Die Thermen Helvetiens am Beispiel der Bäder in Aquae Helveticae und Aventicum.
Inhalt
1. Einführung 3
1.1. Römische Thermenarchitektur 4
1.2. Aufbau und Badevorgang 5
1.3. Bauweise 6
1.4. Heizung 7
2. Die flavischen Thermen „En Perruet“ in Aventicum 8
2.1. Geschichte 8
2.2. Lage der Thermen 9
2.3. Räume 9
3. Aventicum Insula 19 10
3.1. Zur ersten Bauetappe: Tiberische Zeit 10
3.2. Zur zweiten Bauetappe: 72 n. Chr. 11
3.3. Zur dritten Bauetappe: 135 - 137 n. Chr. 11
3.4. Der grosse Brunnen 12
4. Thermen Aquae Helveticae (Baden AG) 12
4.1. Geschichte 13
4.2. Befunde der letzten Grabungen 14
4.2.1. Bassin I 14
4.2.2. Bassin II 15
4.2.3. Nebenräume 16
4.2.4. Weitere Bade- und Gebäudeteile 16
4.3. Thermentypologisierung und Datierung 16
4.4. Religion und Quellverehrung 17
4.5. In Baden wird wieder gegraben 18
4.6. Archäologische Zukunft 21
5. Schlussfolgerung 22
6. Bibliografie 24
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Die Thermen Helvetiens am Beispiel der Bäder in Aquae Helveticae und Aventicum.
1. Einführung
Mit der Welt des Badens und der Thermen steigen wir ein in einen Themenkreis, der sich von der frühesten- bis in die heutige Zeit beinahe nahtlos verfolgen lässt. Eine Entwicklungsgeschichte die historisch, literarisch und archäologisch sehr gut dokumentiert ist. Gebadet wird seit Menschengedenken. Aus hygienischen, gesundheitlichen, rituellen Gründen -oder einfach zum Zeitvertreib, Erholung und zum Spass.
Bäder, Schwitzbäder, sind bereits aus dem Neolithikum bekannt. Die Griechen haben das Bad domestiziert und eine eigentliche Badekultur entwickelt, diese ins römische Imperium importiert, und dort zu palastähnlichen Anlagen ausgebaut und dekoriert. Das Baden wurde bei den Römern zu einem Grundbedürfnis und einem bedeutenden Teil des Alltagslebens. Gebadet wurde in den Städten, in öffentlichen oder privaten Bädern, auf dem Lande, praktisch jeder Vicus verfügte über eigene Bäder, und auch in ein Legionslager gehörten Thermen.
Badegewohnheiten geben einzigartige makro- und mikrologische Einblicke in den Alltag einer Bevölkerung. Thermen und Badeanlagen sind das Abbild, eine sichtbare Verdichtung sozialer, ethischer, religiöser, politischer Bedürfnisse und Gewohnheiten eines Ortes, einer Region und eines Volkes. Über den grossen politischen Coup, bis hin zur peinlichsten Intimsphäre, vermag die Architektur und die Ausstattung der Thermen zu berichten.
Mit dem Bau von Thermen war man sich der Gunst des Volkes sicher. Das hatte auch Agrippa um 19 v. Chr. erkannt. Er liess die Agrippa-Thermen in Rom erbauen und befahl den freien Eintritt in die öffentlichen Bäder für das gesamte Reich.
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Die Thermen Helvetiens am Beispiel der Bäder in Aquae Helveticae und Aventicum.
1.1. Römische Thermenarchitektur
Erste, von den Aquädukten versorgte, einfache öffentliche Badehäuser nach hellenistischem Vorbild existierten bereits um 400 v. Chr. Die älteste, heute bekannte römische Badeanlage ist ein Sitzwannenbad in den Stabianer Thermen in Pompeji aus dem 3. Jahrhundert. Hypokausten und Reihenbäder mit einer festen Raumfolge sind ab dem 2. vorchristlichen Jahrhundert bezeugt. Daniel Krencker unterscheidet Thermentypen nach deren Raumfolge:
• Reihentyp
• Ringtyp
• Doppelreihenanlage
• Typ mit Verdoppelung einzelner Abschnitte, vor allem desjenigen der Warmbadräume
• die symmetrische Anlage
• der kleine Kaisertyp
• der grosse Kaisertyp
Aber die römischen Baumeister haben sich keineswegs immer an dieses Schemata gehalten und mussten oft die Architektur den örtlichen Gegebenheiten, dem Gelände, dem Klima oder den Träumen ihrer Auftraggeber anpassen.
