampftruppen in Korea. 1951 folgten Belgien, Luxemburg, Kolumbien, und sogar Äthiopien stellte ein Bataillon. Schweden, Indien, Dänemark, Norwegen und Italien beteiligten sich mit medizinischen Unterstützungen. 33
Der Kalte Krieg war nie so kurz davor, zu einem Dritten Weltkrieg auszuarten, wie es im Korea-Krieg war. Über 70.000 Soldaten der sowjetischen Luftwaffe in chinesischen Uniformen kämpften in Korea unter chinesischen Erkennungszeichen. Korea ist das einzige Land in dem Sowjets und Amerikaner in direkte Kampfhandlungen verstrickt waren. 34
32 Der Spiegel Nr.25, 2008: S. 54
33 National War Museum, Seoul, 2008
34 Steininger, 2006: S.67
4. Auswirkungen
4.1 Korea nach dem Krieg
Am 27. Juli 1953 wurde in Panmunjeom, der sogenannten JSA (Joint Security Area), ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Nordkorea und der UNO getroffen. Es legte die damalige Frontlinie als Grenze, was in etwa dem 38. Breitengrad entspricht, und eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone fest, die entlang dieser Grenze verläuft. Völkerrechtlich betrachtet befinden sich Nord- und Südkorea noch heute im Krieg.
Unter den geschätzten 5 Millionen Toten des Korea-Krieges waren drei Millionen Zivilisten. Allein die U.S. Air Force warfen 450.000 Tonnen an Bomben über Korea ab, bis Oktober 1950 wurden 3.281.270 Liter Napalm eingesetzt, ein Vielfaches mehr als es später im gesamten Vietnamkrieg der Fall war. Korea war buchstäblich ruiniert. Außerdem gab es Millionen von Flüchtlingen. Bereits vor Kriegsbeginn flüchteten 3,5 Millionen Menschen von dem Norden in den Süden. Im Dezember 1950 und Januar 1951 folgten eine weitere Millionen. Hierbei anzumerken ist, dass, laut Informationen des National War Museums in Seoul, vor dem Krieg in Nordkorea nur insgesamt 9,6 Millionen Menschen lebten. 35 General Ridgway sprach von „der größten Tragödie, die Asien jemals erlebt hat“. 36
Es wurden im Korea-Krieg auch beiderseits zahlreiche Kriegsvergehen begangen. Die Kommunisten ermordeten unzählige Flüchtlinge und Regimekritiker und betrieben die Strategie der „verbrannten Erde“, bei der während eines Rückzuges alles zerstört wurde, was dem Gegner nutzen bringen konnte, zum Beispiel Straßen, Fahrzeuge, Gebäude, Fabriken oder sogar komplette Städte.
Die Südkoreaner hingegen führten einen rücksichtlosen Kampf gegen alles, was in irgendeiner Art in Verbindung mit dem Kommunismus stand. Zahlreiche Dokumente berichten über Hinrichtungen von Mitgliedern oder ehemaligen Mitgliedern kommunistischer Parteien und Organisationen. Viele der Zivilisten traten dem Kommunismus nur aus Not bei, weil die kommunistischen Organisationen mit Lebensmitteln um neue Mitglieder warben.
35 National War Museum, Seoul, 2008
36 Spiegel Special - Geschichte Nr. 3: S. 14
Gerade in den Gebieten, die wechselseitig von beiden Kriegsgegnern erobert und größtenteils zerstört wurden, hing das Überleben von den Nahrungsmitteln der Kommunisten ab. 37 Bei dem „Massaker von Nogunri (Nogeunri)“ vom 26. Juli 1950 starben etwa 400 koreanische Flüchtlinge, hauptsächlich alte Männer, Frauen und Kinder, durch amerikanischen Beschuss. Erst durch einen Artikel der amerikanischen Presseagentur AP aus dem Jahr 1999 wurde ein Verfahren eingeleitet, um den Fall zu untersuchen, da fünf US-Veteranen, die an dem Massaker beteiligt waren, aussagten, sie hätten den Befehl erhalten, die Flüchtlinge zu erschießen. So sind Dokumente aufgetaucht, die bezeugen, dass das Massaker angeordnet war. Bis 2001 wies die Regierung Amerikas jegliche Vorwürfe eines Kriegsverbrechens zurück, da es sich angeblich um ein Versehen handelte. Das Massaker von Nogunri war das zweitgrößte Kriegsverbrechen in der Geschichte der U.S.-Armee, nach dem Massaker von My Lai im Vietnam-Krieg.
Und das Massaker von Nogunri war kein Einzelfall. Zahllose weitere Flüchtlinge, behaupten US-Veteranen und koreanische Überlebende, wurden später in ähnlichen Situationen getötet. 38
Jede dritte Wohnung und 40 Prozent der gesamten Industrieanlagen in ganz Korea wurden zerstört. Bei der ersten Eroberung Seouls im Juni 1950 flüchteten die meisten Bewohner in den Süden. Als die südkoreanische Hauptstadt im September wieder befreit wurde, verschleppten die Nordkoreaner alle Männer zwischen 15 und 40 und alle Frauen zwischen 16 und 25 Jahren, die in Seoul geblieben waren. So geschah es nochmal im Januar und März 1951. Seoul wurde überwiegend zerstört, wie auch die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang.
Trotz oder gerade wegen den zunehmenden wirtschaftlichen Problemen im Norden Koreas konnte die kommunistische Führung ihre Macht bis heute durchsetzen. Vor dem Krieg hatte dieser Teil der koreanischen Halbinsel eine bessere Ausgangslage als der Süden. Heute ist er ein Entwicklungsland, in dem der größte Teil der Bevölkerung, selbst die Soldaten, unterernährt ist.
In Südkorea bekam die zunehmend undemokratische Führung die Probleme des Landes kaum in den Griff. Syngman Rhee wurde aus dem Präsidentensitz vertrieben, und kurz darauf putschte sich unter Park Chunghee (Bak Jeonghui) ein Militärregime an die Macht. Obwohl es in dieser Zeit viele Einschränkungen der Bürgerrechte gab, gelang es unter der Führung Parks, der Wirtschaft zu einem rasanten Aufstieg zu verhelfen. 1990 wurde die Verfassung
37 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea
38 Spiegel online, http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,427491,00.html, 25.07.2006
schließlich zugunsten einer Demokratie geändert. Heutzutage ist Südkorea ein stabiles und demokratisches Land nach westlichen Maßstäben, welches 2005 das zehntgrößte Bruttoinlandsprodukt weltweit erwirtschaftete.
Nordkorea hingegen blieb bis zu seinem Tode unter der diktatorischen Herrschaft Kim Il-Sungs. Die wirtschaftliche Entwicklung Nordkoreas nach dem Krieg profitierte sehr von der materiellen Unterstützung durch China und vor allem der Sowjetunion. Der Drei-Jahres-Plan von 1954 bis 1956 reparierte die meisten durch den Krieg entstandenen Schäden und brachte die Industrieproduktion wieder auf Vorkriegsniveau. Die folgenden Wirtschaftspläne brachten ein weiteres Wachstum der Produktion und die Entwicklung der Infrastruktur mit sich. Bis 1969 war Nordkorea trotz der größeren Kriegsschäden nach dem Korea-Krieg wirtschaftlich dem lange Zeit politisch und ökonomisch instabilen Süden überlegen.
