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1. Einleitung 1
2. Aufbau und Funktion des Pharmamarktes 2 - 25
2.1. Die Marktordnung 2
2.2. Die Marktstrukturen 2 - 3
2.3. Die Wettbewerbsordnung 3 - 6
2.4. Der Konzentrationsprozess 6 - 9
2.5. Der Pharmamarkt in Deutschland 9 - 19
2.6. Die allgemeine Preispolitik des auf dem Pharmamarkt 19 - 23
2.7. Die Preispolitik des deutschen Pharmamarktes im 23 - 25 internationalen Vergleich
3. Schlussbetrachtung 26 - 28
4. Literaturverzeichnis 29
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1. Einleitung
In dieser Arbeit sollen der Pharmamarkt, seine Teilnehmer und die Einflüsse, die auf den Markt wirken, dargestellt werden. Der Pharmamarkt ist ein Teilbereich des Gesundheitsmarktes. Wie der Konsumgütermarkt besteht er aus Anbietern und Nachfragern von Gütern und Dienstleistungen. Jedoch differenziert sich der Pharmamarkt vom Konsumgütermarkt durch staatliche Kontrollen, Gesetze und Vorschriften über die Qualität der Güter sowie durch die staatliche Preisregulierung.
Dies ist erforderlich, da die Güter dieses Marktes die Gesundheit der Konsumenten beeinflussen. Oftmals sind sie lebensnotwendig, werden dringend benötigt und können in ihrer Wirkung sowie Qualität durch die Verbraucher kaum eingeschätzt werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, Einblicke in das Verhalten der einzelnen Marktteilnehmer sowie die besondere Rolle des Staates zu vermitteln. Der Pharmamarkt und dessen Güter sind wichtige Faktoren in unserer Volkswirtschaft, denn wenn die Bürger keine ausreichende medizinische Versorgung erhalten und somit ihre Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen wird, können sie für die Gesellschaft auch keine produktive Leistung erbringen.
Im Kapitel 2 Aufbau und Funktion des Pharmamarktes sollen erst die Marktordnung, die Marktstrukturen, die Wettbewerbsordnung und der Konzentrationsprozess der Unternehmen auf dem Weltmarkt betrachtet werden, um dann im Besonderen den Pharmamarkt in Deutschland darzustellen mit seinen Gütern, Teilnehmern und den Einfluss, den der Staat auf sie ausübt. Danach untersuchen wir die Preispolitik des Pharmamarktes im Allgemeinen und die des deutschen Pharmamarktes im Speziellen, um diese dann im internationalen Vergleich zu betrachten.
Die Schlussbetrachtung im Kapitel 3 soll einen Gesamtüberblick über den deutschen Pharmamarkt bieten und zusammenfassend die wichtigsten Ergebnisse darstellen. Das Literaturverzeichnis gibt Aufschluss über alle Quellen, die im Zuge der Nachforschungen für diese Arbeit verwendet worden sind.
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2. Aufbau und Funktion des Pharmamarktes 2.1. Die Marktordnung
Es gibt zwei Formen der Wirtschaftsordnung, die Zentralverwaltungswirtschaft und die Marktwirtschaft. In der Zentralverwaltungswirtschaft wird vom Staat ein zentraler Wirtschaftsplan aufgestellt, während es in der Marktwirtschaft keinen Zentralplan gibt, sondern alle Unternehmen und Haushalte selbständig für ihre Bereiche Konsum- und Produktionspläne aufstellen, um ihre Zielsetzung zu erreichen. Dies sind in der Volkswirtschaft die freien Märkte. Dabei ist zu beachten, dass manche Märkte mehr und manche weniger Ordnung bedürfen. Der Pharmamarkt erfordert ein höheres Maß an Regulierung, da seine Güter lebensnotwendig sind. Das Kontroll- und Regulierungsorgan ist der Staat. Er muss dafür Sorge tragen, dass die Pharmaindustrie lebensunbedenkliche Medikamente auf den Markt bringt, damit Fälle, wie der Contergan - Skandal in den 60er Jahren, vermieden werden können. Das Risiko für die Menschen muss minimal gehalten werden, um sie vor Vergiftungen etc. schützen. Somit unterliegt der Pharmamarkt, trotz freier Marktwirtschaft externen Einschränkungen durch Gesetze und Verordnungen, wie dem Codex, AMG (Arzneimittelgesetz), HMG (Heilmittelgesetz), UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb), GMP (Good manufacturing partice).