Im Verlauf des 1. Jh. n. Chr. unterscheiden sich die Thermen mehr in ihrer Funktion als in ihrer Gestaltung: es gibt grosse, repräsentative, öffentliche Bäder und daneben existieren nach wie vor unzählige balnea innerhalb der Wohngebiete, am Rande kommerzieller Zentren, sowie an Strassen- und Verkehrsknotenpunkten der grossen, mittleren und kleinen Städten. Auch Militärs und jedes castrum hatten ihre Thermen. Jedes Legionslager besass wohlausgebaute, umfangreiche Thermen.
Bei den Heilbädern wurde die rituelle Bindung an eine göttliche Schutzmacht beibehalten. Jede anspruchsvolle Villa, jedes grosse Stadthaus besass seine privaten Bäder. Grossartig waren die Bäder der Paläste, besonders jene des kaiserlichen Hauses und hoher Staatsbeamter.
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Die Thermen Helvetiens am Beispiel der Bäder in Aquae Helveticae und Aventicum.
1.2. Aufbau und Badevorgang
Die Thermen hatten meist die gleiche Raumfolge, die schon bei den hellenistischen Reihenbädern existierte:
Im apodyterium, dem Umkleideraum, entkleidete man sich und verstaute seine Kleidung in den in die Wand eingelassenen Nischen oder hölzernen Regalen, oder man gab sie seinem Sklaven oder dem capsarius zur Aufbewahrung. Während man in Griechenland nackt Sport trieb und badete, trugen in Rom zumindest die Frauen eine Art Bikini.
Männer und Frauen badeten (offiziell) getrennt. Die Männerbäder waren wesentlich grösser und luxuriöser eingerichtet als jene der Frauen.
Als erstes betrat man das caldarium, den durch Hypokausten und Wandheizungen geheizten, meist nach Süden hin gelegenen Heißbaderaum mit Heißwasserbecken. Die Bodentemperatur konnte dort leicht über 50 °C betragen, weshalb man im Bad Holzschuhe trug. Im caldarium gab es meist Apsiden, in denen sich die mit 40 °C heißem Wasser gefüllten Wannenbäder befanden. Während man den Ausblick durch die großen Fenster genoss, konnte man sich von einem Sklaven mit warmen Güssen überschütten lassen.
Darauf folgte das ebenfalls durch Hypokausten beheizte tepidarium mit milder Hitze. Das tepidarium enthielt meist kein Becken. Es isolierte die geheizten Räume von den kalten und erleichterte die Anpassung.
Anschließend kühlte man sich im frigidarium, dem Kaltbaderaum, ab und sprang dort in das Kaltwasserbecken. Das frigidarium war der größte Raum der Thermen und daher vermutlich der Hauptaufenthaltsraum.
Man reinigte sich mit dem strigilis und ließ sich nach dem Bad im aleipterion (lateinisch: unctuarium) einölen und massieren.
Angeschlossen an das frigidarium war die palaestra, der Sportplatz, so dass man sich nach der körperlichen Ertüchtigung gleich im kalten Wasser erfrischen konnte. Große Bäder boten zusätzlich ein richtiges Schwimmbecken, natatio, an, teilweise sogar überdacht.
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Die Thermen Helvetiens am Beispiel der Bäder in Aquae Helveticae und Aventicum. Schließlich gab es in einigen Bädern - nie in Frauenbädern - noch ein laconicum oder sudatorium, ein Schwitzbad mit trockener Hitze ohne Becken, das durch einen Holzkohleofen beheizt wurde und deshalb viel heißer wurde als das caldarium. Luxusbäder enthielten zudem Imbisse und Läden, Bibliotheken und Vortragssäle sowie Wandelhallen, Ruhesessel und Gartenanlagen zur seelischen Zerstreuung. Zumindest in den Heilbädern hatten auch Ärzte ihre Praxisräume in Nebenräumen der Thermen. Latrinen waren fast immer Bestandteil der Thermenanlage.