Gegen Ende der 1960er Jahre zeigte die nordkoreanische Wirtschaft jedoch Anzeichen einer Stagnation, wie auch in den anderen Staaten des Ostblocks. Ein Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion und der Mangel an Konsumgütern führten zu einem Niedergang der Wirtschaft. Ein weiterer Grund für einen Niedergang der Wirtschaft waren die immensen Militärausgaben Nordkoreas. Das Land begann mit der internationalen Isolation, um auch den wirtschaftlichen Aufschwung Südkoreas geheim zu halten.
39
4.2 Der Kalte Krieg nach 1953
Am 5. März 1953 starb Stalin und beide Parteien des Korea-Krieges schlossen kurz darauf einen Waffenstillstand. General Curtis LeMay fasste zusammen: „Wir haben […] jeden Ort in Nordkorea niedergebrannt und auch manche in Südkorea, wir haben 20 Prozent der Bevölkerung Koreas durch direkte Kriegseinwirkung getötet, oder durch Verhungern und Erfrieren“. 40
Der Kampf um Korea erwies sich als drastischer Einschnitt für den Fortgang des Kalten Krieges. Die Sowjetunion sowie die USA schlossen Bündnisverträge in der ganzen Welt, wobei die USA meist als Seniorpartner erwünscht war. Die UdSSR hingegen regierte mit eiserner Faust: Rebellionen wurden 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in Tschechien (Prager Frühling) und mehrmals in Polen brutal niedergeschossen.
39 Die folgende Darstellung stützt sich auf: Spiegel Special - Geschichte Nr.3, 2008: S. 13-101
40 Der Spiegel Nr. 25, 2008, 54
Amerika stationierte nach dem Korea-Krieg dauerhaft Truppen und atomare Kurzstreckenraketen in Deutschland und Europa, gemäß der Abschreckungsdoktrin der „massiven Vergeltung“. Die NATO wurde zu einem wahren Militärbündnis, dem 1955 auch die Bundesrepublik Deutschland beitrat und mit dem Aufbau der Bundeswehr begann. Die Sowjetunion antwortete mit der Gründung des Warschauer Paktes. Die DDR schuf mit der NVA, der Nationalen Volksarmee, das Pendant zur westdeutschen Bundeswehr. 41
Der Nachfolger Stalins, Nikolai Chruschtschow, sah wegen der Wiederaufrüstung Deutschlands die konventionelle Überlegenheit in Europa schwinden und versuchte das Loch in der geteilten Hauptstadt, durch das sich ein Strom von Flüchtlingen ergoss, zu stopfen. Seit 1949 flohen ca. 2,6 Millionen DDR-Bürger nach West-Berlin. 1958 stelle er ein Ultimatum an die drei Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich Berlin zu räumen, um den Flüchtlingsstrom endlich zu stoppen. Nachdem die Westmächte der sowjetischen Forderung nicht nachgingen, genehmigte Chruschtschow 1961 Ulbricht den Bau der Berliner Mauer und löste damit die zweite Berlin-Krise aus. Durch den Schießbefehl kamen bei Fluchtversuchen hunderte Menschen an der innerdeutschen Grenze ums Leben. Allerdings kam es im Gegensatz zur Grenze in Korea nur selten zu bewaffneten Zwischenfällen zwischen den Grenzsoldaten beider Seiten. Am 27. Oktober 1961 standen sich sowjetische und amerikanische Panzer am Checkpoint Charlie gegenüber, nachdem DDR-Grenzsoldaten Westalliierte daran gehindert hatten, den sowjetischen Sektor zu betreten. Nach 16 Stunden Nervenkrieg zogen sich beide Seiten wieder zurück, nachdem US-Präsident Kennedy Chruschtschow mitteilen ließ, dass er die Krise beilegen wolle. Chruschtschow befürchtete nämlich, dass der Westen einen Durchbruch der Mauer plante. 42
Obwohl die Erfahrung der Berlin-Krisen zu Vorsicht mahnen sollte, wurde nur ein Jahr später die Kuba-Krise ausgelöst. Chruschtschow befürchtete diesmal, dass Kennedy einen Angriff auf Kuba plante, um Fidel Castro zu stürzen. Nachdem die USA Zeus- und Thor-Mittelstreckenraketen in der Türkei stationiert hatten, ließ Chruschtschow im Sommer 1964 Schiffe mit Atomrüstung in die Karibik verlegen. 43 Zur Tarnung standen Lastwagen und Traktoren auf den Decks der sowjetischen Schiffe. Die UdSSR behauptete damals nämlich, dass es sich nicht um Atomwaffen, sondern um Agrarhilfe handelte. In Wirklichkeit brachte die rote Flotte unter anderem 36 Atomraketen mit 2000 Kilometer Reichweite, 60
41 Steininger, 2006: S. 191, 192
42 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg
43 Der Spiegel Nr. 25, 2008: S. 56
Atomsprengköpfe und 34.000 Soldaten nach Kuba. Acht der dreizehn Mitglieder des Krisenstabs der USA stimmten für das Auslösen eines Atomkrieges, doch Kennedy ließ sich nicht davon abbringen, von harter Konfrontation abzurücken. Der 27. Oktober des Jahres 1962 ging als „schwarzer Sonntag“ in die Geschichte ein. Laut Kennedys Sonderberater Arthur Schlesinger war es „der gefährlichste Tag in der Geschichte der Menschheit“. 44
Die US-Stabschefs forderten am darauffolgenden Montag, einen Luftangriff auf Kuba zu fliegen, gefolgt von einer Invasion. Von einem Überfall auf Kuba überzeugt, verlangte Castro von der Sowjetunion, gegen die USA mit Atomwaffen loszuschlagen. Doch genau wie Kennedy verzichtete Chruschtschow auf eine Eskalation. Am 28. Oktober kündigte Russland den Abzug seiner Soldaten und Raketen an, nachdem Kennedy versprach, auf eine Invasion Kubas zu verzichten und sämtliche Atomraketen aus der Türkei zu entfernen. Grund für das plötzliche Einlenken der UdSSR war wohl die Erkenntnis, dass sie den USA militärisch unterlegen waren. Fortan diente ein Drittel der Wirtschaft Russlands der Hochrüstung. Bomben statt Brot war die Devise für die nächsten Jahrzehnte.
Nach der Kuba-Krise bemühten sich die beiden Supermächte um eine Entspannung ihres Verhältnisses und errichteten 1963 das sogenannte „Rote Telefon“, eine Direktverbindung zwischen dem Oval Office in Washington und dem Kreml in Moskau, um künftige Beinahe-Zusammenstöße zu vermeiden. 45 In den folgenden Jahren begannen beide Seiten mit Rüstungskontrollverhandlungen. Trotz dieser Verträge besaßen die USA zeitweise 32.000 Atomsprengköpfe, die Sowjetunion später sogar über 45.000. 46
Während des Endes des Vietnam-Krieges, in dem auch südkoreanische Truppen kämpften, kam es 1968 beinahe erneut zu einer atomaren Eskalation. Als der kommunistische Vietcong mit der Tet-Offensive die amerikanischen Truppen zurückdrängte, verlangte General McConnell den Einsatz von Atombomben, um den Verlust der US-Basis in Khe Sanh zu verhindern. Wer den General stoppte, ist bis heute unbekannt.