2.2. Die Marktstrukturen
Es gibt drei Formen von Marktstrukturen, wobei es sich bei zwei von ihnen um Extreme handelt, nämlich das Polypol, bei dem typischerweise viele kleine Konkurrenten existieren, und das Monopol, bei dem es nur ein großes Unternehmen auf dem Markt gibt. Jedoch steht eine Marktstruktur zwischen den beiden Extremen, das Oligopol. Beim Oligopol verteilt sich die Auswirkung der wirtschaftlichen Handlungen jedes Anbieters auf nur wenige Konkurrenten und beeinflusst deshalb deren Marktsituation so merklich, dass ein Anbieter bei jeder eigenen Aktion mit Reaktionen seiner Wettbewerber rechnen muss. Es handelt sich um eine typische Aktions - Reaktions - Verbundenheit. So lange diese auf
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Rivalität beruht, liegt ein ausgeprägter Wettbewerb vor. Dies ist ein kompetitives Oligopol, in ihm besteht eine hohe Nachfrage.
Die pharmazeutische Industrie ist ein typisches Oligopol, allerdings handelt es sich um einen „reifen“ Oligopolmarkt 1 , der sich in Laufe der Jahre entwickelt hat. Darunter versteht man, dass sich zwischen den wenigen großen Anbietern eine Art Gruppensolidarität entwickelt hat. Jedoch handelt es sich nicht um Preisabsprachen, sondern um die jahrelange Markterfahrung und Kenntnis der Aktions - Reaktions - Verbundenheit, die zur spontanen Verfolgung gemeinsamer Interessen und somit zur Solidarisierung führt.
Die Anbieter bedienen sich verschiedener Aktionsparameter 2 . Damit wird aus dem kompetitiven ein nicht kompetitives Oligopol. Das bedeutet, dass die Anbieter im Innenverhältnis zwar ihre eigenen Entscheidungen treffen, jedoch nach außen auf dem Markt einheitlich auftreten. Typisch für das nicht kompetitve Parallelverhalten ist die Auswirkung auf die Preisfestlegung. Nehmen wir an, ein Pharmakonzern geht als Preisführer 3 mit einem neuen Arzneiprodukt (Hustensaft) auf den Markt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Mitbewerber, die ein substitutives Gut 4 besitzen, an den Preis anpassen. Dies sind die so genanten Preisanpasser. Also ist der Preis ein transparenter Aktionsparameter.
Bemerken jedoch die Unternehmen, dass durch die Preiskonkurrenz eine Verschiebung der Marktanteile nicht mehr erreicht wird und somit die Gewinnposition aller Akteure verschlechtert wird, weicht man auf weniger transparente Aktionsparameter wie zum Beispiel Service, Werbung und Produktverbesserung aus.
2.3. Die Wettbewerbsordnung
Wie im vorigen Kapitel erwähnt, handelt es sich bei dem Pharmamarkt um ein enges Oligopol. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist die Kooperation von
1 Vgl. Bartling/Luzius, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Vahlen, 15. Auflage, 2004, S 102,
enge Oligopole
2 Bartling/Luzius, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Vahlen, 15. Auflage, 2004, S 103
3 Unter Preisführer versteht man, dass noch kein anderes Unternehmen für dieses Produkt
(Hustensaft) einen Preis festgelegt hat.
4 Es handelt sich um zwei Güter, bei denen der Preisanstieg des einen Gutes einen
Nachfrageanstieg des anderen Gutes auslöst z. B. Hustensaft.
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Oligopolisten, durch die Gruppensolidarität entsteht, nicht wünschenswert, da sie durch ein zu niedriges Produktionsniveau auf einen zu hohen Preis hinführen könnte. Deshalb werden wirtschaftspolitische Maßnahmen gegen Oligopole getroffen. Dadurch wird bewirkt, dass die Finanzierbarkeit der Arzneimittel für die Verbraucher bestehen bliebt, da sie auf diese Produkte angewiesen sind. Es wird verhindert, dass ein einzelner Anbieter das Marktergebnis 5 zu seinen Gunsten beeinflussen kann und somit die Marktmacht erhält.
In der Marktwirtschaft findet eine wettbewerbliche Selbststeuerung 6 statt. Darunter versteht man, dass sich durch Angebot und Nachfrage ein Preis auf dem Markt selbstständig bildet.
Ein Markt besteht aus den potentiellen Käufern, den zukünftigen Kunden, und den Verkäufern eines Gutes. Die Gruppe potentieller Käufer bestimmt die Nachfrage nach dem Gut, die Gruppe der Verkäufer bestimmt das Güterangebot. Die Problematik des oligopolen pharmazeutischen Marktes wird durch Handelsbeschränkungen und Kartellgesetzte geregelt. Dadurch sollen Wettbewerbsbeschränkende Absprachen mit kooperationswilligen Unternehmen nicht ermöglicht werden, gemäß § 1 Absatz 1 des deutschen Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen.