Der Besuch der großen Thermen dauerte oft mehrere Stunden, meist von der 9. Stunde, also je nach Jahreszeit von den Mittags- oder Nachmittagsstunden an bis in den Abend, und galt als wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Seneca beschwerte sich über den Lärm in den Thermen, der vergleichbar mit dem heutiger Schwimm- und Spaßbäder gewesen sein dürfte.
1.3. Bauweise
Vitruv gab in seinem Werk De Architectura genaue Anweisungen zum Bau von Thermen. Die Wände bestanden meist aus Backstein oder mit Mörtel verbundenen Bruchsteinen. Für die Füllung wurde hauptsächlich opus caementitium verwendet, das die Tragfähigkeit von Mauern und Gewölben erheblich erhöhte. Sogar eine Art Leichtbeton war bereits bekannt. Damit die Feuchtigkeit nicht die hölzerne Dachkonstruktion angreift, schlägt Vitruv vor, das Gewölbe doppelt zu bauen, damit der Wasserdampf dazwischen abziehen kann. Die Beleuchtung sollte von oben in die Badebecken fallen.
Die Böden waren häufig mit Mosaiken ausgelegt, die Wände gegen die Feuchtigkeit verputzt und mit Fresken verziert, oder wie die Becken mit Marmor ausgelegt. Große Fenster und Gewölbe mit Glasluken ließen Licht und Wärme einfallen.
Zur Überwölbung der großen Innenräume wurde von römischen Baumeistern seit den Agrippa-Thermen bevorzugt die Kuppeltechnik eingesetzt. Die Thermenkuppeln gehörten zu den größten im ganzen Römischen Reich.
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Die Thermen Helvetiens am Beispiel der Bäder in Aquae Helveticae und Aventicum. Besonders die Kaiserthermen waren zudem mit zahlreichen Skulpturen ausgestattet, in Nischen oder auch freistehend. In der Renaissance wurden die Kaiserthermen von der Oberschicht Italiens geschleift. Als bekanntestes Beispiel gilt die Familie der Farnese, welche zum Bau ihrer Prunkpaläste Baumaterial, Marmor und zahlreiche Skulpturen den Caracala-Thermen entwendeten 1 . Diese Skulpturen können heute teilweise im Museo Archeologico, Neapel, besichtigt werden.
1.4. Heizung
Die Römer verwendeten in ihren Thermalbädern sowohl Fußboden- als auch Wandheizungen mit Heißluft (Hypokaustum). Beide Techniken wurden zunächst für die Thermen entwickelt und angewendet.
Die beheizten Räume konnten je nach Größe und Art des Bades sehr unterschiedlich aussehen. Gemeinsam war ihnen, dass sie meist nach Süden ausgerichtet waren, um die Wärme der Sonne mit zu nutzen.
Damit sich die Wärme der Fußbodenheizung besser ausbreitete, sollte der Boden des Hypokaustums nach Vitruvs Empfehlung eine leichte Neigung aufweisen. Die Wände bestanden oft aus Hohlziegeln, durch die ebenfalls heiße Luft geleitet wurde. In den Caracalla-Thermen war das caldarium (Heißbad) rund und von einer großen Kuppel überdacht.
Das caldarium der Trajansthermen war von gewölbten unterirdischen Durchgängen flankiert, die oft nur 2 Meter breit und 2,5 Meter hoch waren und durch rechteckige Löcher in der Decke beleuchtet wurden.
Von solchen Gängen unter den eigentlichen Baderäumen aus bedienten Sklaven die Wand- und Bodenheizung. Die Arbeitsbedingungen in diesen Gängen müssen entsetzlich gewesen sein, da der Rauch nur allmählich durch die Deckenlöcher entwich. Die Heizkammern (praefurnia)
1 Alessandro Farnese/Papst Paul III, ab 1534
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Arbeit zitieren:
Dominique Oppler, 2010, Die Thermen Helvetiens am Beispiel der Bäder von AVENTICVM und AQVAE HELVETICAE, München, GRIN Verlag GmbH
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