Wäre es zu einer Ausweitung des Vietnam-Krieges in Europa bekommen, hätte die NATO wohl versucht, den Krieg unterhalb der nuklearen Schwelle auszutragen. Aktenfunden zufolge, hätte die UdSSR hingegen sofort mit Atomschlägen auf Europa geantwortet und wäre mit 120 Divisionen losmarschiert. Nach Plänen des Warschauer Paktes wäre eine polnische Division bereits nach drei Tagen bis an die niederländische Grenze vorgedrungen,
44 Spiegel Special - Geschichte Nr. 3, 2008: S. 16
45 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg
46 Der Spiegel Nr. 25, 2008: S. 55, 56
nach weiteren drei Tagen wäre Dänemark gefallen. Atombombenabwürfe waren zum Beispiel auf Bremen, Cuxhaven, Emden, Amsterdam und Antwerpen vorgesehen. In der DDR wurden sogar bereits Tapferkeitsorden geprägt und Straßenschilder mit flämischer Aufschrift angefertigt. Der Tod der eigenen Soldaten durch die Strahlenkrankheit war fest eingeplant.
Als die UdSSR 1979 in Afghanistan einmarschierte, und die NATO beschloss, das entstandene Übergewicht sowjetischer Mittelstreckenraketen zu neutralisieren, spitzte sich die Lage erneut zu. Der amerikanische Präsident Jimmy Carter reagierte mit einem Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau. Ihm schlossen sich auch die Bundesrepublik Deutschland, die Republik Korea und viele weitere westliche Staaten an. Die USA begann außerdem die Mujaheddin, den Kriegsgegnern der Sowjets in Afghanistan, mit Waffen zu beliefern. 47
Jimmy Carters Nachfolger Ronald Reagan erhöhte die zuvor gesenkten Rüstungsausgaben auf ein erneutes Rekordniveau. Er kündigte darüber hinaus die Realisierung der „Strategic Defense Initiative“ an. Bei dem SDI, auch „Star Wars-Programm“ genannt, handelt es sich um ein satellitengesteuertes System zur Abwehr strategischer Raketen. Ziel dieses Vorhabens war es, im Rüstungswettlauf einen uneinholbaren Vorsprung zu gewinnen, um den Ostblock ökonomisch und politisch ins Wanken zu bringen. Denn der Warschauer Pakt konnte sich die Militärausgaben nach westlichen Einschätzungen nicht mehr lange leisten. 1982 klagte der sowjetische Generalstabchef Nikolai Ogarkow: „Die USA haben uns den Krieg erklärt“. 48
Die USA besaßen mittlerweile die Neutronenbombe, Stealth-Flugzeuge und immer komplexere EDV-Systeme, und die Sowjetunion konnte bei der technologischen Entwicklungen der USA nicht mehr mithalten, da sie ihre militärischen und ökonomischen Kräfte mit den vergangenen Rüstungsprogrammen und der Intervention in Afghanistan schon weit überspannt hatte.
Wegen der wirtschaftlichen Stagnation des Ostblocks seit Anfang der achtziger Jahre wurde der politischen Führung der Sowjetunion bewusst, dass ein Kurswechsel notwendig war. 1985 leitete der neue Generalsekretär des Politbüros, Michail Gorbatschow, ein Reformprogramm ein, das er Perestroika (Wende in Wirtschaft und Verwaltung) und Glasnost (Offenheit und Transparenz nach innen und außen) nannte. In der Außenpolitik bestand der Kurswechsel zunächst darin, dass das gigantische Haushaltsdefizit der Sowjetunion durch
47 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg
48 Der Spiegel Nr. 25, 2008: S. 60
Abrüstung beider Blöcke aufgefangen werden sollte. Die SDI-Pläne der US-Regierung sollten eher eine neue Runde im Rüstungswettlauf einleiten, doch 1986 legte Gorbatschow überraschend einen Plan zur Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Jahr 2000 vor, um die westliche Blockadehaltung zu überwinden. Nach mehreren gescheiterten Verhandlungen kam es bloß zum INF-Vertrag, der die Verschrottung aller Mittelstreckenraketen in Europa vorsah und dem START-I-Vertrag, welcher die Reduzierung der strategischen Kernwaffen einleitete. Dies war bis dahin der größte Durchbruch zur Abrüstung, der zugleich das Ende des Kalten Krieges einläutete. 49
Gorbatschow versuchte auch Erich Honecker davon zu überzeugen, die Reformmaßnahmen zu übernehmen. Vor einem Militäreinsatz gegen die Großdemonstrationen, die nun in der DDR ausbrachen, schreckte die Führung Honeckers nun ohne sowjetischen Rückhalt zurück. So kam es in einer „friedlichen Revolution“ zur Absetzung Honeckers im Politbüro und schließlich zum Mauerfall.
Nach Revolutionen in der Tschechoslowakei und Rumänien kam es am 3. Oktober 1990 zur Deutschen Wiedervereinigung. Am 21. November 1990 wurde der Kalte Krieg formell beigelegt. In der Charta von Paris verpflichteten sich die 34 Staaten der KSZE (Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), das heißt USA, Russland, Kanada und alle Staaten Europas zur Demokratie als Regierungsform und zur Achtung der Menschenrechte. Die offizielle Auflösung des Warschauer Paktes folgte Mitte 1991.
Der gegen Gorbatschows Reformkurs gerichtete und am Volkswiderstand gescheiterte Augustputsch im Jahr 1991 beschleunigte das Ende der KPdSU und der Sowjetunion. Gorbatschow trat von seinem Amt als Generalsekretär zurück, und Boris Jelzin verbot die KPdSU für den Bereich Russlands. Wenige Wochen darauf erklärten sich die baltischen Republiken für unabhängig. Die UdSSR wurde zum Jahresende 1991 aufgelöst.
Das Ende der bipolaren Machtstruktur hat eine neue globalpolitische Situation hinterlassen, in der die USA durch das Verschwinden der Sowjetunion den Status der „einzigen Weltmacht“ erreicht haben. Ein Teil der osteuropäischen Staaten, die dem Warschauer Pakt angehörten und nach 1989 ein demokratisches, parlamentarisches und marktwirtschaftliches System angenommen haben, sind heute Mitglied in der NATO. Die Auflösung der sowjetischen
49 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg
Machtsphäre hat zudem die Globalisierung gefördert, in deren Folge heute die überwiegende Mehrheit der Staaten der Erde das Prinzip des Freihandels anerkennt. 50
51
4.3 Die deutsche Wiederbewaffnung
Nachdem Deutschland den Zweiten Weltkrieg verlor, beschlossen die vier Besatzungsmächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich im Potsdamer Abkommen die „völlige Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Ausschaltung der gesamten deutschen Industrie, welche für eine Kriegsproduktion benutzt werden kann oder aber zumindest [deren] Überwachung“. 52 Selbst der neu gegründete deutsche Bundestag stimmte gegen eine Militarisierung Deutschlands.
