1. Suchtprävention in Deutschland
Statistisch betrachtet sterben jedes Jahr in Deutschland ca. 110.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Tabakkonsums, weitere 40.000 Menschen sterben an den Folgen schädlichen Alkoholkonsums, und etwa 1300 Todesfälle im Jahr verzeichnet der Missbrauch illegaler Drogen 4 . Während der Alkohol- und Zigarettenkonsum zur alltäglichen Realität in fast allen Altersgruppen geworden ist, wird der Konsum illegaler Drogen häufig als übliches Experimentierverhalten insbesondere während des Jugendalters und Erwachsenwerdens gesehen.
Zielgerichtete und wissenschaftsfundierte Suchtprävention kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Gesundheit der Bevölkerung zu steigern, die gesellschaftlichen Kosten zu senken und die Lebensqualität zu erhöhen. In Deutschland ist die Suchtpräventionsstruktur durch folgende relevante Akteure gekennzeichnet: Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung bis hin zu Multiplikatoren im Bildungs-, Arbeits- und Freizeitsektor 5 . Beispielsweise bietet die Jugendarbeit eine fundierte Vorbeugung gegenüber Suchtgefahren. Hierbei stellen die Förderung von Lebenskompetenzen und Sinnorientierung die wichtigsten Erziehungsziele für Jugendliche dar. Das heißt:
• Aufbau von Kompetenzen, die gegen schädigenden Drogengebrauch wirken,
• Steigernde Selbstkontrolle der eigenen Entwicklung,
• selbstverantwortlicher Umgang mit persönlichen und sozialen Problemen,
• Besseres Kennenlernen der eigenen Person und Arbeit an der persönlichen Weiterentwicklung,
• auf zwischenmenschliche Beziehungen eingehen können und mit den entstehenden Konflikten fertig werden,
• Alternativen zum Drogenkonsum schätzen lernen,
• Angemessener Umgang mit Drogen, Medikamenten und Genussmitteln. Die Vermittlung des entsprechenden Wissens über gesundheitsschädigende Mittel, ihre Wirkungen und über abhängig machende Situationen ist hierbei notwendig. Gesundheitsbewusstes Verhalten muss selbstverständlich werden! 6
2. Klassifizierung von Prävention
Maßnahmen zur Vorbeugung und Verhinderung von Krankheiten werden unterschiedlich klassifiziert und benannt. So orientiert sich Caplan (1964) an der Zeitachse der Intervention und unterscheidet die primäre Prävention, die sekundäre Prävention und die tertiäre Prävention. Bei der primären Prävention erfolgt die Einflussnahme vor einer Störung, wohingegen man bei einem Eingriff während des Ablaufs einer Erkrankung von einer sekundären Prävention spricht. Die tertiäre Prävention setzt schließlich nach dem Auftreten einer Erkrankung ein 7 . Eine andere Unterscheidung nimmt Perrez vor. Er unterscheidet Prävention hinsichtlich folgender Kriterien: spezifische versus unspezifische Prävention, populations-versus
risikogruppenorientierte Prävention und person- versus umweltorientierte Prävention. Dies macht die Definition von Persönlichkeitsmerkmalen oder Umweltbedingungen als Zielgrößen möglich 8 .
3. Präventionsebenen
Allgemein lassen sich Präventionen hinsichtlich verschiedener Zeitpunkte an denen sie ansetzen unterscheiden. Das bedeutet zugleich, dass sie unterschiedliche Formen des Umgangs mit den Drogen und unterschiedliche Formen des Abhängigkeitsverhaltens ansprechen. Von der
4 Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: URL: http://www.bzga.de/bot_suchtpraevention.html- (download am 01.03.2010)
5 Vgl. http://www.socialnet.de/rezensionen/3747.php
6 Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: URL: http://www.bzga.de/bot_suchtpraevention.html- (download am
01.03.2010)
7 Vgl. Petermann (2006), S.33.
8 Vgl. Petermann (2006), S.33.
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Vermeidung der Entstehung einer Abhängigkeitserkrankung, über eine Früherkennung von Suchtgefahren bis zur einer Wiederherstellung eines „normalen“ Lebens nach einer erfolgreich abgeschlossenen Therapie.
3.1. Primärprävention
Aufgabe der Primärprävention ist es, Abhängigkeitserkrankungen gar nicht entstehen zu lassen bzw. zu vermeiden. Reine und ausschließliche Informationsvergabe und Abschreckung reichen in der Prävention nicht aus. Wichtig sind das Erlernen von Konfliktbewältigungen und zudem die Einhaltung der Vorbildfunktion von Erziehern. Primärprävention ist nie nur Sache von Drogenberatungsstellen und Schulen, sondern benötigt alle in der Erziehung tätigen Personen. Die Primärprävention will zunächst auf der kommunikativen und strukturellen Ebene die Verbesserung der Lebensbedingungen 9 .