Hier beginnt eine Transformierung von nationalem in internationales Recht, da behördliche Maßnahmen zum Schutz des Wettbewerbs sowie auf nationaler, als auch auf europäischer Ebene, inzwischen standardisiert worden sind. Der Staat zieht allgemein gültige Grenzen wie z.B. die allgemeinen Ordnungsrahmen für die Marktwirtschaft. Walter Eucken hat diese Prinzipien folgendermaßen formuliert: 7
1. ein funktionsfähiges Geldwesen
2. offene Märkte, um Wettbewerb vor Beschränkungen zu schützen, 3. die Sicherung von Privateigentum, 4. Vertragsfreiheit,
5 Marktpreis/ Marktmenge
6 Bartling/Luzius, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Vahlen, 15. Auflage, 2004, S 43
7 Bartling/Luzius, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Vahlen, 15. Auflage, 2004, S 43
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5. volle persönliche Haftung und
6. eine möglichst weit gehende Konstanz der Wirtschaftspolitik, um den eigentlichen Ablauf von Wirtschaftsprozessen möglichst frei von staatlichen Eingriffen zu halten.
Unter Einhaltung dieser Prinzipien soll die Wettbewerbsfunktion, nämlich die Verhinderung von dominierender Macht eines Unternehmens auf dem relevanten Markt, verhindert werden. Darüber hinaus gelten für die pharmazeutische Industrie noch weitere Prinzipien und Gesetze, die im Kapitel 2.1. Marktordnung benannt worden sind.
Hier hat z. B. der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) einen speziellen Codex entwickelt. Dieser ist eine reine Vereinssatzung und hat also keinen rechtlich bindenden Charakter. Jedoch sind alle Paragraphen des Codex auch in folgenden Gesetzen festgelegt:
- AMG (Arzneimittelgesetz)
- HWG (Heilmittelgesetz)
- UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) sowie dem
- GMP (Good manufacturing practice)
Dieser Codex wurde beschlossen, um nicht weiterhin zu dulden, dass der Wettbewerb in der forschenden pharmazeutischen Industrie verzerrt wird. Dies äußerte sich in der Vergangenheit insofern, dass die Unternehmen einander mit Geschenken für die Ärzte überbieten wollten, um deren Gunst zu gewinnen. Somit wurden die Werbegeschenke für die Ärzte immer größer und teurer, wie zum Beispiel Autos der Luxusklasse oder die kostenlose Nutzung eines beliebigen Feriendomizils.
Die finanzielle Lage eines Unternehmens könnte somit den Wettbewerb entscheidend beeinflussen. In dieser Art und Weise um einen Kunden zu buhlen, wirkte nicht nur Wettbewerbs verzerrend, sondern auch äußerst Image
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schädigend. Die Patienten gerieten in den Hintergrund und das Vertrauen in die Unternehmen sowie in die Ärzte wurde geschädigt.
Inzwischen ist der Codex in der forschenden pharmazeutischen Industrie als Gesetz zu werten. Sollte ein Unternehmen dagegen verstoßen, würde dies sehr schnell in der Tagespresse diskutiert werden und ein kontroverses Echo nach sich ziehen, das zu einem erheblichen Imageschaden führen würde. Allerdings muss an dieser Stelle zwischen pharmazeutischen Konzernen und Generikaunternehmen unterschieden werden. Letztere stellen
Nachahmerprodukte her von Wirkstoffen, deren Patentschutz abgelaufen ist. Sie haben den Codex nicht unterzeichnet und betreiben somit den skandalartigen Wettbewerb für die Umsatzsteigerung ihres Unternehmens weiter.
Generikahersteller verteilen nach wie vor teure Werbegeschenke, die die Ärzte dazu bewegen sollen, ihre Produkte zu verschreiben oder stellen spezielle Software für Ärzte her, die ihre Produkte bevorzugt behandelt. 8
2.4. Konzentrationsprozess auf dem Weltmarkt
Unter einem Konzentrationsprozess versteht man den Zusammenschluss von vielen kleinen Unternehmen zu einem großen. Dies geschieht zum Beispiel durch Fusionen, feindliche Übernahme von Mitbewerbern, Zerschlagung eines großen Konkurrenzunternehmens oder durch Insolvenzen. Somit entstehen neue, große Unternehmen mit einem höherem Marktanteil. Darüber hinaus wird die Unternehmenskonzentration auch von der Wettbewerbssituation auf den nationalen Märkten bestimmt.
Der Wettbewerb wird schwieriger, was auch im internationalen Vergleich zu erkennen ist, wie auf der folgenden Abbildung dargestellt wird. Die Pharmaindustrie Deutschlands hat den Anschluss an die Weltspitze verloren. Inzwischen nimmt Deutschland bei der Produktion pharmazeutischer Güter nur noch den fünften Platz hinter den Konkurrenzstandorten USA, Japan, Frankreich und dem Vereinigten Königreich ein.
8 Vgl. Markus Grill, „Der Pillenskandal“, S 288-242 in: Der Stern, Ausgabe 46/2005, Axel-Springer-Verlag, Hamburg
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Arbeit zitieren:
Claudia Gottschalk, 2006, Aufbau und Funktion des Pharmamarktes, München, GRIN Verlag GmbH
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