Nach dem Ausbruch des „Stellvertreterkrieges“ in Korea beschlossen jedoch die westlichen Alliierten die Bundesrepublik Deutschland wieder zu bewaffnen. Auf der Außenministerkonferenz im September 1950 in New York wurden den drei Westmächten bewusst, dass ohne ein militärisches Mitwirken der Bundesrepublik gegen eine Groß-Invasion der Sowjets Europa nicht zu halten sei. 53
„Ohne diesen Krieg“, so Steininger, „wäre die grundsätzliche Entscheidung des Westens für einen deutschen Wehrbeitrag nicht schon im Jahre 1950 gefallen“. 54
Bereits vor dem Korea-Krieg hatte es Überlegungen für eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik gegeben, und Konrad Adenauer hatte sogar den Amerikanern und Briten deutsche Soldaten zur Unterstützung in Korea angeboten. Doch bis zum Sommer 1950 wurde der Aufbau einer deutschen Streitmacht stets von allen Besatzungsmächten Deutschlands abgelehnt, auch wenn der britische Feldmarshall Bernard Montgomery am 15. Juni 1950 äußerte, dass es „ein unbeschreibliches Durcheinander und ein furchtbares Chaos in Westeuropa geben [wird], falls die Russen wirklich angreifen sollten“. 55 John McCloy, der amerikanische Hohe Kommissar in der Bundesrepublik, forderte einen Tag später eine westdeutsche Polizeitruppe zu errichten, was Präsident Truman schlicht ablehnte. Zehn Tage vor Kriegsausbruch bezeichnete der amerikanisch Präsident Truman eine Aufstellung deutscher Truppen „unter den gegenwärtigen Umständen als nicht realistisch“. 56
50 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg
51 Die folgende Darstellung stützt sich auf: Steininger, 2006: S. 72-85
52 Choi, 1994: S. 1
53 Choi, 1994: S. 1-3
54 2006: S.79
55 Steininger, 2006: S. 80
56 Steininger, 2006: S. 79
Auch der Britische Außenminister Herbert S. Morrison war der Meinung, dass die Zeit dafür noch nicht gekommen sei, schloss sie jedoch nicht aus. Die Franzosen waren absolut gegen eine Wiederbewaffnung. 57
Am 18. Juli verlangte McCloy eine „radikale Abkehr von unseren bisherigen Plänen zur Verteidigung Europas“ und meinte, falls Deutschland unbewaffnet bliebe, dass es ohne Hoffnung es wiederzugewinnen an die Sowjets verloren ginge. US-Außenminister Dean Acheson schrieb in seinen Memoiren, dass es bei der Wiederbewaffnung nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“ und „Wie schnell“ ginge. 58
Acht Tage später griffen nordkoreanische Soldaten Südkorea über den 38. Breitengrad an und lösten damit den Korea-Krieg aus. Die Sorge um den Ausbruch eines Dritten Weltkrieges wurde immer berechtigter. Einer Umfrage vom April 1950 zufolge waren 26 Prozent der Befragten besorgt, dass noch im selben Jahr der Dritte Weltkrieg ausbräche. Drei Monate später, also nach Ausbruch des Korea-Krieges, waren es schon 52 Prozent. Aufgrund der politischen und militärischen Parallelen zwischen den geteilten Ländern Korea und Deutschland empfand die deutsche Öffentlichkeit den Ausbruch des Korea-Krieges als Schock. In Korea haben die Amerikaner und Sowjets ihr Militär bereits abgezogen. In Deutschland jedoch nicht.
Die offizielle östliche Version des Kriegsausbruches, dass dem Krieg ein südkoreanischamerikanischer Überraschungsangriff vorausging, galt noch bis die Sowjetunion 1991 zusammenbrach. Die DDR behauptete, die USA probe in Korea den Ernstfall in Zentraleuropa und somit einen Angriff auf die DDR. Während die Bevölkerung Ostdeutschlands jeden Konflikt vermeiden wollte, erkannte die Führung der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) die Möglichkeit eines militärischen Ernstfalles und nutzte, laut dem Historiker Michael Lemke, den Korea-Krieg für eine Mobilisierung der Massen zu einer Vorbereitung auf einen Krieg, „vor allem aber für die deutsche Wiedervereinigung nach dem Bilde der SED“. 59
Die DDR besaß mit der Volkspolizei bereits etwas wie eine Armee. 1951 verpflichtete Stalin alle Staaten des Ostblockes zu einer massiven Aufrüstung. Im April 1952 wurde auf seinen Befehl auch die Volkpolizei verstärkt militarisiert um sie auf 30 Divisionen aufzustocken, das entspricht einer Stärke von etwa 300.000 Soldaten.
57 Choi, 1994: S. 6, 7, 10
58 Edwards, 1997: S. 50
59 Steininger, 2006: S. 81
Im Westen Deutschlands wurde genau wie in der DDR mit Hamsterkäufen auf den Ausbruch des Krieges reagiert und vom Krieg in Korea als „Modellfall für Deutschland“ gesprochen. Eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik war zu diesem Zeitpunkt jedoch auszuschließen. Stalin hatte bereits 22 Divisionen in ihren Satellitenstaaten stationieren lassen und hielt weitere 100 Divisionen in Reserve. Die NATO-Staaten hatten 10 Divisionen in Deutschland, wovon, so Feldmarshall Montgomery, bloß zwei einsatzfähig waren. 54 Divisionen wären jedoch nötig um die Rheinlinie zu halten, 18 alleine um überhaupt östlich des Rheins gegen die Sowjets antreten zu können. Somit war bis Sommer 1950 vorgesehen, dass die amerikanischen Truppen bei einer sowjetischen Großoffensive in Europa sich bis an die Pyrenäen zurückziehen und Basen in Großbritannien und Nordafrika errichten, um von dort aus Europa zurückzuerobern.
Nach dem Überfall des kommunistischen Nordens auf Südkorea wurde den NATO-Mitgliederstaaten schnell klar, dass sie ihre Verteidigungsanlagen verstärken musste. Doch fehlten dazu die Gelder und die Soldaten. Die Briten steigerten bereits für drei Jahre ihr Verteidigungsetat um 50 Prozent, doch war das Geld für die britischen Überseetruppen bestimmt. Da die Franzosen ihre Ausgaben in Indochina investieren musste, wollten und konnten sie nicht die „Infanterie Europas“ werden. 60 Die Zusage Frankreichs zur Errichtung 15 neuer Divisionen war für die nächsten zwei Jahre auszuschließen. Es war somit unmöglich, die Rhein-Ijssel-Linie im Verteidigungsfall zu halten.
So stellte sich die Frage, an welcher Frontlinie Europa nun zu verteidigen sei. Die Franzosen wollten bis zum letzten Mann die Rheinlinie halten. Belgien und die Niederlande zogen einen Rückzug vor. Am 5. September 1950 wurde aufgrund der verschiedenen Ansichten entschieden, wie zuvor die Rhein-Ijssel-Linie halten zu wollen. Doch das Fehlen von Soldaten machte eine Realisierung immer noch unmöglich. Es sei denn, man würde Deutschland wieder bewaffnen.