3.2. Sekundärprävention
Sekundärprävention beinhaltet frühes Erkennen von Suchtgefahren und frühes Handeln. Die Zielgruppe hierbei sind Suchtgefährdete zu Beginn ihrer Suchtkarriere. Für die Früherkennung der Abhängigkeitsgefährdung ist das folgende Schema des Suchtentwicklungsprozesses hilfreich: 1) Euphorisches Anfangsstadium: Da soziale Verstärkung oft der Beginn der Abhängigkeit ist, ist die Vermittlung von Anerkennung auch ohne Drogen entscheidend. 2) Stadium der kritischen Gewöhnung: Es kommt durch eine Gewöhnung und der damit verbundenen nachlassenden Wirkung der Droge zur Dosiserhöhung. Diese Abhängigkeitsgefährdung müssen Bezugspersonen erkennen und Alternativen in Interessen und Beziehungen ermöglichen und fördern. Kreative Freizeitgruppen mit den noch nicht gefährdeten Freunden stellen in diesem Stadium eine erfolgreiche Sekundärprävention dar.
3) Suchtstadium: Die Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle, Entgiftung und Nachsorge ist nötig.
4) Zusammenbruchs- oder Abbaustadium: Sofortige Krisenintervention für den Abhängigkeitserkrankten ist erforderlich 10 .
3.3. Tertiärprävention
Sie tritt nach dem Abschluss einer Therapie ein und richtet sich somit an Abhängigkeitskranke nach erfolgreichem Therapieabschluss. Tertiärprävention beinhaltet folgende Zielsetzungen: Stärkung des Selbstvertrauens und Ermutigung zur Rückkehr in familiäre und berufliche Aufgabenbereiche 11 .
4. Primärprävention und Gesundheitsförderung
Sieber (1993) hat die Verbindung von Primärprävention des Abhängigkeitsverhaltens mit dem Konzept der Gesundheitsförderung in einem Schema zusammengestellt. Dieses beinhaltet zudem wesentliche Forderungen einer ressourcenorientierten Prävention.
9 Vgl. Käser (1996), S. 12-13.
10 Vgl. Käser (1996), S. 13-14.
11 Vgl. Käser (1996), S. 14.
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personen- und strukturbezogene Primärprävention gebildet wird, während die andere Klassifikationsrichtung von unterschiedlichen Allgemeinheitsgraden präventiven Handelns dimensioniert wird 12 .
Somit vollziehen sich die Aufgabenfelder der suchtpräventiven Arbeit im Wesentlichen auf drei Ebenen. Dies sind: Aufgaben der allgemeinen Gesundheitsförderung, Aufgaben der Prävention von Suchtverhalten und Aufgaben der Prävention des Suchtmittelmissbrauchs, die in Wechselwirkung zueinander stehen 13 .
5. Schulische Suchtprävention
Schulische Suchtprävention zeichnet sich zunächst durch verschiedene Prinzipien aus. Dazu gehören:
Verknüpfung einheitlicher und differenzierter Prävention Nutzung von Präventionsprogrammen Vermittlung von Sachkenntnissen Bildung eigner Positionen Vertrauensvolle Lehrer-Schüler-Beziehungen Lehrerfortbildung 14 .
In der schulischen Suchtprävention lassen sich verschiedene Ansätze und damit verbunden verschiedene Ebenen unterscheiden.
Zum einen gibt es den Bereich der Person, in dem es um folgende Zielsetzungen geht: Förderung der Lebenskompetenz, der Selbstwahrnehmung und des Einfühlungsvermögens, der
Kommunikation und der Selbstbehauptung, dem Umgang mit Stress und negativen Emotionen und Förderung des Problemlösens, kreativen und kritischen Denkens sowie der Information. Auf der Ebene der Umwelt werden die Förderung der Lebensqualität in der Klasse und der Schule, ein positives Schul- und Klassenklima, gute Lern- und Arbeitsbedingungen, adäquates Lerntempo und Leistungsniveau, Partizipationsmöglichkeiten von Schülern und Lehrern angestrebt.
Bezogen auf die (psychoaktive) Substanz, geht es um die Förderung des adäquaten Umgangs mit ihr, das Vorbildverhalten der Lehrer, klare Regeln, das Jugendschutzgesetz, die Förderung gesunder Alternativen und die Information über Beratungs- und Hilfsangebote 15 .
6. Suchtprävention in der Jugendarbeit
In diesem Zusammenhang reicht Wissensvermittlung allein nicht aus. Sie muss durch weitere person- und strukturorientierte präventive Ansätze ergänzt werden 16 .
Zum einen wird die Bedeutung der Gleichaltrigengruppe berücksichtigt und genutzt: Die Gruppe der Gleichaltrigen hat in Fragen von Normen, Werten, Einstellungen, Verhaltensweisen und damit auch zu Fragen der Gesundheit, Krankheit und Sucht große Bedeutung für junge Menschen. In der suchtpräventiven Jugendarbeit befinden sich Jugendliche vornehmlich in einer Gleichaltrigengruppe. Der große Einfluss dieser Peergroups auf die Jugendlichen kann schließlich auch positive genutzt werden 17 .
Suchtprävention als multifaktorielle Strategie
Da für die Entstehung der Sucht verschiedene Ursachen in ihren Zusammenwirkungen verantwortlich sind, muss die Prävention auch bei unterschiedlichen Ursachen ansetzen. Daraus
12 Vgl. Petermann (2006), S. 37.
13 Vgl. Petermann et al. (1997), S.54.
14 Vgl. Petermann et al. (1997), S. 174-178.
15 Vgl. Walchshofer (2009), S. 24.
16 Vgl. Petermann (2006), S. 36.
17 Vgl. Käßer (1996), S. 14-15.
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Arbeit zitieren:
Katharina Hilberg, 2010, Suchtprävention - eine kurze Einführung, München, GRIN Verlag GmbH
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