Schon ab 1949, nachdem China kommunistisch und in Russland die erste Atombombe gezündet wurde, entwickelten die amerikanischen Stabschefs bereits einen Plan für eine Bewaffnung der Bundesrepublik. Deutsche Soldaten würden die Lage aus westlicher Sicht wesentlich verbessern. Da der Krieg in Europa an der innerdeutschen Grenze anfangen würde, könnten sie ihre Geländekenntnisse anwenden und als einzige Soldaten auf Erfahrungen im Kampf gegen die Sowjets zurückgreifen konnten. 7,5 Millionen Deutsche zwischen 15 und 49
60 Ball, 1998: S. 29
Jahren waren wehrtauglich, vier Millionen hatten in der deutschen Wehrmacht gedient, schätzungsweise drei Millionen davon würden bereit sein, erneut Wehrdienst zu leisten. Der Status der Bundesrepublik müsste sich dafür gravierend ändern: „aus einem besetzten Feindland würde ein Land der ‚Waffenbrüderschaft‘ werden“. 61 Frankreich würde einer Wiederbewaffnung Westdeutschlands aber niemals zustimmen. Schon einmal hatte man einem besetzten Deutschland erlaubt, eine eigene Wehrmacht zu gründen. In wenigen Jahren wurden damals aus 100.000 Soldaten die größte Kriegsmaschinerie aller Zeiten, welche Millionen von Menschen tötete. Noch einmal wollten sie den Fehler nicht begehen.
Obwohl das Potsdamer Abkommen die USA zur totalen Entmilitarisierung Deutschlands verpflichtete, versuchte man Frankreich von einer Wiederbewaffnung zu überzeugen. So wollte man dem deutschen Militär nur den Besitz beschränkter Waffentypen genehmigen. Der Gefahr, die von der Sowjetunion ausging, würde jedoch eine Bedrohung von Deutschland selbst hinzukommen. Man müsse Westdeutschland also fest mit dem Westen integrieren, was auch wegen guten Voraussetzungen nicht sehr schwer fallen würde. Eine antikommunistische Haltung, der Hass auf die Sowjets und, laut dem Leiter der Deutschlandabteilung im State Department Colonel Henry Byroade, „vor allem deshalb, weil die Deutschen sich nicht selbst verteidigen können“. 62
Am 31.Juli teilte Acheson Präsident Truman mit, dass eine Wiederbewaffnung unumgänglich wäre, und es sich bloß die Frage stellte, wie man verhindern konnte, dass Deutschland erneut zu Europas größter Militärmacht wird. Zum Beispiel dürfte der Generalstab kein deutscher sein. Präsident Truman stimmte nun, nach Ausbruch des Korea-Krieges, entschieden dafür. Die Vereinigten Stabschefs wollten außerdem die Bundesrepublik so schnell wie möglich in die NATO aufnehmen und machten allen Mitgliedsstaaten nochmals bewusst, dass ohne deutsche Wiederbewaffnung Westeuropa keinesfalls zu verteidigen sei. Am 9. August 1950 forderte nun auch der britische Premierminister Winston Churchill die Errichtung einer europäischen Armee mit deutscher Beteiligung. Konrad Adenauer kündigte am 29. August den Westmächten an einen deutschen Verteidigungsbeitrag leisten zu wollen. Denn wenn nicht bald etwas unternommen werde, würde dies die „völlige Vernichtung Deutschlands bedeuten. Die deutsche Jugend wird zweifelsfrei wieder
61 Steininger, 2006: S.84
62 Spiegel Special - Geschichte Nr. 3, 2008:S. 44
totgeschlagen oder nach dem Osten zu Arbeit abbefördert oder aber in eine kommunistische Armee gepresst werden“. 63
Vom 12. Bis 18. Oktober konferierten die drei Außenminister der Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich in New York, um endlich Einigung zu erzielen. Währenddessen lief in Korea die ‚Operation Chromite‘, die Landung bei Incheon, an. Die Entscheidung über den Verlauf des Korea-Krieges hing an dieser größten militärischen Landung nach ‚Operation Overlord‘, der Landung in der Normandie im Zweiten Weltkrieg. Der französische Außenminister Robert Schuman behinderte noch immer die Aufrüstung Deutschlands, da angeblich psychologische Probleme Frankreichs diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht realisierbar machten. Acheson machte klar, dass die USA bereit wären Truppen nach Europa zu verlegen, jedoch nur wenn auch die anderen Staaten entsprechende Maßnahmen zu einer erfolgreichen Verteidigung Europas ergreifen. Acheson machte dem Franzosen klar, dass die USA und Großbritannien überzeugt waren, dass eine Verteidigung Europas nur mit Hilfe deutscher Soldaten möglich sei. Nur noch Frankreich müsste einer westdeutschen Wiederbewaffnung zustimmen.
Die Nachricht über die erfolgreiche Landung bei Incheon veranlasste Acheson dazu, keine direkte Antwort von Pleven zu verlangen, und ein Entschluss für oder gegen eine deutsche Wiederbewaffnung vertagte sich erneut.
Mit dem Pleven-Plan, vom 24. Oktober schlug der französische Ministerpräsident René Pleven vor, eine Europa-Armee der Länder Frankreich, BRD, Italien und den Benelux-Staaten unter dem Kommando eines europäischen Verteidigungsministers zu gründen. Der Plan sollte im Eigentlichen bloß die Wiederbewaffnung verzögern und den deutschen Eintritt in die NATO verhindern. Außerdem sollten die deutschen Truppen bloß in Bataillons- oder maximal in Regimentsstärke in diese Armee eingegliedert und nur Nichtdeutsche in den Generalstab gesetzt werden. Eine erfolgreiche Verteidigung Europas wäre durch diesen Kompromiss weiterhin nicht möglich.
Die Meldung der erfolgreichen Operation Chromite war mittlerweile von einer Schreckensnachricht abgelöst worden. Als die UN-Truppen in Korea die chinesische Grenze am Fluss Yalu erreichten und der Sieg greifbar nah schien, wurden sie von 300.000 chinesischen Soldaten angegriffen und zu einem Rückzug gezwungen. Weitere Zwei Millionen Soldaten der Roten Armee Chinas folgten in den nächsten Jahren. 64
63 Spiegel Special - Geschichte Nr.3, zit. nach Adenauer, Konrad: S. 45
64 Ball, 1998: S. 52
Acheson wusste, dass er zu einem Aufbau einer Europa-Armee nur den Widerstand Frankreichs brechen musste. In einem persönlichen Brief an Schuman schrieb er, dass die Geduld der amerikanischen Regierung nun endgültig zu Ende und sie nicht mehr bereit zu Verhandlungen war. Mit Hinweis auf die momentane Lage in Korea und Deutschland bat er Schuman ein letztes Mal, die deutsche Wiederbewaffnung zu akzeptieren. Die USA würde sich nicht mehr umstimmen lassen.
Am 19. Dezember 1950 beschloss der NATO-Rat in Brüssel einstimmig die Errichtung einer europäischen Verteidigungsstreitmacht. Mit deutscher Beteiligung.
Nicht einmal drei Monate später, am 16. März 1951, wurde der Bundesgrenzschutz gegründet, das Gegenstück zu den kasernierten Einheiten der Volkspolizei der DDR. Am 27. Februar 1955 unterschrieb die Bundesrepublik Deutschland die Pariser-Verträge und wurde somit am 5. Mai Mitglied der NATO. Am 12. November 1955 wurden die ersten Freiwilligen der Bundeswehr vereidigt. Die DDR schuf darauf die Nationale Volksarmee. Laut dem Zeithistoriker Hans-Peter Schwarz war der Korea-Krieg für Deutschland „der Vater aller Dinge: nicht nur der Souveränität und der Bundeswehr, sondern - wenigstens zum Teil - auch des deutschen Wirtschaftswunders“. 65
66
4.4 Auswirkungen auf den Rest der Welt
Im Dezember 1950 wurde General Dwight D. Eisenhowers zum Oberbefehlshaber der NATO ernannt. Der „Papiertiger“ NATO wurde somit zu einem wirklichen Militärbündnis, dem noch während des Korea-Krieges, im Februar 1952, auch Griechenland und die Türkei beitraten. Die Sollstärke wurde auf 100 Divisionen angehoben.
Die wichtigste Grundsatzentscheidung der westlichen Alliierten war aber die, die Bundesrepublik Deutschland wieder zu bewaffnen. Ohne den Krieg in Korea wäre diese Entscheidung dazu niemals bereits im Dezember 1950 gefallen. Außerdem wurde die Verteidigungslinie vom Rhein an die Elbe gelegt. „So war dieser Krieg, wenn schon nicht der ‚Vater‘, so doch zumindest der ‚Geburtshelfer‘ der Bundeswehr“. 67
65 Spiegel TV, Deutschland im Kalten Krieg, 2008
66 Die folgende Darstellung stützt sich auf: Steininger, 2006: S. 189-197
67 Steininger, 2006: S. 192
In Deutschland bewirkte der Korea-Krieg außerdem eine schnellere Erlangung der Souveränität und einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den sogenannten Korea-Boom. Bereits wenige Wochen nach Ausbruch des Krieges herrschte Hochkonjunktur in der Busdesrepublik Deutschland, das „Wirtschaftswunder“ war ähnlich wie das in Japan. Der Boom in der deutschen Industrie wurde durch den Krieg in Korea ausgelöst, und allein von Juli bis September 1950 stieg die Produktion trotz Engpässen bei Kohle und Stahl um über zwanzig Prozent. Während die US-Wirtschaft sich auf die Rüstungsindustrie konzentrierte, konnte die deutsche Exportwirtschaft aufgrund der weltweit wachsenden Nachfrage durch den Weltkrieg die verloren gegangenen Märkte im Ausland zurückerobern. Durch die dauerhafte Stationierung der US-Truppen in Deutschland, verstärke sich auch die militärische Partnerschaft beider Länder und in ganz Europa.
Den Krieg in Korea bezeichnete der japanische Ministerpräsident Shigeru Yoshida 1951 als „ein Geschenk der Götter“. Japan wurde zum wichtigsten Verbündeten der USA in Asien und erhielt im September 1951 einen Friedensvertrag und ein Sicherheitsabkommen mit den Vereinigten Staaten. Es lieferte Material im Wert von über 3,5 Milliarden Dollar an die UN-Truppen in Korea.
Mao Zedong musste seine Eroberungspläne Formosas endgültig aufgeben. Auch die Exilregierung Tschiang Kaischeks auf Taiwan wurde durch ein Sicherheitsabkommen mit den USA und der 7. US-Flotte geschützt. Sein Misstrauen gegenüber Stalin wuchs, wegen mangelnder Unterstützung in Korea, was Anfang der sechziger Jahre schließlich zum Bruch zwischen Moskau und Peking führte. Nach Ende der Kampfhandlungen in Korea hatte Mao genügend Streitkräfte frei, um Ho Chi Minh in Indochina gegen Frankreich zu unterstützen.
Stalin zwang Januar 1951 die osteuropäischen Staaten zu einer massiven Aufrüstung, was jene Länder noch stärker in die Abhängigkeit der Sowjetunion brachte. Er hatte offensichtlich vor Ausbruch des Korea-Krieges vorgehabt, im Jahr 1951 Jugoslawien anzugreifen. Nach den Reaktionen der USA und den Erfahrungen, die er in Korea machen musste, wurde dieser Plan nicht realisiert.
Die größten Auswirkungen des Korea-Krieges zeichneten sich in den USA ab. Drei Millionen amerikanische Soldaten dienten in Korea, 103.284 wurden verwundet und 36.914 getötet. Im ersten Jahr des Korea-Krieges 1950/51 haben die USA ihren Verteidigungsetat von 13,5 auf 52 Millionen Dollar beinahe vervierfacht.
Ziel war es eine strategische Überlegenheit über die Sowjet-Union zu gewinnen. Kurz nach Ende des Korea-Krieges billigten die amerikanischen Stabschefs das SAC-Programm, das von den Militärs akzeptiert wurde: 20 Atombomben sollten über dem Gebiet Moskau -Gorkij abgeworfen werden, weitere 12 auf Leningrad, 52 Bomben auf das Wolga-Donez-Becken, 15 im Kaukasus und 15 auf Wladiwostok und Irkutsk. Amerika war immer bereit zu einem Erstschlag. 68 Während der Kuba-Krise im Jahr 1962 lag das strategische Übergewicht der USA gegenüber der UdSSR bei 17:1.
Auch schon während des Korea-Krieges bestand stets die nukleare Option der „massiven Vergeltung“. Bei einem Einsatz von Atombomben würde man „mehr fürs Geld bekommen“ („a bigger bang for the buck“). 69 Doch ist zu bezweifeln, ob Eisenhower 1953 Atomwaffen im Korea-Krieg eingesetzt hätte. Einem Vorschlag von Syngman Rhee aus dem Jahre 1954 hatte er zumindest deutlich abgelehnt.
Im November 1950 wurde in der UNO die Resolution „Uniting for Peace“ eingeführt, was auf die diplomatische Blockade der Sowjetunion vor und während des Korea-Krieges zurückführt. Nun konnte eine Entscheidung an die Generalversammlung delegiert werden, falls der Sicherheitsrat durch ein Veto blockiert war.
Der Korea-Krieg war die erste Militäraktion der Vereinten Nationen.
68 Der Spiegel Nr. 25, 2008: S. 60
69 Edwards, 1997: S. 113
5. Kommentar der Übersetzung
Die Primärliteratur für diese Bachelor-Arbeit stammt aus der Woongjin-Enzyklopädie, aus einem Band über koreanische Geschichte. Für einen Auftrag eines deutschen Unternehmens sollte ich den Eintrag über den Korea-Krieg übersetzen, um diesen in einem Lexikon zu veröffentlichen. Die Funktion des Ausgangstextes kann somit bis auf den kulturellen Bezug recht gut übertragen werden. Da die Woongjin-Enzyklopädie ein Nachschlagewerk ist, das für koreanische Studenten geschrieben wurde, entschied ich mich bei der Übersetzung des Artikels koreanische Eigennamen und nicht geläufige Begriffe zu erläutern, da die meisten Fachtermini bei deutschen Studenten nicht als Präsuppositionen vorausgesetzt werden kann. Ich richte mich bei meinen Übersetzungen nach den Methoden der funktionalen Übersetzung und bemühe mich, die koreanischen Sätze funktionskonstant im Deutschen exakt wiederzugeben. Aufgrund sehr verschiedener sprachlicher Ausdrücke, grundsätzlichen grammatikalischen Unterschieden und kulturspezifischen Übersetzungsproblemen, ist dies häufig nur sehr schwer oder gar nicht möglich. Da eine philologische Übersetzung in dieser Funktion nicht sinnvoll ist, handelt es sich bei der Translation um eine recht exotisierende Übersetzung, was bedeutet, dass eine gewisse Fremdheit zum Originaltext akzeptiert und gewünscht ist. Der Referent in Deutschland kann in sehr kultureller Distanz zu dem Text stehen, die zu einer nicht intendierten Verfremdung führen könnte.
Schlusswort: Korea heute 70
Der Koreakrieg hat die Teilung des Landes bis heute zementiert. An der DMZ, der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea, stehen sich auch heute noch über eine Million Soldaten gegenüber.
Südkorea gilt als eines der vier Tigerstaaten, also eine Nation, die es in kürzester Zeit von einem Entwicklungsland zu einem Industriestaat schaffte. Seit den 1960er Jahren hat sich das Land in rasantem Tempo zu einer der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt entwickelt und in einigen Technologiebranchen die weltweite Führerschaft übernommen. 1987 wurde die Republik Korea weitgehend demokratisch reformiert und zum ersten Mal ein Präsident direkt durch die Bevölkerung gewählt. Ein Jahr später war Südkorea Gastgeberland der Olympischen Sommerspiele. Antikommunismus ist jedoch bis heute Staatsdoktrin. Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt Südkoreas hat mittlerweile jenes eines durchschnittlichen EU-Landes erreicht. Die Wachstumsraten sind dabei wesentlich höher als in Europa oder den USA. Das Bruttoeinkommen pro Kopf 2006 lag bei ca. 21.000 US-$, in der Volksrepublik Korea hingegen bloß 200 US-$. 71
2007 landete Südkorea mit einem nominalen BIP von 957,1 Milliarden US-Dollar auf dem weltweit 13. Platz. Nordkorea hingegen erwirtschaftete hingegen ein BIP von schätzungsweise 25,6 Milliarden US-Dollar, nicht einmal drei Prozent des BIPs Südkoreas. 72
In Nordkorea herrscht seit dem Tode Kim Il-Sungs 1994 sein Sohn Kim Jong-Il (Kim Jeongil). Die Zeit nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatenblocks 1991 ist in Nordkorea von einem kompromisslosen Festhalten des realsozialistischen Systems gekennzeichnet. Grund hierfür ist die Annahme der nordkoreanischen Führung, dass ein Abweichen von der bisherigen Linie zwangsläufig zu dessen Sturz führen würde, was man an den ehemaligen osteuropäischen Bruderstaaten beobachten konnte.
Die wirtschaftliche Situation Nordkoreas verschlechterte sich nach dem Verlust der Handelspartner des ehemaligen Ostblockes weiter, und das Land wird bis heute von großen Hungersnöten heimgesucht. Zweieinhalb Millionen Menschen, also mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung Nordkoreas, sollen verhungert sein. Nach Schätzungen der FAO (Food
70 Die folgende Darstellung stützt sich auf Kern / Köllner, 2005:S. 51-70, 223-246
71 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea: http://de.wikipedia.org/wiki/Südkorea
72 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt
and Agriculture Organization) sind noch heute acht Millionen Menschen in Nordkorea chronisch unterernährt. 73 Nachdem Nordkorea der Stilllegung der Atomanlagen von Nyeongbyeon zustimmte, sagte Südkorea einer Lieferung von 400.000 Tonnen Reis an den Norden zu. Trotzdem wächst die Hungersnot seit Anfang 2007 erneut an. 74 Die Wirtschaft des Nordens ist noch immer hauptsächlich auf das Militär ausgerichtet. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Nordkorea mit weitem Abstand das Land mit den höchsten Militärausgaben. 75
In Südkorea leben heute knapp 49 Millionen Menschen, in Nordkorea leben insgesamt 23 Millionen, was dem Ballungsraum um Seoul, dem zweitgrößten der Welt, entspricht. Medienberichten zufolge sollen seit 2007 in Südkorea bereits über 10.000 Nordkoreaner angekommen sein, was einen exponentiellen Anstieg der Flüchtlingszahlen bedeuten würde. 2006 waren es beispielsweise 1500 Flüchtlinge, 1998 waren es 71 und 1993 bloß acht. 76
Der am 18. Dezember 1997 gewählte südkoreanische Präsident Kim Taejung (Gim Daejung) betrieb mit der so genannten ‚Sonnenscheinpolitik‘ eine Politik der Aussöhnung mit Nordkorea. Man verband wieder zwei während des Koreakriegs unterbrochene Eisenbahnstrecken, deren erste Testfahrt jedoch erst fast zehn Jahre später, am 17. Mai 2007 stattfand. In Kaesŏng, das nun durch die etwas veränderte Demarkationslinie in nordkoreanischem Territorium liegt, wurde ein gemeinsames Industriegebiet gegründet. Höhepunkt dieser Politik war ein Treffen Kim Taejungs mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-Il in Pjöngjang im Juni 2000. Für die Sonnenscheinpolitik wurde Kim Dae-Jung noch im selben Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Zu den Olympischen Spielen 2000 in Sidney und 2004 in Athen marschierten beide Nationen gemeinsam ein. Eigentlich war es geplant, dass auch bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 Süd- und Nordkoreas zusammen einmarschieren. Beide olympische Delegationen sollten diesmal sogar ein gemeinsames Team aufstellen, und ursprünglich hatten die chinesischen Gastgeber geplant, den südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-Bak (I Myeongbak) und die Nummer zwei in der Führung Nordkoreas, Kim Yong-Nam (Gim Yeongbak), bei dem Willkommens-Bankett an einem Tisch zu platzieren. Doch neue Differenzen zwischen den Politikern beider Regierungen führten dazu,
73 Food and Agriculture Organization, http://www.fao.org/newsroom/en/news/2005/100396/index.html
74 Stern, http://www.stern.de/politik/ausland/:Nordkorea-Es-Million-Tonnen-Nahrung/585765.html
75 Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea
76 Ministry of Unification, http://www.unikorea.go.kr/english/ENK/ENK0301L.jsp
dass China diese Pläne ändern musste. Es wurde sogar dafür gesorgt, dass beide Delegationen bei der Eröffnungsfeier nicht nebeneinander stehen. 77
Am 4. Oktober 2007 wurde bei einem historischen Gipfeltreffen zwischen beiden Staaten eine Friedenserklärung unterschrieben. Beide Staatschefs riefen in der Erklärung zu Frieden, Wohlstand und engerer Wirtschaftszusammenarbeit auf der koreanischen Halbinsel auf. Dies ist die bislang deutlichste Bewegung zu einem Friedensvertrag. Eine Wiedervereinigung ist aber immer noch nicht in Sicht.
77 Focus, http://www.focus.de/sport/olympia-2008/aktuell/news/olympia-peking-kein-zusammentreffen-von-
koreas-spitzenpolitikern_aid_322983.html
Personenregister
(aufgelistet sind wiederholt genannte oder nicht beschriebene Personen und ihre relevanten Daten)
Acheson, Dean Gooderham: US-amerikanischer Außenminister 1949-1953 Adenauer, Konrad H. J.: erster Bundeskanzler der BR Deutschland 1949-63 Byroade, Henry: Leiter der Deutschlandabteilung des State Departments 1949-52 Chruschtschow, Nikita Sergejewitsch: Nachfolger Stalins, Führer der KPdSU 1953-64 Churchill, Winston: zweifacher britischer Premierminister 1941-45 und 1951-55 Kim Il-Sung: erster Staatschef und diktatorischer Machthaber Nordkoreas 1948-94 Kim Jong-Il: zweiter nordkoreanischer Staatschef seit 1994, Sohn Kim Il-Sungs Kim Yong-Il: heutiger Regierungschef Nordkoreas seit April 2007 Kim Yong-Nam: Vorsitzender der Obersten Volksversammlung Nordkoreas seit 1998 Lee Myung-Bak: südkoreanischer Präsident seit 25. Februar 2008 LeMay, Curtis: Oberbefehlshaber der SAC ab 1949, Stabschef der Air Force ab 1961 Mao Zedong: Gründer und Oberhaupt der VR Chinas von 1949 bis zu seinem Tode 1976 McArthur, Douglas: Befehlshaber der UN-Truppen von 1950 bis zur Entlassung 1951 McCloy, John Jay: amerikanischer Hoher Kommissar der BR Deutschland 1949-52 Montgomery, Bernard L.: Stellv. Oberster alliierter Befehlshaber in Europa 1949-58 Morrison, Herbert Stanley: britischer Innenminister 1945-51, Außenminister 1951 Park Chunghee: südkoreanischer Präsident von 1961 bis zu seiner Ermordung 1979 Pleven, René: französischer Ministerpräsident 1950-52 Rhee Syngman: erster Präsident der Republik Korea 1948-60
Roosevelt, Franklin Delano: amerikanischer Präsident von 1933 bis zu seinem Tode 1945 Schuman, Robert: französischer Ministerpräsident 1947-48, Außenminister 1948-53 Stalin, Josef: Generalsekretär der KPdSU, sowjetischer Diktator bis zu seinem Tode 1922-53 Truman, Harry S.: amerikanischer Präsident von 1945 bis zu seinem Tode 1953 Ulbricht, Walter: Staatsratsvorsitzender und somit Staatsoberhaupt der DDR 1961-71
Zeittafel
1910
August: Japan annektiert Korea.
1943
22.-26. November: Konferenz von Kairo: Roosevelt, Churchill und Tschiang Kaischek sprechen sich für ein freies und unabhängiges Korea aus.
1945 4.-11. Februar: Konferenz von Jalta: Roosevelt schlägt eine Treuhänderschaft für Korea vor.
12. April: Roosevelt stirbt, Harry S. Truman wird sein Nachfolger.
17. Juli-2.August: Konferenz von Potsdam.
26. Juli: Potsdamer Proklamation.
6. August: Atombombenabwurf auf Hiroshima.
8. August: Kriegseintritt der Sowjetunion gegen Japan.
9. August: Atombombenabwurf auf Nagasaki.
16. August: Stalin akzeptiert den von den USA vorgeschlagenen 38. Breitengrad als Demarkationslinie in Korea.
2. September: General McArthur nimmt auf dem Schlachtschiff Missouri in der Bucht von Tokio die Kapitulation Japans entgegen.
8. September: US-Truppen landen in Incheon.
27. Dezember: Moskauer Vereinbarung: Die Außenminister Molotow, Byrnes und Bevin
1946
20. März: 1. Sitzung der amerikanisch-sowjetischen Kommission.
6. Mai: Die Kommission vertagt sich auf unbestimmte Zeit. Juni: Ausbruch des Bürgerkrieges in China.
1947
17. September: Die USA bringt das Koreaproblem vor die UN-Vollversammlung.
14. November: UN-Kommission soll Wahlen in Korea vorbereiten.
1948
15. August: Ausrufung der Republik Korea.
9. September: Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea. 31.Dezember: Abzug der sowjetischen Truppen aus Nordkorea.
1949
29. Juni: Abzug der US-Truppen aus Südkorea.
29. August: Sowjetischer Atombombentest.
1. Oktober: Mao ruft die Volksrepublik China aus.
1950
25. Juni Nordkorea überfällt Südkorea, Ausbruch des Korea-Krieges.
27. Juni: Seoul von Kommunisten eingenommen.
30. Juni: Einsatz von US-Bodentruppen in Korea. 15.September: Operation Chromite: Landung bei Incheon.
28. September: Rückeroberung Seouls.
1. Oktober: Südkoreanische Truppen überschreiten den 38.Breitengrad.
19. Oktober: Eroberung Pjöngjangs.
24. November: Beginn der chinesischen Intervention.
1951
4. Januar: Chinesen erobern Seoul.
14. März: Seoul wird zurückerobert.
9. April: Neun Atombomben werden nach Guam und Okinawa verlegt.
11. April: Truman entlässt McArthur. General Ridgway wird Nachfolger.
1953
5. März: Tod Stalins.
27. Juni: Unterzeichnung des Waffenstillstandes in Panmunjeom.
1960
April Rücktritt von Syngman Rhee.
1961-1987 Militärregierung in Südkorea.
1991 Nord- und Südkorea treten den Vereinten Nationen bei.
1994 8. Juli Kim Il-Sung stirbt, Nachfolger wird sein Sohn Kim Jong-Il, Nordkorea international isoliert.
2000 Treffen zwischen Kim Jong-Il und Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung.
2008 Der Plan, eine gesamtkoreanische Mannschaft bei den Olympischen
Literaturverzeichnis
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Internetliteratur
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Ministry of Unification: „General Information about North Korea“ auf Unikorea.co.kr http://www.unikorea.go.kr/english/ENK/ENK0301L.jsp
Northoff, Erwin: „Bird flu: FAO sends experts to North Korea“ auf Food and Agriculture Organization, 30. März 2005,http://www.fao.org/newsroom/en/news/2005/100396/index.html Reuters, Christoph: „Es fehlt eine Million Tonnen Nahrung“ auf Stern.de, 28. März 2007, http://www.stern.de/politik/ausland/:Nordkorea-Es-Million-Tonnen-Nahrung/585765.html
Arbeit zitieren:
B.A. Michael Hess, 2008, Der Korea-Krieg - Einige Aspekte zu Ursachen und Auswirkungen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
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